Vom Privileg, ein äußerst nachgefragtes Studium zu beginnen, erfolgreich zu absolvieren und feierlich zu beenden

Jedes Jahr im November findet am Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften der Fachhochschule Potsdam die feierliche Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen statt. Zu diesem Anlass wird auch ein Grußwort des Dekans erwartet. Da ich mit dem Ende dieses Semesters meine Tätigkeit als Dekan am Fachbereich beende, war dieses Grußwort für mich ein ganz besonderes; ich sprach vom Privileg, ein äußerst nachgefragtes Studium zu beginnen, erfolgreich zu absolvieren und feierlich zu beenden.

 

 

7 Gedanken zu „Vom Privileg, ein äußerst nachgefragtes Studium zu beginnen, erfolgreich zu absolvieren und feierlich zu beenden

  1. Gut gebrüllt, Löwe! Fragt sich bloß, warum die tatsächlich wichtige gesellschaftliche Funktion dieser bestens ausgebildeten Kommunikationsfachleute als Scharnier zwischen privater Lebenswelt und den öffentlichen Systemen so gering honoriert wird; warum Sozialarbeiter noch immer vergleichsweise „arme Schlucker“ sind, obwohl sie doch Ähnliches leisten wie Psychotherapeuten und Ärzte? Und warum diesem Berufszweig im Bereich von Bildung und Sozialarbeit auch gesellschaftlich so wenig Anerkennung zuteil wird. Das könnte bei den Absolventen einen großen Praxisschock auslösen, selbst wenn sie sich dieser Tatsachen bereits bewusst sind.

  2. Sicherlich wird die gesellschaftliche Nachfrage nach Diensten der sozialen Arbeit weiter steigen; einerseits wegen des Rückgangs privater Initiativen wie Familien- und Nachbarschaftshilfen, andererseits wegen der voranschreitenden Modernisierung von Staat und Wirtschaft, die neue soziale Probleme mit sich bringt, wie zum Beispiel die Inklusion von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt oder die Vernachlässigung von Kindern wegen zunehmender Prekarisierung der Arbeitnehmer. Doch davon wären auch die staatlichen und kirchlichen Institutionen zu überzeugen, damit sie mehr Geld bereitstellen zur Bezahlung dieser hochqualifizierten Fachkräfte. Zudem sollten sich die staatlichen und kirchlichen Institutionen sowie die Träger der Sozialmaßnahmen über Mindeststandards der Leistungen und Vergütungen verständigen. Der gegenseitige Unterbietungswettbewerb ist ruinös und schadet dem Ansehen der Sozialbranche.

  3. Von wegen arme Schlucker.
    Kennen Sie nicht die Story der Treberhilfe Berlin. Da genehmigte sich „der Sozialarbeiter“
    als Geschäftsführer ein monatliches Solär von 30.000€ Das hat ja keiner gewusst, weil in dieser Branche keiner richtig hinguckt. Der Senat ist froh, wenn die Leute von der Straße sind. Da es zukünftig immer mehr solcher zu versorgen gibt verspricht der Sozialsektor, richtig angepackt, erhebliche Gewinnzuwächse. Die Arbeit, ja die machen natürlich weiterhin die
    „ewigen Sozialarbeiter“Ganz schlaue wissen sogar, dass man für die Rolle des Geschäftsführers eines solchen Unternehmens keine Ausbildung braucht. Juristen wissen das längst. Aber über die Praxis spricht man hier, wie anderswo, wenig.

  4. @2 Herr Santak: Beschäftigen Sie sich mal mit dem Bundesteilhabegesetz. Da können Sie genau sehen, wie wenig sich die Politik (Bundestag und Bundesra)t über einen Mindeststandard der Leistungen und Vergütungen verständigen möchte. Augenblicklich geht es darum, die Wohlfahrtsverbände auszuhebeln.

  5. @5: Danke, Herr Jagoda! Sie sprechen mit einer nach jahrzehntelanger Tätigkeit in der Branche gesundheitlich und sozial verarmten, welche wieder Aufbauarbeit leisten muß rund um die eigene Person. Dabei hilft dieser Blog.

  6. @ 3: Der Geschäftsführer des Berliner Obdachlosenvereins „Treberhilfe“, Harald Ehlert, lässt sein Amt seit Februar 2010 ruhen.

    Dieser Fall zeigt doch, dass es nicht unbedingt am öffentlichen Geld mangelt, sondern an der Cleverness von Trägern der Sozialarbeit, diese Geldtöpfe anzuzapfen – wohlgemerkt: für die Sozialarbeit, nicht für Villen und Luxusfahrzeuge.

Hinterlasse einen Kommentar