Tassen
Fritz B. Simon
Ich war in einem Café, um – der Kälte wegen – einen Tee zu trinken. Er wurde in einer sehr großen, vor allem aber sehr dicken Tasse serviert. Das sah sehr nett aus. Stilvoll. Aber: Als ich den Tee trinken wollte, zeigten sich nur schwer überwindbare Probleme. Mein Finger passte nicht durch den Henkel, so dass ich den Henkel zwischen Daumen und Zeigefinger einklemmen musste, um die Tasse anzuheben. Das aber gab nicht genug Halt, um die volle Tasse zum Mund zu befördern. Sie hätte sich – so meine durch ein basales Gespür für die gegenläufigen Wirkungen von Schwerkraft und Reibung gestützte Befürchtung – zwischen Daumen und Zeigefinger nach unten gedreht und den Inhalt auf Tisch, Hose etc. ergossen. Also musste ich die zweite (linke) Hand zur Hilfe nehmen, um der die Tasse nach unten ziehenden Schwerkraft entgegen zu wirken. Das wiederum war deshalb nicht so ohne weiteres möglich, weil die Tasse sehr heiß war und ich mir die Finger der linken Hand verbrannte (dies zu verhindern ist ja wahrscheinlich eine der existenziellen Nöte, die zur Erfindung von Henkeln geführt hat)…
Ich habe es dann aber doch geschafft. Nachdem ich lange genug gewartet hatte, so dass der Tee (und mit ihm die Tasse) sich ein wenig abkühlen konnte.
Typisch sonntägliche Abenteuer.
9 Kommentare
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Ich frage mich nun, was hat das bei Ihnen gefühlsmäßig bewirkt?
Hat es Ärger über den Konstrukteur der Tasse aus gelöst oder über den Besitzer des Cafés, der die Tasse gekauft hat?
Gab es Verzweiflung darüber, dass keine geeignete Methode zum schnellen Trinken des Tees gefunden werden konnte, obwohl sie doch so durstig waren?
Gab es in Ihnen Ungeduld, dass Sie lange warten mussten, bis der Tee abgekühlt war oder war es wie eine Meditation zu beobachten, wann der richtige Zeitpunkt gekommen war?
Wären Sie lieber wieder schnell aufgestanden und hätten ein Gespräch gerne beendet, waren aber noch an Ihre nicht geleerte Tasse gefesselt?
Etwas muss jedenfalls in Ihnen berührt worden sein, sonst wäre der Blog nicht entstanden.
Kommentar by Eckhard Nees — 30. November, 2008 @ 22:19 Uhr
Nett, dass Sie so an meinem Gefühlsleben interessiert sind. Aber die heisse Tasse hat mich ziemlich kalt gelassen. Ich habe meiner Begleiterin beim Salatessen zugeschaut und mich mit ihr unterhalten. Sie ahnte sicher nicht, dass ich gleichzeitig über die Konstruktion der Tasse grübelte.
Erst neuerdings fallen mir solche alltäglichen Dinge und ihre Konstruktion auf. Und sie erstaunen mich mehr als ich mich drüber ärgere – wenn es sich nicht gerade um irgendwelche Idiotien der Bundesbahn und/oder der Telekom handelt.
Seit mir all diese kleinen, alltäglichen Gebrauchsgegenstände nicht mehr als gottgegeben erscheinen, sondern als Resultat menschlicher Konstruktionen (wie Ideen), gehe ich wohl bewusster durch die Gegend und mit ihnen um.
Allerdings so bewusst auch wieder nicht. Denn heute habe ich erst gemerkt, dass ich auch zu Hause Tassen habe, bei denen man den Finger nicht durch den Henkel bekommt. Auch sie muss man festklemmen. Im Unterschied zu den oben beschriebenen Tassen kann man sie aber einhändig benutzen, weil das Kaffeevolumen, das in sie hineinpasst, geringer ist. Daher muss niemand befürchten, dass sie sich entleeren ohne dass man trinkt…
Kommentar by Fritz B. Simon — 1. Dezember, 2008 @ 11:47 Uhr
Neues Geschirr hat öfter seine Tücken. Neben der Tasse bleibt da manchmal kein Kaffeelöffelchen liegen, was bei nicht so modern gestylten Modellen eine Selbstverständlichkeit ist. Neulich fiel mir auf, dass auf dem Frühstücksteller die Toastscheibe herumwackelte. Bei genauem Hinsehen wölbte sich da der Boden in der Mitte nach oben. Mangelnde Kontrolle?
Die Sache mit dem Löffelchen, das nicht neben der Tasse liegen bleibt, weil der Tellerrand vielleicht schick, aber nicht praktisch geformt ist, bringt mich auf eine Idee. Wahrscheinlich geht es bei den Konstruktionen eher um das “moderne” Erscheinungsbild als um die Nützlichkeit im praktischen Gebrauch, also Design vor Gebrauchswert, Trick vor Tauglichkeit, Schein vor Sein.
Gruß,
Horst Kasper
Kommentar by Horst Kasper — 1. Dezember, 2008 @ 12:30 Uhr
immer h a u c h z a r t e s Porzellan fuer Tee.
http://www.aktionbildung.de/wmdb/files/bbb/lehrundlernmaterial/speisengetraenke.pdf
Schwarzer Tee
• Teekanne mit heißem Wasser vorwärmen
• 1 Teelöffel Tee pro Tasse in die Kanne geben
• Mit frischem, sprudelnd kochendem Wasser übergießen
• 2 – 3 Minuten ziehen lassen
• Zum Servieren Gläser oder dünnes Porzellan verwenden
Kommentar by duscholux — 1. Dezember, 2008 @ 13:55 Uhr
Ich kann nicht drum herum:
Es scheint mir doch so, als sollte das neue Layout der Seite überarbeitet werden. Also, bei mir (FireFox 3) steht
Kommentar von XXX in der Überschrift des nächsten Kommentares.
Ist bestimmt nicht so gewollt, oder?
Kommentar by Holger Huckfeldt — 1. Dezember, 2008 @ 14:30 Uhr
Ist korrigiert. Danke für den Hinweis.
Kommentar by Fritz B. Simon — 1. Dezember, 2008 @ 16:39 Uhr
Könnte es sein, dass es einen zeitlichen Zusammenhang zwischen erhöhter Senibiltät für Design / Gestaltung und dem tagtäglichen Umgang mit dem iPhone gibt? An mir selbst jedenfalls bemerke ich, wie ich funktionale Lösungen (oder solche, die sich so geben) mit einer an Apple-Rechnern gereiften Anspruchselle messe…
Kommentar by cw — 1. Dezember, 2008 @ 17:14 Uhr
Da soll mal einer sagen, wir Männer können nicht mehrere Dinge gleichzeitig. Einer Frau zuschauen, sich mit ihr unterhalten und dann auch noch über Tassen nachdenken. Bin nur gespannt, was die Begleiterin über unseren Dialog denkt.
Kommentar by Eckhard Nees — 1. Dezember, 2008 @ 19:57 Uhr
Meine Sensibilität für Design war vor dem iPhone. Es wurde wahrscheinlich ja nur erfunden, um dieser Sensibiltät gerecht zu werden…
Und: Der Begleiterin habe ich nichts von meinen Tassengedanken offenbart, und das hier liest sie nicht…
Kommentar by Fritz B. Simon — 2. Dezember, 2008 @ 11:23 Uhr