Comey/Trump

Dass Donald Trump den FBI-Chef entlassen hat, wundert mich und wundert mich auch wieder nicht.

Auf der einen Seite passt es ins Bild, dass Trump denkt, man können die USA wie ein Immobilienunternehmen führen. Deshalb wirft er alle Leute raus, von denen er meint, sie seien nicht loyal ihm gegenüber. Das kann man auf Unternehmensebene vertreten. Allerdings könnte es auch sein, dass er alle rauswirft, die ihm widersprechen, weil der das für ein Zeichen der Illoyalität hält. Das wäre auch auf Unternehmensebene idiotisch.

Auf der anderen Seite – der politischen – scheint es mir wenig weise, einen unabhängigen Behördenchef, der gerade mit Ermittlungen gegen den Präsidenten bzw. seine Entourage beschäftigt ist, rauszuwerfen, wenn man nicht die öffentliche Sicht fördern will, dass die Verdächtigungen berechtigt sind. Kein politisch kompetenter Mensch würde das machen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass dies die politischen Gegner dazu bringt – zumindest in einem Land wie den USA, anders als in Weißrussland oder in einer Bananenrepublik – die Ermittlungen zu verstärken…

Mein Schluss: Trump hat noch nicht kapiert, dass er jetzt auf einem anderen Spielfeld agiert.

10 Gedanken zu “Comey/Trump

  1. Selbstschädigendes Verhalten in der Politik ist (auch) mangelhafte Inkompetenzkompetenz.

    Im Falle Trump’s beruht dies vielleicht auf seinem (wie wohl bei vielen anderen Populisten) übertriebenen Ehrgeiz nach ersehnter politischer Reputation und Anerkennung, als „größter Politiker aller Zeiten“ in die Geschichtsbücher einzugehen.

    Ein erstes Etappenziel hatte Trump bereits mit seiner Wahl erreicht: Sich an Obama persönlich zu rächen.

    Historisch gesehen schaffen es ohnehin die wenigsten Regenten, entweder einen Turnaround vom A…loch zur Respektsperson hinzulegen, oder als Respektsperson zu starten und dieses bis zur Ende der Regentschaft zu bleiben.

    Trump’s fehlerhafte und unberechenbare Entscheidungen als Präsident mögen seiner fehlenden (politischen) Erfahrung geschuldet sein und/oder einer bestimmten Strategie und Kalkül folgen.

    So oder so, werden die ambivalenten Reaktionen von unten (Volk) wie von oben (seinen politischen und medialen Gegnern) an dynamischer Dramatik zulegen und gesteigerte Resonanzphänomene provozieren.

    Paradoxerweise, bietet Trump’s Verhalten eine Projektionsfläche um Demokratisierungsbewegungen Aufwind verschaffen zu können.

    Repräsentanten als „schlechtes Beispiel“, können durchaus positive (Gegen-)Reaktionen hervorrufen (so meine Hoffnung). Das wäre dann ein (wahrscheinlich unfreiwilliger) „Verdienst“ für Trump, für den man ihm (wohl aus einer späteren Perspektive) schon wieder dankbar sein müsste, dass er sich dafür zur Verfügung stellte.

    Wir werden sehen… Es bleibt spannend…

  2. Donald Trump inszenierte die Entlassung von James Comey als eine spontane, von Justizminister Jeff Sessions und dessen Stellvertreter Rod Rosenstein angeratene Entscheidung, denn am Montag kritisierte er per Twitter FBI-Chef Comey und dessen „vom Steuerzahler finanzierte“ Russland-Untersuchungen als „Scharade“ und „totalen Schwindel“ und fragte rhetorisch, wann sie enden würden.
    https://twitter.com/realdonaldtrump/status/861713823505494016
    Meiner Einschätzung nach wollte Trump ihn schon lange loswerden, weil er etwas zu verbergen hat. Er wusste jedoch nicht wie – schließlich musste er Comey dankbar sein für dessen Ermittlungen gegen Hillary Clintons Umgang mit dienstlichen E-Mails in ihrer Amtszeit als Außenministerin, die den US-Wahlkampf stark beeinflusst haben.
    Wäre Trump der Präsident Russlands oder Israels, hätte er ihn unauffällig ermorden lassen. Wäre er der türkische Präsident, hätte er ihn als angeblichen Gülen-Anhänger ins Gefängnis sperren lassen. Folglich geht es in den USA noch immer vergleichsweise rechtsstaatlich und demokratisch zu.

  3. Wessen Amtsanmaßungen wiegen schwerer: die von Comey oder die von Trump?
    Ein FBI-Direktor muss sicherstellen, dass seine Behörde immer neutral bleibt – sowohl in der Wahrnehmung von außen als auch in der praktischen Arbeit. Comey ist dieser Verantwortung nach übereinstimmender Einschätzung in allen politischen Lagern nicht gerecht geworden. Das machte ihn äußerst unbeliebt sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten. Und das gab Trump nun Argumente dafür, ihn zu feuern – wenn auch möglicherweise aus anderen Gründen als dem, dass ein FBI-Direktor dafür zu sorgen hat, dass seine Ermittlungen Wahlen nicht unnötig beeinflussen.
    Doch auch ein US-Präsident muss jeden Eindruck vermeiden, dass er die Arbeit des FBI behindert. Er kann einen FBI-Chef nicht allein deshalb entlassen, weil dieser mögliches gesetzwidriges Verhalten des Präsidenten oder seines Teams untersucht. Trump hat diese Pflicht rücksichtslos verletzt, um seinen Kopf aus einer Schlinge zu ziehen, die immer enger zu werden drohte, ebenso wie die um den Kopf seines ehemaligen Sicherheitsberaters Michael Flynn.

  4. Welchem „Muster“ liegt die trump’sche „Chaosregentschaft“ zu Grunde? Welche „Blüten“ erblühen in diesem Frühling und bringen welche Früchte im Herbst? Worin liegt bloß der „Mehrwert“, welcher „Grusel und Zynismus“ einer drittklassigen Trash-Show übersteigt?

    Satiriker haben in Trump einen willkommenen Stichwortgeber. Politische Gegner sammeln fleißig Punkte für ein Impeachmentverfahren. Unternehmer, deren Kriegskasse gefüllt ist, scharren immer ungeduldiger mit den Füssen, auf die richtigen, das unternehmerische Risiko eindämmenden Impulse wartend, damit es endlich losgehen kann, mit dem „größten Aufschwung aller Zeiten“. Die zum Sündenbock stilisierten Medien, reifen an Trump’s Kritik und übertreffen sich wie Musterschüler, die zeigen, dass sie die besten „Fakten“ können. Die Politikergilde außerhalb von Amerika sitzt auf ihren Hochsitzen auf Beobachterposten auf Lauer und hoffen, darauf dass das Trumpeltier in den USA ihnen mit seinem Gepolter nicht das scheue Wild vertreibt, das sie zum eigenen Erfolg benötigen. Die US-Bevölkerung reagiert zunehmend genervt, viele auch mit fremdschämen, auf das drittklassige Krawall-Theater ihres gewählten chaotischen Politclown samt Team.

    Zitiert:
    „….die ersten drei Begriffe, die Amerikanern einfallen, wenn sie an Donald Trump denken, „Idiot“ (Platz 1), „inkompetent“ (Platz 2) und „Lügner“ (Platz 3)…

    ….Es sei immer das selbe Muster, analysierte der Autor und Blogger Paul Waldman bereits vor einigen Wochen. Erst gebe der Präsident „irgendetwas Unerhörtes“ von sich. Dann würden seine Helfer herbeieilen, um entweder zu versichern, dass das, was Trump sage, wahr sei, oder zumindest aber einen wahren Kern habe. Anschließend würden die meisten Medien Trumps angeblichen Wahrheiten auseinandernehmen und sich sogar einige Republikaner vom Präsidenten distanzieren. Gleichzeitig würden rechte Kommentatoren Trump zur Hilfe eilen und eilig Verschwörungstheorien verbreiten. „Wenn es vorbei ist, fühlen wir uns alle orientierungslos, als ob uns gerade jemand aus einem tiefen Schlaf geweckt hat und uns sagt, wir hätten zwei Minuten Zeit, um 20 Liegestützen zu machen und ein Kreuzworträtsel zu lösen“. Und dann kommt auch schon der nächste Tweet.

    Einen Namen für Trumps vermeintlichen Masterplan hat Waldman auch parat: „Bombardment of baloney“. Auf Deutsch: Bombardement des Schwachsinns.“

    (Zitatquelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/amerika-in-aufruhr-warum-trump-im-chaos-aufblueht-15013615.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2)

  5. @7: Die Empfehlung von Ross Thomas kann ich vorbehaltlos teilen. Habe alles gelesen…

  6. Er wird auch nicht kappieren, dass das Spielfeld sich verändert hat.
    Im Grunde seines Herzens will er sowieso nur auf ein Spielfeld zurück: Seinen Golfplatz in Mara-Lago.

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