Scheidungsrecht
Fritz B. Simon
Ab 1. September gilt ein neues Scheidungsrecht, das für die Beteiligten weitreichende finanzielle Folgen hat. Und in den Zeitungen findet man Ratgeberseiten, die dabei helfen sollen, sich schneller (vor dem 1. September) oder langsamer (nach dem 1. September) scheiden zu lassen.
Ein schönes Beispiel, dass mit dem Ende einer “familiären” Beziehung, Geld wieder zu einem der zentralen steuernden Medien in unserer Gesellschaft wird. Wesentliche individuelle und kollektive Entscheidungen werden durch Geld motiviert. Dass Geld auch in der Familie nicht unwichtig ist, weiss jeder, der keines hat. Aber es ist nicht das, was primär motivierend wirkt. Das ändert sich, sobald eine solche Beziehung sich ihrem Ende nähert…
Dann geht es eben wieder um Wirtschaft.
4 Kommentare
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Lieber Fritz,
oberflächlich betrachtet ja, aber auch hier ist das Geld wieder nur symbolisches Objekt. In meiner früheren langjährigen Tätigkeit in Jugendamt und Krisendienst konnte ich die Beobachtung machen, dass zwar massiv ums Geld gestritten wurde, aber das Geld mehr symbolisch war für den Schmerz. Was gönne ich dem Anderen? Ist er Schuld oder ich? Rache für Verlassen werden etc. Da wird eine emotionale Rechnung aufgemacht die auf finanziellem Terrain ausgetragen wird. Tragisch dass die Bilanz dann wieder einen monetären Charakter bekommt. Aber Geld ist doch überall nur noch Symbol. Verdient ein Wiedeking zurecht 77,5 Millionen Euro? Was ist welche Arbeit Wert? Ist die Höhe der Abfindung (100 Millionen) angemessen für den schmerzlichen Machtverlust. Herr Mehdorn bestand auf seine Abfindung. Die Höhe signalisiert Unschuld? Die Gehaltserhöhung als symbolischer Akt der Wertschätzung (Loben ist billiger?)…
Interessant wäre die Frage einer Bilanzierung sozialer Beziehungen. Wer erbringt welche Leistung und was ist die Wert. 1 mal Wäsche waschen = 10 Euro, einmal Fremd gehen= -? Euro etc.
Kommentar by Wolfgang Libera — 20. Juli, 2009 @ 14:08 Uhr
Sicher werden emotionale Rechnungen bei Scheidungen in Geld umgerechnet. Und Geld wird zum Symbol für irgendwas anderes (wie auch bei Managergehältern).
Aber das ändert m.E. nichts an der Tatsache, dass wir heute die Familie und die Zweierbeziehung als einzigen nicht-ökonomischen Raum erhalten haben (s. Einführung in die Wirtschaftstheorie). Und dass hierin eigentlich das Besondere und Unverwechselbare dieser privaten Beziehungen liegt.
Alle anderen sozialen Systeme können sich der ökonomischen Rationalität nur schwer entziehen, dort aber ist gerade deren Abwesenheit konstituierendes Merkmal…
Kommentar by Fritz B. Simon — 20. Juli, 2009 @ 21:53 Uhr
Hallo Fritz,
ich denke auch, dass die Familie bei uns ein ökonomisch zweckfreier Raum ist, aber nur bei uns. Als ich in Afrika gearbeitet habe (Nairobi), da war die Frage der Liebe nur Nebensache in Beziehungen. Im Mangel geschieht die Partnerwahl überwiegend nach Gesichtspunkten wie Versorgungssicherheit. Kann mir der Partner die ökonomische Absicherung gewähren oder nicht.Die Liebe ist Luxus in Abwesenheit von Armut.Ich war vor einer Weile bei einem reichen Freund zu einer Party eingeladen. Da waren viele ältere reiche Männer mit ganz jungen Frauen. Da habe ich mich allerdings auch gefragt, ob die Partnerwahl was mit Attraktivität und Liebe zu tun hat oder eher mit Status, Geld, Macht o.ä. Ich würde also die These, dass Familie immer ein System ist, das sich der ökonomischen Rationalität entzieht nur bedingt teilen.
Auch die Frage der Anzahl der Kinder ist in anderen Kulturen nicht eine Frage der Liebe sondern ökonomisches Überleben. Mich haben die Frauen in Nairobi immer bemitleidet, da ich nicht reich an Kindern bin.Reich an Kindern hieß da (Zitat einer Frau aus den Slums in denen ich gearbeitet habe):Wenn ich zehn Kinder zur Welt bringe sterben vielleicht drei bis ich alt bin, drei bekommen sich vielleicht gerade selber durch und der Rest sorgt dann für mich, wenn ich es nicht mehr selber kann. Vom fehlen ökonomischer Rationalität kann da keine Rede sein. Nur da, wo uns alle Resourcen zur Verfügung stehen, gelingt die Aufhebung der Ökonomie.
Lieben Gruß
Kommentar by Wolfgang Libera — 21. Juli, 2009 @ 10:06 Uhr
Ja, da stimme ich zu…
Kommentar by Fritz B. Simon — 21. Juli, 2009 @ 11:48 Uhr