Kopf, Herz und Hand als systemische Metaphern für die Beratung

Beratungsprozesse fokussieren kognitive, emotionale und aktionale Perspektiven. Menschen erwarten von diesen Prozessen Anregungen für ihr Denken, für ihr Fühlen und für ihr Handeln. Sie entwickeln während des Prozesses bestenfalls neue Ideen (kognitiv, Kopf), alternative innere Einstellungen bzw. förderliche Gefühle (emotional, Herz) und sind aktiviert, anders, bestenfalls passender als besser zu handeln (aktional, Hand).

Daher kann diese simple Dreiteilung zur mitlaufenden Evaluation des Beratungsprozesses wiederholt ins Gespräch gebracht werden: Was hat sich in Ihrem Denken verändert, was ist jetzt anders? Wie geht es Ihnen gerade, was fühlen Sie nun? Was heißt dies für Ihr Handeln, was möchten Sie bzw. würden Sie gerne tun?

Zugleich referieren wir mit diesen drei Ebenen auf unsere zentralen Systemklassen, die unser menschliches Leben prägen: hinsichtlich des Denkens auf das psychische System, hinsichtlich des Fühlens auf das biologische System und hinsichtlich des Handelns auf das soziale System. Wir sind im besten Sinne des Wortes „ganzheitlich“ unterwegs, anerkennen die drei zentralen Dimensionen menschlicher Existenz.

Schließlich lassen sich die drei Ebenen auch als Kraftquellen, als Pole von Ressourcen verstehen, von denen wir uns anreichern lassen können, auch als Beraterinnen und Berater. Denn wir brauchen gute Zugänge zu allen drei Ebenen:

  • zu unserer kognitiven Rationalität, unserem Denken, das uns bestenfalls mit hoher Flexibilität und Kreativität ausstattet;
  • zu unserem Körper, der uns über seine Gefühle mit unserem Leben und der Umgebung verbindet, uns „erdet“, im Raum verankert und
  • zu unseren Handlungspotentialen, die uns die Möglichkeit geben, uns in passender Weise durch unser Verhalten auf andere zu beziehen, mit diesen in einen anregenden und unterstützenden kommunikativen Austausch zu treten.

7 Gedanken zu “Kopf, Herz und Hand als systemische Metaphern für die Beratung

  1. Klingt spannend—–Weiterführungh der „aufgestellten Unterschiede“-??!

    Herzl Grüße
    Thomas Hölscher

  2. Ganz genau, diese Dreiteilung sollte auch eine Grundlage der Pädagogik sein, wird aber zumeist kopflastig vereinseitigt.

  3. @2: Wir leben ja auch in einer kopflastigen Arbeitswelt, und viele Klienten der Sozialarbeit schielen (verständlicherweise) eher nach sauberen Bürojobs als nach handwerklichen Knochenjobs. Heute verunsichert das Internet die Bildung des Herzens und die Bereitschaft zum Hand anlegen.

  4. Zur komplementären Ergänzung zum „Kopf“, gehört, finde ich, auch die Metapher vom „Bauch“ (intuitive, emotionale Kräfte). Das enterische Nervensystem wird auch das „kleine Gehirn“ genannt.

    Räumlich gesehen gleich weit vom Herzen entfernt, mobilisieren beide das Herz, welches wiederum die Hände mobilisieren, wenn sie sich in Übereinstimmung befinden.

  5. @5: Prima Idee!
    Freilich gibt es ein Problem: Die Maßnahme des Jobcenters Heidelberg „Systemisches Pupsen gemäß SGB II“ musste wegen krachender Verstöße gegen die kommunale Lärm- und Luftverordnung abgebrochen werden.
    Dagegen positiv: Der neue BA-Chefsesselfurzer Detlef Scheele plant die Einführung des Pflichtprogramms „Darm-Aktivierung für Beamtinnen und Beamte“, um der zunehmenden Aufblähung der Bürokratie den „Wind aus den Backen“ zu nehmen, wie er es in einer Pressemitteilung treffend formulierte.
    Der für 2017 geplante Manager-Kongress „Let it flow 2.0“ scheiterte am Machtwort von Frauke Petry: „Für braune *Stoffwechsel-Endprodukte* sind allein wir zuständig!“ (Anm. der Red.: Die Führerin benutze einen kräftigeren Ausdruck.) Gleichzeitig verordnete sie für die Zeit nach der Machtübernahme allen arischen Volksdeutschen die Modefarbe braun.

  6. @3: Schön zu lesender Blogpost. Ich sehe viele Gemeinsamkeiten zu den Ideen von Otto Scharmer, auch wenn die Ebene Hand(lung) in der Theorie U noch differenzierter betrachtet wird. Otto Scharmer (2015) meint auf der Seite 454 sogar, dass mehr als 90 % der Ausbildungsressourcen auf der kognitiven Ebene investiert werden.

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