Tom Levold, Michael Wirsching (Hrsg.): „Systemische Therapie und Beratung – das große Lehrbuch“ (mit Beitrag von Jürgen Kriz)
Klaus Antons, Monika Stützle-Hebel (Hrsg.): „Feldkräfte im Hier und Jetzt – Antworten von Lewins Feldtheorie auf aktuelle Fragestellungen in Führung, Beratung und Therapie“ (mit Beitrag von Jürgen Kriz)
09.01.2018

Stören Therapeut-Klienten-Beziehungen die Messbarkeit von Behandlungsprozessen?

Die spannende Frage nach der  „Störgröße“ Mensch im therapeutischen Setting nimmt Jürgen Kriz in der heutigen Ausgabe des systemagazins in Augenschein. Sie enthält Zündstoff, denn sie berührt letztlich Fragen von Abrechnungsmodalitäten und Kostentransparenz.  

Entsprechend unterzieht Kriz die Bewertungskriterien, die das IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesund­heitswesen) in seinem Prüfbericht zur systemischen Therapie bei Erwachsenen angelegt hat, seinerseits einer kritschen Prüfung. Insbesondere die sogenannte „doppelte Verblindung“, aus Placebostudien bekannt,  fordert den Widerstand des Autors heraus. Das IQWiG bewertet das Fehlen randomisierter kontrollierter Studien als Manko und fehlendes Objektivitätskriterium der systemischen Therapie.

Jürgen Kriz  hält dagegen: „Was sind nun diese ‚Störgrößen‘, die man für eine saubere, ‚verzerrungsfreie‘ Forschung nach diesem Modell möglichst eliminieren will? Auf den Punkt gebracht könnte man sagen: Alle jene Einflüsse, die im Wesentlichen den Kern von Psychotherapie ausmachen – allem voran die therapeuti­sche Beziehung." Sein F
azit könnte kaum folgenschwerer sein: „Das Ideal von Forschung, die sich an Blechknöpfe stanzen­den Maschinen orientiert, kann Psychotherapieforschung aufgrund der Störgröße ‚Mensch‘ nicht erreichen. Die Frage ist daher: Macht es Sinn, sich an einem Spiel nach solchen Regeln weiter zu beteiligen?“

Es überrascht nicht, dass auch die DGSF diesen provokanten Artikel heute zitiert und zugleich nochmals auf die eigene Position zum IQWiG-Bericht sowie auf Klaus G. Deisslers und Ahmet Kayas Beitrag „Systemische  Therapie – Qualität und Wirtschaftlichkeit. Notizen zu einer praxisgerechten psychotherapeutischen Wissenschaft" verweist. Die Debatte um eine kassenärztliche Zulassung systemtherapeutischer Behandlungsmethoden verspricht, auch 2018 unvermindert kontrovers weiterzugehen. In diesem Kontext sei hier der Hinweis auf den Hauptvortrag „Wozu Diagnosen?“ von Fritz B. Simon während der Tagung „Was ist der Fall? Und was steckt dahinter?“ 2017 in Heidelberg gestattet. Zum Video!

Carl-Auer-Literaturhinweise:
Tom Levold, Michael Wirsching (Hrsg.): „Systemische Therapie und Beratung – das große Lehrbuch“ 
(mit Beitrag von Jürgen Kriz)
Klaus Antons, Monika Stützle-Hebel (Hrsg.): „Feldkräfte im Hier und Jetzt – Antworten von Lewins Feldtheorie auf aktuelle Fragestellungen in Führung, Beratung und Therapie“ (mit Beitrag von Jürgen Kriz)