Praxis der Systemaufstellung 2/14
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Praxis der Systemaufstellung 2/14

18,00 € Bestell-Nr. 2128 Thema: Systemaufstellungen EditorialLiebe Leserinnen und Leser,die Aufstellungsarbeit ist inzwischen ungefähr dreißig Jahre alt, hat sich im Beratungs- und Therapiebereich etabliert und Kritiken daran... Weiterlesen

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die Aufstellungsarbeit ist inzwischen ungefähr dreißig Jahre alt, hat sich im Beratungs- und Therapiebereich etabliert und Kritiken daran kommen und gehen. Schon lange werden Theorien zur Methode entwickelt, um im Grunde ganz einfache Fragen zu beantworten: Was geschieht in Aufstellungen? Wer und was wirkt? Warum geht es Menschen nach Aufstellungen besser oder nicht? Mit einfachen Worten, mit wissenschaftlich fundierten Aussagen, über Studien und in Anlehnung an Konzepte aus der Psychologie, Psychotherapie, Philosophie und Physik wird versucht, Antworten zu geben, die Vorgänge zu verstehen und zu beschreiben. Dies dient der eigenen Klärung und kann den nicht verstehenden Beobachtern von Aufstellungen entgegenwirken, die die Vorgänge als Magie abtun.

Es würde den Fluss der Begleitung stören, sich während der Arbeit mit einem Klienten mit den vielen Fragezeichen zu beschäftigen. Doch vorher oder nachher darüber zu reflektieren ist nicht nur sinnvoll, sondern unverzichtbar.

Aufstellungen überzeugen oft in ihrer schlichten Klarheit und Radikalität, und wahrscheinlich hat jeder schon erlebt, dass das einfache Sichtbarmachen einer Situation oder einer Beziehung durch aufgestellte Positionen bereits eine große Wirkung haben kann. Aber was sehen wir, wenn wir schauen? Handelt es sich um Wirklichkeiten oder Wahrheiten? Ist die Wahrheit nun endlich gefunden und ans Licht gebracht oder erfunden? Und wer ist verantwortlich dafür, dass sie gesehen werden können? Ist es der kluge und gebildete Therapeut oder Begleiter, der „hell sehende oder hell fühlende“ Stellvertreter, das wirkende Feld? Ist es die Beziehung zwischen Klient und Begleiter, die Veränderung ermöglicht? Und überhaupt, was zeigt die Aufstellung? Ist es ein aus dem Unterbewussten oder Unbewussten ans Licht gebrachtes Bild, das zu einem anderen Zeitpunkt in einem bestimmten Kontext entstanden ist und sich heute zeigt?

Diese Fragen könnten beliebig fortgesetzt werden. In diesem Heft liegt der Fokus auf Antworten, sowohl im Schwerpunktthema „Konstruktivistische und phänomenologische Sichtweisen“ als auch bei den sich daran anschließenden theoretischen Betrachtungen. Das von Birgit Theresa Koch mit Eva Madelung geführte Interview zeigt, wohin die jahrelange theoretische und praktische Beschäftigung führen kann: zu einer altersgelassenen Weisheit, die, klar auf das Notwendige konzentriert, mit Freundlichkeit einstmals unvereinbar erscheinende Gegensätze als sich ergänzend sieht.

Diana Drexler, Birgit Theresa Koch und Stephanie Hartung bieten anregende Gedanken aus konstruktivistischer, phänomenologischer, systemtheoretischer und philosophischer Sicht und stellen sich auch die Frage, inwieweit die einzelnen Sichtweisen nebeneinander oder miteinander bestehen können.

Jakob Robert Schneider und Albrecht Mahr haben sich in ihren theoretisch-praktischen Texten mit der Übertragung und Gegenübertragung auseinandergesetzt, die ja vor allem in den prozessbegleitenden Aufstellungen eine Rolle spielen können. Karl Lindenbauer entwickelt seine Theorie in Anlehnung an das Gendlin-Modell, bei dem insbesondere die subtilen Körperreaktionen beachtet werden, und Thomas Geßner hat die angehaltenen Bewegungen im Resonanzfeld von Aufstellungen im Fokus.

„Theorien sind unverzichtbare Elemente der Reflexion“ (Karl Lindenbauer) und vertreten häufig zunächst einseitige Standpunkte. Aber „als Pionier einer Methode muss man radikal sein und ganz ausschließlich überzeugt, sonst fehlen die Kraft und der Mut, die neue Sicht durchzusetzen“ (Eva Madelung). Und nicht selten ist es dann so, dass in der Essenz große Übereinstimmungen mit anderen zu finden sind oder sich die jeweiligen Standpunkte sehr gut ergänzen.

Die Fallbeispiele von Volker Fleing, Klaus Blaser und Annegret Chucholowski leiten zu den Texten über, die vor allem Erfahrungen aus dem Praxisalltag schildern.

Heinz Stark und Peter Bourquin berichten über ihre über einen längeren Zeitraum gemachten Beobachtungen zur „Zwillingethematik“ und plädieren für eine Sensibilisierung in der Begleitung von betroffenen Klienten. Erika Gollor ist den Lesern nun schon eine Weile als engagierte Lehrerin bekannt, die im praktischen Schulalltag mit ihren Kindern ihre Erfahrungen aus Aufstellungen in ihrer Haltung oder kleinen Ritualen mit den Kindern umsetzt und anwendet. Dieses Mal schreibt sie über das Thema Geschwister.

Aus dem Bereich Organisationsaufstellungen stellt uns Friedrich Assländer seine Erfahrungen aus dem Arbeitskontext mit Firmen zur Verfügung, wenn er sich die Frage stellt: „Was ist in Organisationaufstellungen anders?“ Sein Text, der in der nächsten Ausgabe fortgesetzt wird, stimmt auch gleichzeitig auf das nächste Heft mit dem Schwerpunkt Organisationsaufstellungen ein, der dann von Artikeln weiterer Autoren ergänzt wird.

Wir freuen uns, dass wir auch dieses Mal ein aus unserer Sicht abgerundetes Heft präsentieren können. Wenn in der Schriftleitung mit der Zusammenstellung der Texte für die kommende Ausgabe begonnen wird, ist oft – mit Ausnahme des festgelegten Schwerpunktthemas – noch nicht klar, wohin sich alles entwickelt. Somit ist das für uns auch immer ein spannender Prozess, und Freude kommt auf, wenn sich am Ende alles gut zusammengefügt hat.

Nun auch Ihnen viel Freude beim Lesen
Lisa Böhm, für die Schriftleitung

DGfS; die „Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen“ ist ein berufsübergreifender Fachverband von Psychotherapeuten, Beratern in psychosozialen Bereichen und Organisationen, Ärzten, Heilpraktikern, Pädagogen und anderen Berufsgruppen, die mit Familienaufstellungen oder allgemeiner mit Systemaufstellungen arbeiten.

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