Trump und Merkel

Gestern habe ich die Pressekonferenz von Trump und Merkel im Fernsehen gesehen (CNN). Donald Trump schien mir zunehmend unentspannt. Das dürfte nicht nur an den unhöflichen Fragen deutscher Journalisten gelegen haben (Muster: Seit wann haben Sie denn diesen ekligen Eiterpickel an der Nase, gnädige Frau?), sondern auch an den grob beleidigenden Antworten von Frau Merkel auf die Frage nach ihrer Einstellung zu Donald Trump.

Ihre Antwort ließ keine Zweifel darüber, was sie von ihm hält. Sinngemäß sagte sie: „Wir haben unterschiedliche Geschichten und auf verschiedenen Wege in die Politik gefunden, und Unterschiede sind das, was Politiker zu bewältigen haben:“

Im Klartext heißt das: Ich komme aus einem Pastorenhaushalt, bin promovierte Physikerin, habe in der DDR für die Freiheit gekämpft und bin jetzt seit 12 Jahren in Europa Troubleshooter, während Du ein verwöhnter Erbe aus dem Haushalt eines kriminellen Immobilienhais bist, seit Jahren eigentlich ebenfalls in den Knast gehörst, ein aufgeblähter TV-Hohlkopf, der im Unterschichtfernsehen Erfolg hatte und nun ohne alle politische Erfahrung auf einer Welle der Begeisterung idiotischer und schlecht informierter Hinterwäldler ins Amtgekommen ist…

Deutlicher kann man seine Verachtung m.E. nicht zeigen. Und Trump, der mit einer hohen narzisstischen Sensibilität (um es positiv zu formulieren) gesegnet ist, hat das natürlich sehr gut verstanden…

16 Gedanken zu “Trump und Merkel

  1. @2 „nicht geben“
    Sonst wär’s ja eine brave nicht-nicht-Geste gewesen, sich so den Wünschen der Medien zu beugen.
    Er blieb sich treu.

  2. „Aus diesen 7 Gründen ist Trump der Chancentod aller Rechtspopulisten
    …Europa erhält eine Chance
    ..Dem Exportwahn der Deutschen ist mit Trump ein Gegner entstanden, den sie nicht mehr ignorieren können. Trumps ökonomischer Berater Peter Navarro hat die Deutschen bereits der Devisenmanipulation bezichtigt. Trump selbst hat anlässlich seines Treffens mit Angela Merkel betont, dass er mehr Fairness in den Handelsbeziehungen will.
    Der Druck aus den USA könnte der Auslöser sein, das europäische Haus ökonomisch wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Anstatt die Italiener zu belehren und die Griechen zu prügeln, könnten die Deutschen Löhne erhöhen und in die Infrastruktur investieren. Trump würde das: #makeeuropegreatagain nennen.

    Trump versucht, all diese Fragen mit seiner rückwärtsgewandten Zukunftsvision zu verdrängen. Gerade deshalb zwingt er uns, selbst  Antworten zu entwickeln und selbstständig zu denken. Trump könnte so eine Gegenreaktion auslösen, die so heftig ist, dass in vier oder acht Jahren radikale Schritte wie etwa ein Grundeinkommen möglich sein werden. Mit Hillary Clinton hätten wir weitergewurstelt.
    Trump hingegen hat den Weg für einen radikalen Change frei gemacht.“
    http://www.watson.ch/Wirtschaft/Donald%20Trump/316554584-Aus-diesen-7-Gr%C3%BCnden-ist-Trump-der-Chancentod-aller-Rechtspopulisten
    Nur Trump schon jetzt für einen unfähigen Präsidenten zu halten, ist überheblich und unterschätzt
    ihn (vermutlich).

  3. @4: Dass man auch aus Versehen paradox intervenieren kann, scheint mir am Beispiel Trump gut beobachtbar. Ich teile die Ansicht, dass Trump gut für Europa ist (einschließlich der Analyse der negativen Wirkungen der deutschen Sparpolitik, die schädlich für Europa war/ist), denn er bzw. seine Politik – wie auch der BREXIT – führt dazu, dass die Leute (nicht das „Volk“) sich ein wenig mehr bewusst werden, was sie an Europa und den bislang geleisteten Integrationsmassnahmen haben…
    Dass Trump irgendwann als gute Präsident bewertet werden wird, scheint mir extrem unwahrscheinlich, da er sich seit Jahren auf Projekte einlässt, von denen er keine Ahnung hat. Das war schon bei den Spielkasinos so, so dass er dort kläglich gescheitert ist. Außer bei der Selbstvermarktung ist er eigentlich mehr gescheitert als erfolgreich geweisen… Hoffen wir, dass der Schaden sich in Grenzen hält, den er anrichtet. Die Tatsache, dass er massive Gegenreaktionen auslöst, scheint mir für die Rationalität „des Systems“ zu sprechen, d.h. in diesem Fall nicht nur der Weltpolitik, sondern zunächst erst mal des US-Systems von Checks and Balalnces…

  4. Zu der geplanten Mauer zu Mexiko (mit unabsehbaren Folgen für Mexikos Wirtschaft) fällt mir ein, dass es einen neuropsychologischen Test gibt, bei dem Testpersonen möglichst schnell den Weg aus einem Labyrinth einzeichnen müssen. Manche Testpersonen ignorieren einfach die „schwarzen Linien“ und fahren mit dem Stift über alle Hindernisse hinweg. Wenn man sie darauf hinweist, dass das „so nicht geht“, verstehen sie mitunter nicht, was hier eigentlich das Problem ist. Anders „kommen sie aus dem Labyrinth ja nicht schnellstmöglich raus…“. Mir scheint Trump zu genau dieser Kategorie Mensch zu gehören, auch wenn ich nur sehr ungern kategorisiere. Er zieht Mauern hoch, wo keine hin gehören und fährt über Grenzen drüber, als wären sie nicht (implizit oder explizit) gezogen worden – versteht dann aber auch nicht, was an diesem Verhalten problematisch ist … Er spielt das „Spiel“ nach seinen Regeln … und sonst nach keinen …

  5. Erinnere ich mich falsch? Sind dort – an der Grenze – nicht eh schon seit langem – jedenfalls seit Obama – Zäune/Mauern errichtet gewesen? Hat Mexico im Süden nicht selbst Zäune gegen illegale Einwanderung hochgezogen? (Von anderen Ländern ganz zu schweigen)

    Mir scheint Trump die „Kategorie Mensch“ zu sein, die für ein Amt angetreten ist, und den Posten gewonnen hat und jetzt schlicht das umsetzt, wofür er geworben und gewonnen hat! – u.a.m. – was wir auch beim guten Obama nicht wissen konnten.

    Übrigens hatte nicht Obama der vorauseilende – Friedensnobelpreisträger – das KZ Guantanamo schließen wollen – wieso is’n das nicht gelungen – bzw. hatte sich mit ihm nicht schon wieder ein Präsident Amerikas im Fernen und Nahen Osten einen Namen gemacht? Bin Laden aus seinem Kellerloch herauszuschießen, überall Dronen herumfliegen zu lassen?

    Mich wundert die seltsame Moral, die hier von allen gern produziert und vertreten wird.

  6. @7: Sie erinnern sich richtig. Das ändert abernichts daran, dass die Politik Trumps problematisch ist (besser: mir erscheint). Und das hat nichts mit irgendeiner Moral zu tun, sondern mit Rationalität (wie ich sie verstehe – um Missverständissen vorzubeugen).

  7. Mauern führen i. d. R. zur Umgehung der selben – der Mensch ist ja nicht blöd, weder auf der einen noch auf der anderen Seite…und das Umgehen von Mauern bedeutet häufig sehr gefährliche Routen – denn Mauern hören in der Natur gerne auf, wo reißende Flüsse/Wüsten… (und dergleichen mehr) beginnen…

    Was soll also die Bemerkung, dass es da „eh schon“ Mauern gibt? Was meinen Sie was passiert, wenn die „eh schon“ vorhandenen Mauern noch dichter werden?

    Ich sollte eine Philosophie des „Ehschon“ (ein Wort) schreiben. Bisher habe ich gerne „immer schon“ verwendet…

  8. Manche scheinen zu denken, der Fehler des Einen wiege weniger schwer, wenn ihn ein Anderer vorher schon begangen hat.
    Ungefähr so:
    „Ja, aber das hat der und der auch schon gemacht.“
    „Ach so, ja denn.“
    😉

  9. @ 0: „Deutlicher kann man seine Verachtung m.E. nicht zeigen. Und Trump, der mit einer hohen narzisstischen Sensibilität (um es positiv zu formulieren) gesegnet ist, hat das natürlich sehr gut verstanden…“
    Das stört ihn keineswegs. „Political correctness“ juckt ihn nicht. Politische Gepflogenheiten kennt er nicht. Diplomatie, Anstand und Rücksicht sind für ihn ein Fremdwörter.

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