Kohl/Genscher

Jetzt sind die beiden Architekten der deutschen Wiedervereinigung tot. Und in allen Zeitungen werden die Nachrufe publiziert – in denen natürlich nichts Negatives mehr geschrieben wird. Wozu auch?

Ich persönlich habe fürHelmut Kohl nie sonderlich große Sympathie empfunden. Ganz im Gegenteil Aber im Rückblick muss ich ihm bzw. ihm und Genscher zubilligen, dass sie 1989 ein Gespür für das „Situationspotential“ (Jullien) hatten und dieses Potential eiskalt genutzt haben.

Da Kohl in seiner provinziellen Art sein ganzes politisches Leben etwas ziemlich Intelligentes gemacht hatte, konnte er es auch damals nutzen: Er hatte stets auf persönliche Beziehungen und persönliches Vertrauen gesetzt. Genscher machte es ähnlich… So konnten sie die guten Beziehungen zu Grobatschow, Bush, Mitterand, vielleicht sogar zu Thatcher (das kann ich nicht einschätzen) nutzen, um die Wiedervereinigung durchzusetzen, obwohl sie keiner von denen – vielleicht mit Ausnahme von Bush – gern gesehen hat. Der Preis war der Euro, an dem wir heute immer noch mit Vergnügen zahlen (aber Geld hat Kohl immer großzügig verteilt, weil er nicht so eine Krämerseele war, wie Schäuble oder Merkel).

Letztlich hat er sie mit seiner pfälzischen Harmlosigkeit alle ausgetrickst.

104 Gedanken zu “Kohl/Genscher

  1. Der Nachruf gehört zu den wenigen journalistischen Gattungen, die nicht objektiv und nicht kritisch zu sein brauchen – ja, ein Nachruf darf überhaupt nicht objektiv und kritisch sein, sonst wäre er pietätlos.

    Ob es von Kohl intelligent war oder der Gnade seiner frühen Geburt entsprach, auf persönliche Beziehungen und persönliches Vertrauen zu setzen und damit solchen Erfolg zu haben, können wir später Geborenen leicht beantworten: Wer heute mit Erdogan, Putin und Trump in Oggersheim Saumagen essen wollte, würde höhnendes Gelächter ernten. The times they are a’changing… leider zum Schlechten.

  2. Kohl war in der gesamten Zeit seines Wirkens das, was Trump heute für die Links-„Intellektuellen“ ist: das personifizierte Feindbild. Alles an ihm war primitiv, abstoßend und gefährlich. Jeden Tag. Jede Woche, jede Wahl…….
    Habermas verstieg sich sogar zu der geistig-moralischen Umnachtung, ihn als „Wegbereiter des Dritten Weltkrieges“ zu apostrophieren.

    Dabei war damals die Vision einer Europäischen Union und die Versöhnung mit den Nachbarstaaten wirklich ein Friedensprojekt ( -nicht wie heute überwiegend aus Wirtschaftsinteressen…..)
    Kohl hatte sehr bitter Krieg, totale Zerstörung und Hunger erlebt……

    http://www.bild.de/politik/2009/helmut-kohl-der-tag-an-dem-meine-kindheit-endete-9508518.bild.html

    Sowohl Kohl als auch Gorbatschow hatten Familienmitglieder im Krieg verloren.

    Er hat nicht „alle ausgetrickst“; er war in diesem Punkt absolut glaubhaft, zutiefst überzeugend und authentisch………

  3. @4: Ja, vielleicht ist „ausgetrickst“ der falsche Begriff. Aber das war durchaus anerkennend gemeint. Denn er hat sie dazu gebracht, der Wiedervereinigung (besser wohl: Widervereinigung) zuzustimmen, obwohl sie dagegen waren.

  4. @ 4: „Vergessen ist, dass eine andere deutsche Autorität, Jürgen Habermas, dich einst in einem Anfall geistig-moralischer Umnachtung als Wegbereiter des Dritten Weltkriegs apostrophierte.“ http://www.achgut.com/artikel/ach_helmut
    Das schrieb Ulrich Schödlbauer, Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Essayist. Dieser Beitrag erschien zuerst auf „GlobKult“, dann auf „achgut“ (Achse des Guten).
    Schödlbauer (Jahrgang 1951) lehrt laut Wikipedia als außerplanmäßiger Professor an der FernUniversität in Hagen, wo er u. a. das virtuelle Autorenseminar Grabbe leitet. Seine Publikationen umfassen, neben literaturtheoretischen und kulturkritischen Arbeiten, ein lyrisches Werk, eine Reihe erzählerischer Titel sowie Essays zu literarischen, philosophischen und politisch-kulturellen Themen. Seit 2001 ist er Herausgeber des, auch online zugänglichen, Jahrbuchs für europäische Prozesse Iablis. Im Internet vertreten ist der Autor ferner mit den Seiten GlobKult und Grabbeau sowie als Gastautor der Achse des Guten.
    Die Achse des Guten ist ein politisches Blog, betrieben von den Publizisten Henryk M. Broder, Dirk Maxeiner und bis Anfang 2015 Michael Miersch. Lorenz Jäger kommentierte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Autoren des Weblogs hätten sich „die Anliegen der amerikanischen Neocons“ auf die Fahnen geschrieben. „Ziemlich rabiater Antiislamismus“ stehe neben zahlreichen klimawandelskeptischen Einlassungen. Der spätere Mitautor Hannes Stein charakterisierte Die Achse des Guten als Hauptakteur eines „liberalen Paralleluniversums“, das dem US-amerikanischen Neokonservatismus nahe stehe. Philipp Dudek nannte sie in der Taz den bekanntesten Weblog unter den Blogs, die „eine feste liberale Gegenöffentlichkeit im Internet“ bildeten. In einem Aufsatz zum Thema Islamfeindlichkeit stufte Sabine Schiffer Die Achse des Guten als „antiislamische“ Website ein. Jens Jessen schrieb in der Zeit, die Achse des Guten habe sich als „Achse des Bösen“ erwiesen und wolle „den Westen in eine dem Islamismus analoge Hassposition emporpeitschen“. Ebenfalls in der Zeit notierte Gideon Botsch dagegen, ihre Polemik sei „in der Regel liberal, individualistisch, westlich und marktwirtschaftlich orientiert.“ Sabine Pamperrien beschreibt das Blog in der Berliner Zeitung als „einflussreichsten deutschen Autorenblog“, dessen Autoren sich gegen „USA-Bashing, Kapitalismus-Kritik, Klima-Hysterie und falsche Toleranz gegenüber dem Islam“ wendeten. Jörg Lau kritisierte im Januar 2012 auf der Website der Wochenzeitung Die Zeit einen Artikel Broders, in dem er „ein Abdriften in eine Ressentiment-Rhetorik“ zu finden glaubte: „Der Gegner ist schwul und ‚parasitäres Pack‘ – das ist eine rechtsextreme Rhetorik, die der Broder, den ich einmal kannte, einfach nur widerlich gefunden hätte.“ Für Volker Panzer, den Leiter des ZDF-„Nachtstudios“, ist Die Achse des Guten durchaus eine Empfehlung „mit gutem Gewissen“: „Da kann man sich richtig schön ärgern und manchmal sogar freuen“.

  5. Helmut Kohl kam nach 13 Jahren Sozialdemokratie mit Willy Brandt und Helmut Schmidt an die Macht. Nach der Ost-West-Aussöhnung (Brandts Kniefall in Polen) vollzog er eine West-Wende (Hinwendung zu Mitterand) und versuchte, Deutschland gefühlsmäßig zurück in die vorrevolutionären 1960er Jahre zu bringen (Provinzialität), ähnlich wie es heute die AfD versucht. Doch diese reaktionäre Strategie Kohls misslang, da der Ostblock zerfiel und Europa neu geordnet werden musste. Plötzlich gab es einen Aufbruch in Richtung Globalisierung, die Kohl politisch mitgestaltete, indem er Deutschland (auf machtstrategisch geschickte Weise) eine bedeutendere Rolle in der Weltpolitik verschaffte, die Angela Merkel weiter auszubauen verstand.

  6. Bedeutende Ereignisse ruft man sich mittels bestimmter Erinnerungsbilder wieder ins Gedächntis („re-call“). Berühmte Beispiele: Mord an J. F. Kennedy oder 9 / 11.
    Ich erfuhr von der Machtübernahme von Kohl und Genscher auf einer Wanderung in den Alpen. Verbunden ist diese Erinnerung unauslöschlich mit dem (pfälzisch gesprochenen, hier leider nicht imitierbaren) Wort „geistig-moralische Wende.“
    Ich habe jahrelang darüber gerätstelt, was das sein soll und es bis heute nicht rausgekriegt.

  7. @ 9: „In seinem Koalitionspapier versprach Kohl, eine „geistig-moralische Wende“ zu bringen, was zum Schlagwort seiner Politik der frühen Jahre als deutscher Kanzler wurde. (…) Der Journalist und Sozialwissenschaftler Hans Uske übersetzte nicht ohne satirischen Unterton die Worte „geistig“ mit „Werte und Tugenden“ sowie „moralisch“ mit „Opferbereitschaft“. Letztere sei von denen gefragt, die Uske zu den Verlierern der von der Regierung Kohl betriebenen Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft zählte, die von seinen Gegnern als Sozialabbau gebrandmarkt wurde.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Geistig-moralische_Wende

  8. @ 9: „Verbunden ist diese Erinnerung unauslöschlich mit dem (pfälzisch gesprochenen, hier leider nicht imitierbaren) Wort „geistig-moralische Wende.““

    annäherungsweise: „geistich-moraliche Wännde“

  9. @ 11: ja, das kommt dem nahe (wenn man es noch im Ohr hat), besonders das Doppel-N ist wichtig.
    @ 10: diese Erklärung erreicht mich irgendwie nicht. Vielleicht kann mir ja jemand Kompetentes, wie etwa Herr Georgy, das so erklären, dass ich es nachvollziehen kann.

  10. @ 10 und 12: Bei diesem bewusst prätentiösen und schwammigen Slogan handelte es sich um einen Wahlkampf-Claim, der mehrere Funktionen vereinte: Er positionierte das Leistungsangebot der CDU und die anspruchsvolle Marke „CDU“, er lieferte ein zentrales „Wahlkampfversprechen“ (vgl. Trumps Strategie) und er kommunizierte eine Mission, eine Vision oder das ideologische Alleinstellungsmerkmal der CDU.

    Hinterher wusste Helmut Kohl, auch nicht mehr, was er damit gemeint hatte: „Zur geistig-politischen Wende gehörten für mich zwei zentrale Punkte: die Bereitschaft, den Frieden zu verteidigen, und die Verlässlichkeit der Deutschen im Bündnis.“ Helmut Kohl, Erinnerungen 1982-1990, S. 51 (veröffentlicht am 3. November 2005)

    „Die Frage der Zukunft lautet, wie sich Freiheit, Dynamik und Selbstverantwortung neu entfalten können. (…) Zu viele haben zu lange auf Kosten anderer gelebt: der Staat auf Kosten der Bürger, Bürger auf Kosten von Mitbürgern und – wir sollten es ehrlich sagen – wir alle auf Kosten der nachwachsenden Generationen.“
    Helmut Kohl, Regierungserklärung vom 13. Oktober 1982

    http://www.helmut-kohl-kas.de/index.php?menu_sel=15&menu_sel2=213&menu_sel3=124

  11. Aus der Buchvorstellung zu Helmut Kohls Erinnerungen 1982-1990 (veröffentlicht 2005): „Angetreten, die »geistig-moralische Wende« herbeizuführen, gelang es der Regierung unter Helmut Kohl tatsächlich innerhalb kürzester Zeit, die Bundesrepublik mit einer Reihe von weitreichenden Reformen neu auszurichten und das Klima tiefer Resignation zu überwinden, das das Land Anfang der achtziger Jahre gefangenhielt.

    Nicht nur im Inneren fehlte es an Vertrauen in die Politik und an Zuversicht in die Zukunft. Die Entwicklung zu einem einigen Europa war zum Stillstand gekommen, das Schlagwort von der »Eurosklerose« ging um, und die Konfrontation zwischen der Sowjetunion und den USA hatte einen neuen Höhepunkt erreicht.

    In dieser Situation gab Helmut Kohl der Entspannungspolitik und der europäischen Einigungspolitik wesentliche Impulse. Bleibende Bilder sind im Album der Geschichte entstanden: mit François Mitterrand in Verdun, mit Ronald Reagan in Bitburg, mit Erich Honecker in Bonn, mit Willy Brandt am Tag nach dem Mauerfall in Berlin – prägende Aufnahmen, die Eingang gefunden haben in das Gedächtnis der Republik.

    (…) Seine Erinnerungen 1982 – 1990 sind durchdrungen von jener Leidenschaft und Überzeugungskraft, die heute in der Politik so selten geworden sind.“

    https://www.amazon.de/Erinnerungen-1982-1990-Helmut-Kohl/dp/3426273209

  12. War es eine grandios-machtpolitische, über sich selbst und sein politisches Leben hinausweisende Torheit von Helmut Kohl, Angela Merkel (indirekt) zu seiner Nachfolgerin herangezogen zu haben? Wie werden sie jemals wieder los? Welche Nachrufe werden wir (einst) auf sie verfassen (müssen)?

    „Um seine Menschenkenntnis (…) war es wesentlich schlechter bestellt. Der eine überlebende Beweis dafür ist Wolfgang Schäuble, der andere Angela Merkel. Nie war die kommunistisch geschulte, die überzeugte DDR-Bürgerin „sein Mädchen“, die Ziehtochter, für die er sie lange halten wollte.

    Noch mit ihrem Nachruf schämt sie sich nicht, Helmut Kohl, den Georg Bush sr. als „wahren Freund der Freiheit“ rühmte, einen letzten Tritt zu versetzen. Auch ihren „Lebensweg“, sagte sie, habe er „entscheidend verändert“. Dafür sei sie ihm „ganz persönlich dankbar“. Denn: „Ich konnte von da an auch ohne Angst beim alles überwachenden Staat leben.“

    Im Klartext: Die amtierende Bundeskanzlerin betrachtet das unter Helmut Kohl vereinte Deutschland als einen „alles überwachenden Staat“, in dem sie als Politikerin „ohne Angst“ leben kann. Sich dafür in einem Nachruf bei Helmut Kohl zu bedanken, ist eine schlichte Unverschämtheit. Dass sich diese Aussage Merkels sprachlicher Umfähigkeit verdankt, ändert nichts an der ungewollten Offenbarung. Natürlich hätte sie sagen sollen, dass sie ohne Angst nicht „beim“, sonder „vor einem alles überwachenden Staat“ leben konnte.

    Allein, sie ist wieder einmal in die selbst gestellte Wortfalle getappt. Der Freudsche Versprecher brachte die Gesinnung an den Tag. Er bestätigte, worauf Angela Merkel während ihrer bisherigen Kanzlerschaft zielstrebig hingewirkt hat und worauf sie weiter zusteuern will: Den Ausbau des omnipräsenten Staates nach ostdeutschem Vorbild.

    Dass so etwas im Sinne von Helmut Kohl sein könnte, werden ihm nicht einmal seine einstigen politischen Gegner unterstellen wollen. Und dennoch ist der verstorbene Altkanzler keineswegs frei von Schuld. Indem er der heutigen Kanzlerin den politischen Weg ebnete, hat er den Deutschen eine Suppe eingebrockt, die er selbst nicht mehr auslöffeln musste. Wie lange dieser Schatten noch auf seine historischen Verdienste um die deutsche Einheit fällt, das bleibt abzuwarten.

    Auf einen wie ihn, einen Staatsmann, der die politischen Emporkömmlinge mit historischem Verstand in ihre Grenzen zu weisen verstand, werden wir bis aus weiteres kaum bauen können. „Ein ganz Großer seiner Zeit“ ist für immer abgetreten, ein demokratisch gesinnter Machtmensch aus der Welt von gestern.“

    http://www.achgut.com/artikel/merkels_letzter_tritt

  13. Es ist eigentlich eine Randnotiz, für einige jedoch von nicht unerheblicher Bedeutung. Zu den letzten Amtshandlungen der Kohlregierung zählte das sog. Psychotherapeutengesetz. Es regelt, wofür therapeutisch tätige Psychologen (die damals bereits 80% der psychotherapeutischen Leistungen für die gesetzlichen Kassen erbracht haben) über Jahrzehnte gekämpft haben: die Anerkennung als Heilberuf mit staatl. Approbation.
    Manche denken, dass es v.a. die FDP mit ihrer traditionell positiven Einstellung für Freiberufler war, die das Gesetz forciert hat. Aber nein, es war die CSU, v.a. in der Person Horst Seehofers, die das Gesetz ermöglicht hat. Es trat am 4.1.1999 in Kraft.

  14. „(…) In solcher Geringschätzung Kohls steckte noch einmal das alte Rezept deutscher Intellektueller, im Ulk zu kompensieren, dass hier jemand erfolgreich Politik machte, ohne ihre Lehrbücher und ihre Eitelkeiten zur Kenntnis genommen zu haben. Wenn man schon gegen ihn verloren hatte, wollte man sich doch wenigstens über ihn, den „Instinktpolitiker“, mit weisem Lächeln lustig machen dürfen. Der tumbe Bauer sollte so die Rute der geistigen Aristokratie spüren. (…)“ http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/verstorbener-frueherer-kanzler-der-pfaelzer-helmut-kohl-15066375.html

  15. @ 0: „(…) So konnten sie die guten Beziehungen zu Grobatschow, Bush, Mitterand, vielleicht sogar zu Thatcher (das kann ich nicht einschätzen) nutzen, (…)

    „Helmut Kohl (1930–2017), Bundeskanzler, hatte seit 1971 seinen Wohnsitz in Oggersheim und empfing dort ab 1982 Staatsgäste wie Margaret Thatcher, George H. W. Bush, Boris Jelzin oder Bill Clinton.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Oggersheim

  16. @18: das war mein Text, Herr S.! Das ist eben der Nachteil, wenn man die FAZ um 7.30h aus dem Postkasten holt statt mitten in der Nacht (haben Sie Schlafstörungen?) im Internet umeinandersörft.
    Wahrscheinlich steht auch dieser Satz im Internet, der in der Papierausgabe groß in den Text eingebunden ist:
    „Helmut Kohl war für viele Intellektuelle nicht gut genug. Das liegt an deren Sicht der Politik“



    … ich finde, der hat was …

  17. Wie über einen bzw. das, was einer tut, erzählt wird – und wenn es alte Witze in neuen Gewändern, Beleidigungen, Schmähungen sind – ist nebensächlich gegenüber der Wirkung, DASS erzählt wird (Aufmerksamkeit).

  18. @ 11: Korrektur: „geistick-moraliche Wännde“

    Frau deaXmac und Herr Eder werden bestätigen können, dass man das in der Pfalz ungefähr so ausspricht (klingt nach einem Sprachfehler, soll jedoch Volksverbundenheit ausdrücken, sonst müssten einige Politiker zum Logopäden, siehe auch Martin Chulz, pardon: höre).

  19. @21: Hmmmmm … dann wäre das Reden über Goethe und Goebbels, Hegel und Heydrich ja gleichwertig …

  20. @23: nach einem Studium in RLP mit einer Sprachumgebung, die man Mittelmoselfränkisch nennt, einer kurzen Phase in der Vulkaneifel und nunmehr 27 Jahren in der Kurpfalz ist mir ( auch aufgrund meines bayrischen Migränehintergrundes) eigentlich nichts mehr fremd, was man mit der deutschen Sprache alles veranstalten kann.

  21. @ 20: „(haben Sie Schlafstörungen?)“

    Träum ich von der Kehrwoch‘ in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht…

    Wie haben Sie es geschafft, so lange „abwesend“ gewesen zu sein?
    Immerhin einige Monate lang…

    Jeden Morgen schwöre ich: NIE WIEDER! But oops – I did it again…
    Können Sie mir einen erfolgreichen Suchttherapeuten empfehlen?

  22. Die linksradikale „taz“ hat mal wieder den Vogel abgeschossen: sie zeigte auf S. 1 anlässlich Kohls Tod einen Blumenschmuck auf einem Sarg mit der Überschrift „Blühende Landschaften“. Mittlerweile rudert man dort ein wenig zurück, aber wes Geistes Kind man ist, läßt sich ja schwer verbergen (der taz-Redakteur Yücel wünschte Th. Sarrazin ja seinerseits, der nächste Schlaganfall möge sein Werk an jenem gründlicher verrichten)

  23. @27: Ha, Herr S., Sie misse sisch ääfach entsponne, verstehesiemisch? Entsponne, ausatme, loslasse.
    Ja, klar kann ich Ihnen einen Suchttherapeuten empfehlen. Aber es gilt der alte Handwerkerspruch: billisch werd des net!

  24. @30: „Kehrwochensucht“ finde ich nicht in meinem ICD-10, also wird das mit der Kasse nix (vgl. Diagnosenfaden)

  25. @32: vor allen Dingen führt sie zum Phänomen des Hirnschwurbels, erstmals beschrieben bei Henscheid 1971.

  26. @ 33: …um genau zu sein: Henscheid 1973. „Die Vollidioten. Ein historischer Roman aus dem Jahr 1972 ist der 1973 erschienene Debütroman des deutschen Schriftstellers Eckhard Henscheid. Die Vollidioten bilden den ersten Teil von Henscheids Trilogie des laufenden Schwachsinns, die außerdem die Romane Geht in Ordnung – sowieso – – genau – – – (1977) und Die Mätresse des Bischofs (1978) enthält. Die Vollidioten galten im linksintellektuellen Milieu der 1970er Jahre der Bundesrepublik als Kultbuch…“ https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Vollidioten

    Ich sag’s ja: Dieses Blog ist die Bühnenfassung einer in die Jahre gekommenen Männer-WG.

  27. Weil die SPD in unserm Ort auch was zu sagen haben will, heißt der Zubringer zur Kläranlage jetzt “Helmut Kohl Straße“.

    (Obwohl, der war doch gar nich inner SPD? Egal, werden die auch nicht so genau gewusst haben…….)

  28. @ 36: …weil das politische Credo Helmut Kohls lautete: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“.

  29. In Berlin und in Hannover haben die jeweiligen CDU-Ortsvereine die Benennung einer Straße nach ihrem jüngst verstorbenen Ehrenvorsitzenden vorgeschlagen – zur kommunalen Kläranlage führt keine der möglichen Straßen. Sinnfällig wäre auch die Umbenennung eines Feldwegs zum „Helmut-Kohl-Weg“ oder von öffentlichen Toiletten zum „Helmut-Kohl-Klo“.

  30. Such den Nazi, such!
    Also, wer sich jetzt mal ernsthaft auf die Suche machen möchte, sollte sich mal die früheren Mitgliedslisten von CDU/CSU, FDP und SPD anschauen, da finden sich ehemalige NSDAP-Mitglieder en masse.
    Und in der AfD?

  31. … fast hätte ich es vergessen: und wo findet man wohl die meisten ehemaligen Mitglieder von KBW, KPD-ML und anderer Wohlfahrtsverbände? … got it?

  32. @ 43 …wo wohl finden Sie ehemalige und aktive NPD-Mitglieder und NPD-Mitglieder, die zuvor NSDAP-Mitglieder waren, Reichsdeutsche und andere Rechtsextremisten, wenn nicht in der AfD, die deshalb auch schon (ohne Proteste von seiten der AfD) NSAfD genannt wurde?

    Offensichtlich fühlen sich auch einige (vor den berufslichen Ansprüchen fremdelnde) Pauker und Psychoklempner im braunen Sumpf wohl, denen das allesverstehende Pädagogengesäusel und das seelenheilende Menschheitsverbesserertum auf den Keks geht.

  33. jetzt haun Sie aber ganz schön auf die Kacke, Herr S.!
    Jedoch: wer mit Scheiße schmeißt, muss sie irgendwo herhaben, hat meist selbst braune Flecken und stinkt.

  34. Throwing an apple:

    Ich kann diese starken Polarisierungen gerade in diesem Blog nicht verstehen. Sinnvolles lässt sich auf beiden Seiten finden. Was ist eigentlich so schwer daran, einfach mal anzufangen, davon auszugehen, dass das der Fall ist und dann darüber zu sprechen, was davon wie umsetzbar sein könnte? – Und wieso eigentlich immer nur zwei Seiten? Der Unterschied kann so viele Seiten haben, wie wir lustig, intelligent und kreativ genug sind.
    Es kommt hier selten darüber hinaus, mal wieder ordentlich die Trennlinie zu ziehen und die Sortieraxt auszupacken. Klappe auf, den anderen rein, Klappe zu, dann Etiketten aufkleben.
    Ich möchte an etwas erinnern, das (wörtlich oder sinngemäß, ich finde es gerade nicht wieder) Dirk Baecker gesagt hat „Wir brauchen neue Konfliktlinien“. Wo sollen wir die finden, wenn nicht in einem Systemiker-Blog?

  35. @ 47: Solche verallgemeinenden Umkehrschlüsse deuten auf eine vulgärzirkuläre Denke, die ich bei einem sogenannten Diplom-Psychotherapeuten für geschäftsschädigend halte – es denn dieser Vulgär-Pseudologe behandelte ausschließlich ähnlich einfach gestrickte Verrückte, etwa aus dem AfD-Abgrund. Die scheinen alle behandlungsbedürftig zu sein: Paranoia in Verbindung mit Allmachtsphantasien.

  36. Oha, Herr Santak. Vorschlag: wir machen beide mal die Klimaanlage an, vielleicht beruhigt sich dann was.

  37. @ 51: Was schätzen Sie an Ihrem/r Partner/in?
    Ehrlichkeit, Rückgrat, Treue und Humor.

  38. Dass sie, selbst aus dem europäischen Ausland, auch AFD wählt, weil sie ebenfalls nicht glaubt, dass das gut funktionieren kann mit unserer Kultur allzu fremden Menschen.

  39. @ 48: „Sinnvolles lässt sich auf beiden Seiten finden.“

    Was ist „sinnvoll“ an der AfD?

    Der Rassismus, die Deutschtümelei, der EU-Austritt, die Rückkehr zur D-Mark…

  40. @ 54: Das wäre ja noch schöner, wenn Ihre Partnerin nicht AfD wählen würde – ein glatter Scheidungsgrund! Noch dazu im (möglicherweise als deutschlandfeindlich betrachteten) Ausland! Um von Wilders oder Le Pen zu lernen?

  41. Na das mit Coldplay hat wohl nicht funktioniert … lassen Sie’s raus, Herr Santak, lassen Sie’s raus … (Einspielvorschlag „alles Nazis außer Mutti“)

  42. Lieber Michael, wir diskutieren hier ja nicht mit der AfD, sondern mit Menschen. Und da ist eben nicht immer alles falsch, nur weil es von jemandem kommt, der – beispielsweise – die AfD wählt. So sehr mich z.B. das „Lügenpresse“-Skandieren aufgeregt hat, ist mir nicht entgangen, was beispielsweise damals nach der Nacht in Köln von unserer Presse geschrieben wurde und – sehr viel interessanter – was nicht, und wie diejenigen reagiert haben, die versucht haben, darauf aufmerksam zu machen.
    Ich finde es sehr offensichtlich und einfach, viele Überzeugungen, die mir beispielsweise von Frauke Petry präsentiert werden (beispielsweise zum „Lebensmodell Homosexualität“) mehr als problematisch zu finden. Doch wenn ich mir ansehe, mit welcher Selbstgerechtigkeit ein Zahnarzt über ein Jahr lang von „guten Buntbürgern“ verfolgt wird und das nicht nur privat und politisch, sondern eben auch gegen seine Praxis, sein Einkommen, seine Lebenssicherheit gerichtet, mache ich mir so meine Gedanken.
    Ich habe dazu mal einen Artikel auf meiner fb-Wall geteilt, und es hat nicht lange gedauert, da kam ein „Genosse“ und fragte mich frei heraus, ob ich denn nicht wissen wolle, ob mein Zahnarzt ein Rassist sei. Als ich mich geweigert habe, der Frage und ihrer Konsequenz zu folgen, wurden mir Mob und soziale Verfolgung angedroht.
    Das ist kein Einzelfall, und meiner Ansicht nach liegt das Problem nicht mehr bei links oder rechts, sondern bei mangelnder Differenzierung. Wie soll die aber gehen, wenn man immer sofort schubladisiert und ad hominem loslegt?
    So sehr ich die unangenehmen Gefühle teile, wenn mir jemand sagt (und auch das ist mir neulich passiert): „Dann müssen wir sie eben sofort wieder zurück aufs Meer schicken“, so sehr ich dabei zusammenzucke, ich gehe nicht davon aus, dass auch nur einer, der hier postet, so etwas sagen würde.
    Wenn ich mit dieser Annahme richtig liege (und das muss mir auch keiner beweisen), dann besteht hier eine Chance zu einer streitlustigen Konfrontation auf sehr viel höherer Ebene.
    Wobei mir noch etwas einfällt: Jemand meinte neulich zu mir, man könne von den Moslems f o r d e r n , dass sie sich gegen die Terrorakte stellen. Ich denke, ich kann von einer schweigenden Masse von Menschen, die einem Mobbing zuguckt, ohne etwas dagegen zu tun, fordern, dass sie was tut und ihnen ihre Schande ins Gesicht sagen, wenn sie untätig bleiben, aber das hier riecht für mich doch präfaschistoid.
    Unterschiede verbinden. Sie sind Relation. Das fände ich mal wichtig mitzutransportieren.
    Viele liebe Grüße – Gitta – Text nicht Korrektur gelesen

  43. Liebe Gitta, wir sind hier ja in einer merkwürdigen Situation, weil sich ja Menschen begegnen ohne menschliche Begegnung – die wenigsten hier kennen sich persönlich (zumindest gehe ich davon aus).
    Also können wir die Unterschiede wohl kaum auflösen. Für mich ein sehr eindrückliches Beispiel ist das Cicerointerview mit Imad Karim und Armin Nassehi. Beide vertreten in der Migrationsfrage sehr unterschiedliche Positionen. Aber sie schaffen eine Begegnung, was ich sehr wohltuend finde. Für mich persönlich sehr interessant ist die Frage Karims an Nassehi, wie er entscheiden würde, wenn er im Wiederholungsfall 2015 zu entscheiden hätte. Interessant deshalb, weil ich diese Frage damals hier gestellt habe und allein die Frage als absurd und empört zurückgewiesen wurde.
    Das Interview kann man hier sehen:
    https://www.youtube.com/watch?v=xLNa03TmAc0

  44. @ 60: Ich war schon immer der Auffassung von Lothar Eder und Georgy, dass wir Deutsche – und ich bin reinrassiger Arier mit nachweisbarem Stammbaum bis ins finsterste Mittelalter – die besseren Menschen sind. Mit Rassismus hat das rein gar nichts zu tun. Ein kurzer Blick in die deutsche Kultur reicht für die Erkenntnis – nein, den Beweis – dieser Wahrheit völlig aus. Deswegen sollten wir unser Land vor jeglicher minderrassiger Verunreinigung bewahren, und zwar – notfalls – mit allen Mitteln. Das gebietet uns nicht bloß unser Nationalstolz, sondern vor allem auch unsere Pflicht zur Erhaltung einer humanen Menschheit.

  45. @62 Guten Morgen, lieber Lothar,

    das Interview schaue ich mir heute Abend an, Namen und Hintergrund kommen mir aber bekannt vor.

    Ich habe mich gestern nicht deutlich genug gemacht und würde das gern nachholen. Versuche ich es mit einem Oberbegriff: Metakommunikation.

    Als junge Frau war ich mal für kurze Zeit in einer kleinen ideologisch organisierten Gruppe, die sich mit Themen kognitiver Weiterentwicklung befasst hat. Das war, was gruppenorganisierende Prozesse angeht, eine der wertvollsten Erfahrungen meines Lebens, denn ich konnte sie dort unter dem Brennglas beobachten. – und damit meine ich keineswegs nur die Aspekte, die sich auf die gruppeninternen Abläufe beziehen, die Abgrenzung zwischen Gesellschaft und Gruppe inklusive der Ausgrenzungsmethoden durch die Gesellschaft waren ebenfalls sehr erhellend (zu weiten Teilen widerlich und von derselben Sorte, die ich gleich beschreibe).

    Krass auf den Punkt gebracht: In unserer Gesellschaft laufen Erziehungsprogramme, und die werden durch Meinungen organisiert, wie sich an ihr Meinungen organisieren. Ich glaube schon lange nicht mehr an das „wirklich Eigene“ der Meinung.

    Kommt das Thema „Helmut Kohl“, muss ich – je nach Umfeld – dazu sagen, dass ich ja jeweils doch nicht oder dass ich doch. Meint: Ich habe anzugeben, dass ich ja doch etwas Gutes an ihm sehe oder dass ich ja doch etwas Schlechtes an ihm sehe. Unterlasse ich das, werde ich im Zweifelsfall extremisiert, und das Erziehungsprogramm beginnt zu laufen.

    Spreche ich über Flüchtlinge, muss ich angeben, dass ich ihnen entweder unbedingt helfen will – egal, was los ist – oder dass ich Ausnahmen mache. Gebe ich den entsprechenden Hinweis nicht, …

    An diesem Mechanismus bilden sich infantile Reaktionsmuster, manche extremisieren sich einfach selbst und halten das für eine „politische Maßnahme“, weil sie keine Lust mehr dazu haben, sich ständig dazu erziehen zu lassen und dem zu folgen, was jeweils als politisch korrekt angesehen wird. Ich halte die AfD für einen Club, der sich an diesen Programmen gebildet hat und sehe sie deshalb nicht als ein losgelöstes Problem, sondern als Trotzreaktion auf die laufenden Programme. Entsprechend sehe ich die Wächterprogramme der linksgrünen Bewegung als mitverantwortlich für solche in der Gruppe verkrusteten Meinungsbildungsprozesse. Sie gewinnen Berechtigung aneinander, und wer sich zur falschen Zeit am falschen Ort differenzierter äußert, wird zermalmt und mit hinreichend Unglück sogar noch zum schlimmeren Bösewicht gemacht.
    Im Kleinen habe ich das in dieser Gruppe, von der ich gerade erzählt habe, einmal so erlebt: Eines der Mitglieder hatte einen wichtigen Job und kam deshalb nicht zu einem Meeting. In Folge wurde „Gericht“ gespielt, ich bekam den Job des Anwalts. Ich muss meine Sache gut gemacht haben, denn der Angeklagte erhielt eine Woche Gruppenausschluss, ich einen Monat. Dafür, dass ich seither dem fast immer mit der öffentlichen Meinung einher kommenden Tribunal eine tiefe Verachtung gegenüber empfinde, bin ich heute noch dankbar.

    Für Systemiker sind solche Abläufe nichts neues.

    Die Folge aus dem der Moral inhärenten Zwang ist, dass zwar von denen, die sich nicht lumpen lassen wollen, differenzierte Meinungen geliefert werden – allein, man beschäftigt sich nicht mit ihnen, sondern pickt sich die passenden Verstärker für die Abgrenzung heraus.

    Ich weiß nicht mehr, wer das neulich gesagt hat, aber es hat mein Gefühl für die Situation wunderbar auf den Punkt gebracht: Es läuft ein neuer Religionskrieg gegen die Differenzierung. Oder anders herum sehe ich es als den „Kampf unserer Zeit“, wenn man solch einen starken Ausdruck gebrauchen will, sich in jeder Hinsicht gegen den ideologischen Impuls zu stellen und es den Spaltpilzen da draußen und in einem selbst nicht zu erlauben, das Thema zu trivialisieren und den Mob zu rufen.

    Viele Grüße – Gitta
    Text nicht Korrektur gelesen

  46. Liebe Gitta,
    ich finde Du sprichst hier entscheidende Punkte an. Wir leben m.E. in einer „Mediokratie“ (Norbert Bolz), ich würde es eher eine „Thymokratie“ nennen. D.h. es geht schon lange nicht mehr darum, zu entscheidende Punkte transparent zu machen (was aufgrund ihrer hohen Komplexität idR auch nicht möglich und von Normalbürgern auch kaum verstehbar ist). Vielmehr geht es um die Generierung von Stimmungen pro/contra. Dieses Spiel läuft oft nach dem Kasperletheatermodell. Trump ist gerade der Weltbösewichtdarsteller (und er tut auch einiges dafür, dass er diese Rolle gut ausfüllt, sein eigentliches Vergehen besteht jedoch darin, dass er den amerikanischen Politik- und Finanzeliten, die traditionell die Politik bestimmen, nicht angehört), an zweiter Stelle Putin, an dritter Erdogan, an vierter Assad. Wichtig bei dem Spiel ist, dass die USA immer Polizist und Kasperle sind. Und dafür tut die einzige Weltmacht, die seit ihrer Gründung 1778 (?) kaum ein Jahr hatte, in dem es nicht mit irgendwem auf der Welt offen oder verdeckt Krieg geführt hat, einiges. Die Propaganda dafür wurde seit 1915 (?) durch den Spezialisten Bernays, ein Neffe Sigmund Freuds, perfektioniert (in dem Jahr wurde die eigentlich deutschfreundliche amerikanische Öffentlichkeit durch eine Karikatur, die den „hässlichen Deutschen“ zeigte, auf den Kriegseintritt der USA gegen Deutschland eingestimmt). Wir schauen auf die Bühne, doch das wesentliche wird invisibilisiert.
    Es gibt einen wie ich finde schönen Vortrag zu dem Thema von Andreas von Bülow, ehemaliger Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, der das ganz gut darlegt („Lügen, Propaganda, Manipulation der Massen“):
    https://www.youtube.com/watch?v=L3h56UlpJAQ

  47. @ 66: Thymos ist das emotionale Bedürfnis eines jeden Menschen nach Anerkennung durch andere.

  48. Kennt ihr die Freuden des Ausgestoßenseins nicht?
    Ein zeitweiliger Genuss von erlesener Qualität…..

    (Sollte man sich immer mal wieder gönnen ………)

  49. @66 Guten Morgen, lieber Lothar.

    Ich kritisiere ungern Politik(er), ohne gleichzeitig etwas über die Masse zu sagen. Das Spiel ist mir zu unvollständig, wenn ich sie herauslasse. Außerdem kritisiere ich auch lieber diejenigen, die in meinen Augen das größere Potenzial zu Recht und Freiheit und Demokratie haben, weil die anderen meist eh offensichtlich blöd sind – um die kümmern sich schon alle anderen 🙂
    Insofern finde ich eine Kritik an der AfD oder an Donald Trump zwar wichtig und würde mich ihr anschließen, täte das nicht längst schon fast jeder anderer.
    Man muss kein Akademiker sein, um zu erkennen, dass Donald Trump nicht alle Tassen im Schrank hat oder dass es eine Schweinerei ist, was er mit den armen Menschen macht. Allerdings kommt er ja auch nicht ohne ein korruptes System und einen Haufen von in Massenprojektionsflächen geronnene Politiker, deren Bemerkungen unter der Lupe der öffentlichen Medien ein zynisch-verkorkstes Amerika der 50er Jahre spiegelt, bei dem ich mich nur frage: An was haben wir eigentlich die letzten 30 Jahre geglaubt? Die US sind nicht die bunten Metropolen.

    Du schreibst: „Trump ist gerade der Weltbösewichtdarsteller (und er tut auch einiges dafür, dass er diese Rolle gut ausfüllt, sein eigentliches Vergehen besteht jedoch darin, dass er den amerikanischen Politik- und Finanzeliten, die traditionell die Politik bestimmen, nicht angehört), an zweiter Stelle Putin, an dritter Erdogan, an vierter Assad. Wichtig bei dem Spiel ist, dass die USA immer Polizist und Kasperle sind.“

    Der Begriff „Weltbösewichtdarsteller“ ist mir zu rhetorisch, da er die Abwertung der Kritik aufschließt, die bei allen Vieren mehr als berechtigt ist. Ich wollte auf etwas anderes hinaus: Nicht die Kritik an der einen Seite abwerten, sondern zusätzlich die auf der anderen Seite einführen und dabei dann hinschauen, wie sich die Extreme gegenseitig bedingen und hochspielen. Ich denke dabei immer noch an die Kölner Nacht. Es war erschreckend zuzusehen, wie rasch sich die Diskussion auf das Lieblingsthema einschoss, während die armen Frauen immer mehr in den Hintergrund gedrängt wurden, ihre Drangsal teilweise bagatellisiert. Ich kann das aber nicht von der Bevölkerung trennen. Mir sind Argumente nur in Richtung der Medien, der Schaltzentralen der Macht, der Politiker einfach zu flach.

    Meiner Ansicht nach haben wir ein breitflächiges Bildungsproblem und zwar in beiden Bereichen: Intellekt und Herzensbildung. Da ist die Bevölkerung auf der einen Seite und da sind die Medien und die Politiker auf der anderen, und während immer gesagt und kritisiert wird, welchen Einfluss Medien und Politiker auf die Bevölkerung nehmen, wird die Bevölkerung weitestgehend aus der Kritik herausgehalten, außer sie erlaubt sich solch „albernen“ (wie Fritz Simon es sagt) Schwachsinn wie die AfD ihn zu weiten Teilen zustande bringt, der aber auch aus dem Munde eines Herrn Seehofer kommt.

    Ich finde diese allgemeine Haltung der Intelligenzia, die Bevölkerung, die Menschen aus der Kritik herauszunehmen elitär und nicht sehr klug. Die Menschen geben eh schon immer mehr Verantwortung nach oben ab, Technik und Technologie sind auf immer bequemere Bedieneroberflächen hin ausgerichtet, selbst die Fernsehphilosophen (Precht voran) schrauben sich durch den Trichter nach unten und liefern die nächste Fläche zur Projektion, auf die man sich stützen kann: „Siehste, der sagt das auch, gib mir noch eine Tüte Chips“.

    Es ist bequem nach oben zu zeigen, wie aber sieht es unten aus? Da meiner Ansicht nach auch hier die Wirkungen interdependent sind, kann ich eine vollständige Kritik nicht führen, ohne die Strömungen in den Massen mit zu berücksichtigen und mich zu fragen: Okay, ich will, dass die Lösungsvorschläge umfassender und adäquater sind, wie kann ich das schaffen, wenn die Bevölkerung in einem Bildungssystem aus dem letzten Jahrhundert gefangen ist und beispielsweise von systemischen Denken zu weiten Teilen entweder gar nichts oder von Leuten wie Ken Wilber gehört hat?

    Ich beobachte vor allem die Diskussionen auf Facebook, die natürlich die Realität nicht wiedergeben, aber dennoch kann man dort die Mechanismen einer Gesellschaft, die es immer noch nicht geschafft hat, die Gefahren der Ideologie zu erkennen, gut beobachten. Die meisten bekommen gar nicht mit, dass sie sich immer noch zu weiten Teilen wie auf dem Pausenhof in Cliquen einteilen. Ihnen entgeht der Drive der jeweiligen Leitsätze, die ihre „Gleichheit“ macht, unter die sie sich freiwillig einsortieren und nach der die Argumentation geführt wird. Viele haben nie gelernt, wie man die eigenen Begrifflichkeiten hinterfragt, und die Vorstellungen von „Ich“ und „Freiheit“ sind fremdreferenziell. Den Test kann man ruhig mal machen und fragen. Die Antworten, die kommen werden, sind ernüchternd.

    Friedrich Nietzsche hat mal gesagt, dass die Menschen seiner Zeit nicht mehr in die Pubertät kommen. Ich denke, man kann mit einigem Mut zum Ärger sagen, dass die Menschen heute oft aus der Pubertät nicht mehr herauskommen. Und da wundern wir uns über die den Bedürfnissen angepasste Politik und die Medien?

    Kann man wirklich die Kritik an Politik und Medien führen, ohne sie gleichzeitig mit einer Kritik am Bildungssystem zu formulieren? Das ist die Frage, die ich versuche zu stellen, wenn ich sage, dass ich das Eine nicht vom Anderen trennen kann und die AfD unter anderem als Reaktion auf „Alternativlos“ ansehe, was keineswegs nur eine Haltung der Bundeskanzlerin ist, sondern eben auch weiter Teile der Bevölkerung, die sich erwartungsgemäß brutal und oft nicht mehr fern von Sykophantenschwärmen und Pöbel auf diejenigen stürzen, die es wagen, die Moral zu kritisieren und die so naturgemäß dafür sorgen, dass diese Kritik immer härter und immer weniger sozial verträglich geführt wird. Die Interdependenz wird nur von wenigen erkannt, und die leben gefährlich.

    Jetzt bin ich gespannt, ob und was Du – oder andere – dazu sagen magst/mögen.

  50. Vom 26. Mai bis gestern ging an unserer Schule (rheinland-pfälzische – ursprünglich!! – mittlere Kreisstadt; ich unterrichte ca. 70% Muslime) fast gar nichts. Trinkfasten der Kinder und Jugendliche von 3-4 Uhr morgens bis 9-10 Uhr abends. (Das mitten in der Nacht und spät abends erfolgende Bauchvollschlagen, „Fasten“ genannt wäre ja harmlos):
    Ergebnis:
    8 mal Notarztwagen, ein Teil wurde vorsichtshalber an heißen Tagen heimgeschickt. Wir sind ja tolerant…..
    Dehydriert, glasige Augen, aufgedunsene Gesichter, Kopf auf der Bank bei der wochenlangen Hitze. Abfallstoffe abführender Urin= 0 = Vergiftung)

    (In ihren Heimatländern wäre das pro Tag ca. 6 Stunden weniger, wegen Sonnenaufgangs-/untergangszeiten. Is halt kacke in einem Land mit so langen Dämmerungszeiten………)

    Also Biltunksnadion is nich meer – deshalb schalten wir wohl demnächst auch noch die 45% Grundlastkraftwerke ab und beziehen den Strom für die in China hergestellten Elektroautos (2030!!) aus französischen Kernkraftwerken.

    Wenn Arabien meine Heimat wäre, wäre ich sicher Muselmane – wahrscheinlich so eine mystische Richtung……(„Ken Wilber“)

    Aber weil hier die Sonne so früh aufgeht, funktionierts halt nicht. Und nächste Woche gibts Ferien. Also 4 Monate Piltungsausval.

    Meine erwachsenen Kinder und ich überlegen, ob wir mittel/langfristig (über eine Generation) in Kamele investieren……
    Kamele mit Handyapp und Navi………..

  51. @73 Georgy als Sufi 🙂

    Am Ende sind es solche scheinbaren Nebensächlichkeiten wie das Wetter oder die geografische Lage, die die kulturelle Integration beschleunigen.

  52. @ 73: Herr Georgy: Klären Sie Ihre Schülerinnen und Schüler mal auf, denn muslimische Kinder müssen im Ramadan nicht fasten. Mädchen beginnen damit erst nach ihrer ersten Regel, Jungs nach ihrem ersten Samenerguss. Muslimische Definition von „Kind“ = Mensch vor der Pubertät. Doch Minderjährige müssen nicht fasten – sie dürfen es: Zum Fasten ist jeder Muslim verpflichtet, der in vollem Besitz seiner Geisteskräfte (‚aqil), volljährig (baligh) und körperlich dazu imstande (qadir) ist. Das Fasten eines Minderjährigen mit Unterscheidungsvermögen (mumayyiz) ist ebenfalls gültig.
    Der letzte Fastentag war der 24.6.2017. Diesem folgt das dreitägige Fest des Fastenbrechens (‚id al-fitr / عيد الفطر / ʿīdu ʾl-fiṭr), auch das „kleine Fest“ genannt (al-‚id as-saghir / العيد الصغير / al-ʿīdu ṣ-ṣaġīr; im Türkischen küçük bayram, ramazan bayramı oder Zuckerfest şeker bayramı). https://de.wikipedia.org/wiki/Ramadan

  53. Ach …….sie bekommen das jeden Tag gesagt, auch wohl überwiegend von den Eltern. Aber sie sind bei uns meist schon Pubertierende……(aber darüber reden möchten sie nicht- Regel und Samenerguß…..pfui ……“das „gibt“ es bei ihnen nicht“ ……

    Aber sie wollen dazu gehören!!!
    Zu IHRER Kultur!!
    Die Alten wollen in der Türkei, im Libanon, in Algerien…. begraben werden …….in der Heimat.
    D. ist teils voll scheiße – (außer jetzt die Sozialleistungen und öfters die Verdienstmöglichkeiten……)

    Vorgestern: Verabschiedung derer, die nach der 10 gehen. Muslimisch-christlich-ökumenischer Gottesdienst war angesetzt.
    Ca. 10 – 20% der Muslime waren da.
    Der örtliche Iman sollte/könne gerne mitgestalten und auch eine kleine Ansprache halten. Unsretwegen auch in Türkisch……..
    Der Programmpunkt kommt, es wird gesagt, dass er noch nicht gesehen wurde, falls er da sei, sollte er nach vorne kommen…….
    Na, er war auch nicht da.

    Kann ich verstehen – er ist ja erst 11 Jahre hier (DITIB von „Erdogan“ bezahlt) und spricht kein Wort Deutsch, nicht mal „Guten Tag“. Was soll man da in einer Kirche ……
    Auch die Mehrheit der Muslime möchte da nicht unbedingt hin. Manche bekommen es sogar von den Eltern verboten.

    Ich weiß nicht, was der Iman außerhalb der Gebetszeiten macht – vielleicht türkisches Fernsehen gucken, vielleicht (aber das möchte ich ihm nicht unterstellen) sucht er auch mal nach Gülen-Anhängern und Kurden.
    Ich habs schon mal erwähnt: Er hat über 20 Jahre (ausschließlich) den Koran studiert.
    Er kann ihn bestimmt zu einem erheblichen Teil auswendig. Er ist SEHR!! studiert.
    الله اكبر – allahu akba……

  54. Retten die Schwulen die Türkei?

    „Sie [die Türken] sehen, dass in den meisten Ländern Europas alles immer offener wird. Paris und Berlin hatten beide einen schwulen Bürgermeister, doch in der Türkei ist nicht einmal die größte Oppositionspartei CHP in der Lage, eine LGBTI-Person oder einen Gezi-Aktivisten zu nominieren.“

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/interview-mit-dem-schriftsteller-barbaros-altu-15075711.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

  55. @ 73: „Meine erwachsenen Kinder und ich überlegen, ob wir mittel/langfristig (über eine Generation) in Kamele investieren… Kamele mit Handyapp und Navi…“

    Kommt der Klimawandel in D. so plötzlich, dass Sie bald mit dem Kamel zur Schule reiten müssen? Naja, wenigstens sind diese Tiere korantreu und ramadanresistent. Wie stellen Sie jedoch fest, ob sie in vollem Besitz ihrer Geisteskräfte (‚aqil) sind, wenn schon das Oberkamel Erdogan schlapp macht?

  56. – Zusammenfassend möchte ich nochmals auf die „systemische Anatolisierung“ des Bill-Dungssystems hinweisen.
    (Jedes Jahr energische, mutige Bottom-Anpassung bei tendenziell immer besseren Noten – sonst bekommt man richtig Ärger……)

    – Bildung braucht man nicht im Zeitalter des Smartphones. Da scheint einfach die Sonne regenerativ auf die (oft stehenden) Windkraftwerke und gut is……

    – Bei nach wie vor 260 000 hochbegabten Einwanderern pro Jahr ergibt das alle 3,8 Jahre eine Millionenstadt…..
    (durch die erfreuliche Kanickilisierung der produktiven Teile derer, die schon hier leben gehts sogar viel schneller………..also sagen wir alle 2 Jahre…..)

    Wir bekommen endlich das gewünschte

    TÜRKDEUTSCHARABIA.

    Die Schlauen verdienen süperbst daran.
    (Bauwirtschaft, Sozialgedönsindustrie, Leute wie Jeff Brezos (Privatvermögen: 82 MILLIARDEN – exponentiell wachsend – Steuern: keine, Medienhäuser: viele)

    Dazu bedeutende Denkerinnen des 21. Jahrhunderts:
    https://www.youtube.com/watch?v=m8f-cWLx6SI

  57. @ 80: Jeff Brezos = Jeff Bezos

    Bei den Grünen ist ja bereits ein Moslem Parteivorsitzender. Doch wann kommt endlich die grüne Scharia? Niqab für Claudia Roth, mehrere Frauen gleichzeitig für Joschka Fischer, Cem Özdemir darf nicht auf Bildern dargestellt werden…

  58. Das ist gut: Sie sollten nicht auf Bildern dargestellt werden……..(bruhuhu……)
    Da haben sie recht ……

  59. Aaah,………. Grillparzer (& friends) (geb.: 1791), der bedeutende Denker der Globalisierung des 21. Jahrhunderts…….
    (siehe ein paar läppische Zahlen bei @80)

  60. Meine ganze Hoffnung liegt ja bei der KI.
    Ich möchte, dass bald so ein Ding BUNDESKANZLERX wird.

    Dann bekämen wir eine vernünftige Energie-, Bildungs- und Migrationspolitik……

  61. @88 Ich fürchte, lieber Georgy, für eine solcherart zwangsläufig auch ethisch kompetente KI würden die Entwickler mit Systemikern zusammen arbeiten. Was machst Du dann nur, wenn sie in Folge global zu denken verstünde?

  62. „X“ würde die weltweiten Strukturen und Rahmenbedingungen der aus allen Rudern gelaufenen Raubtierglobaliserung ändern.
    (Bisher ist der ökonomisch intelligent, der dorthin geht, wo man keine Steuern zahlt, wo man niedrige oder keine Umweltstandards einhalten muss und womöglich noch mit Kinderarbeit beste Einstandspreise erzielt).

    Da kein weltweites „X“ irgendwie in Aussicht ist (keine weltweite Gewerkschaft, kein weltweites Umweltrecht, kein Eingriffs- und Strafrecht gegenüber souveränen Staaten etc…….) , würde „X“ in der heutigen (und nicht in einer fern phantasierten) Situation u.a. wahrscheinlich folgendes machen:

    Internationale Transporte sind heute fast frei von Steuern. Dabei geht es um gewaltige Volumina. Die indirekte Subventionierung von Kerosin und Schiffsdiesel fördert die globalen Transportketten und schädigt die regionalen Strukturen.
    Wir haben uns daran gewöhnt, dass Waren um den Globus geflogen werden, obwohl wir wissen, dass dies massiv zulasten der Umwelt geht.

    Andere Preisstrukturen führen zu anderem Verhalten und anderen Lebensstilen, erzwingen aber keinen neuen Menschen. Was sich dann ändert, sind die Bedingungen, unter denen der Mensch zu Entscheidungen gelangt – zu anderen nämlich.

    Diese RE-REGIONALISIERUNG wird von Mitgliedern z.B. des Clubs of Rome seit Jahrzehnten gefordert.

    Diese Änderung der Rahmenbedingungen können in der heutigen Situation nur Staaten oder mächtige Staatengebilde für sich (nicht für alle!) erzwingen.
    Trump ist da womöglich näher dran als das völlig bigotte D.
    Alles was da geändert werden muss, muss sicher GEGEN D. einseitig durchgesetzt werden, weil wir in D. von diesem völlig verfahrenen und an die Wand fahrenden System noch mit am meisten profitieren…….

  63. Georgy #90 am 26. Juni 2017 um 15:33

    „Internationale Transporte sind heute fast frei von Steuern. Dabei geht es um gewaltige Volumina. Die indirekte Subventionierung von Kerosin und Schiffsdiesel fördert die globalen Transportketten und schädigt die regionalen Strukturen.
    Wir haben uns daran gewöhnt, dass Waren um den Globus geflogen werden, obwohl wir wissen, dass dies massiv zulasten der Umwelt geht.

    Andere Preisstrukturen führen zu anderem Verhalten und anderen Lebensstilen, erzwingen aber keinen neuen Menschen.“

    Krugman hat vorige Woche ein paar Fingerübungen zum Transportproblem gemacht:

    https://krugman.blogs.nytimes.com/2017/06/14/a-finger-exercise-on-hyperglobalization/?module=BlogPost-ReadMore&version=Blog%20Main&action=Click&contentCollection=Opinion&pgtype=Blogs&region=Body#more-40126

    ‚None of the underlying ideas is new, but maybe some people will find the exposition helpful.

    The idea here is to think about the effects of transport costs and other barriers to trade pretty much the same way trade economists have long thought about “effective protection.”
    […]
    But this in turn means that even a seemingly small decline in transport costs could have a large effect on the location of production, because it drastically reduces the production cost advantage emerging markets need to have. And it leads to an even more disproportionate effect on the volume of trade, because it leads to a sharp increase in shipments of intermediate goods as well as final goods. That is, we get a lot of “value chain” trade.

    This, I [Krugman] think, is what happened after 1990, partly because of containerization, partly because of trade liberalization in developing countries. But it’s also looking more and more like a one-time thing. ‚

  64. @90: Wenn man mal von der Bemerkung über Trump absieht, das Vernünftigste, was ich hier von Ihnen seit Monaten, wenn nicht seit Jahren, gelesen habe…

  65. @90 danke, Georgy.
    Hier bei uns (und sicher nicht nur hier) wird darauf mittlerweile verstärkt geachtet. In den meisten Läden werden die Produkte, die aus der Region kommen, entsprechend gekennzeichnet und lt. Auskunft der Händler auch vermehrt gekauft. Ich kann auch bei unserem Edeka endlich mittlerweile wieder einzelne Hühnereier aus Wiesenhaltung von Bauern hier vor Ort kaufen. Wir haben auch einen Zusammenschluss mehrerer Landwirte, die ihre Produkte nicht mehr nur über die Genossenschaften, sondern über eigene Initiativen verkaufen und die Kunden in täglichen Fahrten beliefern, was noch einmal wirtschaftlicher ist, als alle Kunden zu ihnen kommen zu lassen. Die Preise für Biobutter, Erdbeeren, luftgetrocknete Schinken etc. sind dabei vollkommen in Ordnung.
    Da scheinen sich Markt und Konsument mal wieder gut zu verstehen und das selbst zu regeln.
    Ich meinte mit meinem nur halben Scherz natürlich noch mehr, aber für den Anfang ist das wirklich einer der wichtigen Punkte, der auf beiden Seiten der Diskussion gleichermaßen verstanden wird.

  66. Ich halte das – leider! – eher für rührend.
    Das sind solche Taten von der Durchschlagskraft der Umwelttipps wie:
    „Schalten sie die Spülmaschine erst ein, wenn sie voll ist……..“

  67. @ 73: Kein Fastenbrechen mehr im Weißen Haus
    Donald Trump bricht mit einer jahrzehntealten Tradition: Zum muslimischen Fest des Fastenbrechens richtet er zum ersten Mal seit 20 Jahren kein Abendessen im Weißen Haus aus.
    (…) mit Donald Trump hat zum ersten Mal seit 20 Jahren ein amerikanischer Präsident mit dieser Tradition zu „Eid al-Fitr“, dem „Fest des Fastenbrechens“, gebrochen.
    http://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/ende-des-ramadan-kein-fastenbrechen-mehr-im-weissen-haus-15076656.html

    Motto: Die Feste fallen lassen, statt sie feiern…

  68. Radermacher erklärt manche systemischen Zusammenhänge sehr prägnant und klug!
    Aber er möchte die „Soziale Marktwirtschaft“, die wir in D. ja mal ansatzweise hatten, mit dem Zusatz „Öko-“ auf die ganze „Weltgemeinschaft“ übertragen.
    Eine solche gibt es aber nicht und wird es ohne Totalkatastrophen oder äußerer Bedrohung (z.B. mehrere Vulkanausbrüche und damit jahrzehntelanger „Winter“), Gefahr eines gewaltigen, zerstörerischen Asteroidenzusammenstosses, ausgedehnte Nuklearkriege oder sogar einer zumindest minimal denkbaren außerirdischen Bedrohung, auch in absehbarer Zeit nicht geben.

    Er will doch letztlich wieder den Menschen erziehen und ändern und das ist schon so gut wie immer schief gegangen.
    Allerdings ist er klug genug, um seiner eigenen positiven Vision nur eine geringe Wahrscheinlichkeit zuzugestehen……

    Mein Schluss ist, dass es nur in den Strukturen, die wir heute real haben, gehen kann:
    Und das sind halbwegs souveräne Staaten, natürlich mit der Dominierung durch die mächtigen „Schutzgelderpresser“ und ganz still-versteckte Machtzentren, die nur noch zu einem relativ geringen Teil in den Verfassungen und der Politik der Staaten liegt.

    Es gibt weltweit ca. 85 völlig öffentlichkeitsscheue Player (scheu wie Rehe!) , die wirtschaftlich-ökologisch- finanztechnisch weit mehr Macht haben als ein Trump oder ein Xi Jinping…….

    Es gibt jedoch ab und zu (selten!) Menschen, die versteinerte Verhältnisse (Hyperglobalierung mit Zurasen auf den ökologischen oder finanztechnischen Totalzusammenbruch) zum Tanzen bringen können.

    Mal sehen, wie sehr Trump wieder beim G20-Gipfel von der gesamten deutschen Presse, die man nur noch lesen kann, um da und dort aufzulachen und die Blätter hernach zum Schweißaufsaugen unters Ergometer zu legen, angegiftet wird.

    Je mehr, desto größer ist meine – zugegeben minimale – Hoffnung, dass es ein Player wie die USA wagen könnte, Steuer- und Einfuhrstrukturen der eigentlichen Globalstrategen so zu aufzubrechen, dass, wie Radermacher sagt,

    „die Bedingungen geändert werden, unter denen der Mensch zu Entscheidungen gelangt“…..

  69. @100
    na, und?
    Man muß nur wissen, wie und womit man diese „scheuen Rehe“ anzieht und findet,
    um sie anschließend auf den richtigen Pfad zu geleiten, wo ihre Profitgier in allen kakophonen Billig-Varianten mitsamt Ablegern, die vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen können, hinten runter fällt und nur noch die Kunst zählt.

    Im Zweifel finden sich genügend Leute, die diesen lichtscheuen Herrschaften die Spendierhosen an- und ausziehen ziehen und mit einem Waldkonzert auf einem echten Steinway&Sons Flügel verleihen können.
    https://www.youtube.com/watch?v=eYlIk19CbBI

  70. Um nochmals bei unserer KI, unserem „X“ zu bleiben:

    „Es“ wäre nüchtern VERANTWORTUNGSethisch und nicht guten Willens beseelt GESINNUNGSethisch:
    Während Gesinnungsethiker (siehe ev. Kirchentag, Kässmann, Göring-Eckard…etc.) meist die Jugend und Naivlinge begeistern, wirken Verantwortungsethiker oft so kühl, so unspektakulär, ja fast böse.
    Sie bedenken die weitreichenden Folgen ihres Handeln und treffen nicht selten Entscheidungen, die den Wunderheilern, Halleluja-Rufern, Ökoheiligen und Übers-Wasser-Läufern (und das ist gar nicht böse, sondern eher liebevoll gemeint) völlig gegen den Strich gehen.

    Bsp.: Für mich steht es außer Frage, dass möglichst alle „Abenteuermigrantenboote“ auf dem Mittelmeer zwar „gerettet“, aber direkt ans afrikanische Ufer zurückgebracht werden MÜSSEN! – MÜSSEN! (Der zuständige italienische Minister erwartet dieses Jahr noch 1 Million)

    Lesen sie mal bei einem Systemiker wie Harald Welzer (Klimakriege) nach, welche unfassbaren kriminellen Strukturen und Schlepperbanden auf dem afrikanischen Kontinent in der jetzigen Situation gefördert werden. Es hat sich eine ganze „Industrie“ daraus entwickelt, Warlords etc. mit brutalsten Methoden.
    Und das ganz überwiegend nicht für die wirklich Armen oder schwer Kriegsleidenden (die können sich das gar nicht leisten), sondern für die, die Geld haben, für die, die einen Job haben und die Schlepper bezahlen können. Nicht selten sind es sogar die „Reichen“, (relativ) Gutausgebildeten, die in ihren Ländern dringend gebraucht würden, aber ein weit „besseres“ Leben ergattern wollen, indem sie sich auf die gefährliche, teure Reise machen.

    (Merkel ist übrigens nicht gesinnungsethisch, sie hat nur so raffinierte Berater und Nudgedoktoren, dass sie die „Bilder“ geschickt bedient und beherrscht. Auch für die Gesinnungsethiker und das sind ja nicht selten „Grüne“ oder „Linke“.)

    Das Ganze ist keinesfalls abwertend gemeint – ich habe großen Respekt vor Menschen, die „Gutes“ und „Richtiges“ tun wollen………allein:

    DIES GENÜGT NICHT – im Gegenteil: oft nützt es nicht nur nichts, sondern SCHADET sogar massiv—–

  71. @100 „Eine solche gibt es aber nicht und wird es … auch in absehbarer Zeit nicht geben“

    Woher wollen Sie das denn bloß wissen…?

    „Die größten Probleme sind nicht technischer, sondern politischer Natur.“ (F.J.Radermacher)

    Vortrag zum Buch „Welt mit Zukunft: Die ökosoziale Perspektive“
    https://www.youtube.com/watch?v=uUqdlEQxAfA

    Und wie bereiten Sie sich nun persönlich vor auf die nächsten Krisen, die mit Sicherheit kommen werden?

  72. Lesen sie: „Auf dem Weg ins Imperium: Die Krise der Europäischen Union und der Untergang der Römischen Republik. Historische Parallelen“
    der Historikers David Engels.
    https://www.amazon.de/dp/3944305450/ref=wl_it_dp_o_pC_S_ttl?_encoding=UTF8&colid=1ZXWN8QF889XS&coliid=I3A5T4YOJ74ZHH

    Aus einer Rezension:
    Von „Rom lernen heißt, sich selbstbehaupten zu lernen, dieser Impetus durchzieht das vorliegende Werk wie ein roter Faden. Es wäre so wichtig, die derzeitige Politik der offenen Grenzen und der damit verbundenen ethnisch-kulturellen Umgestaltung der europäischen Staatsvölker im Hinblick auf das Werden Europas in den vergangenen 2500 Jahren kritisch zu reflektieren.

    Dabei wird eines deutlich: In historischer Perspektive hat ein massenhafter Zuzug von kulturfremden Menschen in kurzer Zeit immer zu gewaltsamen Konflikten, Verteilungskämpfen und schließlich zur Verdrängung der autochthonen Bevölkerung geführt.

    Da dieses Bewusstsein im Denken und Handeln der herrschenden politischen Elite nicht vorhanden zu sein scheint, spricht viel dafür, dass Engels mit seiner düsteren Prognose rechtbehalten wird.“

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