Zollitsch’s Ultimatum
Fritz B. Simon
Der oberste katholische Kirchenfürst hat der deutschen Justizministerin ein Ultimatum gestellt. Sie solle innerhalb von 24 Stunden zurücknehmen, was sie gesagt hat…
Was sie gesagt hat, ist in diesem Falle uninteressant. Interessant ist das Ultimatum. Denn was droht Herr Zollitsch denn an? Was wird er tun, wenn Frau Leuthäuser-Schnarrenberger nicht zurücknimmt, was sie gesagt hat?
Intelligente Menschen stellen keine Ultimaten. Denn was passiert, wenn man es macht? — Man nimmt sich selbst die Handlungsfreiheit. Man muss dann tun, was man androht. Ultimaten sind Selbstverpflichtungen, nicht mehr und nicht weniger. Daher benachteiligen sie im Prinzip immer denjenigen, der sie stellt (auch wenn das möglicherweise anders gedacht sein mag).
Also, was wird unser katholischer Oberpriester tun, wenn unsere deutsche Oberjuristin nicht spurt? Sie nicht mehr lieb haben? Das bundesdeutsche Rechtssystem boykottieren? Sie anzeigen wegen übler Nachrede?
Das erinnert doch sehr an Loriot’s Szene “Auf der Rennbahn”:
A: “Sie sind ein selten dämlicher Hund!”
B: “Nehmen Sie das eventuell zurück?”
A: “Nein!”
B: “Gut, dann ist die Sache für mich erledigt!”
3 Kommentare
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Wenn ein Priester hinter dem Sarg seines Glaubens geht, folgt manchmal tatsächlich die Ursache der Wirkung.
Kommentar by es — 25. Februar, 2010 @ 10:52 Uhr
Bei welchem Anlaß SIE sich wohl schon mal derart in Versuchung gefühlt haben mögen, ein Ultimatum zu stellen,
dass Sie zu den Chancen und Risiken dieser Kulturtechnik derart in Resonanz gehen?
Wehe, wenn Sie nicht wahrheitsgemäß antworten!
Kommentar by Max Liebscht — 25. Februar, 2010 @ 16:38 Uhr
Typisch!
Von den chronisch verantwortungsscheuen 68´und nachkriegsgeprägten Führungskadern bundesdeutscher Bauart kann man Zen- Koans, Buchstabenmimikry, Borderline-Gymnastik und sonst alles mögliche erwarten. Aber Farbe bekennen, Stellung beziehen, Standpunkt vertreten ist einfach nicht drin, weil zu angstbesetzt. Verantwortungsminimalismus als an den Sohn delegierte Kriegstraumabewältigung.
Und dann noch diese Verunglimpfung und Irreführung!
Ultimate werden den ganzen Tag in der Erziehung eingesetzt.
Was soll daran schlecht sein?
Wie bei Witzen können sich die Leute natürlich dabei auch mal vertun.
Sonst aber stellt die Anwendung zur Justierung der geeigneten Balance aus Spannung und Langeweile die normalste und unverzichtbarste soziale Technik dar.
SchülerInnen warne ich immer.
Wer als kostengünstigen Abenteuerurlaub einen möglichst kurzen Weg sucht, um schnellstmöglich in den Genuß eines öffentlich gesponserten Psychiatrieaufenthaltes zu kommen, muss das, was in Kommunikationsratgebern empfohlen wird, immer, unterschiedslos und ohne Rücksicht auf Verluste anwenden.
Der Ratschlag, den Sie mitsamt Ihrer psychiatrischen Erfahrung hier geben, nämlich das Stellen eines Ultimatums als notwendig dumm anzusehen und daher grundsätzlich sein zu lassen, erscheint mir gelinde gesagt, etwas weltfremd.
Für welche Seite der Unterscheidung Du Dich entscheiden wirst, wird diese oder jene Konsequenz zeitigen, vermittelt Führungskraft Vater dem Buben.
Reine Heuchelei, dass Sie Ihre Kindern nicht so erpresst und bewegt hätten!
Ein Ultimatum ist super und … ja bspw. wie das Spannen einer Trommel. Ohne geeignete Spannung / Entspannung wird keine Resonanz ausgelöst. Wir könnten ohne Ultimatum gar nicht lernen. Nicht einmal das Zeitmanagement eines Säulenheiligen kann ohne Ultimatum auskommen. Weil wir zumindest intuitiv begriffen haben, dass das ganze Leben eine Art Ultimatum darstellt, kommen wir überhaupt just in time einigermaßen aus der Hüfte. Das Stellen eines Ultimatums ist geradezu eine Kunst! Man braucht viel Erfahrung und Feinabstimmung bei der Auswahl eines passenden Ultimatums. Papa droht und Mama weist mit tröstender Stimme den Ausweg. Je nach den situativ bedingten Ausfluchtmöglichkeiten also Typ des Beziehungssystem (Kündbarkeit), persönlichem Reifegrad e.t.c. muß man sich individuell / gemeinschaftlich für verschiedene Ausführungsvarianten entscheiden. Und hat selbst dafür nicht unbegrenzt Zeit!
Natürlich mag es Ihnen unbenommen sein, sich solchen Selbstmißverständnissen hinzugeben. Zeit ist eine Illusion u.s.w. Da dies hier aber Volksansprachencharakter hat, muß diese Systemiker – Aussage doch systemisch etwas kontextualisiert werden.
Wer nichts zu sagen hat, kann natürlich kein Ultimatum stellen. Und wer nicht hinreichend viel zu sagen hat, sollte es besser nicht darauf ankommen lassen. Aus einem löchrigen Beutel trinkt es sich schlecht. Wenn dieses vermessene Mensch nun da steht wie ein begossener Pudel, liegt es nicht an der sozialen Technik des Stellens von Ultimaten sondern am Übungsrückstand im problemangemessenen Gebrauch dieser Kulturtechnik.
Kommentar by Max Liebscht — 27. Februar, 2010 @ 14:59 Uhr