Simons Systemische Kehrwoche

Shanghai

Fritz B. Simon

Das Entwicklungstempo in China ist für Europäer atemberaubend. In Shanghai sind z.B. in den letzten 5 Jahren 400 km U-Bahn gebaut worden.

Solch ein Tempo ist nur möglich, wenn die dazu nötigen Prozesse anders als bei uns organisiert sind. Denn wir – d.h. deutsche Industrievertreter – sind im Vergleich zu Chinesen in ihren Entscheidungsprozessen (die ja immer auch Absicherungsprozesse der Entscheider sind) ziemlich langsam… Das wird bei Joint-Ventures deutlich. So ist beim Bau der seit Jahren in Planung befindlichen deutsch-chinesischen Klinik, die im nächsten Jahr eröffnet werden sollte, bislang noch kein Spatenstich erfolgt.

Aber wahrscheinlich ist es ja nur die chinesische Sicht, dass die Schuld daran den Deutschen zuzuschreiben ist, und wahrscheinlich beklagen sich die Deutschen genauso über die durch die Chinesen verursachten Verzögerungen.

Bei interkulturellen Projekten prallen zwei (oder mehr) unterschiedliche Systemlogiken aufeinander. Die spezifischen Vorzüge und Ressourcen jedes der Systemelassen sich bedauerlicherweise nicht einfach addieren, sondern erfordern sehr aufwendige Kommunikationsprozesse. Da deren Gelingen höchst unwahrscheinlich ist, ist es fraglich, ob diese Art der Kooperation – ökonomisch betrachtet – wirklich so schlau ist.

Aber interessant ist sie allemal. Nur sollte sich jeder, der sich auf derartige Prozesse einlässt, darüber klar sein, dass dies ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang wird.

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2 Kommentare

  1. Lieber Fritz,
    die Schnelligkeit lässt sich sicherlich nicht mit verschiedenen Kulturen und deren Entscheidungsverhalten erklären, sondern mit der Frage der Effizienz von Demokratien und von Diktaturen.Wenn in China was gebaut wird, dann werden die “störenden” Menschen einfach beseitigt und zwangsumgesiedelt.Da müssen keine aufwendigen Planfeststellungsverfahren gemacht werden, bei denen Betroffene befragt werden etc. Wenn man das deutsche System beklagt dann müsste man auch die Demokratie beklagen. Die führt nämlich auch zu langen Entscheidungsprozessen bei denen auch die Risiken von Maßnahmen abschätzt was natürlich die Verfahren verlangsamt. Das kann man sicherlich zu Recht auch beklagen.
    Diktaturen sind da effektiver: Hitler auch auch sicherlich niemanden befragt, als er die Rebublik mit Autobahnen durchzogen hat..
    Im Zweifelsfall entscheide ich mich aber eher für das Langsame..und die Demokratie..

    Kommentar by W.L — 7. September, 2009 @ 14:41 Uhr

  2. Wie entscheidet man sich für das Langsame, wenn alle Schieben und Drängen?

    Entschleunigung der Globalisierung, Einbremsen des Globalismus, Entheroisierung der Globalisten – wie ginge das?

    Es ginge vermutlich darum, dass wir uns ganz persönlich die Zeit nehmen nachzudenken, was die Folgen (unseres) unbedachten, euphorischen oder resignierten Handelns sein werden….sie, diese Zeit, sich verordnen – eine Stunde am Tag. Als Meditation.
    Keine Zeit?

    Kommentar by Sylvia Taraba — 8. September, 2009 @ 15:43 Uhr

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