Säuseln
Fritz B. Simon
Es gibt ein Art, seine Stimmbänder zu benutzen, die ich persönlich nur schwer ertrage. Das Ergebnis ist ein scheinfreundliches, auf mich aber höchst aggressiv wirkendes Säuseln. Man hört es nur bei einem bestimmten Typus von Männern, und es geht offenbar auf eine bestimmte Art der katholischen Sozialisation zurück. Es ist die Weise heiligen Sprechens, wie man sie bei Josef Ratzinger, Bert Hellinger und Eugen Drewermann studieren kann.
Ich will hier niemandes religiöse Gefühle verletzen, aber ich persönlich glaube Menschen, die so sprechen, einfach nichts – nicht mal, wenn sie mit mir in der Sonne stehen und berichten, es sei gerade gutes Wetter.
Das sagt natürlich mehr über mich als über diese Leute aus, aber es gibt für mich ein Lügen des Tonfalls, und das scheinen mir die genannten Herren zu praktizieren. Wenn man den Inhalt ihres Sprechens und den Tonfall vergleicht, dann verbirgt sich hinter der Weichheit der Stimme ein stahlharter, normativer Herrschaftsanspruch (wobei ich dies der Fairness halber in Bezug auf Eugen Drewermann relativieren muss, da ich mich nicht erinnere, was er jemals gesagt hat, und nie etwas von ihm gelesen habe). Im Zweifel, so mein Eindruck, werden keine Gefangenen gemacht.
Wer durch solch einen säuselnden Tonfall seine Liebheit so offensichtlich vor sich her trägt, der kann nichts Gutes im Schilde führen. Wahrscheinlich gewinnt man ja durch das ständige Hören der eigenen, vor Friedensliebe strotzenden Stimme die nötige Selbstgewissheit, um radikal und bar jeder Selbstkritik agieren zu können.
8 Kommentare
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Im Dschungelbuch gibt es diese Schlange…, die säuselt, schmeichelt, und dann…dann folgt dieses Gefühl…, aber Moogli weiß noch nichts davon.., ahnt nichts Böses..
Kommentar by o.werner — 16. Juli, 2009 @ 11:33 Uhr
Lieber Fritz,
bei diesem Thema hast du von mir volle Zustimmung. Mir geht es da genauso. Vor kurzem gab es einen Fernsehbeitrag zum Thema Erziehung im rbb. Da meine alte WG Mitbewohnerin Anja Franke da mit dabei war habe ich mir das angesehen. Als Kontrapunkt war Bernhard Bueb eingeladen. Er säuselte etwas von seinen Erziehungsvorstellungen in Salem und deutlich wurde nur, wie mit scheinbarer Friedfertigkeit und Ruhe ein knallhartes Kontroll- und Disziplinierungsprojekt für “Eliten” zelebriert wurde. Wahllose Drogenkontrollen in der Schule mit knallhartem Rauswurf bei einmaligen “Verfehlungen”. Grausamkeit pur in säuselndem Ton.
Kommentar by Wolfgang Libera — 16. Juli, 2009 @ 12:22 Uhr
Bringen Sie die drei angesprochenen Herren doch mal zum Lachen, lieber Herr Simon. Der Fall ruft geradezu nach einer “komischen Lösung”.
Kommentar by Manfred Bögle — 16. Juli, 2009 @ 13:49 Uhr
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle (1.Kor 13,1)
Kommentar by es — 16. Juli, 2009 @ 14:13 Uhr
Kein Wunder! Wie hieß das doch bei Ignazius von Loyola? “Milde in der Art, hart in der Tat!” Und dazu der ewige Ton der Litanai … Säuseln mit System. Da geht irgendwie die eigene Stimme den Bach runter.
Kommentar by Horst Kasper — 16. Juli, 2009 @ 15:29 Uhr
So etwas kenne ich (gerade) auch von Vertretern der protestantischen Fakultät. Da verbirgt sich hinter scheinbarer Liberalität ein massiver Anspruch auf Deutungshoheit. Ist halt auch ein schwieriger Job, andere Menschen von der Wahrheit überzeugen zu müssen.
Kommentar by Stephan List — 16. Juli, 2009 @ 18:25 Uhr
Er hat’s gehört. http://bit.ly/IyS76
Kommentar by E. B. Far — 17. Juli, 2009 @ 12:04 Uhr
Auf jeden Fall hat er’s kommen sehen, liebe Frau Far. Er war im Badezimmer und hat möglicherweise in den Spiegel geschaut. Dann kam der Bruch.
Kommentar by Manfred Bögle — 17. Juli, 2009 @ 15:36 Uhr