Sparen
Fritz B. Simon
Dass die Amerikaner – gemeint: die “schweigende Mehrheit”, die inzwischen als Tea-Party ziemlich laut geworden ist – ziemlich bescheuert ist, weiss ja inzwischen jeder. Sie wird im allgemeinen politisch von der republikanischen Partei vertreten, aber auch die Demokraten sind immer mehr an populistischen Konzepten orientiert, die versprechen, zu Wahlsiegen führen.
Eines davon ist, der Staat müsse sparen, um die Wirtschaftskrise zu bewältigen. Das ist natürlich Quatsch. Der Staat ist keine fünfköpfige Familie, die finanziell untergeht und der das Häuschen genommen wird, wenn sie mehr ausgibt, als sie einnimmt. Er muss binnenwirtschaftlich für Nachfrage sorgen, wenn er wieder aus den roten Zahlen kommen will. Wenn er den Armen, die jeden Pfennig sofort in den nächsten Laden tragen (müssen), noch das letzte Hemd nimmt, um den Reichen – die das Geld in die Schweiz schaffen – die Steuern zu senken, dann darf sich niemand wundern, wenn die Wirtschaft nicht in Gang kommt.
Das heißt natürlich nicht, dass nicht langfristig dafür gesorgt werden sollte, dass der Staatshaushalt ausgeglichen ist.
Jetzt zu sparen ist so, als würde man jemandem, der eh schon krank und ausgezehrt ist, eine Abmagerungskur verschreiben…
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“Die politische, rechtliche, philosophische, religiöse, literarische, künstlerische etc. Entwicklung beruht auf der ökonomischen. Aber sie alle reagieren auch aufeinander und auf die ökonomische Basis. Es ist nicht, dass die ökonomische Lage Ursache, allein aktiv ist und alles andere nur passive Wirkung. Sondern es ist Wechselwirkung auf Grundlage der in letzter Instanz stets sich durchsetzenden ökonomischen Notwendigkeit… Es ist also nicht, wie man sich hier und da bequemerweise vorstellen will, eine automatische Wirkung der ökonomischen Lage, sondern die Menschen machen ihre Geschichte selbst, aber in einem gegebenen, sich bedingenden Milieu, auf Grundlage vorgefundener tatsächlicher Verhältnisse, unter denen die ökonomischen, so sehr sie auch von den übrigen politischen und ideologischen beeinflusst werden mögen, doch in letzter Instanz die entscheidenden sind und den durchgehenden, allein zum Verhältnis führenden roten Faden bilden.”
Engels an Borgius
Es wird einem warm ums Herz.
Weiter:
Die, je nach Format, modera- oder interpreta-Toren des Oikos repetieren den gesunden „Menschenverstand“ (G8 Ökonomie). Polis ist das zufällige Produkt einer ge-,ver-,durch-triebenen Repititorenkaste welche ihre „Visionen“ beim Hausverwalter (heute: Betriebswirt) abgegeben hat.
Kulturinsasse lernt. Die eigene Erfahrung wird in Polis eingebracht. Was können sie als Politiker für mich tun? Stuttgart 21 nicht bei uns. Atomkraft nein danke. Leitungen ja, unbedingt, aber nicht bei mir. Ehec, kommt aus dem Ausland. Oikos, nicht Polis.
Staatsorgan sucht den Superbürger. Oder, Superbürger sucht Rahmen. Das Niveau der „Poli“ tiker passt sich an. Richard Sennet hat sich bereits 1974 Gedanken über die Intrusion des Privaten in den öffentlichen Raum gemacht. Heute scheint das Private das Öffentliche.
In Verbindung von Karl Kraus und einem Unterhaltungsformat könnte man sagen: Der (derzeitige)Parlamentarismus ist „Big Brother“ der politischen Prostitution.
Es wird Zeit, dass Polis den Sprung macht, von politischen Reden, zum Reden über Politik.
Kommentar by es — 14. Juni, 2011 @ 13:12 Uhr
Wozu?
Kommentar by Max Liebscht — 15. Juni, 2011 @ 02:43 Uhr