14 Kommentare zu „Andrew Sullivan: The Madness of King Donald

  1. Danke für den Hinweis auf Scorseses Film „Silence“.
    „I’ve managed to see Scorsese’s Silence twice in the last couple of weeks. It literally silenced me. It’s a surpassingly beautiful movie — but its genius lies in the complexity of its understanding of what faith really is. For some secular liberals, faith is some kind of easy, simple abdication of reason — a liberation from reality. For Scorsese, it’s a riddle wrapped in a mystery, and often inseparable from crippling, perpetual doubt. You see this in the main protagonist’s evolution: from a certain, absolutist arrogance to a long sacrifice of pride toward a deeper spiritual truth. Faith is a result, in the end, of living, of seeing your previous certainties crumble and be rebuilt, shakily, on new grounds. God is almost always silent, hidden, and sometimes most painfully so in the face of hideous injustice or suffering. A life of faith is therefore not real unless it is riddled with despair.
    There are moments — surpassingly rare but often indelible — when you do hear the voice of God and see the face of Jesus. You never forget them — and I count those few moments in my life when I have heard the voice and seen the face as mere intimations of what is to come. But the rest is indeed silence. And the conscience is something that cannot sometimes hear itself. I’ve rarely seen the depth of this truth more beautifully unpacked. Which is why, perhaps, the movie has had such a tiny audience so far. Those without faith have no patience for a long meditation on it; those with faith in our time are filled too often with a passionate certainty to appreciate it. And this movie’s mysterious imagery can confound anyone. But its very complexity and subtlety gave me hope in this vulgar, extremist time. We cannot avoid this surreality all around us. But it may be possible occasionally to transcend it.“

  2. „Ich habe es geschafft, Scorseses Film „Stille“ in den letzten Wochen zweimal zu sehen. Er brachte mich buchstäblich zum Schweigen. Es ist ein unvergleichlich schöner Film – aber seine Genialität liegt in der Komplexität seines Verständnisses davon, was der Glaube wirklich ist. Für einige säkulare Liberale ist der Glaube eine Art leichter und einfacher Abdankung der Vernunft – eine Befreiung von der Realität. Für Scorsese ist es ein Rätsel, verpackt in ein Geheimnis, und oft untrennbar mit lähmenden, unbefristetem Zweifel behaftet. Sie sehen dies an der Entwicklung der Hauptfigur: Sie war aus einer gewissen absolutistischen Arroganz zu lange Opfer des Stolzes auf eine tiefere spirituelle Wahrheit. Der Glaube ist ein Ergebnis am Ende des Lebens, wenn die bisherigen Gewissheiten bröckeln und neu erstellt werden müssen, zitternd, um auf neue Wege sehen zu können. Gott ist fast immer still, versteckt und manchmal schmerzhaft angesichts der abscheulichen Ungerechtigkeit und des Leidens. Ein Leben des Glaubens ist daher nicht real, es sei denn, es ist mit Verzweiflung gespickt.
    Es gibt Momente – überaus seltenen, aber oft dauerhaften – wenn Sie die Stimme Gottes hören und das Gesicht von Jesus sehen. Sie werden diese Momente nie vergessen – und ich zähle die paar Momente in meinem Leben, als ich die Stimme hörte und das Gesicht sah, als bloße Andeutungen von etwas, das kommen wird. Aber der Rest ist in der Tat Schweigen. Und das Gewissen ist etwas, das man manchmal selbst nicht hören kann. Die Tiefe dieser Wahrheit habe ich selten schöner dargestellt gesehen. Vielleicht hat der Film deswegen bisher ein so kleines Publikum gehabt. Die Ungläubigen haben keine Geduld für eine lange Meditation über den Glauben. Glauben ist in unserer Zeit allzu oft mit einer leidenschaftlichen Gewissheit verbunden. Die mysteriösen Bilder dieses Films können verwirrend wirken. Aber seine Komplexität und Feinheit gab mir Hoffnung in dieser vulgären, extremistischen Zeit. Wir können diese Surrealität überall um uns herum nicht vermeiden. Aber es ist gelegentlich möglich, sie zu überwinden.“

  3. @0 Herr Simon, Danke.

    @2 Habe gestern das Buch zum Film gelesen: „Schweigen“ von Shusaku Endo, in einer sehr bewegenden Übersetzung von Ruth Linhart. Etwas ganz Großes und Großartiges, finde ich. Finde, dass der Film (der am 2.3. in die deutschen Kinos kommt und Oskar-nominiert ist), mit seinen berührenden Bildern, dadurch sicher noch mal an Gewicht zulegen kann.

    Martin Scorsese beeindruckt mich einmal mehr und werde mir den Film sicher auch ansehen, wenngleich die Buchvorlage – wie so oft – sicher tiefer geht.

    Starke, vielschichtige Auseinandersetzung mit vielen sozialen, theologischen, missiologischen, historischen, kolonialen, interreligiösen und dennoch vor allem spirituellen Themen. Eher eine Meditation zum Thema Apostasie, bzw. dem Schweigen (Gottes), und somit wahrlich keine leichte (Unterhaltungs-)Kost.

    Endo hat mit dem Buch 1966 hohe Wellen in Japan geschlagen.

    Bevor ich weiter drauf eingehen will, verordne ich mir jedoch selbst den Titel des Buches: Schweigen. Stehe unter dem Eindruck, dass ich gegenwärtig nicht viel substantielles oder Erhellendes dazu beitragen kann. Da gibt es Einiges zu „verdauen“.

    Was das Statement von Sullivan anbetrifft: 100% Zustimmung nach dem Lesen des Buches – auch ohne den Film gesehen zu haben.

    https://de.wikipedia.org/wiki/End%C5%8D_Sh%C5%ABsaku

  4. @ 3: Was ist von einem Autor zu halten, der schreibt: „Gott ist fast immer still, versteckt und manchmal schmerzhaft angesichts der abscheulichen Ungerechtigkeit und des Leidens. Ein Leben des Glaubens ist daher nicht real, es sei denn, es ist mit Verzweiflung gespickt. Es gibt Momente – überaus seltenen, aber oft dauerhaften – wenn Sie die Stimme Gottes hören und das Gesicht von Jesus sehen. Sie werden diese Momente nie vergessen – und ich zähle die paar Momente in meinem Leben, als ich die Stimme hörte und das Gesicht sah, als bloße Andeutungen von etwas, das kommen wird. Aber der Rest ist in der Tat Schweigen. Und das Gewissen ist etwas, das man manchmal selbst nicht hören kann.“?
    Sind Verzweiflung und Schweigen die angemessenen Verhaltensweisen oder bloß die machtpolitisch erwünschten? Doch wie sagte bereits Otto mit den Worten Robert Gernhardts: „Wer seine Hände in den Schoß legt, muss ja nicht untätig sein!“

  5. Greenwald: Empowering the „Deep State“ to Undermine Trump is Prescription for Destroying Democracy
    „GLENN GREENWALD: The deep state, although there’s no precise or scientific definition, generally refers to the agencies in Washington that are permanent power factions. They stay and exercise power even as presidents who are elected come and go. They typically exercise their power in secret, in the dark, and so they’re barely subject to democratic accountability, if they’re subject to it at all. It’s agencies like the CIA, the NSA and the other intelligence agencies, that are essentially designed to disseminate disinformation and deceit and propaganda, and have a long history of doing not only that, but also have a long history of the world’s worst war crimes, atrocities and death squads. This is who not just people like Bill Kristol, but lots of Democrats are placing their faith in, are trying to empower, are cheering for as they exert power separate and apart from—in fact, in opposition to—the political officials to whom they’re supposed to be subordinate…..

    The CIA and the intelligence community were vehemently in support of Clinton and vehemently opposed to Trump, from the beginning. And the reason was, was because they liked Hillary Clinton’s policies better than they liked Donald Trump’s. One of the main priorities of the CIA for the last five years has been a proxy war in Syria, designed to achieve regime change with the Assad regime. Hillary Clinton was not only for that, she was critical of Obama for not allowing it to go further, and wanted to impose a no-fly zone in Syria and confront the Russians. Donald Trump took exactly the opposite view. He said we shouldn’t care who rules Syria; we should allow the Russians, and even help the Russians, kill ISIS and al-Qaeda and other people in Syria. So, Trump’s agenda that he ran on was completely antithetical to what the CIA wanted. Clinton’s was exactly what the CIA wanted, and so they were behind her. And so, they’ve been trying to undermine Trump for many months throughout the election. And now that he won, they are not just undermining him with leaks, but actively subverting him…“
    https://www.democracynow.org/2017/2/16/greenwald_empowering_the_deep_state_to

  6. Zur gestrigen Trump-Konferenz: „Besorgniserregend war bei diesem Auftritt eine andere Erkenntnis: Trump lebt offenbar in einer Parallelwelt, deren Grenzzäune zur Wirklichkeit deutlich höher scheinen als jene Mauer, die er gegen Mexiko plant. Während seine Regierung implodiert, spricht Trump davon, sie arbeite wie eine „fein eingestellte Maschine“. Während die Arbeitslosenquote auf einem historisch niedrigen Stand ist, beklagt er, einen wirtschaftspolitischen „Scherbenhaufen“ geerbt zu haben. Während er einen Wall-Street-Manager nach dem anderen in sein Kabinett holt, lobt er sich dafür, Washington endlich vom Lobbyismus befreit zu haben.“ http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-eine-pressekonferenz-zum-gruseln-kommentar-a-1134996.html

  7. @10: Eine Kommentatorin auf MSNBC meinte, die Pressekonferenz sei so etwas wie eine „Guided Tour“ durch Trumps „State of Mind“ gewesen. Schöne Metapher.

  8. https://qz.com/626076/the-hidden-economics-behind-the-rise-of-donald-trump/
    aus einem Interview mit Branko Milanovic „dozen years chief economist of the World Bank’s Research Department“ vom 1.März 2016:
    „..The book seems to suggest that inequality can drive politics. Do you see that today? Does inequality help explain Donald Trump?

    Definitely. For Donald Trump I would say it’s an easy question.

    It was really absence of growth, stagnation of incomes in the US middle class, not only from loss of jobs, but also from loss of dreams of upward mobility for many people. Or perhaps because of imports, or because of direct competition with Asia or other emerging markets. So that was clearly one strong element which explains Trump. I would stop there. But I would actually like to continue on a second point.

    Please go ahead.

    I don’t want to go into some kind of catastrophic scenarios. But, if you see inequality driving political processes within countries, it might also have repercussions worldwide. Because there may be some parts of—how should I say, the different social groups—that have interests in sort of aggressive foreign policy and wars and so on. So you know it actually can spillover into a conflict. Again, I don’t want to say it will be necessarily like that, but it could be a conflict like World War I..“

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