Simons Systemische Kehrwoche

Tetralemma 2.0

Fritz B. Simon

Zum Tetralemma fällt mir noch ein, dass ich einen Artikel in der “Revue für Postheroisches Management” veröffentlicht habe, der – wie ich finde – ganz gut zeigt, was sich für Konsequenzen daraus ableiten lassen, wenn man “pragmatischen Paradoxien”, wie es die Palo Alto Crowd genannt hat, ausgesetzt ist.

Wo man zwischen zwei, sich im Sinne der zweiwertigen Logik ausschließenden, Handlungsoptionen die Wahl hat, hat man keine Möglichkeit zu handeln, ohne den Regeln der zweiwertigen Logik zuwider zu handeln. Wenn man ihnen gerecht werden will, dann eröffnet sich eine depressive Symptomatik oder eine schizophrene Symptomatik als “Lösung”.

Das nur als Nachtrag zu voriger Woche, und als Hinweis darauf, dass sich Psychopathologen mehr mit Logik beschäftigen sollten… Hier würden sich vollkommen neue Horizonte der Forschung eröffnen, womöglich sogar für die Biologen.

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7 Kommentare

  1. Danke für den Hinweis. Ich habe mich früher eigentlich mit Begeisterung mit Logik (natürlich nur auf Oberstufenniveau) und auch mathematischen Formalismen beschäftigt. Zeit das für die klinische Tätigkeit wiederzuentdecken. Sagen Sie, wo sehen Sie denn Möglichkeiten z.B. einen Patienten/Klienten, der tatsächlich innerhalb seiner zweiwertigen Logik verbleibt und deshalb eine entsprechende Symptomatik als “Lösung” entwickelt zur Aufgabe der Zweiwertigkeit anzuregen – gerade wenn ich davon ausgehe, dass keine instruktive Interaktion möglich ist? Ich kann mir in den konkreten Fällen die mir dazu einfallen kaum vorstellen, wie dieser Akt der Kreativität letztlich angeregt und 3./4. Lösungen und Positionen gefunden werden können (indem die zweiwertige Logik aufgegeben wird, klar. Aber da ist ja eine unglaubliche, im Grunde schöpferische Leistung). Führt Ihrer Ansicht/Erfahrung nach da an Aufstellungsarbeit kein Weg vorbei?

    Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 26. November, 2007 @ 21:32 Uhr

  2. Wie war jetzt eigentlich noch mal schnell der Zusammenhang von Spencer – Brown´schen Kalkül und 5. Position im Negiertem Tetralemma?

    Kommentar by Max Liebscht — 27. November, 2007 @ 16:41 Uhr

  3. So schnell geht das nicht…

    Kommentar by Fritz B. Simon — 27. November, 2007 @ 17:18 Uhr

  4. Vielleicht bin ich nur paranoid (und freue mich, berichtigt zu werden) aber manchmal fühle ich mich von Ihnen, Herr Liebscht, veralbert. Was paradox ist, denn eigentlich schätze ich Ihre Beiträge. Sind das die Nebelbomben? Oder doch die Paranoia?

    Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 27. November, 2007 @ 18:30 Uhr

  5. ….Paradoxes ist doch gut möglich – bin froh mal wieder ein Lebenszeichen von Herrn Liebscht zu hören – auch wenn ich hier nicht mit diskutiert habe!

    viele Grüße an die östliche Konstruktionsgrenze!

    kollegiale Grüße
    Thomas Kirchen
    http://www.arbeitswelt-lebenszeit.de

    Kommentar by Thomas Kirchen — 28. November, 2007 @ 16:07 Uhr

  6. “bin froh mal wieder ein Lebenszeichen von Herrn Liebscht zu hören”

    Ja, das doch sicher!

    Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 28. November, 2007 @ 18:03 Uhr

  7. Das ist Resonanz, Herr Wölfelschneider.
    Der östlichste Systemiker Deutschlands muß einfachst Hausaufgaben machen. Realpolitik. Die schlaue Frau Taraba hat zudem Recht, ich alter Dussel soll endlich die Büchel schreibseln. Schon, um zur Abwechslung mal wieder andere Zwangsgedanken pflegen zu dürfen. So wird das halt nix mit dem Relationalen Konstruktivismus, Fraktaler Ethik und Integrativer Psychologie Dank Logik der Psyche. Eine Doktorandenstipse müßte man haben! Gevatter Simon ist boshafterweise leider nicht auf drauf eingegangen. Hier kriegen die Leute doch einfach Angst, wenn ich mit meinen Flausen anrücke. Resonanz – hä? Zumal mit diesem lausigen Baumschulenabschluß. Dabei könnte man solche schönen Videoanalysen machen! Von wegen der selbst zu versteckenden Ostereier. (Hatte mich mal für so einen Innovationspreis beworben. Mach ich nie wieder. Der Peter Schlötter hat dann das gemacht, was seit zig Jahren nahe lag. Man muß es halt denken können.) Das Ärgerliche ist, die Bücher, sie schreiben sich eigentlich wie von alleine. Echt emanzipiert. Bin zufälligerweise bloß Medium. Ich gucke eigentlich nur zu, wie es wächst und wächst und ich bei meiner Zerstreutheit nicht zuviel von den drolligen Einfällen in mein Bewußtsein vergesse. Man kommt vor lauter Kleinkram, zumal als Eventpapa dreier Rangen, einfach nicht hinterher, also zum Aufschreiben. Aufgrund meiner primitiven Ausbildung verstehe ich auch gar nichts von Spencer – Brown. Reime mir nur so eben zwischen einer Hatz zur nächsten zusammen, wie die Phänomene zusammen hängen könnten. Andere gehen kegeln und was es sonst als Ausgleichsmöglichkeiten gibt. Die 5. Position ebenso wie das Kalkül scheinen mir immerhin hervorragend geeignet, um Phänomene wie Fruchtbarkeit im Kern zu rekonstruieren. Zunächst natürlich vorzüglich formal, aber immerhin. Das Gerede von wegen “systemisch” ist ja sowieso toter Quark. Und wenn ich mich selbst “Systemiker” nenne, dann eher in dem Sinne wie die Mothers, die auch keine Mütter waren. Alles in allem gibt es nur ein System und selbst das – nun ja … denkt sich seinen Teil indem wir herumasten. Natürlich könnte man all die Themen hier schön auseinanderpflücken. Aber, was die Kunsttherapeutische Katharsis anbelangt, ich glaub, ich hab mich ausgetobt. Hab mir vor zwei Wochen ein altes Haus direkt hinter dem Görlitzer Rathaus gekauft. Dort werd ich nach boshafter Heimatvertreibung infolge krasser systemischer Fehldiagnose endlich wieder Wurzeln schlagen und auf Jakob Böhmes Spuren lustwandeln. Deutschland braucht zwecks Fanatismusprophylaxe dringendst ein Philosophisches Museum! Also klar: Ich freue mich sehr. Das LISL, das berühmte Lausitzer Institut für Systemischere Lösungen wird also umziehen in die Rosenstraße 1; Kling Klang: 66 11 11. Wen es von Ihnen in diese bizzarre Stadt hart an der Grenze des guten Geschmacks verschlägt, er / sie sei mir halbbekannterweise herzlich eingeladen auf ein paar Flaschen Met und Epistobabble. 7 Meter vom Hauseingang entfernt ist der Dreibeinige Hund, da gibt es Bamberger Schlenkerla im Seidel und Nutriabraten. Axel Krüger, der Weinhändler dieser Stadt gehört für mich zu den angenehm denkenden Menschen und hat seinen Leckertempel 30 Meter weiter. Schade, daß die Tante Taranba nicht mehr dabei ist, aber ich nehme an, sie wird eifrig an dem alten Socken namens Hegel stricken und vielleicht ist es mir ja trotz meiner zugegeben schlampigen Bezugnahmen gelungen, sie ein wenig zu inspirieren. Bin also trotz meinem chronisch polemischem Herumgenörgel auf Ihr zweites Buch recht gespannt. (Und das erste mal gründlicher zu lesen.) Vielleicht hat der unfreiwillige Karriereberater auch Recht und man sollte über planmäßige Karrierestrategien ernsthafter nachdenken. Ich find nur eben das Nachdenken schon irgendie albern und ärmlich; meistens kommt nur Mist raus, wenn arme Leute erst anfangen, ehrgeizig für irgenden jemand zu schreiben. Kunst ist das, was man macht, wenn man muß. Das ist wie bei organischer Organisationsentwicklung. Zumal Innovation ja kaum erkannt wird und daher nur in kleinen Dosen verkäuflich ist. Meine liebe Professoressa meinte neulich ernsthaft und pragmatisch, ich hätte mir bei solchen Ideen eben eine reiche Frau suchen müssen. So komm ich mir vor wie ein dummer Junge, der einen Krug hübscher Goldmünzen unterm Buddelkasten gefunden hat und kein Geld hat, sich einen kleinen Lolli zu kaufen. Schluchz.
    Abegesehen davon, daß ich lieber schreiben würde statt extrinsisch zu Motivierenden Psychologie beizubringen … Als Psychologie mag ich Pädagogen noch weniger als Immobilienmakler und Architekten, finde mich nun aber selbst blöderweise als Lehrer wieder … (“Wer was kann – machts. Wer nix kann – lehrt´s.” G.B. Shaw) also ab und an hat man doch mal weng Unterhaltung mit den Rotznasen. Fragt mich heute so ein Hüpffrosch, ob Träume denn auch Kommunikation seien (ich muß den Leuten Watzlawicks Axiome, Schultz von Thun und solchen Schwahahachsinn beibringen und versuche dies in möglich unschädlicher Weise zu realisieren). Natürlich konnte meinermuttersohn dann doch nicht widerstehen, mitzuteilen, daß es eigentlich natürlich keine Kommunkation gibt u.s.w. Ebensowenig wie Gleichberechtigung (Das Axiom (allein das Wort ist schon ein Skandal; voraussetzungslose Annahme!) zu den sog. symetrischen / so oder anders herum komplemtären Beziehungen) unter Rudeltieren, wie menschliche Säugetiere nun mal sind. Anschließend verbunden mit dem Hinweis, daß sie den Exkurs natürlich nur geträumt haben dürften. Diese Massenproduktion! Nächste Woche bin ich gespannt, was eine andere Klasse über Selbsthypnose herausgefunden haben mag. Das sind dann so die kleinen Freuden. Sonsten aber bin ich neidisch auf Sie alle, die da hocken, dolle Projekte bezahlt bekommen und Narrenfreiheit unter eingebildeten Schmerzen genießen. Moselwein oder Gewürztraminer im Bergkristallzahnputzbecher schlabbern. Hoffentlich schaffe ich es nächstes Jahr ins ferne Heidelberg. Ich war nie da und es ist wie vieles andere in den letzten Jahren unwirklich fern geworden wie Timbuktu. Wahrscheinlich verschwimmt alles sobald ich nur da bin. Zur Magie von Maggie fällt mir mit Namen Liebscht, angeblich abgeleitet von Liebstöckel, einer Vulgärübersetzung des Lateinischen: “das Kraut, das aus Ligurien kommt” (aber gar nicht in Maggiwürze drinnen ist) erst mal unser Schubkarren ein. Na klar. Die Mistkarre. Insbesondere im Winter sehe ich mich mit diesem Ding über die zugefrorenen Wiesen asten. (Dissoziierte Wahnvorstellung, illtümlicherweyse interne “Kommunikation” genannt). Wenn es viel geregnet hatte, ging es zur Notdurft auch sonst, ohnedem aber gab es Ärger mit den Nachbarn. Sommers ging gar nicht. Die vereisten Grasbuckel auf der Wiese waren jedenfalls zu meiden. Daß ich den Karren in seiner Fahrt leicht anheben mußte, bewirkte, daß der Schwerpunkt des Gefährtes infolge der schlierigen Schwabbelmasse vorne lag. Sobald ich aber einen Widerstand angefahren hatte, schwuppte die braune Brühe (das zerbröselte Klopapier sah aus wie die zerfallenden Fleischfasern in einem Schubkarren statt einer Schüssel voller Gulaschsuppe) mit einem Schwupp in meine Richtung. Nicht nur, daß die möglichst volle Karre dann tückisch schwer zu beherrschen war, wenn der Schmodder gegen das rückseitige Blech schlug, es gab auch eklige Sommersprossen. Mindestens die gute graue Wattejacke war dann erst mal nicht mehr so gut zum Kuscheln. Eklig fand ich auch die rosa, z.T. aufgrund der lichtscheunen Existenz weißen Würmer, die sich in dicken Klumpen umeinander windend da fett glänzend einen Bunten zu machen schienen, wenn man die von ätzenden Gestank zermürbten Abdeckbohlen der Jauchengrube abgehoben hatte mit der Mistgabel. Ich hatte in einer Fernseedokumentation gesehen, daß die Menschen am Tanganikasee dicke Fliegenmaden als wertvolle Proteinbeigabe sehr zu schätzen wußten. Mehrfach benachteiligte Nervensägen, wie ich sie bis vor Kurzen zu betreuen hatte, hatten in “der Einrichtung” auch Regenwürmer gebraten. Mein Großvater (stolz darauf, im jüngsten Krieg Soldat ohne Ehre und eben auch Koch von allem, was verfügbar war, gewesen zu sein) hatte mir seinerzeit geraten, daß man diese erst mal wässern solle, damit die sich auskackken könnten, bevor man sie zubereite. Das weißlich Feuchte dieser Würmer da ließ mich immer wieder an das Bild dieses schwarzen Halbwüchsigen vor der Seekulisse denken, wie er mit sichtlichem Behagen diese Fliegemaden zum Munde führte. (Unsere verweichlichten Blödmänner hatten ihre Würmer bloß gekillt und dann doch nicht aufgegessen.) Gott sei Dank lenkte die zügig hinter sich zu bringende Arbeit ab. Weil sich der Gestank trotz Winterkälte doch nicht ganz vermeiden ließ, war man sehr froh, wenn der Blecheimer an der langen pißbenetzten Stange endlich die Reste des zu schwarzer Schluze zerfallenden Stuhls zur letzten Fuhre zusammenkratzen konnte. Nachdem die Stachelbeersträucher, die Tannen, aber eben auch das Beet mit dem stets üppigst gediehenen Liebstöckelkraut gejaucht worden war. Dieses finale Kratzen auf dem Betonboden höre ich noch jetzt. Blechenes Zeichen irdischer Erlösung. Als Mensch mit besonderer Vorliebe für Akustisches, ist mir auch sofort der Unterschied präsent, wie es sich anhörte, wenn die Arschbomben Richtung Wurmparadies nicht mehr so ein dumpfes Plumpsen auslösten sondern eher so ein helles fröhliches Klatschen weiter unten in der Tiefe. Insbesondere im Winter pfiff Dank des neugewonnenen künstlerischen Freiraums allerdings auch eher der Wind an den Arschbacken entlang, (“die kalte Sofia” sagt man hier im Schlesischen zu diesem Phänomen; wahrscheinlich hat diese Sofia mich die Sympathie meiner Lebensabschnittbevollmächtigten für mein heißgeliebtes Elternhaus gekostet. Nun rauschen die alten Eichen für andere Affen.) weil an den Bohlen draußen doch ein Dunstabzugsloch frei blieb. Dieses Liebstöckelkraut jedenfalls zählte zu den wenigen Pflanzen, die auf die relativ starke Düngung in unserem Garten nicht mit Kümmerwuchs reagierte. Ganz im Gegenteil, es schien Dank all der Kacke aus unserer Familie Liebscht regelrecht aufzuleben Jahr für Jahr. Nicht allein, daß meine ebensfalls unverwüstliche Mutter dieses so vitaminreiche Kraut in rauen Mengen auf ihre ohnehin berüchtigten Eintopfgerichte streute, eben so wie die multiple Persönlichkeit Fritz Bernhard S. mochte auch sie ihre Suppe nie ohne diese scheiss Maggiwürze essen. Wahrscheinlich ist sie von dieser Kombination schizophren geworden oder bei FBS dauert es nur einfach noch. LG zurück! Ihr Max Manfred Michael Reinhard L.

    Kommentar by M.M.M. Liebscht — 29. November, 2007 @ 19:27 Uhr

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