Streets of Kandahar
Fritz B. Simon
Kanadische Soldaten auf dem Weg nach Hause haben mir – man hat den Laptop mit im Krieg – Fotos von ihrem Einsatz in Afghanistan gezeigt. Die Strasse von Herat über Kandahar nach Kabul hat sich seit 1975 nicht sehr verändert. Karge Hügel, Staub, Trockenheit, die Sonne durch den Dunst gefiltert, Ockertöne, die Konturen der Menschen verwischt.
Was sich geändert hat: die Menschen tragen Maschinenpistolen. Jungs, Anfang 20. Alle direkt aus einem Hollywood-Film – würde man ihnen wünschen. Sind sie aber nicht. Ihr ausgelassenes und fröhliches Lachen jetzt, im Flugzeug nach Hause, ist sicher auch der Tatsache zu verdanken, dass sie überlebt haben.
Nur als die Sprache darauf kommt, dass einer ihrer Freunde drauf gegangen ist, erstirbt das Lächeln. Und deswegen wollen sie auch zurück: Es sind noch genug von ihnen dort, die sie nicht allein lassen wollen (sollen? dürfen? können?).
17 Kommentare
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Wenn man an der richtigen Stelle zu denken aufhört – eine prima Sache.
Hab heute Luhmann gehört. “Eine Welt aus Systemen.” Wie hat er das eigentlich gesehen: Ist der Imperialismus reformierbar? Im Zweifelsfall doch wohl: Nein!?
Kommentar by Max Liebscht — 9. Juli, 2009 @ 03:04 Uhr
Kommentar by o.werner — 9. Juli, 2009 @ 08:41 Uhr
Wirklich toller Film. Im Übrigen: Auch Bundeswehrsoldaten sehen mittlerweile aus wie aus einem Hollywood-Film (vgl. z.B. http://www.spiegel.de/img/0,1020,1428543,00.jpg ). Oder sind das dann die UfA-Studios?
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 9. Juli, 2009 @ 09:00 Uhr
Über den Hippie trail zu Acharya.
Turtles all the way down.
Wie sagte HvF so schön:”Wahrheit, welche Wahrheit?”
Kommentar by es — 9. Juli, 2009 @ 11:29 Uhr
Nicht allein lassen wollen!!!!Fritz
Mein Vater wurde im Alter von 20 jungen Jahren nach Stalingrad geschickt.Dort kam er mit drei Anderen in einen Panzer, der auf dem Rückzug einen Kupplungsschaden hatte und dann beschossen wurde. Einer starb sofort, zwei waren unverletzt und mein Vater war so schwer verletzt, dass er kaum eine Überlebenschance hatte.Die beiden anderen Männer, die er erst zwei Tage kannte, haben meinen schwerverletzten Vater nächtelang mit Richtung Westen geschleppt und ihn dann an einer Bahnlinie auf einen haltenden Zug gelegt was ihm das Leben gerettet hat.Darüber haben sie Tagebuch geführt und immer wieder reingeschrieben, dass sie ihn vielleicht lieber liegen lassen, weil er sowieso keine Chance hat und sie selber auch gefährdet waren.(Meine Mutter hat sie 35 jahre nach Kriegsende ausfindig gemacht). Sie haben es aber nicht getan.
Sie erzählten, dass sie ihn nicht liegenlassen konnten, weil sie selber sich vorgestellt haben, sie wären an seiner Stelle. Offensichtlich schweißt die Gefahr und die Angst Menschen sehr arg zusammen und der Krieg weckt nicht nur die bösesten Instinkte..
Traurig nur, dass wir Deutschen jetzt auch wieder 20ig Jährige in die Fremde schicken, um dort vermeintlich unsere Freiheit zu schützen, obwohl es doch nur um Ölinteressen geht.Wir schicken Leute nach Afghanistan und überlassen die Menschen in Darfur ihrem Schicksal. Verlogener kann Politik kaum sein.
Kommentar by Wolfgang Libera — 9. Juli, 2009 @ 11:55 Uhr
Na ja, die Formulierung “nicht allein lassen wollen” stammt nicht von mir…
Kommentar by Fritz B. Simon — 9. Juli, 2009 @ 12:33 Uhr
Die Formulierung “nicht allein lassen” kenne ich als “nicht ohne Hilfe lassen können”: Mein Onkel ist in Stalingrad als Arzt gewesen und frühzeitig herausgeflogen worden. Auf eigenen Wunsch ist er dann wieder hineingeflogen worden. Er wollte, konnte seine Patienten nicht im Stich lassen.
Kommentar by o.werner — 9. Juli, 2009 @ 15:16 Uhr
Nach so Kriegen sind die Leute alle wieder lieb.
Kommentar by Max Liebscht — 9. Juli, 2009 @ 21:19 Uhr
Für Max Liebscht: Ne lieb war mein Vater nach dem Krieg sicher nicht. Er war schwer traumatisiert und hat das nie verarbeitet, nur verdrängt.
Kommentar by Wolfgang Libera — 10. Juli, 2009 @ 08:04 Uhr
Leiden macht gut.
Ich will Sie nicht verarschen Herr Libera.
Manchmal macht Leiden zu gut.
Mein Vater hatte auch ´ne Meise vom Krieg.
Aber bei ihm stimmte das mit dem
“zu lieb” für diese Welt auf alle Fälle.
Ich nehme an, wir werden Gelegeheit bekommen,
den Verdrängheiten näher zu kommen.
LG
Kommentar by Max Liebscht — 10. Juli, 2009 @ 17:15 Uhr
Nehmen wir mal an, Herr Liebscht, Sie würden ein Quentchen von dem empfinden, was Sie so allgemein in Ihren Mitmenschen auslösen; ich frage mich, was dann mit Ihnen passieren würde…
Übrigens (und jetzt bin ich ein bisschen zynisch) habe ich ein attraktives Jobangebot gefunden und dabei gleich an Sie gedacht: 50 Tausend Engl.Pfund = 58 Tausend Euro Jahresgehalt, inklusive Sprachpraktikum in England, Gelegenheit zu philosophischer Meditation (Höhlengleichnis)…
http://bit.ly/hucvG
Kommentar by E. B. Far — 11. Juli, 2009 @ 12:17 Uhr
Welche Mitmenschen?
Kommentar by Max Liebscht — 11. Juli, 2009 @ 15:32 Uhr
Hier sind es die virtuellen Mitmenschen, die ja auch aus Fleisch und Blut bestehen.
Kommentar by E. B. Far — 12. Juli, 2009 @ 10:03 Uhr
Und die kennen Sie alle persönlich?
(Der Kontext bestimmt die Bedeutung.)
Kommentar by Max Liebscht — 12. Juli, 2009 @ 21:15 Uhr
Obwohl ich das neulich sympathisch fand, wie Sie für Frau Taraba eingetreten sind. Wahrscheinlich sind Sie ja gar nicht so. Wer weiß …
Kommentar by Max Liebscht — 13. Juli, 2009 @ 07:32 Uhr
Danke für die Sympathiebekundung, Herr Liebscht. Nein, bis auf eine ehemalige Kollegin, die vor einigen Monaten einige Kommentare abgegeben hat, kenne ich hier niemanden persönlich. Die Illusion ist so schön, zu meinen, man könne wie in der Großstadt in der Anonymität abtauchen.
Kommentar by E. B. Far — 14. Juli, 2009 @ 18:06 Uhr
Na ja, vorausgesetzt der elektronische Laden läuft noch eine Weile, ist es aber wohl auch so, daß man Monumente hinterläßt. Gedächtnisspuren, Assoziationsnetzwerke. Eine seltsame Veranstaltung.
Kommentar by Max Liebscht — 15. Juli, 2009 @ 12:08 Uhr