Wahrheit
Fritz B. Simon
Wenn man zur Zeit das amerikanische Fernsehen ansieht, dann fällt auf, wie hoch der Begriff “Wahrheit” im Kurs steht. Vor allem in dem – aus meiner letztlich ja unbeteiligten Sicht – vollkommen auf republikanischer Seite stehenden Sender FOX wird dieses Wort in geradezu penetranter Weise immer wieder genutzt – in Kommentaren wie in der Werbung.
“Wir berichten die Wahrheit”, “unbiased coverage” usw.
Das bestätigt mich mal wieder in meinem Misstrauen, wenn irgendwer irgendwelche Werte explizit als die Seinen proklamiert. Ich denken dann immer an Trickbetrüger und halte mein Portemonnaie fest.
Dass FOX, so gut der Sender kann, gegen Obama agitiert, sollte an sich also schon ein Grund sein, für Obama zu stimmen.
2 Kommentare »
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ja so läuft das da
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2007/10/rupert-murdochs-medienkrieg.html
Kommentar von Zaungast — 27. Juli, 2008 @ 00:37 Uhr
Bevor ich mich hier zu den Auer News einfinde, hoppel ich mitunter über Gates Explorer und bekomm über diese Art Internetbildzeitung manchmal (nicht immer) so eine Art von scheinbar erkenntnisinduzierenden Kontrast verbraten. Irgendwie gibt es da einen schwarzen und offenbar ebenfalls angesagten Schlüpferverkäufer (“Zeit zu wechseln!”), der mich zappelnd für seine Vision zu gewinnen sucht “Fonic – das ist die Wahrheit”.
Wenn die Opfer unserer missionarisch bzw. schlicht gierigen Altvorderen ihre Kolonisatoren wie damals üblich bis ins siebte Glied verflucht haben sollten, kann es wohl noch eine Weile dauern mit den Heimsuchungen. M.E. sollte der CIA Mugabe erst mal durch Obama auswechseln, da möge er sich beweisen, wie es zugeht zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Derweil kann Putin ja als Manager auf Zeit aushelfen. Nennt man die Amerikaner nicht die “Russen des Westens”?
Damit die tiefe Weisheit des Ostens (der Bundesrepublik) aber nicht noch in karriereschädliches Gerede gerät, als Ablenkungsmanöver eine Impression aus dem Freizeitbereich in einem Land schier wie aus vor unserer Zeit:
Irgendwo zwischen sowjietischen Truppenübungsplatz, Räucherei und Kanuverleih sowas wie ein Dorf. “Mecklenburgische Sahara”, was die großen Brüder von der Landschaft übriggelassen haben. Aber diese Stille, die hereinbrach zwischendem Nylonkittelbeschürzte Aktivistinnen Ihrem Dorf mittels Rasenmäher etwas vom Flair der Großstadt zu geben versuchten, also das hatte etwas! Irgendwieauchimmer biste plötzlich da angekommen und sitzt und guckst auf ein rätselhaftes Nischt mit Büschen und hörst vor lauter Leiserkeit die Schluckgeräusche Deines Gegenübers mit dem eigenen Atem wett- tönen.
Erschreckend auch die Nettigkeit der Leute. 9 pro Quadartkilomenter! Wie bei allem im Leben kommt es affenbar auch zwischen Menschen auf die richtige Konzentration an. Der Kanu- & Fahrradverleih lief trotz Stress infolge umständlicher Organisation so, daß die Leute irritierend nett blieben. In die Kirche mit den alten Maulbeerbäumen davor kann man Tag und Nacht hinein. Vielleicht haben sie in ihrer frühen Kindheit die entsprechenden Verhaltensmuster und psychosomatischen Reaktionsweisen einfach nicht vermittelt bekommen in dieser Gegend? Krankheitsausfall im Sinne Ausfall von Krankheit infolge Unbedarftheit? Ähnlich primitiv wie die lieb guckenden Kinder andauernd arbeitender wilder Frauen in exotischen Kolonien mitohne Lesen und Schreiben ja auch nicht derart kunstvoll zu Nölen lernen, wie es die hiesig kultivierten Terrorzwerge können, weil jeden Augenblick der Herr Nachtwey von der unicef vorbeikommen könnte.
Auch die rustikale Räucherei gab mir Rätsel auf. Statt fischstummer Fischköpfe eine mitteilungsfrohe Zugewandtheit, die mich schwatzhaften Sachsen (erst mal) vornehm erstummen ließ. Was hatten die auch für Probleme! Super Ware, super nett. Trotz Saison finden die Leute irgendwie nicht in ihr Versteck. “Wir sind doch schon im Internet!”. Für Kunden auch nicht ein Minimum an Transparenz, wann geöffnet ist, welche Produkte zu erwarten e.t.c. Weiß doch jeder. Ist ja wohl selbstverständlich.
Eigentlich find ich sowas klasse und ich zögere deshalb mit neunmalschlauem Geblök. Wenn ein Laden trotz offensichtlichst geschäftsschädigender Verhaltensweisen mit Ach und Krach aber eben dennoch läuft, dann muß in diesem Laden irgendetwas sehr sehr in Übereinstimmung sein mit sich bzw. der Welt. Irgend vorschnell anempfohlenes rationalistisches Kalkül versaut so etwas womöglich leichter als daß es weiterhilft.
Auch bei dem angeblich gestressten aber doch so gemütlich wirkenden Kanumann war ich mir erst mal unsicher, ob der überhaupt anders wollte statt folge erworbener Betriebsblindheit nur nicht anders wußte.
Fischers Fritzen in siebter oder vierter Generation (?) immerhin erweisen sich auch in ihrer Internetvermarktung prompt als ähnlich ausgebufft wie ich sie in ihrem häuslich – gastwirtschaftlichen Heimtabiotop erleben durfte. Der Jüngste der Familie mußte sich wohl mit in die Reihe vor den Verkaufsstand stellen damit es nach viel Kundschaft aussieht und man zum gestellten und daher sicherlich irgendwo als falsch empfundenen Fotoshooting niemanden fragen muß. Das ist also mecklenburgische Raffinesse. Die FDGB – Heim – Stühle und Mitropateller, die in Sachsen wohl längst als Ostalgiekult zwecks Preisaufschlag vermarktet worden wären, hatte man wohl einfach nur vergessen zum Sperrmüll rauszustellen und sich dann doch zu sehr schon dran gewöhnt. Um es mal so zu sagen: Die Wüste lebt. http://www.fischerei-berkholz.de/
Außer lecker Fisch und Freundlichkeit hat mir sogar der Hausvermieter noch was für´s Leben mitgegeben. Mit sieben Jahren nah bei uns aus Hirschberg, Schlesien rausgeschmissen, zaubert er nach Jahrzehnten in Stuttgart nun Stück für Stück einen Garten aus dem armen Sandboden. Mit sieben Jahren weg? Das sei sicher immer ein großer Mist, wenn man seine Heimat verliert. “Na ja…”, meinte er mit feinem Lächeln. “… aber vielleicht habe es ihm und seiner Frau ja auch gerade das erst möglich gemacht, daß sie hierher kommen konnten.” In Erinnerung an die von ihnen liebevoll ausgebauten und ausgestatteten Ziegelscheunen inmitten hübschem Nichts hab ich das ein paar Tage später dann vielleicht sogar begriffen.
Kommentar von Max Liebscht — 28. Juli, 2008 @ 00:37 Uhr