Italien

Seit etlichen Tagen halte ich mich wieder einmal in Italien auf und verfolge die Diskussionen, die hier das Interesse der Öffentlichkeit bestimmen: Ein bekannter DJ hat sich in der Schweiz dabei helfen lassen, sich vom Leben zum Tod zu befördern, was zu heißen Auseinandersetzungen über den assistierten Suizid generell geführt hat; die Partei Renzis (PD) hat sich gespalten (der linke Flügel ist ausgeflogen); man mokiert sich über die Polen, die ihre Niederlage bei der Wahl Donald Tusks als Sieg feiern; und Erdogan wird für komisch gehalten; der Papst hat heute undurchsichtige Geschäfte, die dazu führen, dass Fabriken und Unternehmen geschlossen werden und die Mitarbeiter entlassen werden, zur Sünde erklärt…

All das unterscheidet sich – wenn man mal von dem DJ un der PD absieht – nicht so sehr von den Themen, die bei uns aktuell diskutiert werden. Was weniger öffentliches Interesse findet, ist die in den Wirtschaftsseiten der Zeitungen anlässlich einer Rede von Mario Draghi diskutierte Tatsache, dass die italienischen Manager schlecht ausgebildet sind. So berichtet La Repubblica (meine tägliche Lektüre beim morgendlichen Espresso), dass nach einer Studie aus dem Jahre 2013 unter den Managern Italiens 37% nur die Pflichtschule (=Hauptschule) absolviert haben, während dies nur für 7% der deutschen Manager gilt; und einen Hochschulabschluss haben nur 15%, während im EU-Durchschnitt 40% der Manager solch einen Abschluss haben. Der italienische Prozentsatz entspricht dem der Türkei und ist etwas schlechter als der von Mexiko.

Der Niedergang des Landes wird mit diesem Mangel an bildung bzw. Weiterbildung in Zusammenhang gebracht.

Aus meiner Sicht sind das alles Folgen der Berlusconi-Jahre, in denen die Zahlungen für Universitäten oder kulturelle Einrichtungen aller Art radikal geschrumpft wurden. Es gibt in keiner italienischen Stadt, die ich kenne, ein Theater mit Ensemble, sondern die Häuser sind immer nur ein paar Tage im Monat geöffnet, um in der Zeit die Bühne für Gastspiele zur Verfügung zu stellen. Die Theateraufführungen sind meiner Erfahrung nach ziemlich lausig (letzte Woche gesehen: „Herr Puntila und sein Knecht Matti“- eine Aufführung wie in der Oberstufe einer mittelmäßigen weiterführenden Schule zu sehen).

Dass so wenige Manager gute Ausbildungen haben, dürfte auch daran liegen, dass sie die nicht brauchten, denn ihre Jobs haben sie in der Regel durch persönliche Beziehungen erhalten…

24 Gedanken zu “Italien

  1. Trotz der sicherlich gut begründeten Minderwertigkeitsgefühle der italienischen Elite uns Bildungsdeutschen gegenüber sind selbst unsere deutschen Manager nicht alle 100 Prozent perfekt gebildet: Bundeskanzlerin Angela Merkel erfuhr erst aus der BILD-Zeitung vom VW-Diesel-Skandal, der pseudopromovierte ehemalige Bundesaußenminister Theodor von und zu Guttenberg wurde zur neuen Führungskraft der alten CSU reanimiert, Bundeskanzlerkanditat Martin Schulz musste zweimal die elfte Klasse wiederholen und den Rückzug in den Alkohol antreten und auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder machte sein Abitur erst auf dem zweiten Bildungsweg…
    Freilich leisten alle diese stahlharten Manager vorbildliche deutsche Wertarbeit und liefern uns nicht das würdelose Schmierentheater verzogener Müttersöhnchen, wie vor allem in Italien und Österreich…

  2. Vorzügliches Ita-lien
    Das Land, wo
    Die Zitronen blühn?

    Italiani wohnen doch
    Bis fünfzig bei den Eltern
    Vor der Eurokrise noch
    Gab’s dann direkt die Renten

    Die Städte nicht viel besser:
    Rom in Ruinen
    Venedig unter Wasser

    Lichtblick für Nörgler:
    Hungrig bleibt man nie
    Für Pasta-Gegner
    Gibt’s sogar Antipasti

  3. @0 …ja, ja die (ver)störenden Schatten der „last society“…

    Was mich mehr interessiert:
    Wie schlafen denn unsere europäischen „Freunde“ aus dem Süden?
    Und fördert oder verhindert „höhere Bildung“ eigentlich Schlafstörungen?

    Dass die Bürger Syriens Grund genug haben unter Schlafstörungen (F51/G47) zu leiden, erscheint mir dagegen sehr plausibel. Leider gibt es keine „Weltkarte“ der Verteilung von Schlafstörungen, zumindest habe ich keine gefunden. Brigitte Holzinger (traum.ac.at) ist ja der Ansicht (auf dem Weltschlaftag), dass Schlafstörungen ein globales Problem seien und die Hälfte der Bevölkerung darunter leide.

    Andererseits soll es angeblich Völker geben, welche „keine“ Schlafstörungen kennen. Wie auch immer. Das Sprichwort: „Wer (gut) schläft, ’sündigt‘ nicht.“ – erscheint mir durchaus plausibel.

    U.a. die Entwicklung von Schlafstörungen in einer Gesellschaft, stellen ja vielleicht einen signifikanten Marker dar, für einen zutreffenderen „Blick in die Zukunft“:

    Vorausgesetzt, die Ergebnisse sind aussagekräftig genug und entsprechend annähernd der Realität, wären die neuen Zahlen durchaus beachtlich:

    „Die Zahl der Menschen mit Schlafstörungen hat in Deutschland zugenommen. Litten im Jahr 2010 noch 47,5 Prozent an Ein- und Durchschlafstörungen, waren es im Jahr 2016 bereits 78,9 Prozent. Das geht aus dem DAK-Gesundheitsreport 2017 hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde und für den das Forsa-Institut 5.200 erwerbstätige Frauen und Männer im Alter von 18 bis 65 Jahren nach ihrem Schlafverhalten befragt hat.“

    https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/73627/Immer-mehr-Bundesbuerger-schlafen-schlecht

  4. @ 3: Tipp gegen Schlafstörungen aus dem aktuellen Schläfer-Seminar der VHS Heidelberg:
    Denken Sie an die 72 willigen Jungfrauen, die Sie im Traum verwöhnen werden.
    Sorgen Sie für Dunkelheit; bekanntlich ist im Dunkeln gut munkeln (was immer damit gemeint sein soll).
    Erfahrene Schläfer schwören darauf, beim Schlafen die Augen zu schließen; gegebenenfalls Rolläden schließen und Augenbinde tragen.
    Schalten Sie Ihr I-Phone und den Fernseher nachts leiser oder ganz aus; Tests im Mannheimer Schlaflabor haben nachgewiesen, dass Lärm den Schlaf erheblich beeinträchtigt.
    Weich betten; fliegende Teppiche haben sich allerdings als schlafabträglich erwiesen.
    Halten Sie einen ausgeglichenen Schlaf-Wach-Rhythmus ein; nach einer Stunde Langweilige-Kommentare-Lesens sollten Sie bereits wieder so ermüdet sein, dass Sie in Ruhe weiterschlafen können.

  5. @ 0: „(…) durch persönliche Beziehungen erhalten…“

    Richtig! Ohne persönliche Beziehungen verlässt in Italien niemand seine Mamma – mit allerdings auch nicht…

  6. „Wenn Bildung der Schlüssel zum Erfolg ist, hat Italien seinen verschlampt. In der Heimat von Leonardo da Vinci und anderen großen Wissenschaftlern verfügen heutzutage so wenige Menschen über einen Uni-Abschluss wie in kaum einem anderen europäischen Land. 2011 waren es 14,9 Prozent – auf einen schlechteren Wert kam nur die Türkei (12,8 Prozent). Doch woran liegt das? Andreas Schleicher, Bildungsexperte der OECD – auch als „Mr. Pisa“ bekannt – über die Hintergründe der italienischen Schul- und Hochschulkrise.“
    http://www.sueddeutsche.de/bildung/sz-europa-atlas-italiens-bildungssystem-muesste-von-grund-auf-reformiert-werden-1.1619234

  7. @ 0: „Was weniger öffentliches Interesse findet, ist die in den Wirtschaftsseiten der Zeitungen anlässlich einer Rede von Mario Draghi diskutierte Tatsache, dass die italienischen Manager schlecht ausgebildet sind.“

    Mario Draghi sagt, die italienischen Manager seien schlecht ausgebildet?
    Mario Draghi, der Superbanker aus Berlusconien? So viel Selbsterkenntnis zeugt von guter Bildung.
    Mario Draghi wurde 1976 vom MIT zum Ph.D. in Ökonomie promoviert.
    Mario Draghi hätte etwas für die bessere Ausbildung der italienischen Manager tun können: Er war von 1975 bis 1981 Professor für Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Trient, Padua und Venedig und lehrte von 1981 bis 1991 als Professor für Wirtschaftswissenschaften und Währungspolitik an der Universität Florenz.

  8. @6: Na, angesichts des exponentiell wachsenden akademischen Proletariats UND Prekariats, vor allem in der Kunst und den Kulturwissenschaften, brauchen wir nicht so zu tun, als hätten wir in Deutschland die Bildung nicht völlig verschlampt.
    Dabei gab es zur Konstruktion der PISA-Studie und dem Bologna-Prozeß bereits berechtigte Kritik
    https://www.studis-online.de/HoPo/Hintergrund/pisa_studie.php
    und sogar eine professorale Klage
    http://www.sueddeutsche.de/karriere/bologna-reform-bachelor-vor-gericht-1.139552

  9. @6: Na, angesichts des exponentiell wachsenden akademischen Proletariats UND Prekariats, vor allem in der Kunst und den Kulturwissenschaften, brauchen wir nicht so zu tun, als hätten wir in Deutschland die Bildung nicht völlig verschlampt.
    Dabei gab es zur Konstruktion der PISA-Studie und dem Bologna-Prozeß bereits berechtigte Kritik.
    https://www.studis-online.de/HoPo/Hintergrund/pisa_studie.php

  10. @8, zu meinem Kommentar, der wohl aus Urheberrechtsgründen erst auf Freischaltung wartet, ist zu bemerken, daß der Kommentar nicht mehr erscheinen muß, da er bereits die Kernaussage von @9 enthält.
    Die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage wollen selbst bei uralten Artikeln neuerdings erst ihre Abo-Fallen-Mauer dazwischen geschaltet wissen, damit ja nicht irgendeine journalistische Information, und sei sie noch so miserabel, ihren in Sachen Qualitätsjournalismus längst davongeschwommenen Fellen verloren geht. Ein von Medienmogulen ersonnenes ziemlich miserables Geschäftsmodell und ganz und garnicht im Sinne der Compliance, die auf rückgekoppeltes Feedback ausgerichtet sein müßte und NICHT in einseitiger US-Manier.
    Na, ihr lieben Leser und treue Abonnenten/Konsumenten, wie gefällt Euch denn unser in Teamwork und CSR erstelltes neues Häufchen zur allgemeinen Volksverblödung?

  11. Zur Erinnerung:
    Die große Revolution mit Transformation hin zur Voll-Digitalisierung entspricht im Kern nichts anderem, als zu Gutenberg’s Zeiten mit Erfindung des Buchdrucks.
    Leider wurde das Interview von Dirk Baecker „Überforderung durch Kommunikation“ , worin er die historischen Zusammenhänge und auch die systemtheoretischen Grundlagen mit Verweisen auf GSB wunderbar erklärt, aus Urheberrechtsgründen gelöscht. Selbst im Systemmagazin.
    http://systemagazin.com/dirk-baecker-ueber-ueberforderung-durch-kommunikation/

    Was für ein Nonsense.
    Vor allem zu Zeiten, in denen selbst die global player der IT-Industrie „open source“ und „freeware“, innerhalb eines Standardrahmens favorisieren.

    Logisch ist, daß mit jeder Einführung einer neuen Technologie auch deren Mißbrauch der Boden bereitet werden kann.
    Aber zu Risiken und Nebenwirkungen unken und warnen selbstverständlich zunächst einmal die üblichen Spaßbremser unter den Experten, während der Rest die Innovationen in höchsten Tönen predigt und irgendwelchen Zweiflern, perfektionistisch-zaudernden Ungläubigen in der Forschungs-Avantgarde und einer gegenüber Selbstvermarktung kritisch bis zögerlich eingestellten Avantgarde via Semmelweis-Reflex auch das letzte Härchen vom publish or perish-Leib abgrast.
    Eine wundersame Spezies, die es im parasitären Schorrer-Modus auch immer wieder schafft,
    ihren nicht vollzukriegenden Wendehals nach dem jeweiligen Wind zu drehen.
    Sie kriechen auch erst dann langsam aus ihren Elfenbein-Türmen,
    bis irgendwann ganzen Schulen, Fachhochschulen und Unis, das Wasser zum Absaufen am Hals steht. Vor allem ihr Fachgebiet betreffend, mit eingebautem ruhige Kugel-Schiebelager und ferngesteuert-gesponsorter Servolenkung und leichtgängigen Job-Hub-Bühnen mit sozialer Hydraulik.
    Zudem @0, im Management braucht man auch keine Bildung.
    Wozu auch?
    Da werden die Reden geschrieben,
    für das Design der Unternehmensphilosophie
    unterhält man im großen Rahmen Presseabteilungen und
    für Be- und Entsorgungen bei unumgänglichen Ärger mit
    irgendwelchen frustrierten, ausrastenden
    bis ausfallenden Minderperformern sind die Wühlmäuse an HRs,
    rundum Ressourcen orientiert, zuständig.

    Und angesichts all dessen, fragt man sich dann schon, weshalb offensichtlich so wenig von derartigen Angeboten als Allgemeingut hängen geblieben ist.
    https://www.sowi.uni-kl.de/fileadmin/phil/pdf/15_Jahre_Philosophie_in_KL.pdf

  12. @ 10:
    Religiös: Alle Christen sind insomnia. Alle Moslems sind nicht insomnia.
    Geografisch: Europa und Amerika insomnia. Asien und Afrika nicht insomnia.

    Da habe ich große Zweifel.

  13. @11 na ich weiß nicht, ob es wirklich Sinn macht, bei dem aktuellen Kreativitäts- und Kunsthype gebietsweise nach Welt-Regionen mit den kreativsten Köpfen zu suchen und dabei ein Syndrom, wie die Schlaflosigkeit, einseitig in der Kreativität zu verorten.

    Ich weiß auch nicht, ob diese Kombination besonders hilfreich ist und nicht noch weiter in die Irre führt.
    „Den ‚Seinen‘ schenkt (es) der HERR (im) Schlaf“ … und somit ein starkes Immunsystem, Kreativität und vieles mehr…“
    Die Kehrseiten der Medaille sind in dem Artikel beschrieben.

    Das Spektrum an Multikausalitäten ist gerade bei allgemeinen Symptomenkomplexen (kurz Syndromen) wie der Schlaflosigkeit ähnlich groß wie bei Fieber oder Schmerz.
    Wer sich nicht näher mit internistischer bzw. neurologischer Differentialdiagnostik befassen möchte, mag vielleicht etwas Literarisches über den Schmerz lesen. „Über den Schmerz“ mit allen seinen Facetten, der „Treulosigkeit des Körpers“ inclusive, hat Siegfried Lenz vor Jahren einen wunderbaren Artikel verfasst.

    Zudem ist die Kreativität ein scheues Reh,
    läßt sich -wie andere psycho-physiologische Phänomene, z.B. auch den Schlaf nicht erzwingen, sondern unterliegt gleichermaßen auch -hochsensibel, irritierbar und hypervigilant- den jeweiligen Umgebungseinflüssen.
    Gewöhnlich tummelt sie sich auch nur partiell in Ballungsräumen, schwankend zwischen kreativen Impulsen, irrlichternd zwischen Kicks durch soziale Anerkennung und Abstürzen bei sozialen Widrigkeiten und Verrissen, insbesondere dann, wenn die Einbettung in den entsprechenden sozialen Rahmen fehlt.

    „Order from noise“ ist und bleibt jedenfalls in ihrer individuellen Bezogenheit, wie es die Kreativität fordert, ein zweischneidiges Schwert, das in keineswegs so seltenen Fällen von
    manisch-depressiven Phasen begleitet ist.

    Nur sind manisch-depressive Schwankungen, gepaart mit Schlaflosigkeit in beiden Phasen keineswegs gleichzusetzen mit Kreativität. Sie kommen nur bei Menschen mit kreativem Temperament und cyclothymen Gemütslagen häufiger vor. Aber diese logischen Fehlverknüpfungen entsprechen wiederum dem statistischen Spitzen-Performer-Zeitgeist,
    der sich gerade nicht mit den Formen der Kreativität verträgt, die als Negativ-Bilanz zu Buche schlagen und am liebsten mehr oder minder schamhaft unter den Teppich gekehrt werden.

    Neben den allseits bekannten Veröffentlichungen des Hausherren zum Thema, „Die andere Seite der Gesundheit“ inclusive, empfiehlt sich Kay Redfield Jamison zu lesen.
    Das gesamte Spektrum zu erfassen und die Abgrenzungen eines Lebens, das sich in teils überwältigender Dynamik an den Grenzen der Kippfigur zwischen funktional/dysfunktional bzw. konstruktiv/destruktiv bewegt, ist keineswegs einfach. Dies beschreibt Kay Redfield Jamison, sowohl als Betroffene aus ihrem eigenem Erleben wie auch aus ihrer professionellen Sicht.
    https://www.amazon.de/Touched-Fire-Manic-depressive-Artistic-Temperament/dp/068483183X
    Ihre populärwissenschaftlichen Bücher sind sehr zu empfehlen, da sie damit sowohl ihre Innensicht offenbart als auch ihr langjähriges Forschungsgebiet aus den unterschiedlichsten Perspektiven auslotet.

  14. @12 Danke deaXmac für die durchaus guten kritischen Gedanken an der – zugegeben – überaus zugespitzten und somit einseitig-provozierenden Formulierung. Bin deshalb d‘ accord und stimme zu, dass sich hinter chronischem Schlafmangel durchaus „Multikausalitäten“ und „Syndrome“ verbergen.

    Insbesonders danke ich für den Verweis auf Siegfried Lenz‘ Essayband „Über den Schmerz“. Den besorg ich mir. Von der bipolaren Psychologin Kay Redfiel Jamison höre ich ebenfalls zum ersten Mal. Sicher interessant. Ausnahmen unter den Künstlern und Wissenschaftlern gibt es zweifellos.

    Doch damit wird ja keineswegs das Problem behoben oder macht es deshalb besser. An den dramatischen Folgen chronischen Schlafmangels sowohl für die Betroffenen, wie auch für eine „fiebrige und hochresonante, d.h. übererregte Gesellschaft“ halte ich deshalb fest. Fehlende Träume oder Albträume erhöhen m.E. im Schnitt das Traumarisiko und machen zumindest nicht klüger. (Ich weiß, das wäre wieder so eine einseitige Verkürzung.)

    Bin aber gern bereit dazu zu lernen, wenn mir nachgewiesen werden kann, dass chronischer Schlafmangel und chronisch mangelnde Schlafqualität, keinesfalls korreliert mit höheren physischen Risiken zu Übergewicht, Immunsystemschwäche, Diabetes, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, und psychischen Belastungen, wie geringerer kognitiver Leistungsfähigkeit, langsamerer Reaktionszeiten, erhöhtem Depressionsrisiko und Angsterkrankungen usw. – sondern klüger und gesünder macht.

    So und nun eine gute Nacht!

  15. @ 12: „Kreativität ein scheues Reh“

    @ 13: „fiebrige und hochresonante, d.h. übererregte Gesellschaft“

    Eine solch fiebrige Gesellschaft verschreckt das scheue Reh.

    Daher wäre zu bedenken, ob es jenseits aller aktuellen multimedialen Aufgeregtheiten und ideologischen Animositäten einen ruhigen Modus des freien Denkens und schöpferischen Handelns gibt, der souverän über dem Fieberwahn der Tagespolitik steht. Gegen die geistigen Folgen der schlafraubenden Internetkommunikation helfen offene Erwartungslust und unbefangene Augenblicksfreude. Sie ermöglichen ein selbstbewusstes Handeln, das einen Rückfall in Unfreiheit und Verbrechen verhindert.

  16. @ 12 und 13: Wissenschaftliche Studien deutscher Zoologen belegen, dass Rehe selten unter Schlafstörungen leiden. Sie führen diesen Befund auf deren geregelten Tagesablauf zurück, der hauptsächlich aus Äsen besteht. Zudem halten sie sich fern von Autobahnen und Büros auf und leben in stressfreier Arbeitslosigkeit.
    Diese Studienergebnisse werden ergänzt durch Erkenntnisse britischer Forscher, die herausgefunden haben, dass Arbeit eine der Hauptursachen für Schlafmangel sei. Millionen Menschen könnten während der Arbeit kaum oder gar nicht schlafen. Ständig werden sie von Vorgesetzten oder Kunden unter den fadenscheinigsten Vorwänden geweckt. Um diesem Missstand abzuhelfen, schlagen die Wissenschaftler vor, alle Vorgesetzten und Kunden abzuschaffen.
    Auch Kinder sind ein häufiger Grund für schlaflose Nächte, obwohl diese meist die Folge durchwachter Nächte sind. Diesem circulus vitiosus können Eltern dadurch entkommen, indem sie sich eine Arbeit suchen, bei der Kinder, Kunden und Vorgesetzte verboten sind.

  17. ZUM ENDE MEINES FSJ

    Das Systemische
    Hatte für mich
    Etwas Verführerisches
    Da es ambivalent
    Und offen blieb
    Ein Motiv zum Denken

    Ein gewisser Geist
    Ein für mich
    Reaktionär-Revolutionärer
    Zirkulierte darin
    Der meinen Widerstand
    Provozierte

    Die Stillstellung der Geschichte
    Erfolgte mit einem Enthusiasmus
    Der Ewigkeitsanspruch erhob
    Als sei alles längst geklärt
    Entgegen der rituell geäußerten
    Empörung über Dummköpfe

    Die Kreativität des Meisters
    Kann ich nicht hoch genug loben
    Ebenso seine großzügige Nonchalance
    Ihm danke ich wie auch allen anderen
    Führen Sie mich nicht in Versuchung
    Hier jemals wieder einen Kommentar abzugeben

  18. Santak – aus Erfahrung weiß ich: hier hilft nur #den Carl Auer Verlag aus dem Geiste löschen. Inklusive Fritz B. Simon. Vermutlich werden Sie sich einen Ziegelstein auf den Kopf hauen lassen müssen, damit das gelingt. Auch hier spreche ich aus Erfahrung. Ich habe schon meine bessere Hälfte angewinselt, um hier wegzukommen.

    Sie werden wiederkommen. Noch heute Nacht. Sie werden Ihren Kopfpolster zerbeißen, danach hoffentlich ihrer Frau in den Hintern (vermutlich können Sie nach einem Jahr wie diesem zwischen Ihrer Frau und Ihrem Kopfpolster ohnehin nicht mehr unterscheiden) und diese wird Sie anwinseln, damit Sie wieder hierher zurückkommen….

  19. @13:
    „Bin aber gern bereit dazu zu lernen, wenn mir nachgewiesen werden kann, dass chronischer Schlafmangel und chronisch mangelnde Schlafqualität, keinesfalls korreliert mit höheren physischen Risiken zu Übergewicht, Immunsystemschwäche, Diabetes, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, und psychischen Belastungen, wie geringerer kognitiver Leistungsfähigkeit, langsamerer Reaktionszeiten, erhöhtem Depressionsrisiko und Angsterkrankungen usw. – sondern klüger und gesünder macht.“

    Die Arbeits- und Umweltmedizin und auch die Psychoneuroimmunlogie beschäftigt sich seit langen Jahren mit diesen Zusammenhängen, weshalb seit den 90ern auch die Schlaflabore wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.
    Lärm, vor allem nächtlicher Umwelt- und Fluglärm ist ungeheurer Stressor, worunter o.g. Zuvilisationserkrankungen auch unter dem Begriff „extraaurale Lärmwirkungen“ gefasst können.
    Ständig auf Achse, In überwiegend sitzender Haltung mit Büro- und Bildschirmarbeit,
    zumeist bei Kunstlicht in Großraumbüros,
    für all diese Belastungen ist unser hochdifferenziertes Sensorium evolutionär nicht gebaut.
    Die Exponentialkurven-Verläufe aus einer Fülle unterschiedlichster Studien zum Thema sprechen Bände über die diese seit langem absehbare Entwicklung zum Thema:

    „Von nun an geht’s bergab“.
    Aber sagen sie das mal irgendwelchen CEOs in der einäugigen und farbenblinden, auf Finanz- und allenfalls auf das betriebliche Gesundheitsmanagement getrimmten Administration.
    Zum Vergessen:
    Sie können ihnen ihre eigenen Zahlen um die Ohren knallen, ihre Hand über ihre Kurvenverläufe führen, eine Schulung nach der anderen mit klaren Daten vorführen, amüsante Geschichten rund um die Compliance erzählen und was passiert, gemäß der Thermodynamik?
    Mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erscheint ein ähnliches Testbild.
    „Alle sind gleich, nur Manche sind gleicher“.
    Wie lange noch?

  20. @13 Ja, leider. Danke und Zustimmung.

    Und woher solch eklatante „Blindheit“ auf CEO- und Managerebene?

    Sicher hat es auch multikausale Gründe. U.a. scheint mir, wenn Fakten derart hartnäckig und unempathisch „geleugnet“ werden, die These plausibel, dass solche Abwehr und Leugnung auch etwas mit narzisstischer Abspaltungsmustern zu tun hat. Dadurch kann der Begegnung und der notwendigen Bearbeitung, eigener verdeckter, abgespaltener Traumaanteile aus dem Weg gegangen und diese vermieden werden. Lieber wird an einem unrealistischeren, sich selbst und andere noch weiter kränkenden und krankmachenden „Selbstoptimierungswahn“ festgehalten und ist darauf unter sich noch „stolz wie Oskar“. Wie kindisch.

    Die Spitze der „Leistungselite“ scheint sich auf „Zombieebene“ zu bewegen:
    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/grube-hipp-branson-fruehaufstehen-fuer-mehr-leistung-a-1019407-5.html

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