Neue Ejakulationsstörungen

Neben der verbreiteten frühzeitigen Ejakulation und der seltenen ausbleibenden oder verzögerten Ejakulation haben Urologen zwei neue, Leidensdruck verursachende Störungen gefunden: unbefriedigende Ejakulat-Menge und unbefriedigende Ejakulationskraft (force of ejaculation). Wer sexualhypochondrische Neigungen hat und sich fragen möchte, ob er wirklich einen satten Schuss hat, bekommt hier eine Definition für ein Phänomen, über das er, wenn er möchte,  sich Sorgen machen kann.

Kann man, muss man aber nicht.

Quelle:

Paduch et al.: J Sex Med 2015;12:2276–2286

5 Gedanken zu „Neue Ejakulationsstörungen

  1. Die zunehmende Verbreitung von Pornovideos könnte hierfür die „Ursache“ sein. In ihnen werden oft überzogene Erwartungen geweckt und unrealistische Ansprüche genährt.

  2. Das Ganze lässt sich vereinfachen: Wir führen anstelle der Ejakulat-Menge und der Ejakulationskraft den sogenannten Ejakulations-Impuls ein, der sich aus der Menge oder Masse mal der Geschwindigkeit ergibt, mit der die Wichse aus dem Rohr schiesst. Dazu basteln wir uns ’ne App für’s Smartphone, das wir kurz vorm Abspritzen vor die Gurke halten, rotzen auf den Touch-Screen und erhalten dann augenblicklich – sozusagen Just-in-time – das Ergebnis, mit einer Einordnung, um welche Art von Ejakulationsstörung es sich gerade handelt. Die Prozedur wird durch ein Porno auf dem Smartphone unterstützt, und die Handy-Kamera läuft natürlich mit.
    Zum Schluss wird der ganze Rotz automatisch auf Facebook gepostet …

    Leben wir nicht in einer tollen Zeit???

  3. Durch die Veröffentlichung verstärkt sich der Leidensdruck. Dieser entsteht aus der Differenz zwischen persönlicher Performance und öffentlicher Norm (Erwartungserwartung).

  4. Sexualtherapeutisch gibt es sicherlich zahlreiche Möglichkeiten für Interventionsansätze. Vorab wäre m.E. eine urologische Abklärung angezeigt (u.a. Prostatahyperplasie).

  5. Die Abhilfe steht tatsächlich im letzten Satz und machen den Unterschied, zwischen „Leidensdruck“ durch „müssen“ und „Lebenslust“ durch’s akzeptieren lernen „können“ das was ist, erst mal gut so ist, wie es ist.

    Des einen „Leid“, des anderen „Freud“. Dadurch entstehen immer mehr Komplementärsysteme, welche einander bedingen und „hervorbringen“. Ein wahrer Goldesel, die „sexuellen Probleme“ der Ratsuchenden. Dabei ist Zuwendung eh nicht teurer, als der Gang ins Puff. oder eine medikamentöse Therapie.

    Die Lösung selbst ist so verschieden nicht. Am Ende „erfährt“ der Leidende Entlastung durch eine Professionelle, welche ihrem Klienten spiegelt „wie toll, gut, richtig und in Ordnung er ist“ und damit wieder gut macht, was Mutti oder die Ehefrau versäumt haben. Zusätzlich gibt es noch die gesellschaftlich anerkanntere Methode, dies medikamentös oder im psychotherapeutischen Gespräch „gespiegelt“ zu bekommen.

    Die Zunft der (Sexual-)Therapeuten hat also Zukunft! Funktioniert doch mit der „Erschließung von Märkten“ indem eine „Marktlücke“, d.h. ein Bedürfnis geschaffen wird.
    Wie schön wenn zwei sich (für’s erste) genügen – indem sie einander befriedigen – so what?

    Alles nur eine neuere, verfeinerte komplementäre Spielart von „Prostitution“ und „Neurotizismus“?

    Die Professionalisierung und Weiterentwicklung von Sex-Arbeitern, ringt eben heute Sexual-Therapeuten, Autoren von „Lebensratgebern“, Pharmaprodukte und Blogbetreiber hervor. Die Vertreter des „ältesten Gewerbes der Welt“ mangelt es dagegen nach wie vor an gesellschaftlicher Anerkennung. Tolle Werbung eines Blogbetreiber’s über einen Mega-Zukunfts-Ersatzmarkt für etwas mehr „echte Liebe“ Es lebe der Surrogatmarkt.

    Die Professionalisierung und Weiterentwicklung von Neurotikern und Hypochondern besteht darin neue „Krankheitsbilder“ zu generieren. Der Preis dafür: Die Messlatte für einen echten „Leidensdruck“ wird bis ins Absurde abgesenkt. Diejenigen welche wirklich Hilfe benötigen werden dann im „Heer der neuen Marktteilnehmer“ glatt übersehen, oder kommen ganz „unter die Räder“.

    Entweder ist das alles nur „beschämend“, oder einfach nur zu spät Heute noch einen „Durchblick“ und mehr Verständnis für solchen „Leidensdruck“ aufzubringen. 😉

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