Komplexität und Achtsamkeit – zwei Seiten einer Medaille

Die sozialen Verhältnisse, in denen wir leben, sind komplex – das bedeutet, dass wir in nahezu allen Lebensvollzügen, ob privat (in der Familie, im Freundes-, Bekannten- und Nachbarschaftskreis) oder beruflich (in den Organisationen, in denen wir arbeiten) eine Vielzahl von Anforderungen, Erwartungen, Veränderungen, Unsicherheiten und Widersprüchen (Ambivalenzen) erleben. Komplex sind Situationen, wenn auf der Ebene … weiterlesen

Netzwerke als Systeme persönlicher Reziprozität

In Vorbereitung eines Vortrags befasse ich mich gerade mit der Frage, wie Vernetzung aus systemtheoretischer Sicht verstanden werden kann. Grundsätzlich geht es mir dabei um drei Fragen:

  1. ob Systeme und Netzwerke verschiedene Begriffe für identische soziale Phänomene sind oder
  2. ob wir davon ausgehen sollten, dass beide Konzepte unterschiedliche soziale Prozesse in den Blick bringen oder
  3. ob Netzwerke eine eigenständige Art von sozialen Systemen sind.

Ich präferiere die dritte Option: Netzwerke lassen sich als eine besondere Form sozialer Systeme begreifen.

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Vom Privileg, ein äußerst nachgefragtes Studium zu beginnen, erfolgreich zu absolvieren und feierlich zu beenden

Jedes Jahr im November findet am Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften der Fachhochschule Potsdam die feierliche Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen statt. Zu diesem Anlass wird auch ein Grußwort des Dekans erwartet. Da ich mit dem Ende dieses Semesters meine Tätigkeit als Dekan am Fachbereich beende, war dieses Grußwort für mich ein ganz besonderes; ich sprach vom Privileg, ein äußerst nachgefragtes Studium zu beginnen, erfolgreich zu absolvieren und feierlich … weiterlesen

Die Zeiten der Helden sind vorbei!

Heute schauen alle auf das Wahlergebnis in den USA. Es ist überraschend angesichts der Prognosen, die Clinton als Favoritin sahen. Das Ergebnis ist zudem erstaunlich, wenn wir uns vergegenwärtigen, mit welchen Rezepten Trump im Wahlkampf aufwartete, um die zentralen Fragen gegenwärtiger gesellschaftlicher Probleme zu beantworten. Denn hier zeigte sich nichts anderes als der Versuch, der … weiterlesen

Gewissheit im Zweifel – Zweifel an der Gewissheit

Am vergangenen Wochenende fand in Heidelberg das systemische Symposium „Die Kraft des Zweifels“ statt, das Fritz B. Simon in seinem Blog bereits thematisiert mit der These, dass der Titel der Veranstaltung anachronistisch an vergangene Zeiten, an die 1970er und 80er Jahre erinnere, in denen tatsächlich der Zweifel beschworen werden musste. Aber heute hätten wir keinen … weiterlesen

Kopf, Herz und Hand als systemische Metaphern für die Beratung

Beratungsprozesse fokussieren kognitive, emotionale und aktionale Perspektiven. Menschen erwarten von diesen Prozessen Anregungen für ihr Denken, für ihr Fühlen und für ihr Handeln. Sie entwickeln während des Prozesses bestenfalls neue Ideen (kognitiv, Kopf), alternative innere Einstellungen bzw. förderliche Gefühle (emotional, Herz) und sind aktiviert, anders, bestenfalls passender als besser zu handeln (aktional, Hand). Daher kann … weiterlesen

(Selbst-)Führung von Professorinnen und Professoren

„Zu wissen, wo es lang geht, zu wissen, was der Fall ist, und damit die Ansicht zu verbinden, man habe einen Zugang zur Realität und andere müßten dann folgen oder zuhören oder Autorität akzeptieren, das ist eine veraltete Mentalität, die in unserer Gesellschaft einfach nicht mehr adäquat ist.“ (Niklas Luhmann, 1987.) Ein befreundeter Kollege erzählte … weiterlesen

Sozial oder liberal? Vielleicht beides zugleich? Oder doch keines von beiden?

Am 3. September 2016 wurde ich von eingeschenkt.tv, einem alternativen Internetsender interviewt. Das Gespräch ist jetzt im Netz zu sehen, und zwar hier: https://www.youtube.com/watch?time_continue=4099&v=1JO0F2znPU0. Thomas Schenk, Produzent und Kameramann des Senders, sowie der Interviewer des Kanals, Marco Helmert, besuchten mich an einem Samstagnachmittag im großen Hörsaal im Fachhochschulgebäude am Alten Markt in Potsdam. Auf den … weiterlesen

Die politische Aufgabe der Sozialen Arbeit – die Vision einer Paradoxie

Die paradoxe politische Aufgabe der Sozialen Arbeit könnte darin bestehen, Menschen dabei zu unterstützen, dass sie es schaffen, ihren auf die Politik gerichteten hoffenden Blick auf sich selbst zurückzuwerfen. Denn schon lange dürfte klar sein, dass Politik das nicht kann, was viele Bürger/innen von dieser immer noch einfordern: die Gesellschaft zum Wohle aller Menschen zielgerichtet … weiterlesen

Thomas Szasz – der libertäre Therapiekritiker

Der aus Ungarn stammende und 1938 in die USA emigrierte Psychiater, Psychiatriekritiker und Psychoanalytiker Thomas Szasz (1920-2012) ist im deutschen Sprachraum insbesondere durch seine radikale Kritik am Konzept von psychischen Erkrankungen bekannt geworden. Sein frühes Buch Geisteskrankheit – ein moderner Mythos, das 1961 in der Erstauflage in den USA erschien, wurde 2013 im Carl Auer … weiterlesen