Simons Systemische Kehrwoche

Splendid Isolation

Fritz B. Simon

Beim Glückwunsch für Wolfgang Loth (zum 60.Geburtstag – einem Glückwunsch, dem ich mich hiermit anschließe), schreibt Tom Levold im Systemagazin über die “Splendid Isolation” der deutschsprachigen systemischen Szene…

Irgendwie hat er ja recht, aber doch irgendwie auch wieder nicht. Ja, es stimmt, dass die systemische Szene in Deutschland, Österreich und der Schweiz sich nicht wirklich sehr dafür interessiert, was im Rest der Welt geschieht. Als ich ein paar Jahr lang Vizepräsident der EFTA (European Family Therapy Association) war, konnte ich das schmerzlich spüren. Die Kollegen aus Europa waren aneinander interessiert, besuchten sich gegenseitig, luden sich ein, waren neugierig aufeinander und ihre Arbeit. Ich selbst profitierte auch davon, d.h. wurde eingeladen, Bücher wurden übersetzt usw.

Die deutschen Kollegen wurden aber weder Mitglied der EFTA, noch interessierten sie sich sonderlich dafür, was sonst in der Welt geschah…

Mich hat das damals sehr geärgert, aber ich habe – ehrlich gesagt – nicht viel unternommen, um irgendetwas daran zu ändern.

Heute, etliche Jahr später, scheint mir die Situation nicht so sehr viel anders. Allerdings bewerte ich sie jetzt ein wenig anders. Mir scheint die systemische Szene außerhalb des deutschsprachigen Feldes ebenfalls nicht wirklich spannend. Der Grund, warum ich es zu Hause am schönsten finde, hat damit zu tun, dass mir die nicht-deutschsprachigen Kollegen einfach noch nicht zu Luhmann vorgedrungen sind. Mit ihm und seinen Arbeiten ist für mich so etwas wie ein Qualtensprung verbunden, d.h. einer, der zu einer anderen Qualität der Theorieentwicklung (und in der Folge auch der Entwicklung praktischer Methoden) geführt hat.

Das betrifft in erster LInie die Arbeit mit größeren sozialen Systemen, die über die Face-to-face-Interaktion (wie die von Paaren, Familien oder Teams) hinausgehen. Was Organisationen betrifft, so scheinen mit (vor allem) die amerikanischen Modelle zu schlicht, zu personenorientiert, zu simpel, zu psychologisch…

Deswegen kann ich – zumindest, was diesen Bereich angeht – die Isolation nachvollziehen, und ich finde sie durchaus splendid…

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2 Kommentare

  1. Sind Sie denn inzwischen mal zu Rombach vorgedrungen? Immerhin könnten Sie damit in der Splendid Isolation verbleiben.

    Kommentar by Max Liebscht — 22. Juni, 2011 @ 23:37 Uhr

  2. zu Hause ist es halt doch am schoensten….und auch im Urlaub muessen wir unser Fundament
    nicht wirklich verlassen…gehen wir ueber diese Grenzen hinaus, wissen wir, dass wir nichts wissen….und ob der Mensch das wirklich braucht?

    Kommentar by Ingeborg — 29. Juni, 2011 @ 12:14 Uhr

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