Praxis der Systemaufstellung 1/15
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Praxis der Systemaufstellung 1/15

18,00 € Bestell-Nr. 2129 Thema: Systemaufstellungen EditorialLiebe Leserinnen und Leser,mit dem Schwerpunktthema Organisationsaufstellungen steht die dritte Hauptrichtung in der Aufstellungsarbeit im Mittelpunkt dieses... Weiterlesen

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

mit dem Schwerpunktthema Organisationsaufstellungen steht die dritte Hauptrichtung in der Aufstellungsarbeit im Mittelpunkt dieses voluminösen Heftes. Mit einem Schmunzeln festgestellt braucht es ja auch viel Platz, wenn es um die große weite Welt der Unternehmen, des Managements und der Politik geht.

Claude Rosselet hat sieben Artikel zusammengestellt, die die Aufstellungen in beruflichem, organisatorischem und politischem Kontext in ihrer Unterschiedlichkeit und Besonderheit aufzeigen und durchdringen. Manchmal leuchtet noch die Wurzel des Familienstellens durch, aber eigentlich ist eine ganz eigene Richtung entstanden, die, auf das Klientel und die Anliegen zugeschnitten, Theorien aus der Wirtschaft und klar umrissene Denkschemata ergänzt und in einen Beratungsrahmen stellt. Obwohl auch hier häufig mit dem beruflichen Anliegen eines Klienten (sei er Chef oder Mitarbeiter) begonnen wird, kommt bei der Betrachtung nicht nur sein System ins Spiel, sondern auch die Subsysteme der Beteiligten und das Organisationssystem als Ganzes, welches wiederum in Interaktion mit der Umwelt ist. Diese Komplexität wirkt sich natürlich in allen Ebenen der Begleitung aus, und es braucht eine der Klientel adäquate Sprache, manchmal scheint es am besten zu sein, das Wort „Aufstellung“ zu vermeiden. Strukturen und Erklärungen sollen die eher Angst machende Nähe zur Therapie und zum Umgang mit Gefühlen ausschließen. Die Ausrichtung geht in die Gegenwart und in die Zukunft, der Blick in die Vergangenheit ist dabei eher hinderlich.

Dem Coach wird viel an Klarheit abverlangt, bezogen auf sein methodisches und beratendes Know-how, aber auch auf seine Kommunikations- und Vermittlungs-fähigkeit, seine beruflichen Hintergründe und seine Haltung. Claude Rosselet verschafft uns neben dem Vorspann und in seinem Artikel einen Überblick über die Szene, viele Überlegungen zur Vorgehensweise geben einen Einblick in das praktische Tun (Georg Senoner und Friedrich Assländer) und in die Organisationsstruktur Schule (Marianne Franke–Gricksch). Professor Georg Müller-Christ beschreibt seine entwickelten Strukturbilder, das systemische Visualisieren und sein systemisches Aufstellungslabor für die Managementlehre und -forschung im universitären Bereich. Im Interview geht Jan Jacob Stam unter anderem in seiner Einschätzung für die Zukunft darauf ein, welch große Bedeutung die Aufstellungsarbeit für die Sinnfindung und Entwicklung einer systemischen Intelligenz hat, die er in dieser volatilen und unsicheren Welt für außerordentlich bedeutsam hält. Rainer von Leoprechting zeigt, mit welcher Vorsicht er bei politischen Themen arbeitet. Nach den für alle AufstellerInnen sehr interessanten Eindrücken stellt sich am Ende doch eine Frage:

Wird in dieser Art von Beratung nicht zu viel betoniert, was ist, und zu wenig gewagt von dem, was Strukturen aufbricht und Beziehungen gestaltet: Raum unter anderem für Innehalten, Herzenswärme und (manchmal schwierige) Gefühle?

Wie eine Art Gegenpol sind dazu die anderen Artikel dieser Ausgabe zu sehen: Beate Scherrmann-Gerstetter und Manfed Scherrmann, Ero Langlotz und Peter Bourquin greifen aus dem Familienstellen das essenzielle Thema „Eltern nehmen“ auf und machen bewusst, dass selbstverständlich benutzte Aussagen mit unterschiedlichen Vorstellungen verbunden und immer wieder neu zu hinterfragen sind. Friedrich Ingwersen reflektiert über die sinnvolle Verbindung von Spiritualität und Psychotherapie und belegt dies mit praktischen Beispielen. Lisa Böhm denkt über die Wirkung meditativer Bildung im Aufstelleralltag nach.

Theo Brinek schreibt über verdeckte Aufstellungen, bei denen er Sprache und Deutung weglässt, und überprüft dies auf seine Wirkung.

Michael Knorr lässt die Körper sprechen und stellt diesbezüglich seine Arbeit mit Paaren vor.

Das Fotointerview mit Heinrich Breuer und der Tagungsbericht zur DGfS-Tagung 2015 in München sorgen für Abwechslung in diesem Heft, das in die Weite und in die Tiefe geht und verdeutlicht, wie gut es ist, wenn sich die unterschiedlichen Richtungen respektvoll beachten, sich ergänzen und voneinander profitieren.

Nun also viel Freude beim Ausflug ins Bekannte oder Unbekannte

wünscht für die Schriftleitung

Lisa Böhm

DGfS; die „Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen“ ist ein berufsübergreifender Fachverband von Psychotherapeuten, Beratern in psychosozialen Bereichen und Organisationen, Ärzten, Heilpraktikern, Pädagogen und anderen Berufsgruppen, die mit Familienaufstellungen oder allgemeiner mit Systemaufstellungen arbeiten.

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