Frank Früchtels und Erzsébet Roths „Familienrat und inklusive, versammelnde Methoden des Helfens“ erscheint im September. Jetzt vorbestellen!
28.08.2017

Alternative Wege im Kinderschutz

Im Jahr 2016 haben Jugendämter in Deutschland 84.200 Kinder und Jugendliche vorläufig  in Obhut genommen. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, waren das 6.600 mehr als 2015, was auch an der unvermindert hohen Zahl unbegleitet einreisender Minderjähriger aus dem Ausland liegt. Die meisten (41%) der Kindern unter 14 Jahren kehren früher oder später zu den Sorgeberechtigten zurück. 

In Neuseeland ist beim Schutz gefährdeter Kinder nicht die Inobhutnahme das Mittel der Wahl. „Family Group Conferencing (FGC)“ heißt dort das Herzstück des Kinderschutzes. Dabei vertraut der Gesetzgeber auf die Kompetenz und das Wissen der Familie und ihres sozialen Netzes und darauf, dass sich die familiäre Gemeinschaft verantwortungsvoll um das Wohl eines Kindes oder Jugendlichen kümmern kann. Frank Früchtel und Erzsébet Roth stellen in „Familienrat und inklusive, versammelnde Methoden des Helfens“ das FGC als ein Interventionsmodell vor, das dem erweiterten Rat aus Mitgliedern des familiären sozialen Netzwerkes ein hohes Maß an Lösungsorientierung und -kompetenz zugebilligt. In Deutschland ist das FGC in die Kommentierung zu §36 SGB VIII bereits aufgenommen worden.

Wichtig für den Erfolg eines Familienrates ist, dass möglichst viele zum Familiennetzwerk gehörende Mitglieder im Rat zur Verfügung stehen. Je mehr Menschen beteiligt werden, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Übergriffe unbeobachtet bleiben oder dass alle Teilnehmer vorhandene Gefährdungen subjektiv falsch einschätzen. Die familiäre Öffentlichkeit holt belastende Themen aus der Tabuzone, spricht sie an und schafft so Sicherheit und Transparenz. Die Koordination und Supervision übernehmen professionelle Kräfte.

„Wenn Menschen leiden, erzeugt dies bei anderen Menschen Betroffenheit – eine Art emotionale Ansteckung. Diesem elementaren Sozialprozess folgt der Familienrat“, heißt es im Vorwort. Hier eine Leseprobe.

Carl-Auer-Literaturtipp:
Frank Früchtel, Erzsébet Roth: „Familienrat und inklusive, versammelnde Methoden des Helfens“ 
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