Rosarno
Fritz B. Simon
Wenn man, wie ich gelegentlich, die italienischen Nachrichten hört oder sieht, so sind in den letzten Tagen die Ereignisse in Rosarno eines der zentralen Themen.
Rosarno ist ein Kaff in Kalabrien, und die Bevölkerung lebt überwiegend von der Landwirtschaft. Zum Pflücken des dort angebauten Obstes werden überwiegend (illegale) Einwanderer aus Afrika eingesetzt, die teilweise unter menschenunwürdigen Verhältnissen zusammen leben und für ca. 30 Euro am Tag arbeiten. Sie werden - anders formuliert - systematisch ausgebeutet…
Der eingeborenen Bevölkerung geht es nicht unbedingt besser, nebenbei bemerkt. Richtig viel Geld verdient in dieser Gegend eigentlich nur die ‘Ndrangheta, die örtliche Form der Mafia.
Am Wochenende ist es nun zu Unruhen und handgreiflichen Konflikten - auch Schüsse sind gefallen - zwischen den Afrikanern und der örtlichen italienischen Bevölkerung gekommen.
Ergebnis ist, dass die meisten Afrikaner den Ort verlassen haben, ihre Unterkunft abgerissen wurde, und das Obst auf den Bäumen bleibt.
Ich finde diese Ereignisse signifikant, allerdings weiss ich noch nicht, wofür eigentlich…
12 Kommentare »
RSS Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.
http://www.guardian.co.uk/books/2002/feb/02/johnsteinbeck.socialsciences
Kommentar von Stephan Walderdorff — 15. Januar, 2010 @ 09:43 Uhr
oh, ein palindrom!
Kommentar von Stephan Walderdorff — 15. Januar, 2010 @ 09:45 Uhr
doch nicht, müsste der 20. Feb sein
Kommentar von Stephan Walderdorff — 15. Januar, 2010 @ 09:55 Uhr
ich finde die beschriebenen Ereignisse signifikant dafür, dass (auf welche Weise auch immer), wir - nämlich alle einzelnen zusammen- schwache Länder weiterhin ausbeuten zu lassen, uns nicht scheuen…warum und wofür? für die ungerechte Aufrechterhaltung unseres westlichen Lebensstandard. Das ist bekannt. Wie wäre hier vom einzelnen und von der Politik zu handeln? Was kann man als Wähler von den Politikern fordern? Wie kann man es fordern? Welche Modelle liegen vor? Welche Praxen liegen vor. Es gibt eine Schule in Mali, die von FBS and Friends gebaut wurde! Was denn noch alles????
Wenn ich so eine Geschichte höre, wäre ich gleichzeitig froh zu wissen, dass z.B. in Afrika je vor Ort bereits viel geschieht und geschehen ist, konkret WAS, und dass es längst einen nachhaltigen Aufbruch zum Guten Gelingen gibt, sichtbar WORAN.
Was alles geschieht denn schon? Wie kommen wir zu gerechtem Handeln, jenseits von Chaos, Gleichgültigkeit, Beliebigkeit? Fussend auf ökologischem Wirtschaften, dem Gratis-Export von nachhaltigem Knowhow durch die einzelnen westlichen Staaten, bezahlt aus extra eingehobenen und ausgewiesenen Steuergeldern, sowie gut bezahlten individuellen materiellen und praktischen Hilfen vor Ort, und dazu einer ganz allgemeinen gebündelten Aufmerksamkeit auf zukunftshaltige klar umrissene zeitliche Ziele, durch politischen Druck auf unsere Parteien und Regierungen….
Es gibt sehr viele erstaunliche und überzeugende Entwicklungen, warum erzählen wir uns von denen so wenig???? Wir “vergessen sie. Diese Erzählungen können interessieren und ermutigen….
Wie steht es mit der Schule in Mali?
Wer kennt andere Projekte in Afrika und kann darüber erstaunliches und erfreuliches erzählen????
Kommentar von Sylvia Taraba — 15. Januar, 2010 @ 14:56 Uhr
der 1. feb.
Kommentar von toad — 15. Januar, 2010 @ 14:57 Uhr
Ich kenne Italien und Calabrien recht gut.
Afrikanische Arrangements weniger.
Gelegenheit (andere auszubeuten) macht Diebe?
Der Unterschied zu uns Gerechten besteht wohl vorzüglich darin, dass wir derartiges besser an niedere Kasten außerhalb unserer Resorts delegieren können.
Die Italiener sind da wohl nur direkter.
Es gab und gibt Kulturen, in denen Menschenfresserei dazu gehört. Bzgl. der sich verschärfenden Probleme der demographischen Entwicklung vs. Ressourcenverfügbarkeit stellte eine Renaissance dieses “Die Lebensansprüche anderer Menschen sind mir Wurst.” eine echt synergetische Problemlösung dar.
Multikulti als Mehrkampfsport.
Vorgestern war ich in Berlin.
FBS hatte Recht. Prompt mußte ich wegen Reifenschaden (?) der S- Bahn 15 Minuten warten. Kommt die DDR wieder?
Was mich Landei auch immer verblüfft, sind zwei Dinge: Die Kreativität und Aufgeschlossenheit der Leute in dieser Stadt. Ungemein schnell fühle ich mich zu Hause. Andererseits erschreckt mich jedes Mal die Verlorenheit all dieser offensichtlich ziemlich desorientierten Seelen, die da zwischen den Kulissen des Wohlfahrtsversprechens herumirren.
Interessant auch die Erfahrung, wenn man mit Geschäftsleuten spricht. Die Frage OB Systeme; Organisationen Krieg brauchen, stellt man sich offenbar nicht. Selbstverständlich geht man davon aus, dass es so ist. Es können nicht alle gewinnen und einige werden immer unter die Räder kommen. Die Geschichte … Der Fokus liegt auf der Sorge ums Arrangement, WIE damit umzugehen ist, dass den letzten immer die Hunde beißen. Selbst im Sozialbereich wird im Verhältnis von Kompetitionsprinzip / Kooperationsprinzip, (”Langeweile” / “Spannung”, die Organisationen brauchen) ganz nonchalant ersteres betont. Hilfe muss sich rechnen. Wir können nicht alle armen Seelen retten und wollen sehen, dass wir selber noch auf dem Siegertreppchen Platz haben. Schon interessant, dieser Großstadtdschungel, mit all den Standpunkten und Perspektiven, die er so forciert hervorbringt. Die Corporatokratie als zunehmend kosmetisches Problem.
Kommentar von Max Liebscht — 16. Januar, 2010 @ 12:44 Uhr
Ja also ich kann Ihre Gedanken oben (ich kenne Ihre Gedanken ja nun schon eine ziemliche Zeitlang und in zunehmend qualitativ differenzierte und konsistenter Ausführung), gut nachvollziehen.
Klar einen Krieg will man nicht. Ich will einfach keinen Krieg und glaube nicht daran, dass er langfristig unproduktives Denken wirk-lich verändern kann.
Ihre diesbezüglichen obsessiven Ahnungen betrachte ich gewöhnlich als starke Herausforderung, sie umzulenken: hin zu einer konstruktiven Sichtweise, zu Vorstellungen, die es ermöglichen, andere, ungewohnte, erfrischende, produktive, erstrebenswerte Lösungen in Betracht zu ziehen. Ich gehe dabei bekanntlich davon aus, dass wir, die Welt konstruieren und sie so ist, wie wir sie beschreiben und sie uns erzählen. Ich denke, wenn ich hier rhetorische Fragen stelle, dabei daran, dass wir durchaus ja mal andere, neue ungewohnte Strategien ins Auge fassen könnten. Das ist eben mühsames Lernen in FORM der Neu- Formulierung und damit Neu-Modellirung der Gewohnheiten des Denkens des Gehirns….
Ich gehe keines Falls davon aus, dass wir alle gleich sind, immer ale gleiche Rechte haben und alle “gewinnen” können. Wir müssen uns von einander unterscheiden….und haben unterschiedliche “Schicksale”
Ich gehe aber davon aus, dass wir in der Lage sind Ungleichheit anders auszudrücken als in Gegensätzen von materiellem Reichtum und menschlichem Elend. von “Frieden” und “Krieg” usw. “Werden” ist eine subjektive Kategorie in welcher Konflikte Lernen und Kreativität verlangen
Die Arbeit am Begriff erlaubt es Gefühls- und Sachverhalten zu unterscheiden und die Anschlüsse aufzusuchen, die objektiv eine Neubewertung erlauben und subjektiv erlauben sich in seinem Schicksal wohl und verantwortlich zu fühlen.
Mich stören “niedrige Kasten” nicht, die Arbeiten ausführen, die ich nicht ausführen möchte.
(Ich selbst möchte weder Perfektionistin, Proletin, Producerin, Profiteurin, Professorin, Portugiesin, Physikerin, Profilerin, Polizistin, Pilotin, Politikerin usw. sein. Ich stehe zu meiner Unterscheidung, “Sylvia Taraba” und Philosophin und Pädagogin zu sein und deren Schicksal und Lebensbedingungen zu haben.)
Mich stört aber Elend, das ich, nachweisbar anschlussfähg, mit meinem unreflektierten Lebensstandard und dem meiner weitesten Umgebung mit erzeuge. Mich interessiert, welche effektiven Denk- und Handlungs-Konstrukte, hier zunehmend Abhilfe und diesen absolut hässlichen Zuständen ein erwartbares Ende schaffen können….
Mich interessiert deshalb zu allererst, die erfreulichen Aspekte, die schon erfolgreich erdacht wurden und passieren, in den Fokus zu nehmen….
Es “gibt” sie schon, sie werden schon gedacht und verwirklicht….
Kommentar von Sylvia Taraba — 16. Januar, 2010 @ 17:35 Uhr
Sie können als offenbar recht gut mit der Idee leben, dass das gern bemühte “Schicksal” mit Ihnen höher hinaus wollte als mit Vertretern niedrigerer Kasten. Das ist die Idee mit dem Konstruieren der Welt natürlich angenehm. Humor heißt letztlich nicht viel anderes als Saft. Der eine hat ihn, der andere hat ihn sich erpressen lassen. Da machen Sie mal fröhlich weiter mit Ihrem Gedankendoping. Sie sind damit in feiner Gesellschaft.
http://www.youtube.com/watch?v=Odw2oQLaMQ8&feature=channel
Kommentar von Max Liebscht — 18. Januar, 2010 @ 09:43 Uhr
Sie können offenbar recht gut mit der Idee leben, dass das “Schicksal” es mit Ihnen (nicht) gut meint, oder wie muss ich Ihre Unentschiedenheit interpretieren? Sie müssen sich entscheiden, auf welcher Seite Sie im Kasten- oder Klassenkampf stehen wollen, bevor Sie einen solchen anzetteln. Wollen Sie es dabei belassen das Schicksal anzuklagen oder wollen Sie Ihr Schicksal in die Hand nehmen?
Kommentar von Sylvia Taraba — 18. Januar, 2010 @ 15:20 Uhr
Laut Oskar Wilde sind es die Unzufriedenen,
die die Welt vorwärts gebracht haben, nicht wahr?
Kommentar von Max Liebscht — 19. Januar, 2010 @ 20:35 Uhr
Ja, wenn sie die Unzufriedenen mit sich selbst unzufrieden sind, bin ich überzeugt davon, dass sie (Sie) die Welt (Ihre Welt) “vorwärts” bringen. Oder vielleicht eher in Balance?????
Kommentar von Sylvia Taraba — 19. Januar, 2010 @ 21:39 Uhr
Man weiß nie, ob man nicht gerade des Guten zuviel oder des Schlechten zu wenig tut. So bleibt es spannend.
Kommentar von Max Liebscht — 21. Januar, 2010 @ 17:22 Uhr