Koran lesen

„Es soll keinen Zwang geben in Sachen des Glaubens.“ (Sure 2, 256)

Anmerkung des Übersetzers/Kommentators Muhammad Asad:

„… Auf der Grundlage des obigen kategorischen Verbots von Zwang (ikrah) in allem, was zum Glauben oder zur Religion gehört, vertreten alle islamischen Juristen (fuqaha) ausnahmslos die Ansicht, dass eine erzwungene Konversion unter allen Umständen null und nichtig ist und dass jeder Versuch, einen Nichtgläubigen zu zwingen, den Glauben des Islam anzunehmen, eine schwere Sünde ist: ein Urteil, das mit dem weitverbreiteten Trugschluss aufräumt, der Islam stelle die Ungläubigen vor die Alternative von »Konversion oder das Schwert«.“ (Die Botschaft des Koran, S. 95)

76 Kommentare zu „Koran lesen

  1. Kleiner Beitrag zur Abrüstung in sunserer Friedensmission: Die spezielle Ausbildung von Germanisten in der überlegenen Waffengattung „Feder“ (mächtiger als das Schwert) erlaubt einen Einsatz von gut koordinierten Germanistentrupps an den Seitenlinien zur IS-Front: Sie dekonstruieren Feindbilder (mit Goethes „Panzer-Faust“) und dekodieren geheime Subtexte in scheinbar unverfänglichen Texten („Lieber Onkel Explosion, ich komme morgen um acht Uhr nach Hause. Viele Grüße an Tante Amerikanischesmunitionsdepot!“).

  2. Was hält Übersetzer/Kommentator Muhammad Asad von folgender Interpretation der Sure 2, 256 „Es soll keinen Zwang geben in Sachen des Glaubens“?

    „Wenn es keinen Zwang in Sachen des Glaubens geben soll, muss die Konversion von Ungläugiben (zwangsläufig) freiwillig geschehen; alle, die nicht freiwillig konvertieren, werden in den zwanglosen Genuss einer landesüblichen öffentlichen Enthauptung mit dem Schwert kommen.“ (Die Botschaft des IS)

    Allein das satirische Schwert kann den ­gordischen Knoten des religiösen Dissenz durchschlagen.

  3. @0 …ausnahmslos…?
    Weshalb nur nehmen nicht alle diese „ausnahmslose“ Perspektive (seit Anbeginn) ein?

    Auszugsweise:

    „Es sei kein Zwang im Glauben. Klar ist nunmehr unterschieden das Rechte vom Irrtum; und wer den Tāghūt (den Feind des Propheten) verleugnet und an Allah glaubt, der hält sich an der Stärksten Handhabe, in der kein Spalt ist; und Allah ist hörend und wissend.“ (Sure 2:256)

    Die frühen Kommentatoren lesen diesen Vers allerdings nicht als eine allgemeine Erlaubnis, dass jeder anbeten darf, was er will.

    Al-Tabari sieht zum Beispiel, dass dieser Vers an einen bestimmten Fall gebunden war: Eine Frau
    hatte vor Mohameds Einwanderung nach Medina stets ihre neugeborenen Kinder verloren. Sie gelobte feierlich, dass sie, sollten die nächsten Kinder überleben, diese im jüdischen Glauben erziehen wolle. Als Mohamed nach Medina kam, hatte sie tatsächlich zwei jüdische Kinder. Auch als die Frau später den Islam annahm, änderte sich daran nichts. Die Frau geriet in ein Dilemma, nachdem Mohamed begonnen hatte, die ersten jüdischen Stämme aus der Stadt zu vertreiben.
    Sie wollte, dass sie zum Islam konvertieren, damit sie in Medina bleiben konnten. Doch Mohamed habe dieses Ansinnen abgelehnt, ihr Leben verschont und sie ziehen lassen. Die Kinder seien überzeugt vom jüdischen Glauben, man dürfe sie nicht zwingen, einen anderen anzunehmen. [Al-Tabari: tafsīr, Sure 2:256]

    Genau in diesem Zusammenhang sei der Vers offenbart worden. Al-Tabari ist zudem der Meinung,
    dass dieser Vers durch noch spätere Verse aufgehoben wurde, wie zum Beispiel durch den folgenden:

    „Kämpfet wider jene von denen, welchen die Schrift gegeben ward, die nicht glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und nicht verwehren, was Allah und sein Gesandter verwehrt haben, und nicht bekennen das Bekenntnis der Wahrheit, bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt entrichten.“ (Sure 9:29)

    Alle Kommentatoren sind sich einig, dass sich die Formulierung „welchen die Schrift gegeben ward“ auf Juden und Christen bezieht. Sie sollten bekämpft werden, nicht, weil sie etwa aktiv gegen Muslime vorgingen, sondern weil die Angehörigen der beiden ersten Schriftreligionen als Ungläubige galten (auch dazu später mehr). Der Kampf sollte erst beendet werden, wenn sie gedemütigt waren und die Kopfsteuer an Mohamed entrichteten.

    Wo bleibt hier die Glaubensfreiheit? Und was war von dieser vermeintlichen Glaubensfreiheit übrig, als Mohamed starb? Lebten da noch Juden in Medina? Nein. Sie waren längst vertrieben oder enthauptet. Und selbst wenn Juden und Christen nach Mohameds Tod in den eroberten Gebieten – in Ägypten, Syrien, Palästina und im Irak – unter muslimischer Herrschaft ohne große Pogrome relativ friedlich leben durften, wie kann man von Glaubensfreiheit sprechen, wenn laut Koran dieses Leben gedemütigt stattzufinden hatte?

    Ein weiterer Vers zeigt, dass Religionsfreiheit nie ernsthaft angedacht war. Allah sagt im Koran über sich selbst und über Mohamed:

    „Er ist’s, der seinen Gesandten mit der Leitung und der Religion der Wahrheit entsandt hat, um sie
    über jede andre Religion siegreich zu machen, auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist.“ (Sure
    61:9)

    Hier wird deutlich, dass der Islam nicht gekommen war, um neben anderen Religionen zu bestehen und mit ihnen in Frieden zu leben, sondern um den Islam über sie alle siegen zu lassen. Was Mohamed mit den Heiden, Juden und Christen Arabiens tat und wie seine Nachfolger handelten, bestätigt diese Haltung.

    Quelle: Der Koran / Botschaft der Liebe Botschaft des Hasses, Hamed Abdel-Samad (Knaurs 2016), Kapitel 4: Toleranz und Intoleranz im Koran, Abschnitt: Kein Zwang im Glauben oder: das große Missverständnis

  4. Wenn diejenigen welche sich zum Islam (oder einer anderen Religion) bekennen, sich ausnahmslos(!) daran halten und sich verpflichten, dass niemand zum Glauben gezwungen werden kann und auch bereit sind, eine solche fundamentale Haltung unter Einsatz ihres Lebens zu verteidigen, dann wachsen die Chancen, dass das „Himmelreich“ auf Erden „nahe kommt“.

  5. Mohammed war einer der großen christlichen Propheten. Wer behauptet, Mohammed sei ein islamischer Prophet gewesen, fällt auf die Strategie der Ungläubigen zur Zerstörung unseres amerikanischen Abendlandes herein. Beweise hierfür direkt aus dem Weißen Haus unter „#AlternativeFacts“.

  6. was mir völlig schleierhaft erscheint, ist die Tatsache, daß man diesen -längst völlig obsoleten – Propheten immer noch glaubt.

    Aber irgendwie scheinen all die alten Direktiven und Sprüche etwas an sich zu haben, was ganz nach Unterwerfungssucht nach klar und einfach geregelten Verhältnissen aussieht und den -mehr oder minder Selbst-Inthronisierten schier grenzenlose Befriedigungen von Erhabenheit und ihren Anhängern von
    Zugehörigkeit verschafft.

    Letzteres scheint wohl ein beliebter Kompensationsmechanismus zu sein, wenn man nicht gelernt hat, das eigene Hirn einzuschalten und dieses auch einigermaßen risikominimierung, sprich sozial-und umweltschonend zu bedienen.

  7. @ 7: Irgendeiner der Propheten sprach von „Opium“ (= Betäubung) als Funktion dieser Hirnabschaltungsmechanismen

  8. @8 „Vertrauen (o. ‚Glauben‘, ‚Religion‘ usw.) ist Komplexitätsreduktion einer Gesellschaft“
    (sinngemäß nach Luhmann)

    Mir scheint was immer, von wem auch immer (im Außen) ‚bekämpft‘ wird, findet sich in seinem Inneren wieder.

    Gelingende Kommunikation zwischen „Vertrauenden“ beruht schließlich auf Gemeinsamkeiten. Kein Grund also, den Umweg zu selbst- und fremdschädigenden ‚Stressverhalten‘ zu nehmen, wie mir scheint.

    Love it or leave it.

  9. @ 9: Genau um diese Komplexitätsreduktion durch Vertrauen, Glauben, Religion, Parteizugehörigkeit, Blog-Denken geht es bei der partiellen Hirnerweichung, die bis zur totalen Hirnabschaltung gehen kann.

  10. Unser werter Koranversteher kommt mit seinen verspäteten Bemühungen mit Sicherheit nicht ins Paradies, weil er den Koran bestimmt falsch auslegt (Koranschule geschwänzt) und damit den Islam beleidigt. Blasphemiker, pardon: Systemiker bekommen keine 72 Jungfrauen, sondern zur Strafe eine 72-jährige Jungfrau. Eine 72-jährige Jungfrau das erste mal zu besteigen, ist wirklich kein Zuckerschlecken!

  11. @11 Woher wissen(!) sie das? Schon empirische (persönliche) Beobachtungen und Erfahrungen diesbezüglich gesammelt?

  12. @ 12: Bin koranabstinent. Kenne aber Koreaner, äh, Korinthen, Mohammedaner, Moslems, Muslime, Islame, Imame… und die haben schon genug damit zu tun, ihre Frauen bei Laune zu halten. Was im Paradies sein wird (hihihi), wissen bloß die Götter… zu denen gehöre ich (leider, leider) nicht.

  13. @10 Komplexitätsreduktion führt zu (partieller/totaler) Hirnerweichung.
    Noch so eine (Über-)Setzung(?), die mich stutzig macht.
    Was sagen denn die anderen „Experten“ dazu?

    Komplexitätsreduktion ist (auch) Folge aus bisherigen ‚Erfahrungen‘, welches z.B. in die Zukunft projiziert werden. Bekanntes gilt als „gelöst“, wird vorausgesetzt. Das schafft Freiheit, sich dem Unbekannten zu widmen.

  14. @ 12: Ich weiß das vom Gemälde „Le musulman parisien“, das Edouard Manet 1863 malte. Dieses Gemälde heißt eigentlich „Mohammed erhält von Allah zwei Jungfrauen als Weihnachtsgratifikation“ und wurde von Edouard Manet in der erklärten Absicht geschaffen, Muslime in aller Welt zu beleidigen. Zwei Jungfrauen, von denen eine noch nicht mal richtig nackig ist, sind nämlich – der Gesichtsausdruck des Propheten spricht Bände – echt nicht viel, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit ein Prophet das ganze Jahr über hat.

  15. @ 14: Mein Vertrauen in die Vernunft dieses Blogs ist erschüttert. Mein Vertrauen in Niklas Luhmann ist erschüttert, wenn er Glauben und Religion als Komplexitätsreduktion einer Gesellschaft bezeichnet hat (hat er das?).

  16. Michael Santak ist Agnostiker und hält nichts von religiöser Komplexitätsreduktion.

  17. Michael S. stimmt Laura Susanna Gröndahl zu, dass Religion mit partieller Hirnerweichung einhergeht und bis zur totalen Hirnverblödung und Hirnabschaltung gehen kann.

  18. Bzgl. ihrer internen und externen Funktion der Kommunikation von Vertrauen unter Vertrauten/Fremden zur Komplexitätsreduktion, trifft folgendes zu (für ausreichend komplexe Systeme, welche z.B. „Sinn“ generieren):

    „(Vertrauen) stärkt die Gegenwart in ihrem Potential, Komplexität zu erfassen und zu reduzieren; sie stärkt die Bestände gegenüber den Ereignissen und ermöglicht es daher, mit größerer Komplexität in bezug auf Ereignisse zu leben und zu handeln. Vertrauen stärkt, um auf eine bekannte psychologische Theorie anzuspielen, die „Toleranz für Mehrdeutigkeit“. Diese Leistung ist mithin nicht zu verwechseln mit instrumenteller Ereignisbeherrschung. Wo solche Beherrschung
    sichergestellt (also „vergegenwärtigt“) werden kann, ist Vertrauen unnötig. Vertrauen braucht man zur Reduktion einer Zukunft von mehr oder weniger unbestimmt bleibender Komplexität.“

    Quelle: Vertrauen: Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität, Niklas Luhmann (UTB, 2014, 5.Auflage 2. Bestände und Ereignisse)

    Oder:

    „Offenbar gibt es kaum noch religiöse Bewegungen, die ohne elaborierte Selbstbeschreibungen auskommen und sich allein durch Frömmigkeit tragen lassen. Auch Frömmigkeit braucht Gründe.
    Dafür sorgen schon die Existenz einer Schriftkultur und das Vorbild der Hochreligionen. Stärker als man es für ältere Gesellschaften unterstellen darf, sind daher heute auch elementare religiöse Operationen durch Systembeschreibungen mitbestimmt. Und das kann nicht überraschen, wenn man zum Vergleich andere Funktionssysteme heranzieht – etwa die Bedeutung von Wirtschaftstheorien für die Versuche einer Selbststeuerung der Wirtschaft und von Managementtheorien für Organisationsplanungen, oder die Bedeutung von „redescriptions“ der Vorgängerkunst für das Schaffen neuer Kunstwerke.
    Jede Selbstbeschreibung muß sich auf logische Probleme einlassen, die mit der klassischen zweiwertigen Logik (und folglich mit der ontologischen Metaphysik) nicht zu lösen sind. Sofern überhaupt von Beschreibung die Rede ist, wird eine Unterscheidung von Beschreiber (Subjekt) und Beschriebenem (Objekt) vorausgesetzt; zugleich sabotiert aber die Rückbezüglichkeit der
    Selbstbeschreibung genau diese Unterscheidung, die sie voraussetzt. Ob sich jemals, wie Gotthard Günther hoffte, strukturreichere Logiken entwickeln lassen, die diesem Problem gewachsen sind, müssen wir offen lassen. Aber die logischen Probleme müssen irgendwie aufgelöst werden, und wenn nicht durch Logik, dann eben durch Imagination.“

    (Quelle: Niklas Luhmann – Die Religion der Gesellschaft; suhrkamp, 2002, 1.Auflage, S.355)

  19. @ 20: Wie können sich Religionen trotz der westlichen Aufklärung (Vernunft, Rationalität, Logik, Empirie) im 21. Jahrhundert noch begründen? Indem sie einen höheren Sinn postuliert, an den man glauben muss. Sie postulieren eine ewige Wahrheit über allen vergänglichen Wahrheiten und Sprachspielen. Das lässt sich systemtheoretisch beschreiben, aber doch nicht befürworten. Oder ist die Systemtheorie prinzipiell offen für Obskurantismus?

  20. @21 Sinnsysteme begründen sich selbst(referentiell). Sie sind jedoch unterscheidbar als prä-rationale, rationale und trans-rationale Sinnsysteme. Die Neigung „Sinnsysteme“ höherer Komplexität mit jenen niederer Komplexität zu verwechseln ist eine typisch rationale Vorgehensweise.

    Den von Ihnen ins Feld geführten, zweiwertlogischen Begriffen: Vernunft, Rationalität, Logik, Empirie, steht zudem die Paradoxie prinzipieller Nichtlinearität des Kommunikationsprozesses von Beobachtern in einem System (operationale Geschlossenheit der selbstreferentiellen Innenwahrnehmung eines Systems) und der Kommunikation über/mit Objekten außerhalb ihres Systems (als umweltoffene Aussenwahrnehmung von lebendigen Systemen) gegenüber.

    Dadurch verschwindet die Eindeutigkeit der Grenze zwischen Beobachter und Beobachtungsgegenstand zugunsten einer Vielfalt kontingenter Grenzziehungen, Möglichkeiten und Relationalitäten.

    Eine vergleichbare prä-/trans-Verwechslung, wie sie gegenüber Sinnsystemen durchgeführt wird, wäre z.B. keine Unterscheidung zwischen einer Verschwörungstheorien und Systemtheorie zu treffen und beides synonym zu verwenden. Solche Komplexitätsreduktionen sind unterkomplex.

    Möglich aber wenig sinnvoll.

  21. @20-21
    der unschlagbare Vorteil des selbstreferentiellen Ansatzes der Systemtheorie gegenüber allen Formen von Ideologien bzw. Verschwörungstheorien liegt schlichtweg darin begründet, daß sich bei korrekter Anwendung im Zweifel dadurch auch in Endlosschleifen grenzenlos Unterschiede setzen lassen, auch wenn diese nur den „Hauch eines Gedankens“ daneben liegen.
    Der geschärfte systemische Blick erlaubt dies unter geschickten Umfahren des eigenen blinden Flecks.
    Woraus sich wiederum eine Fülle neuer Alternativen eröffnen, die sich allerdings durch ihr Eingebundensein in den jeweiligen Rahmen selbsttätig zu begrenzen pflegen.
    Sonst laufen sie Gefahr ihre Schlagfertigkeiten zu verlieren bzw. sich tot zu laufen, wenn sie nicht ohnehin unmittelbar von außen begrenzt werden.

    Die Einheit der Differenz ist und bleibt jedenfalls stets zukunftsoffen evolutionär, wobei Evolution nicht nur immer und überall ist, sondern gleichermaßen auch von Involution, sprich vom Werden und Vergehen geprägt, gebahnt und begleitet ist.
    Insofern bleibt
    Alles nur eine Frage der Zeit,
    und dann eine Frage, wie eine gemeinsame Zeit möglichst ergiebig und sinnvoll geteilt und genutzt werden kann.

  22. @ 22: Die Funktionstüchtigkeit und Stabilität von selbstreferentiellen prä-rationalen, rationalen und trans-rationalen Sinnsystemen sagt noch nichts über deren Notwendigkeit bzw. Schädlichkeit und deren soziale Funktion.
    Erstens scheint mir der blinde Fleck der soziologischen Systemtheorie in der Abstinenz gegenüber den Neurowissenschaften, speziell der Hirnforschung zu liegen. Diese Forschungsrichtung erübrigt beispielsweise die Spekulationen über Gehirn und Gedächtnis, die hier vorgeschlagen werden.
    Zweitens wäre noch einmal die These vom Zusammenhang zwischen Religion und Opium systemtheoretisch zu prüfen (das war Ihr Ansatzpunkt für Ihre Ausführungen über Religion als Mittel der Komplexitätsreduktion).
    Drittens geht es doch weniger um Komplexitätsreduktion als um Bewusstseinserweiterung. Auf diesem Gebiet leistet die Religion sinnvolle Beiträge, die sich im sozialen Leben segensreich auswirken.

  23. @24 Herr S. am 12. Februar 2017 um 5:47

    Schlage Ihnen vor, Ihre Gedanken anhand konkreter Kontexte/Aussagen, z.B. das entsprechende Thread-Themas: „Es soll keinen Zwang in Sachen des Glaubens“ zu erörtern.

    In der Hoffnung, dass sich Missverständnisse aufgrund unterschiedlichen Gebrauchs der Begriffe eher reduzieren lassen.

    Michael S.:
    Die Funktionstüchtigkeit und Stabilität von selbstreferentiellen prä-rationalen, rationalen und trans-rationalen Sinnsystemen sagt noch nichts über deren Notwendigkeit bzw. Schädlichkeit und deren soziale Funktion.

    Siggi:
    Bezogen auf die (koranische) Aussage: „Es soll keinen Zwang in Sachen des Glaubens“ ergeben sich für mich aus prärationaler/rationaler/transrationaler Beobachterebene folgende Beobachtungen für selbstreferenzielle Sinnsysteme.

    prärational = mythische Bilder wecken in mir positive und negative Emotionen sowohl gleichzeitigen „ozeanischen Verbunden-seins mit allem Lebendigen“, welches tiefen Frieden auslöst und „Losgelöst-/Getrennt-Seins“ gegenüber mir noch nicht Bekanntem, Neuem, was einerseits Neugier und Offenheit, und andererseits Misstrauen, Furcht bis hin zu Schmerz auslöst. Entscheidungen mich dem Unbekanntem zu nähern (zu öffnen) oder zu verschließen (abzugrenzen) fallen rein intuitiv.

    rational = siehe nachstehende Aussage zu den komplexen bis heute nicht ausreichend verstandenen, elektro-bio-chemischen Informationsverarbeitung in unserem ganzen(!) Körper.

    transrational = Das GANZE biopsychosozialer (Sinn- d.h. Kommunikations-)Systeme, ist immer(!) mehr als die Summe seiner (ausschließlich selektiv zu beobachtender) TEILE. Da jede Beobachtung auch auf selektiven Ent- bzw. Unter-Scheidungen beruhen, ist jede kommunizierte Beobachtung eine eingeschränkte d.h. Komplexitätsreduzierte. Das GANZE entwickelt sich selbst weiter und wird sich seiner Selbst bewusster.

    Der Satz: „Es soll keinen Zwang in Sachen des Glaubens“ ist zudem paradox und gewissermaßen „unerfüllbar“.
    Beobachter können was sie beobachten nur selektiv beobachten.
    Selektives beobachten selbst ist der „ZWANG“ Ja, zu seinen eigenen blinden Flecken zu sagen!
    Anders ergeben sich keine Sinnkonstruktionen, welche den Sinn haben Komplexität in sozialen Systemen zu reduzieren und miteinander in diesem Prozess konkurrieren. „Sachen des Glaubens“, d.h. ALLES und das GANZE (DIE WIRKLICHKEIT, GOTT) sind nicht anschlussfähig kommunizierbar. Nichtsdestotrotz wächst der Bedarf mit wachsender Komplexität, Sinn zu generieren, d.h. „Sachen des Glaubens“ zu kommunizieren. Komplexitätswachstum erzeugt seinerseits hierzu einen „Zwang“, bzw. „Notwendigkeit“.

    Systemtheoretisch begründbar und systemisch erfahrbar, suchen sinngenerierende und sinnerhaltende Systeme mittels Kommunikation generationsübegreifend zu überleben und werden dabei involutiv/evolutiv verändert. Die Hochreligionen haben genügend Erfahrung mit dem Überleben. Sie werden uns alle als Beobacher überleben und sich weiter entwickeln und ausdifferenzieren. Die Welt der Sinnsysteme, wird zunehmend spiritueller und religiös-vielfältiger bzw. ausdifferenzierter.

    Michael S.:
    Erstens scheint mir der blinde Fleck der soziologischen Systemtheorie in der Abstinenz gegenüber den Neurowissenschaften, speziell der Hirnforschung zu liegen. Diese Forschungsrichtung erübrigt beispielsweise die Spekulationen über Gehirn und Gedächtnis, die hier vorgeschlagen werden.

    Siggi:
    Ist das so? Worauf gründen Sie ihre Aussage?

    Die Aussage: „Es gibt keinen Zwang in Sachen des Glaubens.“ ist in meinen Augen sehr wohl anschlussfähig mit den Beobachtungen der Hirnforschung. Sowohl das sog. „Ich-Bewusstsein“, wie auch die „Erinnerungen“, wie auch die verschiedenen Bewusstseinsebenen, wodurch Ent- und Unterscheidungen in einem bestimmten Kontext genau auf diese Weise und nicht anders getroffen werden, sind das Ergebnis nachträglich(!) konstruierter Sinn-Konstruktionen, welche auf der in Echtzeit stattfindenden elektro-bio-chemischen Kommunikation von Informationen in Form von komplexer Verarbeitung elektrischer Impulsen und chemischer Stoffe beruhen. Diese laufen in Echtzeit im gesamten Körper und nicht allein im Gehirn ab.

    Michael S.:
    Zweitens wäre noch einmal die These vom Zusammenhang zwischen Religion und Opium systemtheoretisch zu prüfen (das war Ihr Ansatzpunkt für Ihre Ausführungen über Religion als Mittel der Komplexitätsreduktion).

    Siggi:
    Wenn Sie „Religionen“ d.h. Sinnsysteme in Zusammenhang bringen mit „Opium“ (ich bevorzuge den Begriff Komplexitätsreduktion), dann ist das für alle anderen „alternativen“ Sinnsysteme ebenfalls gültig. Das ist ja gerade der (tautologische!) Sinn von Sinnsystemen: Komplexität (des GANZEN) durch sinnstiftende, selektive Kommunikation zu reduzieren durch beobachten, beschreiben, interpretieren, bewerten. Anders lässt sich WIRKLICHKEIT nicht (anschlussfähig) kommunizieren.

    Michael S.:
    Drittens geht es doch weniger um Komplexitätsreduktion als um Bewusstseinserweiterung.

    Siggi:
    Ist das So?

    Was meinen Sie, wenn sie „Bewusstseinserweiterung“ sagen?

    Meine These ist, dass keine Bewusstseinserweiterung dazu führt, dass das „GANZE“ beobachtbar, geschweige denn als GANZES kommuniziert werden könnte, da mit jeder Erweiterung (individuellen und kollektiven) Bewusstseins sich auch der „blinde Fleck“ erweitert. 😉

    (vorläufiges) Fazit:
    „Es soll keinen Zwang in Sachen des Glaubens.“

    Das ist für mich eine mehrfach paradoxe Aussage, bezogen auf „die Sache des Glaubens“ (d.h. das GANZE der WIRKLICHKEIT).

    1) Jeder Beobachter ist „gezwungen“ (aufgrund begrenzter, ent-/unterschiedener Wahrnehmung) selektiv zu beobachten und zu kommunizieren: „in Sachen des Glaubens“

    2) Jeder Beobachter trifft (mehr oder weniger prärationale, rationale, transrationale) „(un-)bewusste“ Ent-/Unter-Scheidungen um Sinn zu konstruieren und zwar sowohl individuell, als auch kollektiv und damit „zwingt“ er sich zu genau diesen und nicht zu einer anderen Ent-/Unterscheidung in seinem Sinnsystem („in Sachen des Glaubens“).

    3) Jeder Beobachter zwingt sich also und lässt sich zwingen zu „glauben“, d.h. zu „vertrauen“, weil nur so anschlussfähige, d.h. komplexitätsreduzierte Kommunikation über WIRKLICHKEIT, die sich als GANZES jeder Beobachtung entzieht (aber vorausgesetzt wird), als einem konstruierten Sinn-System möglich ist.

    4) Das Wörtchen „soll“, impliziert eben, dass es den „Zwang“ paradoxerweise gibt und dass die Aufgabe darin besteht, das „Unmögliche“ möglicher werden zu lassen. Das ist der Sinn kommunizierender Sinnsysteme.

  24. @22:
    Stimmt, die Funktionstüchtigkeit und Stabilität von selbstreferentiellen (Sinn)-Systemen sagt (noch) nichts über deren Notwendigkeit bzw. ihre Schädlichkeit oder über deren soziale Funktion.
    Selbstreferentiell ist und bleibt
    selbstreferentiell. Nicht mehr und nicht weniger.
    Was auch -im Hinblick auf den biologischen (autopoetischen) und evolutionstheoretischen Anteil der Systemtheorie beinhaltet, daß biologisch-evolutionäre Prozesse innerhalb eines Riesenspektrums von ca. 600 Mio Jahren vom Präkambrium bis dato zu betrachten wären, sprich der Übergangsphase als bei den ersten komplexen Vielzellern das Erscheinen des angeborenen Immunsystems auftrat.
    Das Immunsystem verfügt nach Niklas Luhmann über die Funktion des Nein ?, in der Gesellschaft. Und zwar auch dann, wenn alle (bislang übliche, orthodoxen) Rechtswege versperrt sind.

    Das Immunsystem, als erste Verteidigungslinie eines Organismus, sich gegen Schädlinge zur Wehr zu setzen, hat sich zunächst in Form löslicher Makromoleküle ( den sog. Defensiven) entwickelt. Diese dienten von Beginn an der Abwehr von Parasiten, wie Bakterien, Pilzen, Viren sowie gegen deren direkt bzw. indirekt freigesetzten Toxinen.

    Nach einer Latenzphase von ca. 150 Mio Jahren kam es mit dem Erscheinen des adaptiven Immunsystems zu einem großen evolutionären Sprung, mit den ganz besonderen Fähigkeiten,
    körperfremde von körpereigenen Strukturen nicht nur unterscheiden zu können, sondern sich Schädlinge, giftige Substanzen und Krankheitserreger auch zu merken.

    Das adaptive Immunsystem hat sich insofern als ein stets dazulernendes System weiterentwickelt, als ein System mit einem durch Differenzierung immer komplexer werdenden Gesamtsystem. Ein lebendes System, das in dem uns zugänglichen Mesokosmos beheimatet ist und seinen jeweilgen ortständischen Regeln folgt.
    EinnSystem aber auch, dem aufgrund seiner Struktur UNF Funktion allerdings auch genügend Gelegenheit geboten werden muß, „lernen zu lernen“ (vgl. Heinz von Foerster) und dazuzulernen.
    Diese Fähigkeiten können -in hochzivilisierten, hochkomplex differenzierten Gesellschaften nicht bzw. unterfordert – durchaus auch verkümmern bzw. am Überfluss,,zumeist als Produkt aus überreichlicher, übersättigter „Langeweile“ mit dem entsprechenden Frust gepaart für sich selbst mit und direkt bzw. indirekt in der Diaspora, für sich selbst wie auch ( unter Erweiterungen) zur transgenerationalen Falle werden.

    Datenanalytisch sinnvoll wäre die unverzichtbaren Werte aus diesen riesigen Datenmaterial an Sammlungen gänzlich von der Festplatte zu löschen.
    Mur, was tun, wenn die eigene Information Lichjahre entfernt liegt und wenn plötzlich -vor lauter Verfolkungswahn ♣️- die eigenen Leute mit Schippen und Späten aufholen, wenn Leitungen stets blockiert sind und kein Notruf mehr abgesetzt werden kann?

    Dies entspricht wiederum dem „bloodmemory“, wie es GSB auch in seine Autobiographie beschreibt

  25. „Es soll keinen Zwang geben in Sachen des Glaubens.“ (Sure 2, 256)
    …auch nicht in Sachen des Unglaubens, bitteschön.

    Wie hält es „die“ Systemtheorie mit „Ungläubigen“?
    Wie hält es „die“ Systemtheorie mit „Kritik“?
    Wie hält es „die“ Systemtheorie mit „Toleranz“?

    Im Glauben wie in „der“ Systemtheorie kann man niemanden zum „rechten“ Glauben zwingen. Deshalb bleibt bloß die Wahl zwischen Bekehrung zum Glauben oder dem (systemtheoretischen) Tod, also dem Ausschluss aus den exklusiven Zirkeln „der“ Systemtheorie.

    Beispiel: Gestern wurde von Matthias Ohler eine Systemiker-Konferenz für Systemiker angekündigt – wenn ich mich nicht irre, mit Hinweis auf die dafür notwendige einschlägige Profession. Öffentliche Veranstaltungen von Systemikern habe ich bislang bloß von Gunther Schmidt besucht.

  26. @27: Die Systemtheorie(n) ist bzw. sind Modelle, die andere Erklärungen für beobachtete Phänomene konstruieren als das übliche westliche Alltagsdenken. Die mit dem Konstruktivismus verbundene Form der Systemtheorien untersuchen darüberhinaus, wie Beobachtung funktioniert und wie Beobachtung die beobachteten Phänomene beeinflusst.

    Diese Modelle kann man plausibel finden oder auch nicht. Das ist alles. Keine Gemeinde, keine Mission…

  27. @27
    „Deshalb bleibt bloß die Wahl…“ ein „oder“ ist gar nicht weiter nötig.

    Im Übrigen, finde ich, dass der „Tod“ gewissermaßen Bestandteil jeder getroffenen Wahl ist. In dem Sinn, dass mit jeder getroffenen Wahl (JA) ich gleichzeitig, wenngleich unausgesprochen zu vielem anderem NEIN sage. „Nichtgewähltes“ stellt bei jeder Wahl, die andere (unmarkierte) Seite, einer „Wahl-Ent-Scheidung“ oder „Bezeichnung“ dar.

    Spannend finde ich, dass es eine jahrhundertealte theologische Tradition gibt, die als „negative Theologie“ bekannt wurde. Diese haben schon vor den Systemtheoretikern auf die unmarkierte Seite jeder (dogrmatischen) Bezeichnungen von „Gott“ hingewiesen.

    Dadurch wurde sozusagen die „Ehre Gottes“ gerettet und „ihm“ das „überleben“ ermöglicht. Gott wurde dem einengenden Zugriff menschlicher Dogmatik entzogen. Der Tod Gottes dadurch verhindert. Was Nietzsche dereinst als Tod Gottes verkündete war allenfalls der Tod dogmatischer Gottesverständnisse, menschlicher Vorstellungen, Bezeichnungen und Zuschreibungen.

    In mancher Hinsicht, scheinen mir manche Systemtheoretiker hier die konsequente „Nachfolge“ jener negativen Theologie angetreten zu haben. Wenn ich mich recht entsinne, hat auch Luhmann ähnliches gesagt. Könnte ein Hinweis sein, warum Systemtheoretiker, welche mit Paradoxien vertraut sind, sich zuweilen auch dem Non-Dualen Denken nahe fühlen, wie es im Buddhismus, oder auch in der christlichen Mystik Tradition hat.

    Interessant wäre, ob und welche vergleichbaren (paradoxen) Traditionen einer „negativen Theologie“ sich in jüdischen oder islamischen Mystiktraditionen finden lassen.

  28. &26
    FESI (Fußnoten eines sudelnden Igels;
    falls es Sie interessiert;
    falls eine(r) sauer ist)

    Hier
    zur Legende:

    Ergänzungen, als Erleichterungen der Erläuterungen;
    zur besonderen Erleuchtung und allgemeinen Erheiterung übersetzt:

    Sub-Legende:
    ppmdff
    postfaktische, präzise, dauerhaft,medizinisch titulierte
    für’s (.das ; zum ) Fortschreiben …
    (ge-, be-) Dachte,
    auch nützlich zum Utilisieren
    als interaktives und interrogatives Kalendarium
    Call&Diaryum,
    (wahlweise auch als „Agenda XY“ ff)
    zur Fixierung in Gorm von,sign&safe,
    von…?
    Statthabenden auch (noch) nicht stattgefundenen, aber zur statthaltenden Statthaftigkeit ermunternden,, wenn schon als unstatthaft gestatteten …

    Events.

  29. @29: SIC!
    Das alte Lied…
    und
    …“ der Geist der stets verneint“.
    Es macht einen Unterschied, wie Religion bzw. religiösen Üverzeugungen auch glaubhaft von denen gelebt wird, die sie unterrichten und predigen.

    Pfaffen, Pharisäer und Schriftgelehrte sind allzuleicht verführbar, ihrer orthodoxen Dogmatik anheimzufallen.
    Ganz einfach deshalb, weil mit dieser Sonderstellung und Rolle durch Priorisierung der Insignien und Rituale eine überwertige, halbgottähnliche Macht auszugehen scheint, worauf die Meisten dieser „Würdenträger“ungerne
    verzichte möchten

  30. @27: Wären Ihre Fragen nicht ein Grund mehr, an dem Kongress teilzunehmen?
    Was hält Sie davon ab?
    Ich würde mich freuen, Sie einmal persönlich kennenzulernen.
    Dies so von Nicht-Systemiker zu Nicht-Systemiker. ?

  31. @ 28: „Diese Modelle kann man plausibel finden oder auch nicht. Das ist alles. Keine Gemeinde, keine Mission…“
    Das mag die Theorie der Systemtheorie sein. Die Praxis der Systemtheorie veranschaulicht dieses Blog. Hier gibt es Teilnehmer, die bestimmte Blogthesen und bestimmte Blogkommentare plausibel finden, und Teilnehmer, die sie nicht plausibel finden (seit dem AfD-Exodus immer weniger).
    Bei theologischen Themen, die gelegentlich aufkommen, vermisse ich – ganz anders als bei politischen Themen, die häufig aufkommen – den systemischen Biss, die Simonsche Pointe (zuweilen durchaus mit missionarischem Sendungsbewusstsein), den intellektuellen Aha-Effekt (ausgenommen Siggi und DeaXmac).

  32. @ 32: Danke!
    Auch ich würde mich sehr freuen, Sie einmal kennen zu lernen und schlage ein Café in Monnem vor.

  33. @ 22, 25, 29: Mir scheint, Religion übt eine komplexe und paradoxe Kommunikationsfunktion zur Steuerung der individuelle und kollektiven Triebökonomie aus, die in unserer Kultur am ehesten mit der weiter verbreteten des Alkoholkonsums vergleichbar ist. Religion kann (individuell und kollektiv) beruhigend, befriedigend/befriedend und „schmerzstillend“ wirken, aber auch individuelle und kollektive Gewalt, Hass und Zerstörung verstärken. Religion fungiert als einer von vielen Botenstoffen im Hormonhaushalt sozialer Systeme.

  34. @ 35: Mir scheint ferner, dass der Koran, die Bibel und andere „heilige“ Schriften auf einer Stufe stehen mit der Odyssee, dem Faust und Harry Potter – ähnlich Phänomenen wie beispielsweise Elvis und der FC Bayern München etc. Der Glaube an diese Kult- und Kulturphänomene und deren wissenschaftlich-intellektuelle Exegese ist kulturell und sozial bedingt, jedoch kein allgemein-menschliches Existential.

  35. @ 36: Abschließend meine Meinung zum „Ursprung“, „Urgrund“ und „Urerlebnis“ aller Religionen: Mystische Erfahrungen und nondualistische Visionen einer „unio mystica“ und einer „coincidentia contradictorum“ sowie andere Out-of-body-experiences, die meist mit starken Glücksgefühlen verbunden sind, müssen nicht religiös sein, denn die gibt es auch im Traum, in Trance, im Rausch und bei Nahtodereignissen. Sie können mit der mittelamerikanischen Drogenpflanze Aztekensalbei, mit Kaktus-Meskalin, mit dem Pilzgift Psilocybin, mit Cannabisprodukten wie Haschisch und Marihuana sowie chemisch mit halluzinogenen Drogen wie LSD und Ketamin induziert werden und haben mit externen Geistern und Göttern nichts zu tun.

  36. @35-37 Verweise auf mein kurzes Statement im Blogbeitrag: „Andrew Sullivan: The Madness of King Donald“

    In @35 schrieben Sie: „Religion fungiert als einer von vielen Botenstoffen im Hormonhaushalt sozialer Systeme“.

    Ich denke immer noch, dass sie dem Thema/Begriff „Religion“ hier eine zu bescheidene, d.h. im Systemtheorie-Sprech: unterkomplexe (ausgeblendete) Funktion („einer von vielen Botenstoffen“) zuschreiben.

  37. @ 38: „Ich denke immer noch, dass sie dem Thema/Begriff „Religion“ hier eine zu bescheidene, d.h. im Systemtheorie-Sprech: unterkomplexe (ausgeblendete) Funktion („einer von vielen Botenstoffen“) zuschreiben.“

    Warum? Dazu Niklas Luhmann: „(…) wenn man sich auf das Figurenspiel dieser Semantik einlässt. Aber warum sollte man das? Weil man durch den Glanz der Konstruktion und durch die Eleganz ihrer Mathematik geblendet ist? Und wenn: gibt es für deren Plausibilität soziologische Gründe oder gar gesellschaftsstrukturelle Bedingungen?“
    http://www.soziale-systeme.ch/pdf/luhmann1.pdf, S. 9

  38. @39

    Niklas Luhmann beschreibt eine „Evolution“ der Gesellschaft. Ihre Komplexität nimmt zu. Zudem weist er auf bestimmte Grenzen hin, an denen Stufen-Übergange deutlich werden.
    Hierzu Luhmann, Funktion der Religion, 5.A. Frankfurt 1999 (1982), S.72-181. Auf S.79 findet sich der Hinweis auf zunehmende Komplexität der Gesellschaft (nicht der Religion). Im übrigen lässt Luhmann keinen Zweifel daran, dass ihm die begrenzten Möglichkeiten der Anwendung der biologischen Evolutionstheorie in den Sozialwissenschaften bewusst ist.
    z.B. in „Die Kunst der Gesellschaft“, 3. Auflage, Frankfurt 1999 (1997), S. 343 – 344.

    Die Bereiche der Religionswissenschaften sind außerdem durchaus umfassender, als sie von einer „Systemtheorie der Religion“ (nach Luhmann) angemessen beobachtet werden könnte.
    hatetepees://de.wikipedia.org/wiki/Religionswissenschaft

    Evolution (deren Erfahrung!) hört also nicht auf, schon gar nicht bzgl. der sich weltweit weiter entwickelnden Religionen (als Sinnsysteme), bzw. der Evolution biologischer Systeme, wie des Menschen, welcher dieselbigen hervorbringt.
    http://www.blume-religionswissenschaft.de/pdf/EthikUnterrichtEvolutionReligion.pdf (Kurzform)

  39. Da nun mal Missverständnisse eher zur Normalität von Beobachtern gehört, die ihre Beobachtungen miteinander teilen, hier noch ein Beitrag als Hinweis darauf, wie notwendig begriffliche Klärungen wären.

    Welche Vorstellungen, Differenzierungen, Perspektiven gibt es bzgl. des Begriffs „Evolution“ (biologisch, kulturell, usw.). Und dessen Verwendung wenn Beobachter miteinander kommunizieren. Was wird bezeichnet? Was steckt dahinter? Reduktionistische Vereinfachungen komplexer (sprachlicher/kultureller) Vorgänge sind ja wohl kaum zu vermeiden. Am Ende bleiben Theorien, welche von den Einen für plausibler, von anderen für weniger plausibel gehalten werden. Aber so ist das mit „Bezeichnungen“. Da spielt es kaum eine Rolle, ob biologische Evolution oder kulturelle Evolution beobachtet und bezeichnet wird. Der Fakt ist, dass sich Beides beobachten lässt. Es hapert und hakt immer, wenn es darum geht, dynamische Prozesse, so zu „bezeichnen“, dass Kommunikation anschlussfähig(er) wird und bleibt.

    http://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/was-bedeutet-evolution-f-r-sie/

    Für das Thread-Thema: Koran lesen

  40. Das Gewaltpotenzial der Religionen. Herausgegeben von Ina Wunn und Beate Schneider. Reihe Religionsforum Bd.11, Kohlhammer, Stuttgart 2015 (Ergebnisse eines Symposiums)

    Stichworte:
    Gerade Luthers Ringen um den rechten Glauben in den christlichen Kirchen (hat) zunächst zu Intoleranz und damit Gewalt gegen Andersdenkende geführt. Letztlich aber hat das Christentum über die Betonung der Freiheit des Einzelnen in Glaubensfragen den Weg zur Anerkennung religiöser Pluralität geebnet…

    Für den Islam sei unstrittig, dass die abrahamitischen Religionen über ihre von Gott gesandten Propheten den Menschen zu Milde, Güte und vor allem Gerechtigkeit aufrufen, und zwar in Form einer Einladung. Letztlich führen „Machtgier und Arroganz“ des Menschen, zu Ungerechtigkeit und damit Gewalt.

    Ein Ausweg (aus politisch motivierter und religiös instrumentalisiertem Machtkalkül) aus dynamischen Gewaltspiralen, lautet gerade nicht „weniger Religion“ oder „mehr Säkularisierung“, sondern (paradoxerweise) „mehr Religiösität“, im Sinne einer Auseinandersetzung mit dem universell-verbindenden zwischen Menschen, zwischen universalen „religiösen Wahrheiten“ (religio = Rück-Bindung), welche sich evolutionär als sinnvoll begründen lassen.

    „Gerade weil auf göttliche Stiftung zurückgeführte sakrale Gesetze, deren Einhaltung den Frieden und ein brüderliches Miteinander garantieren können, wachsen in säkularisierten Staaten Europas daraus notwendigerweise Spannungen.“

    Diese Spannungen können gerade nicht durch Toleranz, sondern nur durch das Aushandeln von Positionen bei gegenseitiger Anerkennung gelöst werden.

    Keine Frage: Religionen sind „zweischneidige Schwerter“ und bleiben auch künftig ambivalent.

    Wie das Alte und Neue Testament, enthält auch der Koran Verse, die „von Krieg und Gewalt berichten“. Eine Verwendung als allgemeiner Aufruf zu Gewalt im salafistischen Sinne zu legitimieren bedeutet Missbrauch. Die Rechtfertigung kann nur aufgrund eines Aktes der Selbstverteidigung in einer eindeutigen und historisch einmaligen Situation Gültigkeit haben …

    Die Problematik dass Einzelaussagen der jeweiligen heiligen Schriften je nach historischem und gesellschaftlichen Kontext unterschiedlich ausgelegt werden können, war auch im Judentum bekannt.

    Beispiel 10 Gebote. Wie kann ein Gebot formuliert werden, welches die Ermordung eines Menschen eindeutig verbietet, während Gott auf der anderen Seite von den Israeliten verlangt, ihre Feinde rücksichtslos und vollständig zu vernichten?“ Nach rabbinischer Theologie hat der Mensch Verantwortung für die heiligen Texte zu übernehmen, indem er sie im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext interpretiert und aktualisiert. … Große Theologen von Augustinus über die Scholastiker bis zu den Theologen der Reformationszeit haben immer wieder die Gewalt im Namen Gottes angeprangert: „Einen Menschen töten heißt nicht, eine Lehre verteidigen,sondern einen Menschen töten.“

    Ina Wunn geht von genetisch fixierten Verhaltensdispositionen des Menschen aus, und sieht im menschlichen Territorialverhalten nicht nur die Ursache der Religionsentstehung, sondern die Verknüpfung von Sicherung des Territoriums einerseits und dessen Legitimierung durch Vertreter der Anderswelt andererseits.

    Dies macht den roten Faden aus, der sich durch die gesamte Religionsgeschichte bis in die großen monotheistischen Religionen zieht. Unterstützt wird zunächst aggressives Verhalten gegenüber allem Fremden durch die menschliche Wahrnehmung, wenn über die Stufen der Kategorisierung, Stereotypisierung und Bewertung letztlich Vorurteile entstehen.

    Die Religion kommt dann ins Spiel, wenn über eine Ideologie der Ungleichwertigkeit eine soziale Dominanzordnung gerechtfertigt wird die ihr Überlegenheitsgefühl auch aus der Orientierung an einer richtigen und nicht weiter hinterfragbaren Norm bezieht. Genau das ist „Religion“.

    Religionen enthalten also Gewaltpotenzial, weil immer auch „Ideologien der Überlegenheit und Ungleichwertigkeit eingebaut sind“. Ob aus einer latenten Gewaltbereitschaft ein Klima der Gewalt entsteht und dieses Potenzial manifest wird hängt von bestimmten gesellschaftlichen Konstellationen ab.

    Toleranz zeigt hier keinen möglichen Ausweg, denn Toleranz bedeutet immer auch „Ungleichwertigkeit der anderen in großherziger Verkleidung“. Unabdingbar sei das Aushandeln von Modalitäten des Miteinanders bei gleichzeitiger voller Anerkennung des anderen als gleichwertigem Partner, um so zu „geregelten Konflikten“ zu gelangen.

    Die jahrtausendealte Erfahrung jüdischer Diaspora ergab die Notwendigkeit die eigenen religiösen Gesetze mit den Gesetzen des Gastlandes in Übereinstimmung zu bringen. Das Gesetz des Gastlandes wird wie das eigene Gesetz geachtet. Das erfordert die Bereitschaft zu schmerzhafte Eingriffe in eigene Überzeugungen und Denkgewohnheiten.

    Ein Ausbruch physischer Gewalt erfordert jedoch gezielte Provokationen seitens gewissenloser Politiker. Das Dominanzstreben bestimmter gesellschaftlicher Gruppen führt dazu, dass ein in den Religionen inhärentes Gewaltpotenzial ausbricht und unvermeidlich wird. Problematisch wirkt ausserdem dass Prinzip, dass Offenbarungen jüngeren Datums, ältere aufheben. Demnach hätte das Judentum im Christentum und dieses wiederum im Islam „aufgehen“ müssen. Diese Erwartung bleibt unerfüllt und die Herausforderung offen Stereotypen in einer „Politik der kleinen Schritte“ zu ändern. Beim Fussball klappt das bereits ganz gut.

    http://www.ina-wunn.de/documents/gewaltpotenzial-vorwort-der-herausgeberinnen.pdf

  41. @ 43: „Ina Wunn geht von genetisch fixierten Verhaltensdispositionen des Menschen aus, und sieht im menschlichen Territorialverhalten (…) die Ursache der Religionsentstehung“

    Ja, das ist plausibel.

    Das bedeutet (ketzerisch gedacht): Religion lässt sich nicht abschaffen oder verbieten. Wenn es Religion nicht gebe, würden (noch mehr) Substitute entstehen.

    Das bedeutet (pragmatisch gedacht): Religiöse Bedürfnisse bedürfen bedürfnisgerechter Religion(en). Der Missbrauch religiöser Bedürfnisse durch Kommerzialisierung und Machtinteressen, ist zu verhindern.

  42. @ 44: Die Religiosität aktualisiert sich ähnlich wie die Sexualität auf unterschiedlichen Bedürfnisebenen, in unterschiedlichen Lebensformen und in unterschiedlichen Spielarten.

    NOCH kann ich mich nicht mit intellektuellen Zumutungen wie Drei-Einigkeit und Jungfrauen-Geburt anfreunden.

  43. @44 „…ist zu verhindern“

    Und wie konkret? Und was kann „systemische Theorie und Praxis“ dazu beitragen?

    Das ist die Frage, auf welche in diesem Blog auf Antwort, (oder auf eine bessere Frage) hoffe.

    Für mich gilt: jedenfalls nicht ohne sich einmischende Aufklärung, Verweis, Klärung und (an gewaltfreierer Lösung orientierter) Verteidigung, der in jeder Religion zu findenden, überlieferten „Meme“, gegenüber jedem Einzelnen und gegenüber Strukturen, welche Machtmissbrauch, Ignoranz und Arroganz in welchem Bereich auch immer fördern, d.h. unverhältmäßigen Zwang (Gewalt) ausüben.

  44. @ 46: Genau! …mit „sich einmischender Aufklärung, Verweis, Klärung und Verteidigung“. Das wäre die theoretisch-kommunikative Beratungsseite.
    Die praktisch-interventionistische Seite könnten beispielsweise (gehieme) Friedenskonferenzen verfeindeter Gruppen sein, wie beispielsweise Israelis und Palästinenser oder Sunniten und Schiiten. Die Systemiker müssten Lösungen vorschlagen, mit denen beide Seiten in Frieden leben könnten.

  45. @45 Das kann ich z.T. nachvollziehen: Das Dogma der unbefleckten, „jungfräulichen“ Empfängnis ist natürlich reinster Humbug, mitsamt allen realitätsfernen und verklemmt lebendfeindlchen Auswüchsen in Folge.
    Dies sind m.E. Hirngespinste von vor sich hinhaltenden zölibatären Irre im chronischen sexuellen Notstand.
    „Unbefleckt“ soll vermutlich in dieser auf Perfektionismus und Überhöhung bedachten, etwas schrägen Männerphantasie bedeuten, daß der Erwählte die erste Liebe im Leben der Angebeten zu sein hat.

    Dieses gendertypisch etwas verquere Phänomen beschreibt Oscar Wilde so:

    “ Männer wollen immer die erste Liebe einer Frau sein. Das macht ihre ungeschickte Eitelkeir. Frauen haben einen feineren Instinkt:sie sind gerne des Mannes letzte Liebe“.
    Weshalb wohl Letzteres? Damit hab ich eher meine Reserven.
    Einen schnarchenden und ansonsten perseverierende vor sich hin labernden alten Knacker mit Schweißfüßen bzw. sonstigen nicht so ganz abgenehmen psychophysisch sich entäußernden Macken neben sich zu wissen, entspricht keineswegs der so ganz reinen Empfängnis an Liebesbotschaften. ?

    Insgesamt tun sich Paare vermutlich leichter, ihre Partnerschaft weniger als romantisch unflortes und religiös überhöhtes Liebes-und Leidens – Life-Experiment zu betrachten,
    sondern von vorneherein mehr unter Unternehmensaspekten in freier Berufung, nur im Sinne einer gelungenen bzw. gelingenden Compliance.
    Damit die „work-life-balance“ ohne moralisierendes, pseudoreligiöses Beiwerk auch gleich im goldenen Schnitt liegt. ?

  46. @46 Zur “ intellektuellen Zumutung“ der Dreieinigkeit UND Dreifaltigkeit , Herr Santak, muß ich Ihnen allerdings widersprechen.
    Diese Symbolik findet sich -modifiziert in fast allen Welt-Kulturen. Und entspricht im Grunde ubiquitär beobachtbaren , dynamischen Musterbildungen in der Natur.
    Zudem läßt sich diese Symbolik nicht nur mit den LoF und der Kybernethik wunderbar vereinbaren, sondern selbstverständlich auch mit der Dialektik, u.a. mit Hegel.

    Darüber gerne einmal später, das kann man nicht schreiben, das muß man zeigen, sehen und weiter beobachten.
    Wenn man einmal den Dreh raus hat, worauf dabei zu achten ist, erfolgen die erhellenden Aha- und Erleuchtungserlebnisse auf dem Fuß.

    Anschließen kann man auch die völlig verquer verschraubten Satzbildungen wie z.B. bei Hegel, wie Trivialliteratur als einen Krimi über fortgesetzte intellektuelle Sprachvergewaltigung im Bett lesen.

  47. @46 Sorry, Siggi, ich hatte die die Bezugsziffern verwechselt.
    Ich lese Ihre interessanten Kommentare sehr gerne und stimme ihnen auch in wesentlichen Teilen zu.

    Ich glaube schon, daß der systemischer Ansatz in Theorie und Praxis DAS evolutionär noch weiter auszubauende Erfolgsmodell sein wird.
    Ganz einfach deshalb, weil die unterschiedlichsten Techniken erlauben, paradox zu intervenieren und mithilfe der Selbstreferenz -auch unschlagbar- den Spieß argumentativ umzudrehen.

    Diese Techniken sind unverzichtbar in der Prävention, insbesondere bei nichtlinearen Verläufen, die schlichtweg die Regel sind unter perfekter Beinhaltung der Ausnahmen (vgl.LoF)
    die selbstredend auch bei Chaos-Ordnungs-Übergängen gelten.

  48. Religion hat seit jeher die Funktion der Kommunikation des Uneindeutigen und Unbestimmbaren – sowie auch des Nichtbeobachtbaren/Imaginären (Nichtmarkierbaren).

    Aus dieser Paradoxie (des Sprechens vom Unaussprechlichen), ergeben sich logischerweise zwei notwendige Begründungen individuellen Rechts sowohl auf Verteidigung als auch Verzichts auf individuelle Religiösität und Glauben. (Dieses doppelte Recht ist von einer Gesellschaft verfassungsrechtlich zu schützen, will sie widerspruchsfrei sein, d.h. überleben.)

    In „Sachen des Glaubens“ kann es daher weder einen äußeren Zwang geben zu glauben noch nicht zu glauben, allenfalls einen inneren ‚Selbstgewählten‘.

    Religion/Glauben beruhen ausschließlich auf inneren, individuellen und somit freiwilligen Akten des Vertrauens (welche sich in äußeren kollektiven, verbalen und ritualisierten Formgebungen äußern können).

    Bestimmte subjektive Erfahrungen (z.B. Nahtoderlebnisse) können für Einzelnen so überwältigend sein, dass für diese daraus ein innerer (Gewissens-)’Zwang‘ wird.

    Jeder Versuch jemanden für/gegen irgendeine Religion/Glauben zu zwingen ist einerseits Macht- und Religionsmißbrauch und andererseits ein logischer Widerspruch bzgl. der Funktion von Religion/Glauben als „Unbestimmtheitskommunikation“.

    Kurzum: Religion/Glaube dient der Angstreduktion.

    Zitat:
    „Konkrete Menschen, Individuen können auf Religion verzichten. Gesellschaften haben das bislang noch nie gemacht. … religiöse Kommunikation (hat) bestimmte Funktionen…, die notwendig sind. Man kann empirisch feststellen: Sie scheint nicht zu verschwinden, die Religion. Es verschwindet konfessionelle Bindungskraft, Kirchlichkeit, Wissen, aber Religiosität, religiöse Motive, Praktiken, die verschwinden nicht…. der Religion falle dabei die Funktion zu: So etwas wie Unbestimmtheitskommunikation zu ermöglichen und gleichzeitig die Unbestimmtheit nicht wegzuarbeiten. … muss sie nicht wegarbeiten, sondern kann sie als die eigentliche Botschaft formulieren. Und wie wir diese Funktion in einer Gesellschaft retten, in der wir nicht 80 oder 90 Prozent der Bevölkerung immer schon in konfessionellen Organisationen haben: Ich glaube das ist der Problemaufriss, mit dem wir heutzutage zu tun haben.““
    (Armin Nassehi, bezeichnet sich selbst als „Kulturkatholik“)

    http://www.deutschlandfunk.de/armin-nassehi-religion-ist-etwas-wildes.886.de.html?dram:article_id=360740

  49. @ 51: Armin Nassehi: „der Religion falle dabei die Funktion zu: So etwas wie Unbestimmtheitskommunikation zu ermöglichen und gleichzeitig die Unbestimmtheit nicht wegzuarbeiten. … muss sie nicht wegarbeiten, sondern kann sie als die eigentliche Botschaft formulieren. Und wie wir diese Funktion in einer Gesellschaft retten, in der wir nicht 80 oder 90 Prozent der Bevölkerung immer schon in konfessionellen Organisationen haben: Ich glaube das ist der Problemaufriss, mit dem wir heutzutage zu tun haben.“

    Verstehe ich das richtig: Da wir nicht 80 oder 90 Prozent der Bevölkerung in konfessionellen Organisationen haben, haben wir ein Problem?

    Wenn ja: Worin besteht dieses Problem und warum sind wir nicht 80 oder 90 Prozent der Bevölkerung in konfessionellen Organisationen?

  50. @52 80-90% der Bevölkerung sind in Deutschland nicht(!) in (religiösen) „konfessionellen Organisationen“ ?

    Provokant gesagt: Was aus einer zahlenmäßig erfassbaren „Zugehörigkeit, bzw. konfessionelle Organisation von Religion“ tatsächlich ableitbar ist, bzw. wie diese Zahlen gedeutet werden, hat m.E. mehr Ähnlichkeit mit Astrologie, denn mit gesicherter Wissenschaft. Was bedeutet die formale Zugehörigkeit schon für das Leben des „Glaubenden“, also für seine Erfahrungswirklichkeit im Alltag?

    Aber nun gut:
    https://fowid.de/meldung/religionszugehoerigkeiten-deutschland-2015

    …die Tatsache, dass eine Person formal keiner Religionsgemeinschaft angehört, (bedeutet) nicht notwendigerweise, dass sie im engeren Sinne „religionsfrei“ ist und nicht an „höhere Mächte“ glaubt… (es bedeutet) nicht, dass Konfessionsfreiheit notwendigerweise mit einer naturalistischen, wissenschaftlich orientierten Weltsicht einhergehen muss.

    Zum Anteil der Muslime in der Bevölkerung fehlen anerkannte statistische Daten! (Organisationsgrad bei ca. 20%) … „Der Säkularisierungstrend, so scheint es, ist inzwischen auch in der islamischen Welt angekommen“.

    Auf „Zahlenspielereien“ geb ich also kaum was. Die sind bei Veröffentlichung schon wieder veraltet und können sich in jegliche Richtung ändern. Mehr als Trends und Tendenzen für einen gewissen Tunnelblick geben sie nichts her. Re-Formationsbewegungen oder die sich verändernde Spiritualität (Stichwort: Patchworkreligiösität) der Bevölkerung werden doch dadurch nicht erfasst, haben aber vielleicht mehr transformative Kraft, als eine formale Konfessionalität. Glaube also keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast…

    Wenn ich will, dann beobachte ich auch, dass Migration die „religiöse Landkarte“ ständig verändert, in Richtung mehr (allgemeiner, nichtkonfessioneller) Religiösität:

    hatetepe://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/files/ChristianisierungAbendland2013.jpg

  51. @ 53: „1970 waren (in der damaligen Bundesrepublik) 92,3 Prozent der Bevölkerung Protestanten (47,7 Prozent) oder Katholiken (44,6 Prozent). 1987 hatte sich der Anteil der Kirchenmitglieder auf 84,5 Prozent reduziert“; im Jahr 2015 waren 64 Prozent der Bevölkerung kirchlich gebunden.

    Das wollte ich bloß mal wissen, wegen der These von Armin Nassehi.

    Und Sie halten ihm entgegen, dass sich „die „religiöse Landkarte“ ständig verändert, in Richtung mehr (allgemeiner, nichtkonfessioneller) Religiösität“.

    Also, wo ist das Problem, „diese Funktion [der Unbestimmtheitskommunikation] in einer Gesellschaft [zu] retten, in der wir nicht 80 oder 90 Prozent der Bevölkerung (…) in konfessionellen Organisationen haben“?

  52. @54 „…wo ist das Problem…“
    Offensichtlich ist das (auch) Ihr Problem? Ich habe keines.

    Missverstehen, auch vermischen/verwechseln, bzw. nicht differenzieren zwischen Religion (in ihrer Bedeutung für die Gesellschaft als „Kommunikation des Unbestimmten“) und Konfession (als bisher bekannte, obsolet werdende Organisationsform) scheint normal zu sein.

    Nassehi meint (falls ich ihn richtig verstehe) nicht die bisherige! (hierarchische) Organisationsform „Konfession“, sondern die Religion retten, welche in der Lage ist gesellschaftsrelevante (ansprechendere, ästhetischere) Formen hervorzubringen. Wie ich Nassehi’s „Religionsrettung“ verstehe, läuft sie nicht darauf hinaus, aus konfessionellen Kirchen Museen zu formen. So billig (unterkomplex) funktioniert die Kommunikationsform Religion nun mal nicht. Wenn Religion „was bringen soll“ (dem Individuum und der Gesellschaft), dann hat es auch seinen Preis und kostet was.

    Am Beispiel(!) der katholischen Kirche versucht Nassehi einem begriffsstutzigem Interviewer zu erklären, dass Religion in der Lage ist mit wachsenden Asymetrien in einer Gesellschaft umzugehen. Das ist jedoch mit den bisherigen konfessionellen Formen von Religion eben nicht möglich:

    „Religion lebt von asymmetrischen Verhältnissen – wie auch Kunst und Wissenschaft“

    „Ich habe große Zweifel, dass das Personal der katholischen Kirche, vor allem das Führungspersonal, die Kulturbedeutung der Kirche versteht.“

    „Das Autoritäre der katholischen Kirche interessiert mich nicht, das finde ich abstoßend. Es geht darum, ästhetische Formen zu finden, in denen Asymmetrie auch einen sozialen Sinn haben kann.“

    http://www.ls1.soziologie.uni-muenchen.de/dateien/nassehi_katholisch.pdf

    …. und dreimal dürfen sie raten, welche (religiöse) „Organisationsformen“ mit wachsenden Asymetrien in modernen Gesellschaft operieren können und am Besten zurecht kommen. Ich halte Sie für intelligent genug das heraus zu finden. 😉

  53. @ 55: „Ich halte Sie für intelligent genug das heraus zu finden. ?“

    Danke! Doch da muss ich Sie enttäuschen: Leider bin ich ziemlich unterbelichtet, äh… unterkomplex. Andererseits voller Komplexe – voller überkomplexer Komplexe… Fragen Sie Professor Simon!

  54. @57 Ach kommen Sie Herr S., Ihr „Licht“ brauchen sie nicht unter den Scheffel zu stellen.
    Der Herr Professor, wird Ihnen das sicher bestätigen. Im Übrigen: „unterkomplex“ und „unterbelichtet“ bitte nicht synonym verwenden.

    btw. verläuft Evolution sozialer Systeme durchaus asymetrisch, in seltsamen, nichtlinearen „Schleifen“ und durchsetzt von unvorhersehbaren „Sprüngen“…

    Die kopernikanische Wende hat die Moderne ermöglicht.
    Was kann die Ausrufung einer „performativen (o.transformativen) Wende“ vermittels „doppelter Rahmung“ möglich machen? Performatistische Erzählweisen wollen zur Nachahmung (mimesis) (ver)führen. Verständigung soll zunehmen intuitiv erfolgen. Wirklich „neu“ ist das ja nun nicht. Und doch liegt in der Wiederentdeckung und Transformation in die Moderne ein gewisser Reiz. Vorausgesetzt die progressive Avantgarde, welche sich hierzu berufen fühlt die next society mit zu prägen, schafft dies ohne die üblichen beschämende Abwertungen und (Post-)Modernebashing…

    http://www.phaenomen-verlag.de/buch/die-rueckkehr-des-glaubens-zur-performatistischen-wende-in-der-kultur/

  55. @59 „Kirche der Zukunft“ war, ist und bleibt immer zuerst „Erfahrungsgemeinschaft“ od. „Entscheidungsgemeinschaft“. Die beginnt, wie dereinst, vom Meister bezeichnet: „Wo zwei oder drei…“.

    „Flöten“ reißen keine pathologisch-strukturellen Mauern in um’s Überleben kämpfende Systeme ein.

    Es waren und sind immer schon die entsprechenden „Trump“(eten) in der Entwicklungsgeschichte sozialer Systeme gewesen. Der Unterschied macht allerdings der „Heilige Geist“. Aus der Beobachterperspektive ist sein „wehen“ und die Unterscheidung zum „Ungeist“ weniger erkennbar, als aus der Erfahrungsperspektive.

    Und ja, wer, wenn nicht die sog. „Verrückten“, bewegen sich noch und vermögen nachhaltig zu irritieren und zu stören?

    Da gibt es viele Beispiele in der Geschichte. Luther wäre ein Beispiel für so eine „Trumpete“ vor dem Herrn.

    Der Blick ins Buch „Aus, Amen, Ende?“ von Thomas Frings geht in Richtung Zukunftsfähigkeit:
    https://www.amazon.de/Aus-Amen-Ende-nicht-Pfarrer/dp/3451377977

  56. @28 „Die Systemtheorie(n) ist bzw. sind Modelle, die andere Erklärungen für beobachtete Phänomene konstruieren …(und)… untersuchen darüberhinaus, wie Beobachtung funktioniert und wie Beobachtung die beobachteten Phänomene beeinflusst.

    Diese Modelle kann man plausibel finden oder auch nicht. Das ist alles. Keine Gemeinde, keine Mission…“

    Zustimmung!

    Ihr „Kehrwochenblog“ Herr Simon, hingegen scheint mir vergleichbar mit einem (manchmal vergessenen?) systemischen „Putzkübel im Beichtstuhl“… (Das meine ich durchaus wertschätzend und wehre mich bisher vehement dagegen diesen – hoffentlich erfolgreich – als „Kotzkübel“ zu missbrauchen.)

    http://www.kath.net/news/55263

  57. @ 61: Der angegebene Link führte u. a. zu folgendem Statement: „Bricht die katholisch.de-Redaktion infolge dieses herben Rückschlags in Sachen „publizistische Relevanz“ nun zu neuen Ufern auf und schickt sich an, stattdessen offizielles Portal des deutschen Buddhismus zu werden? Falls ja: Glück auf den Weg! Allzu viel verändern müsste man dafür vermutlich gar nicht.“
    http://www.kath.net/news/58550

    Sehen Sie das auch so?

  58. @ 64: Ich bin weitläufig verwandt mit Peter Aschoff, der sich als „kontemplaktiv, charismystisch und ökotholisch“ definiert.

  59. @65 Persönliche schätze ich seine (kirchen- & sozialkritischen, sowie seelsorglichen) Beiträge/Gedanken und finde sie inspirierend und hilfreich.

  60. @ Siggi: Was halten Sie von Hans Küngs Projekt „Weltethos“?
    „Die Grundüberzeugungen des Projektes Weltethos sind
    kein Zusammenleben auf unserem Globus ohne ein globales Ethos,
    kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen,
    kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen,
    kein Dialog zwischen den Religionen und Kulturen ohne Grundlagenforschung,
    kein globales Ethos ohne Bewusstseinswandel von Religiösen und Nicht-Religiösen.
    „Diese eine Welt braucht ein Ethos; diese eine Weltgesellschaft braucht keine Einheitsreligion und Einheitsideologie, wohl aber einige verbindende und verbindliche Normen, Werte, Ideale und Ziele.“
    (Hans Küng, Das Projekt Weltethos)“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Weltethos

  61. @67 Stimme vor allem Hans Küng zu in seinem „Primat des Ethos gegenüber Ökonomie und Politik“.

    Mit Welt-Ethos (WE) ist ja nicht ein ethisches System, nicht eine Doktrin, sondern eine Selbstverpflichtung des Menschen auf einige verbindliche Werte, unverrückbare Maßstäbe und persönliche Grundhaltungen gemeint. (Die Selbstverpflichtung allein ist jedoch zu schwach. Entsprechende Rechtsordnungen würden der individuellen/kollektiven Willkür notwendige Grenzen setzen, sowie Selbstverpflichtungen gemäß des WE in sozialen Systemen fördern, schützen, legitimieren.)

    Die Prinzipien, (Spiel-)Regeln, Weisungen d.h. das Konzept des WE selbst und die entsprechenden Projekte sind paradoxerweise (ohn-)mächtig genug um Religionssysteme zu ermächtigen einen Unterschied zu machen, der einen Unterschied macht, gegenüber unverhältmäßig ausgeübtem Gewalt/Zwang auf Leben, das Leben will, inmitten von Leben. Ein solcher Unterschied ist wiederum beobachtbarer Ausdruck kommunikativen Handeln in sozialen Systemen.

    Mir gefällt, dass WE eben nicht Lehre/System (Ethik) ist. Mehr oder weniger (bewusst) bestimmen Grundhaltungen/Grundordnungen Denken, Reden und Handeln von Menschen. Kommunikative Bewusstwerdung nach Innen und bewusste Kommunikation nach Aussen entsprechender Gemeinsamkeiten erhöht m.E. die Wahrscheinlichkeit des Überlebens, Zusammenlebens und differenzierteren Lebensentfaltung von Menschen. Dass Religionen entsprechende (kommunikativ anschlussfähige) gemeinsame Grundhaltungen in sich tragen und diese tradieren, ist im WE beschrieben.

    Ethik ist vom WE unterscheidbar als Wissenschaft von Regellogiken für gelingendes, zielgerichtetes menschliches Handeln zum Eigennutz und(!) zum Allgemeinnutz.
    WE ist der diesbezügliche zugrunde liegende gemeinsame Weidezaun um den gemeinsamen Weideplatz einer Herde zu markieren.
    Wo immer Menschen dieselben Lebensbedingungen vorfinden haben sie sich auf die gleichen Rechten und Pflichten zu deren Erhalt zu einigen, weil die vorfindlichen Lebensbedingungen für ein überleben bio-psycho-sozialer Systeme unverzichtbar sind.

    WE-Spielregeln fördern also gegenseitiges (er-)tragen.
    Wer sich ausserhalb des WE begibt überschreitet lebenserhaltende Grenzen in sozialen Systemen, agiert a-sozial, d.h. selbst- und fremdschädigend.
    Entsprechend angemessene Sanktionierungen (sind nachrangig und der Grundordnung der WE untergeordnet zu formulieren) sind deshalb Angebote zur Re-Sozialisierung.
    Universale „Menschenrechte“ machen also nur Sinn, wenn es auch entsprechende „Menschenpflichte“ gibt mit entsprechenden Sanktionierungen bei Übertretung.

    WE weist sowohl über jedes religiöse Glaubenssystem hinaus, als es sich auch involutiv/evolutiv im Glaubenssystem als ein „grundlegendes Fundament“ selbst begründen lässt.
    WE kreiert prinzipielle kommunikativ anschlussfähige gemeinsame „Standards“ (goldene Regel, zwei Grundprinzipien, vier Weisungen) und macht Ko-Existenz wahrscheinlicher.

    Die „goldene Regel“ des WE begründet sich und findet sich in den Welt-Religionen:
    z.B. h-t-t-p-s://www.scarboromissions.ca/golden-rule/thirteen-sacred-texts-multi-lingual-versions/aus-dreizehn-heiligen-schriften-deutsche-fassung
    h-t-t-p-s://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Regel

    Zwei Grundprinzipien des WE:
    1) es darf keine neue Weltordnung ohne Weltethos geben
    2) alle Menschen sind menschlich zu behandeln

    Vier Weisungen des WE:
    Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor allem Leben (Lebensschutz)
    – d.h. „nicht morden“ (unterschieden vom in bestimmten Grenzen erlaubten Töten), was für uns heute aber auch heißt: nicht foltern, quälen, verletzen…
    Kultur der Solidarität und eine gerechte Wirtschaftsordnung (Eigentumsschutz*)
    – d.h. „nicht stehlen“, was heute einschließt: nicht ausbeuten, bestechen, korrumpieren…
    Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit (Wahrheitsschutz)
    – d.h. „nicht falsches Zeugnis geben, lügen“, auch nicht fälschen, täuschen, manipulieren…
    Kultur der Gleichberechtigung und Partnerschaft von Mann und Frau. (Geschlechterbeziehungsschutz)
    – d.h. „nicht Unzucht treiben“, Sexualität nicht missbrauchen«, also nicht erniedrigen, entwürdigen, betrügen…

    (*h-t-t-p://www.weltethos-praktisch.de/files/Bausteine%20pdf-Daten/we-materialien/we-manifest-GER.pdf)

    Um eine Verbindung zum Threadthema „Koran lesen“ herzustellen:
    Die „Erklärung zum WE 1993″** haben auch muslimische Vertreter unterzeichnet. Prinz Hassan von Jordanien z.B. spricht sich für die Gemeinsamkeit in ethischen Standards und gegen den Terrorismus aus. Der iranische Ex-Präsident Khatami setzte 1998 in der UN den „Dialog der Zivilisationen“ – als Antithese zum „Zusammen­prall der Zivilisationen“ – auf die Tagesordnung der UNO.

    (**h-t-t-p://www.weltethos-praktisch.de/files/Bausteine%20pdf-Daten/we-materialien/deklaration/declaration_german.pdf)

    Die Schwäche des WE liegt für mich jedoch im Vergleich ihres „SOLL“ mit dem bisherigen und gegenwärtig beobachtbaren Verhalten in sozialen Systemen (z.B. auf der kleinen „Bühne“ dieses Blog’s und der größeren der politischen/wirtschaftlichen „Weltmächte“). Dadurch wird klar: WE ist und bleibt immer kontra-faktisch!

    Die generationenübergreifende Aufgabe ist daher, die Gemeinsamkeit der elementaren Grundnormen des WE bewusst zu machen und sie auf die gegenwärtigen Verhältnisse anzuwenden – wo immer not-wendigerweise echte Not gewendet werden will.

    Die Energiequelle dazu nenne ich „Mut zur Liebe“. Mut ist m.E. transformierte, konstruktive, sinnstiftende, angemessene etc. Wut.

    WE (Aussenabbildung): http://www.bilder-upload.eu/show.php?file=a95fed-1487408898.jpg

  62. Religionswissenschaftliche (datenbasierte!) Fakten gefällig, betreffend der „Gesellschaft von Morgen“?

    Der nachstehend verlinkte Online-Vortrag überprüft die Thesen dreier gängiger Religionserzählungen:

    1) SÄKULARISIERUNG? Findet eine Islamisierung statt, oder übersehen wir die fortschreitende Glaubenskrise auch unter Muslimen, den millionenfachen stillen Rückzug aus dem Islam?

    2) ISLAMISIERUNG? Setzt sich die Säkularisierung durch, oder verläuft sie sich doch immer wieder in demografischen Sackgassen?

    3) PLURALISIERUNG? Signalisiert der Aufstieg weniger gemeinschaftlicher Formen von Religion wie dem Engel- oder gar Einhornglauben nur für eine fortschreitende Pluralisierung der religiösen Landschaft, oder droht gar eine Polarisierung zwischen säkular-kinderarmen und fundamentalistisch-kinderreichen Milieus?

    Fazit (vorweggenommen):
    1) SÄKULARISIERUNG fand/findet immer statt und führte bislang immer in eine „Demografiefalle“ (demografische Sackgasse)

    2) Muslime sind (stärker als andere) von der Säkularisierung betroffen, was durch eine ungleiche Datenbasis verdeckt ist

    3) Gesellschaftlicher Frieden entsteht nicht von allein, sondern aufgrund von Begegnung, Dialog und Zusammenarbeit

    4) Akzeptanz (Interessierte Religionsfreiheit) schafft Erfolg in einer Gesellschaft und nicht Toleranz (Duldung)

    5) Zu künftigen freiheitlichen Gesellschaften wird jedenfalls religiöse Vielfalt gehören

    https://www.youtube.com/watch?v=f50i6wXMUaQ

    dazu auch der Austausch auf diesem Blog:
    hatetepe://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/openreli-vortrag-zu-den-islamisierungs-saekularisierungs-und-pluralisierungsthesen-und-trauer-um-hans-rosling/#comment-86794

  63. Je höher die Sterblichkeitsrate von Kindern und je niedriger das Einkommen,
    desto höher die Geburtenrate.

    Klasse TED-Vortrag vom Gapminder Gründer Hans Rosling (2012 in Katar gehalten) zum Thema „Religion und Babies“:

    https://www.youtube.com/watch?v=ezVk1ahRF78

    Eine Ergänzung dazu, weil sie im Vortrag fehlt:
    Religiöse Gruppen gebären vergleichsweise durchschnittlich mehr Kinder als Nicht-Religiöse Gruppen.

  64. @ 71, 72: Halten Sie es für möglich, dass das Bedürfnis nach Religion und das Bedürfnis nach Liebe, Sexualität und Kindern denselben Ursprung haben?
    Die Glückseligkeit des gestillten Kindes in den Armen seiner Mutter setzt sich in der Glückseligkeit des befriedigten Mannes in den Armen seiner Frau fort und beglückt empathisch den asketisch-enthaltsamen Mystiker, der sich an seine Glückseligkeit als gestilltes Kind in den Armen seiner Mutter erinnert.

  65. @73 „Halten Sie es für möglich, dass das Bedürfnis nach Religion und das Bedürfnis nach Liebe, Sexualität und Kindern denselben Ursprung haben?“

    In meinen eigenen Worten:
    Der rückwärtsgewandte Blick auf die „Konserve“ einer gemeinsamen „Quelle“, lässt sich durchaus unterschiedlich erzählen. Eine, allen gemeinsame „Quelle“ darf deshalb ebenso „im Dunkel“ d.h. unbekannt bleiben, wie ein allen gemeinsames „Ziel“.

    Sinnvolle Antworten bilden m.E. Schnittmengen. D.h. sie berühren und durchdringen sich und bilden so „Gemeinsamkeiten“. Was wäre wenn diese „Gemeinsamkeiten“ die Funktion einer „erkennbare Quelle“ haben. Gleichzeitig wird Gemeinsames zum „Muster das verbindet“ und können auch Unterscheidungen/Andersartigkeiten beibehalten bleiben.

    Ein geeignetes Vorgehen sich einer „unbekannten gemeinsamen Quelle“ aus unterschiedlichen Bereichen/Perspektiven anzunähern um anschlussfähige Gemeinsamkeiten besser wahr nehmen zu können, erscheint mir, dies komparativ (vergleichend) zu tun.

    Fakt dürfte sein, dass beobachtbare „Bedürfnisse“ (somit auch die nach Religion/Liebe) wohl eine bestimmte Energie voraussetzen lassen, um überhaupt existieren zu können, als solches wahrnehmbar werden und um eine bestimmte Entstehungs- Wachstums- und Regenerations-Funktion in lebendigen Systemen erfüllen zu können.

    Ihr gewähltes Beispiel und Verknüpfung gefällt mir daher:
    „Die Glückseligkeit des gestillten Kindes in den Armen seiner Mutter, setzt sich in der Glückseligkeit des befriedigten Mannes in den Armen seiner Frau fort und beglückt empathisch den askethisch-enthaltsamen Mystiker, der sich an seine Glückseligkeit als gestilltes Kind in den Armen seiner Mutter erinnert“

    In wenigen Stichworten Kreislaufprozesse zu beschreiben bedarf sicher ein wenig Übung. In diesem Fall scheint es mir gelungen.

  66. @75 Ja!

    In einem Satz:
    „…Gott ist (…mich/uns ansprechende, in uns erfahrbare, und darüber hinausgehende geheimnisvoll schöpferische…) LIEBE“
    (1.Johannesbrief 4,8)

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