S-Bahn
Fritz B. Simon
Die Berliner S-Bahn ist fahrunfähig. In der Zeitung steht, die Techniker hätten Protokolle gefälscht und vorgetäuscht, sie hätten die vorgeschriebenen Routine-Check-Ups der Wagen vorgenommen, obwohl sie diese Arbeiten tatsächlich gar nicht gemacht hätten.
Wenn das wirklich so gewesen sein sollte, stellt sich ja die Frage, wie man solch ein Verhalten erklären kann. Denn es ist ja nicht sehr wahrscheinlich, dass Techniker, die eine Berufsehre wie andere Berufsstände auch, ohne Not solche – inhaltlich ja durchaus sinnvollen – Sicherheitsüberprüfungen nur vortäuschen und damit Unfälle riskieren, die viele Menschen das Leben kosten können.
Dass ihnen Anweisungen vom Management gegeben worden sind, diese Protokolle zu fälschen, ist m.E. sehr unwahrscheinlich, denn dies wäre für sie höchst gefährlich gewesen, und so wagemutig sind Manager nicht, schon gar nicht, wenn sie in einem Konzern arbeiten.
Bleibt als wahrscheinlichste Erklärung, dass den Technikern inhaltliche Vorgaben gegeben worden sind, die nicht zu erfüllen waren, und gleichzeitig eine Unternehmenskultur wirksam wurde, die jeden Widerspruch entmutigte .
Wenn das so gewesen sein sollte, dann landen wir wieder bei meinem Lieblingsmanager H. Mehdorn und seinem Führungsstil. Aber über den will ich ja nicht mehr schreiben.
Da fällt mir ein, dass ich heute mit einem Kollegen zu Mittag gegessen habe, der viel Forschung in Konzernen gemacht hat. Sein Resumee – das mich erschütterte – war, dass dort in erster Linie über die Induzierung von Angst “geführt” würde. Sollte das so sein, dann kann einem wirklich Angst und Bange werden…
9 Kommentare
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Ich glaube, da ist schon was dran. Und meistens weiß “man” nach ein paar Beobachtungen mehr oder weniger offensichtlicher Sanktionen dann mit der Zeit schon von allein, was man sagen darf und und was nicht.
Kommentar by Stephan List — 14. September, 2009 @ 21:30 Uhr
Ja, das kann ich auch bestätigen (Philips, Siemens,Daimler)
Es wird gedroht und eingeschüchtert, da spielen alle Ebenen mit, bis zum CEO.
Bei den unteren Dienstgraden herrscht dann der Spruch “Gehe nicht zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen würst” vor. Also besser Klappe halten und aussitzen.
Das scheint mir in Familienunternehmen anders zu sein.
Kommentar by Holger Huckfeldt — 15. September, 2009 @ 09:50 Uhr
Das mit der Angst ist beim Carl-Auer Verlag ganz anders. Hier hat man nur Angst, dass es den Verlegern nicht gut gehen könnte.
Kommentar by Beate Ch. Ulrich — 15. September, 2009 @ 09:51 Uhr
(Mehdorn? Mehdorn!)
Berlin – München
Muster die verbinden – Zivilcourage!
Wo die Zivilcourage keine Heimat hat,
reicht die Freiheit nicht weit.
Willi Brandt
Kommentar by es — 15. September, 2009 @ 14:03 Uhr
(Mehdorn? Mehdorn!)
Berlin – München
Muster die verbinden – Zivilcourage!
Wo die Zivilcourage keine Heimat hat,
reicht die Freiheit nicht weit.
Willi Brandt
Kommentar by es — 15. September, 2009 @ 14:03 Uhr
(Mehdorn? Mehdorn!)
Berlin – München
Muster die verbinden – Zivilcourage!
Wo die Zivilcourage keine Heimat hat,
reicht die Freiheit nicht weit.
Willi Brandt
Kommentar by es — 15. September, 2009 @ 14:03 Uhr
Der ADAC berichtet über ähnliches Verhalten von Monteuren in PKW – Werkstätten…. Zu viel oder zu wenig Angst – oder ganz etwas anderes ? Ich denke an Ciompi, an seine Ausführungen zu Interesse…
Kommentar by o.werner — 15. September, 2009 @ 14:04 Uhr
Angesichts vieler Reaktionen auf den S-Bahn-Mord in Muenchen, fragt man sich: welche Lebensbereiche werden nicht angstgesteuert? Wenn ich
Kommentar by duscholux — 15. September, 2009 @ 19:02 Uhr
Die Erfahrung deines Freundes bei der “Forschung” in Unternehmen kann ich nur unterstützen. Ich habe in den letzten Jahren in vielen Großunternehmen mit Führungskräften arbeiten dürfen und kann diese These nur unterstützen. Das hat für mich persönlich die Frage aufgeworfen, ob der Schlüssel für eine bessere Führung wirklich in Führungskräfteschulungen liegt, oder ob der Ansatz nicht viel mehr in Fragen der Zivilcourage der Mitarbeiter liegt. Das Thema wäre also “Bad Followership”. Die Mitarbeiter, die sich getraut haben Mißstände offen anzusprechen, werden zwar von den Kollegen auch bewundert,aber Karriere machen sie nicht mehr.Die Führungselite gründet ihre Macht auf Vasallen, denen man vertrauen kann, auch wenn etwas schief lief.Mißstände offen machen ist da Illoyalität, die entsprechend geahndet wird.Der “Nestbeschmutzer” kriegt da keinen Fuß mehr in die Tür.
Ich habe über das Thema auch mit Freunden diskutiert und wir kamen zur Überlegung, ob es nicht genauso gut wäre bei der S-Bahn alle diejenigen zu feuern, die trotz Wissen um die Gefahren der Unterlassung den Mund gehalten haben. Auch sie haben das Leben der Kunden aufs Spiel gesetzt und wären damit genauso verantwortlich. Vielleicht würde das ja die Kultur der Zivilcourage fördern. Allerdings natürlich auch getrieben von der Angst den eigenen Kopf aufs Spiel zu setzen.
Kommentar by W.L. — 16. September, 2009 @ 14:51 Uhr