Freie Assoziationen (u.a. zur Freien Themenwahl)

Was ist bei mir hängen geblieben von den bislang 142 Kommentaren zur „Freien Themenwahl“?

Die Frage, wozu dieser Blog den dient? Meine Antwort: Meine Beiträge, vor allem aber die Kommentare, scheinen mir – wie jede andere Publikation – eine Art Bekanntschaftsanzeige, die nach dem Prinzip funktioiert: Ehepaar sucht gleichgesinntes…

Die Klage, dass auf die Argumente der Kommentatoren von mir nicht eingegangen wird: Es gibt kein Recht, das mich dazu verpflichten würde, auf irgendwelche Argumente einzugehen. Wenn ich einen Beitrag für schwachsinnig oder uninteressant halte, dann antworte ich nicht (was nicht heißt, dass ich alles für schwachsinnig oder uninteressant halte, worauf ich nicht antworte, da ich ja nicht mal alles lese…).

Dass Kant Konstruktivist war: Geschenkt, eh klar…

Dass Ästhetik ein Thema ist, mit dem die Systemtheorie sich mehr beschäftigen sollte: Gute Anregung, hier gibt es sicher einigen Reflexionsbedarf.

Anderes Thema: Da ich gerade Slavoj Zizek in einem Fernsehinterview gesehen habe (3Sat), eine Frage an den Körperleser: Wie lässt sich lesen, dass Zizek sich – geschätzt – 5 mal pro MInute an die Nase fasst (das sind in einem Gespräch von 45 Minuten Dauer mehr als 200 mal)?

Ein Spruch von ihm, der mir gefallen hat: „Glück ist was für Idioten!“

54 Gedanken zu “Freie Assoziationen (u.a. zur Freien Themenwahl)”

  1. Sich im Gespräch häufig an die Nase zu fassen könnte bedeuten, dass Slavoj Zizek verunsichert und unschlüssig ist (sicherlich aufgrund der Stresssituation, vor einer Fernsehkamera zu stehen oder zu sitzen). Wer sich während des Sprechens an die Nase, an den Mund oder ans Kinn fasst, signalisiert Verlegenheit und erweckt den Eindruck „Ich bin ertappt“.

  2. Passend zu diesem Blog: „Handle nicht, denke einfach.“ Wobei Slavoj Zizek wohl nicht „simpel“ meint.

  3. „Slavoj Zizek spricht schnell. Als wäre der Teufel hinter ihm her. Kaum eingestiegen ins Taxi, überspringt er das Kennenlernen und redet, philosophiert, räsoniert darauflos. Fortwährend schwingt er dabei seinen Kopf zur Seite, als wäre dieser der Wagen einer alten Schreibmaschine. Er fasst sich ins Gesicht, die Ohren, streicht sich über die Haare seines Ponys, wischt sich über den Mund – erst mit der einen, dann mit der anderen Hand. Wäre Zizek ein Jugendlicher, die Diagnose wäre klar: ADHS – Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.“ von Oliver Nachtwey

  4. Was sehen wir denn anderes als
    frei flottierende Massenteilchen, die auf mehr oder minder ver(un)sichertem Posten
    ihre verlorene Form suchen,
    und die reale Kehrseite ihrer Medaille(n) nicht zu fassen kriegen
    … bis es sie selbst und ganz persönlich mit Haut und Haaren erwischt?

    „Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück“

  5. @ „Bekanntschaftsanzeige, die nach dem Prinzip funktioiert: Ehepaar sucht gleichgesinntes…“
    @ Frei Assoziationen zur freien Partnerwahl
    Wie hat es Ihnen denn gefallen? Kein äthetisches Urteil, bitte! Organisationstheoretisch.

  6. @ 9: ….oder so ähnlich.
    Aber was ist, wenn Beides nicht (mehr) zutrifft?
    Dann tut man sich schon etwas schwer mit dem gutgemeinten Gesundheitsmanagement.
    Vor allem, wenn dann noch nicht einmal die Finanzen mehr reichen, um den ganz normalen Lebensbedarf zu decken.
    Wie ist denn der aktuelle Stand, vor allem beim akademischen #Prekariat?

    Gleichgültig in welchem Alter, gleichgültig mit welcher beruflichen (Spitzen)-Qualifikation, gleichgültig mit welcher körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Fitness, sind wir nicht mitten in der Kippfigur der gesellschaftlichen Transformation?

    Da dürfen sich etliche „Idioten“ – in Übersprungshandlungen- auch einmal hektisch – verlegen an die eigene Nase packen.
    Vielleicht auch, weil ihnen ihr Glück – bei Licht besehen und wohl wissend, wie sie in angreifbar exponierter Stellung stehen – eher unangenehm, vielleicht sogar schmamvoll peinlich ist?

  7. @ „5 mal pro MInute an die Nase fasst“
    Besser als wenn sich Zizek einmal pro Minute in die Hose greifen würde, um anschließend an senier Hand zu schnüffeln… Dann würden Erinnerungen an andere intellektuelle Taschenspieler wach.

  8. @11: Slavoj Zizek packt sich doch nicht deshalb verlegen 5 mal pro Minute an die eigene Nase, weil er in angreifbar exponierter Stellung (immerhin 3Sat!) meint, bald zum akademischen Prekariat zu gehören, sondern wegen seines spätpubertären Juckreizes.

  9. Freie Assoziationen zur freien Themenwahl: „Verhältnis zu Ankara: SPD-Vorsitzender und Vizekanzler Sigmar Gabriel bedauert unterkühlten Umgang mit der Türkei nach dem angeblichen Putschversuch“ http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/verhaeltnis-zu-ankara-gabriel-bedauert-unterkuehlten-umgang-mit-tuerkei-nach-putschversuch-14409824.html
    Das ist Siggis lautstarkes Bekenntnis zu den drei ehernen sozialdemokratischen Prinzipien Opportunismus, Klassenverrat und abgrundtiefe Dämlichkeit.

  10. Auch mal ein Blog-Thema wert: TTIP. Dazu unser Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel: „Das Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA ist praktisch nicht mehr machbar.“ Die Verhandlungen seien «de facto gescheitert, auch wenn es keiner so richtig zugibt», sagte der Vizekanzler der großen Koalition beim «Tag der offenen Tür» der Bundespressekonferenz. In 14 Verhandlungsrunden zu 27 TTIP-Kapiteln habe man «nicht einen einzigen gemeinsamen Text hingekriegt». Die Europäer dürften sich aber den amerikanischen Vorschlägen nicht unterwerfen.

  11. „Wiederholtes an die Nase greifen…“
    Deutungsversuche:
    * Zwangshandlung zur Emotions-Regulation wie bei einemTick…
    * Wiederholbarkeit ist eine „Feedback-Leistung“ zur Selbstvergewisserung und zu Herstellung von Kontingenz, sowie der Illusion von „Sinnhaftigkeit“…
    * Kommunikation mit sich selbst als „Zu- und Übereinstimmung“: zur unbewussten Selbstbestätigung….
    * der flüchtige Gedanke wird mit diesem Ritual gewürdigt um einem neuen Platz machen zu können…

    *

  12. Ich würde „es“ so erklären: die reziproke Zone der Nase ist der Bauchnabel. Ich vermute also, er hat so einen Fussel im Nabel, der entsteht durch die in Richtung Körpermitte gekämmte Behaarung beim Mann und die Baumwollfussel auf Unterleibchen, die dann Richtung Nabel wandern, sich dort zu kleinen Fusselanhäufungen kugelförmig bündeln und regelmässig abgeerntet werden müssen. Zizek würde es/ihn während des Interviews gerne rausholen, kann aber nicht…

  13. @15: Kinder! Steigt nicht zu Islamisten in gemietete Lkws, nehmt von fremden Flüchtlingen keine Süßigkeiten an, auch wenn sie „100 Prozent halal“ sind. Bleibt lieber stets in der Nähe von Innenonkel Thomas de Maizière! In seinem videoüberwachten Keller seid Ihr sicher!

  14. @18: Ein typisches Männerleiden… Ich habe noch nie eine Frau gesehen, die interviewt wurde und sich ständig an die Nase fasste. Damit wäre dieses Rätsel gelöst! Danke, Andrea!

  15. Ist dieser Glücksspruch alles, was Zizek zu sagen hat? (Würde mich ja nicht wundern, bei der Wortdichte/Minute…wie jemand so schnell denken kann und sich gleichzeitig noch befummeln kann, ist mir ein Rätsel – …).

  16. Was lernen wir an diesem Beispiel: die Befummelung von Körperteilen ist Fakt, daran kommen wir hier nicht vorbei (man könnte das Ganze auch in Zeitlupe abspielen und dann sehr genau beschreiben wie er sich nun genau befummelt und wie oft…dennoch bleibt die Nase eine Nase und wird nicht zu irgendeinem anderen Organ…). Erklären können wir dieses wunderschöne Fummelverhalten auf beliebig viele Weisen. Keine dieser Erklärungen kann auf ihren Wahrheitsgehalt mit dem internen Verschaltungsmuster Zizeks abgeglichen werden. Wir könnten ihn vielleicht auch fragen (wenn es denn nicht unhöflich wäre und von Wichtigerem ablenken würde) und er würde vielleicht sagen: „Ich befummle mich doch gar nicht…“ oder „Es juckt ständig.“ oder „Immer wenn ich gerade eine Sprechpause mache, fummel ich…“ oder was auch immer…(ich vermute, er merkt es gar nicht und wenn er es kurz merkt, dann fummelt er am Ohr herum und nicht an der Nase…das lenkt den Beobachter ab…). Lesen können wir hier jedenfalls nichts…
    Solange ihn selber das Befummeln nicht stört (und es schaut doch gar nicht danach aus) ist es doch völlig egal, ob er nun fummelt oder nicht fummelt. Ich meine, es ist weder eine Störung noch keine Störung. Es ist, was es ist.

  17. Anstatt über Zizek’s nervöse Marotten zu spekulieren, wäre es vielleicht ganz sinnvoll, zumindest das begleitende Resümmee zu dieser Sendung auf sich wirken zu lassen, um zu erfahren, was er zu sagen hat.

    „Der Kapitalismus – das ist ja die Tragödie – zerstört zunehmend das, was er in seinen besten Momenten hervorgebracht hat: nämlich Demokratie, Menschenrechte und so weiter“, sagt Zizek. Deshalb brauche es eine radikale Veränderung des Systems. Allerdings heiße das nicht, dass der Kapitalismus abgeschafft werden solle: „Der freie Markt hat durchaus seine Berechtigung“, so der Philosoph. „Was ich sage, ist nur, dass lebensnotwendige Belange für den Menschen wie Ökologie etc. nicht vom freien Markt reguliert werden sollen.“
    …..
    „Anstatt diese Ängste und Probleme der Menschen ernst zu nehmen, würden sich viele links-liberale politische Kräfte arrogant über sie erheben und und sagen: „Das ist Faschismus.“ Zizek ist überzeugt, dass die traditionelle Linke ausgedient hat. Er hat stattdessen eine globale linke Kraft als Alternative vor Augen. „Kommunismus nur in dem Sinne, dass wir uns darauf einigen, dass es jenseits des Marktes und der Souveränität von Staaten gemeinsame Interessen gibt.“ Er sei „für die globale Solidarität mit allen Ausgebeuteten und Unterdrückten – wenn das nicht gelingt – dann sind wir verloren“, so Zizek.“

  18. @ 25: Zizeks Analysen und Thesen sind ja im Grunde überhaupt nichts Neues.

    Nur ist auf eine plötzliche Einsicht der Lobby – ganz normal getrieben vom Wahn neoliberaler Gesinnung – auch nach noch so leidenschaftlichen und immer hektischer werdenden Appellen von Experten nicht zu hoffen.

    Reden reicht bekanntermaßen nicht und Appelle alleine bewegen auch nichts nzw. wenig..

    Die Frage ist, wie soll man das Ganze umsetzen?
    Dass wir verloren sind, sofern der Ansatz und das anhängende Projekt scheitern sollte,
    das glaube ich allerdings nicht.

  19. @25: Klingt gut! Wenn auch infantil: „dass wir uns darauf einigen, dasS es jenseits des Markts und der Souveränität von Staaten gemeinsame Interessen gibt“. Hahahahahaha, selten so SCHÖN gefurzt! „Wenn das nicht gelingt – dann sind wir verloren““. Hohohohohohoho, wir armen, dummen Kinder! Wir sind so hilflos ohne solch grandiose Meisterdenker wie Slavoj Zizek und Peter Sl.terdijk. Doch dank dieser denkenden Denkdenker – kreuz und quer, vor und zurück, hoch und runter und noch im mal von vorn das Ganze im Tetralemma -, denen wir unseren innigsten Dank schulden, die uns als väterliche Überväter beobachten und betütteln, die ihren Unterhaltspflichten stets pflichtschuldigst nachkommen, dank ihnen wissen wir, was zu tun ist: Gutenachtkuss, Gutenachtkuss, Gutenachtkuss! WIR SCHAFFEN DAS!!! Und zwar ohne Euch!!!

  20. Slavoj Zizek im ZEIT-Interview (8. April 2016, 12:29 Uhr ZEIT Campus Nr. 2/2016, 9. Februar 2016): „Das mag wie ein Witz oder eine extreme Position klingen, aber es ist im Kern das, was wir fanatischen Philosophen – und ein paar gibt es ja noch – wirklich denken: dass die Realität nur existiert, damit wir Bücher darüber schreiben können.“ – „Wir erleben die Welt mehr und mehr als chaotisch. Dass es an Orientierung fehlt, merkt man auch daran, dass diese paranoiden Verschwörungstheorien heute nur so explodieren.“ – „Vielleicht bin ich heimlich doch ein alter, naiver Linker. Solche verwirrenden Situationen sind im Allgemeinen gefährlich und katastrophal. Aber sie eröffnen gleichzeitig auch die Möglichkeit für echte Veränderung.“ – “ Mir erscheint recht offensichtlich, dass all die Phänomene vom globalen Kapitalismus erzeugt werden. Ich glaube nicht an eine große leninistische Revolution, ich bin ja kein Idiot. Die Zeit dafür ist vorbei! Das 20. Jahrhundert ist vorbei! Aber selbst wenn das utopisch klingen mag: Die Lösung ist eine globale ökonomische Veränderung. Und wir brauchen Mechanismen internationaler Kooperation jenseits der Märkte. Klappt das nicht, steuern wir auf eine neue Apartheid zu.“ – „Wir sollten uns immer bewusst sein, dass die konkreten politischen Probleme, mit denen wir uns befassen, Teil einer globalen Situation sind. Der Kampf gegen TTIP, Umweltschutz, WikiLeaks, das ist alles miteinander verknüpft. Aber: Wenn wir auf die große Revolution warten, wird gar nichts passieren. Wir sollten also an spezifischen Konflikten hier und dort partizipieren in der Hoffnung, dass eine dieser Auseinandersetzungen einen gewissen Fortschritt bringt. Wir müssen aber all diese Kämpfe führen.“ – „Es gibt so etwas wie die Kraft der Verzweiflung. Wenn ich gefragt werde, ob ich nicht zu optimistisch und utopistisch bin, dann sage ich: Die wahre Utopie ist, zu glauben, dass es so weitergehen kann. Die Flüchtlinge sind nur der Anfang. Die wirklich großen Probleme kommen erst noch. Vielleicht hat die westliche Welt nicht die Kraft, diese Probleme zu lösen. Dann sind wir sowieso erledigt. Ich bin Pessimist. Meine Kraft kommt von heillosem Pessimismus.“ – „Den politischen Kram mache ich mehr aus einem Gefühl staatsbürgerlicher Verpflichtung. Ich fühle mich als Amateur, der Dinge tut, die eigentlich Menschen tun sollten, die mehr über politische Theorie und so weiter wissen. Gibt es nicht andere, die dafür viel besser geeignet sind?“ – „Žižek: Das ist wahr – und an diesem Punkt ist meine Lage sehr einfach: Ich bin alt, kurz vor dem Ruhestand, ich bin in keiner verzweifelten beruflichen Lage, und es juckt mich nicht, wenn mich alle hassen. Ich habe mich in den letzten 30 Jahren daran gewöhnt, mit allen möglichen Anschuldigungen umzugehen. Aber meine Themen sind eigentlich der deutsche Idealismus, die generelle Theorie der Ideologie, die Kinematografie. Das mache ich viel lieber! Mein heimlicher Traum ist es, ein Buch über einen Komponisten wie Robert Schumann zu schreiben.
    ZEIT Campus: Aber warum schreiben Sie dann diese Bücher über Politik überhaupt?
    Žižek: Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Wissen Sie, was? Ich möchte nicht vollständig auf einer dieser Inseln der Ordnung sein, wie klassische Musik eine ist. Ich möchte am Rande einer solchen geistigen Insel sein. Das ist meine liebste Position.
    ZEIT Campus: Weil Sie damit eine gewisse Distanz behalten? Ähnlich wie bei einem Krieg, den man von außen oft besser versteht, als wenn man sich mittendrin befindet?
    Žižek: Genau. Ich glaube kein Stück, dass diese armen Menschen in Syrien ein besseres Verständnis des Konflikts haben. In Syrien herrscht Krieg. Der beste Ort, um das Muster zu verstehen, ist aus der Distanz.
    ZEIT Campus: Aber wohin gehen Sie, um das Chaos der Welt zu verstehen, wenn überall auf der Welt Chaos herrscht?
    Žižek: Es herrscht zwar überall auf der Welt Chaos, aber nicht dasselbe Chaos überall auf der Welt. Ich habe noch einen heimlichen Traum. Ich werde das nie machen, es ist zu kompliziert, und ich habe Kinder hier, aber: Ich würde gerne in eines dieser wirklich armen, anonymen afrikanischen Länder im Zentrum des Kontinents ziehen. Ich will nicht umgebracht werden, klar, also nicht irgendwohin, wo es einen Bürgerkrieg gibt. Ich möchte aber irgendwohin, wo Armut herrscht. Und dort würde ich dann gerne ein Zimmer in einem dieser hübschen Hotels für Ausländer nehmen, Filme schauen, lesen und meine Bücher schreiben.
    ZEIT Campus: Warum?
    Žižek: Weil das einerseits eine Art Insel wäre, aber eine Insel direkt im Auge des Sturms. Ich würde schon rausgehen, Leute treffen und was trinken gehen, aber ich will meine Insel dort vor Ort haben, nicht hier in Europa.
    ZEIT Campus: Und wenn Sie auf dieser Insel sind, wie schreiben Sie dann, wie gehen Sie mit der Flut der Informationen um?
    Žižek: Es ist kein Witz, was ich Ihnen jetzt sage: Ich hasse es, zu schreiben. Vor einem Computer zu sitzen und zu sagen: „So, jetzt schreibe ich mal“, das ist wirklich dramatisch für mich. Also habe ich mir eine komplexe Prozedur zum Selbstbetrug ausgedacht: Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erzähle ich mir selbst, dass ich noch nicht schreibe, sondern einfach nur meine Ideen sammle. Das ist schon ziemlich ausformuliert, ja, aber im Grunde mache ich mir nur Notizen. Und irgendwann entscheide ich dann, dass ich genug Material habe – und muss das nur noch zusammenmontierten. Damit vermeide ich, schreiben zu müssen: Ich mache Skizzen – und schon ist es ganz plötzlich vorbei. Ich setze es nur noch zusammen.“
    http://www.zeit.de/campus/2016/02/slavoj-zizek-krise-terrorismus-europa

  21. „Krisen sollten wir ernst nehmen, ohne uns Illusionen hinzugeben; aber wir sollten sie auch als Chance wahrnehmen, die es auszuschöpfen gilt. Obwohl es keine Krise ohne Schmerzen und Gefahren gibt, bieten sie doch immerhin den Boden für Kämpfe, die ausgefochten und gewonnen werden müssen. Herrschen nicht auch im Himmel Kampf und Zwietracht? Und bietet die anhaltende Verwirrung nicht auch eine einmalige Chance, angemessener auf die Dringlichkeit eines radikalen Wandels zu reagieren?
    Mit einem Projekt, das den Teufelskreis aus EU-Technokratie und nationalistischem Populismus zu durchbrechen vermag? Die wahre Spaltung in unserem Himmel verläuft nicht entlang der Linien einer blutleeren Technokratie und einem brennenden Nationalismus. Sondern entlang des Teufelskreises, der diese beiden verbindet, und einem neuen paneuropäischen Projekt, das die wahren Herausforderungen angeht, vor denen die Menschheit heute steht.
    Nach einem solchen Projekt jedenfalls schreit die Situation nun, da der Brexit-Sieg das Echo anderer Austrittswilliger aus der EU in ganz Europa hervorruft. Wer ergreift diese Chance? Die existierende Linke leider nicht. Wie jeder weiß, lässt sie sich keine Gelegenheit entgehen, sich eine Gelegenheit entgehen zu lassen.“
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/philosoph-slavoj-zizek-ueber-den-brexit-a-1099783.html

  22. @25: deaXmac, das wäre wahrscheinlich die Mühe wert. Ich habe Žižek nie gelesen, gestern aber ein paar Phil. Sternstunden angesehen, aber mehr um… (mich strengt diese Gedankendichte an und pessimistische Utopien halte ich in der jetzigen Situation auch für denkbar unnütz. Vielleicht sollten wir die Idee eines großen Plans aufgeben und mit einer wohldurchdachten Matrix im Hintergrund unseres Denkens überlegen, wie wir kleinweise Aspekte umsetzen können…die anderen werden es nicht tun können, auch Žižek nicht, wenn er dann in Afrika aus dem Fenster schaut, um Ideen für ein Buch zu sammeln … ).

  23. @ ich habe Zizek auch nicht gelesen, sondern allenfalls Teile seiner Interviews.
    Ich mag mich täuschen …
    Für mich erscheint er auch wie einer der Alt-68er Idealisten, die es sich in ihrem Kokon recht gemütlich eingerichtet haben, um ja nicht Gefahr zu laufen, mit der teils bitteren, teils überraschend orginellen Realität konfrontiert zu werden.
    Am Schlimmsten aber dürfte von den einzelnen Protagonisten dieser Sorte empfunden werden, daß die einzelnen Beiträge zur Welt, wie sie denn idealerweise ihren Ansichten nach hätte sein sollen, sich im Laufe der Zeit überlebt haben und dabei auch mehr und mehr an Relevanz verloren haben. Und nun allenfalls noch von ihresgleichen bzw. von noch auf neue weltbewegende Ideen hoffenden Epigonen ganz gelegentlich abgefragt werden. Was vermutlich in Ambivalenz als bauchpinselnde Ehre empfunden werden dürfte. (vgl. @18)
    Es ist schon ein ziemlich hartes Schicksal, lebenslang im eigenen idealistischen Kokon steckengeblieben zu sein und sich – nun vorgealtert- unentwegt mit dem Nicht-Gelungensein und potentiell dann auch weiterhin noch mit der eigenen Irrelevanz auseinandersetzen zu müssen.

    Das macht schon ziemlich unruhig, worunter ich auch das Syndrom seines nervösen Gezappele unbeholfener Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit subsummieren würde. 😉

  24. @31: „Ich habe Žižek nie gelesen“, „Vielleicht sollten wir die Idee eines großen Plans aufgeben und mit einer wohldurchdachten Matrix im Hintergrund unseres Denkens überlegen, wie wir kleinweise Aspekte umsetzen können…die anderen werden es nicht tun können, auch Žižek nicht, wenn er dann in Afrika aus dem Fenster schaut, um Ideen für ein Buch zu sammeln“
    @33: „ich habe Zizek auch nicht gelesen“, „Nicht-Gelungensein“, „mit der eigenen Irrelevanz auseinandersetzen“, „nervösen Gezappele unbeholfener Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit“
    Bei derart tiefgründigen Analysen, überzeugenden Argumenten und fundierten Strategien können Žižek, Sl.oterdijk und andere alternde Meisterdenker dieses Blogs für immer ihr Denken und Schreiben einstellen und den Lauf der Welt vertrauensvoll den beiden jungen Damen überlassen.

  25. @ 34 … wenn Sie meinen, daß sich die unzähligen Väter der Gedanken vor dem Kreis(s)saal auf diese Art leichter beruhigen und entzappeln lassen. 😉

    Man muß halt -mit Aristoteles- in Betracht ziehen,

    „Mütter lieben ihre Kinder mehr als Väter dies tun, weil sie sicher sein können, daß es ihre sind.“

    Tja, das „ewig Weibliche“ hat schon so seine Tücken…

  26. @35: Von Männer Gedanken gebären, befummeln sie zwanghaft ihre Nase. Sie sehen: Auch das „ewig Männliche“ hat so seine Tücken… Wobei kein Mann sicher sein kann, dass seine Gedanken von ihm selbst stammen. Auch das ist ein entscheidender Unterschied zur Geburt eines Kindes. Dieses einzigartige Gefühl von „das gehört mir“, „das ist meins“ lässt sich nicht überbieten. Deswegen suchen Männer andere Möglichkeiten, ihre Einzigartigkeit zu beweisen… (siehe dieses Blog).

  27. @33 „….Beiträge zur Welt, wie sie denn idealerweise ihren Ansichten nach hätte sein sollen, sich im Laufe der Zeit überlebt haben ………. an Relevanz verloren haben.“

    „peinlich….auf neue weltbewegende Ideen ……..abgefragt werden

    @27 „……Appelle alleine bewegen auch nichts bzw. wenig.“

    „Anstatt diese Ängste und Probleme der Menschen ernst zu nehmen, würden sich viele links-liberale politische Kräfte arrogant über sie erheben und und sagen: „Das ist Faschismus.““

    @29: „…..dass die Realität nur existiert, damit wir ….. darüber schreiben können.“

    !!!

    Kann ich nur unterstreichen. Genau das ist mein Eindruck (nicht nur bei diesem Fummler)!

  28. @36: Vieles (nicht alles…unterscheiden müssen Sie schon selber) was ich hier schreibe, ist nicht ernst zu nehmen. Bitte dies immer im Hinterkopf zu behalten. Oft schon dachte ich mir, hier einen besonders guten Witz platziert zu haben, nur um dann festzustellen, dass es wohl kein guter Witz war, sondern für ernst genommen wurde.
    Daher schreibe ich nun: Bei keinem meiner Kinder hatte ich je das Gefühl, „das gehört mir“, oder „das ist meins.“ Eher dachte ich mir immer: komisch, wo kommt das plötzlich her. Oder auch: seltsam, eben war es doch noch drinnen, dann war ein Zeitloch, eine Zeitspanne, die mein Geist völlig ausgeblendet hat, und dann liegt da ein Mensch – nackt, blutig und wird einem gleich an die Brust gehalten (früher hat man die Kinder ja hierzulande dann – also nach der Geburt – in eine Kiste gelegt und der Mutter für kurze Einheiten „gezeigt“, das war noch in den 70ern so. Nichts mit early bonding etc. etc. ad i.).
    Man gab mir als Baby zum Beispiel eine besondere Hirnnahrung – das ist jetzt kein Witz. Meine Mutter machte als Biologin irgendwelche Studien mit Affennahrung und war grundsätzlich der Meinung, dass eine aufbauende Vitaminkost für die Hirnentwicklung sinnvoll ist. Dafür habe ich dann bis zum ersten Kindergartentag kaum etwas gesprochen, angeblich nur das Unvermeidbare – die ganze Familie dachte, ich sei – nunja…. Mein Bruder konnte mit drei Jahren schon STADTGARTENAMT lesen (das steht in Wien auf den Parkbänken). Also – was lesen Sie nun hier heraus, sunny Santak?

  29. @ chabis hat vor kurzem eine ausgezeichnete Frage gestellt (sinngemäß): Wie sollte/müsste unsere Staatsform weiterentwickelt werden, um das Gefühl der Beteiligung wieder zu stärken.
    (Gewaltenteilung mit einer zusätzlichen Ebene ……..etc………)

    Ich halte den Vorschlag der AFD gut, vorsichtige Elemente von direkter Demokratie einzuführen.
    Ich denke auch, dass das kommen wird, ohne dass die AFD dabei beteiligt ist.

    (Eine Idee kann ja erst gut sein, wenn sie nicht von der AFD kommt……..das ist ja logisch …….)

    Wo sind denn nun unsere Denker der großen politischen Systeme?
    Was, wie einführen??

    (Finde es schade, dass chabis, der erst vor einiger Zeit auf den Blog stieß, solche prima Fragen stellt – er musste noch wochenlang (?) warten, bis freigeschaltet wurde – und keine Sau geht darauf ein ……….)

    Ist aber wohl eine Frage, chabis, die den bisherigen Eliten nicht passt: Das Volk ist ja dumm, wählt zum Schluss noch das Falsche……..

    Kann man das zulassen??
    Man muss es doch wohl eher ERZIEHEN………., oder?

  30. @39: Direkte Beteiligung der Bevölkerung scheint mir auf der Ebene von Gemeinden, Städten etc., d.h. in Bereichen, welche ihre unmittelbare Lebenswelt betrifft, sinnvoll und nützlich. Kriminell finde ich, wenn man das in Bezug auf Verfassungsfragen macht…

  31. @38: Mich versuchte meine Mutter, mit Lebertran zu einem kräftigen Jungen zu machen. Auf die Intelligenz kam es ihr weniger an. In den Nachkriegsjahren ging es vor allem um Kalorien: „gute“ Butter, am Sonntag ein saftiger Braten, ansonsten viele, viele Kartoffeln, viel Wirsing, Rosenkohl und Spinat. Auf Affenfutter wäre meine Mutter nie gekommen. Sie war auch keine Biologin. Ihr höchster Bildungsabschluss war aus der Hauptschule.

  32. @41: Sie sehen ja, was dabei heraus kommt. Na schauen Sie, seien Sie froh. Da ist der Druck nicht so groß, auch einen akademischen Abschluss machen zu müssen … (wobei – ich kann mich noch daran erinnern, wie meine Mutter halb der Schlag getroffen hat, nach meiner Studienwahl; Psychologen sind wirklich ein sinnloses Volk, war immer ihre Meinung – wenn es wenigstens Medizin gewesen wäre oder Biologie oder Chemie oder Physik – aber nein, Psychologie …). Und um ehrlich zu sein – ich habe in diesem Studium nichts Brauchbares gelernt, höchstens ein wenig Statistik – ebenso wie in der Schule (da muss ich GSB schon recht geben…aber sagen Sie es bitte nicht meinen Kindern weiter, die sollen schön selber drauf kommen…).

  33. @40: Keine Verfassungsfragen. O.k.

    Aber m.E. z.B. eine Gesetzesfrage, die die Menschen z.Z. am meisten beschäftigt:

    Einwanderungsgesetz.

    Verschiedene Modelle zur Abstimmung bringen.

    (dabei wird dann vielleicht auch mal der Unterschied zwischen Asyl, Einwanderung und
    Massenmigration klar)
    Warum gibt es da (außer von der AFD- natürlich schlecht) keinerlei Reaktion auf die Sorge
    der Menschen? Selbst der Zuständige, Herr Weise, spricht immer noch völlig undifferenziert
    von „Flüchtlingen“.

    Diese Untätigkeit, Ignoranz und Arroganz hat sich schon gerächt (m.E. Brexit) und wird sich noch
    gewaltig rächen.

    Keine Ja, Nein – Abstimmungen, sondern Auswahl aus verschiedenen Modellen, die vorgestellt
    und diskutiert werden.

    Das Volk ist da weiter. Viel weiter!
    (Es würde dabei NICHT das individuelle Asylrecht abgeschafft …..)

  34. @42: Meine Eltern hat vielleicht der Schlag getroffen, aber sie haben es mir nicht gezeigt, weil sie wussten, dass es nichts ändern würde, als ich beschloss, Germanistik zu studieren („brotlose Kunst“, „was willst du denn damit machen?“). Immerhin bin ich der Einzige in der ganzen großen Familie, der überhaupt studiert hat… Doch wenigstens war ein (bescheidener) Anfang gemacht und meine Kinder sind jetzt Mathematiker, Physiker, Ärzte.

  35. @38+@41: Wie das halt so ist, mit den liebevollen, elterlichen Wunschvorstellungen, die ihren Blagen so manche ihrer ureigensten schlechten Erfahrungen ersparen und -gutgemeint- dann auch nur das Bessere bis Beste weitergeben wollen.

    Logisch, daß bei diesen puren Live-Experimenten mit Spitzenoptimierungsansatz – im Wesentlichen ohne Experimentalphasen in vitro- immer wieder (Selbst)-Täuschungen bis hin zu gravierenden Fehler und Irrtümer auftauchen.

    Die Krux dabei ist:
    Ist ein Blag dann einmal auf der Welt, kann man an diesem Gesamtpaket – das in der Regel als Geschenk des Himmels freudig begrüßt bzw. zumindest als Wunder angesehen wird – ziemlich wenig ändern. Einmal abgesehen von einem gewissen Tuning und Styling, die eher zu Präsentationszwecken mit Fassadenpolitur

    Ansonsten gibt es – selbst bei groben Mängeln- einfach keine Rücknahme-Garantien.
    „Und bist Du nicht willig, gebrauch ich Gewalt“ hat sich schließlich -nicht nur in rein physischer Form-, als rabenschwarze bzw. umfänglich braune Erziehungsmethode erwiesen.
    „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ s.a. dazu Johanna Haarer, näheres darüber bei Wikipedia).
    Was nicht geht, geht einfach nicht und verbietet sich, auch alle Ver- und Gebots-Versuche der „political and social correctness“ übergreifend von selbst.

    Es scheint jedenfalls nicht so einfach zu sein, der Abgleich zwischen elterlichen Vorstellungen und real existierenden Blagen, die bisweilen doch recht sprunghafte Spontan-Mutationen aufweisen und anschließend zu echten Plagen heranwachsen können.

    Das kann selbstverständlich -je nach elterlichem vs. pubertärem Temperament- unglaublich frustrierend sein.
    Und zwar über lange Strecken für beide Seiten, wenn Spätentwickler-Passungen nirgendwo in Einklang zu bringen sind und die Meßlatten von Anfang an zu hoch hängen.

    Wie dem auch sei, man muß es eben nehmen wie es ist.
    Und sich im Zweifel auch damit abfinden, wenn sich Permutationen häufen, vor allem was das Design von Outfits, Logos, Fummels und Fähnchen angeht.

    Reduktionistisch-existentientialistische Outfits – am liebsten ganz in schwarz – erschienen zumindest über lange Zeiträume als Inbegriff von konstruktivistischer Klarheit und kreativer Gesinnung. Bauhaus angelehnte Glaubensbekenntnisse mit inbegriffen.

    Bis dann mit einmal in Flower-Power-Post-Post- Neo-Moderner-Auflage uralte neue Muster wieder auf der Bildfläche erschienen, nicht nur auf den Catwalks en Vogue waren, sondern in rasender Schnelligkeit auch bei H&M, Ikea und Co. ihre Blüten trieben, um in ornamentalem Überschuß „Millefleurs“ in aller barocken Üppigkeit und Schnörkeln des Dekors zur Renaissance zu verhelfen.

    Tja, was soll man dem noch entgegen setzen?
    Außer der Matrix?

  36. @45: Da ist sie ja wieder die „Matrix“ (siehe auch @31 „mit einer wohldurchdachten Matrix im Hintergrund unseres Denkens“). Was hat es damit auf sich?

  37. @39; @40; 43 zur Frage einer angemesseneren Demokratiestruktur kopiere ich noch mal meine Frage aus dem Thread: „Warum Blebsizite die Demokratie gefährden“

    Auf den wurde auch nicht eingegangen.
    Doch so ist das halt, wenn „die Blog-Karawane weiterzieht“…

    Die Frage wer was in einer „Demokratie 2.0“ zu entscheiden hat und welche Struktur dafür angemessen ist in einer globalisierten Welt, in der viele Grenzen (zumindest was die Kommunikationsströme und Finanzströme anbelangt) obsolet sind, und immer wieder angetastet werden (z.B. Flüchtlingsströme, TTIP, usw.) erscheint mir nicht uninteressant.

    ****

    Wie ist aus systemtheoretischer Perspektive hier Theorie und Konzept eines „vierstufige Parlament“, wie es Johannes Heinrichs vorschlägt zu bewerten?

    Der Anspruch ist ja nun nicht ganz unbescheiden, Heinrichs habe, den „missing link“ zwischen Habermas und Luhmann gefunden zu haben, für viele offene ungelöste Fragen. (http://t1p.de/sye9)

    http://www.textem.de/index.php?id=2604;
    http://friedensblick.de/20976/johannes-heinrichs-sprung-aus-dem-teufelskreis/

    ***

  38. Naja, eine normale „Matrix“ bildet sich nichts ein,
    sondern bildet sich zurück, wenn ihre Funktion erlischt
    und sie nicht mehr gebraucht wird.

  39. Das kann ja heiter werden:
    Erdogans Religionsbehörde Dinayat propagiert den Märtyrertod für Jugendliche

    http://www.achgut.com/artikel/erdogans_religionsbehoerde_dinayat_propagiert_den_maertyrertod_fuer_jugendl

    Ich habe jedes Jahr einige abenteuer-begeisterte Jugendliche in meinem Unterricht, die erkennbar und ausdrücklich Lust verspüren, ihr normales, braves, langweiliges Umfeld zu sprengen und durchaus für so etwas offene Ohren haben.
    Wenn diese naive Begeisterungs- bzw. Fanatisierungsbereitschaft von den Richtigen ausgenutzt wird ………

  40. @47: „Doch so ist das halt, wenn „die Blog-Karawane weiterzieht“…“
    Manchmal ist das hier wie in der Schule, wenn der Lehrer eine Aufgabe stellt und dann aus dem Klassenraum geht…

  41. Vielleicht kehrt die Karawane (oder Teile von ihr) ja auch noch mal kurz zurück.
    Ich möchte nämlich noch ergänzen, dass der Schönheits-Begriff für mich eng verbunden ist mit dem des Rhythmus.
    Rhythmus ist generell die Form, in der autopoietisch organisierte Systeme – organische ebenso wie psychische und soziale Systeme – ihre Innen-Außen-Kohärenz aufbauen und bewahren. Rhythmus erlaubt einem System, mit sich selbst ebenso wie mit seiner Umwelt in Resonanz zu sein, also die Innen-außen-Differenz zu „untertunneln“.
    Er wirkt dabei wie ein sog. „seltsamer Attraktor“, d. h. alles, was er ausschließt, was sich außerhalb von ihm befindet, versucht er sich wieder einzu-gliedern, während er allem, was in ihm ist, Spiel-Raum gibt und wieder loslässt. Auf diese Weise finden Systeme spontan jenen Zustand, in dem ein minimaler Aufwand an Ressourcen mit einer maximalen Zahl von Anschlüssen für weitere Operationen zusammenfallen.
    Rhythmus wird von bewusst operierenden Systemen als „schön“ erkannt und als lustvoll erfahren.

  42. …sie überraschen mich doch immer wieder, Herr fraFri.
    Sind Sie bewusst jetzt „ganz Taktstock“, wie bei „Rythm is it!“ ?
    Diesen Zitat hatte ich dereinst mal von Ihnen.
    Wie auch die Bemerkung von Luhmann, seit wann er über den Begriff „doppelte Kontingenz“ nachzudenken pflege.
    Sie erinnern sich vielleicht?
    Chapeau, für’s am Ball bleiben. 😉

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