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Fritz B. Simon
Von jemandem, der sich da auskennt, habe ich gehört, dass es einen großen Unterschied im Selbstwertgefühl von Müllmännern und Straßenkehrern gibt.
Während die Straßenkehrer eher als subdepressive Einzelgänger mit dem Besen in der Hand und gebeugtem Kopf durchs Leben gehen, treten die Müllmänner selbstbewußt auf. Sie haben keinerlei Minderwertigkeitsgefühle, sind sich ihrer Bedeutung und Leistung für die Gesellschaft bewußt, und zeigen das auch jedem…
Von außen betrachtet, scheinen beide Berufsgruppen ähnlich wenig respektiert. Wie läßt sich dieser Unterschied des Selbstbildes – und damit des Verhaltens – erklären?
Eine Hypothese wäre, dass die Müllmänner mit PS-starken Lastwagen (und in Gruppen) unterwegs sind und so nicht nur den Verkehr zum Stillstand bringen können, sondern sich auch großer Aufmerksamkeit erfreuen. Kleine Kinder sind begeistert von Müllautos. Kindergärten fragen an nach ihren Besuchen und der Gelegenheit mitzufahren. Straßenkehrer hingegen haben Wägelchen, die von Hand geschoben oder gezogen werden müssen, und ihre Werkzeug ist ein Besen (trotz Harry Potter immer noch nicht als gleichrangiges Gefährt anerkannt).
Die These, die mein Gewährsmann vertritt, ist, dass die Kraft der Automobile sich auf das Selbstgefühl der Müllmänner überträgt.
Nicht ganz unplausibel, da die Ego-stärkende Wirkung PS-starker Autos auch bei anderen (d.h. Nicht-Müll-) Männern zu beobachten ist… Oder?
4 Kommentare
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werde meinen Boxtrainer bei Gelegnheit mal fragen , der ist nämlich bei der städtischen Mülabfuhr hier in Aachen Beifahrer.
Ein Grund erhobene Hauptes bei der Müllabfuhr zu sein könnte auch sein, das die, zumindest zum derzeitigen Konkurs der meisten Kummunen, recht gut verdient haben und durch weitere Sozialleistungen gut abgesichert sind.
Weiterhin ist die Arbeit der Müllmänner nicht ganz ungefährlich. So müssen sie ja in Fahrt des Wages auf- und abspringen, was hier letztes Jahr in Achen einem Müllmann das Leben gekostet hat.
Vielleicht hat da auch das “Abenteuer/Gefahr” seinen weiteren Reitz!?
kollegiale Grüße
Thomas Kirchen
http://www.arbeitswelt-lebenszeit.de
Kommentar by Thomas Kirchen — 6. Dezember, 2007 @ 14:06 Uhr
Sagt Ihnen noch der Name Heinz Kluncker was? Unter seiner Führung hat die ÖTV, heute bekanntlich in Ver.di aufgegangen, in den 1970er Jahren kräftige Lohnerhöhungen im Öffentlichen Dienst erstreikt. Und wer genau hat damals gestreikt? Genau: Alle Eimer stehen still, wenn dein starker Arm es will …
Kommentar by Ewald Dietrich — 6. Dezember, 2007 @ 15:43 Uhr
Der Status der Müllmänner ist doch ein ganz erheblich anderer: Jeder Haushalt spürt unmittelbar, wie wichtig es ist, dass jemand den Müll entsorgt. Dass einer die Straße kehrt, spürt man nicht direkt am eigenen Leib und Haushalt. Und es riecht auch nicht sofort so streng…
Kommentar by Karrierebibel — 6. Dezember, 2007 @ 22:35 Uhr
Die Rolle der Müllkutscher des Berliner Senats in den Jahren 1968ff ist vermutlich noch nicht ausreichend erforscht.
Es wurde damals ein Zitat kolportiert, das etwa so lautetete “… dann schickt der Innensenator seine Müllkutscher los …”.
Lange Zeit schienen jedenfalls die Müllkutscher eine ausländerfreie Zone zu bilden.
Kommentar by duscholux — 29. Dezember, 2007 @ 09:35 Uhr