Simons Systemische Kehrwoche

Regressforderungen an Manager

Fritz B. Simon

Die Berliner S-Bahn macht zur Zeit täglich einen Verlust von 250.000,- Euro, so teilte der zuständige Vorstand, Herr Homburg, gestern dem Berliner Abgeordnetenhaus mit.

Da - wie auch er sagt - dies durch Managementfehler verursacht ist, stellt sich die Frage, ob der Eigentümer der Deutschen Bahn, d.h. wir, nicht Regressforderungen an dieses Management richten sollten.

Der für die S-Bahn zuständige Bahnvorstand ist und war, als die fehlerhaften Managemententscheidungen getroffen wurden, Herr Homburg. An erster Stelle bietet er sich deshalb als Adressat solcher Forderungen an. Allerdings sieht er keine Schuld bei sich, obwohl er die Vorgaben, wie hoch die Gewinne zu sein haben, die an die Zentrale abzuführen sind, gemacht hat.

Wenn Homburg sich nicht in der Verantwortung sieht (”Befehlsnotstand”?), dann bleibt ja wieder mal nur Hartmut Mehrdorn, der durch seinen bekloppten Managementstil dieses Desaster zu verantworten hat (und wahrscheinlich auch Herrn Homburg als Vorstand).

Wer ein Unternehmen mittels Angst führt, so dass er seine Mitarbeiter bespitzeln lassen muss, der gehört aus dem Verkehr gezogen. Vor allem: Er sollte auch finanziell zur Rechenschaft gezogen werden. Auch wenn die paar Millionen, die er bekommen hat, im Allgemeinen nicht reichen, um den Schaden auszugleichen.

Als Professor für Führung und Organisation, der sich seit etlichen Jahren wissenschaftlich mit diesen Fragen beschäftigt, bin ich doch immer wieder erschüttert, welche Idioten an der Spitze deutscher Unternehmen stehen. Idiot ist dabei im altgriechischen Sinne zu verstehen. So nannte man Menschen, die außerhalb der jeweiligen Gemeinschaft, d.h. der Polis (Stadt/Staat) oder eines Oikos (Haushalt/wirtschaftliche Einheit) als mehr oder weniger auf sich gestellte Einzelgänger ohne Sinn für soziale Bezüge, ohne Notwendigkeit soziale Systeme zu verstehen, im Wald hausten. Sie brauchten nicht das, was man heute soziale Intelligenz nennt. Wobei ich denke, dass auch dieser Begriff noch zu kurz greift: Was Manager brauchen, ist eine organisationale Intelligenz. Sie umfasst ein Verständnis von Organisationen als sozialen Systemen - als Kommunikationssystemen, die sich nicht durch “Malen nach Zahlen” führen lassen.

4 Kommentare »

  1. Im Umkehrschluss sind offenbar die Organisationen schön blöd, wenn sie sich von derart schlecht erzogenen Kindsköpf an der Nase herumführen lassen. Die dumme Kuh namens Bahn wird nach dem selben Prinzip gemolken und irgenwann verwurstet wie das Staatswesen insgeamt. Die “System-Architektur ist mehr und mehr für diesen Zweck zurechtdesignt worden. Von einem Organismus, der Metasthasen mit durchfüttern muss, kann man nun mal keine Spitzenleistungern erwarten.

    Kommentar von Max Liebscht — 12. Januar, 2010 @ 11:19 Uhr

  2. Vielleicht sind manche Unternehmen zu faul oder zu ängstlich, alte Gewohnheiten (Manager) abzulegen und sich neue zuzulegen, die ihr Fach auch beherrschen (damit soll jetzt nicht gesagt sein, dass der Manager einen einfachen Beruf hat!).
    Manchmal scheint es, als würde dieser Bruch mit dem Alten/Gewohnten und der Versuch des Neuen erst dann stattfinden, wenn die Medien hellhörig geworden sind, die Organisation in einer Sackgasse steckt, die sich nur durch die Entlassung des skandalösen Managers wieder verlassen lässt.

    Kommentar von Siri — 12. Januar, 2010 @ 13:48 Uhr

  3. “Nachrichten sind das, was irgend jemand unterdrücken möchte - alles andere ist Werbung.”
    Rubin Frank, früherer Präsident der NBC News

    Kommentar von Max Liebscht — 12. Januar, 2010 @ 14:18 Uhr

  4. FBS: “… stellt sich die Frage, ob der Eigentümer der Deutschen Bahn, d.h. wir, nicht Regressforderungen an dieses Management richten sollten. …”

    Meines Wissens beruht der S-Bahnverkehr in Berlin auf einem Vertrag zwischen dem Senat und dr Bahn.

    Der Senat ist also Auftraggeber. Erführe ich als Privatmann oder Unternehmer in meiner Eigenschaft als Auftraggeber eine derartige Minderleistung (skaliert auf meine bescheidenen Verhältnisse) wie sie die Bahn jetzt seit fast einem Jahr in Berlin erbringt, ich hätte schon lange einen Riesenaufstand gemacht.

    Da fällt auf wie lendenlahm sich der Senat von Berlin als Auftraggeber gibt. Es ist fast nicht erklärlich. Man kann nur spekulieren: entweder ist Korruption im Spiel oder der S-Bahnbetriebsvertrag ist derart schlecht (keine Ausstiegsklausel, keine Anpassungsklauseln, keine Kündigungsklauseln, keine Kontrollmechanismen), dass man Angst hat, dass wir dahinterkommen.

    Und falls der Vertrag so schlecht ist, ist wiederum der Korruptionsverdacht naheliegend.

    Kommentar von duscholux — 15. Januar, 2010 @ 12:24 Uhr

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