Verschwörung der Deutschen Bahn
Fritz B. Simon
Darüber, dass die Straßenbahn von Los Angeles in den 40er Jahren von General Motors gekauft wurde, um sie in den anschließenden fünf Jahren zu schließen, habe ich hier ja schon einmal berichtet.
Die gegenwärtige, von Hartmut Mehdorn, über den ich ja nie mehr schreiben wollte, initiierte Malaise der Deutschen Bahn lässt mich nun auch an Verschwörungstheorien glauben. Denn Mehrdorn hat ja früher mal bei Daimler gearbeitet. Eigentlich ist es ja nur logisch, wenn ein Vertreter eines der wichtigsten Automobilherstellers (des größten Herstellers von Bussen und LkW) alles daran setzt, die blöde Konkurrenz der Bahn auszuschalten.
In Dänemark hat die Deutsche Bahn z.B. die Gütertransport-Sparte der Dänischen Bahn gekauft und anschließend alle Transporte auf die Strasse verlegt. Und in Berlin, wo es – so sagen zumindest die alten Leute, die sich noch daran erinnern – mal eine funktionierende S-Bahn gab, überlegen immer mehr Leute, ob sie sich nicht ein kleines Stadtauto, z.B. einen Smart, kaufen, um nicht mehr der Willkür der Bahn ausgesetzt zu sein.
Auch das Zusperren des Bahnhof Zoo in Berlin gehört dazu. Mehr als 600.000 Bewohnern zuzumuten, 20 Minuten länger zu ihrem Ziel zu brauchen und sich durch den überfüllten Hauptbahnhof drängen zu müssen, statt dezentral und bequem auf unterschiedlichen Bahnhöfen ein- und auszusteigen, kann eigentlich nur dadurch erklärt werden, dass dem Kunden die Nutzung der Bahn vermiest werden soll.
Dahinter steckt doch offensichtlich Methode!
Denn welcher Mensch, der bei Sinnen ist, würde Auto fahren, wenn es eine funktionierende und kundenfreundliche Bahn gäbe?
10 Kommentare »
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.











Sie sind wahrscheinlich ein schlechter Mensch,
aber ein bißchen haben Sie wohl Recht.
Auch ein Systemiker kommt nicht ohne Verschwörungstheorien aus.
Als erfahrener Systemiker kennen Sie neben der berühmten miracle question ja sicher die berühmte Max Liebscht´sche Erdbebenfrage. Stellen Sie sich also einfach vor, halb Berlin fängt an einzustürzen. Eine von den Seismologen völlig unerwartete geologische Verwerfung.
Ihre Brille ist noch heil nach dem Abebben der Einstürze. Ansonsten liegen Sie eingeklemmt hinter einer stabilen Betonplatte.
Ein Arm guckt nach draußen, mit dem Sie sparsam winken können aus ihrer Höhle.
Wenn Sie den Kopf etwas auf die Seite neigen, können Sie mit etwas Anstrengung zwischen den Steinen hervorlunschen.
Wie von fern gewahren Sie ab und an trübes Flackern und hastende Schemen inmitten Wolken aus Staub.
Nur ganz schwach Sirenenklang inmitten bedrohlich lastender Stille.
Sie wollten ja nach Berlin.
Nach einer Weile mühsamen Beobachtens zeichnet eine Figur sich etwas deutlicher ab.
Taumelnd bewegt sie sich in Ihre Richtung und scheint sogar etwas näher zu kommen!
Verblüfft erkennen Sie ausgerechnet Hartmut Mehdorn.
Wie könnten Sie ihn ansprechen?
Kommentar von Max Liebscht — 8. Januar, 2010 @ 18:48 Uhr
Ich wüsste nicht, dass der Bahnhof Zoo zugesperrt worden wäre.
Hauptbahnhof und überfüllt? Ja, wahrscheinlich ist der einfach noch nicht groß genug! Am Bahnhof Zoo dagegen schreit ja die Weitläufigkeit und Bewegungsfreiheit
Die Fahrzeit Hbf-Zoo beträgt übrigens rund drei Minuten (und wenn denn die S-Bahn fährt, mit dieser um die sechs). Wie und aus welchen Faktoren diese 20 Minuten, geschweigedenn die 600.000 Bewohner zusammengebastelt worden sind, weiß wahrscheinlich nur der Autor.
Auch seltsam dass Bewohner aus den östlichen Stadtteilen Berlins nie irgendein Theater machen, von wegen der ICE sollte am Alexanderplatz halten oder in Lichtenberg…
Und zu guter Letzt: Seit wann ist der Hbf der einzige Berliner (Fern-)Bahnhof? Aus ehemals zwei wurden fünf, da kann man doch sehr wohl dezentral und bequem umsteigen.
Also, bitte nicht durcheinanderwürfeln, was nichts miteinander zu tun hat.
Kommentar von Cre — 8. Januar, 2010 @ 22:52 Uhr
Hallo Hartmut, ich bin der andere, der für den Börsengang der Bahn ist!
Kommentar von Fritz B. Simon — 8. Januar, 2010 @ 23:19 Uhr
Das mit der emotionalen Verleugnung scheint doch noch tiefer zu sitzen als ich dachte.
Kommentar von Max Liebscht — 9. Januar, 2010 @ 07:15 Uhr
Ich wüsste nicht, dass der Bahnhof Zoo “zugesperrt” worden wäre.
Und zu seiner Zeit als Fernbahnhof war er wohl genauso überfüllt wie der Hbf, wenn nicht gar noch mehr.
Die Fahrzeit zwischen Hbf und Zoo beträgt 3-6 Minuten. Woher sollen die 20 Minuten “länger” kommen? Hier wird sich auf eine seltsame Studie berufen, die gar nicht konkret aufgeschlüsselt wurde. Können Sie die 600.000 Bewohner vielleicht genau erklären?
Des Weiteren wüsste ich nicht, dass der Hbf nun einziger (Fern-)Bahnhof in Berlin wäre. Die Möglichkeit, dezentral und bequem an unterschiedlichen Bahnhöfen umzusteigen, ist heute mehr gegeben als früher.
Dieses ganze Gerede um den Bahnhof Zoo beruht auf nichts weiter als altbackenen, persönlichen (Ost-West-)Animositäten.
Es hat sich ja auch noch niemand beschwert, dass keine Fernzüge am Alexanderplatz oder in Lichtenberg halten
Kommentar von Cre — 10. Januar, 2010 @ 19:31 Uhr
Die beiden Vorgaenger Mehdorfs haben sich auch nicht mit Ruhm bekleckert.
Die Verschwörer bei der Deutschen Bahn könnten auch unter den vermutlich immer noch taetigen ex-Kadern der German Imperial Railway und unter den ex-Bundesbahnbeamten zu finden sein.
Die waren vielfach Eisenbahner mit Leib und Seele und kannten ihr Metier aus dem ff. Au deren Sicht haben sie jetz hergelaufene Schnösel als Vorgesetzte, die vom Tuten und Blasen wenig Ahnung haben. Mit ein bisschen Dienst-nach-Vorschrift Mentalität laesst das Stammpersonal diese smarten Manager, die vermutlich dem eingefleischten Eisenbahner nicht einmal die richtigen Fragen stellen können, auflaufen, indem man ihnen nur halbe Antworten gibt. Soll das Management doch sehen, wohin es die Bahn fährt.
Zur Verlegung des Guetertransports auf die dänischen Strassen gibt es eine deutsch Parallele:
Bei der Bahn gab es einmal (seit 1848) Bahnpostwagen*) zum Transport der Post. Zuletzt so ca. 90 Stück, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Die wurden vor etwa 10 Jahren aufs Abstellgleis geschoben um sie durch einige 100 LKWs zu ersetzen. (CO2 war damals schon als Problem bekannt.)
überhaupt die Post. Irgendwie vermutlich ein Zwilling der Bahn, nur weniger auffällig. Man denke einmal, ein Unternehmen, das einmal mehrmals täglich die Post zustellen konnte,
Eil- und Telegrammboten hatte, dessen Generalpostmeister Stephan den internationalen Postaustausch erfunden hat, muss -kaum privatisiert, DHL kaufen, um von denen zu lernen, wie man Post zustellt.
*)aus Wikipedia:
“Bis 1997 verkehrten spezielle Post InterCitys in Deutschland mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h. … Der Bahnpostbetrieb (für Briefpost) wurde … 1997 eingestellt. Hauptgründe für die Einstellung waren die Übernahme der Sortierung durch die stark automatisierten Briefverteilzentren, die großteils ohne Gleisanschluss geplant wurden, sowie der Aufbau des deutschen Nachtluftpostnetzes. Die Deutsche Post erklärte, die Deutsche Bahn sei nicht in der Lage gewesen, die gewünschten Fahrplanlagen zu halten.
Kommentar von duscholux — 11. Januar, 2010 @ 11:13 Uhr
@Cre
Eine unabhängige Untersuchung der London School of Economics hat festgestellt, dass sich die Fahrzeit mit der Deutschen Bahn für 65% aller Berliner verlängert hat, seit der Hauptbahnhof in Betrieb ist und die Fernzüge nicht mehr am Bahnhof Zoo halten.
Kommentar von Fritz B. Simon — 12. Januar, 2010 @ 10:08 Uhr
Als die Quasi-Stillegung des Bahnhof Zoos geplant wurde, war das wichtigste Argument, dass dann die ICEs 7 Minuten schneller in Hamburg ankämen.
Man brauchte diese sieben Minuten vermutlich, um im Vergleich mit Vorkriegsreisezeiten besser dazustehen.
Aus Krings, Bahnhofsarchitektur, Muenchen 1985 zur Planung von 1877:
“…
Die Stadtbahn … sollte den in Berlin fehlenden Zentralbahnhof gleichsam ersetzen.
…
… der Fernverkehr spielte sich nun [1882] wie folgt ab: Alle Fernzuege deren Bestimmungsorte im Osten lagen, wurden in Charlottenburg eimgesetzt und durchfuhren das Stadtgebiet auf der neuen [Stadtbahn-]Trasse; alle Zuegemit westlichen Zielstationen begannen am Schlesischen Bahnhof und durchliefen die Stadt in umgekehrter Richtung. …”
Es brauchte mehr als hundert Jahre und Mehdorf um zu erkennen, wie beschissen dieses System war.
Und Ost-West-Animositaeten sind nicht altbacken sondern Virulent.
Ach ja: Dammtor gehört auch geschlossen.
Kommentar von duscholux — 12. Januar, 2010 @ 11:18 Uhr
Heut ist eine Freundin von mir mit dem Sprinter von Frankfurt/Berlin 80 min zu spät angekommen. Es gab keine Entschädigung, weil Personenunfall – höhere Gewalt.
Personenunfall ist im Bahndeutsch die Verklausulierung für “Schienensuizid” (wieder ein Unternehmer?).
Ich hatte letztens ein längeres Gespräch mit einem Bahner der 2. Führungsebene – der zeigte deutliche Symptome einer Traumatisierung.
Lt. Wikipedia versuchen sich in Deutschland p. Woche 18 Leute durch Schienensuizid das Leben zu nehmen. Die deutsche Bahn unterhält nach einigen Angaben ein Sanatorium für Bahnangehörige, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung durch das Erleben von Schienensuiziden leiden.
Wie reagiert eine Organisation darauf, dass sie einerseits unkontrollierbar als “Suizidhelfer” instrumentalisiert wird und andererseits die Kunden einen “Regelbetrieb” erwarten?
Eine plausible Reaktion scheint es mir, dass sie mit einem übertriebenen Kontrollparadigma reagiert.
Kommentar von Bernd Monitor — 20. Januar, 2010 @ 22:30 Uhr
“Schienensuizid” ist wirklich ein schönes Wort für diese Spielart von Sehen und Gesehen werden.
Kommentar von Max Liebscht — 22. Januar, 2010 @ 15:53 Uhr