Simons Systemische Kehrwoche

Sozialer Brennpunkt

Fritz B. Simon

Wer mal wieder ethnologische Studien betreiben will und sich dafür interessiert, ob Diagnosen wie “Soziopath” oder auch “Psychopath” ihren Sinn haben, der sollte nach Berlin-Charlottenburg fahren und dort die Restaurants an der Kreuzung Schlüterstrasse/Mommsenstrasse besuchen oder zumindest deren Gäste beobachten. Hier treffen sich offenbar viele, die für o.g. Diagnosen in Frage kommen, d.h. speziell Berlins Aston-Martin-, Ferrari-, Lamborghini-, Maserati-, zum Teil auch die Bentley-und Rolls-Royce-Fahrer bzw. diejenigen, die es werden wollen.

Damit hat man eine Selektion von Menschen vor sich, die offensichtlich meinen, dass sich die Welt um sie drehen müsse. Sie missachten die Verkehrsregeln systematisch, indem sie tagsüber auf den Fahrradwegen parken, nachts um drei zeigen, wie stark ihre Autos motorisiert sind, laut hupen und alles tun, um die Aufmerksamkeit derer zu erhalten, die lieber nichts von ihnen hören und sehen würden.

Ich will hier gar nicht zu sehr in die Details gehen, um die Freude am Studium dieser fremden Völkerschaft, die ein für zivilisierte Mitteleuropäer wenig einfühlbares Verhalten zeigt, nicht zu verderben. Hier kann man Menschen – wie in einem Zoo auf wenigen Quadratmetern zusammengepfercht – studieren, die vollkommen frei von jeder sozialen Rücksichtnahme funktionieren. Dass man damit gut durchs Leben kommen kann (zumindest finanziell) beweisen ihre Autos bzw. deren Kaufpreis.

Eigentlich müsste man in solch eine Art sozialen Brennpunkts Sozialarbeiter schicken. Aber wo kein Leidensdruck ist, sollte man von derartigen fürsorgerischen Maßnahmen nicht allzu viel erhoffen. Denn – und das ist ja eines der diagnostischen Kriterien – der Leidensdruck ist ja bei denen, die von solch einem asozialen Verhalten betroffen sind (z.B. den Radfahrern etc.).

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7 Kommentare

  1. Lieber Fritz,
    als ehemaliger Lehrgangsteilnehmner und Nachbar in Charlottenburg kann ich dazu nur eines sagen. Det haste davon, wenn de in ne Jegend ne Wohnung koofst, wo sich die Yuppies jute nacht sagen, oder eben nich……neukölln ist ne echte alternative da liegen nur gröhlende besoffene auf der strasse und du trittst in hundescheisse und man trifft eher die üblichen klienten der sozialen arbeit.

    Liebste Grüsse
    Wolfgang Libera
    Knesebeckstrasse 91
    10623 Berlin

    Kommentar by Wolfgang Libera — 29. Juni, 2009 @ 13:52 Uhr

  2. Stadtluft macht frei…

    Kommentar by es — 29. Juni, 2009 @ 14:16 Uhr

  3. Yuppie steht doch für young, urban, professional, oder? Das sind die Leute in diesen Kneipen sicher nicht. Es sind im besten Fall neureiche Schwachköpfe mit Potenzstörungen, meist aber nur einfach zwielichtige Gestalten, denen man lieber nicht im Dunkeln begegnen will. Rotlichtbezirk. Immobilienhaie.

    Kommentar by Fritz B. Simon — 30. Juni, 2009 @ 21:43 Uhr

  4. Potenztheorien sind an sich natürlich immer schon ein realer Grund zur Freude.
    Immerhin haben es diese Menschen geschafft, die Resonanzbereiche diverser “Systeme” sensibel zu erkennen und synergetisch zu verbinden.

    Kommentar by Max Liebscht — 1. Juli, 2009 @ 07:59 Uhr

  5. Du hast Recht mit dem Yuppie. Einigen wir uns darauf, dass es keine Yuppies sind.Dann sind das halt, wie die FDP immer sagt die Leistungsträger der Gesellschaft, denn sie sind wie auch immer zu ihrem Geld gekommen.Dass die “geistige Elite” mit der “monetären Elite” nicht übereinstimmt und Benehmen nichts mit Geld zu tun hat ist ja klar..

    Kommentar by Wolfgang Libera — 1. Juli, 2009 @ 08:38 Uhr

  6. http://www.am-ende-des-tages.de/photos/081001-yva-bar-opening/

    http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article498588/StelldicheinderFilmprominenzbeiYva.html

    http://www.morgenpost.de/printarchiv/leute/article468481/EdelRestaurantsundheisseFlirts.html

    http://www.welt.de/print-wams/article97963/DasRossinilaesst_gruessen.html

    http://www.e-concierge.de/blog/index.php/tags/yva-grill-bar/

    http://www.qype.com/place/249102-YVA-Suite-Berlin

    Kommentar by duscholux — 1. Juli, 2009 @ 16:54 Uhr

  7. Eine neue Publikation? ICD wird durch Berliner Stadtplan ersetzt? Generationen von Studenten werden es danken!

    Kommentar by es — 2. Juli, 2009 @ 08:23 Uhr

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