Die 11 Kategorien und die ersten 13 Leitsätze. Wirth/Kleve: Die postmoderne Ermöglichungsprofession

Wir systematisieren unsere 128 Leitsätze einer systemischen Sozialen Arbeit bzw. der postmodernen Ermöglichungsprofession in elf Kategorien:

  1. Erkennen
  2. Ambivalenzen balancieren
  3. Haltung zeigen
  4. Theoriebasiert reflektieren
  5. Methodisch handeln
  6. Intervenieren
  7. Gesellschaft beachten
  8. Formal organisieren
  9. Sozial arbeiten
  10. Evidenz bezweifeln
  11. Fehler anerkennen

Die ersten 13 Leitzsätze sind der Kategorie „Erkennen“ zugeordnet; hier sind sie noch einmal zusammengefasst:

  1. Die Welt ist nicht wie sie scheint und vor allem ist sie nie so, wie sie noch sein könnte.
  2. Willst Du zusehen, wie die Welt entsteht, dann beobachte Beobachter/innen beim Beobachten.
  3. Wir wissen erst, was wirklich möglich ist, wenn es möglichst wirklich wird.
  4. Hinterfrage deine Unterscheidungen und du wirst sehen.
  5. Wahrheit bleibt immer Wahrheit des so beobachtenden Systems.
  6. Wir wissen nicht, was wir nicht wissen – und nicht einmal das wissen wir zu nutzen für die vielen Gestaltungsmöglichkeiten, die in jeder Beziehung angesiedelt sind.
  7. Wenn mir jemand sagt, er wisse nicht, dann sage ich ihm: Damit sind wir schon zu zweit!
  8. Handeln macht klug. Reflektieren macht klüger.
  9. Es gibt keine guten Handlungen, sondern lediglich Deutungen von Handlungen als gute.
  10. Uns beunruhigen nicht die Leute oder Dinge, sondern die Kommunikationen, die sich auf diese Leute oder Dinge beziehen.
  11. Die professionelle Herausforderung des praktischen Handelns besteht nicht im Mangel an Wissen, sondern in der Akzeptanz und der Gestaltung des Nichtwissens, das mit jeder Beziehung einhergeht.
  12. Wir nehmen Abstand von Theorien biologischer Veranlagung, um menschliches Verhalten zu erklären und betrachten die sozialen Kontexte, die Verhalten sinnhaft rahmen und herausfordern.
  13. Wenn Du sagst, Du weißt, meinst Du damit, dass Du weißt, dass es auch anders sein könnte?

3 Kommentare zu „Die 11 Kategorien und die ersten 13 Leitsätze. Wirth/Kleve: Die postmoderne Ermöglichungsprofession

  1. Ich bin tief beeindruckt von dem hohen Anspruch welchen sie deutlich machen. Sie definieren eine Ermöglichungsprofession und – für mich deutlich – eine Philosophie des (ach so erschmähten Helfens). Einmalig. Professionel. Ich erinnere an den dänischen Philosophen Kierkegaard, der sich schon zu seiner Zeit mit dem Angstthema beschäftigte. Er prägte einen schönen Satz, um die Ontologie (ein philosophischer Begriff, der Wesen und Ursprung zugleich bezeichnet) dieser Angst zu beschreiben. „Angst“; so schrieb er, „ist der Taumel der Freiheit“. Wenn sie so weiter machen, dann wird die „Soziale Diagnose“ alle ICD10 und DSM 5 außer Kraft setzen, was ja eine gute Sache wäre.

  2. #Ja, und beobachtet man, wie derzeit die Begriffe Systemische Diagnose,
    „Was ist der Fall? Und was steckt dahinter“ eine inhaltliche Debatte anstoßen,
    dann find ich das nicht nur utopisch. Der Kongress „Systemische Diagnose“
    in Freiburg hört sich sehr spannend an.

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