Demokratie-Abbau

Wahrscheinlich bin ich ja nur ein wenig sentimental, aber ich finde es schmerzlich zu sehen, wie an vielen Stellen der Welt systematisch demokratische Strukturen abgebaut werden. In der Türkei diskutiert das Parlament über eine Verfassungsreform, um seine eigene Macht zu beschneiden, in Polen hat die PiS den Staat schon weitgehend übernommen (obwohl es noch Widerstand gibt), in den USA missachtet der gewählte Präsident lang bewährte Traditionen des demokratischen Systems und macht sich daran, die USA wie einen Familienbetrieb zu führen…

Ich bin ja – zugegeben – auch oft unglücklich über Wahlentscheidungen. Aber bislang, so scheint mir, haben sich in der Geschichte demokratische Strukturen als ziemlich intelligent erwiesen. Da wird immer mal wieder ein Idiot oder machtgeiler Narziß zum Präsidenten gewählt, aber das System von Checks-and-Balances, das in Amerika erfunden wurde und zum Muster der immer ein wenig variierten, aber im Prinzip doch bewährten Gewaltenteilung wurde, blieb erhalten.

Das ist es, was im Moment zur Debatte gestellt wird. An seine Stelle wird das Modell der amerikanischen Unternehmensführung mit einem starken, mehr oder weniger unumschränkt herrschenden CEO gesetzt, der gute Deals macht. Doch dieses, auf die Genialität des Führers („Charisma“) setzende Modell hat sich nicht einmal im Bereich von Unternehmen bewährt. Es hat zur Pleite vieler einstmals großer Unternehmen geführt. Das deutsche Modell der Mitbestimmung hingegen, war weit erfolgreicher, weil in Bezug auf die Zukunft eben keiner „im Urin spürt“, wohin sie sich tatsächlich entwickeln wird.

Das Prinzip der Gewaltenteilung (zu dem auch als vierte Gewalt eine freie Presse gehört – und damit meine ich nicht die Leute, die das Internet mit ihren Verschwörungstheorien vollmüllen, sondern recherchierende Journalisten, die ihr Handwerk gelernt haben) hat den Vorteil, dass es fehlerfreundlich ist. Wenn deutlich wird, dass eine Parteil etwas versprochen hat, was sie nicht halten kann, dann wird sie eben abgewählt: ein neues Spiel, ein neues Glück.

Dieses Risiko wollen Leute wie die PiS und Erdogan nicht eingehen. Solange sie noch einen guten Ruf haben, versuchen sie die Spielregeln so zu ändern, dass sie auch dann nicht mehr von der Macht zu trennen sind, wenn sich ihr Scheitern zeigt. Damit verliert das politische System seine Intelligenz…

Hoffnung gibt allerdings, dass idiotische Systeme nur eine begrenzte Lebensdauer haben, da sie die sich früher oder später entwickelnden Gegenbewegungen nicht auf Dauer unter Kontrolle halten können. Aber es kann eine Zeit dauern bis dahin, und sie können dann schon ziemlich viel Schaden angerichtet haben… (vor allem, wenn sie um den internen Widerstand zu verhindern, Konflikte mit irgendwelchen Außenfeinden beginnen).

77 Gedanken zu „Demokratie-Abbau

  1. Es läuft fatalerweise immer wieder auf Monokulturen hinaus. Früher (?) kamen immer wieder Kriege dazwischen. Toitoitoi. Nach diesen hausgemachten sozialen UND ökologischen Katastrophen war wieder für eine Weile politische Diversity angesagt, die – zumindest mir – eine günstigere Gedeihbedingung für kollektive Intelligenz zu sein scheint, als die SED-Verhältnisse (ich bin nicht der Einzig, der das Group Think im Bundestag kritisier, siehe Harald Welzer) in den aktuellen Entscheidergremien des anachronistischen Parteiensystems. Natürlich kann man Herrn Welzer nicht vorwerfen, dass er bei seiner Kritik auf halbem Weg stehen bleibt und falsche Schlüsse zieht. http://www.taz.de/!5339061/
    Er ist offenkundig systemtheoretisch nicht hinreichend informiert. Es ist nicht nur falsch, sich auf alle Jubeljahre abgehaltene Wahlen zu verlassen. Es ist auch falsch, nicht hinzugehen, nicht zu wählen. Systemtheoretisch, gruppendynamisch betrachtet ist es nachrangig, was die Repräsentanten irgendwelcher Parteien verkünden und in ihre Parteiprogramme schreiben. Wer das nicht begriffen hat, sollte seine Schulnoten in Geschichte nachträglich noch einmal korrigieren lassen. Wenn es darum geht, das System zu verändern, dann ist die Steigerung der Diversity ein wichtigeres und vor allem realistisches Ziel als die Prozente einer großen, die Monokultur verschlimmernden „Volkspartei“. Diversity erschwert die Einflussnahme der nun mal als Akteure etablierten hochprofessionellen Lobbyisten und fördert die Chancen der Fokussierung auf Sachaspekte und pragmatische Zweckbündnisse in der politischen Debatte.

  2. „Hoffnung gibt allerdings, dass idiotische Systeme nur eine begrenzte Lebensdauer haben, da sie die sich früher oder später entwickelnden Gegenbewegungen nicht auf Dauer unter Kontrolle halten können.“
    Das scheint im Moment leider fast die einzige Hoffnung zu sein, auf die man noch sicher setzen kann.
    Ich habe mir gestern auf Phönix den Film über die Geschichte des Gebäudes des Göring-Luftfahrtministeriums ALIAS „Haus der Ministerien“ in Berlin / Wilhelmstraße angesehen.
    Solche Bilder sagen oft mehr als 1000 Worte. Da sieht man erst einen eitlen Göring in voller Marschallmontur durch das Gebäude eilen; wenig später ist der Spuk verschwunden und Charaktermasken, die sich Ulbricht, Grotewohl usw. nennen bevölkern es; bis auch mir nichts dir nichts dieser Spuk wieder verschwunden ist… alles wirkt heute seltsam lächerlich.
    Interessant auch eine seltsame Parallele: zwei Selbstmorde in dem Haus: Udet bzw. dann Apel, die jeweils an ihrem System verzweifelten; in beiden Fälle werden die Selstmorde als „Unfälle“ deklariert und die Opfer erhalten ein pompöses Staatsbegräbnis.
    Genauso werden auch einst Erdogan, Trump und Konsorten der Lächerlichkeit preisgegeben werden (hoffe ich jedenfalls…).

  3. @0 ich nehme Ihre Gedanken nicht als „sentimental“, sondern als „sympathisch“ wahr.

    Im Übrigen, kann keiner der gewählten Narzisten letztlich ungestraft machen was er allein will. Mir machen die Repräsentanten weniger Sorge, als deren Zustimmer!

    Aber es gibt (Ab-)Hilfe für eine freie Presse, da mit der Dummheit Einzelner/Einiger bekanntlich auch eine Opposition heranreift:

    http://motherboard.vice.com/de/read/das-internet-archive-hat-520-stunden-trump-interviews-fuer-euch-zusammengetragen?trk_source=recommended

  4. @7 Na(r)zis(s)ten? (Eine Unterscheidung, sowie zumindesten tlw. Korrelation, zwischen nazistische „Narzissten“ und narzisstische „Nazis“ scheint mir im Zusammenhang mit politischer Machtgeilheit, nicht unerheblich.)

  5. wie schon häufiger erwähnt, denke ich, sollte zu allererst im mittleren Dienst, bei unseren Bürokraten nachfragen. Wie hoch vernetzt dort bereits die rechtsabteilungen sind, wenn es sich nür um ein Knöllchrn dteht, wg. Geschwindigkeitsüberschreitung ohne Eintrag in Flensburg durfte ich dieser Tage mal wieder erfahren.
    Ich führe seit ca. 2010/11 eine Schwarz/Weiß-Liste, mit Namen im Rahmen der Metastudie zur Compliance. Wenn die dämlichen Herrschaften in den Führungsetagen wüßten, wie sie im Fokus stehen und ihnen demnächst die Steuerfahndung wg. Vorteilsnahme im Amt ins Haus steht, würden sie vermutlich die Auswanderung nach Miami, nach Hawai oder sonst ein Südseee-Atoll oder ins Bermuda-Dreieck. beantragen. Treff mich dieser Tage mit den Steuerleuten, damit diesen korrupten Schweine endlich das Handwerk gelegt wird.
    Ach wie schön überwintert es sich dich im öffentlichen Dienst, bevor man zu Ostern wieder die Reise nach Lesbos, Rhodos, Zypern antreten kann.

  6. Wir haben 1994, ich erinnere mich noch gut, zusammen gesessen, mein Mann und ich, und die Folgen des Internet und der Digitalisierung in Kombination mit der Globalisierung besprochen. Einer der unangenehmen Gedanken damals war dieser: Wenn das so läuft, dass der Gedanke weiterhin der bleibt, die Masse zu bedienen, wird der Tag kommen, an dem wir die CDU wählen müssen, um so unseren Beitrag zu leisten, die Demokratie vor den Populisten und neuen Faschisten zu schützen. 2013, das war unsere Schätzung, wann das dann klar absehbar würde. Tja.

  7. Haben Sie Dank, Herr Simon, Sie beschreiben da etwas, welches zu sehen mir über längere Zeit schwer fiel, welches in seiner gesellschaftsdisgnostischen Verkürzung vermutlich jedoch als wichtige Positionierung angebracht sein mag.

    Ich liebe die Luhmannsche Denke von einer selbstreferentiell-geschlossenen Gesellschaft (und übe mich in ihr), welche meines Erachtens nach von Herrn Baecker herrlich weitergeführt und auf das heutige / „nächste“ strukturelle und kulturelle Muster untersucht wird. Überwunden werden die alten Muster dabei noch lange nicht – und ich frage mich auch, wie es dazu kommt, dass so alte Beobachungsmuster eines „harten Dualismus“ plötzlich wieder große Wirkung zu finden scheinen, obwohl bereits die modernen Strukturen sehr viel passendere Beschreibungen anbieten können. Mir erscheint die Verknüpfung von Psyche und Gesellschaft als sehr wichtiges Begründungsfeld – vielleicht in Zusammenhang mit Bedürfnissen und Wertebildung (Maslow / Inglehart)… Und am Ende finde ich selbst sehr viel wichtiger den Griff an die eigene Nase: Wie verhalte ich selbst mich im Sozialen? Inwiefern denke und handele ich in Übereinstimmung mit dem, was mir als „Fortschritt“, als „höhere“ Entwicklungsstufe des eigenen Bewusstseins gilt?

    Dieses ewige Eingreifen in die „Welt“, in die Formen, Ideen, Meinungen der anderen Menschen, egal nach welchen „guten“ Kriterien – hilft es denn jemals? Gerade gestern las ich den auf den ersten Blick schönen Satz: „Those who love peace must learn to organize as effectively as those who love war.“ (Martin Luther King jr.). Ist das so? Geht das? Widerspricht nicht gerade die monistische Haltung – die aus der Durchdringung von z.B. Luhmanns/ Baeckers Theorien oder Simons systemischen Ideen oder denen des Taoismus resultieren mag – der Auffassung, man müsse die anderen, gar Massen unterrichten? Führt sie nicht viel eher zum Schweigen? Oder bedeutet dieses Schweigen, naiv ein Teil von etwas zu werden, was dann als „weniger demokratisch“ bewertbar ist?

  8. ja, das interessiert mich auch. Ist das die geistige Welt, in der Sie sich bewegen, Herr Liebscht? ich hoffe: nicht, aber irgendwie zutrauen würde ich es Ihnen schon.
    Ich fürchte nur, Sie werden auch diese Frage wieder in der Schwebe lassen, so wie ich Sie bisher kennengelernt habe.

  9. Vermutlich überfordert das wieder den Einen oder anderen allzu frommen Sünder. In der Hoffnung, dass hier auch Geister hereinschauen, die sich noch nicht vor den Happenings in der Seniorenbegegnungsstätte gruseln.

    Ich gehe davon aus, dass einem Systemiker – ähnlich wie dem Ethnologen – gut zu Gesicht steht, sich Szene-übergreifend zu orientieren anstatt dem Milieu-Inzest zu frönen. Mir scheint, diese Metaebene bleibt vor lauter Klischees hie und da gelegentlich etwas auf der Strecke. Fast schon peinlich, dass man so etwas erklären muss. Goethe: „Willst Du eine weise Antwort …“
    Über eines der Kalküle immerhin lässt sich streiten. Im Hinblick darauf, dass wir es durchweg mit kokonstruierten Wahrheiten“ zu tun haben, die ganz unvermeidlich nie ideologiefrei sind, geschweige sein können folge der Machtkonzentration auch im Medienbereich, stellt sich im mittlerweile technisch perfektionierten Propagandakrieg dieser Tage die Frage, wie sich überhaupt Orientierung gewinnen lässt. Der Systemfritze wie der Theaterkritiker sollte ob der Antwort nicht verlegen sein: Über Extrapolation, Musteranalyse, Analyse u. a. geschichtlicher Verläufe von Kultureller Genesis, etc.. Ich gehe heute wie zu DDR-Zeiten von dem Kalkül aus, dass die Vertreter jener Szenen, Fraktionen, Denkschulen, Orthodoxien in dem Maße das Risiko vermeiden, von der Ihnen zugänglichen Quellenlage abzuweichen, je weiter weg sie sich von der Macht befinden. Im Hinblick auf den Einsatz von sozialem kapital ist es – völlig jenseits irgendwelcher Unterstellungen einer ideologischen Moralität – schlichtweg als Opposition nicht ökonomisch a) in Fakes zu investieren und b) sich dabei womöglich auch noch durch irgendwelche Citizen Scientists erwischen zu lassen. Wahrheiten lassen sich so nicht gewinnen. Das anzunehmen wäre – mit Blick in die Geschichte realpolitisch motivierter + finanzierter Täuschungen – naiver Rückfall hinter das Reflexionsniveau des Konstruktionismus. Was sich gewinnen lässt im Rahmen eines solchen Kalkül bzgl. Nähe zur etablierten Macht und Ferne bzgl. Faktizität an Ort und Stelle einer Bühne sozialer Inszenierung, ist die Steigerung der Wahrscheinlichkeit einigermaßen informiert anstatt nur unterhalten zu sein. Im Hinblick auf die Gauss´sche Verteilung sind das die Randbereiche. Dass die Repräsentanten der Szenen, inkl. der nie anders als tendenziös im Sinn der Eigentümer berichtenden Medien, ihre Exegesen und Inszenierungen so ausrichten, dass sie den real-politischen Status quo stützen – wer weil es denen verdenken, dafür werden sie schließlich bezahlt. Indes keiner muss das kaufen. Anders: die intellektuelle Monokultur führt zyklisch in den a) „moralischen“ und b) materiellen Abgrund – wenn die Aufklärung pennt. Ein Problem vom Typ Zähneputzen.

    Alles in allem hat systemtheoretische, soziologische, psychologische (ebenso wie ethnologische, ökologische) Reflexion natürlich eine politische Dimension – das hat Aufklärung unvermeidlich. Wer jetzt aber im Rahmen einer Verpackung wie „Metakommunikativer Diskurs“ politische Arbeit betreibt, trägt sich natürlich leicht den Vorhalt ein, methodisch schlechte Systemtheorie-Reflexion zu machen. Der Ausweg aus diesem Dilemma – wenn man ein solches sieht – ist schlicht und im Rahmen systemtheoretisch inspirierter Theorie und Praxis längst vorgezeichnet. im Hinblick darauf, dass wir ganz unvermeidlich Theater spielen, ist die Bezeichnung der Unterschied, der einen relevanten Unterschied macht. Es ist im Rahmen des hier thematisierten Spiels“ Demokratie“ mehr als legitim (nämlich konstitutiv), wenn jemand für eine politische Fraktion argumentativ Geltungsansprüche geltend macht. Es ist ausgesprochen nützlich im Sinne von Förderung dieses Spiel Demokratie, Metakommunikation zu betreiben. Schwierig wird es, wenn man das verwurschtelt, sei es dass einem selber nicht klar ist, wer man in welchem Kontext ist, sei es, dass man sich nicht idiotensicher genug formuliert. Ich persönlich fände es eigentlich recht prima, auch mal so richtig schön in irgendeiner politischen Fankurve mitzugrölen, indes sehe ich derzeit keine, in der ich mich rundum wohl fühlen würde. Bemerkenswert scheint mir wie gesagt, dass alle einig sind, wenn es früh morgens an die Brötchen geht. Da will keiner Abstriche machen. Es will im Restaurant auch keiner mit dem Ober die Rollen wechseln oder im Schwimmbad in unsauberem Wasser schwimmen. Wenn es konkret wird, liegen wir also gar nicht so weit auseinander. Auch sonst ist das Einvernehmen – Heinz von Förster würde von Trivialisierung sprechen – in dieser Kulturgemeinschaft enorm. Dieser Spur lohnt es sich ebenso nachzugehen wie den Narrationen der Sieger der Geschichte. Aber wahrscheinlich ist das schon wieder eine Überforderung. Wie war der letzte Tatort?

    Vermutlich auch jenseits des Horizontes einiger Schrebergärtner – eine weitere Analyse von Realpolitik, die in der Tat starke Parallelen zu den Entwicklungen dieser Tage aufweist. https://deutsch.rt.com/meinung/45123-lehren-von-1917-fur-2017-von-lenin-lernen/ Gäbe es eine Opposition in diesem Land, die nicht unter Supervision des VS läuft, so hätte sie in den Tagen nach der Wahl angesichts akuter Kriegsgefahr und krasser Rechtsbrüche hier eine Trump-Partei, Podemos-Bewegung oder etwas in der Art ausgerufen, einen Georg Elsner imitiert oder einen Marsch auf Berlin veranstaltet. Nun kann man über solcher Perspektive wieder seine Biedermeierverse aufsagen – indes es wäre nicht zu einer Wende gekommen, wenn wir uns 1989 an die Durchsagen von SED und MfS gehalten hätten. Ergo: von all dem Gegacker abgesehen, es gibt – egal ob recht, links, oben oder unten derzeit keine funktionsfähige Opposition in diesem Land. Anderenfalls hätte diese die Gunst der Stunde analog zu 1917 nutzen m ü s s e n. Die Rede, dass man eine Wende auf rechtskonformem Wege anstreben will, wirkt fadenscheinig angesichts der von den Rändern der Gausschen Verteilung übereinstimmend diagnostizierten Kriegsgefahr und Rechtsbrüche. Anders: die als extrem „rechts“ oder „links“, demnächst wohl „islamistisch“ etc. begafften Kräfte sind – mit irgendwas müssen all die Schauspielprofis ihre Zeit verbringen – Komparsen. Was nicht überrascht, weil genau diese Verhältnisse hatten wir auch in der DDR-Opposition – bei erheblich schlechteren technischen Möglichkeiten der Überwachung, Kontrolle, Einflussnahme. Vermutlich ist das – obschon das Krisenmanagement in dieser Szene system- bzw. spieltheoretisch hochinteressant ist – aber tatsächlich müssig hier auszubreiten. Wie war der letzte Tatort mit Herrn Schäubles Tochter? Systemtheoretisch bemerkenswert ist es immerhin zu beobachten, welche Fehler gerade in dieser Szene gemacht werden. Der Angriff durch ehemalige Mitstreiter wird zum Leitartikel gemacht anstatt in den Kommentarspalten pariert, kommunikationsstrategisch eindeutig ein Fehler.

  10. also da bleibe ich doch liebe Schrebergärtner, ehe ich meinen Horizont mit Leuten wie Elsässer oder Medien wie RT erweitere; die überlasse ich Ihnen und Leuten wie georgy.

  11. Im Schwimmbad gibt es auch einen Nichtschwimmer-Bereich. Muss nicht eingehalten werden, hat sich aber (selbst in Italien) irgendwie bewährt.

  12. @29 er mag halt das Manneken Pss, Und tut’s wenigstens so, daß man es auch bemerkt.
    Haptsache er pinkeltt nicht auf die Starkstromleitung.

    Aber es ist davon auszugehen. daß er doch so viel von Physik versteht, daß er das nicht macht.

  13. PS: Kennt jemand eigentlich eine Statistik darüber, wieviele -unbemerkt, vor allem in Warmbädern – unter sich lassen?
    Ich frag das nur aus hygienischen Gründen. Im Mittelalter waren es die Badehäuser, wo man sich den Syph bzw. alle möglichen anderen Kram holen konnte.

    Man muß nicht unbedingt Nacktbaden. In den Burkas hält sich das auch.

  14. … weshalb ich auch für eine afäquate Übersetzung und Zeichensetuung plädiere…
    in Zusammenhang mit pefect continence in der perfekten Beinhaltung.

    Dies vor allem auch im Zusammenhang mit Papa Leaks…

  15. Alte Systemiker-Weisheit: Bezeichnung macht einen Unterschied. Wenn ich mal für eine Partei missionieren will, sag ich für Schubladenjunkies Bescheid und kennzeichne mich mit dieser Mission in der Rolle als „Evangelist“.* Interessant finde ich bspw. Fulvio Grimaldi – was aber daran liegen kann, dass der mich außer von der politischen Vision her auch vom Habitus an meinen Großvater erinnert.

    Bis dahin, dass mich soziale Bewegungen hinsichtlich ihrer Zukunftsfähigkeit ideologisch, strategisch und bzgl. Volition, Wille zur Macht begeistern, halte ich mich an die gute Sozialforscher-Weisheit, dass ich ins Feld gehe, mit den Leuten rede, die Argumente analysiere und wichte anstatt mir von, als sog. „Qualitätsjournalisten“ verkleideten, Märchenonkels die Welten erklären lassen. Die Leute mit ihren Beobachtungen, Metaprogrammen, Glaubenssätzen, Argumenten können für sich sprechen. Sie müssen es sogar, auch Doktrinen stellen ja einen Markt dar. Ich brauche schon von daher keinen Übersetzer. Vorkoster werden nicht mehr gebraucht, Kuratieren kann ich selber. Wie konsequent Welzers Empfehlungen im Zusammenhang mit dem empfohlenen Selber-denken sind, wär ein Kapitel für sich …

    Was den nostalgisch verklärten Journalismus anbelangt … zum Einen kenn ich persönlich ein paar solcher Qualitätsjournalisten, die ihre Oma für ein Pfund Hackfleisch verkaufen würden und dementsprechend recherchieren und schreiben. Fassbinder lässt grüßen. Den von ihm portraitierten Typus von Journalisten gibt es wirklich, live erlebt.

    Zum Anderen war ich letztes Jahr bei einer Tagung zur Zukunft des Journalismus. Da ging es zwar um die Zukunft des Wissenschaftsjournalismus, aber ich fürchte, die Event-Impressionen sind verallgemeinerbar. Es waren teils Leute, die haben im Journalismus der BRD Geschichte geschrieben. Und es waren Jüngere, u. a. aus der Liga „Tagesspiegel“ und Co, die nahezu durchgehend über Arbeitsbedingungen berichteten, die keinen Qualitätsjournalismus mehr zulassen würden. Selbst wenn die wollten, das Setting gibt – von mit Selbstausbeutung erkauften Ausnahmen abgesehen – es nicht mehr her. Wie bei „Bio“ steht da was drauf, was man vielleicht noch an Kinder und dementiell Erkrankte als Bio verkaufen kann (bevor die Herrn Gröhes Abgesandte getroffen haben.)

    Außerdem wurde – obschon wir uns im Kontext Wissenschaftsjournalismus befanden – berichtet, dass der Einfluss von Lobby auf Berichterstattung bemerkenswert ist. Wie soll das dann erst sein in den Bereichen, die von vornherein und unmittelbar politische Implikation haben?

    Ich denke, diese Veranstaltung mit dem Lalilu auf die Spezies der Qualitätsjournalisten ist gelaufen. Nicht weil die Korruption im Medienbereich etwas Neues wäre. Das war nie anders. Der Unterschied besteht in der technischen Perfektion der Inszenierung. Insofern ich hier vor Jahren anlässlich des beeindruckenden „Schiffbruch mit Tiger“ und des Hacks von McCains Laptop durch Berkut zum Point of No Return ausführlich geschrieben habe – geschenkt.

    Le Bon: „Welches Blatt wäre heute reich genug, seinen Redakteuren eigene Meinungen gestatten zu können, und welches Gewicht könnten diese Meinungen bei Lesern haben, die nur unterrichtet oder unterhalten werden wollen und die hinter jeder Empfehlung eine Spekulation wittern?“

    Ich mach den intellektuellen Nutten noch nicht mal einen Vorwurf außer den, dass sie mit zu Kriegshetze und Völkermord beitragen (aber das machen wir von Aufklärung beseelten Weltbürger in diesem Land ja nahezu alle. „Der Tod ist ein Meister …“). Ich kaufe diesen Zeitgenossen nur schlicht nix mehr ab, so wie ich keine Schlaghosen oder Schallplatten mehr kaufe. Die Zeit für diese Art Produkte ist abgelaufen. Der Bedarf schmilzt dahin und soweit er das nicht tut, kann aufgrund der durchrationalisierten Produktionsbedingungen keine Qualität mehr gewähreistet werden.

    Die Tatsache, dass manche Leute noch immer nicht gelernt haben, das Internet zu gebrauchen, hat freilich nix mit der Krise der Medien zu tun – das ist damit nicht zu verwechseln – sondern damit, dass sie die für sie bestimmten Kurse an der VHS schwänzen.

    Die Citizen Scientists sind inzwischen oft genug die besseren Journalisten. Es gibt bei dem Produkt Journalismus seit Jahrhunderten einen kleines, aber gewichtiges, früher für selbstverständlich angesehenes Qualitätsmerkmal: das heißt Authentizität. So phantastisch die Story sein mag, gibt es keine Entsprechung dazu, handelt es sich um Theaterproduktion, nicht um Journalismus. Ich hab nix gegen Theater, finde das technisch interessant. Aber Information ist was anderes als „bio“ drauf ohne „bio“ drin. Da muss ich mich notfalls selber kümmern, ähnlich wie in anderen Fragen, da ich früher aus Experten angewiesen war, kann ich das aber auch. Von diesen Rating-Agenturen neulich bspw. hab ich mich ein letztes Mal verarschen lassen. Die verwackelten Handyaufnahmen von ein paar Leuten vor Ort sind für mich interessanter als irgendwelche Hollywood-Produktionen oder Filmausschnitte. Sicherheit, „Wahrheit“ freilich – ja wann ab es die denn? Medienkompetenz, brauche ich die erst seit heute? Wer auf dem Level diskutieren will, kann das ja tun, aber das interessiert mich dann halt dann doch nicht mehr, ist für mich eine Art Quietschentenmelodei aus dem Nichtschwimmerbereich mit dem hohem Urinanteil. Wer nicht versteht, dass er nicht versteht, was er nicht versteht, lebt womöglich in einer übersichtlicheren Welt als es die meine ist und mag da getrost bleiben.

    Wenn mir der verehrte Herr Qualitätsjournalist Authentizität nicht mehr „nach bestem Wissen und Gewissen“ – Verarschungsversuche seiner Person einberechnet – gewährleisten kann, weil er ansonsten nicht bezahlt wird, dann ist sein Produkt einfach Kacke und wird durch politische Protektion nicht besser sondern eher schlechter. Exakt in diese Richtung ging es – ich dachte ich träume, als ich dieses Flirt mitbekam, weil es wie aus einem Klischee-Sammelband nachinszeniert wirkte – auch auf der Veranstaltung; die Journalisten fragten mehr oder weniger durch die Blume die anwesenden Politikgranden um Protektion an. Ein Geschäft hat immer zwei Seiten. Von daher nix von wegen „Man müsste noch mal 20 sein.“ Die 4. Gewalt in gewohnter Form ist dahin und wird sich auch nicht mehr erholen.

    Um so spannender die Kultur des Citizen Journalism, die weltweit im Entstehen ist – teils natürlich auch wiederum als Fake-Opposition unterwandert, inszeniert, instrumentalisiert wird, teilweise sich aber auch in ihren politischen Ansprüchen verwahren konnte. So wie mit vielen Kulturtechniken gibt es Rüttelstrecken am Anfang, aber das wird sich moppeln wie Kaffeegenuß, Eisenbahnfahren, Wahlrecht, Marihuana und Massentourismus.

    Alles in Allem bleibt als Heuristik: Folge dem Wege des Geldes oder rekonstruiere informell wirksame Zwickmühlen, wenn Du wissen willst, weshalb wer dazu kommt, welche Wahrheiten in wessen Namen auch immer zu verkündigen. Bei den ach so avantgardistischen Oppositionellen in der DDR hat die Stasi auch oft genug den Rotwein und die Partykippen bezahlt (bzw. das, was man darunter verstand) – siehe dazu die aufschlussreiche Karriere von Frau Kahane.

    Ähnlich naiv wie die nostalgische Verbrämung irgendwelcher Qualitätsjournalisten, die es nur in Ausnahmefällen noch gibt, ist freilich die in sog. Alternativen Szenen anzutreffenden Hoffnung auf das Web. Dessen Gebrauch wird drastisch anspruchsvoller werden, in dem Maße die Großinquisitoren unserer Zeit das tun, wofür sie bezahlt werden. Saudi Arabien als Kulturstandard in Sachen gelebter Demokratur.

    Die Fragen nach den Möglichkeiten von Opposition wiederum ist, wenn man die Märchenstube all der Illustrierten an der Kasse mal hinter sich lässt, wiederum systemtheoretisch hochinteressant. Inwieweit findet sich ggü. den unübersehbaren Tendenzen Richtung „1984“ Ausgleich? Gibt es innerhalb des Gesellschaftsspiels Demokratia so etwas wie Selbstheilungskräfte oder hat die Hoffnung auf kollektive Intelligenz angesichts Overload für eine Saison das Nachsehen ggü. dem Regime individueller Intelligenz? Alle 40 Jahre bzw. 4 Generationen ein Tyrann?

    Im Moment sind die Schlachtschiffe der sog. Alternativen Szene bemerkenswert schlecht auf die erwartbare Verschärfung der Zensur vorbereitet. Einer der wenigen, welche den logischen Schritt gegangen ist, auf VK statt FB zu veröffentlichen, ist dieser Meuchelpufferverkäufer, der sich ins Ausland abgesetzt hat. Weshalb haben sich anderen Super-Oppositionellen auf die längst absehbar kommende Zensur via Web nicht besser vorbereitet sondern erwarten die Netzsperren wie den Biss der Schlange? Weil sie – das wäre Parallele zum Endstadium der DDR – selbst Teil der gelenkten Opposition sind? Das interessiert mich mangels zeitgemäßer Angebote in zweiter Linie politisch, in erster Linie „technisch“. Bin heute an einem Institut für soziale Bewegungen vorbeigefahren – ob die es wohl wissen? All die Tausenden Geheimräte, für die gegenwärtig so viel gebaut wird, all ihre Sachbearbeiter, inkl. der besorgten Bürger werden jedenfalls nicht nur Büroklammern sortieren.

    * Hinweise auf spannende Spielvereine nehme ich gerne an, wenn sie mit Betriebssystemalternativen assoziiert sind. Auch von der hier einerseits voreilig begaggerten, andererseits voreilig ausgebuhten und in 3 Jahren als nächste CDU wahrscheinlich beweihräucherten (Vorsicht vor vorschnellem Eifer, welcher on the long run betrachtet, in der Tat albern wirken könnte! Womöglich erscheint Frau Petry demnächst als verkanntes Ausbund systemischer Weisheit?) AfD ist diesbezüglich keine Transformation zu erwarten. Wir brauchen offenkundig nicht nur andere Betriebssysteme, Formate in allen Funktionsbereichen der Gesellschaft, wir brauchen im Hinblick auf die selbst verschusselten Kolateralschäden der Refeudalisierung sogar eine andere Semantik bzgl. der Grundbegriffe sozialen Lebens, was über Vision hinaus geht.

    Mit dem Ermutigen nostalgischer Hoffnungen auf irgendwelche guten alten Zeiten, wie das auch hier im Blog grassiert, wird der in Jahrzehnten aufgebaute Innovationsstau nicht abzubauen sein. Mit Krieg indes schon. „Bau auf, reiß ein, Du wirst nie ohne Arbeit sein.“ … Auch beim Herrn Welzer – zumindest so, wie ich ihn bisher verstehe – erscheint bemerkenswert, dass seine Visionen für ein Stattdessen die utopischen Energien in machtpolitisch irrelevante Bereich leiten. Wenn ich ihn mal treffe, werde ich ihn fragen (anstatt mir von sog. Qualitätsjournalisten über ihn erzählen zu lassen), was er sich da eigentlich bei denkt – immerhin ist er Sozialpsychologe und sollte eine gute Begründung für diesen offenkundig falschen Empfehlungen parat haben. (Wenn man realpolitisch keine Veränderung will, arbeitet die Empfehlung des Nichtwählens dem Status quo natürlich zu.)

  16. Ich habe mich mit der Schwimmbadhygiene eingehend auseinander gesetzt und möchte Ihnen nicht aufzählen, was ich in den Filteranlagen eines Ö öffentlichen Freibades schon so – mit eigenen Augen und keineswegs haptisch – gesehen habe. Es gibt Ärzte, die können es aus dem Blutbild nach einem Schwimmbadbesuch das Bad benennen.

    Erst gestern hatte ich deshalb ein langes Telefonat mit jener Mutter, die sich vor Monaten über das Wort „Hure“ in einem biblischen Kindertheaterstück beschwert hat. Sie ruft mich gerne an und diskutiert mit mir ihre sexuellen und sonstigen Probleme (ich mache das auch gerne – kein Problem). Gestern wollte sie wissen, ob ich meine, dass die Kinder freitags in einem Bad schwimmen könnten, das 32 Grad Wassertemperatur hat und in dem mittwochs eine Seniorengruppe Unterwassergymnastik macht. Ich sagte ihr, ich müsse mir die Keimbelastung und die Chlorierung genau durchrechnen. Sie hat dann doch noch zwei Mal angerufen und meinte, ich solle schneller rechnen.
    Der Nichtschwimmerbereich wird übrigens bevorzugt von Müttern verwendet, deren Kinder in sogenannten Schwimmwindeln ins Wasser gehen, wobei eine Schwimmwindel die Auflösung jeder Grenze zwischen Wasser und xy bedeutet. Dieses trügerische Wort habe ich in all den Jahren mehrfach im Mütterbereich der Nichtschwimmerzonen durch dekliniert und den Müttern den Rat gegeben, sie mögen sich niemals mit ihren Bikinihöschen/Burkas auf das Plastikgitter des Überlaufs eines Babybeckens setzen. Ich habe das alles erst jüngst – in recht einfachen Worten – meiner ältesten Tochter erklärt und sie weigert sich seitdem standhaft in – egal welches – Schwimmbad mitzugehen. Es würde ihr „grausen“. Es hilft auch nichts, wenn ich mit der Chlordose in der Hand wachel (sie kann sehr hartnäckig sein, in ihren Ansichten…).

  17. @ 34 Herr Liebscht, Ihr Text ist mir viel zu lang; ich habe daher das meiste weggescrollt. ich wüsste einfach nur gerne: ist das Elsässer’sche COMPACT-Medium eines, das Sie uns Schrebergärtnern als Informationsquelle empfehlen würden; d.h. als eines, aus dem wir lernen könnten (ich meine Lernen III, ich habe meinen Bateson noch nicht verschenkt)?

  18. Würde meine Bateson-Sammlung auch nicht verschenken. Heute ist ein schöner kalter Tag (hier hat es minus 13 Grad), um wieder etwas hervorzubringen – vor allem auch weil die Freibäder zu haben und dafür das Holz im Kamin brennt. Ich denke gerade über just noticeable differences nach – eigentlich ist die Psychophysik ja beinahe die Geburt der Psychologie…der gerade wahrnehmbare Unterschied – sie (die Psychologie) hat mit der Untersuchung von gerade wahrnehmbaren Unterschieden begonnen! Das ist die Steinzeit unseres Faches…

  19. Lieber Herr Frafri, ich wollte sie eigentlich ein bisschen schonen. Aber jetzt muss ich Ihnen doch eine – für Sie offenbar jetzt angesagte – Nachhilfelektion geben: Sie können aus allem lernen!

  20. ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass jetzt das Heinz-von-Foerster-Zitat kommt: „auch vom Dümmsten kann man lernen“. Und: „Lasst sie deppert sterben!“
    Wenn sie das bzgl. Elsässer & Co auch so sehen, dann haben wir keinen Dissens mehr.

  21. Im Grunde ist es ja simpel: Ohne Emotion keine Bereitschaft zur Reflexion – bei aller Kritik, aber da hat der Herr Hüther schlicht Recht, Sie merken es an sich selbst. Gelingt es, bei Ihnen emotional ein Arousal zu provozieren, bringen Sie sich um so wahrscheinlicher ein. Und ich natürlich auch. Recht stimmig auf den . gebracht; https://www.youtube.com/watch?v=3w4yiL36G_k

    Die Hypothese, dass sich bei den statistischen Ausreißern im politischen, kulturellen, wissenschaftlichen Spektrum der Meinungen besonderes Ausmaß an Authentizität folge Entfernung zur Macht antreffen lässt, ist natürlich nur eine Arbeitshypothese. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, aber Geld für eine Meta-Studie dazu habe ich leider auch nicht (obwohl mich das Ergebnis interessieren würde.) Was als Verschwörungstheorien nach kräften von allen möglichen Verschwörern (strategische Kommunikation / PR, Lobbyismus würde ich ganz getrost da einordnen, Auch das womit Soziologen, Psychologen, Community Organizer, Faciliatoren, Supervisoren etc. den lieben langen Tag beschäftigen) diskreditiert wird, stellt ja nix anderes als die Entsprechung zur Arbeitshypothese im Wissenschaftlichen Bereich dar. Diese steht weniger für irgendwelche Wahrheiten als vielmehr für eine Phase im Erkenntnisprozess. Beispiel: Dirk Baecker beschäftigt sich meines Wissens derzeit ein wenig mit der Identitären Bewegung. Hätten Sie jetzt die Erwartung, dass er da demnächst Mitglied werden möchte? Meiner Arbeitshypothese dazu würde das eher nicht entsprechen. Nur: wie komme ich eigentlich dazu? Diese Mensch ist schließlich immer wieder für Überraschungen gut. mit anderen Worten: Auch wenn Systemtheorie/Strukturtheorie natürlich einerseits auch keine Gewissheiten liefern können, geht es andererseits nicht an, dass ich mir von Journalisten erklären lassen, was ich über Journalisten zu denken habe. Da muss ich schon selber Fleiß entwickeln. i dem sinne war auch die Empfehlung, Bateson zurückzugeben. So wenig man aus der Tatsache, dass Roland Garve die Kimyal untersucht, reflexartig schließen sollte, dass er Sehnsucht danach hat, für das Tragen von Penisköchern zu missionieren, so wenig hatten Bateson und Mead Sehnsucht, Balinesen zu werden (obgleich es solche Ansätze innerhalb der Ethnologie gibt.). Insofern ich andere Szenen längst kenne, finde ich derzeit interessant, wie sich das Räuber- und-Gendarm-Spiel in der Szene gestaltet, welche sich einerseits als DAS Flaggschiff der Opposition inszeniert, dann aber bei der besten aller möglichen Gelegenheiten interessanterweise effektiv gar nicht so viel effektive Opposition leistet. Das ist schon regelrecht amüsant. Jetzt können Sie natürlich reflexartig schließen, dass ich selbst beim VS auf der Alimentenlisten stehe und hier Agitation betreibe. Aber das dann eben wiederum eine Frage der Analyse und Argumentation, wie es mit einer solchen Arbeitshypothese weitergeht. Bei Herrn Welzer bspw. würde mich der Kreis seiner Stifter durchaus interessieren. Einige seiner Thesen ergeben, unbeschadet der schönen Rhetorik, systemtheoretisch betrachtet, schlicht keinen Sinn. Wenn – jetzt weiter gedacht – jemand von irgendwo her alimentiert wird – das ist schließlich die Regel, nicht die Ausnahme – dann muss das wiederum nicht heißen, dass er schlechte Thesen hätte. Mancher würde spätestens jetzt von Reentry sprechen.

    Würde politische Kommunikation sich um eine wenig mehr Transparenz bemühen, dann bräuchte es die verstärkte Inanspruchnahme intensiver Hypothesenbildung, deren Vergleich nach Plausibilitätskriterien („Extrapoation“), all die Theaterkritiken des Rollenfaschings gar nicht in dem Ausmaß. Offenbar sprechen informelle Rationalitätskriterien bzw. Selektoren in den Einflusssphären strategischer Kommunikation massiv gegen Transparenz. Wieso sich ein Staat überhaupt Geheimdienste, Thinks tanks, PR-Abteilungen mit derartigen, an die Mafia erinnernden Befugnissen und Funktionslogiken leistet, wär ein Diskussionsthema für sich. Mimikry gibt es freilich nicht nur bei Lobbys oder VS sondern bspw. bereits bei den …. Drosseln; vgl. Zahavi & Zahavi. Fakt ist, dass es nun mal reichlich Geheimdienste mit extremen Befugnissen, rechtsfrei zu handeln, gibt, und die Machtkonzentration an den Schnittstellen der Funktionssysteme von Realpolitik, Wirtschaft zunehmend wieder Militär, Medien, und – naheliegenderweise – natürlich auch organisierter Kriminalität enorm ist und – jetzt wieder systemtheoretisch betrachtet – derzeit zunimmt. Manche nennen die damit verbundenen machiavellistischen Machtkämpfe und Materialschlachten Demokratie, manche sehen sie als Revierkriege zwischen mafiotischen Clans. Neu ist in der Tat die technische Perfektion, auf welche die, über konstruktivistische Einsichten hinausweisende Wortschöpfung der PR-ler „postfaktisch“ hinweist. Über Epochen gab es immer die Möglichkeit eines Evidenzbeweises dadurch, dass man ein Argument bringen konnte in einer medialen Aufbereitung, die von der Produktion her aufwändiger, weniger leicht fälschbar war. Der Lateiner hat Recht, der Schriftgelehrte, der Kriegsfotograf, der Doku-Filmer, der Streamer … Das ist nun offenbar ausgereizt (?) Hollywood definiert Faktizität. Mit anderen Worten, in Analogie zum individuellen Wahnsinn eines, in seinen Halluzinationen befangenen verrückten Individuums sind wir als Gesellschaft auf dem Weg in die komplette Selbstverblödung. Nicht ohne Grund lacht die halbe Welt über dieses Europa, über dieses Deutschland, über diese Medien, über diese Mediengläubigkeit (Dtl. im internationalen Vergleich = Spitzenreiter.), die sich auch noch etwas auf ihre Echolalien einbildet.

  22. Wenn man noch einmal zu Bateson zurück geht, zu Buckminster Fuller etc. – ich sehe im Moment im Wesentlichen, dass die Gesellschaft insgesamt hinter deren Horizonte zurückgefallen ist und bestenfalls Ansätze bestehen, deren Visionen politisch aufzugreifen und durchzusetzen. Die mir bekannten, eher pragmatisch ausgerichteten Initiativen seh ich ausgesprochen positiv, glaube aber dennoch nicht, das es ohne konzertierte politische Strategie gehen wird, ein inklusiv orientiertes, kosmopolitisches One-Planet-Denken umzusetzen. Hier verzettelt man sich derzeit in Gemeinpätzen und unerfüllbarer Sehnsucht nach politischer Abstinenz. http://www.factory-magazin.de/news/beitrag/artikel/wandel-trotz-trump-und-gabriel.html

  23. Das seh ich nicht so. Journalismus wandelt sich und Demokratie wandelt sich. Das ist, was ich meine damit, dass wir nicht nur andere Organisationsformen brauchen in all diesen von Innovationsstau gezeichneten Funktionssystemen sondern auch eine andere Semantik für vermeintlich gleichbedeutende Begriffe in diesen Funktionssystemen. Die Journalisten wirkten auf mich unbeschadet ihrer inhaltlichen Expertise in technischer Hinsicht ausgesprochen unbeholfen auf diesem erwähnten Kongress. Jüngere Teilnehmer au der Wissenschaft reagierten darauf bemerkenswert übellaunig. Citizen Journalism ist kein Problem sondern eine Lösung. Wir brauchen die Kompetenzen der Qualitätsjournalisten noch immer – nur eben nicht dort, wo sie sie derzeit noch immer unbedingt anbringen wollen, wir brauchen Sie auf der Metaebene. Ihre Arbeit von ehedem übernehmen jetzt andere; motiviert, technisch versiert, mehr oder weniger authentisch. Hier im profesionellen Umgang, ja Management von Citizen Journalism entstehen die neuen Zukunftsfelder, von denen Dueck spricht. https://www.youtube.com/watch?v=rQdRgok4w78 Argument: Frau Huffington hat ihren Erfolg zunächst nicht in erster Linie mit Qualitätsjournalisten aufgebaut, die kamen später, als der Zug schon rollte. Diese Zukunftsfelder müssen wir uns genauer angucken, dann werden sie größer. (Hoffe, dass jetzt nicht wieder Katharina kommt, mit ihrer zur Wette ausgeschrieben Mitte.)

  24. Oh Gott oh Gott, schon wieder eine Verschwörung! https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-01-10/relatives-of-ex-u-n-head-ban-ki-moon-are-indicted-in-u-s Die armen Theoretiker kommen schon gar nicht mehr hinterher in Sachen Aufbereitung des Demokratieabbaues Nicht mal auf die Integrität und politische Kultiviertheit der Spitzen unserer potentiellen Weltregierung kann man sich mehr verlassen! Schlimm. Systemische Einsicht: „Und führe uns nicht in Versuchung …“

  25. Was passiert, wenn Individuen und Gesellschaften ihre Vernunftfähigkeit d.h. ihre (Selbst-)Kontrolle (Selbstreflexionsfähigkeit) verlieren, und ihre Vertrauensfähigkeit immer mehr zerstört wird?
    Beide reagieren demokratieunfähiger, dünnhäutiger, emotionaler, empathieunfähiger.
    Beide fühlen sich als bedrohte Opfer.
    Beide werden unberechenbarer und somit gefährlicher für sich selbst und für andere.
    Beide werden irgendwann – solange sie keine Einsicht zeigen gegen ihren Willen – zur Räson gebracht werden.

    Tritt der Zustand ein, dass die bisherige Macht (=innere Freiheit) und Entscheidungsfähigkeit, sich und andere weniger zu verletzen verloren geht, ist Beschneidung von Macht, ein Akt der Vernunft und eine vertrauensbildende Maßnahme. Jemand wird von anderen, welche dazu noch in der Lage sind, dazu gezwungen sich selbst und anderen keinen größeren Schaden mehr zufügen zu können.

  26. „..man ist nominiert“,
    „wir halten uns da raus…“
    „Zensur im Namen der Gebührenzahler…
    SIC!
    Klasse!
    PSalmenende, Kollega

  27. Bevorzugung einer Orientierung an Sachaspekten macht die Leute ja auch so was von unberechenbar:-) … Was aber letztlich – obschon es natürlich Individuen sind und bleiben, welche die im System/in der Struktur als In-FORMATION bereits angelegten Entscheidungsoptionen, „treffen“ – nur zweite Geige spielt, weil die Frage aus systemtheoretischer statt individualisierender psychoanalytischer Perspektive ja lauten muss, wie berechenbar Systeme bzw. Strukturen (bspw. das des „tiefen Staates“) sind.

  28. Wie kann denn der Serdar seriös sein? Das ist doch nur ein Quatschmacher und kein seriöser Qualitätshofberichterstatter? Was sind überhaupt die Kriterien für Seriösität?

  29. Somuncu hat sich ja auch mal mit der Gemütsruhe des Informierten und desjenigen, der weiß, wie man mit Information umgeht, den gruseligen Jebsen an einer Stelle gegriffen, wo es weh tut. Ob der das allerdings wirklich gemerkt hat, steht auf einem anderen Blatt:
    https://www.youtube.com/watch?v=EQofGjLwj9Q
    Es gibt Leute, denen passt sein Gossenstil nicht. Ich finde, wenn das alles wäre, was wir aushalten müssten, wären wir vermutlich schon ein gutes Stück weiter.

  30. @54 Welche Bedeutung geben Sie denn, dem Begriff „seriös“?

    Ich tu mal so, als ob ihre Frage ernst gemeint ist (was ja auch nur sie selbst beantworten können).

    Hier mein Lieblingssynonym: anständig.
    Dieses Kriterium verstehe ich bewusst „amoralisch“ (Achtung: nicht „unmoralisch“).

    Wieso sollen „Quatschmacher“ nicht auch seriös sein können?
    Welche wirksame systemische (=ideologiestörende) Funktion hat(te) denn ein Narr am Königshofe?
    Etwa nicht (auch) sog. Hofberichterstatter durch paradoxe Interventionen, den Spiegel vorzuhalten, damit im besten Fall aufgrund entstehender Anschlußfähigkeit, die Konsequenzen gezogen werden und die Qualität des Berichterstattens selbst, dadurch weiterentwickelt und gefördert wird?

    Sie wollen mir doch sicher nicht erzählen, es gehe nur(!) um die richtigen Inhalte?

    Worin ich ihnen zustimme, Herr Liebscht: „Folge der Spur des Geldes“. Das bringt tatsächlich Erkenntnisgewinn.

    Worin ich ihnen nicht zustimme: Die einseitigen Schlußfolgerungen welche diejenigen ziehen, welche sie mit ihren einseitigen(!) Postings „ehren“!

    M.E. gibt es tatsächlich noch andere Perspektiven u.v.m., was gerade durch ihre einseitige Posts verschleiert wird (weshalb ich mit einem innewohnenden Schalk, schon mal dagegenhalte).

    Was mir immer wieder in realen Gesprächen und auch hier im Blog auffällt, dass „wir“ (als Gattung Mensch) dazu neigen, uns überkomplex Erscheinendes, unterkomplex-einfach zu erzählen.

    Im Zeitalter der Digitalisierung wird es für „uns“ immer leichter, die blinden Flecke und Auslassungen mit Hilfe von „Fake-News“ und Verschwörungstheorien (welche ja nur ein Teil des Angebotes auf dem Markt der Berichterstattermöglichkeiten sind) zu verschleiern. Das entlastet „uns“ und „unseren“ Aufwand im Umgang mit dem was „wir“ nicht wirklich verstehen.
    Solange „wir“ unser „verstehenwollen“ spielerisch betreiben, halten sich selbst- und fremdschädigende Folgen gering. Leider schützen all „unsere“ Möglichkeiten „uns“ selbst nicht vor Missbrauch. Das müssen „wir“ erst mühsam und manchmal auf bittere Weise lernen.

    Mir werden diejenigen immer vertrauter, welche erkennen und sich auch so verhalten:
    „Je heller das Licht, desto dunkler die Schatten“.

  31. @58 Nachsatz: Auf Trump bezogen ziehe ich den Schluss: Ein Narr tut gut daran, seinen Posten als Possenspieler und Possenreißer, nicht mit dem des Königs zu tauschen. Er ist und wird kaum ein seriöser König, nur weil er ein „seriöser“ Narr sein kann. (Bei Trump bin ich mir jedoch unsicher, ob „seriös“ auf ihn zutrifft).

  32. @54 natürlich liegen Zuschreibungen im Auge des Betrachters !
    sagen viel über den Zuschreiber und natürlich genauso viel über den Kritiker aus…

  33. Gunter Schmidt hat mal (sinngemäß) gemeint, dass, wenn irgend etwas keinen Sinne hat, dies auch Vorteile hätte. Unter anderen den, dass man den Sinn nicht zu suchen brauche. Anders: Welches Motiv sollte ich haben, Beiträge zu posten oder darauf zu verweisen, die ich für idiotisch, langweilig, schlecht gefakt etc. halte? Natürlich „ehre“ ich bevorzugt die Postings, welche ich in irgendeiner Hinsicht für bemerkenswert halte. Wer unter all den sterblichen hienieden das anders macht, der müsste auch sehr spezielle, um nicht zu sagen: verrückte Gründe haben, Ansichten zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit zu verhelfen, der folge seiner Perspektive selbst nicht gut findet. (Die Identitären bspw. freuen sich gerade mächtig darüber, dass sie folge des Bashings preiswert zu prominenter Aufmerksamkeit kommen – welche Stakeholder auch immer daran nun wieder ihre Freude haben mögen.)

    Aufgrund dessen der gruselige, mir zunehmend sympathische Herr Kebsen ein nicht besonders zweckmäßiges Template für seine Zeitung ausgewählt hat, ist diese Produktion … https://kenfm.de/kenfm-ueber-amerikanische-geheimdiensten/ … schon nach wenigen Tagen – leider – kaum noch auffindbar. (Ein konzeptionelles Manko nahezu aller Online-Publikationen, die ich in den letzten 3 Jahren analysiert habe – für wissenschaftliches, bspw. kulturgeschichtliches Arbeiten, systematische Recherche sind nahezu alle Standard-Templates für e-Magazine nicht zu gebrauchen und selbst bei den aufwändigen Eigenentwicklungen in der Liga NZZ wird die Funktion eines Archives mit kuratiertem Content vernachlässigt, auf das Angebot eines wichtigen, alltags-relevanten Kundennutzens verzichtet). Nachdem ich den Beitrag mit dem gruselig klischee-haften Aufmacher „Kann man amerikanischen Geheimdiensten trauen“ auch erst abgetan haben nach dem Motto, „Ja CIA – Gruselgeschichten, das kenn ich doch schon.“… hab ich es mir dann doch zu Gemüte geführt und finde – im Zusammenhang mit Demokratieabbau – da ist trotz des unglücklich gewählten bzw. von den Gebrüdern Coen geborgten Labels mehr als nur Fleißarbeit geleistet worden.

  34. Dass Staatsregierungen sich Spezialbehörden leisten können, denen im Sinne von „Der Zweck heiligt die Mittel“ all das gestattet ist, was die Mafias in den von eine als rechtsfreie Räume okkupierten Zonen praktizieren – das ist kultur- und rechtsgeschichtlich eine der entscheidenden Degenerationen in der Entwicklung des Ethos und der Praxis sog. demokratischer Staatswesen … (und war bis zur Zeit des ersten Weltkrieges auch noch gar keine Selbstverständlichkeit.) Etwas kürzer gesagt: Diese rechtsfrei agierenden „Behörden“ sind Wesensmerkmal für jenen Staatsterrorismus, den Helmut Schmidt als den schlimmsten von allen Formen des Terrorismus eingeordnet hat.

    Um wieder zum Ausgangspunkt zu kommen: klar, liegt die Schönheit im Auge des Betrachters, natürlich können wir – außerhalb speziell gekennzeichneter Rollen mit metakommunikativem Auftrag (Richter, Moderator, Mediator, Facilitator … teils auch Seelsorger etc.) nicht anders als politisch Partei zu ergreifen, Geltungsansprüche mit unserer Rede oder Texterei zu verbinden, Verhalten (statt Personen) inkl. Sprachhandeln zu bewerten – nur … war das je anders? Wie naiv ist die Annahme, irgend jemand könnte außerhalb sozialer Bezugnahmen agieren, wenn doch die alltägliche entwicklungspsychologische Genesis von Persönlichkeit unvermeidlich sozial formatiert ist? Man mag es sich einbilden, unpolitisch sei zu können – niemand, der in einer Gesellschaft lebt und kein, als (als solcher gekennzeichneter) „Gottesnarr“ (zaristisches Russland, Indien), in Vermittler-Rolle, oder im Zustand von akuter Trauer/ temporärem oder chronischem Wahnsinn etc. ist, hat die Möglichkeit dazu. Ein Jeder ist, ob er mag oder nicht, ob er es anerkennen will oder nicht, ganz unvermeidlich politisch – und sei es dadurch, dass er meint, unpolitisch sein zu können, sein zu müssen etc. Selbst die diversen heiligen Klausuren in diversen Wüsteneinöden wurden im Kontext der kriege unter den Exegeten im Nachhinein zum Politikum.

    Drei Jahrzehnte nach der konstruktivistischen Wende, ist diese Narration bzgl. Fake-News, die findige Thinktanker nun findig in den massenmedialen Diskurs eingespeist haben, in aller erster Linie eines: Ausdruck der Geringschätzung dieser Kampagneros bzgl. der intellektuellen Klasse der Adressaten für ihre in Richtung „1984“ zielende hysterische Inszenierung rund um Fake-News. Offenkundig schätzen die Kampagnen-Designer ihr Theaterpublikum für derart infantil ein, dass sie mit einer solchen dramaturgischen Figur – in der Tat zeitgleich aufgekommen mit Publikation der Podesta-Mails – der ausgebuffte Systemiker achtet auf Koinzidenzen, auf „Patterns“ – aufwarten. Meinen Jungs könnte ich derlei nicht mehr „verkaufen“, von wegen das es Leute gäbe, welche völlig unabhängig und jenseits aller interessensbedingten Standpunkte über eine „Wahrheit“ verfügen. Die würden mir das nicht mehr abnehmen, schlicht weil es nicht der gelebten und ab der Pubertät zunehmend reflektierten Alltagserfahrung entspricht. Selbst meine ohnehin erschreckend aufgeweckte Tochter mit ihren 6 Lenzen (ich hab ihr schon öfter erklärt, dass sie laut dem, was in Lehrbüchern der Entwicklungspsychologie steht, noch keine Ironie machen und verstehen kann, weil das den Experten zufolge erst ab dem Alter von ca. 13 Jahren möglich ist. Sie hat Verständnis für diese Ansicht der Experten geäußert, hält sich aber trotzdem nicht daran.) … würde es komisch finden, wenn man eine derart holzschnittartige Narration auffahren würde von Leuten, die quasi im „Besitz“ der Wahrheit wären (am besten noch juristisch verbrieft), während die anderen chronisch schwindeln. Von den Studien, die zeigen, dass der durchschnittliche Abendländler (also alle, nicht nur die Qualitätsjournalisten) ca. 250 mal am Tag lügt, weiß sie nichts – aber intuitiv ist Konstruktivismus ja ohnehin eine unablässig zu machende Erfahrung, muss nicht entdeckt, nicht erfunden sondern nur erinnert werden. Kollege Müller – Vorsicht Menschenskinder, die Auswahl dieses Links ist wieder Ausdruck meiner perfide tendenziösen Auswahl! – zum Thema Enten: https://www.youtube.com/watch?v=2poEE1xy-JU

  35. Ob sich bei diesem Qualitätsmagazin, ja Flaggschiff der ethischen Intelligenz unserer binnenländischen Intelligenzia womöglich so ein kleiner Glenn Greenwald eingeschmuggelt hat? Die fiesen Kreml-Trolle treiben ja inzwischen an Orten ihr Unwesen, wo man es in der guten alten Zeit nicht für möglich gehalten hätte; https://www.youtube.com/watch?v=gvEaFUaQjuE Ohne Qualitätsjournalisten, welchen einem all diese verdächtig komplizierten Zusammenhänge richtig schön ordentlich erklären, ist man doch ziemlich aufgeschmissen. Womöglich soll noch selber denken. Und ob das für die gegenwärtige Form von Demokratie gut ist?

  36. Sie spielen in meinen Augen ein (Ihr) eigenes Spiel mit Ihren Postings. Sie spielen dieses Spiel schon sehr lange. Offensichtlich genießen Sie es, es weitgehend allein zu spielen. Freut mich für Sie.

    Wie sagte einst Heinz von Foerster?

    *sich ausrechnen, mit dem Gesagten andere zu verwirren, die nicht mehr so genau wissen, wovon die Rede ist bis sie sich unterlegen fühlen* (in eigenen Worten; Quelle: Foerster/Poerksen – 2004/S44)

    Genießen Sie es, solange Sie es können und das Schwimmbecken Ihnen dafür zur Verfügung gestellt wird.

  37. @66 wunderhübsch kuschelig-dichte Blase gewünscht ?
    „..Follow, unfollow, subscribe, unsubscribe, block and again: Filterbubbles sind handgefertigt, mit Hilfe digitaler Werkzeuge zwar, aber in höchstindividueller Manufaktur. Und das macht die ganze Angelegenheit viel schwieriger als wären die Blasen made in Silicon Valley oder sonstwo. Die Kunst des Blasenbastelns ist nämlich praktisch identisch mit der Kunst des Informationsmanagements im 21. Jahrhundert. Wer seine Nachrichtenfeeds sortiert, seine Expertenbookmarks sammelt, Menschen und Medien folgt, denen er vertraut, Trolle und Hater blockt, sich Communities sucht, die seinen Interessen entsprechen, der kann sich mit genau den gleichen Handlungen eine wunderhübsch kuschelig-dichte Blase basteln – einfach, in dem er all das übertreibt.

    Auch in der persönlichen Informationsökonomie gilt also Paracelsus’ „Nur die Dosis macht das Gift.“ Und wie bei Alkohol und Netflix-Serien ist das richtige Dosieren ein immer wieder aufs Neue schwieriges Projekt. Die unspektakuläre und unbequeme Lösung lautet: Selbstkontrolle, Selbstkritik, Selbsthinterfragung – was zu dem amüsanten Paradoxon führt, dass man mitunter intern genau das selbst erledigen muss, was man mühsam extern herausgefiltert hat…“
    http://sixtus.net/von-wegen-algorithmen-unsere-filterblasen-sind-pure-handarbeit/

  38. Hat der Hund auf den Teppich gekotzt – der Russe war es.
    Falle die Hilfsaktionen für Syrien wegen Bodennebel ins Wasser – der Russe war es.
    Hat Billy Clinton im Lolita Express einen Aussetzer im Luftloch – d. R. war´s.
    Und natürlich nach so vielen Jahren Politprop gegen die Volksverblödung durch den imperialistischen Klassenfeind, kommt folge scharfsinniger Langzeitbeobachtung die Wahrheit nun auch im Fall meiner Wenigkeit ans Licht. Hoffe, dass ich trotz Enttarnung noch in den Genuss der Auszeichnung als dienstältester Kreml-Troll durch meine heimliche Liebe komme. Was hab ich all die Jahre erleiden müssen! Früher in der guten alten Zeit, als Blogger noch als asozial galten, die Schelte, wenn man mal einen Link gepostet hat. So was macht man doch nicht. Dann hab ich lange Texte, zu lange Texte geschrieben. Zu kurz hat wieder keiner dieser Bildungssystemkrüppel verstanden. Inzwischen hab ich von PR-Profis gelernt, dass auch Erwachsene an ADHS leiden. Wenn man denen nicht vorab etwas hin schmeisst, worüber die sich richtig aufregen können, scroll, scroll, scroll, scrollen sie einfach weiter. Die Aufmerksamkeitsspanne reicht sonst einfach nicht, als dass sie es mal bis zu einer Analyse schaffen. Eigentlich hab ich so ziemlich alles falsch gemacht. Nur … totales Versagen wäre ja immerhin auch eine Art Erfolg. Nicht einmal dazu hat es gereicht. Kaum, dass es mit meinem Selbstbewusstsein zu vereinbaren war, ja es gab auch lobende Erwähnungen. Schlimm! Weil: all das hat ja nichts mit meinen wahren Motiven zu tun. Geld? Bei dem Rubelkurs, vergiss es. Mit Devisen haben die Genossen es nicht so, erkennen den Wert meinen sublimen Unterwanderungstaktiken mangels Muttersprachwitz offenbar nicht an. Und politische Sympathien, naja geht so. Die Technokraten sind so was von verklemmt, da braucht man sich nur den Rodionow ansehen. Als PR-Unfall in Menschengestalt zeugt er von der Geringschätzung der Kremlins für kunstvoll gemachte Propaganda. Die Humorlosigkeit der Putin-Technokraten reicht so weit, dass man sich noch nicht mal über Eddy Snowden so recht von Herzen freuen kann – das Beispiel könnte im KGB Schule machen. Wenn es nun all das nicht ist, weshalb nicht gleich beim richtigen Verein anheuern als Mietmaul, wenn es doch das Geld, die Kunst, die Politik selber gar nicht das Motiv sind? Und ein Motiv muss es natürlich geben. Und was für eines! Ich sage nur zwei Worte: Maria Sacharowa. Was für eine faszinierende Frau! Sehen Sie nur selbst; https://www.youtube.com/watch?v=Q44lWX8S5L4 Ich hoffe, ich schaffe es noch irgendwie hin zu ihr. Und bis es soweit ist, verrichte ich treu meinen Dienst im Namen von Frieden und Völkerverständigung, so wie wir das halt mal gelernt haben in der ersten DDR.

  39. hatte mich eigentlich nur bei ‚Demokratie- Abbau‘ über LIEBSCHT geärgert, weil er ‚Erwachsenen-ADHS’ler‘ diskriminiert hat (bin einer..) und weil er immer so kryptisch und hochgestochen schreibt…….

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