Spekulation mit Sprengkraft

Der Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB ist offenbar keinen islamistischen Terroristen zuzuschreiben, sondern einem jungen Börsenspekulanten. Put-Optionen auf die Aktie des BVB zu kaufen und dann die Mannschaft in die Luft zu sprengen, um so einen Gewinn aufgrund des abstürzenden Aktienkurses einzustreichen, war die Idee (so scheint im Moment der Stand der Ermittlungen).

Dass die Finanzmärkte ein Monster sind, hat unser früherer Bundespräsident Horst Köhler mal festgestellt. Dass da viele Leute ohne echte Arbeit viel Geld verdienen können, ist inzwischen wohl jedem klar. Aber offensichtlich gibt es doch noch Qualitätsunterschiede zwischen den unterschiedlichen Typen von Spekulanten. Gewalt setzen nur die blöden ein. Wie heisst es so schön: Eine Bank aufzumachen bringt meist mehr Geld ein, als in sie einzubrechen.

Analoges gilt für Spekulanten. Bomben zu werfen, machen nur diejenigen Leute, die auch versuchen, Safes zu knacken. Wer richtig spekuliert (mit Nahrungsmitteln zum Beispiel) kann viel mehr Leute umbringen, ohne sich die Finger schmutzig zu machen (im juristischen Sinne) und weit mehr Geld kassieren, als jemand, der Bomben zündet und ein paar popelige Optionen verkauft.

12 Gedanken zu “Spekulation mit Sprengkraft

  1. eine spannende Frage — weil ich mich gerade mit dem Intelligenz-Begriff befasse — :
    Wie intelligent ist solch ein Verhalten eigentlich?
    Und: Ist so etwas dem Menschen vorbehalten oder kann das auch eine künstliche Intelligenz?
    wäre doch mal ein interessantes Blog-Thema…

  2. @ 2: „Kriminelle Intelligenz“ hat Sergej W. offensichtlich nicht. Intelligente Spekulanten achten vor allem auf das Verhältnis von Risiko und Gewinnchance. Das war in diesem Fall von eklatanter Fehlspekulation extrem schlecht. Daher war sein Plan unintelligent, doch immerhin auf teuflische Weise kreativ – das hätte jede Künstliche (Verbrecher-)Intelligenz besser hinbekommen.

  3. Anleitung wie man Puts auf die Deutsche Bank setzt und wo John Cryan wohnt („Moral is absolutely Kernaufgabe“).

  4. Lieber Fritz B. Simon: Danke für die interessante Idee: Es stimmt – es scheint „ohne echte Arbeit“ zu sein, auch wenn unklar ist, was hier mit dem Arbeitsbegriff gemeint ist – denn oft schwitzen diese „klugen“ Grenzgänger des Normativen 12h hinter Ihren Rechnern. Ähnlich ist es mit den anderen genannten „intelligenten“ Verbrechern. Aber liegt es nicht letzten Endes doch „nur“ an der hohen Annahmewahrscheinlichkeit des Medium Geldes (Luhmann)? Wäe nicht die zentrale Idee der Tobinsteuer hier die richtige Abhilfe? Wir sollten nicht zu kurz springen, und uns nur auf scheinbar grenzlegale Ökonomisierung des Lebens (was immer das ist) fokussieren – oder was meinen Sie? Ich bin mir sehr unsicher und bin trotzdem ganz bei Ihnen, dass man sich über diese Art der „Arbeit“ aufregen müsste. Aber intelligente Verbrecher gab es immer schon (ein großer Teil des Geldes des legendären Postraubes ist bis heute nicht aufgetaucht). MfG, L. Ebeling

  5. @8: Dass man auch beim Spekulieren ganz schön ins Schwitzen kommen kann ohne seine Muskeln übermäßig zu beanspruchen, ist nicht zu leugnen…

  6. Auf einer hohen Abstraktionsebene liefert die sprengstoffunterstützte Spekulation von Sergej W. ein Modell für das weithin praktizierte Verfahren, mit Hilfe von Verstößen gegen das Rechtssystem (Mord, Terror, Krieg) und unter ideologischer Verbrämung aus dem Politiksystem (Islamismus, America first) finanzielle Vorteile im Wirtschaftssystem (Good Deals, Spekulations-, Land- und Ressourcengewinne) zu erzielen.

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