Unsere Panzlerin
Fritz B. Simon
Deutschland ist eine erfolgreiche Exportnation. Auch beim Export von Rüstungs-”Gütern” ist unsere Industrie sehr erfolgreich.
Das zeigt sich jetzt wieder bei der gerade von Frau Merkel akzepierten Bestellung von Leopard 2-Panzern aus Saudi-Arabien.
Das Problem dieser Art wirtschaftlichen Erfolgs ist, dass man Waffen eben nicht nur zur Selbstverteidigung einsetzen kann. Und selbst wenn sie zur Selbstverteidigung genutzt werden, stellt sich die Frage, wer sich denn da gegen wen verteidigt.
Das Beispiel Saudi-Arabiens zeigt, dass dies zu einem guten Teil – wer kann sich sonst schon solche Dinger leisten – irgendwelche Potentaten oder autoritären Regimes sind, die sich gegen ihre Bevölkerung verteigen müssen, weil sie sonst davon gejagt würden.
An sie Waffen zu liefern, scheint mir politisch sehr kurzsichtig. Und es ist ja eine politische Entscheidung, weil der Export von Panzern der Genehmigung durch die Regierung bedarf.
Früher, als es nicht primär um die Selbstverteidigung von Regierungen bzw. der durch sie herrschenden, korrupten Oberschichten irgendwelcher Bananenrepubliken ging, sondern um potentielle Konflikte zwischen Staaten, konnte man neutral bleiben – oder besser: allparteilich: Das sah dann in der Regel so aus, dass beide Seiten mit Panzern, Landminen, Streubomben, Gewehren etc. beliefert wurden. Ein gutes Geschäft und politisch “unbedenklich”…
Das geht jetzt jedenfalls nicht mehr so einfach.
10 Kommentare
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Beim Verkauf von Küchengeräten werden Gebrauchsanweisungen mitgeliefert, die z.B. untersagen, nasse (lebende) Katzen in der Mikrowelle zu trocknen oder den Staubsauger zum Entfernen lebender Spinnentiere zu benutzen.
Auf den Anweisungen ist jedoch nicht vermerkt in welchem Rechts-Raum diese Anweisungen gültig sind.
Kommentar by o.werner — 10. Juli, 2011 @ 14:04 Uhr
“Unsere Panzlerin” ist eine großartige Wortschöpfung !!
Kommentar by mia winterfeldt — 10. Juli, 2011 @ 18:28 Uhr
Warum immer so negativ? Vielleicht brauchen die die ganzen Waffen nur zur Zierde, oder um da was sinnvolles draus zu bauen. Können die Waffenhändler was dafür, wenn die damit schiessen wollen???
Kommentar by Tom — 10. Juli, 2011 @ 18:51 Uhr
“Ihr seid alle Simpel!”, beschimpfte soeben zum dritten Mal Professor Arnulf Baring den Rest der Diskussionsrunde bei Anne Will (ARD), nur den CSU-Abgeordneten Hans-Peter Uhl, nahm er aus. Panzer machen offenbar auch rhetorisch stur. Sein Lieblingsgegner in der Runde, Jürgen Todenhöfer, berichtete derweil von den zerstörten italienischen Panzern aus dem Besitz Gaddafis, die von französischen Bomben zerschossen worden waren, nachdem der Machthaber sie in Bengasi eingreifen lassen wollte. Wohin werden einmal die “Leos” rollen, sollte es tatsächlich zu diesem Geschäft kommen? Der Diskussionskultur bei uns bekommt das Geschäft offenbar nicht. Und den Menschenrechten bei den Saudis?
Kommentar by Horst Kasper — 10. Juli, 2011 @ 23:15 Uhr
Die Verteidigung der Demokratie geht mit unter derart verschlungene Wege, dass Krethi und Plethi nicht so ohne weiteres folgen können.
Kommentar by Max Liebscht — 11. Juli, 2011 @ 07:37 Uhr
“Jürgen Todenhöfer, berichtete derweil von den zerstörten italienischen Panzern aus dem Besitz Gaddafis, die von französischen Bomben zerschossen worden waren, nachdem der Machthaber sie in Bengasi eingreifen lassen wollte”
Da kann man nur hoffen, dass die NATO auch leopardbrechende Waffen hat, wenn es bei den Saudis losgeht.
Allerdings frage ich mich, warum man gegen Demonstranten solche Supergefährte braucht. Würden da nicht sogar noch Weltkrieg Zwo Geräte reichen? Müsste man halt air-con durch die Bundesbahnwerkstätten nachrüsten lassen, aus Sabotagegründen.
Insgesamt verstehe ich das Motto “Keine Waffen in Kriegs- und Krisengebiete” nicht. Da gehören sie schliesslich hin.
Kommentar by duscholux — 11. Juli, 2011 @ 08:44 Uhr
Mozartkugeln! Die einzigen Rüstungsgüter, die exportiert werden dürfen, sind Mozartkugeln!
Kommentar by Manfred Bögle — 11. Juli, 2011 @ 12:58 Uhr
„Napalm und Pudding“
Es hat sich viel getan, in Deutschland. Wie meinte einst Frau Ulrike M. im Konkret 1967:
“Nicht Napalmbomben auf Frauen, Kinder und Greise abzuwerfen ist demnach kriminell, sondern dagegen zu protestieren [...] Es gilt als unfein, mit Pudding und Quark auf Politiker zu zielen, nicht aber, Politiker zu empfangen, die Dörfer ausradieren lassen und Städte bombardieren.”
Kommentar by es — 11. Juli, 2011 @ 13:46 Uhr
Toll wäre es doch, die Panzer mit einer Wegfahrsperre auszuliefern. Diese könnte dann von der NATO per Funk aktiviert werden, falls die Araber einen Gegner angreifen, welcher es aus westlicher Sicht nicht verdient hätte mit Leoparden bekämpft zu werden…
…naja, war ja nur so ne Idee!
Kommentar by Harry — 11. Juli, 2011 @ 17:32 Uhr
Wir haben längst Inflation und merken es infolge internetflottem Trilliardenkreisel noch gar nicht. Bis ein Zeichen kommt und alle aus der Runde fliegen, die noch wertlose Glaubensbekenntnisse in der Kralle haben.
Wir sind längst schon wieder in diesen faschistoiden Feudalkapitalismus regrediert und merken es Dank second life gar nicht, weil wir uns von den Problemzonen unserer Ökologien weit genug emanzipiert haben. Bis ein Zeichen kommt und …
“The Medium is the Message.” zufolge sind wir ziemliche Arschlöcher.
Kommentar by Max Liebscht — 11. Juli, 2011 @ 22:28 Uhr