Europäische Leitkultur

Nur zur Erinnerung sei hier noch einmal die von Bassam Tibi gelieferte Definition einer „europäischen“ (!) Leitkultur in Erinnerung gerufen. Mir scheint, dass die ethnozentrischen Klotzköpfe von der AfD (und auch Herr de Maizière) das nicht richtig verstanden haben – und ihre Wähler erst recht nicht. Denn es geht dabei nicht um Nationalismus, sondern um Werte der Moderne (Auszug aus Wikipedia):

„Definition von Bassam Tibi – Der Begriff der „europäischen Leitkultur“

1996 veröffentlichte Bassam Tibi in der Beilage Aus Politik und Zeitgeschichte der Wochenzeitung Das Parlament der Bundeszentrale für politische Bildung seinen Beitrag Multikultureller Werte-Relativismus und Werte-Verlust. Für Tibi basiert die europäische Leitkultur auf westlich-liberalen Wertevorstellungen: „Die Werte für die erwünschte Leitkultur müssen der kulturellen Moderne entspringen, und sie heißen: Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft.“ wie er in seinem 1998 veröffentlichtem Buch Europa ohne Identität? Die Krise der multikulturellen Gesellschaft schrieb.[1]

Die Notwendigkeit einer Leitkultur in Deutschland begründet Tibi damit, dass hier Identität durch Ethnizität definiert sei und dass Deutschland als Kulturnation Einwanderern keine Identität bieten könne. Wenn die Deutschen die Einwanderer in ihre Kulturnation integrieren wollten, müssten sie eine Leitkultur definieren: „Zu jeder Identität gehört eine Leitkultur!“[2]

Für Tibi ist eine Leitkultur im Sinne eines Wertekonsenses als Klammer zwischen Deutschen und Migranten unerlässlich. In anderen Demokratien sei es selbstverständlich, dass ein Konsens über Werte und Normen als Klammer zwischen den im Gemeinwesen lebenden Menschen, unabhängig von ihrer Religion, Ethnie oder Ursprungskultur, nötig sei.[2] Er will sein Konzept nicht als deutsche Leitkultur missverstanden sehen. Vielmehr müsse die Leitkultur der Integration für Deutschland betont europäisch sein.[3]

2001 warnte Tibi, ein Europa als „Multi-Kulti-Sammelwohngebiet ohne eigene Identität“ drohe zu einem „Schauplatz für ethnische Konflikte und für religiös gefärbte, politisch-soziale Auseinandersetzungen zwischen Fundamentalismen“ zu werden, da einige Islamisten glaubten, Europa islamisieren zu können. Um einen tatsächlichen Kulturpluralismus zu ermöglichen, sei eine verbindliche europäische Leitkultur nötig, als die Tibi die kulturelle Moderne mit ihrer Verwurzelung in Aufklärung, Säkularisierung und Toleranz bezeichnet.[4]

Tibis Begriff Europäische Leitkultur bezeichnet einen Wertekonsens basierend auf den Werten der „kulturellen Moderne“ (Jürgen Habermas) und beinhaltet:

Vorrang der Vernunft vor religiöser Offenbarung,
Demokratie, die auf der Trennung von Religion und Politik basiert,
Pluralismus und
Toleranz

Im Rahmen der Debatte über Integration von Migranten in Deutschland regte Bassam Tibi an, eine solche Europäische Leitkultur für Deutschland zu entwickeln. Er sprach sich für Kulturpluralismus mit Wertekonsens, gegen wertebeliebigen Multikulturalismus und gegen Parallelgesellschaften aus. Er stellte „Einwanderung“ (gesteuert, geordnet) gegen „Zuwanderung“ (wildwüchsig, einschließlich illegaler Migration und Menschenschmuggels). In der sich anschließenden Debatte tauchten auch Begriffe wie „Westliche Leitkultur“, „Christliche Leitkultur“, oder „Freiheitlich-Demokratische Leitkultur“ auf.“

228 Gedanken zu “Europäische Leitkultur

  1. Die Avantgarde für Deutschland kann sich damit weitgehend identifizieren.

    (Ich kenne bisher allerdings leider wenige in anderen Parteien, die dies schon kapiert haben….)

  2. @1: Dann sind Sie wohl in der falschen Partei, denn von Ethnozentrismus spricht Tibi bestimmt nicht, und als europäischer Muslim zeigt er auch keine antiislamische Tendenzen, sondern sorgt sich um die Integration von Migranten …

  3. http://www.taz.de/!5317021/

    Tibi ist uneingeschränkt zuzustimmen. Ich habe sowohl sein Buch „Europa ohne Identität?: Europäisierung oder Islamisierung“ gelesen als auch seine langen Interviews auf Kenfm gesehen.

    Sie scheinen die AFD nicht im Geringsten zu kennen. Kein Wunder, wer in dieser Richtung nur agitiert und nur Publikationen liest, die zuverlässig die eigenen Vorurteile bedienen……..

  4. „[Die] Herausforderung (…) betrifft nicht den Umgang mit den Fremden, sondern den Umgang mit dem Eigenen. Unser Selbstverständnis steht auf dem Spiel. Die Beschwichtiger verkennen die Radikalität der AfD, sehr weit könnten auch sie ihr nicht entgegenkommen, es sei denn, sie billigten einen Umsturz der Gesellschaft. Gerade wenn man bereit wäre, die Partei und ihre Anhänger ernst zu nehmen, sogar wenn man ihre gelegentlich rechtsradikalen Entgleisungen ausblendete, müsste es einen noch immer vor der Konsequenz ihrer Vorstellungen grausen.

    Das zu erkennen, genügen zwei Sätze aus dem Parteiprogramm. Dort heißt es: „Die Ideologie des Multikulturalismus, die importierte kulturelle Strömungen auf geschichtsblinde Weise der einheimischen Kultur gleichstellt und deren Werte damit zutiefst relativiert, betrachtet die AfD als ernste Bedrohung für den sozialen Frieden und für den Fortbestand der Nation als kulturelle Einheit. Ihr gegenüber müssen der Staat und die Zivilgesellschaft die deutsche kulturelle Identität als Leitkultur selbstbewusst verteidigen.“

    http://www.zeit.de/2016/40/afd-kulturelle-einheit-deutsche-lebensweise-bedrohung

  5. @ 4: Fortsetzung des ZEIT-Artikels: „Wenn es nur darum ginge, Verstöße gegen unsere Rechtsordnung auszuschließen, für deren Ahndung Polizei und Strafjustiz bereitstehen – wozu dann der Begriff der Kultur?

    Aber heimlich war natürlich immer viel mehr gemeint: Sitten, Lebensweisen, Traditionen, Brauchtum und Gewohnheiten. Und wer wollte bestreiten, dass es solche in einer Bevölkerung gibt? Das Gift kommt in den Begriff durch die Vorstellung, dass diese Gewohnheiten oder einige von ihnen als leitend gedacht werden sollen. Damit stellt sich sofort die Frage: Welche sollten das sein? Das Oktoberfest oder das philharmonische Konzert? Pop oder Klassik? Die Schweinshaxe oder das vegetarische Haselnussbratlett? Die Mutter am Herd oder die Karrierefrau? Der Fußballer oder der Nerd in der Bibliothek? Ganz allgemein: Bildung oder Bildungshass? Fernsehen oder Buch? Oder fataler: Religion oder Atheismus?

    Die Wahrheit über unsere Gesellschaft heißt: Es gibt keine faktisch leitende Kultur. Es gibt noch nicht einmal leitende Tischsitten. Deutsch ist es ebenso sehr, mit Fingern vom Pappteller zu essen wie mit Silberbesteck von Meißener Porzellan. Zu den Kulturen im engeren Sinne kommen die dramatisch verschiedenen Herkunfts- und Erziehungswelten. Gehört der Blazer zur Leitkultur oder die Jogginghose? Spricht man Dialekt oder Hochsprache? Steht man auf, wenn eine Dame an den Tisch tritt? Wo lässt sich überhaupt der Begriff der Dame noch verwenden? Es gibt die Milieus, die antiquiert genug dafür sind – ebenso wie jene, in denen die bourgeoisen Relikte gehasst werden. Und übrigens: Auch das christliche Abendland wimmelt von Atheisten, auch diese blicken auf eine vielhundertjährige Tradition zurück. „

  6. @ 4: Ein weiterer Gedanke: „Wozu die Erfinder des Leitkulturbegriffs seinerzeit zu feige oder zu faul waren, hat die AfD nun präzisiert. Man sieht sogleich die gewaltige Sprengkraft, die in jeder einzelnen Facette der Definition steckt. „Die Ideologie des Multikulturalismus“ – schon diese erste Formulierung setzt zum Angriff an. Denn der Multikulturalismus, mag man ihn mögen oder nicht, ist gerade keine Ideologie (mehr), er ist Realität. Indem man ihn aber als These deklariert, also als etwas, was sich auch verwerfen lässt, gibt man zu verstehen, dass auch die Realität gegebenenfalls verworfen werden kann oder muss. Die Brutalität, die dazu nötig wäre, muss man sich ausmalen, um sich von der Trockenheit des Textes nicht täuschen zu lassen.

    Von dieser vorgeblichen Ideologie (der sozialen Realität) behauptet die AfD weiter, dass sie „importierte kulturelle Strömungen auf geschichtsblinde Weise der einheimischen Kultur gleichstellt und deren Werte damit zutiefst relativiert“. Die Relativierung ist richtig gesehen, sie ist ja auch der Kern der Wut. Von Geschichtsblindheit kann indes keine Rede sein. Seit Jahrhunderten sind gesellschaftliche Strömungen importiert worden, man denke nur an französische Sitten und Ideen im 18. oder englische Sitten und Denkstile im 19. Jahrhundert. Sie sind der einheimischen Kultur nicht nur gleichgestellt, sondern übergeordnet worden. Ohne sie ist die kulturelle Physiognomie Deutschlands, auch in einem nostalgischen Sinne, gar nicht denkbar; von dem Import des Lateinischen und des Christentums Jahrhunderte zuvor ganz zu schweigen. (Davon spricht das Parteiprogramm sogar an anderer Stelle; aber eins und eins zusammenzählen kann oder will es nicht.) „

  7. @ 4: Fazit des ZEIT-Artikels: „Wer hier die Drohung nicht heraushört, kann gar nicht lesen – oder muss sich ersatzweise an Frauke Petrys Raunen vom „Völkischen“ oder an andere rechtsradikale Entgleisungen halten, die im Lichte des Parteiprogramms eben keine Entgleisungen, sondern inhaltliche Bestimmungen sind. Die „deutsche kulturelle Identität“ ist jedenfalls nicht als Beschreibung eines Zustandes denkbar, sondern nur als Kampfziel – als kulturelle Gleichschaltung für den sozialen Frieden. (…)
    Dem Entgegenkommen sind Grenzen gesetzt. Eine Politik, die sich exklusiv der Verdächtigung einer Bevölkerungsgruppe verschrieben hat, stellt den Rechtsstaat infrage. Insofern gilt die Kampfansage der AfD auch hierin nicht den Flüchtlingen allein, sondern der ganzen Republik.“

  8. Das Ziel lautet: Integration in den Arbeitsmarkt.
    Das Ziel lautet nicht: kulturelle Assimilation und Übertritt zum Christentum.

    Durch die Integration in den Arbeitsmarkt entstehen auch kulturelle Integrationsprozesse: Entwicklung von sprachlichen Verständigungsmöglichkeiten, Gewöhnung an arbeits- und geschäftsmäßige Kleidung, Kenntnis der rechtlichen und bürokratischen Erfordernisse sowie des ortstypischen Brauchtums (u.a. Feiertage).

    Wer auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sein möchte, wird sich um kulturelle Integration bemühen. Die Hartz-IV-Reformen haben mit dem Grundsatz des „Forderns und Förderns“ versucht, die Arbeitsmotivation zu stärken und die Bildungsvoraussetzungen für eine stärkere Integration in den Arbeitsmarkt zu fördern. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Nach zehn Jahren sind es noch immer überwiegend Ausländer und eingedeutsche Ausländer, die von Staatsgeld leben. Besonders findig beim Umgehen von Eingliederungsmaßnahmen sind die Türken, die mit vielfältigen Tricks vorgehen.

    Im März gab es dazu in diesem Blog eine rege Diskussion. Unvergessen die diesbezügliche „Frage“ von Jutta Peyn im Juli 2016 mit mehr als 200 Kommentaren.

  9. Da die „europäische Leitkultur“ mit den bürgerlichen Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität zusammenhängt und somit auch politische Positionen im Sinne einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung festlegt, hier eine ausführliche Stellungnahme der Bundesregierung zur türkischen Musikgruppe „Grup Yorum“, die zeigt, wie viel schärfer die politischen Auseinandersetzungen um kulturelle Werte in der Türkei geführt wird und was Deutschland blühen könnte, wenn rechtspopulistische Forderungen von der künftigen Bundesregierung im vorauseilenden Gehorsam umgesetzt werden würden (z.B. CSU-Obergrenze): http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/130/1813098.pdf

  10. „Es sind die kulturrelativistischen und nihilistischen Linksgrünen und die Diaspora-Islamisten, die zwar Zuflucht in Europa suchen und finden, zugleich aber den Kontinent islamisieren wollen. Die Linken sind Kulturnihilisten und ihre unausgesprochenen Verbündeten, die Islamisten, sind religiöse Absolutisten. Wie passt dies zusammen?“
    Bassam Tibi

  11. „In seinem 2005 erschienenen und 2007 erweiterten Werk „Mit dem Kopftuch nach Europa?“ markiert Bassam Tibi deutliche Vorbehalte gegenüber einem EU-Beitritt der Türkei, die er in der gegenwärtigen Verfassung unter AKP-Führung nicht auf dem Weg in die europäische Wertegemeinschaft sieht. Die mit deutlicher Mehrheit im türkischen Parlament vertretene Partei von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan werde von ihren führenden Repräsentanten zwar als islamisch-konservativ dargestellt, verfolge aber in Wirklichkeit islamistische Ziele. Ein Beleg dafür sei die zunehmende Uniformierung der Frauen unter dem Kopftuch, das nicht mehr vorrangig überkommenes Volksbrauchtum ausdrücke, sondern immer mehr als islamistisches Zugehörigkeitsbekenntnis propagiert und eingefordert werde. Außerdem fördere Erdoğans Regierung İmam-Hatip-Schulen als Konkurrenz zu den kemalistisch-laizistischen staatlichen Schulen. Beide Ansätze würden auch in die türkischen Migrantengemeinden insbesondere in Deutschland exportiert und förderten dort die Ausbildung islamistisch geprägter Parallelgesellschaften, die die Scharia (Gottesgesetz) über das jeweilige staatliche Recht stellten. Mit einem Beitritt der Türkei in die EU unter den gegenwärtigen Voraussetzungen verbindet sich daher für Tibi die Gefahr eines Marsches verkappter Islamisten durch die europäischen Institutionen. Diesem Islamismus hätten die Altmitglieder wegen ihrer multikulturellen Ausrichtung und des zu weit gefassten Toleranzbegriffs wenig entgegenzusetzen. Allerdings lehnt Tibi eine künftige EU-Mitgliedschaft der Türkei nicht rundweg ab. Sein Prüfkriterium ist die vollständige Integration und Akzeptanz türkischer Migranten in Deutschland. Zu deren Gelingen müssten beide Seiten mit vereinten Kräften beitragen, indem sie sich von ihrer bisherigen Linie lösen: zum einen die einstweilen fahrlässig uninteressierte deutsche Zivilgesellschaft, zum anderen die ihrerseits noch wenig konstruktiv handelnden politisch und sozial gestaltenden Kräfte in der Türkei. Scharia-Islam und Kopftuch-Uniformierung jedenfalls sind für Tibi geradezu Gegenindikatoren des anzustrebenden Integrationsprozesses. Im Gelingensfall wäre der Integrationsprozess nach Tibi aber sehr wohl geeignet zu zeigen, dass die Türkei für Europa die ihr bisher nur zugedachte Brückenfunktion zu anderen islamisch geprägten Gesellschaften ausüben könnte. Dies wird sich aber wohl erst in einem längeren als dem jetzt für den Beitrittsprozess anvisierten Zeitraum erweisen können, schon weil Tibi einstweilen eher hinderliche Tendenzen erkennt und aufzeigt.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Bassam_Tibi

  12. Nicht bloß um „Werte“ geht es, sondern um „Rechte“: „Die türkische Regierung hat seit dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 den Rechtsstaat immer weiter geschleift. 50.000 Menschen wurden als vermeintliche Putschisten oder Terroristen verhaftet, etwa 1500 NGOs geschlossen.

    Nun erreicht die Repression eine neue Dimension. Unter den Workshop-Teilnehmern, die am 5. Juli festgesetzt wurden, befinden sich einige der wichtigsten Menschenrechtsaktivisten der Türkei: Idil Eser, die Direktorin von Amnesty International in der Türkei, Özlem Dalkiran, Mitgründerin von Helsinki Citizens Assembly, die Frauenrechtlerin Ilknür Üstün.“

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-deutscher-menschenrechtler-peter-steudtner-muss-in-haft-a-1158364.html

  13. Zur Erinnerung die zehn Thesen zur Leitkultur von Bundesinnenminister Thomas de Maizière:
    1) Wir legen Wert auf einige soziale Gewohnheiten, nicht weil sie Inhalt, sondern weil sie Ausdruck einer bestimmten Haltung sind: Wir sagen unseren Namen. Wir geben uns zur Begrüßung die Hand. Bei Demonstrationen haben wir ein Vermummungsverbot. „Gesicht zeigen“ – das ist Ausdruck unseres demokratischen Miteinanders. Im Alltag ist es für uns von Bedeutung, ob wir bei unseren Gesprächspartnern in ein freundliches oder ein trauriges Gesicht blicken. Wir sind eine offene Gesellschaft. Wir zeigen unser Gesicht. Wir sind nicht Burka.
    2) Wir sehen Bildung und Erziehung als Wert und nicht allein als Instrument. Schüler lernen – manchmal zu ihrem Unverständnis – auch das, was sie im späteren Berufsleben wenig brauchen. Einige fordern daher, Schule solle stärker auf spätere Berufe vorbereiten. Das entspricht aber nicht unserem Verständnis von Bildung. Allgemeinbildung hat einen Wert für sich. Dieses Bewusstsein prägt unser Land.
    3) Wir sehen Leistung als etwas an, auf das jeder Einzelne stolz sein kann. Überall: Im Sport, in der Gesellschaft, in der Wissenschaft, in der Politik oder in der Wirtschaft. Wir fordern Leistung. Leistung und Qualität bringen Wohlstand. Der Leistungsgedanke hat unser Land stark gemacht. Wir leisten auch Hilfe, haben soziale Sicherungssysteme und bieten Menschen, die Hilfe brauchen, die Hilfe der Gesellschaft an. Als Land wollen wir uns das leisten und als Land können wir uns das leisten. Auch auf diese Leistung sind wir stolz.
    4) Wir sind Erben unserer Geschichte, mit all ihren Höhen und Tiefen. Unsere Vergangenheit prägt unsere Gegenwart und unsere Kultur. Wir sind Erben unserer deutschen Geschichte. Für uns ist sie ein Ringen um die Deutsche Einheit in Freiheit und Frieden mit unseren Nachbarn, das Zusammenwachsen der Länder zu einem föderalen Staat, das Ringen um Freiheit und das Bekenntnis zu den tiefsten Tiefen unserer Geschichte. Dazu gehört auch ein besonderes Verhältnis zum Existenzrecht Israels.
    5) Wir sind Kulturnation. Kaum ein Land ist so geprägt von Kultur und Philosophie wie Deutschland. Deutschland hat großen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung der ganzen Welt genommen. Bach und Goethe „gehören“ der ganzen Welt und waren Deutsche. Wir haben unser eigenes Verständnis vom Stellenwert der Kultur in unserer Gesellschaft. Es ist selbstverständlich, dass bei einem politischen Festakt oder bei einem Schuljubiläum Musik gespielt wird. Bei der Eröffnung eines großen Konzerthauses sind – wie selbstverständlich – Bundespräsident, Vertreter aus Regierung, Parlament, Rechtsprechung und Gesellschaft vor Ort. Kaum ein Land hat zudem so viele Theater pro Einwohner wie Deutschland. Jeder Landkreis ist stolz auf seine Musikschule. Kultur in einem weiten Sinne, unser Blick darauf und das, was wir dafür tun, auch das gehört zu uns.
    6) In unserem Land ist Religion Kitt und nicht Keil der Gesellschaft. Dafür stehen in unserem Land die Kirchen mit ihrem unermüdlichen Einsatz für die Gesellschaft. Sie stehen für diesen Kitt – sie verbinden Menschen, nicht nur im Glauben, sondern auch im täglichen Leben, in Kitas und Schulen, in Altenheimen und aktiver Gemeindearbeit. Ein solcher Kitt für unsere Gesellschaft entsteht in der christlichen Kirche, in der Synagoge und in der Moschee. Wir erinnern in diesem Jahr an 500 Jahre Reformation. Für die Trennung der christlichen Kirchen hat Europa, hat Deutschland einen hohen Preis gezahlt. Mit Kriegen und jahrhundertelangen Auseinandersetzungen. Deutschland ist von einem besonderen Staat-Kirchen-Verhältnis geprägt. Unser Staat ist weltanschaulich neutral, aber den Kirchen und Religionsgemeinschaften freundlich zugewandt. Kirchliche Feiertage prägen den Rhythmus unserer Jahre. Kirchtürme prägen unsere Landschaft. Unser Land ist christlich geprägt. Wir leben im religiösen Frieden. Und die Grundlage dafür ist der unbedingte Vorrang des Rechts über alle religiösen Regeln im staatlichen und gesellschaftlichen Zusammenleben.
    7) Wir haben in unserem Land eine Zivilkultur bei der Regelung von Konflikten. Der Kompromiss ist konstitutiv für die Demokratie und unser Land. Vielleicht sind wir stärker eine Konsens orientierte Gesellschaft als andere Gesellschaften des Westens. Zum Mehrheitsprinzip gehört der Minderheitenschutz. Wir stören uns daran, dass da einiges ins Rutschen geraten ist. Für uns sind Respekt und Toleranz wichtig. Wir akzeptieren unterschiedliche Lebensformen und wer dies ablehnt, stellt sich außerhalb eines großen Konsenses. Gewalt wird weder bei Demonstrationen noch an anderer Stelle gesellschaftlich akzeptiert. Wir verknüpfen Vorstellungen von Ehre nicht mit Gewalt.
    8) Wir sind aufgeklärte Patrioten. Ein aufgeklärter Patriot liebt sein Land und hasst nicht andere. Auch wir Deutschen können es sein. „Und weil wir dies Land verbessern, lieben und beschirmen wir’s. Und das Liebste mag’s uns scheinen, so wie andern Völkern ihr‘s“, so heißt es in der Kinderhymne von Bert Brecht. Ja, wir hatten Probleme mit unserem Patriotismus. Mal wurde er zum Nationalismus, mal trauten sich viele nicht, sich zu Deutschland zu bekennen. All das ist vorbei, vor allem in der jüngeren Generation. Unsere Nationalfahne und unsere Nationalhymne sind selbstverständlicher Teil unseres Patriotismus: Einigkeit und Recht und Freiheit.
    9) Unser Land hatte viele Zäsuren zu bewältigen. Einige davon waren mit Grundentscheidungen verbunden. Eine der wichtigsten lautet: Wir sind Teil des Westens. Kulturell, geistig und politisch. Die NATO schützt unsere Freiheit. Sie verbindet uns mit den USA, unserem wichtigsten außereuropäischen Freund und Partner. Als Deutsche sind wir immer auch Europäer. Deutsche Interessen sind oft am besten durch Europa zu vertreten und zu verwirklichen. Umgekehrt wird Europa ohne ein starkes Deutschland nicht gedeihen. Wir sind vielleicht das europäischste Land in Europa – kein Land hat mehr Nachbarn als Deutschland. Die geographische Mittellage hat uns über Jahrhunderte mit unseren Nachbarn geformt, früher im Schwierigen, jetzt im Guten. Das prägt unser Denken und unsere Politik.
    10) Wir haben ein gemeinsames kollektives Gedächtnis für Orte und Erinnerungen. Das Brandenburger Tor und der 9. November sind zum Beispiel ein Teil solcher kollektiven Erinnerungen. Oder auch der Gewinn der Fußballweltmeisterschaften. Regionales kommt hinzu: Karneval, Volksfeste. Die heimatliche Verwurzelung, die Marktplätze unserer Städte. Die Verbundenheit mit Orten, Gerüchen und Traditionen. Landsmannschaftliche Mentalitäten, die am Klang der Sprache jeder erkennt, gehören zu uns und prägen unser Land.“
    http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Interviews/DE/2017/05/namensartikel-bild.html

  14. @8: Muss man verstehen, Lothar.
    Sie leben halt in ihrer fiktionalen Wirklichkeit.

    Ich denke, das wird auch so bleiben. Nur holen sie halt damit keinen Wähler mehr zurück……….

  15. Genauso in den USA:
    „Antirussische Verschwörungstheorien bringen US-Demokraten keine Wähler zurück

    Um politisch zu überleben, muss sich die Demokratische Partei in den USA neu erfinden. Ihre bisherige Strategie gegen Trump hat versagt. Russophobie zieht nicht. Das Volk nimmt die Demokraten als abgehoben wahr, für die wahren Probleme des Landes haben sie keinen Blick.

    von Rainer Rupp.

    Nach der desaströsen Niederlage Hillary Clintons bei den US-Präsidentschaftswahlen im November 2016 hat die politische Führung der Demokratischen Partei geglaubt, mit der so genannten Russland-Affäre ein goldenes Dauerticket in der Hand zu haben. Dieses soll helfen, Präsident Trump zu delegitimieren, die Republikanische Partei in die Defensive zu drängen und im Senat und Repräsentantenhaus die Macht zurückzuerobern.

    Inzwischen aber wird zunehmend deutlich, dass das ständige Geschrei der Politiker von wegen „die Russen waren’s“ nichts mehr bringt. Die breite Öffentlichkeit ist davon längst übersättigt. Nur noch fanatisierte Anhänger der Demokraten, die sich als Linke verstehen und glauben, ihr Land vor dem Zerstörer Trump retten zu müssen, lassen sich zu immer engstirnigeren und brutaleren Gewaltaktionen hinreißen, was natürlich auf das Image der Demokraten zurückfällt – auch wenn diese sich selbst gerne als liberal und tolerant darstellen.“

  16. @ 15:
    Wenn man einmal nicht aufpasst. Ich hab dem Pumuckl gezeigt, wie man am Computer Texte kopiert und nachdem er heute morgen den Namen Bassam Tibi aufgeschnappt hat … naja.
    Aber jetzt habe ich selbst noch ein wenig nachgeschaut unter Bassam Tibi und man wundert sich ja, dass der das alles veröffentlichen darf:

    „Ich weigere mich, zu schweigen
    In Deutschland zwingen Politiker und Medien die Bevölkerung, ein Narrativ von einer Willkommenskultur zu übernehmen, wonach 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Nahost und Afrika ein Segen für Europa seien.“
    „Es wird in Göttingen, wie überall in Deutschland, mehr Kopftuch-Islam und mehr aggressive jugendliche Cliquen geben.“

    Den ganzen Artikel, in dem Bassam Tibi über seine eigene Exkommunikation seitens unserer Qualitätsmedien, die Rolle des „Demokraten“ Jürgen Trittin und seine Ansichten zur Schweigespirale in Deutschland schreibt, kann man hier lesen:
    http://bazonline.ch/ausland/ich-weigere-mich-zu-schweigen/story/15417039

  17. @ 20: Das Beispiel Trump zeigt, dass es auch bei diesem scheinbar kulturellen Thema wieder mal bloß ums Geld geht: Die sich bedroht fühlende Mittelschicht soll vor ausländischen Kostgängern („mexikanischen Schmarotzern“) geschützt werden. Die Integration von (zu vielen) Ausländern in den Arbeitsmarkt, die einst als Neo-Feudalisierung und Aufwertung der einheimischen Unterschicht begrüßt wurde, führt bei einheimischen Hartz-IV-Empfängern zu Unmut, weil die Ausländer viel dreister sind, wenn es darum geht, sich ihnen gegenüber Vorteile zu verschaffen und sich den Sanktionen zu entziehen.
    Wie mit Blick auf die türkischen Zustände gesagt: Auch Deutschland könnte eine viel schärfere Konfrontation drohen, wenn die Rechtspopulisten in den Bundestag einziehen würden und wenn die CSU den Steigbügelhalter für rechtspopulistische Maßnahmen spielen würde.

  18. @ 21: Bassam Tibi braucht nicht zu schweigen – er kann hier schreiben. Sicherlich ist es richtig, auf die massiven Probleme bei der Aufnahme der 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Nahost und Afrika hinzuweisen. Das dient dazu, diese Probleme zu meistern. Doch es sollte nicht als Argument missbraucht werden, dass diese Millionen von Flüchtlingen jetzt abgeschoben werden müssen (oder was sich die AfD sonst herbeisehnt, z.B. nach den Empfehlungen von Trumps Bettlektüre).

  19. Lothar, Lothar, das bringt doch nichts.

    Wenn du was über den Islam, Migration, Integration lernen willst, dann darfst du doch nicht solche Leute wie Tibi, HAMED ABDEL-SAMAD oder z.B. den Integrationspreisträger Imad Karim u.v.a. ….. fragen

    Wende dich schlicht und einfach an Herrn Santak und unseren schlauen Fritz, die haben es ganz genau in der ZEIT gelesen und sie haben es einfach im URIN, wie alles zu sein hat ……….

    Und für ihr GEFÜHL ist es ja auch so. Ganz genau so…….
    (Lass sie doch mal in Ruhe………)

  20. „Denn die Zuwanderung von Menschen, die keinerlei berufliche Qualifikation haben, bildet eine Dauerbelastung für jeden Sozialstaat.
    Jedes Sozialsystem erfordert Selbstbehauptung
    Zusätzlich zum nationalen Interesse besteht der Bedarf nach einer Politik der Begrenzung sowohl von Zuwanderung als auch von Asyl aus Kapazitätsgründen. 2015 gab es nach Angaben des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) 58 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind. Im Jahr 2016 ist die Zahl sprunghaft auf 65 Millionen angestiegen. Dieser steigende Trend wird auch in den folgenden Jahren zu verzeichnen sein. In der ersten Oktoberwoche 2016 hat Amnesty International einen Anklagebericht gegen „reiche Länder“ veröffentlicht, die nicht bereit sind, diese Flüchtlinge unbegrenzt aufzunehmen. Das ist reiner Wahnsinn. Jeder Mensch, der ein wenig Ahnung von sozialen Systemen hat, muss doch wissen, dass jedes soziale System „self-maintenance“, also Selbstbehauptung zur weiteren Existenz erfordert. In der Neuausgabe meines Buches „Europa ohne Identität?“ argumentiere ich in dem ergänzten Kapitel „Europäisierung oder Islamisierung“, dass Europa bei der Aufnahme von 65 Million Flüchtlingen aus Nahost und Afrika nicht mehr als zivilisatorische Entität existieren würde. Diese Tatsache muss man frei aussprechen dürfen.“
    Bassam Tibi

  21. Können wir jetzt schnell mal das Thema wechseln, bitte.
    Wir sind doch vor einer Wahl…….

  22. @19: „Sie leben halt in ihrer fiktionalen Wirklichkeit.“
    Unabhängig davon, welche Position vertreten wird (links, rechts, oben, unten, hinten, vorne, …), markieren solche Sätze den Anspruch, dass es eine unverrückbare Wirklichkeit gibt und man selbst den Zugang dazu hätte – dies stellt für mich ein Merkmal von Dogmatismus und Fundamentalismus dar, die beide verneinen, dass die vermeintlich andere Seite konstituierend für die Definition des eigenen Status ist.
    Zudem wird Wahrheit oder Wirklichkeit konstruiert, welche die einen einschließt und die anderen ausschließt. Eine Diskussion mit den Ausgeschlossenen wird dadurch unnötig…

    Viel charmanter und zugänglicher wäre für mich:
    „Wir leben halt alle in unserer fiktionalen Wirklichkeit.“
    Die andere Variante ist die von dummen Leuten, die sich für gescheit halten.

  23. @ 27: Schorndorf ist keine konstruierte Wirklichkeit. Wenn das Brot 3,20 kostet, dann kostet es 3,20, auch für Herrn Glasersfeld.

  24. Tatsächlich? Die Tatsache, dass das Brot 3,20 € kostet ist also gottgegeben?
    Dann muss sich ja auch niemand aufregen…

    „We construct the reality that constructs us.“ (E. Morin)

  25. Nein, aber die Sichtweise von Herrn Gerstner oder Herrn v. Glasersfeld ändert nichts am Preis.

  26. @ 34: Bei Tibi und bei Georgy et al. geht es um die Sichtweise auf die Wirklichkeit, deren Deutung und die politischen Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden.

    Beim dritten Schritt wird es spannend: Einfache Lösung mit einmaligem Aufwand nach dem Vorbild von Erdogan, Hitler, Stalin, Mao und anderen: Liquidation; oder Schritt-für-Schritt-Lösung mit langfristigem Aufwand: Integration.

  27. @37: Gern geschehen. Es ist schon bemerkenswert, wer wie die Hoheit über die Festlegung beansprucht, was denn nun wirklich ist…
    Ebenso bemerkenswert scheint mir, wer sich wie vor den Karren @19 spannt. Ich dachte, der Beitrag war von jemand anderem. Aber nix für ungut.

  28. @39: Auch das ist mir Jacke wie Hose. Die Parteizugehörigkeit qualifiziert noch lange nicht hinreichend für Dummheit.
    Die Verteidigung von haltlosen Ansprüchen auf die Definition „was wirklich wirklich“ ist hingegen schon. Aber wirklich!

  29. @ 39, 40: „Man muss sich schon ganz schön viel Mist anhören, bevor einem die Ohren abfallen“ (Pippi Langstrumpf)

  30. @41: Fällt Ihnen eigentlich auf, inwieweit Sie den eigentlichen Kern meiner Aussage ignorieren? Ihnen ist schon klar, dass Fanatiker dasselbe tun? Echt, jetzt!

  31. @ 43: Mir fällt auf, dass Sie was an mir abarbeiten wollen. Das ist mein Beruf. Aber ich habe noch andere Patienten und hoffe auf Ihr Verständnis.

  32. @44: Mitnichten. Ich hatte Sie gar nicht angesprochen. @19 war der Kommentar. Lustig, dass Sie meinten, auf den Zug aufspringen zu müssen. Beruf hin oder her… woher kommt das jetzt eigentlich? :*

  33. Vorschlag: Anstatt des ewigen Streits am Gartenzaun, könnten doch einfach Kochrezepte gepostet werden.

    Auf Schweinebraten mit Semmelknödel und Rotkraut folgt das Tofu-Kichererbsen-Wrap mit griechischem Bauernsalat. Daraufhin wird ein Wiener Schnitzel-Rezept präsentiert, das jemand anderer mit frittiertem Kibbeh kontert. Gewitzte bringen Vor- und Nachspeisen ein, der Kaiserschmarrn wird mit Baklava beantwortet, der Götterspeise mit Syrischem Zitronenkuchen die Tür verwiesen.

    „Zitronenlanguste!“
    „Königinnenpastete!“
    „Nein, Nasali!“

    Und natürlich könnte man damit drohen, dass es nur noch Mehlbeutel gibt oder Mezze.

  34. @46, 47: Das erscheint mir doch als gute Grundlage für einen Dialog auf Augenhöhe. Zweimal „wir“-Bezug und Infragestellung des Kommunikationsmodus. So läuft das dann auch wirklich… Also, ich meine realistisch betrachtet…

  35. Ich nehm einmal die Nazikeule medium mit brauner Soße und Glasersfeldnudeln.
    Als Beobachter soundsovielter Ordnung fällt mir aber was auf, das ich schon vor ichweißnichtmehrwievielen Jahren bei den Ericksonianern gelernt habe: Defokussierung. Passiert hier seit Stunden. Spricht man in einer Therapiesitzung ein unbequemes Thema an, fängt das Gegenüber plötzlich an, von Tante Ernas gebrochenem Arm zu erzählen.
    Oder man redet über Bassam Tibi, da reißt einer die Tür auf und erzählt was vom Glasersfeld. So geht das. Spitz pass auf!

  36. Die Idee mit der systemischen Kochgruppe gab es schonmal vor ca. 4 Jahren. Da hat hier mann/ frau sich noch über Basisunterscheidungen gezofft. Ich finde die Idee immer noch gut. Bei dieser ganzen Ernsthaftigkeit bzgl. des Untergangs/Nicht-Untergangs des Abendlandes bekommt man ja noch ein Magengeschwür.

  37. @50: Ich kann mich nicht erinnern, von Herrn von Glasersfeld gesprochen zu haben. Immer schön achtsam bleiben.

  38. @50, 51, vor allem, weil sich das inhaltlich nicht nur immer wieder selbstähnlich auflegt, sondern auch rhetorisch. Für jedes Rezept als Nachtisch einen der Schopenhauer’schen Kunstgriffe, und die Sache hat eine Chance, interessanter zu werden. Wobei man es natürlich wie einer meiner Workshoppers halten kann: „Kunstgriff 38 gefällt mir am besten“. Das ist dann für diejenigen, die täglich Frikadellen und Kartoffelsalat mit Schokopudding zum Nachtisch mögen.
    Wobei mir einfällt: An der Ausfahrt der Autobahn Soltau fand man früher ein großes Schild vor der Campingplatz-Raststätte: „Kaffee, Kuchen, Pizza: Internationale Küche“ 😀

  39. @ 48 und 53: Liebe Gitta, warum nicht auch mal gemeinsam kochen, grillen und chillen – auf der Neckarwiese in Heidelberg! Dabei könnte sich herausstellen, dass nicht bloß die Speisekarte bereichert wurde: Dort laufen die schönsten und gebildetsten Migrantinnen umher – und zwar WIRKLICH leicht bekleidet! (Georgy könnte sich ja zwischendurch immer mal wieder im Neckar abkühlen.)

  40. @ 54: Tibi hat Recht. Was schließen Sie (wir) als politische Handlungsanweisung daraus? AfD wählen? CDU/CSU wählen (Zweitstimme FDP)? Doch wohl nicht die rotgrüne Multikulti-Toleranz-für-Alle-Integrationsleier ohne Augenmaß und Obergrenze!

  41. Ich kann es jetzt ja gestehen: Ich habe hier Tibi gepostet, um die Reflexe der Gemeinde zu überprüfen. Alles funktioniert noch – auch wenn kein Schwein mehr AfD wählt….

  42. Nachdem dieses Nischenproblem abschließend zu aller Zufriedenheit gelöst wurde, sollten wir uns als S-Team gemeinsam der Ursache allen Bösen zuwenden und endlich das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump einleiten.

  43. Ich beginne die Romanze, die mir für das Ende der Episode zugesagt wurde. Das ist doch jetzt……
    „Reiten sie, ich bleibe mit Esther von Saba noch eine Weile hier………….“
    „Ich meinte eigentlich das Ende der Weltgeschichte“ erwidert meine Romanzenpartnerin.
    Der berühmte Professor entgegnet: “ Na, das ist doch bestimmt jetzt auch.“
    Alle lachen.

  44. @ 59: Könnte es sein, dass die ganze Angst vor dem triebgestauten Nordafrikaner ein (eingebildetes) Problem des (in seinen Fantasien) minderbestückten deutschen Mannes ist?

  45. @ 61: Viel Spaß, euch beiden! Womit die Minderwertigkeitskomplexe des deutschen Mannes ein für alle Mal widerlegt sind!

  46. @ 57: Im Moment wird ja auch noch nicht gewählt. Und Schweine sind zur Wahl m.W. auch nicht zugelassen (was in diesem Fall keine Anpassung an unsere neuen Mitbürger darstellt). Die aktuelle INSA Umfrage (18.7.) sieht die AfD bei 10 %.

  47. Geht das nur mir so, oder leben wir in einer (Leit-/Leid-)Kultur, die sich geradezu wahnhaft den wahlweise utopistischen und/oder dystopischen Erzählungen vom „Ende“ ergibt? Die grundsätzliche Zielrichtung einer jeden Prognostik fokussiert doch die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit des Zustandekommens ihrer Form. Sehe nur ich hier in diesem Laden eine grundsätzliche Problematik bei den erkenntnistheoretischen Fragen, die sich daraus ergeben? Vor diesem Hintergrund sind m.E. die Fragen nach der Fassung und/oder der Ausrichtung von Prognosen in einem völlig neuen Licht zu bearbeiten.

  48. Ich sehe sie/meine Partei eher bei 6-7%. Das Erscheinungsbild ist u.a. durch die postnatale Depression von Petry nicht gut. Aber Stillen geht vor, das sehe ich ein……

    Aber das spielt kaum eine Rolle. 1979 schafften es die Grünen mit 5,1 in ein erstes Parlament. Sie dümpelten noch ein/zwei weitere Jahrzehnte in diesem Bereich vor sich hin. Hauptsächlich mit dem Bekriegen der eigenen Flügel beschäftigt.

    Einigen gings damals stark um das (für mich wirklich ekelhafte!) Thema Kinderficken als Menschenrecht. Einer dieser Truppe wirft heute noch Konfetti im Bundestag, wenn anschließend mit nur noch 40!! anwesenden Abgeordneten das Handwerksdurchsetzungsgesetz (oder so ähnlich) verabschiedet wird…….

    Das Thema Migration wird uns sicher das ganze Jahrhundert erhalten bleiben. Die AFD muss nicht ein einziges Mal mit an der Macht sein, um die Gesellschaft sehr tiefgreifend (mit) zu verändern, so wie das auch die Grünen getan haben.

    (Heute braucht sie keiner mehr, weil ihre Themen von allen anderen Parteien absorbiert wurden und sie kein politisch ernst zu nehmendes Personal mehr haben….)

    ((Gut, vielleicht werdens aber auch 2% mehr für die AFD, wenn man Tibi und FBS mitzählt……))

  49. https://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/07/lehrer-umfrage-ajc-antisemitismus-islamismus-schulen-berlin.html

    Lehrer beklagen Gehirnwäsche in Koranschulen

    „Wir fragen uns, wie geschickt die Gehirnwäsche ablaufen muss, damit die Schüler so schnell so antiwestlich, so antiamerikanisch sowieso, aber auch antisemitisch werden…..

    Religiöser Druck auf Mädchen nimmt zu

    …… dass sie einem bestimmten Religionsbild entsprechen sollen. Aber auch andere Gruppen der Schülerschaft leiden unter dieser Entwicklung……“

    (Dies alles ist – bei uns noch! in leicht abgeschwächter Form- auch meine Beobachtung. Und sie ist auch „logisch“, würde Andrea sagen)

  50. interessant: da stellt einer @ 65 eine interessante Frage zum Thema (Leitkultur)… und die Diskussion dreht sich unbeirrt weiter um Koranschulen, AfD, …

    Weiß jemand vielleicht, wie man hier Emoticons generiert, die sowas wie gähnende Langeweile, Überdruss oder so ausdrücken?

  51. @69: Selbstreflexion ist nicht jedermanns gottgebene Stärke. Ausgeprägte Zeigefinger und Tendenzen zu fragwürdigen Grenzziehungen sorgen da für einen angemessenen Ausgleich und halten das System in der Balance.

  52. Tja die Reflexe!

    Einige Historiker scheinen sehr sensibilisiert darauf zu reagieren, wenn sie verbal-reflexiven Muster wiedererkennen, welche sich offensichtlich für Prognosen eignen, wenn tiefgreifende Veränderungen von sozialer und gesellschaftlicher Wirklichkeit (= das was wirkt) anstehen.

    Viele Reflexe kommunizieren offensichtlich bevorzugt linear. In biologischen, psychischen und sozialen Systemen. Was es nicht besser macht, wenn die Reflexe verabsolutiert werden. Z.B. in nebulösen Begriffen wie „Leitkultur“

    Der Nebelkerzenbegriff „Leitkultur“, als linear gedachter Rückgriff auf vermeintlich Bewährtes in der Vergangenheit, dass nur quantitativ entsprechend vergrößert werden muss (europäisierung, globalisierung einer Leitkultur) verstellt den Blick auf das Ausgeblendete: Kommunikation über Nichtlinearität von Wirklichkeit. Zudem wird zu wenig auf (ausser von übersensibilisierten Historikern) davor gewarnt, wie Leitkultur in der Vergangenheit immer wieder zu einer Leidkultur führte.

    Einen schönen Tag noch.

  53. @ 69 und 72: Einige Leute – überwiegend Intellektuelle – verstanden sich schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als „Europäer“, weil sie – aus verständlichen Gründen – nicht mehr „Deutsche“ sein wollten. Andere Leute erhielten durch das deutsche Wirtschafts- und Fußballwunder (@ deaXmac: mit Fritz) ein gern genommenes Identifikationsangebot. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands steht dieses Land politisch und ökonomisch in Europa und in der Welt so gut dar, dass einige dieser „anderen Leute“ ein wenig abzuheben scheinen und sich an Gedanken wärmen wie „Deutschland über alles, über alles in der Welt“. Diesen Leuten kann ein Mensch nicht deutsch genug, selbst wenn er einen deutschen Pass hat und seit Jahrzehnten hier lebt. Diese Leute vertreten das Leitbild „Deutschland den Deutschen“, und sie pfeifen auf eine „europäische Leitkultur“, und zwar selbst dann, wenn diese vom konservativen Bundesinnenminister in eine „deutsche Leitkultur“ umformuliert wird, eben weil dieser damit ausdrücklich die nichtdeutschen Einwohner meint, die sich dieser Leitkultur zu fügen hätten, allein um einen Anspruch darauf zu haben, hier leben zu dürfen. So weit ist er freilich nicht gegangen, doch wollte er mit diesem Vorstoß einer Gruppe von Leuten den Wind aus den Segeln nehmen, die genau diese Forderung durchsetzen wollen: die AfD. Das ist der Grund, weshalb beim Thema „Leitkultur“ augenblicklich das Thema „AfD“ hoch kommt. Schließlich hat nicht nur in Berlin, sondern auch in diesem Blog die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs begonnen, und dort wie hier bangen die AfD-Aktivisten um den Einzug ins Bundesparlament.

  54. @65 Das ist typisch für Stammtische und hat was mit Buttons zu tun, die man sich an die Jacke heftet.
    Interessant dabei finde ich, wie viel Energie wir in völlig nutzlose Debatten stecken, die woanders eingebracht sehr viel sinnvoller wäre.
    Das grundsätzliche Problem der halbwegs zivilisierten und wohlhabenden Gesellschaft: Zeitstrukturierung zum Zwecke der Selbststabilisierung (ein hoffnungsloses Unterfangen) im öffentlichen Raum, während andernorts immer noch Menschen verhungern? Bekräftigen wir negative Kräfte, weil es uns immer noch nicht vollständig gelungen ist, den psychischen Anspruch zu stellen und weil wir uns im sozialen Durcheinander austoben, das unsere Energien frisst wie Kronos seine Kinder?

  55. @ 74: „völlig nutzlose Debatten“

    Bestimmte Kommunikationsformen dienen nicht der Mitteilung einer Information und nicht der Klärung strittiger Sachverhalte, sondern der Motivation und der Beziehungspflege, z. B. bei Gesprächen zwischen Liebenden und bei Beratungsgesprächen (Irren)Arzt und Patient…

  56. @ 74: An Stammtischen entwickeln sich oft Schnapsideen, die durchaus nützlich sein können.

  57. @75 geschenkt, lieber Michael, ich hatte es bewusst offen formuliert. Da kann man sich aussuchen, was man als nutzlos ansehen möchte und was nicht.
    In Heidelberg grillen? Gern. Ich bringe meinen Killer-Nudelsalat.

  58. @77,78 Nein, „Killer“ war schon richtig. Es ist ein kalorienintensives, süchtig machendes Monstrum, das von links und rechts geliebt wird und das in Nullkommanichts jedes Hirn in sanfte Watte einlegt. Der Nudelsalat der dunklen Galadriel: „Alle lieben mich und werden an mir verzweifeln“.

  59. O.k. ich bringe ein paar hunderttausend „Flüchtlinge“ mit, die in Süditalien marodierend herumziehen (z.T. von NGOs geholt), damit sie von der Schüssel Nudelsalat satt werden und von euch ruckzuck die europäische Leitkultur nach Tibi annehmen.
    (In Nordafrika stehen noch viele Millionen zum Nachschub bereit….)

    „Wir öffnen die Häfen, geben ihnen Visa und schicken den Großteil unserer Flüchtlinge in Zügen und Bussen an den Brenner“, droht Italien nun.

  60. @ 84: Joseph MUSCAT, Maltese Prime Minister, sagte in dieser Sitzung: „Countries who are like us home to thousands of migrants and have been for the past decade or so, countries like Italy have seen hundreds of thousands of children, women and men reach their shores and now we look at Europe at politicians and think, this Europe on this issue is a failure.“

    Die 30 anwesenden Abgeordneten waren Malteser. Wo waren die EU-feindlichen Rechtsextremen und Rechtspopulisten der Fraktion „Europa der Nationen und der Freiheiten“ mit Abgeordneten aus Polen, Großbritannien, Frankreich, Österreich und Deutschland?

    Das wäre DIE Gelegenheit gewesen, die Flüchtlingspolitik der EU zu kritisieren.

  61. @ Systemische Kochgruppe.
    Heute: Hähncheninnenfilet in Gemüsepfanne auf Reis.
    Hähncheninnenfilet in etwas Kokosmilch, Olivenöl, Sojasauce und gekörntem Pfeffer anschmoren.
    Parallel Champignons mit Zwiebeln kräftig anbraten.
    Gemüse schneiden (Schmorgurke, Tomaten, Paprika, Aubergine), die Aubergine vorher leicht salzen, kurz auf Küchenkrepp legen, nach 10 Minuten abtupfen.
    Das Gemüse zum Hähnchenfilet geben und schmoren, bis die Schmorgurke gabelweich geworden ist.
    Kokosöl, Sojasauce, Curry, Ingwer, Safran und Zitronengras nach Geschmack dazu geben.
    Die entstehende Sauce andicken (Mehl, Sago oder für Unkundige einfach dunkler Saucenbinder).
    Die Champignons mit den Zwiebeln dazu geben (ich nehme rote Zwiebeln), alles unterrühren.
    Reis kochen.
    Fertig. Schmeckt auch mit Bulgur, Hirse oder Couscous.
    Wirkung: Dank der Zwiebeln ein Antioxidant, krebshemmend, anti-dystopisch.
    Zufriedenheitsfaktor: Frauen 6, Männer 8.

  62. @ 85: Zwanzig britische Abgeordnete sind auf dem Fahrschein der Ukip (UK Independence Party) in Brüssel und Straßburg unterwegs, deren erklärtes Ziel von Anfang an der EU-Austritt war (vergleichbar der deutschen AfD). Ihr Anführer Nigel Farage und seine Kollegen hatten immer nur Spott für die EU übrig. Mit dem Brexit-Votum haben sie ihre historische Mission erfüllt. Wie im Europa-Parlament zu hören ist, muss aber niemand die Ukip-Leute hinauskomplimentieren: Sie leisten ohnehin keine konstruktive Mitarbeit. Wenn überhaupt, tauchen sie nur zu den Abstimmungen auf. Gleiches ist von den AfD-Aktivisten zu hören. Ihre Diäten, Mitarbeitergehälter und Reisekosten kassieren sie freilich komplett.

  63. @89 Der Zufriedenheitsfaktor nach gutem Essen ist bei Männern auch heute noch im Schnitt höher als der von Frauen. Sich versorgt zu fühlen spielt dabei eine Rolle. Parteizugehörigkeit kann entscheidend dafür sein, wie das Verhältnis Magen/Gehirn/Endorphinausschüttung aussieht. Dieses Gericht hat einen hohen Umami-Anteil und wirkt deshalb direkt beruhigend auf den Restjäger und Rudelverteidiger im Manne.

  64. @ 64, Lothar Eder schreibt: „Und Schweine sind zur Wahl m.W. auch nicht zugelassen (was in diesem Fall keine Anpassung an unsere neuen Mitbürger darstellt).“

    ???

  65. @ 91: Wie wirkt dein Killer-Nudelsalat auf den Restjäger und Rudelverteidiger im Manne?

  66. @ 92: Gilt dann die positive Formulierung?

    „Und Schweine sind zur Wahl m.W. auch zugelassen (was in diesem Fall eine Anpassung an unsere neuen Mitbürger darstellt).“

  67. @93 Der legt ihn komplett für den Rest des Tages lahm und motiviert dazu, gemütlich die Beine hochzulegen, nach einem Bier oder einem netten Weinchen zu greifen und mit Andersdenkenden in aller Seelenruhe zu diskutieren. Zweiter-Schaltkreis-Instinkte, oder, wie Timothy Leary das nannte, der „Zigarre rauchende Dinosaurier“ sind für eine Weile erst einmal ausgeschaltet. Okay, die Quantenphysik erfindet man in dem Zustand auch nicht gerade neu, aber jedwedes Bedürfnis nach einer Parteienzugehörigkeit ist für eine Weile erst einmal erledigt.

  68. @ 95: Womit wieder einmal die Überlegenheit der Frau bewiesen wäre – und zwar auf ALLEN Gebieten! Früher reichte ein Apfel, um den Mann zu zähmen…

  69. @96 Wir wissen halt zwangsläufig um die persönlichkeitsverändernden und psychedelischen Wirkungen der Nahrungsmittel (okay, die Amerikanerinnen haben das verlernt). Nicht umsonst hängt das Überleben einer Mafia-Familie maßgeblich mit davon ab, wie gut die Frauen kochen können. Man dürfte in einer Studie interessante Korrelationen zwischen Rechtsradikalismus und schlechtem Essen finden.
    Meiner Ansicht nach sollte man im Bundestag und im Europaparlament zum Begreifen Europäischer Leitkultur das gemeinsame Kochen und Essen einführen.

  70. @ 98: ich habe gerade einen Test bezgl. meiner politischen Einstellungen gemacht. Dabei kam heraus, dass ich eine leichte Linksorientierung habe. Kann mir jemand eine Selbsthilfegruppe empfehlen?

  71. @99 Lieber Lothar, das sind ganz normale empathische Regungen, die passieren, wenn man von guten Leuten umgeben ist. Sie werden sich integrieren und langsam in die gesunde Mitte fühlen. Entspannen, genießen, geschehen lassen <3 🙂 Wenn es Dich zu sehr ängstigt, mach ich Dir eine heiße Schokolade mit Zimt und Kardamom.

  72. @ 92, 94, 99 Lothar Eder: Unsere „neuen Mitbürger“ sind nicht wahlberechtigt.

    @ „leichte Linksorientierung“:
    Ernst Jandl
    „Lichtung“:
    manche meinen
    lechts und rinks
    kann man nicht velwechsern
    werch ein llltum

  73. @ 98: „interessante Korrelationen zwischen Rechtsradikalismus und schlechtem Essen“

    Bei den Brexit-Aktivisten liegt das auf der Hand.

    Vieles ist jedoch dumpfe Propaganda, z.B. dass Mao Säuglinge verspeist haben soll…

  74. Was Tibi in seinem Buch „Europäische Leitkultur“ noch nicht verstanden hatte:
    Es wird auch eine große Bereicherung durch den Zuzug von Millionen aus den Nahen/Mittleren Osten und aus Afrika geben.

    Z.B. Fernsehformate wie

    „ISIS sucht den Superbomber“ (ausgestrahlt abwechselnd aus Nizza, Molenbeek, London, Amsterdam und Berlin)

    „Erdogan und das Recht auf die erste Nacht“

    (da wird dann z.B. das blutige Laken den jubelnden Anhängern präsentiert)

    Ganz aktuell:

    „Verloren In den Gewölben der AKP“

    oder der formal reduzierte Talk

    „Die Libanesen-Woche“,

    der besonders bei konstruktivistisch eingestellten Linksintellektuellen sehr gut ankommt.

  75. @108: Zum Satiriker reicht es bei Ihnen wirklich nicht… Bleiben Sie doch lieber bei der Rolle des Eiferers und Missionars!

  76. @ 109: Achtung, Satire!

    Zehn Thesen zur Leitkultur (vgl. @ 18)

    1. Wir sind nicht Burka – wir zeigen unser hässliches Gesicht sehr gerne und immer wieder.

    2. Wir wissen alles besser.

    3. Wir sind Kulturnation – die größten Künstler und Philosophen der Geschichte waren Deutsche (Luther, Beckenbauer, Hitler).

    4. Wir meinen es nicht böse, wenn wir hin und wieder Ausländer anspucken und Flüchtlingsheime anzünden.

    5. Wir sehen Leistung als etwas an, auf das jeder Einzelne stolz sein kann. Überall: im Sport, in der Gesellschaft, in der Wissenschaft, in der Politik oder in der Wirtschaft. Wir fordern Leistung, Leistung, Leistung. Von jedem. Wer hier nichts leisten will, kann unser Land gerne wieder verlassen.

    6. Wir mögen Türken und andere Islamerer – ihr Gemüse ist meistens sogar ganz gut (um es an die Schweine zu verfüttern).

    7. In unserem Land ist Mülltrennung der Kitt der Gesellschaft. Mülltrennung ist unsere Religion. Auch wenn am Ende alles wieder auf einen Haufen kommt: Wer den Joghurtbecher in die Glastonne wirft, wird abgeschoben.

    8. Wir grölen bei jedem Anlass.

    (9. Wir setzen uns für Frauen…) gestrichen

    9. Wir ziehen gerne feuchte Jogginghosen an.

    10. Angesichts der angespannten Lage in der Welt (siehe Türkei, Russland, USA, Nordkorea, Hamburg) noch eines: Die Weltkriege fangen immer noch WIR an.

  77. @ Simon: Ja, so wuchere ein jeglicher mit seinen bescheidenen Talenten.

    (Siehe auch das Gleichnis von den klugen und törichten (Jung-)Frauen und – Männern) (Matthäus 25,1–13)

  78. @ 110: Unseren täglichen Einzelfall gib uns heute, und vergib uns unsere Kollektivschuld nicht, sondern erlöse uns von Pegida (frei aus dem Merkelunser).

  79. „(…) die neue Arbeiterpartei ist aber eindeutig die AfD. Der Anteil von 34 Prozent an der Wählerschaft ist doppelt so groß wie bei der SPD. Mit 9 Prozent stellen die Arbeiter vor allem bei den Grünen die kleinste Gruppe. Auch der Anteil der Selbstständigen ist bei der AfD-Anhängerschaft mit 14 Prozent hoch und liegt nur knapp hinter der FDP (15 Prozent). Zudem hat die AfD so viele Vollzeitbeschäftigte (50 Prozent) unter ihrer Wählerschaft wie keine andere Partei.“ http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/bundestagswahl-2017-wer-waehlt-cdu-csu-spd-fdp-gruene-linke-afd-a-1158543.html

  80. @ 115: „So ist die AfD-Wählerschaft besonders ängstlich: Sie fürchten Zuwanderung nach Deutschland (82 Prozent), mehr Kriminalität (71 Prozent), das Ende des Friedens (55 Prozent), das Auseinanderbrechen der Gesellschaft (48 Prozent), und sie sorgen sich um ihre Alterssicherung (40 Prozent). In dieser Ängstlichkeit kommen den AfD-Anhängern nur die der Linken nahe, die sich aber mehr um den Frieden und die Ausländerfeindlichkeit sorgen.“ (ebd.)

  81. Meine bescheidenen eigenen Beobachtungen (gestützt auch durch Statistiken in Schulzentren unseres Lehrerausbildungseinzugsbereichs):

    Sie müssen unterscheiden zwischen türkischen Mädchen und Jungs.
    Die Mädchen erleben ihre Kindheit und Jugend (jedenfalls bei uns im ländlichen Einzugsbereich) oft sehr behütet (intakte Familien – Mutter zuhause). Sie sind in der Mehrzahl anpassungswillig, teilweise auch fleißig. Die Schulabschlüsse hinken bei ihnen nicht hinterher.

    Bei den Jungs gibt es nicht selten das Problem, dass sich Machotum schlecht mit unserem auf Anpassung ausgelegten Schulsystem verträgt. Verstärkt noch durch die Tatsache, dass die Mehrzahl der Lehrer Frauen sind, von denen sie sich kulturell nicht so gerne etwas sagen lassen.

    Mit “ Ey, isch weiß, wo Dein Haus wohnt und fick`Deine Mutter“ oder Titulierung von Lehrerinnen untereinander mit „Schlampen“ kommt man bei uns halt nicht allzu weit.

    (Solche Ursachen werden selbstverständlich in den Spiegelartikeln völlig ausgeblendet)

  82. Aber alles noch harmlos (jedenfalls bei uns) im Vergleich zu Nordafrikanern. Da geht richtig die Post ab. Wenn sie da einige in der Klasse haben, dann können sie das Schuljahr streichen.
    Das ist dann für viele eierlose Weicheijungspunte nicht mehr zu händeln……..

    Aber jetzt mit der Formulierung der universellen Leitkultur wird das sicher alles gut.
    (Sie können sich ja krank melden und in die systemischen Burnoutkliniken gehen……..)

  83. @0: „Mir scheint, dass die ethnozentrischen Klotzköpfe von der AfD (und auch Herr de Maizière) das nicht richtig verstanden haben – und ihre Wähler erst recht nicht. Denn es geht dabei nicht um Nationalismus, sondern um Werte der Moderne“ (Auszug aus Wikipedia):

    Bravo!

    .. und wenn schon, dann sollten sich diese pseudointellektuellen Schildbürger, deren Verstand gerade mal bis zur nächsten Bruchstein-Mauer im Hinterhof reicht,
    doch einer etwas anderen Tonalität befleißigen und nicht gerade jedem reingeschmeckten Leithammel der billigst-ungebildeten, niederknüppelnden Bretter-Klassen – Journaille folgen, die fortan alles -was nach traditionellen Instrumentarien riecht – gleich plattzuwalzen pflegen

    „The point of the _Law-Suits_ is directed especially against
    theologians and the nobility. Richter’s uncompromising fierceness
    suggests youthful hunger almost as much as study of Swift. But
    Lessing, had he lived to read their stinging epigrams, would have
    recognized in Richter the promise of a successor not unworthy to carry
    the biting acid of the _Disowning Letter_ over to the hand of Heine.
    The _Law-Suits_ proved too bitter for the public taste and it was
    seven years before their author found another publisher. Meanwhile
    Richter was leading a precarious existence, writing for magazines at
    starvation prices, and persevering in an indefatigable search for some
    one to undertake his next book, _Selections from the Papers of the
    Devil_. A love affair with the daughter of a minor official which she,
    at least, took seriously, interrupted his studies at Leipzig even
    before the insistence of creditors compelled him to a clandestine
    flight.“

    tja, jetzt müßte man halt wissen, wo das jetzt wieder steht …

  84. Einfach zur Erinnerung:
    Heute ist der 20. Juli, also der Jahrestag des deutschen Widerstands gegen Hitler.
    Warum der 20. Juli nicht der deutsche Nationalfeiertag ist, ist schwer zu verstehen.
    In der Qualitätspresse findet er auch kaum mehr Erwähnung, schließlich würde die Erinnerung an diesen Tag das „Gegen Rechts“-Narrativ empfindlich stören.
    Warum? Weil die Gruppe um Stauffenberg (wie übrigens ein erheblicher Teil der Wehrmacht) gegen Hitler waren. Nicht nur aus militärtaktischen Gründen (Hitlers militärische Entscheidungen waren abgesehen von ihrer Unmoralität vom Wahnsinn gestreift). V.a. weil sie ihn als zutiefst unmoralisch erlebten, sondern weil sie, nachdem sie Kenntnis von der Judenvernichtung im Osten hatten, diese sofort stoppen wollten. Für einen nach damaliger Diktion – Fritz würde das wahrscheinlich „ethnozentrisch“ oder „nationalistisch“ nennen – anständigen Deutschen gehörte sich das damals einfach nicht. Zu den anständigen Deutschen, zumindest zu Menschen mit Lebensrecht gehörten übrigens damals nach Meinung großer Bevölkerungsteile auch die jüdischstämmigen Mitbürger. Noch bis 1945 hineins hat Goebbels apellative Brandreden an das deutsche Volk gehalten, sie sollten doch im Umgang mit den Juden nicht so mitfühlend sein (nachzulesen bei Konrad Löw in seiner umfangreichen Studie zum Thema, so gut wie unbekannt, denn sie würde das „Alles Nazis“-Narrativ stören).

    So und jetzt darf man gespannt sein, welch erkenntnistheoretische oder sonstige Einwände hiergegen sich finden (und sie werden sich finden, ob ausgesprochen oder nicht).
    Und einfach zur Erinnerung, wer und was der Widerstand war, ein Interview mit dem letzten Überlebenden, v. Boeselager, aus dem Jahr 2008:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/philipp-freiherr-von-boeselager-ich-haette-ihn-erschiessen-koennen-1539146.html

  85. Erinnerung an einen Vergessenen und Übersehenen, an einen auf eine irritierende
    Weise klarsichtigen Menschen und an eine andere Art des Widerstands
    „…Die Moral im Dorf war wie ein Fels. Die Dörfler sagten, was im Krieg geschehen sei, hätten allein die Nazis zu verantworten, nicht die einfachen Leute, die in den Krieg gezwungen wurden. Das sagten die Bauern, die Lehrer, die Politiker und die Priester. Der Bischof von Linz verhinderte nach dem Ende des Kriegs, dass ein Gedenkartikel in einer Kirchenzeitschrift erschien. Er urteilte, Jägerstätter habe nach dem Martyrium „gedürstet“, die wahren Helden aber seien die „tiefgläubig“ kämpfenden Soldaten gewesen…“
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/70-todestag-franz-jaegerstaetters-unser-vater-im-himmel-11704324.html

  86. @0: Wie obsolet, realitätsfern und weitgehend nutzlos solche Überlegungen sind, kann man eben im Schulbereich hautnah erfahren, weil dort Entwicklungen eben schon an 6-10ff- jährigen Kindern und deren Eltern erlebbar sind.

    Man ist da unfreiwillig und unweigerlich 60 Jahre einem Politgreis voraus, in dessen dreieinhalb-Tausend-Euro-Seminare sich ohnehin niemals ein Flüchtilant verirren wird und dessen Agitationen noch auf einer Zeitschrift von 1996 beruhen.

    In den letzten 10-12 Jahren und ganz stark nochmals in den letzten 2 Jahren exponentiell beschleunigt, geht es in vielen Schulen um ein Zusammen- bzw. Gegeneinanderspiel von extrem unterschiedlichen Lebenswelten (siehe auch @119,121), die mit solcher Theorie so gut wie nichts mehr zu tun hat.

  87. als am 20. Juli 1944 bekannt wurde, dass „der Führer“ den Anschlag überlebt hatte, waren die allermeisten Deutschen erleichtert: „Gott sei Dank!“
    Als der größte Führer aller Zeiten sich dann ein paar Monate später Gott sei Dank selber eine Kugel in den Kopf schoss, taten es ihm Viele der besonders Fanatischen nach.
    Als Weizsäcker 1985 (!) den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ feierte, mussten Viele erstmal schlucken, manche bis heute.
    Um von Höcke und der von ihm geforderten Wende in der „Erinnerungskultur“ erst gar nicht zu reden… Ich habe das Video mit seiner Rede gesehen. Der Jubel, dern ihn umbrandete, ist mir lebhaft in Erinnerung.
    Wem fällt da nicht „Die Unfähigkeit zu trauern“ der Mitscherlichs ein?

    Kein Trost, dass es anderen Völkern ähnlich geht. In Russland gibt es ernsthafte Bestrebungen, Stalin von der orthodoxen Kirche heilig sprechen zu lassen.
    Ähnliches in dem von Berlusconi geprägten Italien.

  88. @ 124: Die gescheiterte Widerstandsaktion am 20. Juli 1944 war der Ausdruck von Gegensätzen bei der Wehrmacht, die ihre Ursachen in der drohenden Kriegsniederlage und in der zunehmenden Aussichtslosigkeit eines erfolgreichen Abschlusses des Krieges hatten. Hinter dieser Aktion stand lediglich ein Teil der Bevölkerung, die preußischen Großgrundbesitzer, die keinen ausschlaggebenden Einfluss in der Politik der NSDAP hatten. Sie wurden zu dieser Aktion getrieben, weil sie sich unmittelbar bedroht fühlten. Durch den überraschend schnellen Vormarsch der Roten Armee bis an die Grenzen Deutschlands sahen sie nicht nur das endgültig verloren, was Hitler ihnen für ihre Gefolgschaft zugesichert hatte, nämlich Güter in Polen, in der Ukraine, in Weißrußland und den Baltenländern, sondern ihren eigenen Besitz bedroht. Vor allem war ihnen klar: Wenn die Rote Armee den ostdeutschen Raum besetzt, ist es mit ihrer Herrschaft aus. Zu dieser Bedrohung von außen kommt noch eine Bedrohung von innen. Die deutschen landwirtschaftlichen Arbeiter wurden im Verlaufe des Kriegs fast restlos durch ausländische Ostarbeiter ersetzt, die auf das fürchterlichste ausgebeutet und unterdrückt werden. Unter ihnen machte sich eine starke revolutionäre Gärung bemerkbar, die mit dem Vordringen der Roten Armee auf deutsches Gebiet zur Entladung zu kommen drohte.
    Diese unmittelbare Bedrohung trieb die aktiven Kreise der Großagrarier dazu, nach einem Ausweg zu suchen. Sie sahen ihn in der Konzentrierung aller verfügbaren militärischen und wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands auf die Aufrechterhaltung des Dammes gegen die Rote Armee, was nur durch Einstellung des Kampfs mit den Alliierten möglich gewesen wäre. Aus Eigeninteresse des preußigen Landadels kam es zum 20. Juli 1944 – nicht etwa aus humanitären oder altruistischen Gründen.

  89. @ 127: Was Sie da zusammenschreiben über den 20. Juli 1944 ist schlichtweg hanebüchen. Die Aktion war absolut geheim, und Zivilisten, auch ostpreußischen Gutsbesitzer waren in keinster Weise eingeweiht.
    Ich würde Sie gerne bitten, einmal ernsthaft darüber nachzudenken, wie ein Mensch wie Stauffenberg dazu kam, sein Leben für sein Land zu opfern. Denn er wäre aus der Wolfschanze, selbst wenn er es geschafft hätte, Hitler zu erschießen, nicht lebend herauszukommen.

  90. @ 133: Das trifft auf Georgy nicht zu, denn darin steht u.a.: „Trolle (…) durchliefen anschließend weitere Persönlichkeitstests. Bei diesen entdeckten die Wissenschaftler dann hauptsächlich Alltagssadismus, aber auch weitere Merkmale der sogenannten Dunklen Tetrade; für Psychologen ein bestimmtes Persönlichkeits­profil, das sich aus vier sozial unerwünschten Eigenschaften zusammensetzt (…). Dazu gehören außer dem Sadismus der Narzissmus, der Machiavellismus und die Psychopathie. Besonders häufig wurde bislang ein derartiges Profil bei Menschen gefunden, die als Jugendliche, aber auch als Erwachsene, andere schikanieren.“

  91. @ 126:
    „Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern.“ ( Richard v. Weizsäcker am 8. Mai 1985)

  92. @ 132:
    „Ich sag doch… Don´t feed the troll.“
    “ … markieren solche Sätze den Anspruch, dass es eine unverrückbare Wirklichkeit gibt und man selbst den Zugang dazu hätte – dies stellt für mich ein Merkmal von Dogmatismus und Fundamentalismus dar, die beide verneinen, dass die vermeintlich andere Seite konstituierend für die Definition des eigenen Status ist.
    Zudem wird Wahrheit oder Wirklichkeit konstruiert, welche die einen einschließt und die anderen ausschließt. Eine Diskussion mit den Ausgeschlossenen wird dadurch unnötig…“ ( Kommentar 27)
    Wie wäre es mal mit ein wenig Selbstanwendung, Herr Gernstner?

  93. @136: Werden Sie als Türsteher von Sock-Puppet Georgy bezahlt? Und wieso wird immer rumgeheult, wenn einem mal mit dem Habitus begegnet wird, mit dem man sich die ganze Zeit herumtrollt? Erzählen Sie mir nichts über Selbstanwendung – schon von Beruf wegen…

  94. @ 133: So einfach scheint die historische Bewertung des 20. Juli 1944 nicht zu sein: „Es ist bei der heterogenen und großen Gruppe der Widerständler des 20. Juli 1944 schwer, Motive zu nennen, die für alle Teilnehmer gleich maßgeblich waren. Ethische und allgemein-religiöse Fragen oder mehr persönliche Gewissensfragen, insbesondere die Erlebnisse der hinter der Front im Osten verübten Untaten, sind jedenfalls als „motivgebend“ nicht zu unterschätzen, besonders nicht bei den gescheiterten frühen Attentatsversuchen. Die heutige deutsche Geschichtsschreibung hebt aber überwiegend das von ihr so genannte „nationale Interesse“ als entscheidenden Ansporn für die meisten der opponierenden Militärs hervor. Das „nationale Interesse“ ist in der Sprache dieser Wissenschaftler ein Kürzel für die Einigkeit der Verschwörer in der negativen Beurteilung des Dilettantismus Hitlers in kriegsstrategischen Fragen und die seit 1942 eingetretene aussichtslose Lage an den meisten Fronten. Die sich abzeichnende militärische Niederlage müsse im nationalen Interesse Deutschlands unbedingt verhindert werden. Dies erfordere nun einmal die Beseitigung der Person Hitlers und rechtfertige den Hochverrat.

    Von 1938 bis 1940 war anscheinend das „nationale Interesse“ im Offizierskorps ohnehin ausschlaggebend. Für diese Annahme spricht insbesondere, dass die militärische Opposition nach dem Frankreichfeldzug 1940 auf einen kleinen Kern zusammengeschmolzen war, auch bedingt durch den unverhofft schnellen und leichten Sieg über den „Erbfeind“, der Deutschland 1939 den Krieg erklärt hatte. Im Jahre 1941 dagegen überfiel das Deutsche Reich die verbündete Sowjetunion, erzielte trotz großer Bodengewinne keinen entscheidenden Erfolg, und hinter den Fronten fanden Massenhinrichtungen statt. Seitdem nach der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad im Januar 1943 ein Sieg gegen die Sowjetunion unwahrscheinlich geworden war, wurde es wieder leichter, neue Männer für den Widerstand zu gewinnen.

    Vielen der Männer des 20. Juli war es im Verlaufe der Kriegsjahre ein immer größer werdendes Bedürfnis geworden, gegen die diktatorische Politik Hitlers und seiner Partei Widerstand zu leisten, insbesondere gegen die Verbrechen der SS hinter der Front. Sie waren in zunehmendem Maße Zeugen von systematischen Massentötungen von Unschuldigen geworden, was sie mit ihrem Gewissen und ihrer Offiziersehre nicht in Einklang bringen konnten. Etliche fürchteten eine langfristige Schädigung des deutschen Rufs und eine Auferlegung moralischer Schuld für kommende Generationen. Mit dieser Argumentation hatte Tresckow schon nach der Bekanntgabe des Kommissarbefehls vergeblich versucht, seinen Vorgesetzten zu einem offiziellen Protest bei Hitler zu bewegen.

    Andere Interpretationen stellen den immer näher rückenden und unvermeidlichen militärischen Zusammenbruch Deutschlands als Motiv für den Umsturzversuch in den Vordergrund. Insbesondere marxistisch orientierte Historiker sehen den Putsch als Versuch einiger „Hitleroffiziere“ aristokratischer Herkunft, Deutschland eine Besetzung, den Adeligen den Verlust ihres Landbesitzes im Osten und der Offizierskaste den Verlust ihrer Privilegien zu ersparen. Der wahre Widerstand sei von der KPD und der Roten Kapelle ausgegangen. Andere Historiker wie Andreas Hillgruber räumen dem gescheiterten Attentat Georg Elsers vom 8. November 1939 und den Flugblattaktionen der Weißen Rose in der Universität von München am 18. Februar 1943 größere Bedeutung als der Verschwörung des 20. Juli 1944 ein, weil beide demokratischen Charakter gehabt hätten. Stauffenberg dagegen sei Monarchist und daher kein Demokrat gewesen. Joachim Fest und andere haben dagegen ihre Meinung bekundet, Stauffenberg sei zwar Monarchist und damit kein Republikaner, aber durchaus Demokrat gewesen.

    Festzuhalten ist, dass einige radikale Antisemiten und Kriegsverbrecher an der Verschwörung des 20. Juli beteiligt waren, so zum Beispiel der Generalquartiermeister Eduard Wagner, der Mitverantwortung für den Tod von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener trug und der sich aus Furcht vor der Rache der Roten Armee dem Widerstand angeschlossen hatte. Zum engeren Kreis zählte auch der 1944 hingerichtete Arthur Nebe, der als Kommandeur der Einsatzgruppe B zahlreiche Massaker an Juden und anderen Zivilisten zu verantworten hatte und als Chef des Reichskriminalpolizeiamtes im RSHA einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an den Roma war. Ebenfalls zum Kreis der Mitverschwörer gehörte der Berliner Polizeipräsident, Wolf-Heinrich Graf von Helldorf, der sich als alter Parteigenosse schon vor 1933 bei Übergriffen gegen Juden hervorgetan hatte.

    Demgegenüber haben nachweislich 20 Beteiligte vor dem Volksgerichtshof das Verbrechen der Ausrottung der Juden (Holocaust) als Hauptbeweggrund für ihr Handeln genannt. Die meisten Historiker nehmen an, dass ein Teil der Männer des 20. Juli unter dem Eindruck der brutalen und verbrecherischen Gewaltpolitik Hitlers und seiner Partei einen Lernprozess durchgemacht hat, der von anfänglicher Zustimmung zu entschiedener Ablehnung geführt habe – auch um den Preis des eigenen Lebens. Keiner der Angeklagten ließ sich vor Freislers Volksgerichtshof psychisch brechen oder versuchte, durch Ausflüchte den eigenen Kopf zu retten. Speziell die Widerständler aus dem Offizierskorps gewinnen nach Meinung einiger besondere historische Bedeutung durch die ethische Begründung ihres Vorgehens, wie sie beispielsweise Henning von Tresckow am 21. Juli 1944 Fabian von Schlabrendorff zum Abschied formulierte: „Wenn einst Gott Abraham verheißen hat, er werde Sodom nicht verderben, wenn auch nur zehn Gerechte darin seien, so hoffe ich, daß Gott Deutschland um unseretwillen nicht vernichten wird. […] Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_vom_20._Juli_1944

  95. Mir steht es nicht zu über den Opportunismus (oder das „Heldentum“) vergangener
    Generationen zu urteilen.

    Mir reicht mein eigener und der meiner Mitmenschen.

  96. @ 139, Georgy schreibt: „Mir reicht mein eigener [Opportunismus] und der meiner Mitmenschen.]

    Wie wahr! Lehrer hätten keine Arbeit, wenn es ausschließlich wohlerzogene, karrierebewusste Schüler gebe und nicht diese heute übliche Heterogenität in Herkunft, Erziehung, Verhalten und Lernerfolg.

  97. Die AFD ist das Produkt der beiden sozialdemokratischen Parteien und der Probleme, die die beiden aus politischer Korrektheit verschweigen.

  98. @ 143:

    AfD = CDU/CSU + SPD + Flüchtlingsaufnahme

    AfD = „nationales Interesse“, das alle Mittel rechtfertigt (vgl. @ 138) [?]

    Wohl deshalb hat Lothar Eder an diese Helden erinnert (vgl. 123).

    Dahinter scheint der Gedanke zu stecken: Deutschland schafft sich ab. Wir müssen Deutschland retten, indem wir uns wieder auf unser „nationales Interesse“ besinnen. https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_schafft_sich_ab

    Übrigens: Thilo Sarrazin (72), Volkswirt und ehemals bei verschiedenen Finanzministerien, Deutscher Bahn und Deutscher Bundesbank angestellt, ist noch immer SPD-Mitglied.

  99. Die AFD ist u.a. die Antwort darauf….

    ….dass die Mittelmeerroute geschlossen werden muss.

    Kriminelle Schlepperstrukturen unterbinden! Kein Marathonlauf des Elends!

    Aus Kriegsgebieten u.a. Luftbrücken bilden (Frauen und Kinder zuerst) und nach Beendigung der Kampfhandlungen wieder zurückbringen.

  100. @ 144: Ihre Gleichungen würde ich so nicht unterschreiben. Die AfD ist nach meiner Beobachtung auch keine Partei, die eine Politik „alle Mittel sind gerechtfertigt“ verfolgt. Nach meiner Beobachtung ist sie auch keine rechte Parte, denn wie wäre es dann zu erklären, dass soviel ehemalige CDU, SPD und Grünen-Mitglieder sich dort versammeln. Sie ist verallgemeinernd gesagt das Ergebnis davon, dass Union und SPD ihre konservativen Kerne aufgegeben haben und die Stimmung in der Republik insgesamt nach links gedriftet ist, s.http://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2015/fup_15_044-studie-linksextremismus/index.html
    Wer ernsthafte Debatten führen will, kommt um diese Befunde nicht herum. Wer sich am allgemein beliebten Höckebashing beteiligt, ist m.E. erst dann auf Ballhöhe, wenn er sich zuerst mit den Äußerungen von Walser und Augstein (Rudolf, der Kluge, nicht Jakob, der Dumme) Ende der 90er Jahre zum Thema beschäftigt und die Aussagen Höckes damit vergleicht. Sine ira et studio sozusagen. Aber wer will das schon? Es ist doch viel cooler, von Klotzköpfen, Arschlöchern und wasweißich herumzuschwadronieren, die natürlich immer die anderen sind, während man selbst altersweise die eigenen Eier schaukelt.

  101. @ 146: Nicht alle „ehemaligen“ Parteien, die Sie nennen, haben „ihre konservativen Kerne aufgegeben“. Ein kleines, doch wehrhaftes Völkchen hält eisern an diesen Kernen fest. Die CSU hat ein eigenes Wahlprogramm, den Bayernplan, beschlossen. Sämtliche Maßnahmen gegen Flüchtlinge, die es nicht ins gemeinsame bundesweite Wahlprogramm der Union geschafft haben, will man jetzt in Bayern umsetzen, vor allem die Obergrenze für Flüchtlinge. Die wichtigsten Forderungen und was sie für Bayern bedeuten: „Wir wollen in wichtigen politischen Fragen bundesweit Volksentscheide einführen“, heißt es im Bayernplan. Doch weil die CDU bundesweite Volksentscheide ablehnt, sollen die bayerischen Volksabstimmungen einfach für den ganzen Bund gelten.
    „Muslimische Mädchen sollen am Schwimmunterricht teilnehmen. In Deutschland gehört es sich, auch Frauen mit Handschlag zu begrüßen.“ Und zwar auf den Po.
    „Es bleibt dabei: Christkindlmärkte sind keine Winterfeste, St. Martinsumzüge keine Lichterfeste.“ Außerdem gilt weiterhin: fünf Liter bayerisches Bier pro Tag ist kein Alkoholismus.
    „In öffentlichen Kantinen, Kindergärten und Schulen darf Schweinefleisch kein Tabu sein.“ Auch wenn es sich dabei um rohes Schweinehirn handelt. Deshalb gibt es in Bayern ab sofort den Weißwurst-Day, und zwar täglich.
    „Künftig müssen mehr Imame in Deutschland ausgebildet werden. Ihre Predigten sollen auch in deutscher Sprache gehalten werden.“ Diese Imame sollen fortan „Pfarrer“ oder „Priester“ gerufen werden und in sogenannten „Kirchen“ predigen.
    „Jeder muss wissen, daß antisemitische oder ausländerfeindliche Hetze bei uns nicht geduldet wird.“ Sondern begrüßt!

  102. @ 147: Im Topf: Eier vor dem Kochen kurz ausblasen (wg. Cholesterin). Ausgeblasene Eier lassen sich leichter schälen, beim anschließendem Verzehr braucht man nur noch halb so viel Sahneremoulade drauf zu machen.

  103. @ 146 (LE):
    zum „Höckebashing“: Herr Eder, anders als dieser Troll / Proll hier gehören Sie doch zu denen, die sich von der Ästhetik systemischen Denkens angesprochen und angezogen fühlen.
    Letzten Endes geht es immer um Ästhetik. Die Fragen, um die es sich hier in diesem Blog immer wieder dreht, sind Fragen, die letztlich nicht objektiv entschieden werden können; sie können nur subjektiv, mit dem Gefühl von Lust und Unlust entschieden werden, und genau das heißt Sinn für Ästhetik.
    Wenn ich mir nun die Rede von Höcke auf youtube ansehe / anhöre, dann wird mir richtig schlecht.

  104. Mir auch.

    Allerdings auch bei Stegner!!!!, Göring-Eckardt!!, Claudia Roth!!, Hofreiter!! …..

    (In etwas abgeschwächter Form auch bei Schulz! und …..Möchte-Gern Polit-Schwätzer FBS! )

  105. Eine Methode des o.g. „Eierschaukelns“ ist das Intellektualisieren.
    (Beliebter „Abwehrmechanismus“ auch bei Therapien)

    Eine andere: Das Ausweichen auf die „ganze Welt“.

  106. @ 151:
    ob einem beim Hören einer Rede schlecht wird oder nicht, hängt nicht so sehr von den gesprochenen Worten ab (es gibt ja, wie wir hier schon sahen, keine „reinen Worte“), sondern davon , welche Saiten sie in einem zum Klingen bringt und welche Erinnergungsbilder sie wachrufen.
    Und dabei spielt auch immer der jeweilige Kontext (auch: das Publikum, zu dem gesprochen wird) eine Rolle. Im Beispiel Höcke: das johlende Publikum, dessen dumpfe, reflexionsunfähige Emotionalität von dem Redner gezielt getriggert wird.
    Dabei kommen bei mir Bilder, wie wir sie kürzlich in den Reden von Erdogan und Anderen erleben konnten.
    Aber letztlich schwingt dabei bei mir immer auch das Bild des Brüllers aus Braunau mit.

  107. Im Westen floriert die multikulturelle „Toleranz“ und die teilweise sogar Deutschfeindlichkeit im Überschuss, von der der Osten nichts abhaben will.

  108. @153

    Für mich steht die Tatsache, dass es derzeit nur einen bewohnbaren Planeten gibt und der bewohnbare Raum für Menschen darauf begrenzt ist außer Frage.

    Würde mich mal interessieren, wie da ein „ausweichen“ möglich sein soll.

    Eine andere Art von (ignorantem und kindischen) „ausweichen“ ist jedoch immer möglich. Sich selbst die Augen zu halten und dann sagen: „Ich sehe nix mehr von der Welt um mich her und werde auch selbst nicht mehr gesehen.“

    Bis jetzt, erlebe ich Sie, Georgy, als Jemanden, der sich auf’s „ausweichen“ – im Sinne bestimmter Reiz-Reflex-Muster des „Sich-Vermummens“ bestens versteht. Leider erfolglos. Denn die Welt da draußen ist immer noch da. Ein ausweichen unmöglich.

  109. @alle: Ihr braucht was Anständiges in den Magen.
    By the way, lieber Michael, Eier enthalten nur das gute Cholesterin, das sogar noch dabei hilft, den Spiegel des schlechten zu senken. Wir dürfen wieder nach Lust und Laune Eier essen, allerdings empfiehlt man, das Eigelb noch (halb) roh, das Eiweiß aber durchgekocht zu genießen.

    In diesem Sinne heute die schnelle Mahlzeit mit beruhigender Wirkung, schön deutsch, angepasst und für die Globalisierungsfreunde mit etwas Knoblauch am Spinat:

    Weichgekochte Eier auf Spinat mit Pellkartoffeln:

    Zutaten: Eier nach Lust und Laune
    Schmand gegen extremistische Tendenzen oder Diskussionsfrust am Rande des Codes
    Spinat
    Kartoffeln
    Pfeffer, Salz, Knobi, Zwiebeln

    Die Kartoffeln kochen und pellen (das Pellen geht leichter, wenn man die Kartoffeln vor dem Kochen rundum einmal anritzt).
    Den Spinat auftauen und nach Geschmack und Aggressionstendenz oder Frust mit Schmand verfeinern, langsam hochwärmen, bis er einmal gut erhitzt werden kann. Den (Rahm)spinat dann mit Pfeffer, Salz nach Geschmack würzen.
    Die Eier anpieksen, Wasser zum Kochen bringen, die Eier 5-6 Minuten kochen. Parallel kaltes Wasser in einen Topf geben und die Eier umgehend nach dem Abgießen des Wassers in den kalten Topf tun und vorsichtig von allen Seiten anschlagen, dann gleich aus dem kalten Wasser nehmen und pulen.
    Zwischendurch irgendwann den geschälten und in hauchdünne Scheiben geschnittenen (Rasierklingen sind fein dafür) Knobi mit den geschälten und kleingehackten Zwiebeln in einer Pfanne kurz in heißem Olivenöl anbraten und dann unter den Spinat heben.

    Kartoffeln auf die tiefen Teller, etwas klein drücken, den Spinat oben drüber und ganz oben auf die Eier, die, wer es mag, noch einmal mit etwas grob gemahlenem Salz bestreut werden können.

    Guten Appetit!

  110. Eine sinnvolle Unterscheidung scheint mir „Bürgerrechtsbewegungen“ (Demokratisierungsbewegungen) von“rechten Bürgerbewegungen“ (Nationalisierungsbewegungen) klar zu unterscheiden.

    Da Erstere einen sinnvollen Beitrag leisten können Zweitere und damit „Verschlimmbesserungen“ zu verhindern, erscheinen mir Erstere unterstützenswerter.

  111. NZZ:
    Moderne Chauvinisten zerstören die Streitkultur genauso wie die Kammerjäger der Political Correctness. Die einen halten ihre öffentlich ausgekübelte Häme über Minderheiten für einen Beitrag zur Meinungsfreiheit. Die anderen kontrollieren permanent, ob irgendjemand gegen ihre Sprachregelungen verstossen hat. Beide Seiten haben mehr gemeinsam, als ihnen lieb ist.

    https://www.nzz.ch/feuilleton/political-correctness-die-heuchelei-der-weinerlichen-ld.1306603?mktcid=nled&mktcval=119_2017-7-21

  112. @150 (fraFri)
    „@ 146 (LE):
    zum „Höckebashing“: Herr Eder, anders als dieser Troll / Proll hier gehören Sie doch zu denen, die sich von der Ästhetik systemischen Denkens angesprochen und angezogen fühlen.
    Letzten Endes geht es immer um Ästhetik. Die Fragen, um die es sich hier in diesem Blog immer wieder dreht, sind Fragen, die letztlich nicht objektiv entschieden werden können; sie können nur subjektiv, mit dem Gefühl von Lust und Unlust entschieden werden, und genau das heißt Sinn für Ästhetik.
    Wenn ich mir nun die Rede von Höcke auf youtube ansehe / anhöre, dann wird mir richtig schlecht.“

    Ohja, ich bin von der Ästhetik systemischen Denkens derzeit wieder sehr angesprochen und – ich habe es bereits gesagt – gerade Fritzens Impulse sind hierfür für mich sehr wertvoll. Die praktische Anwendung in Therapiesitzungen, mit der ich vor 29 Jahren begonnen habe, aktualisiert sich derzeit und führt zu wirklich erfreulichen Ergebnissen.
    Und Kants K.d.Urteilskraft wartet darauf, ins Urlaubsgepäck zu gelangen. Hier gehe ich mit.
    Die Hitler-Höcke Vergleiche erinnern mich an die damalige „Nazi“- Brüllerei gegenüber FJS und ich finde das eine so daneben wie das andere. Es ist richtig, dass sich hier ästhetische Urteile zur Geltung bringen, die ihren Ursprung aber nicht in Höckes Rede haben. Es sind öffentlich befeuerte Empörungswellen, die ihr Opfer suchen und finden, egal ob und wie es paßt.
    Eben deshalb habe ich ja empfohlen, jenseits des ästhetischen Urteils, sich zum Vergleich die Ende der 90er Jahre von Walser und Augstein formulieren Einwände bzgl. der deutschen Erinnerungskultur ins Gedächtnis zu rufen und mit Höckes Einlassungen zu vergleichen. Es ist auch ein Kardinalfehler, hier immer „ad hominem“ zu argumentieren und sich nicht mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

  113. Derzeit gilt es in intellektuellen Kreisen als chic, sich mit abfälligen Bemerkungen über Höcke (Trump…..) in das Gespräch einzubringen, weswegen sich die Gesprächsteilnehmer in intellektuellen Kreisen mit abfälligen Bemerkungen über Höcke (Trump ……) einbringen.

  114. georgy, ist Ihnen eigentlich schon mal aufgegangen, dass Sie in einem Blog, der sich von der von Ihnen so gehassten politischen Korrektheit verschreibt, schon längst rausgeflogen, aber wirklich: sowas-von-rausgeflogen wären?

  115. Ich weiß sehr genau, dass sie sich in dieser Richtung (Ausschluss) mehrmals bemüht haben, bzw. genau das vorgeschlagen haben.

  116. irrtum. DasWort „Ausschluss“ entstammt Ihrem Gehirn. Ich habe Ihnen lediglich vorgeschlagen (und wiederhole es), dass Sie sich hier trollen mögen. Können Sie begreifen, dass das etwas anderes ist?

  117. @ 165 (Lothar Eder): die „Nazi“-Brüllerei gegen Strauß fand ich damals auch irgendwie bescheuert und abgeschmackt, hirnlos.

    Ich habe übrigens Höcke nicht mit Hitler verglichen. Ich habe nicht gesagt: Höcke = Hitler (nach Kant wäre das ein „bestimmendes“ Urteil). Ich habe nur ein ästhetisches oder Geschmacks-Urteil (Kant: reflektierendes Urteil) abgegeben und berichtet, welche Bilder mir dabei kommen.

    Zu den reflektierenden Urteilen gehören nach Kant außer ästhetischen Aussagen auch solche, die Organismen sich-selbst-organisierende, auto-poietische Kraft zuschreiben. Daher auch die Nähe systemtheoretischen Denkens zur Ästhetik (die Prolls wie der da oben wohl nie begreifen werden).

    Wenn Sie in Urlaub fahren, nehmen Sie unbedingt auch den Artikel von S. Loidolt mit! (und vielleicht ist ja bis dahin auch mein Kant-Systemtheorie-Artiekl fertig)

  118. @ 170: Leider kann ich den Loidoldt-Artikel nicht herunterladen, weil ich kein Google Konto habe. Wissen Sie eine alternative Möglichkeit?

  119. Noch eine kleine Meldung vom Focus Redakteur Alexander Wendt:
    „Gestern hatte ich den früheren Münchner Oberbürgerbürgermeister Christian Ude besucht, der mittlerweile (als Sozialdemokrat seit Jahrzehnten) wegen seines neuen Buchs „macht endlich Politik“ von der Süddeutschen in die rechtsradikale Ecke gerückt wird. Weil er Fragen zur Migration stellt, gilt er den Kampagneros als heimlicher AfD-Mann.
    Ganz ähnlich geht es dem grünen OB von Tübingen Boris Palmer. Wegen seines Buchs „Wir können nicht allen helfen“ zwangsverortet ihn der „Monitor“-Agitator Georg Hetzle im „tiefbraunen Sumpf“. Zu dem Gespräch mit Ude gibt es demnächst einen Text in Focus.
    Nur soviel: Der Ex-OB meinte trocken, wenn Leute wie er und Palmer jetzt rechtsradikal seinen, dann seien zwei Drittel der Deutschen rechtsradikal.“

  120. @172 Lieber Lothar, mir machen diese gegenseitigen Extremisierungsversuche Angst. Vor einigen Tagen sorgte ja dieses Foto des übergewichtigen Nazis für einige Furore. Die Reaktionen auf Facebook waren erschreckend. Diejenigen, die es nicht korrekt fanden, dass Übergewicht zum Gegenstand des Hohns und Spotts werden darf – nicht einmal bei einem Nazi, sahen sich teilweise Verdachtsäußerungen ausgesetzt, die waren nicht mehr lustig. Beruhigend war aber auf der anderen Seite zu sehen, wie viele sich trotzdem mutig dagegen gestellt haben, obwohl sie teilweise als „Mitläufer“, „Nazi-Unterstützer“ und Schlimmeres bezeichnet wurden.
    Doch es ist schon so: Stellt man die Flüchtlingsfrage mit Sorge, läuft man Gefahr, dass der Mob gerufen wird.
    Umgekehrt ist aber leider auch nicht anders.
    Ich finde es traurig und mittlerweile frustrierend, dass es einfach nicht zu einem tieferen Gespräch auf Inhaltsebene kommt. Jedes Mal, wenn man das versucht, kommt garantiert irgend ein selbstgerechter Depp daher und wirft entweder der einen Seite „links-grün-versiffte Neoromantik“ vor oder der anderen „braune Agitation“. Dass man sich hier nur gegenseitig bekräftigt und sich daher den Vorwurf gefallen lassen muss, tatsächlich gar nicht an einer Problemlösung interessiert zu sein, scheint nicht weiter zu interessieren – Hauptsache als Kreuzritter der einzigen Wahrheit unterwegs.

  121. @ 173 Liebe Gitta, ich finde es wohltuend, deinen Beitrag zu lesen. Es geht auch hier nur noch ums „Rechthaben“. Das habe ich auch an anderer Stelle schon gesagt. Ich habe für mich beschlossen, so lange keinen Kommentar mehr abzugeben, bis hier eine andere Form der Diskussion aufkommt. Dir nochmal danke für deine klaren Worte.

  122. @175 Liebe Petra, es gibt einen Weg, aber für den muss man zäh sein. Vorgegeben hat ihn Robert Axelrod in „The Evolution of Cooperation“. Die Strategie „Tit for Tat“ oder „Auge um Auge“ funktioniert in einer Aussteigergesellschaft zur Bildung von kooperationsfähigen Inseln recht gut.
    Wir haben vor etlichen Jahren verschiedene Strategien programmiert und über mehrere Generationen hinweg laufen lassen. Dabei hat sich herausgestellt, dass in einer gemischten Gesellschaft, in der die Aussteiger immer wieder verhindern, dass sich Kooperationsinseln bilden (wie die gewünschte Insel einer anhaltenden inhaltlichen Diskussion), die effizienteste, bzw. die Leading-Strategie „Kooperation Total“ ist, so haben wir sie genannt.
    „Kooperation Total“ bietet grundsätzlich Kooperation an, reagiert aber auf einen Aussteiger/Ausstieg so, dass sie danach für immer aussteigt, kommt sie wieder mit ihm in Kontakt. Sie sorgt dafür, dass die „Good Boys“ eine Chance dazu haben, sich miteinander zu unterhalten, Gruppen zu bilden, Themen zu folgen, sich fortzupflanzen.
    Die nächst beste (und die, die ich sehr mag), haben wir „Härte 10“ genannt: Auf einmal Ausstieg folgen 10 eigene Ausstiege, danach wird noch einmal Kooperation angeboten, um lernfähigen Strategien eine Chance zu bieten.
    Ich wünsche Dir einen schönen Abend!

  123. NZZ:

    „Zum Abschluss: Wer die Ansichten des Think-Tanks der Grünen zu Familie und Geschlecht nicht teilt, landet neuerdings auf einer schwarzen Liste.

    Das grösste Problem für den Zeitgeist sind die Zeitgeistlosen, also all jene Leute, die noch nicht verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat. Während die Progressiven eifrig an der Gesellschaft von morgen arbeiten, stehen diese Reaktionäre noch mit einem Bein im 20. Jahrhundert oder, Gott bewahre, in einer noch weiter zurückliegenden, noch viel düstereren Vorzeit. Zum Glück gibt es für solche Fälle Einrichtungen wie die Heinrich-Böll-Stiftung.

    Der Think-Tank der Grünen, der über einen Etat von 46 Millionen Euro verfügt, hat nun eine Liste ins Netz gestellt, auf der Personen des öffentlichen Lebens in Deutschland stehen, die mit dem Familien- und Geschlechterbild der Partei hadern. Falls Sie nicht sicher sind, ob Sie da auch stehen sollten, können Sie unter dem Menüpunkt «Ideologien» den Test machen.

    Bin ich ein Maskulist?

    Bin ich ein Heteronormativer?

    Hänge ich dem Familismus an?

    Falls Sie nicht wissen, was diese und andere Fachbegriffe bedeuten, ist das zumindest verdächtig. Machen Sie am besten einen zweiten Test, in dem sie den Menüpunkt «Personen» anwählen. Ist da irgendwer dabei, den Sie kennen oder vielleicht sogar gut finden? Der Kolumnist Harald Martenstein zum Beispiel? «Harald Martenstein ist ein deutscher Journalist, der heteronormative Positionen vertritt», erklärt die Heinrich-Böll-Stiftung. Falls Sie es noch nicht wissen: Das ist nicht gut. Unter der Beschreibung folgt ein Ausschnitt aus Martensteins Wikipedia-Eintrag. Allerdings nicht derjenige, in dem andere Leute Gutes über ihn sagen. Auch nicht jener, in dem es um seine vielen Auszeichnungen geht. Wer den grünen Zeitgeist infrage stellt, und sei es ironisch, der darf auch einseitig angeprangert werden.

    Bei Redaktionsschluss dieses Newsletters standen 177 Namen auf der Liste. Es ist davon auszugehen, dass die Verantwortlichen alles tun werden, um diese Zahl in den kommenden Monaten zu erhöhen.

    Die Internetadresse des Projekts lautet http://www.agentin.org. Das passt doch.“

  124. Zwei Zitate zur Frage: „Wer zerstört ‚Streitkultur'“ ? (@163)

    „Wenn an der aufgeregten öffentlichen Auseinandersetzung über Leitkultur irgendetwas wirklich deutsch ist, dann der teutonische Eifer, mit der sie geführt wird.“

    (Norbert Lammert: Leitkultur – Eine deutsche Diskussion.
    In: Die Politische Meinung (2001), Bd. 374)

    „Wir im Islam nennen die Leute, die reden ohne zu lesen, djahil, das heißt ignorant. “

    (Bassam Tibi im nachfolgend verlinkten, lesenswerten Artikel)

    http://cicero.de/kultur/leitkultur-Debatte-nirgends-Geschrei-ueberall

  125. Mark Terkessidis setzt auf „Kollaboration“:
    Anknüpfend an seine Überlegungen aus »Interkultur« entwirft Mark Terkessidis eine Philosophie der Kollaboration, die beim wütenden und suchenden Individuum ansetzt. Eine Gesellschaft der Vielfalt, so Terkessidis, kann nur funktionieren, wenn viele Stimmen gehört werden und unterschiedliche Menschen zusammenarbeiten.

    (…lese gerade sein gleichnahmiges Buch)

    (ab min: 06:30 geht’s um Leitkultur…)
    https://www.youtube.com/watch?v=pXfOS4ghqXU

  126. @ 165: Ach Gott, nee Meister Pumuckl

    Fritzens Impulse in allen Ehren …

    „Eben deshalb habe ich ja empfohlen, jenseits des ästhetischen Urteils, sich zum Vergleich die Ende der 90er Jahre von Walser und Augstein formulieren Einwände bzgl. der deutschen Erinnerungskultur ins Gedächtnis zu rufen und mit Höckes Einlassungen zu vergleichen. Es ist auch ein Kardinalfehler, hier immer „ad hominem“ zu argumentieren und sich nicht mit den Inhalten auseinanderzusetzen.“

    aber bedenken Sie bitte auch die „ad hominem“ – Kardinalfehler, die sich lieber nen Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach zulassen….

    und im übrigen, wenn es sich schon um FJS dreht, der ist in Regensburg verblichen – bei den barmherzigen Brüdern – und nicht in München, gell das is wichtig!!!

    Und lieber Meister PEder, zum Schluss eine kleine Empfehlung
    …. tun Sie sich das bitte nicht an, als Urlaubslektüre, was Sie da so vor hatten …

    Nehmen Sie lieber „Jakob und seine Brüder“ mit,
    das hat von allem was … selbst im Loggesang der Wörter fehlen nicht die Hosenträger für so manche Hemdärmeligkeiten, wie man sie gelegentlich auch bei verunglückten Ehen aus Philipsburg kennt.
    Naja, nicht jeder hat eben die Größe so locker flockig den Unrat vom Kehrricht nochmals zu diverisifizieren …
    und anschließend Apple mit Äppel gefüllt vom Blech zu liefern.
    im alten Land geht das vielleicht noch,
    aber den Meisten geht ja heitzetags ohnehin der Sinn für die Landlust ab.

  127. Georgy – sind wir nicht alle nur Pipis und Popos? Nichts weiter als Pipis und Popos? Das ganze Leben nichts als Pipis und Popos? Unfrei? Triebgesteuert? Pipi gegen Popo?
    I gegen O? Unfähig, eine Leitkultur zu formulieren, unfähig, gegen (!) die triebgesteuerten Menschenhorden etwas auszurichten? Unfähig zur Inte-gration. Nur Pipis und Popos eben.

    https://www.youtube.com/watch?v=fh2pC4Yftks

  128. In der Bildungspolitik haben sie eine grün-linke „Leitkultur“ mit inzwischen katastrophalen!! Folgen.
    In den Schulhöfen z.T. eine türkische bzw. nordafrikanische….

  129. Na lieber Herr Georgy, schlagen Sie doch mal was konkret was vor, wie was in der Bildungspolitik oder auf den Schulhöfen anders laufen könnte. Ich bin gespannt. Meckern kann jeder…

  130. @ 180: Ach, ein wenig Kant kann nie schaden. Und ich habe ja auch noch einen Simon dabei (zur Aufklärung der Aufklärung). Und „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ von Jean Liedloff sowie „Ursprung und Weg des Menschen“ von Wolf-Dieter Storl . Und dann noch ein zwei Bücher über Permakultur. Das alles zusammen erdet dann ganz ordentlich, zumal wenn es mit niederbayrischer Luft verbunden ist.
    „Jakob und seine Brüder“ kenne ich nicht – „Joseph und seine Brüder, Thomas Mann“?

  131. @ 173: Liebe Gitta – Angst vor Extremisierungsversuchen, ja, kenne ich gut. Will ich hier gerade nicht vertiefen. Aber ich bin wenig optimistisch. Weder was die Kultur hier im Blog noch was die Entwicklung in der Gesellschaft betrifft.

  132. @ 184 (M. Gerstner): wenn die These stimmt, dass es sich hier um einen Troll handelt, dann werden Sie auf Ihre Frage keine Anwort bekommen.
    Ich bin mal gespannt…

  133. @187 Lieber Lothar (Siggi, Deine Gedanken fand ich sehr interessant), es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

    Der Gedanke der Kooperation kann ja nicht bedeuten, dass man darauf wartet, dass ein anderer damit beginnt, sondern, dass man, das Gefangenendilemma berücksichtigend, erkennt, dass man selbst damit anfangen muss. Es ist der eigene Kommunikationsstil, auf den es ankommt und dann die Frage nach der Goldenen Regel und nach dem, was man als Leitkultur begriffen sehen will – die wir ja kaum von unserer Art und Weise zu kommunizieren trennen können.

    Ich kann schwerlich erwarten, dass andere mir zuhören, wenn ich ihnen immer nur weiter eigene Gedanken vorstelle, anstatt von Kooperationsbereitschaft auszugehen und die Gedanken der anderen aufgreife. Ich gehe tatsächlich davon aus, dass sich die Schreiber weltweit – und vor allem in diesem Blog – die das Thema Flüchtlinge und Islamisierung weniger angstvoll betrachten doch zu weiten Teilen bewusst sind, dass es nicht ohne Probleme daher kommt.

    Wieso sind wir dann also so bescheuert, dass wir darüber nicht reden? Ego? Stolz? Angst vor Territorialverlust? Angst vor Identifikationsverlust? Irgend etwas jedenfalls auf dem 2. Schaltkreis (Leary). Letztere sollte jedenfalls Interessierten an der Systemik komplett albern vorkommen.

    Die Sache ist die: Ja, die Flüchtlingsproblematik kommt nicht ohne Probleme daher. Sie hat sogar den falschen Namen – und da fängt die Sache überhaupt erst an. Solange wir das so nennen, haben wir noch ein paar Probleme mehr, und die sind zuviel. Eine sehr viel passendere Bezeichnung macht das Ausmaß der Herausforderung oder Katastrophe (je nachdem, wie man getaktet ist) wirklich klar, und jetzt erlaube ich mir Brüllschrift:

    VÖLKERWANDERUNG

    Ihre Ursachen sind viele, und von denen haben nur sehr wenige nichts mit uns zu tun.

    Was wir jetzt haben, sind diejenigen, die glauben, dass sie das Problem mit Aus- und Abgrenzung lösen können und diejenigen, die glauben, dass Integration der bessere Weg ist.

    Doch so am Rande, so simpel, denken die Wenigsten, und was mich angeht, sehe ich überhaupt keinen Sinn darin, mit ihnen zu sprechen. Wir schaffen es nur immer wieder, dass wir uns gegenseitig an diesen Rand schubsen und so verhindern, dass es zu Diskussionen kommt, die uns alle weiter bringen. Ich bin an dem Punkt angekommen, dass ich auch nicht mehr mit denen diskutiere, die an dieser Stelle ihr eigenes Verhalten nicht debuggen wollen – ich sehe das nämlich ganz im Sinne Axelrods als Aussteigerverhalten als, als absolut kontraproduktiv und dumm.

    Wir werden nicht dahin kommen, das Thema auch nur ein einziges Mal vernünftig zu besprechen, wenn es uns nicht gelingt, vorher endlich die Metadiskussion zu führen, in der wir unseren Kommunikationsstil beäugen und uns fragen, was wir hier eigentlich machen.

    Bislang kamen dazu Vorschläge wie „Inhalts- und Beziehungsebene“. Das reicht aber nicht. Es ist nicht nur das. Wir spiegeln auch hier gesellschaftlich konditionierende Mechanismen – schlauer: Wir spielen. (Ich denke dabei auch gerade an Eric Berne.)

    Wenn man will, dass die eigenen Sorgen und Ängste gehört werden, muss man sie zum Ausdruck bringen und dann dafür sorgen, dass man das so macht, dass andere eine Chance haben zuzuhören. Das geht ganz sicher nicht so, dass man ständig noch mehr Material oben drauf kloppt, welche Autoritäten noch alles dasselbe sagen wir man selbst und außerdem ständig suggeriert, der andere wüsste das nicht längst und sei zu dumm dazu, das in sein Denken zu integrieren. In so einer Situation braucht kein Mensch mehr Material so vorgelegt, dass man den Eindruck erweckt, man wolle den anderen damit erschlagen oder ihm zeigen, wie elitär, intellektuell etc. das ist. Wer ins Gespräch mit der Haltung des Territorialkämpfers geht, hat schon verloren – und das Schlimme ist, er hat nicht nur den Kampf verloren, denn am Ende verliert immer auch der Sieger, sondern er hat sein Thema verloren: Es geht tatsächlich um was anderes. Man könnte auch sagen: Heuchler!

    Wir haben die Wahl zwischen 5 Punkten, wenn wir aussteigen und gehen dabei das Risiko ein, dass der andere das auch macht, und dann wandern wir beide ins Gefängnis der immer gleichen Schleife. Oder aber wir gehen das Risiko ein, begeben uns in Richtung der Gesprächsmitte und setzen darauf, dass unser Gesprächspartner genauso schlau ist. Dann bekommen wir 3 Punkte in Form von Anerkennung, gutem Gefühl (verstanden worden zu sein) und neue Ideen aus der Perspektive des anderen.

    Wer nur auf Konfrontation setzt und abgrenzt, kriegt nichts zustande. Mit solchen Leuten löst man keine Probleme und baut nicht an einer besseren Gesellschaft. Ausstieg ist meiner Ansicht nach ein Luxusverhalten. Wer einmal um sein Überleben selbst kämpfen musste, unabgesichert durch das soziale Netz, der weiß, dass er sich das nicht leisten kann. Der Stammtisch-Luxuspolitiker nimmt die Probleme, von denen er tönt (oder sie natürlich) gar nicht wirklich ernst. Es geht nicht um Leben und Tod, sondern um Ego und Status, ums Rechthaben.

    Zum Abschluss völlig zusammenhanglos ein Scherz zur Auflockerung für Luhmann-Freunde:

    „Professor, was ist eigentlich Gemüse in der 5. Dimension?“
    Luhmann reicht dem Studenten ein Vegetarisches Kochbuch.
    … Nach einer Weile der Student:
    „Und in der 6.?“
    Der Professor legt ihm das „Handbuch für den kleinen Gärtner“ in die Hände.

    Schönes Wochenende!

  134. Die (Leit-)Kulturveränderung auf den Schulhöfen und in Stadtteilen geht in Richtung
    EHRE!!, statt WÜRDE.

    (Man sieht das auch stark an der politischen Entwicklung in der Türkei – aber diese Entwicklung ist längst hier)

  135. @189 Ja!
    Ohne entwicklungsfähigere Kommunikations- und Debattenkultur bewegt sich leider nix in eine halbwegs vernünftige Richtung. Offensichtlich sind hier einige „Hausaufgaben“ noch zu machen bzw. versäumt worden zu machen.

    Tibi analysiert (m.E. zu Recht) eine seit Jahrzehnten beobachtbaren Unfähigkeit auf der politischen Bühne differenziert zu beobachten, zuzuhören und reflektieren.

    Statt Reflektion (re-)agieren Reflexe. Begriffe, wie z.B. „Leitkultur“ werden unkultiviert und moralinsauertöpfisch, noch bevor eine kultivierte inhaltliche Debatte stattfinden kann, (aus welchen unzivilisierten und irrationalen Gründen auch immer) schon im Vorfeld besserwisserisch verhunzt und verbrannt.

    Falls sich das sich weiter vergiftende (Kommunikations-)Klima nicht bessert, lassen sich destruktive Folgen für die Gesellschaft und ihre Bürger prognostizieren.

    @0 Ich neige deshalb zum Widerspruch: Nein! Eine Debatte (welche diesen Namen verdient) findet nicht statt.

    Die These Tibis lautet:
    „keine Integration ohne eine inklusive Identität“

    Da Identität einer möglichen Integration vorausgeht, und solange dies (aus der Perspektive Tibis), nicht akzeptiert und verstanden wird ( von „europäischen Klotzköpfen“ mit einer „beschädigten Identität“), prognostiziert Tibi als Folgerung daraus: eine „islamische Leitkultur für Europa“.

    Bassam Tibi im lesenswerten Artikel:
    http://bazonline.ch/ausland/europa/die-missbrauchte-leitkultur-eine-beschwerde/story/14576141

    Ein schönes Wochenende zurück.

  136. @191 „Tibi analysiert (m.E. zu Recht) eine seit Jahrzehnten beobachtbaren Unfähigkeit auf der politischen Bühne differenziert (…) zu beobachten, zuzuhören und reflektieren.“

    : (… und dimensioniert!)

  137. Lesenswert ( um sich nicht bei Bassam Tibi festzubeissen )
    „..Was Sommer zunächst als die vermeintliche Beliebigkeit des Redens von Werten in Rage gebracht hat, legt er nun als Ausdruck einer zustimmungsfähigen Vielfalt von Lebensmöglichkeiten aus, die für die Individuen Orientierungs- und Redebedarf mit sich bringen. So ist seine Arbeit, die aus Seminargesprächen mit Studierenden hervorgegangen ist, nicht zuletzt ein schöner Beleg für die eigene These, dass es sich zumindest manchmal lohnen kann, seine eigenen Wert- oder Unwertüberzeugungen zur Diskussion zu stellen.“
    https://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/werte-debatten-der-pluralismus-und-das-unendliche-gespraech-ld.112799

  138. Beobachtete Kultur auf Schulhöfen und in Stadtteilen:
    „Isch disch Messer!“
    Erpressung, Einschüchterung,………..die Skrupellosesten setzen sich wieder durch.

    (Davon bekommt das „Feuilleton“ natürlich nichts mit………
    träumt weiter……)

  139. @192 Ja!

    Ein Mittel um sinnvolle Differenzierungen, Aufmerksamkeit und eine kultiviertere Sachorientierung wieder auf ein fruchtbareres Niveau zu heben, ist die Erinnerung an – und der Einsatz entsprechend bewährter Sprichwörter:

    „Auf einen groben (=ignoranten) Klotz gehört manchmal ein entsprechend grober (=widersprechender) Keil“

    Gerade wer Anspruch von Deutungshoheit für fundamentale Leit-Begriffe beansprucht, sollte fairerweise bereit sein, seine vermittelten Inhalte qualitativ auf Herz und Nieren prüfen zu lassen, damit sichtbar wird, ob denn die jeweils mitgedachten „Werte“ (im Sinne Kant’s) auch wirklich einen universalen Sinn und folglich interkulturellen Konsens beinhalten.

    Das ganze macht natürlich im realen Leben mehr Sinn, als in der virtuellen Welt.

  140. @195: Sie spielen halt weiter Ihre Greatest Hits obwohl die Platte schon ausgeleiert ist. Ich hatte gefragt, was Ihr Vorschlag ganz konkret wäre – auf dem Schulhof oder in der Bildungspolitik. Kommt da noch was – oder ist das alles, was Sie auf dem Kasten haben?

  141. @196 So etwas wie „universalen Sinn“ gibt es nicht, aber ich denke, ich verstehe, was Du meinst.
    Die vier benannten Grundwerte – Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft – müssen den Fokus einer jeden reflektierenden und reflektierten politischen Diskussion bilden.

    Ich verstehe übrigens „Integration“ als mehrseitig und interaktiv. Und das heißt für mich nicht nur, dass ich von Migranten erwarte, dass sie lernen etwas mit den Grundwerten anfangen zu können (was nicht immer leicht ist, wenn man sich überlegt, dass die meisten Deutschen damit ja schon Schwierigkeiten haben und ein sehr schlechtes Beispiel abgeben), sondern auch, dass ich mir ansehe, was ich von ihnen lernen kann. So finde ich beispielsweise den Respekt vor alten Menschen und ihrer Lebenserfahrung wichtig – unabhängig davon, wie verrückt oder klapprig sie mir vorkommen mögen – und kann da von Türken, Syrern oder Asiaten eine Menge lernen. Mir läuft die Galle über, wenn ich Deutsche sagen höre: „Lass doch mal die Oma durch.“ Was fällt ihnen eigentlich ein, sich eine solche Herablassung zu erlauben – von den widerwärtigen Zuständen in vielen Alten“heimen“ mal ganz abgesehen.

    Ich stelle es mir so vor, dass unsere eigene Lern- und Anpassungswilligkeit die umgekehrte leichter macht, denn wenn unser eigenes Leben ein Affront gegen die Menschlichkeit ist, wie will man dann etwas anderes als Abgrenzung erwarten?

    Die Arroganz und Überheblichkeit vieler Integrationsforderer, die unsere fundamentalen Schwächen ausblenden und die einseitige Forderung stellen, während sie bequem vom sozial und finanziell abgesicherten Posten die Zustände mokieren, nervt nicht nur, sie ist Teil des Problems.

  142. 1988 entführte die Mafia in Palermo einen Setzer der tageszeitung, um Geld zu erpressen. Die gesamte taz-Belegschaft solidarisierte sich spontan und fuhr nach Sizilien, wo sie sich als Kollektiv kidnappen ließ. Dies trieb allerdings die Lösegeldforderungen immens nach oben, so dass die taz einen Hilfsaufruf an die Leser startete und mit der Einstellung der Zeitung drohte, wenn nicht 5000 Abo-Bestellungen eingehen. Die Aktion funktionierte und die Freigekommenen …
    …..
    sprechen noch heute von einer wichtigen Erfahrung und Begegnung mit einer zuvor nicht verstandenen Kultur.

  143. Gedanke Experiment: Eine Person, von der Angst getrieben, überfallen zu werden, lernt eine Kampfkunst. Mit dem Gefühl, etwas tun zu können, falls der schlimmste aller Fälle eintritt – ein Überfall -, lebt sie fortan gelassen, glücklich und zufrieden. Nach 10 Jahren wird sie bei einem Überfall erschossen. Hat sich die Kampfkunst gelohnt?

  144. Nein.
    Achten sie darauf, ihre Gene entweder getrennt zu entsorgen oder besser gleich bei einer gemeinnützigen Sammelstelle abzugeben,
    wo sie Bedürftigen zugute kommen, die zu wenige oder gar keine Gene haben.

  145. Aus dem Zeitgeistknigge:

    Das aufgestaute Wutpotential nach innen zu richten, das allein ziemt sich für den Intellektuellen.

  146. Ganz allgemein:

    Man sollte auch immer prüfen: „Ist es jetzt halb schlaff oder halb steif?“

    (Ich persönlich denke, das ist Ansichtssache……..)

  147. Vielleicht sollte ich mich auch als Sockenpuppe hier rumdrücken. Scheint einfacher zu sein statt persönlich Verantwortung für das eigene Gesabbel zu übernehmen.

  148. Ich habe halt solche Schuldgefühle, dass ich nicht zu den Eingewanderten gehöre………

    Können sie mir da helfen als Psychologin?

  149. @ 198: Diese Art von Integration: „mehrseitig und interaktiv“ findet autopoietisch statt. Das ist das, was ich unter „Kultur im weitestens Sinne“ verstehe.

    Eine wie auch immer geartete „Leitkultur“, ob europäisch, deutsch, CDU-mäßig oder CSU-mäßig ist immer eine Richtschnur, die einseitige Vorgaben macht und keine Veränderung der Aufnahmekultur erwartet.

  150. @217: Auf jeden Fall suchen Sie Anschluss: Zehn Postings hier allein heute (das erste um kurz vor acht) mit max. fünf Stunden Abstand, einige darunter mit Fragen endend. Nicht auszuschließen, dass Sie noch in anderen Blogs unterwegs sind. Ein magerer Zeitvertreib bei Ihrem anstrengenden Werktagsalltag und dem schönen Wetter heute.

  151. Ja, ein verbaler Ferienflirt wäre ganz lustig.
    Aber nicht mit ihnen oder Herrn Gerstner, das verstehen sie doch bitte…….

  152. @219: Naja, es gab ja schon zahlreiche Lossagungen von unterschiedlichen Blogakteuren und dann fulminante Wiedereinstiege. Das steigert einfach meine Phantasie, aber das muss ja dann gar nichts mit dem Gegenüber zu tun haben.

  153. ….und mit Gitta auch nicht. Die wird immer gleich moraldominant und will dann maso-meta von mir.

  154. Herrn Frafri wollte ich noch erzählen (nach der genau 5-stündigen Gartenarbeit), dass ich gelesen habe, dass anhand genetischer Befunde eindeutig nachgewiesen wurde, dass der Schimpanse vom Menschen abstammt.
    Irgend so eine degenerierte Seitenlinie einer für damalige Verhältnisse hochstehenden
    Zivilisation, die sich abspaltete………

  155. Auch ein System
    Sollte manchmal schlafen gehn
    Und dann ist es schön
    Sich morgen wiederzusehn
    Oder auch nicht
    Und aus ist das Gedicht
    (Ui, das reimt sich!)

  156. George: also Eckhart Tolle sind Sie leider nicht! Obwohl, wenn man das r streicht…

    Ich vermute, er würde anders über seine Schüler sprechen, als Lehrer, auch aus der Position des Lehrers, der ja unmöglich die Pause im Schulhof als Pause im Schulhof erleben kann. Ich frage mich bei Ihnen dauernd, woher Sie die Gewissheit nehmen, was bei Ihren Schülern so abgeht.
    Wie machen Sie das nur? Ehre, Würde, Ethik? Was ist es und woher wissen Sie das?

    Persönlich meine ich, dass Bildung die zu erfüllende Haupt(haus)aufgabe ist, denn nur Bildung schafft jenes Wissen, das man braucht, um reflektiert über die Zukunft nachdenken zu können. Es wäre ideal, wenn hier maximale Anreize für jeden Menschen in einem Land geschaffen werden (Lernen ist nicht immer für jeden Menschen angenehm und möglich…es gibt auch Konsolidierungsphasen…).

  157. Eine letzte kleine Gute-Nacht-Geschichte:

    https://www.nmz.de/artikel/affenfelsen

    „Die Forschungsgruppe „Brunftverhalten“ liefert exklusiv für unsere Rubrik zur

    „Rettung der Menschheit vor dem Weg in die Kulturgesellschaft“

    eine Kurzanalyse des ersten direkten Aufeinandertreffens der Bewerber um die Maximalgunst ……..:
    Der erste Revierkampf auf dem Pavianfelsen im Zoo Systemhof verlief überraschend aggressionsarm. Die Beisslust des Beta-Primaten Edmund visualisierte sich allenfalls in gelegentlichen Speicheltröpfchen auf der Unterlippe, während Alpha Gerhard immerhin einmal deutlich die Zähne zeigte. Der Austausch ritualisierter Grunz- und Knacklaute verlief diszipliniert, bei Edmund unerwartet perlend – was ihm Reviervorteile verschafft haben mag. Gerhard intonierte aus dem vollen Volumen eines prall gefüllten Brustkorbes verhalten, während Edmund konsequent das Belüftungspotential seines überlegenen Kehlsackes zum Einsatz brachte. Wenig überraschend die Konfiguration der Brunft-Lappen: Mattrot bei Gerhard, laublau bei Edmund. Die Reaktion der Herde: Erkennbar gespalten, nur wenige Affen lausten sich, gelegentlich wurde die Nahrungsaufnahme unterbrochen und gänzlich auf Flüssigkeit umgestellt.

    Das gewohnte anschließende Geschnatter der paarungsunfähigen Seniorinnen und Senioren abseits der Herde hielt zwar stundenlang an, was freilich angesichts der in Aussicht gestellten kleinen Belohnungs-Leckereien nicht wunder nimmt.

    Alles in allem ein enttäuschendes erstes Zusammentreffen, das wenig Hoffnung in eine mögliche evolutionäre Entwicklung übrig lässt: Hinweise auf die Nutzung von Kulturtechniken oder gar Ansätze zu einem präkulturellen Verhalten gab es nicht.

    Fazit: Primatenunwürdig.“

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