Da platzte ihm doch offensichtlich der Kragen

5 hochrangige Politiker stellten sich im ZDF den Fragen von Marietta Slomka. Sie wurden auf Herz und Nieren geprüft. Eigentlich Alltag im Wahlkampf. Politiker sind diesbezüglich erprobte Kämpfer.

Möchte man meinen.

Der CSU-Mann Andreas Scheuer stand neben der AfD-Frau Alice Weidel. Nichts Ungewöhnliches. Steht man doch im Politikzirkus nicht selten direkt neben einem Kontrahenten. Eigentlich wird das auch insoweit gewünscht, als man sich dann auch im direkten Nahkampf bewähren kann. Die Zuschauer kriegen das hautnah mit und warten sogar, könnte man meinen, auf solche Gefechte.

Die Szene vom vergangenen Dienstag zeigt aber auch deutlich, wo einerseits die Schmerzgrenze der Menschen in ihren politischen Anzügen liegt. Und wie sich andererseits durch seine Reaktion die eigene persönliche Stressresistenz unter Beweis stellt, oder aber wie Frau Seidel es getan hat, beleidigt das Feld räumt.

Politik und die politische Debatte sind die eine Seite der Medaille des Wahlkampfs. Der hautnahe Umgang mit Nähe und Distanz die andere Seite. Politiker sind eben auch nur Menschen. Und das ist gut so.

Hier meine hoffentlich auch einleuchtende Kurzanalyse:

Scheuer und Weidel stehen hautnah nebeneinander. Es brodelt. Man kann körperlich nicht ausweichen und ist gleichzeitig bemüht in der offiziellen politischen Rolle zu bleiben. Dann kommt der Zündfunke, sprich Frau Slomkas Frage sowie ihr kurzer Einwand. Beiden platzt sozusagen der Kragen und sie reagieren unmittelbar: Scheuer outet sich politisch und persönlich angreifend mit seiner ungeschminkten Bemerkung über Gauland, sie flüchtet beleidigt und sucht das Weite, um kurz drauf aus „sicherer“ Distanz nachzukarten.

Habe eigentlich nichts für die CSU übrig. In diesem Falle aber Chapeau Herr Scheuer. Und zum Abschluss einen Rat an Frau Weidel: besuchen Sie doch mal nen Anti-Stress-Kurs bei der Volkshochschule. 🙂

 

 

7 Gedanken zu “Da platzte ihm doch offensichtlich der Kragen

  1. @ 0: „Scheuer outet sich politisch und persönlich angreifend mit seiner ungeschminkten Bemerkung über Gauland, sie flüchtet beleidigt und sucht das Weite, um kurz drauf aus „sicherer“ Distanz nachzukarten.“

    Alice Weidel scheint ein Problem mit Männern zu haben – vor allem, wenn diese sie angreifen. In einer bereits wenige Minuten später erschienenen Pressemitteilung von ihr wird lediglich Moderatorin Marietta Slomka, nicht aber Andreas Scheuer erwähnt (Verdrängung des Angreifers).
    Im schweizerischen Biel lebt Alice Weidel mit einer aus Sri Lanka stammenden Schweizer Film- und Fernsehproduzentin in einer eingetragenen Partnerschaft. Das Paar zieht gemeinsam zwei Söhne der Partnerin groß.
    Alice Weidel soll eine Asylbewerberin aus Syrien in Schwarzarbeit beschäftigt haben. Zunächst soll eine Studentin der Islamwissenschaft in Biel 2015 als Haushaltsfachkraft eingestellt worden sein. Diese gab dann ihren Platz an die Geflüchtete weiter.
    Alice Weidel hält den Widerspruch aus, in einer rechtspopulistischen Partei zu sein, die sich gegen die ungeregelte Aufnahme von Asylanten, Flüchtlingen und Armutsmigranten ausspricht, die gegen den Islam polemisiert und ein traditionelles Frauen- und Familienbild propagiert.
    Trotz des Parteiprogramms, das sich zur „traditionellen Familie als Leitbild“ bekennt und offen lässt, ob eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft mit Kindern als Familie gilt, sieht Weidel die AfD als „Garant der Rechte von Homosexuellen“. Sie verbindet diese Positionierung mit ihrer ablehnenden Haltung zu Asylrecht und Islam.

    Wie schafft Alice Weidel diesen intellektuellen Spagat zwischen ihrem Privatleben und ihren parteipolitischen Positionen?

  2. @ 3: Alice Weidel, die jüngste aller Spitzenkandidaten/innen, scheint keine Probleme mit ihrem AfD-Parteifreund Alexander Gauland, dem ältesten aller Spitzenkandidaten/innen, zu haben.
    Offensichtlich hat sie mehr Probleme mit ihren fast gleichaltrigen AfD-Parteifeinden Björn Höcke und Marcus Pretzell sowie mit ihrer fast gleichaltrigen AfD-Parteifeindin Frauke Petry.
    Küchenpsychologisch (ich bin absoluter Laie) könnte das auf einen Vaterkomplex bzw. Vatermangel und auf eine symbiotische (doch unbewusst ambivalente) Mutterbeziehung hindeuten.
    Zudem ist eine „Ferndiagnose“ auf der Basis weniger Bruchstücke äußerst zweifelhaft.

  3. @ 3 und 4
    Aus einem Bericht über die gestrige Wahlkampfveranstaltung der AfD mit Alice Weidel in Viernheim: „Nach einer knappen Viertelstunde Wirtschafts- und Finanzpolitik, weicht Weidel von ihrem Programm ab und wagt, wie sie sagt, eine Premiere: Sie will über ihr Privatleben sprechen. „Ich bin homosexuell“, sagt sie freiheraus. Einige wenige überraschte Aufschreie kommen aus dem Publikum, bevor sie Applaus erntet. Weidel hatte auch zuvor kein Geheimnis aus ihrer Homosexualität gemacht, aber das Thema im Wahlkampf gemieden. (…) Weidel betet ein paar Gewalttaten von Muslimen gegen Homosexuelle runter, um schließlich festzustellen: „Die AfD ist die einzige Partei, die sich für Recht und Ordnung einsetzt.“ (…)
    Am Ende ärgert sich Weidel noch über die Journalisten, die in ihrem Privatleben wühlten, eine Schmutzkampagne gegen sie führten, aus Angst, wie Weidel sagt. Sie ärgert sich über alte Weggefährten, die mit den Medien über sie sprechen und sich dabei moralisch überlegen fühlten. „Die Faschisten von gestern, das sind die Gutmenschen von heute“, sagt Weidel zornig. Was bleibt am Ende hängen von diesen 40 Minuten, die moderat begannen und wütend endeten?“

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/ich-bin-homosexuell-alice-weidel-die-afd-und-die-toleranz-15209030.html

  4. @ 6: „Doch nun hat Alice mit der AfD eine verständnisvolle Selbsthilfegruppe gefunden, voller Menschen, die es kennen, dass ihnen dauernd andere Meinungen entgegengehalten werden, dass die Presse ständig etwas schreibt, was ihnen nicht gefällt, und dass im Fernsehen nie ihre Lieblingssendung wiederholt wird. Nun geben sie uns eine letzte Chance. Denn sie stehen für die schweigende Mehrheit.“

    Endlich kommt die Meinung des Volkes zur Sprache. Das nenne ich wahre Demokratie.

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