Mass Shootings/USA

Seit Anfang 2011 hat es in den USA 18 Massenerschießungen durch „gute“ Bürger gegeben:

8. 1. 2011 – Jared Lee Loughner, 22, killed 6 and wounded 11 others in Tucson, Ariz.

12. 10. 2011 – Scott Dekraai, 41, killed 8 people and wounded 1 other in Seal Beach, Calif.

2. 4. 2012 – One L. Goh, 43, killed 7 people and wounded 1 other in Oakland, Calif.

20. 7. 2012 – James Holmes, 24, killed 12 people and wounded 58 others in Aurora, Colo.

5. 8. 2012 – Wade Michael Page, 40, killed 6 people and injured 3 others at a Sikh Temple in Oak Creek, Wisc.

28. 9. 2012 – Andrew Engeldinger, 36, killed 6 people and injured 2 others in Minneapolis, Minn.

21. 10. 2012 – Radcliffe Haughton, 45, killed 3 people and injured 4 others in Brookfield, Wis.

14. 12. 2012 – Adam Lanza, 20, killed 27 people and injured 1 other in Newtown, Conn.

16. 9. 2013 – Aaron Alexis, 34, killed 12 people and injured 3 others in Washington, D.C.

2. 4. 2014 – Ivan Lopez, 34, killed 3 people and injured 16 others in Fort Hood, Texas.

23. 5. 2014 – Elliot Rodger, 22, killed 6 people and wounded 7 others in Isla Vista, Calif.

18. 6. 2015 – Dylann Roof, 21, killed 9 people in Charleston, SC

16. 7. 2015 – Mohammod Youssuf Abdulazeez, 24, killed 5 people and wounded 3 others in Chattanooga, Tenn.

1. 10. 2015 – Christopher Sean Harper-Mercer, 26, killed 9 people and injured 9 others in Roseburg, Ore.

29. 11. 2015 – Robert Lewis Dear, 57, killed 3 people and injured 9 others in Colorado Springs, Colo.

2. 12. 2015 – Syed Rizwan Farook and Tashfeen Malik, 28 and 29, killed 14 people and wounded 22 others in San Bernardino, Calif.

12. 6. 2016 – Omar Mateen, 29, killed 49 people and injured 58 others in Orlando, Fla.

1. 10. 2017 – Stephen Paddock, 64, killed at least 58 people and injured at least 515 others in Las Vegas, Nev.

Die Waffengesetze der USA wurden trotz dieser Ereignisse nicht verändert. Und nach den bislang 58 toten und ca. 500 Verletzten in Las Vegas (1. 10. 2017) sind am Tag darauf (heute) die Aktienkurse der Waffenhersteller um ca. 4% gestiegen… Und, wenn ich die Zahlen richtig in Erinnerung habe, dann hat es letztes Jahr in den USA 46000 verletzte durch Waffengebrauch gegeben.

54 Gedanken zu “Mass Shootings/USA

  1. Und ? In den USA ist die Begrenzung des Waffenbesitzes ein Tabu, bei uns das
    Tempolimit auf Autobahnen, trotz der Opferzahlen.

  2. Ab jetzt sollten alle US-Bürger immer ihre Waffe schussbereit halten, um solche Leute frühzeitig zur Streck bringen zu können. Pistolenhalter und Patronengürtel sollten gesetzlich zur Pflicht gemacht werden, wie der Anschnallgurt in Deutschland.

  3. Mein tiefstes Mitgefühl gilt in erster Linie den Opfern, ihren Angehörigen und Verletzten unter den Countrybesuchern. Sie waren gekommen um zu feiern und sind nun für den Rest ihres Lebens gezeichnet und traumatisiert.

    Denjenigen welche nun weiter leben, gerade auch für jeden der zehntausenden Überlebenden, Augenzeugen und Besucher vor Ort, und denen welche die Verletzten versorgen, die Toten betrauern, diejenigen welche die Nachrichten darüber verbreiten und diejenigen, welche damit konfrontiert und ihre Aufmerksamkeit darauf lenken, und diejenigen welche den Täter kannten, und es nicht verhindern konnten, denjenigen fühle ich mich verbunden.

    – – – – –

    Amok und Amokläufer, welche gegen die eigenen Mitbürger Amok laufen, denen es nur darum geht so viel als mögliche Opfertote und Verletzte, d.h. Aufmerksamkeit für ein paar Augenblicke, zu erzeugen und sich jeglicher Kommunikation durch erweiterten Suizid entziehen, kommunizieren, spiegeln, wollen damit…, ja was ist eigentlich ihre Message / Massage?

    Wenn „verstanden wird“, was alles und in welcher Zusammensetzung, Umfang und Gewichtung, die Entstehung und Steigerungsrate der Entstehung von Amok und Amokläufern, begünstigt, könnte dann nicht, strukturelle Vorkehrungen und Präventionsmöglichkeiten gefunden und formuliert werden?

    Welches Land hat gegenwärtig, die anteilig höchste Amokläuferrate?
    Was wissen wir aus der bisherigen Geschichte des Amok über die Zusammenhänge und Erzählungen von überlebenden Amokläufern?
    Welche Geschichten erzählen sich angehende Amokläufer in ihren Zirkeln im Dark-Net oder anderen Communities?
    Wie sehen die gemeinsamen Muster der biografische Entwicklung, Radikalisierung und Extremisierung angehender Amokläufer aus?
    Falls ja, welche unterschiedliche Typen von Amokläufer lassen sich unterscheiden?
    Gibt es gemeinsame Vorbilder und Werte, denen sie sich verbunden fühlen?
    Welche führt dazu, dass sich die Amokläuferrate in einer Gesellschaft nach oben oder unten bewegt (Nachahmereffekte)?
    Was lässt sich deshalb gegenwärtig prognostizeren?
    Und wie reagieren eigentlich diejenigen, welche sich den Schutz der eigenen Bevölkerung auf die Fahnen geschrieben haben und wie sollten sie reagieren, damit künftig günstigere Prognosen möglich wären?

    Ich habe hier nur Fragen über Fragen.

    Und was das Thema: „Entwaffnung der eigenen Bürger“ als geforderter Königsweg und Lösung anbelangt. Ja, ich bin auch dafür. Zugleich halte ich dies (allein) nicht für „die Lösung“ für das Phänomen: Amok und Amokläufe. Dias gibt es auch in Ländern mit strengeren Waffengesetzen.

  4. Gibbe halt su vile Menchen.

    Bini alt und habbe Grebs I kaufe Ballerman un mache Autobahn Stuuttgart leer….
    Schwör!!

    I.

  5. Sage sie einfach Freundnahme zumir: Gestatte: Ichdum
    (Nameshild isse falch nochvon Georgy. )

    Habbe denkt warum mache: Inne Almanya nich meine aile Famili. Famili bei Erdogan, du verstehn.

    Inne Almanya alle tode …..wie sagi …..Gerstekörner äh, Weizekörner keine Famili. Alle egaal.

    Mache Autobahn leer odr Seminarlinge in Linksblock….
    dann begrabe werdde in Türkei bei Erdogan.
    (Seminarlinke … glaubi)

  6. …und täglich grüßt der Schwachsinns-Kommentar. Mir würde echt was fehlen, wenn er eines Tages nicht mehr käme. Bitte weiter so 🙂

  7. Keine Ahnung, was das soll… Wenn es denn wenigstens witzig oder geistreich wäre. Wirkt irgendwie angestrengt. Das ist wie der Schüler oder der Kursteilnehmer, dem man eigentlich nur sagen möchte, dass er mal die Schnauze halten soll.

  8. @12 Interessant, Herr Eder, dass Sie anderen Leuten hier vorwerfen, sich an Beiträge von Fritz dranzuhängen – Sie selbst hängen sich an Georgy und seine in infantiler Sprache geschriebenen Kommentare. Sie scheinen gerne mit zweierlei Maß zu messen…

  9. @3 Solche Fragen finde ich auch wichtig, danke, Siggi. Ich habe mich immer gefragt, wie sich wohl die Angehörigen der (Atten-)täter fühlen mögen oder was passiert, wenn jemand, der anderen schlimmes Leid zugefügt hat, eines Tages aufwacht und realisiert, was er (oder sie) getan hat.
    Ich habe mal eine Klientin gehabt, für die ich rein gar nichts tun konnte. Sie hatte an ihrem 18. Geburtstag ein Auto geschenkt bekommen. Auf ihrer Geburtstagsfeier hat sie 2 oder 3 Gläser Weißwein getrunken und ist dann Auto gefahren. Es kam zu einem Unfall, ein junger Vater von zwei Kindern starb. Ich hatte vorher nie wirklich begriffen, was das Wort „Trauma“ meint: Dass der Mensch ein Erlebnis, eine Erfahrung nicht mehr verlassen kann, sondern es immer und immer wieder durchlebt. Aber sie hat es mir in einfachen Wörtern klar machen können: Sie wacht jeden Morgen auf, und für einen kurzen Moment ist alles in Ordnung, bis ihr wieder einfällt, was passiert ist. Jeden verdammten Morgen und das seit dem Morgen, als sie im Krankenhaus mit einem Schleudertrauma aufgewacht war und man ihr erzählt hat, was passiert ist. Das hat sie kaputt gemacht, und niemand konnte ihr helfen.
    Niemand war an dem ersten Morgen für sie da. Danach hat sie natürlich auch immer wieder dafür gesorgt, dass da auch später niemand wirklich sein kann. Die Schuldgefühle waren einfach zu groß.

  10. ja, danke, dass Du daran erinnerst, Gitta. In der Cyberwelt sehen wir zwar schreckliche Dinge, aber das Mit-Gefühl verkümmert.
    Nur deshalb sind übrigens auch solche Gruselkommentare wie oben @ 5 und @ 8 überhaupt möglich.

  11. Jemand beschwert sich über seine Schüler, markiert aber selbst den unerreichbaren Asozialen…

  12. Gebe gute Schrauber für alte Schuss. Klabbe Kopfe auf setze Diagnosegerät an und haue dem Nixbewussde so oft inde Nüss bis wieder laufe.
    Un alles so leise un prifat un sicher wieim Klo.

    Müsse halschon su Fachwerkstäde ……..

  13. Um dieser unsäglich -auch in banalste Geschmacklosigkeiten ausufernden „Diskussion“ einmal die Spitzen zu nehmen.
    ( auch um die @0 aufgeführten Zahlen zumindest annähernd verstehe. zu lernen)

    Die großen Fragen scheinen sich doch mittlerweile bevorzugt in Bereichen der allgemeinen Traumatologie zu bewegen. Und zwar psychisch, physisch wie auch sozial.

    Stelllt man die Fragen wie @3 Siggi (Danke!) exakt an den grenzverletzenden Beteichen -zum einen in Würdigung des Leids der Opfer und ihrer Angehörigen-, zum anderen aber auch mit Blick auf die jeweiligen Täter und deren Motive, derartige Terrorakte mit erweitertem Suicid zu begehen, dann ergeben sich je nachdem, wohin man den analytischen Fokus wendet (bevorzugt auf die Opfer und/oder auf die Täter) nicht nur völlig unterschiedliche Perspektiven zur Unterbrechung des Töter-Opfer-Schemas, sondern auch völlig anderer Ansätze des weiteren Umgangs mit dieser Thematik.

    Dann fragt sich -sofern Kooperation und Koproduktion sowohl Weg wie auch Ziel sein sollen, wie man sich zunächst einmal über die synomym verwendeten Begriffe einig werden kann, die derartig traumatisierende Ereignisse umranken.

    Die Meisten gehen im Normalfall immer noch davon aus, es gäbe nach einem -wie auch immer gearteten – Trauma jemals eine „restitutio ad integrum“.

    Und genau das ist eine völlig irreale und unhaltbare Annahme.

    Definiert man zB. ein Trauma zB als einen Akt der Grenzverletzung bzw. massive gewalttätige Störung an bzw. in einem zuvor intakten Organismus ubd/oder organisch zusammen wirkenden Verbund, dann lassen sich durchaus graduelle Unterschiede setzen, was die Bewertung derartiger Gewalteinwirkungen und ihren Folgen angeht.

    Vor allem lassen sich auf Ebene des Traumas ganz entscheidende Unterschiede zwischen Traumata infokge von Naturereignissen und „man made“ inszenierten und verursachten Traumata setzen.

    Diese Unterschiede sind nämlich ganz entscheidend, sowohl die Therapie als auch für die Prävention.

    Die These ist:
    Um „Man made“ basierte Gewalt einzudämmen, gäbe es durchaus wirksame effiziente und erprobte Mittel und Wege. Sie werden nur nicht adäquat ein- und umgesetzt bzw. auch ganz gezielt interessengeleitet torpediert.

    Der Umgang mit Traumatisierungen infolge allgemein bedrohlichen bzw. unabwendbaren Naturereignissen jedoch liegt auf einer ganz anderen Ebene und bedarf auch ganz anderer Engagements.

    Jedenfalls erscheint es wenig zielführend -auch von Systemikerseite- an den Grenzen zur Biologie mit ideologisch geprägten Begriffen zu hantieren, ohne die biophysikalisch definierten Unterschiede zwischen Physiologie und Pathophysiologie zu beleuchten. Die so -infolge Ignoranz und Arroganz- entstehenden syntaktischen „Mißgeburten“ (vgl. Heinz von Foerster) , auch ummantelt mit esoterisch basiertem Geschwafel an ausgrenzender Empörung ohne eingehendere Beschäftugung mit der Thematik erscheinen mittlerweile -vir allem in ihren moralisierenden Untertönen nur noch unerträglich.

  14. „Die Vereinigten Staaten haben ein Waffenproblem. Niemand kann das ernsthaft bestreiten. Die Zahlen sprechen für sich und müssten jeden vernünftigen Menschen zur Einsicht zwingen: Der Massenmord in Las Vegas war in der jüngeren amerikanischen Geschichte zwar beispiellos, wird in die diesjährige Statistik der Massenschießereien aber nur als Nummer 273 eingehen. 272 Mal schon kamen 2017 bei einem „Mass shooting“ mehr als vier Personen durch Schusswaffen zu Tode. Insgesamt gab es in diesem Jahr bereits 46.695 Schusswechsel mit bisher 11.686 Toten. 773 von denen wurden von Polizisten erschossen. Das sind Horrorzahlen. (…)
    [US-Präsident Donald Trump] hielt im April als erster Präsident seit Reagan eine Rede auf der Jahrestagung der mächtigen National Rifle Association (NRA): „Ihr habt einen wahren Freund im Weißen Haus.“ Dass dieser Freund ins Weiße Haus kam, daran haben die NRA und ihre gut fünf Millionen Mitglieder durchaus Anteil.
    Die Waffenlobby darf also weiter von Massenmorden wie dem in Las Vegas profitieren: Wie nach jedem mörderischen Vorfall mit vielen Toten nahm auch am Montag die Zahl der Waffenverkäufe in den Vereinigten Staaten merklich zu. Nur zum Selbstschutz! Versteht sich. Welch’ bittere Ironie.“
    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/trump-und-las-vegas-der-waffenfreund-im-weissen-haus-15229244.html

  15. @ 26: … denn irgendwann funktioniert auch die Kompensation über den Humor nicht mehr…
    Frei nach dem Motto: „Lach doch, wenn’s zum Weinen nicht reicht“.

  16. @ 0: Von den 19 Männern, die diese 18 Massaker verübten, waren
    zehn im Alter zwischen 20 und 30,
    drei im Alter zwischen 30 und 40,
    vier im Alter zwischen 40 und 50 und
    jeweils einer im Alter zwischen 50 und 60 bzw. 60 und 70.

    Frauen scheinen „Lebenskrisen“ anders zu lösen als mit Aggression, Destruktion und erweitertem Suizid. Woran liegt das?

    Stephen Paddock war geschieden und ein „einsamer Wolf“. Gibt es soziologische Studien über Massenmörder oder Soziaopathen?

    Der relativ leichte Zugang zu Waffen ist ein Katalysator, doch vermutlich nicht die Ursache für diese Reaktionsform von vereinsamten Männern.

    Was sagen die Psychiater und Diplom-Psychologen?

  17. @ 28: Mit Problemen, die durch das Konstrukt Männlichkeit entstehen, befasst sich der britische Autor Jack Urwin (* 1992 in Loughborough) in seinem jüngst in deutscher Übersetzung erschienen Buch „Boys don‘t cry“, basierend auf Statistiken, Fallbeispielen und Eigenerfahrungen. Dabei beleuchtet er Gewalt, Massenerschießungen, die in den USA zu 98 Prozent von Männern verübt werden, Diskriminierung und Vergewaltigungen als direkt schädliche Aspekte und schlechte Vater- oder Partnerschaft als indirekt schädliche Faktoren. Seine Auseinandersetzung mit Männlichkeit zeigt, dass besonders dann Probleme entstehen, wenn diese als gefährdet wahrgenommen wird. „Männer können – für andere und für sich selbst – am gefährlichsten sein, wenn sie das Gefühl haben, ihre Männlichkeit würde infrage gestellt“, so Urwin. Diesen gefährlichen und alltäglich beobachtbaren Zustand nennt er „toxische Männlichkeit“ und definiert ihn wie folgt: „übertriebenes Verhalten, das darauf abzielt, noch männlicher zu erscheinen, gewöhnlich motiviert durch Unsicherheit und im Allgemeinen weit entfernt vom positiven echten Ausdruck von Männlichkeit, die es zu imitieren sucht.“

    „Toxische Männlichkeit
    „Wäre mein Vater bereit gewesen, Hilfe anzunehmen, dann wäre er, so meine Überzeugung, nicht so früh gestorben“, schreibt Jack Urwin in seinem Buch „Boys don’t cry: Identität, Gefühle und Männlichkeit“, das jetzt auf Deutsch erschienen ist. Er setzt sich darin mit einer Idee auseinander, die er „toxische Männlichkeit“ nennt.
    Männer müssen stark und mutig sein und brauchen keine Hilfe. Eigenschaften, die laut Urwin mehr Schaden anrichten als Gutes tun. Männer begehen häufiger Selbstmord, sterben früher. 98 Prozent aller Amokläufe mit Schusswaffen in den USA werden von Männern durchgeführt. Wäre irgendeine andere gesellschaftliche Gruppe statistisch so auffällig, würde mehr darüber gesprochen werden, schreibt Urwin.“
    http://www.spiegel.de/kultur/literatur/jack-urwin-boys-don-t-cry-a-1137640.html

  18. @ 29: „Jack Urwin (…) schreibt über Männer, die in der modernen Welt ihr männliches Selbstverständnis nicht mehr aus einer gesellschaftlichen Rolle, sondern aus ihrem Verhalten gewinnen müssen, mit dem sie Mut, Stärke, Kraft demonstrieren. Und deren Unsicherheit manchmal zu etwas wird, das Urwin „toxische Männlichkeit“ nennt: eine „Überkompensation“.“
    http://www.deutschlandfunkkultur.de/jack-urwin-boys-don-t-cry-plaedoyer-fuer-ein-neues.1270.de.html?dram:article_id=380447

  19. „Insgesamt stellte die Polizei im Hotelzimmer und in zwei Häusern des Täters in Mesquite und Reno 49 Schusswaffen sicher. Hinzu kommen Tausende Schuss Munition und Sprengstoff. Vor diesem Hintergrund ist die Debatte um die nach Ansicht von Kritikern viel zu laschen amerikanischen Waffengesetze wieder voll entbrannt. Der Chef der demokratischen Minderheit im Senat, Chuck Schumer, forderte in einer Rede in der Kongresskammer „vernünftige Reformen“. Man könne das Böse oder den Wahnsinn nicht von der Erde verbannen, sagte Schumer. „Aber wir müssen tun, was in unserer Macht steht, um unser Land zu einem sichereren Ort zu machen.“

    Trump erklärte am Dienstag: „Wir werden mit der Zeit über Waffengesetze sprechen.“ Der Republikaner hatte sich in der Vergangenheit – vor seiner Bewerbung ums Präsidentenamt – für „vernünftige begrenzte“ Waffenkontrollmaßnahmen ausgesprochen. Dann schwenkte er aber um, wohl auch mit Blick auf die mächtige Waffenlobby-Organisation NRA.“

    Quelle: dpa/AFP

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/las-vegas-die-spur-fuehrt-zur-freundin-des-angreifers-15229922.html?xtor=EREC-7-%5BPolitik%5D-20171004

  20. „In Las Vegas scheint der Massenmord nun eine selbst für US-Verhältnisse neue Qualität bekommen zu haben, weil der Attentäter Stephen Paddock entweder automatische Waffen benutzte oder halb automatische Waffen so manipulierte, dass sie auf Dauerfeuer gestellt werden konnten. Alles zusammengenommen – das Dauerfeuer, die erhöhte Schussposition und die Masse von menschlichen Zielen – hatte es einem einzelnen Schützen ermöglicht, das Festivalgelände in ein kriegsähnliches Schlachtfeld zu verwandeln mit 59 Toten und mehr als 500 Verletzten.
    Kein Wunder, dass sich viele Amerikaner fragen, warum das in der Verfassung verbriefte Recht auf Waffenbesitz auch Schnellfeuergewehre einschließen sollte, deren einziges Ziel es ist, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Menschen umzubringen.
    Auch Hillary Clinton attackierte sofort den politischen Gegner. „Unsere Trauer ist nicht genug. Wir können und müssen politische Erwägungen beiseiteschieben, wir müssen aufstehen gegen die NRA“, tweetete Clinton. Und sie griff die Waffenlobby dafür an, dass sie sich für den erleichterten Erwerb von Schalldämpfern einsetzt. „Die Massen flohen, als sie den Klang von Schüssen hörten. Man muss sich nur die Zahl von Toten vor Augen führen, wenn der Schütze einen Schalldämpfer gehabt hätte, dessen Erwerb die NRA vereinfachen will.“ (…)
    Tatsächlich ist es aber die breite Basis von ganz normalen NRA-Mitgliedern und NRA-Sympathisanten, die den politischen Einfluss der Waffenlobby zementiert. Sie bringen innerhalb der Republikanischen Partei so viel Gewicht auf die Waage, dass Politiker, die die Vorwahlen überstehen wollen, gut beraten sind, sich nicht gegen die NRA zu positionieren. Und sie schüren vor Wahlen regelmäßig die Angst, dass die Demokraten den Waffenbesitz ganz verbieten würden.“
    https://www.welt.de/politik/ausland/article169291775/Eure-Feigheit-zu-handeln-kann-nicht-weissgewaschen-werden.html

  21. Rebecca Bondü: School Shootings in Deutschland. Internationaler Vergleich, Warnsignale, Risikofaktoren, Entwicklungsverläufe, Dissertation, Berlin 2012

    Hauptziele der Studie waren die Identifikation (landes-bzw. kulturspezifischer) Risikofaktoren und Warnsignale für School Shootings in Deutschland sowie die Entwicklung eines Erklärungsmodells für diese Taten. Die Erkenntnisse sollten zudem für die Ableitung gezielter und zuverlässiger Präventionsmaßnahmen genutzt werden. School Shootings weltweit wurden recherchiert, um deren Auftretenshäufigkeit sowie Tat- und Tätermerkmale bestimmen zu können. Zwischen 1966 und März 2009 fanden sich 187 Taten. School Shootings sind somit weit häufiger als bisher angenommen und es ergaben sich neue Erkenntnisse zu Tat- und Tätermerkmalen. Vergleiche zeigten signifikante Unterschiede zwischen deutschen bzw. europäischen Taten und solchen in anderen Ländern bzw. Kontinenten. Daher ist gesonderte Forschung an deutschen School Shootings erforderlich.
    Dann wurde Leaking (Tatankündigungen) der Täter als ein zentrales Warnsignal näher analysiert. Die Daten entstammten Aktenanalyen zu sieben deutschen Tätern zwischen 1999 und 2006 und wurden denen von zwei Nicht-Tätern vergleichend gegenüber gestellt. Experten wurden gebeten, die Ernsthaftigkeit der Tatankündigungen zu bewerten. Dabei zeigten sich Kriterien aus US-amerikanischen Studien wie Detailfülle oder Konsistenz als nur bedingt geeignet. Daher wurden weitere, vor allem inhaltliche Faktoren zur Bewertung der Ernsthaftigkeit von Leaking ermittelt. Dabei fanden sich Unterschiede zwischen zwei Gruppen von Tätern hinsichtlich der Merkmale und des Verlaufs von Leaking.
    Schließlich wurden für die sieben deutschen Taten durch Akten- sowie Inhaltsanalysen weitere Warnsignale, Risikofaktoren und Tatmerkmale ermittelt. Dabei zeigten sich oft große Unterschiede zwischen den Tätern; ein einheitliches Täterprofil existiert nicht. Stattdessen fanden sich auch im Hinblick auf die Tatmerkmale Unterschiede zwischen den beiden oben genannten Tätergruppen. Die Risikofaktoren unterschieden sich in einigen Bereichen zudem deutlich von denen aus US-amerikanischen Studien.
    Auf Grundlage von Faktoren, die bei allen oder einer Mehrheit von mindestens fünf Tätern zu identifizieren waren, wurde ein Erklärungs- und Entwicklungsmodell für School Shootings in Deutschland abgeleitet sowie mögliche Präventionsmaßnahmen beschrieben.

    http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000011902/Bondue_Dissertation_SchoolShootings_vollstaendig_fin.pdf?hosts=

  22. @ 28: „Dass die Hälfte aller Frauen von ihren Lebenspartnern umgebracht wurde, wundert mich hingegen nicht. Denn warum sollte man jemand Fremden umbringen?“
    Fritz B. Simon, 6. Juni 2012

    „(…) Dabei sind die Frauen, so könnte man die Statistik interpretieren, eigentlich ziemlich gut darin, andere Menschen umzubringen: Der Anteil der von ihnen insgesamt verübten Gewaltverbrechen beträgt zwar, über Kulturen und Zeitepochen hinweg ziemlich stabil, bloß ungefähr zehn Prozent. Ihr Anteil an „erfolgreich“ zu Ende gebrachten Tötungen hingegen satte zwanzig Prozent.
    Das ist eine der Zahlen, die man aus diesem Band erfährt. Er versammelt Beiträge einer interdisziplinären Tagung Ende 2011 zum Thema „Mörderinnen: Verbrechen – Körper – Inszenierung“ an der Uni Siegen. Die unterschiedlich interessanten Texte beschäftigen sich mit allen möglichen Darstellungen von Mörderinnen, von Amazonen über Kindsmörderinnen à la Gretchen bis hin zu Bette Davis als schwestermordender „Baby Jane“ oder einer grandios metzelnden Lady Snowblood.

    Deutlich wird, dass es nicht nur Unterschiede darin gibt, wie Mörderinnen und Mörder wahrgenommen werden, sondern auch darin, wie sie handeln: Frauen töten – anders als Männer – fast ausschließlich in ihrem privaten Umfeld. Fast immer ist ihr Opfer der Ehemann oder Beziehungspartner, ansonsten ihre eigenen Kinder (wobei die Juristenterminologie unterscheidet zwischen „Neonatizid“ und „Infantizid“, wieder was gelernt) oder, an dritter Stelle, ihnen anvertraute Menschen wie etwa im Fall von Pflegerinnen, die ihre Patient_innen umbringen. So gut wie nie töten Frauen Fremde, oder aus Habgier, oder weil sie andere dominieren möchten. Das fast einzige Motiv tötender Frauen ist, dass sie sich aus belastenden Beziehungsstrukturen befreien möchten.“

    https://antjeschrupp.com/2014/01/21/morderinnen/

  23. @ 35: Frauen töten selten – viel seltener als Männer. Doch sie werden dafür oft härter bestraft als Männer. Rechtsanwältin Dr. jur. Susanne Benöhr-Laqueur schrieb 2014 in ihrem Essay „Mörderinnen – zwischen Fiktion und Wirklichkeit“ über den Sammelband „Mörderinnen. Künstlerische und mediale Inszenierung weiblicher Verbrechen“, dieser basiere auf Vorträgen einer interdisziplinären Tagung zum Thema „Mörderinnen; Verbrechen – Körper – Inszenierung“, die vom 13. bis zum 14. Oktober 2011 an der Universität Siegen stattfand: „Obwohl seit der Tagung mittlerweile fast drei Jahre vergangen sind, lässt der Buchtitel aufmerken, denn das Thema ist hochaktuell. Die Bundesregierung plant momentan eine Novellierung von § 211 Absatz 2 Strafgesetzbuch (StGB). Das ist der Paragraph im deutschen Strafrecht, der den Mordtatbestand normiert. Als reformbedürftig aus frauenpolitischer Sicht wird besonders der Tatbestand der Heimtücke betrachtet.
    1. Schwache töten heimtückisch
    § 211 Absatz 2 StGB lautet wie folgt: Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet. Heimtückisch tötet, wer die Arglosigkeit und die gerade infolge der Arglosigkeit vorhandene Wehrlosigkeit des Angegriffenen bewusst zur Begehung der Tat ausnutzt. Erst recht ist das der Fall, wenn dabei ein besonderes Vertrauensverhältnis missbraucht wird. Vielen Frauen wurde dieser Tatbestand zum Verhängnis. Aufgrund ihrer körperlichen Unterlegenheit scheuten Täterinnen verständlicherweise den offenen Schlagabtausch. Sie warteten solange, bis ihr Opfer „arg- und wehrlos“ war, um die Tat zu begehen. Ein prägnantes Beispiel bieten in diesem Zusammenhang die sogenannten „Haustyrannenfälle“: Ein Mann prügelt und vergewaltigt seine Frau über Jahre. Würgt er sie einer Tages im Wutanfall zu Tode, so hätte er gute Chancen, nur als Totschläger und nicht als Mörder verurteilt zu werden. Die Höchststrafe würde in einem solchen Falle zwölf Jahre betragen. Die Frau hingegen, die nach jahrelangem Martyrium dem „Tyrannen“ heimlich Gift in das Essen mischt, müsste eigentlich als Mörderin verurteilt werden. Dieser Mord geschah aus Heimtücke. Die Frau hätte eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verbüßen. Novellierungsgegner argumentieren hingegen, dass der Tatbestand der Heimtücke seine Berechtigung habe. So handelten Kindermörderinnen, also Frauen, die ihre eigenen Kinder z.B. im Schlaf töten, heimtückisch. Sie nutzten geschickt die „Arg- und Wehrlosigkeit“ ihrer Opfer.
    2. Doppelte Verurteilung
    Die Herausgeberinnen des Sammelbandes vertreten offenbar die These, dass Frauen ein zweites Mal verurteilt werden. Nicht nur die Strafjustiz sanktioniere das Verbrechen, sondern zudem würden Medien und Kunst die Mörderin in Szene setzen. Gemäß dem Buchtitel „Mörderinnen. Künstlerische und mediale Inszenierung weiblicher Verbrechen“, beinhalten Inszenierungen nämlich das (gekonnte) Arrangement, die Darbietung und nicht zuletzt eine manipulierte Zurschaustellung. Weibliche Verbrechen werden daher nicht alleine als Normverletzung in ethischer, juristischer und humanitärer Hinsicht wahrgenommen, sondern auch und vor allem als Verstöße gegen die Gendernormen (S. 11). So seien Frauen lange Zeit nur als Opfer betrachtet worden, während die Täterin ausgeblendet wurde (S. 11). Zwar würden in der Forschung die wirklichen und fiktiven Mörderinnen und deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit untersucht werden, hingegen seien die vergleichenden Perspektiven bisher kaum erforscht worden (S. 12). Hier ergeben sich bezüglich der aktuellen Gesetzesnovelle ausgesprochen interessante Interaktionen und Fragestellungen, denen es lohnt nachzugehen. Ausgehend von der Prämisse, dass der Tatbestand des § 211 Absatz 2 StGB Frauen diskriminiert, mordende Frauen medial inszeniert werden und die Fiktion von mordenden Frauen die Realität beeinflusst und umgekehrt, soll das vorliegende Werk auf seine Praxistauglichkeit im Hinblick auf die geplante Novellierung überprüft werden.
    3. Juristen? Fehlanzeige!
    Der Sammelband umfasst vierzehn Artikel plus Einleitung und Kurzbiographien. Der Hauptteil beginnt mit vier Analysen zu Mordszenarien in der Literatur (S. 51-160), im Anschluss daran widmen sich drei Berichte den „Weiblichen Verbrechen im Film“ (S. 161-234), dem folgen zwei Abhandlungen mit der Thematik „Mörderinnen in der Oper“ (S. 235-290), den Schluss bilden vier Untersuchungen zu (Kinds-) Mörderinnen und Massenmedien (S. 291-364). Zudem finden sich im Einleitungsteil zwei Berichte mit den Titeln Vorspann I (S. 17-38) und Vorspann II (S. 39-50). Im Beitrag Vorspann I (S. 17-38) vermittelt ein Kriminalkommissar u.a. anhand der Kriminalstatistik einen (empirischen) Überblick über die von Frauen begangenen Morde (S. 23, 24, 31). Um es vorweg zu nehmen: Wenn Frauen töten, dann ist dies ein seltenes Ereignis (S. 35). Daran anknüpfend untersucht der Artikel Vorspann II (S. 39-50) den historischen Fall der Vatermörderin Violette Nozière. Hervorzuheben ist, dass in dem interdisziplinären Sammelband mehr als zehn Fachrichtungen – von der Germanistik über die Slawistik bis zur Soziologie und Musikwissenschaft – vertreten sind. Indes hat kein Jurist mitgewirkt. Hier wurde eine Chance vertan, wie zu zeigen sein wird.
    4. „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“
    Der Satz Goethes erweist sich für den vorliegenden Sammelband als zutreffend. Zu bemängeln ist zunächst, dass verkannt wurde, dass der Heimtücketatbestand als verbindendes Element zwischen Gatten-Gift-Kinds- und Serienmörderinnen fungiert. Darüber hinaus fehlt es an einer interdisziplinären Fragestellung. Weil dies der Fall ist, schreiben die diversen Autoren mehr oder weniger ambitionierte Artikel über den Forschungsstand ihrer Fachdisziplinen. Dabei ergäben sich diverse Forschungsansätze: Wie beeinflussen reale – von Frauen verübte Morde – die Fiktion? Findet man bei Mörderinnen Hinweise auf fiktionale Tatelemente, d.h. gab es mediale Vorbilder? Existieren diesbezüglich Parallelen zu mordenden Männern? Wie werden Anstifterinnen und Helferinnen in Fiktion und Wirklichkeit dargestellt? Ist die literarische, musikalische und filmische Fiktion nicht mittlerweile der Realität von Playstations und des Internets gewichen? Nutzen Frauen wirklich die „Arg- und Wehrlosigkeit“ ihrer Opfer? Und letztendlich wäre zu fragen, ob und welche Auswirkungen gerade das Tatbestandselement der Heimtücke für die mediale Inszenierung beinhaltet? Leider werden diese Aspekte nicht aufgegriffen. Dabei durchzieht die Frage der Heimtücke latent eine Reihe von Artikeln. So bekennt Stephan Harbot in seinem Beitrag Vorspann I (S. 18), dass wir wenig über Täterinnen wissen, diese uns mit ihren regelmäßig unerwarteten Taten irritieren, bisweilen sogar verstören. Eben deshalb seien diese Frauen besonders interessant (S. 18). Nicht anders erging es Goethe. Wie Hyunseon Lee in ihrem Artikel „Vor Gericht, Kindsmord in Sturm und Drang“ darstellt (S. 89-110), befürwortete der Jurist Goethe die Todesstrafe für eine Frau, die ihr soeben geborenes Kind tötet (S. 90, 91). Als Dichter zeigte er hingegen Verständnis für die Geschichte und die Situation einer unehelichen Mutter (S. 90, 91). Eine sehr interessante Sicht der Dinge vermitteln auch Peter Hiess und Christian Lunzer, wenn sie in ihrem Beitrag „Erst die Kinder, nur zur Qual“: Der Fall Monika Weimar ( S. 291-304) schreiben, dass die letztinstanzlich wegen zweifachen Kindermordes verurteilte Monika Weimar versucht habe, der Enge der Provinz und den Zwängen einer unerträglichen ehelichen Beziehung mit Hilfe eines Geliebten zu entkommen, und dabei etwas getan habe „was sich garantiert schon Tausende andere Frauen ausgemalt haben“ (S. 291). Frauen wird somit nicht nur ein sehr großes kriminelles Potential zugeschrieben, vielmehr scheint Heimtücke zum Kristallisationspunkt männlicher Urängste zu avancieren. Die Vorstellung, dass das „schwache Geschlecht“ planvoll überlegt einen günstigen Moment die „Arg- und Wehrlosigkeit“ ausnutzt, um noch dazu die Tat aus sexuellen Motiven zu begehen, erscheint demnach faszinierend und abschreckend zugleich. Dabei weist Ruth Neubauer-Petzoldt in ihrem Beitrag Ist ein weiblicher Hannibal Lecter denkbar (S. 161-196), zu Recht darauf hin, dass Kindes- Serien- und Giftmörderinnen sehr selten anzutreffen sind (S. 165, 191). Spiegelt der Heimtücketatbestand damit letztlich verletzte männliche Eitelkeit wieder? Ruth Neubauer-Petzoldt schreibt, dass die Beobachter von mörderischen Frauen überrascht feststellen, wie „normal“ diese aussehen würden (S. 180). Weder seien sie überdurchschnittlich attraktiv noch besonders hässlich. Dies habe zur Folge, dass Männer sich umso stärker getäuscht fühlen würden, wenn die Vision einer mordenden „Femme Fatale“ sich nicht bewahrheitet (S. 180).
    5. Judith, die Starke – Gretchen, die Schwache
    Schwache Frauen morden heimtückisch – starke Frauen aus vermeintlich hehren Motiven. Seit Jahrhunderten beherrscht dieses Klischee die mediale und künstlerische Inszenierung. So enthauptet Judith den schlafenden Feldherren Holofernes zwar heimtückisch aber aus Liebe zu ihrem eigenen Volk. Heinz Peter Preußer weist in seinem Beitrag Heroinen, Giftmischerinnen und verzweifelte Liebende. Eine kleine Typologie mordender Frauen in Literatur und Film von der Antike bis zur Gegenwart (S. 51-88) darauf hin, dass im Muster der großen Kriegerinnen des gegenwärtigen Mainstreamkinos diese Figuren wieder aufleben (S. 60). Treten zudem Motive wie Rache und Verteidigung für das eigene Kind hinzu, dann werden „Weiber zu Hyänen“ (S. 62). Dergleichen geschah im Jahre 1981. Marianne Bachmeier erschoss hinterrücks – und damit heimtückisch – den mutmaßlichen Vergewaltiger und Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal. Während die Staatsanwaltschaft sie zunächst wegen Mordes aus Heimtücke anklagte, ließ sie diesen Vorwurf im Laufe des Prozesses fallen. „Mutter Bachmeier“, wie die Presse sie nannte, wurde „nur“ wegen Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt. Rangieren Frauen wie Judith oder Marianne Bachmeier im medialen Diskurs als Heldinnen, so haben Kindermörderinnen wie Gretchen oder Monika Weimar kein Mitleid zu erwarten. Sie sind die Prototypen einer negativen Inszenierung, denn hier trifft Heimtücke auf die gängige Sexualmoral.
    6. Blackbox: Terroristin als Täterin und Helferin
    Völlig unbeachtet blieb die Frage, inwieweit Terroristinnen eine künstlerische und mediale Inszenierung erfahren. Spätestens seit den Prozessen gegen Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin in den 1970er-Jahren ist diese Thematik aktuell. Die Aufarbeitung des „Baader-Meinhof-Komplexes“ in diversen Spiel-und Dokumentarfilmen sowie in literarischer Hinsicht ist überaus umfangreich. Eine Analyse wäre wünschenswert gewesen – zumal sich ein zweites Problemfeld eröffnet. Wie sind die Tatbeiträge von Frauen zu beurteilen, die zur Tat anstiften bzw. Hilfe leisten? Bedauerlicherweise ist der gesamte Bereich von „Täterschaft und Teilnahme“ in dem Sammelband unbeachtet geblieben. Dabei eröffnet sich gerade an diesem Punkt ein völlig neues Forschungsfeld.
    7. Fazit
    Angesichts der geplanten Novellierung von § 211 Absatz 2 StGB ist das Werk zu empfehlen, wobei aber die Artikel selektiv gelesen werden sollten. Erkenntnisgewinne in puncto Medien vermittelt das gesamte Kapitel (Kinds-) Mörderinnen und Massenmedien (S. 291-364). In rechtshistorischer Hinsicht überzeugen die die Artikel Heroinen, Giftmischerinnen und verzweifelte Liebende (S. 51-88) und „Vor Gericht. Kindsmord im Sturm und Drang“ und Heinrich Leopold Wagners Drama „Die Kindermörderin“ (1776) (S. 89-110). Der Abschnitt „Undoing Men? Mörderinnen in der Oper“ (S. 235-290) hat hingegen den Charakter einer Miszelle. Negativ anzumerken bleibt, dass noch nicht einmal der Versuch unternommen wurde, das hochaktuelle und spannende Thema mit Hilfe eines Juristen zu ergründen.“

  24. „Von der Polizei werden in den USA Jahr für Jahr rund 55 000 Schießereien zu Protokoll genommen. Auf keinem Schlachtfeld der Welt wurden in den vergangenen 15 Jahren so viele Amerikaner erschossen wie in den eigenen Städten. Zwischen 2001 und 2016 sind in den USA mehr Menschen durch Schusswaffen getötet worden als durch Aids, Drogenmissbrauch, Krieg und Terror zusammen. Von 2001 bis 2015 kamen im Kampf gegen den Terror von Afghanistan bis Irak 7000 amerikanische Soldaten ums Leben, rund 3400 US-Bürger wurden bei Terrorakten im In- und Ausland getötet (allein 2970 am 11. September 2001). Im gleichen Zeitraum gab es 156 000 Tote durch Schusswaffengebrauch in den USA. Jahr für Jahr werden mehr als 11 000 Menschen in den amerikanischen Städten erschossen; mit leicht rückläufiger Tendenz.“
    (Autor: Michael Kotsch)

    Hab jetzt die Zahlen nicht nachgeprüft. Um was es mir geht, ist eher, dass die laxe Gesetzgebung, den Verdacht nahelegt, dass die Waffenlobbyisten auch einen Bürgerkrieg in Kauf nehmen würden, nur um des Profites willen. Vor annähernd fünf Jahren Jahren wollte Obama die Waffengesetze einst verschärfen und die NRA hat damals schon den „Kampf des Jahrhunderts“ ausgerufen.

    http://www.deutschlandfunkkultur.de/droht-den-usa-ein-neuer-buergerkrieg.954.de.html?dram:article_id=234573

    Dass sich ein Volk sich diesem (fast schon selbstmörderischen) Risiko aussetzt und es nicht schafft, der Geldgier Weniger, durch „Selbstentwaffnung“ einen Riegel vorzuschieben, finde ich eine selbstentlarvende Dummheit ohnegleichen.

    Nun weiter, die Hände in Unschuld waschen wollen und Sündenböcke suchen, wird mit jedem „Mass shooting“ gleichwohl immer schwieriger werden. Lässt sich denn die NRA nicht verklagen und durch Entschädigungsklagen eines jeden geschädigten Schusswaffenopfers in den Ruin treiben? Die US-Amerikaner prozessieren doch sonst wegen jeder Kleinigkeit. Ich versteh diese pseudomaskuline Cowboymentalität einfach nicht.

  25. @ 37: Sicherlich wäre das Leben in den USA sicherer, wenn die Bevölkerung ihr Sicherheitsbedürfnis nicht durch Waffenbesitz kompensieren würde.
    Doch das Land mit dem zweithöchsten Waffenaufkommen pro Einwohner – die Schweiz – , in dem es nicht diese zahlreichen Todesopfer zu beklagen gibt, zeigt, dass es nicht primär am Waffenbesitz, sondern an der Mentalität der Waffenbesitzer liegt, wenn es zu Mass Shootings kommt.
    Die amerikanische Cowboy-Attitüde der Wild-West-Filme illustriert die nervöse Aggressivität, die sich als permanente Verteidigungsbereitschaft ausgibt – früher gegen die „Rothäute“, heute gegen die „Neger“ oder, wie bei vielen Amokläufen, gegen alle Anderen.
    In der Schweiz herrscht dagegen weiterhin eine heimelige Heidi-Gemütlichkeit.

  26. @38 Ja, die Erzählungen der Entstehung, Verteidigung und Wertschätzung (Weitergabe) „Identität stiftender Grundwerte“ im Vergleich der Schweiz und den USA sind verschieden.

    Die Veränderung von Erzählungen und Erzählweisen, als generationsübergreifende Bildungsaufgabe ist sicher ein paralleler Schienenstrang der Kulturstiftung, neben angemessener Gesetzgebung, welche die Verantwortlichkeiten verteilt und deren Überwachung, bzw. Sanktionierung bei Nicht-Einhaltung.

    Ich sag es mal ganz einfach, wie es auch Kindern schon einleuchtet:
    „Feuer, Schere, Messer, Licht sind für Unmündige (und solche die es werden) nicht.“

    Solche Sinn- und Vernunfteinsichten stehen doch über allen Fragen nach Unterschieden in den „Mentalitäten“.

    Mir scheinten unzulässige Trivialisierungen und Banalisierungen nicht weiter zu helfen, da die Verantwortlichkeit immer dorthin gehört und angemahnt werden soll, wer prinzipiell in der Lage ist, sie zu übernehmen.

    Solange die NRA nicht in der Lage ist intelligente Waffen zu bauen, die ihren Dienst verweigern, sobald diese von unmündigen, unverantwortlichen und unauthorisierten Personen bedient werden um sich Selbst und anderen zu schaden, braucht es die Krücken der Gesetzgebung, durch welche die Hersteller mitverantwortlich gemacht werden für Missbräuche. Alles andere sind für mich Ausreden.

  27. @ 39: „intelligente Waffen (…), die ihren Dienst verweigern, sobald diese von unmündigen, unverantwortlichen und unauthorisierten Personen bedient werden, um sich selbst und anderen zu schaden“

    Solche Waffen, die ihren korrekten Dienst verweigern, soll es in der deutschen Bundeswehr geben…

  28. Ich sehe im Verhalten vieler Amerikaner noch viel Wild-West-Romantik. Eine Waffe bietet ja keinen Schutz, sondern ermöglicht unter günstigen Umständen, ja nur die Möglichkeit jemanden anderes umzubringen bevor der andere sein Werk vollendet.
    Von Schütz würde ich sprechen, wenn kugelsichere Westen ähnlich populär wären wie Schusswaffen – insofern scheint es mir eine tödliche Verwechslung vorzuliegen.

  29. @ 41: Die Amis nennen das „freedom“ – die Freiheit zur Selbstverteidigung bis aufs Blut. Je größer und vernichtender meine Waffe, desto größer und stärker bin ich.

    In Deutschland zeigt sich eine ähnliche Mentalität bei Verfolgungsfahrten von SUV-Panzern auf der Autobahn. In diesen Schlachtkarossen fühlt sich selbst das schwächste Ich bärenstark und fast allmächtig.

  30. @37-@42 … stellt sich angesichts der allgegenwärtigen Ausbrüche an Gewalttätigkeiten nicht irgendwann die Frage:

    Wo beginnt und wo endet eigentlich das Recht auf Selbstverteidigung?
    Wie definiert sich eigentlich dieses imaginierte Recht, im forensischen und/oder im politisch-völkerrechtlichen und privat wie politisch strafrechtlichen Zusammenhang?

    Wer definiert und verankert dieses Recht?
    Verfassungskonform?
    … in einem demokratischen Rechtsstaat

    Aber auch in Unrechts-Staaten?

  31. @ 48: Ich sehe mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.
    Im Vordergrund steht das subjektive Empfinden von Recht und Gerechtigkeit: Amokläufer fühlen sich ungerecht behandelt, weshalb sie sich das Recht (das dadurch zu Unrecht wird) nehmen, sich zu rächen.
    Politisch bzw. religiös motivierte Attentäter fühlen sich und andere ungerecht behandelt, weshalb sie sich das Recht (das dadurch zu Unrecht wird) nehmen, sich und andere zu rächen.
    Die leidenden Objekte dieser (subjektiv gerechtfertigten) Rache sind manchmal zielgerichtet ausgewählt (z. B. bei Schulmassakern), oft aber auch unter dem Aspekt des größtmöglichen Schadens (Besucher von Konzerten und Ferienlagern sowie Bahnhöfen, Hochhäusern und Einkaufszentren).

  32. @41 Ja.

    Die Aussage: „Waffen töten“ erscheint mir in etwa so „intelligent“, wie die Aussage: „Löffel verursachen Fettleibigkeit“.

  33. Massenmörder Stephen Paddock lebte seine letzten Lebenstage vielleicht nach dem apokalyptischen „Künstler“-Motto: „It’s better to burn out than to fade away“ (Neil Young in „Hey Hey, My My (Into the Black)“, dessen Textzeile Kurt Cobain in seinem Abschiedsbrief zitierte):

    „In den Wochen vor dem Anschlag in Las Vegas soll der Schütze Stephen Paddock mindestens 160.000 Dollar bei Glückspielen in den Casinos der Wüstenstadt gesetzt haben. Die Ermittler stießen auf 16 Überweisungsberichte, die das amerikanische Finanzministerium bei Bargeldtransaktionen in Spielcasinos mit Beträgen über 10.000 Dollar verlangt. Da Paddock oft hohe Summen setzte, soll er bei „Caesars Entertainment“ als „Spieler der höchsten Kategorie“ geführt worden sein. Wie NBC meldete, durfte er unentgeltlich übernachten, essen und trinken. Auch die Suite im 32. Stock des Hotels Mandalay Bay, aus der Paddock am Sonntag 58 Besucher eines Musikfestivals erschoss und etwa 480 weitere Personen verletzte, nutzte er unentgeltlich. „Er war ein ernsthafter [=exzessiver] Spieler, der sein Geld mit Glücksspiel verdiente“, sagte sein Bruder Eric Paddock. Zu den bevorzugten Spielen zählte Videopoker, das die meisten Casinos in Las Vegas an Automaten anbieten. Nach ersten Schätzungen verdiente Paddock durch das Glückspiel mehrere Millionen Dollar. Für sein Haus in Mesquite etwa 120 Kilometer nördlich der Spielerstadt soll er die knapp 400.000 Dollar bar bezahlt haben. […] Marilou Danley, die Lebensgefährtin des Schützen, berichtete den Ermittlern des FBI von Albträumen, die den Vierundsechzigjährigen immer wieder aus dem Schlaf rissen. (ceh.)“
    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/ein-pokerexperte-ueber-den-attentaeter-von-las-vegas-15234255.html

  34. War der Todesschütze Mathematiker? Was für ein Quatsch!
    „Die Polizei hat im Hotelzimmer des Las-Vegas-Attentäters einen Zettel mit Zahlenreihen entdeckt. (…) einem Fernsehbericht zufolge Berechnungen zur Zielgenauigkeit der abzugebenden Schüsse (…) Paddock habe die Distanz niedergeschrieben, die Erhöhung, von der aus er seine Schüsse abgab, sowie den zu erwartenden Spannungsabfall der Kugeln in der Menschenmenge. „Er hatte das niedergeschrieben und berechnet, sodass er wissen würde, wohin er schießen soll, um seine Ziele zu treffen“
    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/las-vegas-ermittler-loesen-raetsel-um-notiz-des-attentaeters-15236497.html

Kommentare sind geschlossen.