Turnhallen
Fritz B. Simon
Gibt es etwas Deprimierenderes als die in den 60er Jahren gebauten Turnhallen deutscher Schulen an einem Sonntag oder während der Ferien?
Die Gebäude “an sich” sind eine Beleidigung für das Auge. Sie symbolisieren in ihrer “Ästhetik” für mich das deutsche Schulsystem. Deswegen kommen sie auch an Sonntagen so zur Geltung: dann sind nämlich keine Schüler weit und breit zu sehen oder zu hören. Im Alltag füllen sie diese schrecklichen Gebäude wenigstens mit Leben und beweisen (mir zum Trost), dass Kinder auch trotz solcher Umgebung gedeihen können. Aber die Kinder fehlen am Sonntag, so dass die Gebäude ihre ganze niederschmetternde Wirkung erzielen können…
Ja: erzielen. Denn ich glaube nicht, dass architektonische Wirkungen aus Versehen entstehen.
2 Kommentare
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Deprimierend? Resilienz trotz mehr oder weniger mißglückter Architektur! Das ist doch eher ein Grund zur Freude, daß deutsche Kinder selbst unter derartiger Überformung nicht sämtlich zu fightgeilen Drogenabhängigen geraten. Und wenn Künstler i.d.R. ja eher gewöhnliche Prostituierte diverser Oberhäuptlinge sind, zeichnen sich insbesondere Architekten natürlich schon von Berufs wegen durch eine besonders hochgradige kriminelle Energie aus – Ausnahmen, welche die Bildung der mehr oder weniger breiten Massen lauteranzuregen suchen durch ihre, die Dynamik Tausender fromm einfassenden Lebens – formen – bestätigen diese Regel nur und werden nicht umsonst i.d.R. als Märtyrer ge- und behandelt.
Kommentar by Max Liebscht — 6. Januar, 2008 @ 19:34 Uhr
lieber herr simon!
etwas deprimierenderes als die 60er-jahre-turnhallen in deutschland gibt es schon: z.b. zu sehen auf einem foto (gehtja hier noch nicht und ich müsste mich schon entscheiden, ob ich das veröffentlichen würde)aufgenommen vor über 30 jahren, das eine kleine kindergartengruppe zeigt beim empfang von weihnachtsgeschenken in gymnastikanzügen (wir als jungs?) inmitten einer für unseren damaligen wachstumsabschnitt doch imposant großen sog. turnhalle marke ddr-architektur.
die halle brannte ein paar jahre später vollständig ab und wurde ersetzt von einem klinkerbau ohne nennenswerte identität (jetzt marke brd).
in der alten halle roch es schlecht, die hygienischen bedingungen waren auch nicht so toll und dennoch bleibt sie, wenn auch verklärt, für immer in meiner erinnerung.
Tomte
ps: es ist jedes mal immer wieder ein genuss ihr blog zu lesen. bin seit anfang an fan und(fast)täglich hier zum schmökern.
Kommentar by Tomte — 10. Januar, 2008 @ 13:31 Uhr