Still-Demenz
Fritz B. Simon
Eine junge Mutter hat mir erzählt, sie leide an “Still-Demenz”.
Ich hatte diesen Begriff bislang noch nicht gehört und ließ ihn mir erklären. Darunter ist der Geisteszustand einer Frau zu verstehen, die einen Säugling zu versorgen hat, den sie nicht nur stillen muss (kann, darf, will), sondern die auch kaum eine Nacht durchschläft.
Er zeigt sich in Wortfindungsstörungen, Wortverdrehern (wie z.B. “gesellige Krankenkasse” statt “gesetzliche Krankenkasse”), und dem Gefühl, nicht mehr viel Geistiges zustande zu bringen. Verbunden damit sind in der Regel Selbstwertzweifel.
Die junge Mutter, die mir das erzählte, hatte diese Demenz – trotz Stillens – bereits überwunden, so dass sie mir genau und relativ gelassen Auskunft geben konnte.
Gibt es eigentlich bei jungen Vätern etwas Ähnliches? Und muss aufgrund derartiger Phänomene der Mutterschutz nicht ganz neu definiert werden?
7 Kommentare
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Deren – dazu äquivalente Störung – besteht angeblich in einem besonders festen Schlaf.
Kommentar by Max Liebscht — 12. Dezember, 2009 @ 19:57 Uhr
Oh, oh, da kann ich mich relativ gelassen zu äußern:
Ja, Ja und nochmal ja – ein halbes Jahr annähernd ohne ausreichend Schlaf an je einem Stück . . .
. . . wobei meine Symptome etwas anders waren als die der Frau.
Kommentar by Tom — 13. Dezember, 2009 @ 09:13 Uhr
Das Phänomen gibt es auch bei kinderlosen Menschen. Hat sehr viel zu tun mit beruflichem Stress und/oder unausgewogener Balance. Ich kenne viele schlaue Menschen der Generation 30+, deren Hirne komische Dinge à la “gesellige Krankenkasse” absondern. Diese Menschen haben hohen Arbeitsdruck und/oder schlafen schlecht. (Herr Schirrmacher meint ja, eine Ursache von Demenz unter jungen Menschen ist unsere technologisierte Welt (PC, Blackberry, iPhone etc.) und permanente Überforderung durch Multitasking.)
Was würden systemisch Denkende den Betroffenen raten?
Kommentar by annesophie — 14. Dezember, 2009 @ 09:39 Uhr
Konzentration auf das Wesentliche UND weiter multi üben.
Kommentar by Max Liebscht — 14. Dezember, 2009 @ 18:58 Uhr
Zur Differenzierung des Wesentlichen würde ich dann auch noch Prioritäten setzen.
Wichtig für konstruktiv denkende Menschen ist noch, egal ob stillend, kinderlos, unter oder über 30, dass man sich von bestimmten Erscheinungen, in diesem Fall Erscheinungen namens “Demenz”, (außer eben man möchte sie für seine Zwecke nutzen) NICHT ins Bockshorn jagen lässt. Man heißt sie willkommen und lässt sie wieder gehen.
Kommentar by Sylvia Taraba — 15. Dezember, 2009 @ 13:03 Uhr
Die Diagnose Still-Demenz könnte angesichts der sinkenden Geburtenrate einen wunderbaren Einstieg in Werbekampagnen für künstliche Babynahrung (=besser als Stillen) und/oder ein supertolles neues Pharmakon der Gruppe Brainconditioner für späte Mütter hergeben…
Aus sozialmendizinischer Sicht ist das natürlich nur eine transitorische Einschränkung der Umstellungs- und Anpassungsfähigkeit, neudeutsch nichts anderes als Multitasking.
Still-Demenz ist westig!
(Wo bleiben da die Wonnen der Mutterschaft?)
Kommentar by E.B. Far — 16. Dezember, 2009 @ 13:54 Uhr
Freuden der Mutterschaft… schon Hermann van Veen hat sich über die Verletzung des Gleichstellungsgrundsatzes beklagt (also dass Männers keine Kinder bekommen können).
Aber wenn Still – Demenz westig ist, dann muss natürlich Reinhard was zu zusagen haben:
http://www.youtube.com/watch?v=RwgATlwObdY&feature=PlayList&p=6256582BED052D03&playnext=1&playnext_from=PL&index=3
Kommentar by Max Liebscht — 17. Dezember, 2009 @ 09:27 Uhr