Was ist eigentlich Sauerteig?
Fritz B. Simon
Wenn man so beim Abendessen sitzt, kommt ja automatisch früher oder später das Gespräch auf ungesäuertes Brot. Oder doch gesäuertes? Was ist eigentlich der Unterschied? Stand das nicht in der Bibel? Du denkst sogar ans Essen, wenn andere an Gott denken…
Niemand hat eine Ahnung. Niemand weiss so ganz genau, ob er das eine oder das andere (gesäuertes oder ungesäuertes Brot) schon mal gegessen hat. Das eben war Nan. Das ist ein indisches Brot, das mit Hefeteig gemacht wird. Ist es gesäuert oder ungesäuert? Gesäuertes Brot ist – das ist doch klar – mit Sauerteig gemacht. Aber, was zum Teufel ist Sauerteig???
In meinem Großen Brockhaus, Jg. 1967, steht beim Stichwort Sauerteig, dass er zum Brotbacken verwendet wird (siehe Brot), nicht mehr. Bei Brot steht dann, dass Sauerteig als Treibmittel verwendet wird – wie Hefe oder Backpulver -, aber nicht, was denn nun eigentlich unter dem Begriff Sauerteig zu verstehen ist.
Ich finde diese Brockhausdefinitionen zwar ganz systemisch im Sinne von: Sage mir, welche Funktion ein Stoff hat, und ich sage dir, wie seine Definition ist, aber trotzdem fühle ich mich mit meiner Wissbegier allein gelassen.
Was zum Teufel ist Sauerteig?
5 Kommentare
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Lieber Fritz,
da bietet sich natürlich ein Blick in die Wikipedia an, die ganz harmlos so anfängt: “Sauerteig ist ein Teig zur Herstellung von Backwaren aus Wasser und Mehl, der zeitweilig oder dauerhaft mittels homo- („nur milchsäureproduzierender“) und heterofermentativer („milch- wie auch essigsäureproduzierender“) Milchsäurebakterien und Hefen in Gärung gehalten wird.” Dann geht es aber in die Vollen und gibt Dir vollen Einblick in Back-, Religions- und Kulturgeschichte des Sauerteiges.
Auf jeden Fall: das Zeug lebt – und lässt sich ziemlich viel gefallen. In meiner WG-Zeit vor fast 30 Jahren habe ich immer wieder mal Brot gebacken und Sauerteig von meiner Mutter abgestaubt, die immer welchen vorrätig hatte. Ich erinnere mich an eine Back-Session, in der es mir nicht gelingen wollte, die richtige Teigkonsistenz zustande zu bringen. Immer war der Teig entweder halb flüssig, oder – nach Zugabe von zuviel Mehl – fast steinhart. Schließlich kam ich auf beträchtliche Mengen an Teig (was kein Problem war, da wir zu acht Leuten in der WG lebten) und als die Masse mir endlich halbwegs backfertig erschien – immerhin war es bereits nach Mitternacht und ich musste am nächsten Morgen arbeiten, legte ich den schön geformten Riesenlaib in den Backofen und wartete auf das Ergebnis. Mit Schrecken wurde mir allerdings nach 30 Minuten klar, dass ich den Brotteig nicht auf ein Blech, sondern auf ein Rost gelegt hatte. Ich stürzte in die Küche, kratzte die durchgelaufene und wieder ziemlich flüssige Pampe vom Ofenboden auf, gab wiederum Mehl zu, formte einen neuen Laib und buk diesen endlich richtig durch.
Es war dann drei Uhr morgens, als ich endlich ins Bett kam. Ich erinnere mich an wenige Brote, die leckerer geschmeckt haben, und auch meine WG-GenossInnen (die von mir im Unklaren über die Produktionsbedingungen gehalten wurden) waren begeistert. Also: Sauerteig ist eine heikle Angelegenkeit, aber durchaus strapazierfähig und in jedem Fall auch für den Heimwerker eine echte Herausforderung, die sich nach einer Eingewöhnungszeit aber auch problemlos bewältigen lässt. Bon Apetit…
Tom
Kommentar by Tom Levold — 21. Dezember, 2007 @ 00:51 Uhr
Schimpansen suchen fertile SchimpansInnen durch Teilhabe an fleischlicher Beute gefügig zu machen. Mann könnte es also auch mit Sauerteigprodukten versuchen. Wer mit Sauerteig klarkommt, vermag womöglich auch mit den mehr oder weniger flüssigen Kapriozitäten der Damen produktiv umzugehen.
Kommentar by Max Liebscht — 21. Dezember, 2007 @ 02:30 Uhr
Jetzt kommt gleich wieder Herr Kirchen mit den Döderlein-Stäbchen…
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 21. Dezember, 2007 @ 08:50 Uhr
richtig Herr Wölfelschneider!
aber, seien Sie ehrlich – das ist ja wohl nach dieser Steilvorlage vom Herrn Liebscht ein Novum!
Auch ganz abgesehen von den psycho-bio-sexuellen Grundlegungen in der Damenwelt, zu denen neben Milch- und Essigsäue auch “Schuhe” gehören (dafür bekomt meine Partnerin dieses Jahr einen Schuhschrank zu Weihnachten von mir), imponiert es nach meiner Wahrnehmung auf der sozialisatorischen Ebene den Frauen auch heute immer wieder, wenn ein Mann neben ihnen auch mit der Küche umgehen kann!
Wobei Backen nicht unbedingt meine Hauptresorce im Teilsystem Küche darstellt – da schon eher der fette Braten mit gutem Wein, der fachgerecht dekantiert ist, wobei auf letzterm mein persönlicher Schwerpunkt liegt.
Hoffentlich ließt das Ihre Frau nicht Herr Simon, oder gerade!?
kollegiale Grüße
Thomas Kirchen
http://www.arbeitswelt-lebenszeit.de
Kommentar by Thomas Kirchen — 21. Dezember, 2007 @ 09:26 Uhr
Lieber Tom,
das hätte ich mir natürlich denken können, dass sich in Wikipedia mehr als im Brockhaus findet…
Meine Hochachtung Dir gegenüber steigt übrigens ins Unermessliche, nachdem ich jetzt von Deinen Brotbackkünsten weiss. So fäng das eben an: Erst arbeitet man mit Sauerteig und dann gibt man Internet-Magazine heraus. Auch ein Versuch, Treibmittel zu nutzen…
Liebe Grüsse, FBS
Kommentar by Fritz B. Simon — 21. Dezember, 2007 @ 10:01 Uhr