AfD-Chef Höcke?

Bei ihren Versuchen, wieder mal in die Medien zu kommen, hat die AfD-Spitze sich einen neuen Weg ausgedacht: ein Partei-Ausschlussverfahren gegen Höcke, den Herrn, der sich mit ziemlich braunen Äußerungen immer wieder Gehör zu verschaffen weiss.

Es mag ja sein, dass es im AfD-Vorstand den einen oder anderen gibt, der meint, solche Reden, wie sie Höcke in Dresden gehalten hat (Holocaus-Denkmal in Berlin = „Denkmal der Schande“), seien parteischädigend. Aber die Mehrheit ist sich wahrscheinlich der Tatsache bewusst, dass in solchen Positionen der Reiz der AfD für die Freaks, die sie wählen, liegt.

Deshalb, so meine Prognose, wird langfristig nicht Frau Petry (die inhaltlich wahrscheinlich ja auch nichts gegen Herrn Höcke hat, aber sich in einem Machtkampf mit den Höckes-Gaulands-Meuthens befindet, gewinnen, sondern die Höckes.

Die Frage ist, ob es eher zur Spaltung (à la Alfa/AfD beim Konflikt Lucke/Petry) oder eher zur Fusion mit der nun doch nicht verbotenen NPD kommt (nicht formal, natürlich, aber inhaltlich und was die Unterstützer angeht). Besser gesagt: diese Fusion hat ja schon stattgefunden.

Ich sehe daher, ehrlich gesagt, eher Höcke als AfD-Vorsitzenden denn als ein aus der Partei ausgeschlossenes Ex-AfD-Mitglied.

4 Gedanken zu „AfD-Chef Höcke?

  1. Die kackbraunen Höckes werden künftig eher im Hintergrund agieren und darum umso gefährlicher und unkontrollierbarer. Vorne hockt die süße Mutti und wird Vize-Kanzlerin unter Oma Merkel.

  2. Holocaust-Denkmal in Berlin = „Denkmal der Schande“

    Wo Höcke Recht hat, hat er Recht (wenn auch in einem anderen Sinne):
    Der Holocaust ist eine Schande.
    Das Holocaust-Denkmal in Berlin ist ein Denkmal der Schande.

  3. Björn Höcke gehört nicht dem 13-köpfigen AfD-Bundesvorstand an. Er ist einer von zwei Sprechern der AfD-Thüringen und seit der Landtagswahl 2014 AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag. Ein durch den AfD-Bundesvorstand eingeleitetes Amtsenthebungsverfahren wurde Mitte 2015 im Zuge des Rechtsschwenks der Partei zurückgezogen.

    Mitte Februar 2017 beschloss der AfD-Bundesvorstand die Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens gegen Höcke. Offiziell heißt es: „Die Maßnahme erfolgte nach eingehender juristischer Prüfung und politischer Bewertung der Rede Björn Höckes vom 17. Januar 2017 in Dresden. In erster Instanz wird das zuständige Landesschiedsgericht des AfD-Landesverbandes Thüringen über den beantragten Parteiausschluss zu befinden haben.“

    Am 17. Januar 2017 hielt Höcke auf Einladung der „Jungen Alternative“ im „Ball- und Brauhaus Watzke“ in Dresden eine stark kritisierte Rede. In Bezug auf das Berliner Holocaust-Mahnmal sagte Höcke: „Wir Deutschen – und ich rede jetzt nicht von euch Patrioten, die sich hier heute versammelt haben – wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Deutschland müsse eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ vollziehen. Die Erinnerungskultur seit 1945 bezeichnete er als „dämliche Bewältigungspolitik“. Im Weiteren verglich er die Luftangriffe der Alliierten auf Dresden mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki. Die Bombardierungen deutscher Städte hätten „uns unsere kollektive Identität rauben“, „uns mit Stumpf und Stiel vernichten“ und „unsere Wurzeln roden“ sollen. „Mit der nach 1945 begonnenen Umerziehung“ habe man das auch fast geschafft. Die deutsche Geschichte würde in den Bildungseinrichtungen „mies und lächerlich“ gemacht. Richard von Weizsäckers Rede anlässlich des 40. Jahrestags des Kriegsendes in Europa 1985 bezeichnete Höcke als „Rede gegen das eigene Volk“. Deutschland sei durch den „Import fremder Völkerschaften“ bedroht. Parteiintern kritisierte er das Weiterwirken sogenannter „Luckisten“, die „keine innere Haltung besitzen, die Establishment sind und Establishment bleiben wollen oder so schnell wie möglich zum Establishment gehören wollen.“ Allenfalls als stärkerer „Seniorpartner“ dürfe die AfD eine Koalition eingehen, anzustreben sei aber eine Mehrheit von 51 % der Mandate.

    Mir scheint es in dieser Rede keine Aussagen zu geben, die nicht durch das AfD-Programm gedeckt sind, doch ob sie schon für den künftigen Chefposten reicht? Wahrscheinlich benötigt er noch ein wenig systemische Beratung.

  4. Martin Walser sprach in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels am 11. Oktober 1998 in der Frankfurter Paulskirche von „unserer unvergänglichen Schande“ und bezeichnete das Berliner Holocaust-Denkmal als „Dauerpräsentation unserer Schande“, als „unaufhörliche Präsentation unserer Schande“, als „Kranzabwurfstelle“ und als „fußballfeldgroßen Albtraum im Herzen der Hauptstadt“.
    „Nach Walsers Rede war im Anschluss von den Anwesenden stehend applaudiert worden, mit Ausnahme des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland Ignatz Bubis, dessen Frau Ida und Friedrich Schorlemmer“.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Walser#Paulskirchenrede_1998

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