Simons Systemische Kehrwoche

Skype-Analyse

Fritz B. Simon

Wie ich heute bei einem Tischgespräch erfahren habe, führen amerikanische Kollegen neuerdings gerne psychoanalytische Behandlungen – auch mit Chinesen, aber vor allem mit amerikanischen Patienten – per Internet mit Skype durch.

Ich frage mich, was das verändert, wenn die sinnliche Dimension, die Körperlichkeit, das gegenseitige Spüren und Erahnen, die Vibrations, aus dem Prozess ausgeschlossen werden. Die Reduktion der Kommunikation auf allein den sprachlichen Aspekt halte ich für ziemlich problematisch, um nicht zu sagen: blöd. Was für ein Kommunikationsverständnis ist hier eigentlich grundlegend, und was für eine Vorstellung von Psychodynamik, von Übertragung, Widerstand usw. haben die Analytiker, die sich an solchen Modellen beteiligen?

Wie das alles entstanden ist? Den amerikanischen Ausbidlungskandidaten fehlten die Patienten. Einige zogen weg, andere waren gar nicht erst da. Mangelnde Nachfrage vor Ort. Also machte man sich, wie auch sonst, wenn man heute Kontakt sucht, auf den Weg ins Internet…

Ich persönlich glaube ja nicht, dass das klappt, obwohl ich auch schon Internet-Supervisionen mit Kollegen in China gemacht habe. Aber wir kannten uns schon vorher und hatten eine gemeinsame Geschichte.

Schon e-learning funktioniert ja nur, wenn es durch Phasen der Face-to-face-Kommunikation unterstützt wird….

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5 Kommentare

  1. Skype hat was mit Eliza?

    Zur Erinnerung:

    ELIZA

    Abstract ELIZA is a program operating within the MAC time-sharing system at MIT which makes certain kinds of natural language conversation between man and computer possible.
    Program Input sentences are analyzed on the basis of decomposition rules which are triggered by key words appearing in the input text. Responses are generated by reassembly rules associated with selected decomposition rules.
    Discussion At this writing, the only serious ELIZA scripts which exist are some which cause ELIZA to respond roughly as would certain psychotherapists (Rogerians). ELIZA performs best when its human correspondent is initially instructed to “talk” to it, via the typewriter of course, just as one would to a psychiatrist. This mode of conversation was chosen because the psychiatric interview is one of the few examples of categorized dyadic natural language communication in which one of the participating pair is free to assume the pose of knowing almost nothing of the real world. If, for example, one were to tell a psychiatrist “I went for a long boat ride” and he responded “Tell me about boats”, one would not assume that he knew nothing about boats, but that he had some purpose in so directing the subsequent conversation. It is important to note that this assumption is one made by the speaker. Whether it is realistic or not is an altogether separate question. In any case, it has a crucial psychological utility in that it serves the speaker to maintain his sense of being heard and understood. The speaker further defends his impression (which even in real life may be illusory) by attributing to his conversational partner all sorts of background knowledge, insights and reasoning ability. But again, these are the speaker’s contribution to the conversation.
    References ELIZA was first conceived by Joseph Weizenbaum at MIT in 1966, written in Fortran. Robert C. Goerlich (1996) used Frederick B. Maxwell’s BASIC version as a guide for rewriting it in JAVA.

    Kommentar by es — 2. September, 2009 @ 10:42 Uhr

  2. Oder einfach mal ELIZA bei Wikipedia eingeben…

    Kommentar by Rainer Isermann — 2. September, 2009 @ 12:10 Uhr

  3. als reduktion auf die sprachebene kann man eine skype-sitzung nicht bezeichnen, da ja vermutlich auch die videokamera mit involviert ist (zumindest gehe ich in der annahme, da die gegenseitige sicht für eine vertrauensbasis sicher elementare grundlage ist). dennoch bedarf es so sicher eines wesentlich fein(oder anders-)fühligeren therapeuten, um dennoch das weniger an (ersichtlichen) signalen zu deuten…

    gruß aus berlin, pascal

    Kommentar by pascal — 2. September, 2009 @ 15:23 Uhr

  4. Die Macht des Computers hat Weizenbaum ja schon sehr interessant dokumentiert, wie “es” anmerkt durch seine Versuche zu einer maschinellen computergestützten Therapie bei der die “Klienten” der Maschine den gleichen Status wie einem real lebenden Therapeuten zugeordnet hat.
    Vielleicht sagt das ja aber alles mehr über die Wirksamkeit von Therapie schlechthin aus.Vielleicht braucht ja nur der Therapeut den realen Klienten um sich selber sicher zu fühlen..und der Klient garnicht so viel Therapeuten. Viele Untersuchungen zum Thema Wirksamkeit von Therapie im Vergleich zum Austausch mit guten Freunden und Heilungen durch einfach veränderte äußere Bedingungen geben da Hinweise.

    Kommentar by W.L. — 3. September, 2009 @ 11:21 Uhr

  5. Lieber Fritz,
    du hast Recht dass e-learning oft nicht funktioniert, wenn es nicht durch face-to-face Einheiten ergänzt wird. Das hat meines Erachtens nach aber weniger mit dem Medium zu tun, sondern mit Lernmotivation. Face- to face Einheiten binden auch stark in die Verantwortung vorher seine Hausaufgaben selber gemacht zu haben, um dann nicht blöd da zu stehen. Reine e- learning Einheiten sind nur etwas für Leute mit einer ausgesprochen hohen Eigenmotivation zum Lernen. Daran scheitern die e-learning Programme in den meisten Unternehmen.Diese Erfahrungen konnte ich mit der Einführung von e-learning bei der Audi AG im überfachlichen Bereich machen.Es ist nicht das Medium als solches, sondern die Motivation des Einzelnen, die Grenzen schafft. Außerdem braucht es face to face zum Erproben von Gelerntem.

    Kommentar by W.L. — 3. September, 2009 @ 11:31 Uhr

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