Simons Systemische Kehrwoche

Troy Davis

Fritz B. Simon

Letzte Nacht wurde in Georgia/USA Troy Davis hingerichtet. Er soll vor 20 Jahren einen Polizisten erschossen haben.

In diesen letzten 20 Jahren sind hinreichend Zweifel aufgekommen, dass er tatsächlich der Täter ist. Von den ursprünglich 9 Zeugen, die gegen ihn ausgesagt hatten, sind nur noch zwei übrig geblieben. Und darüber hinaus, ist die Beweiskette brüchig geworden.

In zivilisierten Ländern gilt seit Tausenden von Jahren die Regel: In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten.

Und nur deswegen kann man wohl die USA weiterhin als zivilisiertes Land betrachten, obwohl Zweifel angebracht sind.

Wenn man die Angehörigen des erschossenen Polizisten im Fernsehen beobachtete, dann wurde klar, dass für ihr Seelenheil der Tod von Davis wichtig war (egal, ob als Mörder überführt oder nicht).

Rache ist ein starkes Motiv – selbst wenn dabei eventuell jemand zahlt, der keine Schuld auf sich geladen hat.

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6 Kommentare

  1. Rache ist auch ein starkes Motiv, wenn jemand Schuld auf sich geladen hat. Im November steht Andreas Mörder endlich vor Gericht – nach fast 1,5 Jahren. Dort wird es aber weder um Rache, noch Gerechtigkeit gehen, vielleicht ein wenig um Sühne. Das ist die zivilisatorische Kälte des Systems. Aber, was sonst?
    Andrea bringt mir das nicht zurück.

    Kommentar by ingo scholz — 22. September, 2011 @ 16:47 Uhr

  2. Eine dieser US-Ungeheuerlichkeiten. Mit Rechtsstaatlichkeit in unserem Sinne hat dieses System nichts zu tun.

    Kommentar by Horst Kasper — 22. September, 2011 @ 22:42 Uhr

  3. Brüchig gewordene Beweisketten

    Wenn Beweisketten nach dem Urteilsspruch brüchig werden, tut sich auch unsere Justiz stets schwer, Verfahren wieder aufzurollen.

    Man sollte fragen, warum oder woher dies Schwerfälligkeit? Die dem Staat dann drohende Haftentschädigung kann es wohl nicht sein, das ist ja nur ein Taschengeld in Deutschland. Weil es Sand im Getriebe ist? Der Laden muss schliesslich laufen.

    Wenn eine physische Kette brüchig wird, wird die tausendmal untersucht, damit der Laden weiter laufen kann.

    Kommentar by duscholux — 23. September, 2011 @ 07:57 Uhr

  4. Wir haben auf Vorrat hingerichtet.
    Deshalb müssen wir ´ne Weile aussetzen.
    Käfighaltung und Verwurstung wie in Chinas schöner neuer Welt, find ich persönlich noch unfeiner als Guantanamo,
    Abu Ghuraib u.s.w.
    Dank Multimediasplatter von Arni & Co round the clock dürfte das Skandalpotential so oder so ziemlich inflationiert sein.

    Kommentar by Max Liebscht — 23. September, 2011 @ 08:50 Uhr

  5. Dieses Thema, diese Bürde, wird sehr gut in den beiden amerikanischen Filmen gezeigt: “Die 12 Geschworenen” und “dead man walking”.

    Kommentar by o.werner — 23. September, 2011 @ 10:11 Uhr

  6. Meine Hypothese ist eine andere:
    Da die Amerikaner so viele Stunden vor Star Trek, Fernsehpredigern, Ballerspielen e.t.c. verbringen, glauben die wahrscheinlich, dass Troy Davis mehrere Leben hat.

    Kommentar by Max Liebscht — 27. September, 2011 @ 14:19 Uhr

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