55 Gedanken zu “Mathematik in den Sozialwissenschaften

  1. Das ist das Ergebnis, gewonnen mit Hilfe der „rasenden Vernunft“, welches sich der Mathematik in der Sozialwissenschaft bedient… 😉

  2. Genial!
    Der Satz des Fritz: a3 – b4 = -c1.
    Das ist der eindeutige Beweis, dass die Systemtheorie eine exakte Wissenschaft ist.

  3. Wenn vier Menschen aus einem Raum gehen, in dem drei Menschen waren, entsteht Antimaterie mit dem Volumen eines Menschen. Diese verbindet sich mit der Materie und setzt so viel Energie frei, dass der Raum explodiert.

    So ähnlich verhält es sich wohl mit dem demografischen Wandel in Deutschland bzw. beim armen „Volk ohne Raum“ (zumindest nach Ansicht von Lothar Eder und Georgy).

  4. @ 6: Noch fieser (nach Georgy Logik): Wenn 3 Leute in einem Raum sind, und 4 Leute ihn verlassen, dann haben die beiden Algerier der Deutschen ein Kind gemacht.

  5. Bin mit dem Spruch meines Vaters groß geworden:
    Wer 2 Hosen hat, gibt dem 1ne ab, der nur 1ne hat, damit der auch 2 hat“

  6. „99 Brötchen, bitte.“
    „Dürfen es auch 100 sein?“
    „Sind Sie verrückt? Wer soll die denn alle essen?“

  7. tja , so ist das … laßt Euch bloß nicht auf Systemiker ein, … es könnte unversehens
    wunderbar werden 🙂

  8. Sozialwissenschaftler, lieber Fritz, rechnen nicht nur mit Leuten, sondern auch mit Bindungen, festen (-1) und lockeren (+1). In unserem Fall: Solidarität (= ±1), erst mit der Gruppe, dann mit dem Raum. Dann geht die Rechnung auf.

  9. @ 14: „Bindungen, festen (-1) und lockeren (+1). In unserem Fall: Solidarität (= ±1)“

    Das leuchtet mir ein. Der Soziologe Oliver Nachtwey kritisiert in seinem Buch „Abstiegsgesellschaft. Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne“ die „radikalisierte Chancengleichheit“ in der „prekären Vollerwerbsgesellschaft“: Gerechtigkeit bedeute nämlich längst nicht mehr „den Ausgleich vertikaler Ungleichheiten als vielmehr in erster Linie die Verringerung horizontaler Diskriminierungen entlang kultureller Merkmale. Die Schlüsselbegriffe dieses Gerechtigkeitsdiskurses sind nicht mehr soziale Ungleichheit und Ausbeutung, sondern Gleichberechtigung und Identität.“ Natürlich sei gegen z.B. den gleichberechtigten Zugang von Frauen zu Führungspositionen nichts zu sagen, doch verschärfe sich das Problem in der Vertikalen: „Auch in einem formal chancengleichen System bleiben die Aussichten für die Kinder reicher und gebildeter Eltern am Ende besser. Über Seilschaften und Startvorteile können Privilegien unsichtbar vererbt werden“, und Bourdieus feine Unterschiede sorgen dafür, dass oben meist wieder nur „die Kinder der Eliten“ landen.
    Chancengleichheit sei „das Gerechtigkeitsprinzip einer individualisierten Gesellschaft, denn mit ihr werden Autonomie, Eigenverantwortung und Selbstverwirklichung radikalisiert, die Konkurrenz der Individuen innerhalb und zwischen den Gruppen wird erhöht, und schließlich werden soziale und solidarische Bindungen untergraben“ – mit dem heiklen (auch von Franz Walter schon notierten) sozialpsychologischen Effekt, dass die Dummen, die ihre Chance nicht genutzt haben, nicht mehr auf die Idee kommen, jemand anderes als sie selbst könnte am eigenen Scheitern schuld sein. „Kurzum: Je mehr eine Gesellschaft auf Chancengleichheit setzt, desto ungleicher wird sie, und desto legitimer werden die Ungleichheiten. Zwar wird die Gültigkeit des Leistungsprinzips immer weiter abgeschwächt, doch haben weiterhin alle die (vermeintlich) gleichen Chancen: Die Verlierer sind dadurch die verdienten Verlierer und die Gewinner die verdienten Gewinner.“

  10. @ 14 (Dirk Baecker). Wie bei Ihnen üblich markieren Sie hier in sparsamen Worten einen hoch komplexen Zusammenhang, sodass beim Rezipienten (fruchtbare) Fragen auftauchen.
    Ich versuche das mal in meine Sprache zu übersetzen. „Feste Bindung“ – das wäre für mich die Gedächtnis-Funktion; und „lockere Bindung“ wäre die mimetische oder Aufmerksamkeits-Funktion.
    Unter „Raum“ würde ich den polykontexturalen Raum verstehen, der die Kommunikation in einer Kultur von Beobachtern denkbar und möglich macht.
    Aber was heißt dann -1 / +1 ?

  11. Otty Baume einst zu Otto Hahn: Ich frage mich, meine liebe Otto, immer wieder nach dem Verhältnis von Physik und Psychologie: Stell dir vor, du bist ein Elementarteilchen, und dann kommt jemand wie du und spaltet dich. Jetzt stell dir vor, du bist eine Psyche, oder eine Persönlichkeit, und es kommt jemand und spaltet dich – oder auch du dich selber. Und stell dir jetzt vor, du wolltest das integrieren.

  12. @ 14 / 16
    vermutlich verweisen Sie damit auf die paradoxe Gleichung x(zum Quadrat) = -1.
    aber dann bleibt mir die Brücke zwischen Mathematik und der Autopoiesis sozialer bzw. psychischer Systeme ein Rätsel.

  13. @16 +/- 1 ist keine Zahl, sondern ein Operator (Conway spricht, habe ich gerade gelernt, von „surrealen“ Zahlen), das heißt in unserem Fahl von einem Kontext- und Bewertungswechsler. „Surreal“ ist dabei der Bruch zwischen den Realitäten, oder?

  14. „Ho – sagt einer; neulich habe ich in ein mathematisches Lehrbuch geschaut und ganz fürchterliche Bildungen gesehen, so etwa x
    x(1) + x(2) + …….x(n) = y.
    Ja – und ?
    Wo ist dabei der Schrecken ?
    Die Bedeutung der Zeichen + und = haben wir ja schließkich alle in der Schule gelernt.
    Und so kleine ,Indices‘, Unterscheidungszahlen, an den x(n) ?
    Bitte: in meiner Schulklasse gab es zwei Leute mit Namen Laternser, und sie hießen allgemein Laternser I und Laternser II.
    Irgendwie mußte man sie ja unterscheiden können, so gab man ihnen denn
    Indizes, Nummern, die zur Unterscheidung dienten.
    Wir werden im Laufe des Buches nach ,Determinanten‘ und ,Matrizen‘ kennenlernen,
    Zahlenanordnungen von der Form:
    a(11) a(12) a(13) . . . . .
    a(21) a(22) a(23) . . . . .
    a(31) a(32) a(33) . . . . .

  15. „Die Systemtheorie ist ein rein formaler Ansatz, durch den erklärt werden kann, wie sich Formen durch Innen-außen-Unterscheidungen bilden, wie sich die so gebildeten Einheiten in Beziehung setzen (lassen) und zu Strukturen formen (lassen), welchen Gesetzmäßigkeiten Transformationen folgen usw. Sie liefert eine formalen Rahmen, ist daher inhaltsleer und in dieser Hinsicht mit der Mathematik vergleichbar. (…)
    Der epistemologische Irrtum, welcher z.B. der Unterscheidung bzw. Bewertung „systemische Beratung“ vs. „lösungsorientierte Beratung“ zugrunde liegt, ist analog zu: Die Grundrechenarten sind nicht mehr up-to-date, angesagt ist jetzt die Multiplikation! Oder besser noch: Die Grundrechenarten sind out, in ist heutzutage 6 x 9!“
    Fritz B. Simon am 2. April 2015 in https://www.carl-auer.de/blogs/kehrwoche/systemische-beratung-vs-agile-loesungsorientierte-desing-thinking-etc-methoden/

  16. Zielt Ihre These (@ 0) auf eine Kritik an der logisch-mathematisch-kybernetischen Fundierung der Systemtheorie, insbesondere bei der Anwendung auf sozialwissenschaftliche Themen, die mit Mathematik allein nicht hinreichend behandelt werden können? Im Sinne des Bonmots „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“ https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_gefl%C3%BCgelter_Worte/T#Traue_keiner_Statistik.2C_die_du_nicht_selbst_gef.C3.A4lscht_hast.

  17. @ FBS: Was halten Sie von folgendem Konkretisierungs-(und Interpretations-)-Versuch zu Ihrer Methodenfrage?

    These: Die widersprüchliche Struktur der gegenwärtigen Gesellschaft entzieht sich logisch-stringenten Beschreibungen und mathematisch-exakten Deutungen (im Sinne von eindeutigen Lösungen).

    Das zeigt sich beispielsweise in zwei Bereichen der Sozialwissenschaften im weiteren Sinne (unter anderem Soziologie, Ökonomie, Psychologie, Philosophie, Jura etc.), und zwar erstens bei der Wahl- und Wählerforschung, die in jüngster Vergangenheit zweimal (zwar bloß knapp, aber doch krass) daneben lag: bei Brexit und Trump; und zweitens bei den Analysen von Börsenkursen, die sowohl quantitativ (technische Analyse) als auch qualitativ (Fundamentalanalyse) keine Prognosen (und darin bewahrheiten sich solche Analysen) liefern können, die längerfristig im Durchschnitt zu mehr als 60 Prozent zutreffen würden.

  18. Wenn 3 Rollen in einer Organisation beschrieben sind (damit sie funktioniert), die Organisation jedoch 4 Menschen entlässt, dann muss da 1 „Fehlstelle“ gewesen oder irgendwie 1 Leerstelle entstanden sein – z.B. Manager oder Minister „ohne Portefeuille“. Auch wenn diese Bilanz stimmt, ist diese Orga dann am Ende …

  19. @17&18: Und es geht immer um Bindung und Bindungsenergie …
    Integration bindet Energie und durch „Organisation“, verstanden als Phänomen, wird sie – oder macht sie sich – „anders“ handhabbar; ein nachhaltiger Unterschied hat sich formiert: ein System …

  20. @ 27: Ist die Integration von Physik und Psychologie wirklich so einfach?

    Ich dachte eher an eine metaphorische Integration durch die Mehrdeutigkeit des Begriffs „Energie“.

    In der Psychologie gab es bereits Einwände gegen die Verwendung des „mechanistischen“ Verständnisses der Psyche nach dem Modell der Physik, wie es vor allem in Freuds Triebtheorie aufscheint – ob trifftig oder nicht, mögen die hier mitarbeitenden Psycho-Experten klären.

  21. @19 Wurzel aus -1 halte ich nicht für „paradox“, sondern für das Beispiel einer lösungsorientierten Logik. Durch den Trick mit „i“ – tatsächlich wird bei den „Komplexen Zahlen“ das i verwendet! – wird ein gigantischer Lösungsraum aufgespannt (Fläche statt Gerade).
    https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexe_Zahl

    Und an vielen Stellen vereinfacht sich die (mathematische) Beschreibung von Naturphänomenen (Wellen u.a.) radikal …

    Die Unterscheidung „real“ und „imaginär“ ist ja auch bei sozialen Systemen und Psychen gut anwendbar …

  22. @27 Ob das „so einfach IST“, weiß ich nicht, jedoch habe ich an mir selbst erlebt (zu meinem eigenen Erstaunen), dass meine Sprache und meine „Bilder“ es mir ermöglichten, die Gedanken von Psychologen und Soziologen zumindest zum Teil zu verstehen – und sie auch mich, d.h. ich habe das Kommunikation gelingt 😉

    Und genau treibt mich seit Jahren um und an. Was ist das für eine „Grammatik“(?) oder was sind das für Denkfiguren, die trans- und interdisziplinär greifen, die also selbst in hochvolatilen Umwelten geeignet sind, einigermaßen Anschluss zu halten – und damit integrativ wirken …

  23. @ 27: Ich bin der Meinung (wie auch in Kommentar 25 dargestellt), dass die Psychologie keine Naturwissenschaft und daher auch nicht in die Physik oder Kybernetik zu integrieren ist, weil die menschliche Psyche durch und durch gesellschaftlich „vermittelt“ ist (im dialektischen Sinne). Die Biologie des Menschen (Genetik) bildet zwar die körperliche Basis und das psychische Potenzial, doch die Sozialisation führt zu gesellschaftstypischen Ausprägungen.

    „Die genetische Determination des Lebens ist ein unbestrittener Ausgangspunkt. Aber daraus folgt gerade nicht, dass auch Sozialordnungen von da aus determiniert seien (wobei natürlich zu konzedieren ist, dass keine Sozialordnung Bestand haben kann, die verlangen würde, dass die Menschen ständig auf den Händen statt auf den Füssen laufen).“ Niklas Luhmann: Die Gesellschaft der Gesellschaft, 1998, S. 438

  24. @ 30: Dann ist es gut.

    Schlimmstenfalls führt die Kommunikation in folgendes Dilemma: „Denn wenn man nicht sagen kann, dass man nicht meint, was man sagt, weil man dann nicht wissen kann, dass andere nicht wissen können, was gemeint ist, wenn man sagt, dass man nicht meint, was man sagt, kann man auch nicht sagen, dass man meint, was man sagt, weil dies dann entweder eine überflüssige und verdächtige Verdopplung ist oder die Negation einer ohnehin inkommunikablen Negation.“ Niklas Luhmann: Zur Nicht-Kommunizierbarkeit von Aufrichtigkeit, in: ders.: Die Gesellschaft der Gesellschaft, 1998, S. 311

  25. @21 Hinweis: „Äpfel mit Birnen vergleichen“ kann Sinn machen, denn man kann mit „Ähnlichkeiten“ methodisch, also wissenschaftlich arbeiten …

    https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84hnlichkeitstheorie

    Das wir insbesonder auch in der Verfahrentechnik genutzt, um Skalierungsfragen zu lösen, einfaches Beispiel: Ich habe ein tolles Rezept entwickelt für einen Kuchenteig und bei mir zu Hause (5 Personen) klappt das auch. Wenn ich jetzt eine Feier mit 200 Personen plane und die sollen jetzt alle diesen Kuchen essen können (ok, bloß Kuchen, die Vorstellung ist schlimm, dann wird kaum einer kommen …), dann muss ich also 40x meht Teig produzieren. Wie mache ich das konkret, damit wirklich die gleiche Konsistenz entsteht? 1 Behälter? Mischen und rühren – wie lange? Und so weiter …

    Freilich kann man auch mit Obst wissenschaftlich arbeiten 😉
    Nach verfahrenstechnischer Bearbeitung kommen mitunter recht schmackhafte Flüssigkeiten dabei heraus …

    Muss jetzt mal arbeiten … 😉

  26. @19 & 29 & 32 & 33
    Doch noch etwas (damit es zirkulär wird und Ab-Schließung gelingt):

    „Der Trick mit dem ‚i’… “ und Ähnlichkeit: Dadurch dass die natürliche Evolution Individuen mit kognitiven Fähigkeiten hervorgebracht hat (z.B. imaginationsfähig), ist ein neuer Raum enstanden (wie bei den komplexen Zahlen), nämlich der der „Sozialen Systeme“ …
    worin „Organisation“ anders als ohne diese Fähigkeiten möglich wurde ….
    und damit neue Verhältnisse/Verhalten/Dinge – immer wieder aufs Neue möglich werden …

  27. @ Claus Riehle: sehr schön. Welch Überraschung; frischer Wind in der Kehrwoche.

    „Dadurch dass die natürliche Evolution Individuen mit kognitiven Fähigkeiten hervorgebracht hat (z.B. imaginationsfähig), ist ein neuer Raum enstanden (wie bei den komplexen Zahlen), nämlich der der ‚Sozialen Systeme‘ …“
    Imaginative Fähigkeiten können wir als Beobachter auch organischen Systemen zuschreiben, im Grenzfall sogar Einzellern. Wenn wir lebende Systeme von künstlichen Intelligenzen unterscheiden wollen, müssen wir das sogar. Aber das ist eine längere Geschichte…

  28. @37 und @ Claus Riehle
    Schließe mich dem gerne an.
    Erfrischend neue Gedankengänge und Perspektiven folgen zu dürfen.

  29. Liegt “Schönheit” (Ästhetik) in der Mathematik, tritt „Schönheit“ einem Beobachter also, aus der Mathematik entgegen, und/oder wird sie Mathematik (von außen) zugeschrieben? Hat das Eine mit dem Anderen etwas/nichts zu tun?

  30. @ 39 „Liegt ‚Schönheit‘ (Ästhetik) in der Mathematik, tritt ‚Schönheit‘ einem Beobachter also, aus der Mathematik entgegen, und/oder wird sie Mathematik (von außen) zugeschrieben?“
    Ich denke, beides.

    Um etwas als „schön“ oder „nicht schön“ zu beurteilen, braucht es einen Beobachter, d. h. ein reflektierendes Wesen, das Erkenntnis gewinnt, indem es mit der Unterscheidung „Unterscheiden / Bezeichnen“ operiert.
    Die Erkenntnis, dass etwas „schön“ (oder „nicht schön“) ist, unterläuft die Grenze Unterscheiden / Bezeichnen und geschieht INTUITIV, d. h. allein aufgrund eines Gefühls für in-sich-stimmig / nicht-in-sich-stimmig. Der Beobachter erkennt spontan (!), dass Alles sich zwang-los zu einem Ganzen zusammenfügt: zweck-mäßig ohne beabsichtigten Zweck und regel-mäßig ohne vorgegebene Regel (so Kant).

    Natürlich haben auch intelligente Tiere ein Gespür für das, was wir als „schön“ bezeichnen. Siehe z. B. den Laubenvogel, der die Bestandteile des Laubengangs, mit dem er Weibchen anlockt, sehr gezielt nach ästhetischen Kriterien auswählt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Laubenv%C3%B6gel

    Schönes zu erkennen ist wohl ein Zeichen für Intelligenz.
    Interessant wäre natürlich die Frage, inwieweit wir Künstlicher Intelligenz ein Urteil über Schönheit zutrauen können. Sie müsste Gefühle zum mindesten simulieren können.

  31. @41 Ich mische mal mit, lieber Franz: Da die Mathematik unausweichlich mit dem Zeichen kommt, liegt sie uns zumindest in den Genen oder der Natur, in unserem Entscheidungssystem oder in was auch immer man gerade möchte 🙂 Ich wünsche einen angenehmen Wochenausklang.

  32. @ 42: danke für das Mitmischen, liebe Gitta.
    Interessant wird es natürlich dort, wo sich unsere menschliche Art der Intelligenz von der des Laubenvogels unterscheidet.
    Ich denke, als (reflektierende) Beobachter haben wir Menschen die Chance, uns ein Stück weit von der Macht der Gene zu emanzipieren und unser eigenes (kulturell geteiltes) Entscheidungssystem zu etablieren.

    Ein solches Beobachten, wenn es denn in der Realität funktionieren soll, setzt die bewusste Pflege des Gefühls für In-sich-selbst-Stimmiges (also für „Schönes“) voraus; und das heißt (mit Kant gesprochen), dass der Beobachtende lernt bzw. sich darin übt, ohne alles private Interesse („privatum“ = getrennt, abgesondert) zu beobachten und ohne sich a priori auf einen Begriff festzulegen.
    So wird überhaupt erst sprachlich vermittelte Kommunikation (Mensch-Sein) denkbar und möglich.

  33. Bei der morgigen Bundestagswahl haben die Mathematiker und LoF-Exegeten ihren großen Tag. Die Auszählung der Wählerstimmen erfolgte ab 1949 nach dem D’Hondt-Verfahren, danach bis 2008 nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren und seither nach dem Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren, das auch surreale und absurde Zahlen berücksichtigt. Die Anzahl der Wahlkreise ist seit 1953 halb so groß wie die doppelte Mitgliederzahl des Bundestags abzüglich der Hälfte der Wahlberechtigten pro Wahlkreis. Das führt zu 598 Mandaten, deren Anzahl jedoch abhängig von Über- und Unterhangmandaten auf das Vierfache steigen oder auf Null sinken kann. Jeder Wähler hat eine Erst- und eine Zweitstimme. Drittstimmen sind fakultativ und unterliegen der Reststimmenverwertung. Negatives Stimmgewicht führt zu sofortiger Sperrung (Sperrklausel), es sei denn, es dient zum Ausgleich von Überhangmandaten. Dazu urteilte das Bundesverfassungsgericht am 3.7.2008: „Soweit durch Überhangmandate ermöglicht wird, dass ein Zuwachs an Zweitstimmen zu einem Verlust an Sitzen der Landeslisten oder ein Verlust an Zweitstimmen zu einem Zuwachs an Sitzen der Landeslisten führen kann, ist der Zuwachs durch Verlustzuwächse im Sinne einer negativen Sitzverteilung durch höheres Stimmgewicht auszugleichen.“ Durch die hierdurch bedingte Neuregelung sinkt die Anzahl der Sitze, die in den einzelnen Ländern und auf Bundesebene auf die die Sperrklausel überspringenden Parteien zu verteilen sind, entsprechend der Hälfte der Zweitstimmen, die auf alle bei der Sitzverteilung zu berücksichtigenden Parteien entfallen, sofern die durch Direktmandate errungenen Sitze nicht über der Anzahl der unterhalb der Sperrklausel entfallenden Sitze einer Landesliste liegen.

    Absolut trivial.

  34. @43 Danke, lieber Franz. „Ich denke, als (reflektierende) Beobachter haben wir Menschen die Chance, uns ein Stück weit von der Macht der Gene zu emanzipieren und unser eigenes (kulturell geteiltes) Entscheidungssystem zu etablieren.“
    Unsere Freiheit ist kleiner, als wir glauben, aber in dem möglichen Bereich ist sie unendlich. … vorausgesetzt natürlich, man will das auch. 😉
    Schönes Wochenende!

  35. Herzlichen Dank fraFri, Siggi, Gitta Peyn – und bitte um Entschuldigung wegen der Unterbrechung und um (die) Nach-Sicht …

    @37: Das mit den Einzellern und den imaginativen Fähigkeiten (substanzielle Spiegelungen auf molekulkarer Ebene vielleicht, Membran, chem. Potenzial …?), also die „längere Geschichte“ würde mich natürlich interessieren…

    @41: „Interessant wäre natürlich die Frage, inwieweit wir Künstlicher Intelligenz ein Urteil über Schönheit zutrauen können.“ – Ich glaube, antrainierbar ist solches Verhalten bereits heute durch die Neuronale Netze bzw. „Deep Learning“-Algorithmen, die Entwicklung ist da gerade mitten im Flow (Zahl der Fördertöpfe als Indikator?). Und warum sollte die (prädiktive) Musstererkennung am Schönen halt machen …

    Die formale „Schönheit von Naturgesetzen“, die sich durch Schlichtheit im Sinne von häufig einfachen Zahlenverhältnissen zwischen physikalischen Größen auszeichnet (im Gegensatz zu Anwendungsformeln der empirischen Forschung), ist jedenfalls eine sehr denk-würdige Sache …

    @42: „Da die Mathematik unausweichlich mit dem Zeichen kommt, liegt sie uns zumindest in den Genen oder der Natur, in unserem Entscheidungssystem oder in was auch immer man gerade möchte“ – Ja, uneingeschränkt, auch der Smiley 😉

    @43: „dass der Beobachtende lernt bzw. sich darin übt, ohne alles private Interesse („privatum“ = getrennt, abgesondert) zu beobachten und ohne sich a priori auf einen Begriff festzulegen.“ – Das (Ab)Gesonderte IST Voraussetzung für Beobachtung und ohne Sensorik keine Beobachtung – daher begann die Sensorik mit einer „Sonde“ – und diese Wortverwandschaft ist kein Zufall … (und da geht noch mehr).

    @45: „Unsere Freiheit ist kleiner, als wir glauben, aber in dem möglichen Bereich ist sie unendlich. …“ – Zwischen der einen 1 und der anderen 1, genannt 2, damit wir sie unterscheiden können, gibt es bloß eine Lücke; in der ist unendlich viel Neues zu entdecken …

    Und alles verbindet die Form – auch die Formel …

  36. @46, lieber Claus Riehle, @Liebe alle,

    dann nutze ich die Gelegenheit des Themas mal, auf eine Arbeit von Ralf Peyn hinzuweisen:
    http://www.uformiform.info
    und auf eine von uns beiden, nämlich FORMWELT (Link dazu auf der Seite zu uFORM iFORM). – bei zwei Links schicken uns die Admins ja in die Warteschleife…

    und dazu auf einen Text zu rekurrieren, den man auch bei Simon, Weber & friends im Seminarangebot 2018 findet:

    „Bei uFORM iFORM handelt es sich um einen auf einer Kritik an einer Formenüberführung in den Laws of Form von George Spencer Brown aufsetzenden und zu den Laws of Form kompatiblen Kalkül, der es möglich macht, mit dem Unbestimmten und dem Imaginären zu rechnen. Es ist eine mehrwertige Erkenntnislogik, ein Modell menschlicher Kognition und eine transformative Brücke zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Das als eBook konzipierte Werk von Ralf Peyn ist zusammen mit einem Anwendungen vorführenden Anhang (Systemischer Realkonstruktivismus) im Carl Auer Verlag, Verlag für Systemische Forschung, veröffentlicht.

    uFORM iFORM zeigt, wie der Mensch zum Zeichen (Anm. heute: und damit zum Rechnen und zur Mathematik) und zur Sprache kommt, wie wir konsensuell(e) Modelle bilden und wie Entscheidungssysteme entstehen. Der Anwender kann in den so genannten »SelFis« (oder auch »Sel- Vis«) im Teil »Systemischer Realkonstruktivismus« einen Blick in den Spiegel seiner eigenen kognitiven Leistung werfen und Abläufe in Turingmaschinen und Zellulären Automaten mit Bewusstseins- und Kommunikationsprozessen vergleichen. Bei den SelFis oder SelVis (der visuellen Interpretation eines Teilsystems des selbstreferenziellen Systems der Form: self-fiction oder self-vision) handelt es sich um veranschaulichende und als Programme laufende Fraktale und Tools zur Systemanalyse.

    Die in uFORM iFORM durchgeführte folgerichtige Verknüpfung der Systemtheorie mit der Theorie komplexer Systeme (Automatentheorie) eröffnet neben anderen folgende Möglichkeiten:

    – Generierung eigener FORMen
    Analyse von Systemen an den SelFis:
    – Fraktale kognitive Prozesse
    – Kommunikationsablaufprozesse und Kommunikationstypen
    – (Konflikt)zyklen
    – Kontingenzbildung
    – Entstehen von Emergenz
    Diskussion von:
    – Verbindungen | Ähnlichkeiten natur- und geisteswissenschaftlicher Erkenntnisse | Phänomene (bspw. Perspektivenvergleich Neuroinformatik | Systemik mit Konstruktivismus)
    Anwendungsmöglichkeiten in Wissenschaft und Wirtschaft“

    Zu den SelFis eine Erklärung von der Website:
    SelFis – visuelle Interpretationen von Teilsystemen selbstreferenzieller Systeme spezifischer FORM – sind systemische Prozesse beschreibende, als Computer-Programme ausführbare Fraktale zur Veranschaulichung, Deutung und Analyse der Formen komplexer Systeme.

    Die SelFis können kostenlos im Downloadbereich von uformiform . info herunter geladen werden.
    Freunde Zellulärer Automaten und Universeller Turingmaschinen werden so bereits daran Vergnügen finden können. Einsteiger sollten meiner Ansicht nach mit „CoOneAnother“ beginnen, da man dort selbst als Laie rasch erkennen kann, wie sich in selbstreferenziellen Systemen selbstähnliche Muster bilden und zyklisch wiederholen.

    Wir gehen davon aus, dass ein Weg hin zu einer interessanten KI darin bestehen müsste, zunächst einmal einer Maschine FORMWELT beizubringen und sie dann mit Menschen gemeinsam Bedeutung erzeugen zu lassen. Diese KI könnte man dann organisationell schließen und sehen, was dann passiert. Schon dabei zuzusehen, halte ich für äußerst spannend.
    Auch in der Kombination der SelFis sehen wir Ansätze für die KI.

    Was FORMWELT angeht, ist es ein Weg für den Menschen, sich von automatischem fremdreferenziellen Denken zu emanzipieren und statt dessen zu lernen achtsam reflexiv, unter einer Metaperspektive reflektierend zu denken und sinnlich wahrnehmbar und operational zu beschreiben.

    Auf der Carl Auer Verlagsseite ist das vollständige Vorwort zu uFORM iFORM von Dirk Baecker und eine Leseprobe erhältlich. (Achtung: In der Suchmaske auf „eBook“ klicken).

    Liebe Grüße – Gitta

  37. Nachtrag zu @47: Verständlicher für Nicht-Amerikaner ist der Hinweis auf Theorie Komplexer Systeme sicherlich durch Verwendung des Begriffs von Stephen Wolfram: Complex Systems Theorie.

  38. @ 46 (Claus Riehle). schön, dass Sie wieder da sind!
    Zu Ihrem Hinweis auf künstliche neuronale Netze und: „warum sollte die (prädiktive) Musstererkennung am Schönen halt machen …?“
    Es kommt halt darauf an, was wir unter Intelligenz bzw. Schönheit verstehen wollen.
    Sitzt die Intelligenz eines Lebewesens in seinem Gehirn? Schon Leibniz hat das ja in seinem berühmten Mühlenbeispiel bestritten.

    Das Beobachten von Schönem, wie ich (aber auch Kant, Bateson und Andere) es verstehe, beruht auf dem – belebenden, lustbegleiteten – Gefühl (!) für etwas in-sich-selbst-Stimmiges (im Unterschied zu nicht-in-sich-selbst-stimmig) von Lebewesen und bildet das Resultat und zugleich (!) die Voraussetzung für das Ausdifferenzieren und Erhalten ihrer realen Lebenswelten.

    Das berührt letztlich die Frage nach dem Unterschied zwischen Lebendigem und Unbelebten. Kennen Sie „Geist und Natur. Eine notwendige Einheit“ von G. Bateson?

    Und haben Sie meinen (kurzen) Text über „die Intelligenz des Laubenvogels“ gelesen?
    https://technikundmimesis.wordpress.com/2017/09/26/die-intelligenz-des-laubenvogels

  39. @ 46 – 49
    so kommen wir dann aber auch wieder zur Funktion der Rückkopplungs-Schleifen, die sich im übertragenen Sinne bei Heinz von Foerster finden
    http://www.spektrum.de/news/medizin-nobelpreis-fuer-die-innere-uhr/1507805
    Taktung und Rhythmen greifen dabei ineinander wie ein endlos ineinander verschlungenes Band.
    Das Scheitern der Mathematik im Ungewissen der Biologie erscheint zwar vore vorprogrammiert, eröffnet dabei allerdings gleichermaßen ganz neue Räume und Perspektiven.
    Ein Zauber, der uns jedoch keineswegs von der Verantwortung entbindet, etwas sorgsamer, würdevoller und gerne auch den ästhetischen Ansprüchen – selbst zu Zeiten der Involution und des Vergehens genügend – miteinander umzugehen.

    Alles jedenfalls zu seiner Eigenzeit.

  40. @50 Ich verstehe diesen Satz nicht: „Das Scheitern der Mathematik im Ungewissen der Biologie erscheint zwar vore vorprogrammiert, eröffnet dabei allerdings gleichermaßen ganz neue Räume und Perspektiven.“ Worauf beziehst Du Dich damit, deaxmac?

  41. @51 „vore“ muß als Druckfehler natürlich weg. Sorry.

    Worauf ich mich beziehe, darüber kann ich jetzt kaum mehr schreiben.
    Das muß man zeigen und dann auch aus dem aktuellen Kontext heraus entfalten.

    Ansonsten beziehe mich -wie gehabt- auf einen vielleicht gelegentlich auch
    unbequemen Umgang mit dem Imaginären,
    das -zum Glück und zukunftsoffen -noch jede Menge Lücken hat, um auch Generationen nach uns noch Zugang zu Kunst und Kultur sowie zu Ethik und Ästhetik eröffnen zu können.
    Und das -selbstredend auf Basis der LoF und der KybernEthik.

  42. also ich hatte das verstanden als einen Hinweis auf die Unmöglichkeit, auf Basis definierter Zeichen eine reale, lebbare Welt zu er-rechnen.

  43. @53 Ist Mathematik nicht von lebenden Wesen hervorgebracht worden?
    Mir ist das zu undifferenziert. Das klingt für mich, ich kann machen, was ich will und am Ende entscheidet eh der Geist darüber.
    So kommt es mir einseitig vor. Sobald ich mit Zeichen operiere, habe ich mich entschieden, etwas zu determinieren. Zu dem Zeitpunkt, wo ich mich vor den Computerbildschirm setze, zeigt mir der Computer eine errechnete Illusion, die mich dazu bringt, Fantasien zu erzeugen.
    Das physikalische Universum, so, wie es die Physiker im Augenblick gestalten, scheint an der Basis diskret zu sein. Das heißt nicht, dass keine Unbestimmtheit existiert, es heißt nur, dass es Sprünge macht. Es ist unser Bewusstsein, das Kontinuität erzeugt.

  44. @49 Lieber fraFri, danke für den „Laubenvogel“.

    Danke auch für den Filmtip: „Die Poesie des Unendlichen“ über den genialen Mathematiker Ramanujan:
    „Er hat eine Gabe, die niemand ihm absprechen kann: tiefe und unbesiegbare Originalität.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/S._Ramanujan

    „Zwei englische Offiziere waren in Paris in zwei verschiedenen Häusern in einer langen Straße einquartiert. Die Hausnummern standen in einer besonderen Beziehung zueinander; das Problem war, die beiden Zahlen zu finden. Schwierig war es keinesfalls; ich fand die Lösung nach ein paar Minuten des Herumprobierens.
    Ich (scherzend): ‚Hier ist ein Problem für Sie.‘
    Er: ‚Was für ein Problem?‘ (Er rührte weiter in seinem Topf.)
    Ich las das Problem aus dem Strand Magazine vor.
    Er: ‚Bitte notieren Sie die Lösung.‘ (Er diktierte einen Kettenbruch)
    Der erste Term war die Lösung, die ich gefunden hatte, jeder weitere Term stellte sukzessive Lösungen für die gleiche Beziehung dar, wenn die Straße unendlich verlängert wurde. Ich war erstaunt.
    Ich: ‚Kam Ihnen die Lösung blitzartig?‘
    Er: ‚Sobald ich das Problem gehört hatte, war mir klar, dass die Lösung offensichtlich ein Kettenbruch war; dann dachte ich: welcher Kettenbruch? – und die Antwort fiel mir ein. So einfach war das.“

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