Ambiguitätsintoleranz

Ich weiss: Psychopathologie ist out. Was die alten Psychiater wie Karl Jaspers ge- und beschrieben haben, wird kaum noch zur Kenntnis genommen. Doch die alten Psychopathologen haben m.E. viele sorgfältige (um nicht zu sagen: die besten) Beobachtungen des Verhaltens von Menschen, die sich im Laufe ihres Lebens psychiatrische Diagnosen zuziehen, geliefert, die auch heute noch der Beachtung wert sind.

Psychopathologie als Wisschenschaft ist dabei genauso fragwürdig wie die Psychologie im Allgemeinen: Wie kann man Beobachtungen über einen Phänomenbereich objektvieren, der stets nur einem Beobachter zugänglich ist: die Psyche.

Die Psychologie beforscht die Psyche ja nicht direkt, sondern immer nur Teilnahme an Kommunikation: sei es in einem Test, einem Interview, als beobachtetes Verhalten usw. (Ausnahme: Selbstbeobachtung, aber da hapert es natülich an den Möglichkeiten der Objektivierung). Die spezifische Form der Teilnahme an der Kommunikation wird dann durch hypothetische psychische Prozesse und Strukturen erklärt und gegebenenfalls mit einem Label (=Diagnose) versehen.

Wenn man diese Erklärungen mal weglässt, dann bleibt die Beschreibung beobachtbaren Verhaltens. Und hier kommen die alten Psychopathologen wieder ins Spiel. Aus aktuellem Anlass gewinnt für mich dabei ein Phänomen Interesse, dass sie als Charakteristikum „manisch-depressiver“ Patienten beschrieben haben. Sie nennen es „Ambiguitätsintoleranz“. Sie beschreiben und benennen mit diesem Begriff die Tendenz eines Menschen, keine Ambivalenzen, internen Konflikte oder Unklarheiten zuzulassen (und erklären es mit dessen Intoleranz gegenüber Vieldeutigkeit). Entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, entweder ganz schwarz oder ganz weiss, richtig oder falsch, gut oder böse. Die Welt scheint den Gesetzen einer zweiwertigen Logik zu folgen, und die betreffenden Menschen versuchen dieser Entweder-oder-Logik gerecht zu werden, was dann bei ihnen auf der einen Seite zu einer für die Menschen in ihrem Umfeld nicht verstehbare Euphorie führt (Manie) oder zu einer ebensowenig für andere versehbaren Dysphorie (Depression) auf der anderen Seite.

Lassen wir mal alle Erklärungsversuche bei Seite und beschränken uns auf die Beschreibung des Verhaltens. Wie ich an anderer Stelle ausführlicher dargestellt habe, lassen sich Kulturen als Sinnsysteme mit psychischen Systemen vergleichen, da beide analoge bzw. isomorphe Muster zu bilden scheinen. Wenn man mit dieser Brille auf Kulturen schaut, so scheint mir die deutsche Kultur (nicht nur heute, sondern, wenn man in die Geschichte schaut, schon lange Zeit) manisch-depressive Merkmale zu zeigen, d.h. speziell: von Ambiguitätsintoleranz gekennzeichnet zu sein. Fremdenhass gestern, beklatschte Flüchtlinge heute. Selbstzerknirschung gestern, Selbstgrandiosierung heute usw. Beides ziemlich frei von Ambivalenzen, wie es scheint.

Wenn solch ein Muster als pathologisch bewertet wird, ist das natürlich ein Beobachterphänomen. Als verrückt erscheint es (d.h. das eine Verhalten wie das andere) dem Beobachter, für den dies nicht verstehbar ist – weder emotional noch intellektuell (- so geht es zur Zeit mal wieder manchen nichtdeutschen Beobachtern).

Eine interessante Erfahrung für mich persönlich ist, dass ich in den letzten Wochen in diesem Blog ja Prügel von gegensätzlichen Seiten bezogen habe: entweder weil ich (vermeintlich) die Begeisterung beim Empfang der Flüchtlinge diskreditiert habe oder weil ich mich zu sehr für die Aufnahme der Flüchtlinge ausgesprochen habe…

Das ist, nebenbei bemerkt, ein Phänomen, das man als (systemischer) Berater oder Therapeut kennt: Wenn man mit einem sozialen System (sei es eine Familie, sei es eine Organisationseinheit), in dem solch ein Splitting-Muster praktiziert wird, konfrontiert ist. Dann laden die beiden im Konflikt liegenden Parteien den Berater/Therapeut dazu ein, ihrer Partei beizutreten und beobachten ihn paranoid daraufhin, ob er Partei für die Gegenseite nimmt. Die Bewahrung der Neutralität wird daher ein richtig großes Problem, da Neutralität im Weltbild bzw. in den Erwartungen des Klientensystems gar nicht vorkommt und alle Beteiligten Parteinahme als selbstverständlich voraussetzen (aber das habe ich ja in diversen Büchern beschrieben, die sich mit der Praxis von Therapie und Beratung beschäftigen)…

Die therapeutische oder eine Wandel herbei führende Interventionsrichtung ist bei solchen manisch-depressiven Mustern (so haben wir in Heidelberg das benannt) die Option der Ambivalenz, der Unentscheidbarkeit, der Unklarheit usw. einzuführen. Wenn das gelingt, dann können sich auch die Fronten auflockern und durchlässiger werden und pragmatisch nützliche und funktionierende, wenn meist auch logisch unsaubere und inkonsistente Lösungen gefunden werden.

Die Welt funktioniert nun mal nicht nach den Regeln der Entweder-oder-Logik.

114 Gedanken zu “Ambiguitätsintoleranz”

  1. Yes, kann ich nur unterstreichen.
    Ein Muster, das trägt.
    Oder mein Lieblingshammer.
    Schon damals trug es, als man Heidegger die Professur gab und Jaspers überging,
    den Postar mit seinen braunen Be-Findlichkeiten
    dem Jazzvirtuosen der Phänomenologie vorzog.
    Im Dienste der Eindeutigkeit?
    Wie simpel.

    Die radikale Umsetzung des Monotheismus
    im NS- und IS-Regime und anderswo?
    Wie gründlich.
    Bitte bloß keine weiteren Lebensentwürfe, life sucks anyway.
    „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“
    Ärgerlich, die sich am Olympischen Pantheon halten,
    multiple Lebensentwürfe, Chaos.
    Europa, zieh dich warm an,
    sie kommen.

  2. Landkarte der Ambiguität (inkl. nerviger Navistimme):

    Die Systemiker haben es geschafft, in jahrzehntelanger Arbeit die Basics (Ambiguitätstoleranz = Nondualität), den Kindergarten, des Buddhismus und des Yoga nachzubauen, dessen Anwendung sie sich gesellschaftlich per Gesundheitssystem versilbern lassen. Durch die ökonomische Zweckrationalität des vom Klienten gestellten Problems gehen die ganzen oberen Levels, eine „Sowohl-als-auch-Pyramide“, natürlich flöten. Vom Habituts verkalkt.

    Dadurch fehlt allerdings auch der Anreiz für die Allgemeinheit, sich mit den Weisheiten der System-Lamas zu beschäftigen. Wozu auch, wenn diese darin münden, dass Sie passiv aggressiv ihr Schicksal als professionelle Scheissetaucher der Gesellschaft bejammern?

    Was den Systemikern vermutlich gut tun würde, wäre persönliche Erfahrung in den oberen Levels der buddhistischen Bewusstseinsforschung. Weil Sie aber ökonomisch motiviert und durch Alltagsdrogen (Kaffee,Alkohol, Anerkennung) stabilisiert sind, müsste ein hoher Lama zu Ihnen kommen und sagen, er sei nicht glücklich, weil die Wissenschaft die einfachsten Einsichten des Buddhismus noch nicht vollständig nachgebaut habe. Nur dies könne ihn trösten. Er würde fürstlich dafür bezahlen. Er fühle sich vom Habitus seiner Tradition verkalkt.

    Daraufhin würden die Systemiker ein paar Jahre lang ihre gesammelten Einsichten in den Lama hineinprojizieren, welche dieser freundlich, aber bestimmt als Bullshit abkanzeln würde, altbekannte Problemchen, vor tausenden von Jahren schon innerhalb der Tradition besprochen und gelöst. Nur die moralische Alltagsausrichtung und spirituelle Praxis könnte die Systemiker auf das Bewusstseinslevels des Lamas heben, damit diese ihren wissenschaftlichen Werkzeugkasten, um neue Schubladen erweitern könnten. Dies würde natürlich fürstlich bezahlt werden. Der Lama habe zwar bereits eine Ahnung, wo die Reise hingehen könnte, fühle sich aber immer noch etwas verkalkt.

    Zwischenzeitlich ergibt sich ein Richtungsstreit zwischen den Systemikern. Eine Gruppe meint, die Arbeit mit dem Lama fresse zuviele Ressourcen auf, die besser damit verwendet werden könnten, sich um das grassierende Flüchtlingsproblem zu kümmern. Dieser Gruppe stimmt der Lama zu. Die andere Gruppe hält das ganze Projekt für esoterische Spinnerei. Dieser Gruppe stimmt der Lama zu. Ein paar verstreute Individuen haben angefangen die Lehre des Lamas zu praktizieren und Lust bekommen, diese weiter zu vertiefen. Dafür bekommen Sie aber kein Geld mehr. Der Lama ist pleite. Seine eigene Tradition hat ihn verstoßen, weil er ihr zu westlich geworden ist. Der Geldhahn ist zu. Der Lama obdachlos. Vom Regen verwittert.

    Zusammen mit ein paar anderen Obdachlosen zieht er in eine Höhle im Wald, wo sie fasten, meditieren. Alle machen sehr interessante Erfahrungen. Auch ein, zwei verstreute Systemiker, die nun selbst wie Obdachlose aussehen, schließlich in zerlumpten Klamotten auf ihre Kongresse zurückkehren und mit neuen Schubladen um sich werfen, von denen keiner etwas hören will, weil Sie als durchgeknallt gelten, und das Scheissetauchen wenigstens von den Krankenkassen subventioniert wird. Dies scheint die Laune der frischgebackenen System-Lamas jedoch nicht zu trüben. Sie strahlen eine heitere Gelassenheit aus und beginnen diese in neue Gefäße zu gießen, die sie kostenlos zur Verfügung stellen. Dies führt zur sofortigen Exkommunizierung aus der Systemcommunity, die um ihre Existenzgrundlage und ihr Image bangt. Etwas drittes entsteht. Ein parasitäres Online System, welches sich vom gesellschaftlichen Stresspotential ernährt und dies in Humor umwandelt.

    Ghost in the shell.

  3. Das klingt für mich sehr dualistisch schubladisiert, ganz und gar der Unterscheidung Geld/Nichtgeld untergeordnet. Wo bleibt die heitere Gelassenheit?

    Ich empfehle (ohne eine Rechnung zu schreiben oder einen Krankenschein zu fordern) einen längeren Meditationskurs…

  4. Ich freue mich nach wie vor darauf, dass Sie das Programm Ihres Verlags kostenlos als E-Books zur Verfügung stellen, wenn Sie denken, dass es der Allgemeinheit nur an systemischer Weisheit fehlt?

  5. Was ist denn nun mit dem Meditationskurs? Danach können wir ja noch mal darüber reden, was für die Weisheit der Allgemeinheit gut wäre…

  6. „Daraufhin würden die Systemiker ein paar Jahre lang ihre gesammelten Einsichten in den Lama hineinprojizieren, welche dieser freundlich, aber bestimmt als Bullshit abkanzeln würde, altbekannte Problemchen, vor tausenden von Jahren schon innerhalb der Tradition besprochen und gelöst. Nur die moralische Alltagsausrichtung und spirituelle Praxis könnte die Systemiker auf das Bewusstseinslevels des Lamas heben, damit diese ihren wissenschaftlichen Werkzeugkasten, um neue Schubladen erweitern könnten.“

  7. Hic Rhodos, hic salta.
    Mir scheint, jetzt muss man ans Meer zum Radab tauchen gehen.
    Radon gibts schließlich schon in dem Stollen.

  8. Falls Petra Lodz Dich nicht mitnimmt, übernehme ich es gerne, Fritz. Verabredungen beim Tibeter sind (meine Erfahrung) äußerst hilfreich. Für Zorn (bei älteren und weniger älteren Herren, aber auch bei Damen jedweden Alters). Und für Mitgefühl UND Weisheit (oder vice versa).

  9. Magermilchjoghurt schmeckt scheiße, aber das Wort enthält alle Vokale in der richtigen Reihenfolge. Schweinebraten mit Knödel und Blaukraut ist in dieser Hinsicht langweilig, aber schmeckt gut. So ist für jeden etwas dabei. Ist das Leben nicht schön? (Quelle dem Kopisten bekannt)

  10. Im Hinblick darauf, dass Ambiguität bzw. Konfliktspannung als Vorspiel für den Verkauf einfacher Lösungen durch Politikproduzenten offenbar ganz gern künstlich induziert werden, erscheint mir die Ansage Müllers als ziemlich sinnvolle Synopsis; https://www.youtube.com/watch?v=Ralsv5WBJvI

    Einerseits http://www.fluechtlingspaten-syrien.de/
    andererseits der Blick auf die Ursachen;
    http://www.konjunktion.info/2015/09/jenseits-der-europaeischen-migrationskrise-wer-ist-verantwortlich-und-warum/

  11. Wir sind zur Zeit in Franreich in Urlaub und reiben uns die Augen ob der Berichterstattung der französischen Medien: Deutschland plötzlich als hehres Beispiel des Guten – das haben wir so euphorisch und eineindeutig noch nie erlebt! Frei von jeglicher Ambivalenz derzeit.

  12. Ambiguitätstoleranz versus Ambivalenz. Ich bin mir da nicht so sicher. 🙂
    Heißt es doch bspw bei Wikipedia:

    Unter Ambivalenz (lat. ambo „beide“ und valere „gelten“) wird in der Psychologie, Psychotherapie, Psychiatrie und Psychoanalyse das Nebeneinander von gegensätzlichen Gefühlen, Gedanken und Aussagen verstanden. In der gehobenen Umgangssprache gebräuchlicher ist das Adjektiv ambivalent (zwiespältig, doppelwertig, mehrdeutig, vielfältig). Der Begriff wurde von Eugen Bleuler (1857–1939) geprägt.[1]

    und zu Ambiguitätstoleranz:

    Ambiguitätstoleranz (v. lat. ambiguitas „Zweideutigkeit“, „Doppelsinn“), teilweise auch als Unsicherheits- oder Ungewissheitstoleranz bezeichnet, ist die Fähigkeit, mehrdeutige Situationen und widersprüchliche Handlungsweisen zu ertragen. Ambiguitätstolerante Personen sind in der Lage, Ambiguitäten, also Widersprüchlichkeiten, kulturell bedingte Unterschiede oder mehrdeutige Informationen, die schwer verständlich oder sogar inakzeptabel erscheinen, wahrzunehmen ohne darauf aggressiv zu reagieren oder diese einseitig negativ oder – häufig bei kulturell bedingten Unterschieden – vorbehaltlos positiv zu bewerten. Der Begriff spielt in unterschiedlichen psychologischen und pädagogischen Theorien eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Persönlichkeitsentwicklung (siehe auch: Identitätsentwicklung) und dem sozialen Lernen. Ambiguitätstoleranz ist auch eine Voraussetzung für die interkulturelle Kompetenz eines Menschen.

  13. Ambiguitätstoleranz ist schließlich anderweitig kein Problem, es sei denn es dreht sich um Anberaumen eines durchlaucht, auch ambivalent zu verstehenden Terminess, auf einem ParCourt, den zuvor der Amtschimmel mit ein paar A Grafen geritten, vermessen und abGstoeckelt hat. Wenn auffliegt, dass im Almrausch der Alkofen ex post zur Affenschande zu degenerieren droht und AdeBar’s Flügel Fracksaußen mitsamt Flattermännern aus zu spannen droht, na dann …?
    Heiss’ts vielleicht Vale! Ihr armseligen amBosse?

  14. Innen vs. außen: Ambivalenz bezieht sich auf die psychische Dynamik, d.h. das Erleben, Ambiguität auf die äußeren Phänomene bzw. die Bedeutung, die ihnen gegeben wird. Insofern beschreiben beide Begriffe zusammengehörige Phänomene, d.h. auf Ambiguität wird mit Ambivalenz reagiert. Und wo man Ambivalenz nicht aushält, toleriert man auch keine Ambiguitäten. Wenn man die Welt nach einem zweiwertigen logischen Schema ordnet, kann man Ambiguität nicht ertragen und wird aufgrund der erlebten Ambivalenz im Extemfall psychotisch. Es erscheint dem außenstehenden Beobachter als verrückt, wenn sein Gegenüber z.B. von einer Sekunde zur anderen seine Meinung ändert…

  15. Ausser vielleicht man arbeitet bewusst und kontrolliert mit Paradigmenwechseln und Tabubrüchen, wie die Crazy Wisdom Tradition im Buddhismus (siehe Chögyam Trungpa oder Osho) oder die Chaosmagie im Westen. Dafür braucht es wahrscheinlich eine mentale Resilienz, die sich ein systemischer Psychologe einfach nicht ausmalen kann.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Chaosmagie

  16. Die Welt funktioniert nun mal nicht nach den Regeln der Entweder-oder-Logik.

    Aber die menschliche Sprache funktioniert so. Das lernen schon kleine Kinder. Apfel oder kein Apfel. A oder B. Das menschliche Sprachgerüst und damit wage ich zu sagen auch unsere Denkstruktur basiert darauf. Das macht es ja gerade so schwierig, wenn nicht unmöglich, innerhalb dieser Denkstrukturen ebendiese über Bord zu werfen. Das Denken hockt ja auch nicht im Gehirn, ebenso wenig wie es das Gehirn jenseits von Denkstrukturen als separate, abgetrennte Masse gibt. Und erst wenn man das System so zu betrachten beginnt, quasi seine eigenen, zweiwertigen Denkstrukturen bis an den Ursprung zurückverfolgt, scheint einem Welt mitunter doch nach den Regeln der Entweder-oder-Logik zu funktionieren…

  17. Ganz im Gegenteil. Die systemische Psychologie – ich kenne niemanden, der das, was er tut, so nennt, nebenbei bemerkt – bzw. die aus Systemtheorie und Konstruktivismus abgeleiteten Ansätze und Konzeptein der Psychiatrie sagen: Ambivalenz ist der Normalzustand des Menschen, Eindeutigkeit gibt es nicht, Paradoxien bzw. paradoxe Aufforderungen wie beim Zen-Koan führen zu Bewußtsein, dass die zweiwertige Logik nichts mit der Welt „an sich“ zu tun hat, außer mit den Konstruktionsprinzipien der Wirklichkeit, die Menschen meistens verwenden (siehe George Spencer-Browns „Laws of Form“ – Leseempfehlung an P. Lodz: F.B. Simon: „Unterschiede, die Unterschiede machen“)

  18. Wenn man die Entweder-oder-Logik konsequent (soll heißen: sehr konsequent) anwendet, dann landet man irgendwann an dem Punkt, wo sie sich selbst ad absurdum führt… Aber leider tun das die wenigstens Leute, die sich auf die Logik berufen.

  19. Ach Gott, wozu brauchen wir denn immer peripher angehauchte, esoterische Gnostiker für eine „mentale Resilienz“.
    Ja, stimmt!
    Der Weg ist das Ziel.

    Wenn dabei bloß nicht immer Hinweg mit dem Rückweg in einen Topf geworfen würde. Nach den LoF, auch mathematisch, ein kompletter Non-Sense.
    Wunderbar, wenn an den Bifurkationen -Hinweg/Rückweg- regelmäßig blind mit Trugschlüssen hantiert wird und Fehlentscheidungen mangels Fehlerkorrekturen die Folge sind. Individuelle Lebenswege sind und bleiben nun mal unterschiedlich, da muss man sich nicht gleich aufs bekehrende „Systemiker“-Beschimpfen verlegen. Wie zwischen erstem und letztem Hemd nicht nur mannigfaltigen Unterschiede liegen, so findet sich im Vergleich auch summa summarum ein gewaltiger Unterschied.

    Hierzu Geschichten eines bekennenden Agnostikers,
    der mit System klar und verständlich den „state of the art“ zusammenfasst.

    https://www.youtube.com/watch?v=wqMIC2QSN10

    https://www.youtube.com/watch?v=3tJwoxYh2FU

  20. Die Frage bleibt, welchen Sinn es macht, diesen Punkt zu erreichen. Es mag einen Sinn machen für das persönliche Samadhi-Empfinden, das sich jedoch in aller Regel nicht auf eine Lebensspanne ausdehnen lässt (gut, vielleicht wenn man wie die Sadhus mit dem heiligen Kraut nachhilft). So lange wir in diskursiven Denkstrukturen stecken, diese anwenden und beim Gegenüber voraussetzen, können sie als solide Basis für jede weitere Analyse (und Vorhersage) höchst pragmatisch genutzt werden. Und wenn man eben jene Denkstrukturen auf „die Welt“ überträgt (und sie als nicht der Welt innewohnend voraussetzt) ergeben sich ebenso wunderbare Konsequenzen. Es entsteht ein plastisches, sich permanent wandelndes „Bild“ – wir suchen keine Buchstaben mehr in der Welt, wir „labeln“ die Welt nicht, als wären die Labels der Welt inhärent, stattdessen beobachten wir uns beim labeln und vielleicht schaffen wir es sogar, das Label aufzulösen, es in Schwingung zu versetzen, ähnlich dem Sound, den Kinder gebrauchen, um Welten entstehen zu lassen (noch ehe sie beginnen, die „Welt“ mit Buchstaben zu bezetteln). Diese Sichtweise kann man in der Genetik ebenso anwenden, wie in jeder anderen Wissenschaft. Und es zeigt sich ja auch, dass Erfahrung und „durch das Leben gehen“, Veränderungen in der Genetik bewirkt, ebenso wie sich zeigt, dass es Neuroplastizität tatsächlich (schönes Wort) gibt (…und manches verständlicher wird, wenn man sich selber dabei zuschaut, wie man physiologische Strukturen trennt, die nur in ihrem Zusammenwirken Sinn (oh ja) ergeben (…))

  21. Tja

    Für mein Leben würd ich gern den Kontext des Wortes sehen…schon fies…dieses Bloggen.

  22. Womit ich mir hingegen schwer tue, ist zu sehen, wann und warum Samadhibewusstsein von Nachteil sein sollte.

    Es mag daran liegen, dass ich einmal, wie ausversehen, ins Nirvana gerutscht bin, in der Meditation. So muss sich eine Quecksilberpfütze fühlen, wenn sie auf dem Boden zusammenfindet. Ein kleiner Tod, sehr angenehm.

    Was ich an der Systemtheorie und den daran abgeleiteten Therapieschulen (so besser?) schätze, ist, dass es damit möglich ist, die Entweder-Oder-Logik solange zu schubsen, bis sie sich selbst auflöst. Dies ist ein hilfreicher Startpunkt, wenn man Menschen vom Leid der Anhaftung wegführen möchte, die ja letztlich den anderen Müll bedingt (Gier, Neid, Hass, Paranoia, Krieg, Flüchtlinge, Nazis…). Nach der Erfahrung der Erlöschung liegt es intuitiv sehr nahe, sich mit allem und jedem verbunden zu fühlen und sich zu fragen, welche Faktoren diese Verbundenheit stören und was man da vielleicht tun könnte. Das Boddhisattva-Gelübde wird zu einem Trampolin am Wesensgrund.

    Diese kleinen Buddhastatuen sind ja sowas wie der Nachfolger des Gartenzwergs in deutschen Vorgärten. In der oberen Mittelschicht gilt es als schick die Kinder auf die Waldorfschule zu schicken. Selbst für Bordellbetreiber. Was fehlt wäre allerdings eine ansprechende Schulungsmöglichkeit für Langzeitarbeitslose, Flüchtlinge, Sträflinge, kurz: das Lumpenproletariat. Solange dieses Thema übergangen wird, ruht die Gesellschaft auf morschen Sockeln.

    Das raue Schubsen aus der Anhaftung funktioniert gut als kollegialer Proletarierhumor und folgt meines Erachtens im Prinzip der Affektlogik der Sterbephasen von Frau Kübler-Ross:

    1.Denial – 2.Anger – 3.Bargaining – 4.Depression – 5.Acceptance.

    Hier könnte man also gut ansetzen und ein Bildungsprodukt herstellen, welches über die Konfrontation mit fiktiven Worstcase-Horrorszenarien, angefüttert mit systemischen Backgroundwissen die Resilienz der Bevölkerung schult.

  23. Die LoF erscheinen mir theoretisch ungenügend, denn bevor wir Zeichen setzen erfolgt ein viel grundlegenderes Unterscheiden auf einer vorschriftlichen Ebene. Ja, es ist sogar NUR in der Schriftlichkeit möglich überhaupt den Gedanken zu kreieren, DASS Zeichen/Linien zum BEZEICHNEN/Unterscheiden dienen. Jenseits der Schriftlichkeit hat dieser Gedanke nämlich keine Grundlage.
    Ich kann auch nicht erkennen in wieweit buddhistische Erkenntnisse systemisches Denken vorwegnehmen. Genau so wenig wie wir hier im Westen verstehen, was die Praktiken eines Dalai Lama sind (ich empfehle das grandiose Buch von Ian A.Baker & Thomas Laird – Der geheime Tempel von Tibet), versteht der Dalai Lama wohl, warum wir hier im Westen bunte Bilder vom Gehirn anfertigen und glauben, dass dadurch unsere Erkenntnis zunimmt. Geht es in den Mind & Life Conferences nicht vor allem um einen Brückenschlag vollkommen unterschiedlicher Kulturen, um das Verfremden von Wissen, so dass Neues entstehen möge?

  24. Es gibt ja noch das Autopoiesiskonzept, welches sich mit der indischen Vorstellung vom Kundalini vermengen ließe und dann eben schrittweise aufsteigt, je mehr Inklusion gelingt. Analog dazu gibt es die Medienepochen bei Luhmann, dem allerdings die Körperlichkeit völlig flötengegangen ist. Müsste man nur harmonisch zusammenbringen.

    Wenn ich Spencer-Brown visualisiere, sehe ich ihn immer mit einem kleinen Messerchen wild rumfuchteln, wie ein Nagarjuna ohne Sangha.

  25. Zumeist ist es so, dass auch ein einmaliger Blick hinter die Kulissen nicht zur dauerhaften Eliminierung des Vorhangs führt. Und auch nicht zur uneingeschränkten Anwendbarkeit der Erkenntnisse. Zur Transformation der Persönlichkeit ist ein längerer Prozess notwendig – ganz ehrlich: Das Leben wäre zum Sterben langweilig otherwise. Und eine Heerschar an Therapeuten wäre arbeitslos. Womit sich der Kreis zu den Langzeitarbeitslosen schließen dürfte.

  26. Jeden Tag eine halbe Stunde auf dem Meditationskissen, da vergehen einem die Nirvana- und Erleuchtungsflausen aber flugs!

  27. Chapeau!
    Das Problem konsequenter (Entweder-Oder-)Logik besteht in ihrer nicht-direkt-beobachtbaren „A-Logik“. Um daran nicht „verrückt“ zu werden und zu „regredieren“, besteht die Chance des Übergangs und Weiterentwicklung in eine translogischere Ebene. Der ganze Raum der Ästhetik und Kunst speist sich daraus.

  28. Mit einer aufsteigenden Kundalini ist nicht zu spaßen. Ich habe die Theorie, dass viele Psychosepatienten in Wirklichkeit unter einer außer Kontrolle geratenen Kundalini leiden. Nicht umsonst wird sie auch als Schlange außerhalb (!) des Körpers dargestellt. Mit Luhmann muss ich mich endlich eingehend beschäftigen. Embodiment wäre natürlich der letzte Hit.

  29. Diese Kundalininummern sind für Leute mit Backwahn. Die Buddhis schauen erstmal, ob jemand Füße unten dran hat, erst dann bekommt er Einführungen in die Praxis.

  30. Aufsteigende Kundalini bedeutet Sinnüberschuss, der durch neue Kulturformen der Gesellschaft und neue Bewusstseinsformate des Individuums gelöst werden muss. Sonst bleibt es schmerzhaft. Die Netzgesellschaft erfordert ein radikales Loslassen, auch vom Habitus, einen schlauen Umgang mit Nichtwissen…

    „Nachlassende Konzentration ist ein Vektor, der sich aus der Reformatierung von Zentrum und Peripherie ergibt. Er zwingt dazu, Persönlichkeitsbilder neu zu ordnen, die sich ehemals tendenziell eindeutig auf Zentrum und Peripherie verteilen ließen. Er löst die Disziplinierungstechniken auf, die einst am Zögling den Anschein der Konzentration als Habitus pflegten, auch wenn der Geist immer schon träumerisch unterwegs war. Er klammert institutionelle Praktiken und kulturelle Aktivitäten ein, die einst mit Sanktionen, Ritualen und Routinen zur Stelle waren, sobald die Konzentration schwächelte. Und er verzichtet darauf, die nachlassende Konzentration eindeutig negativ zu werten, sondern wendet stattdessen ein, sie könne Symptom und Symbol einer gesellschaftlichen Verschiebung sein.“ – Dirk Baecker

  31. „Aufsteigende Kundalini bedeutet Sinnüberschuss, der durch neue Kulturformen der Gesellschaft und neue Bewusstseinsformate des Individuums gelöst werden muss.“
    Kann ich mir das irgendwo practicando mal ansehen?

  32. Chögyam Trungpa, der buddhistsche Lehrer von Francisco Varela hat Yoga in den Lehrplan seiner Shambhala Organisation aufgenommen, um genau dies zu ermöglichen. Gibt’s aber nur in den größeren Stadtzentren, leider nicht in Heidelberg. Daher vielleicht mal Samstags in Mannheim, 11:15 -12:15h zur Gratisstunde bei…

    http://www.mokshayogastudio.de

  33. Chögyam Trungpa kommt m.W. aus der tibetischen Karma Kagyü Tradition und ist ein Schüler von SH dem 16. Karmapa. Solche verschwurbelten Sätze wie „Aufsteigende Kundalini … Sinnüberschuss .. neue Bewußtseinsformate …“ gehören nicht zum dortigen Sprachgebrauch, Kundalini hin oder her.

  34. Tja, da verläuft sie also, die gläserne Habituswand in den Köpfen der Systemiker. Seine Heiligkeit… Schüler von Blabla… Altehrwürdiger Depp vom Dienst…

    „Ambivalenz ist der Normalzustand des Menschen, Eindeutigkeit gibt es nicht, Paradoxien bzw. paradoxe Aufforderungen wie beim Zen-Koan führen zu Bewußtsein, dass die zweiwertige Logik nichts mit der Welt „an sich“ zu tun hat, außer mit den Konstruktionsprinzipien der Wirklichkeit, die Menschen meistens verwenden „

  35. @ 18 „Ich kann auch nicht erkennen in wieweit buddhistische Erkenntnisse systemisches Denken vorwegnehmen.“
    Ich behaupte, dass der Diskurs der Systemtheorie – ebenso wie der des Buddhismus – um die Frage kreist, was es heißt Mensch zu sein. Maturana sieht dies explizit so; er hat aber leider nur die eine Hälfte dieser Frage in die Hand bekommen. die andere hielt / hält Luhmann in der Hand…

  36. „Vertraue dich einem qualifizierten spirituellen Meister an und löse dich dann von alle Zerstreuung…verweile im uranfänglichen Zustand der Klarheit. Die Sinnestore sind der höchste Pfad. Verweile im Herzzentrum. Praktiziere die nicht habgierige Befreiung vom Selbst…Das Ziel ist Einssein mit dem unendlichen Raum des Ursprungsbuddha, Samantabhadra.“ (So lautet die Inschrift in der oberen linken Hälfte der Nordwand des Lukhang, das ausschließlich den Dalai Lamas vorbehaltene Meditations-Refugium; siehe Baker & Laird, Der geheime Tempel von Tibet, S. 79)
    Wenn man dieses Buch eingehend studiert, auch die dargestellten Praktiken, dann stellt man fest, dass wir hier im Westen häufig einen „Pick-dir-die-Rosinen-aus-dem-Kuchen-Buddhismus“ pflegen (da fallen mir jetzt noch eine ganze Reihe anderer Bücher ein…). Nichts gegen gelebte Ethik, nichts gegen Religionen übergreifende Ethik, das ist es wohl was wir gerade im Augenblick brauchen – aber ich denke, dass buddhistische Praxis weit über die Frage hinaus gehen kann „was es heißt, Mensch zu sein“…

  37. „ich denke, dass buddhistische Praxis weit über die Frage hinaus gehen kann ‚was es heißt, Mensch zu sein’…“
    sicher. aber genau an dieser Frage – und nirgendwo sonst – beginnt sie. man muss nur tief genug in sie eindringen.

  38. denken Sie nur an die „drei Daseinsmerkmale“ anicca, anatta, dukkha (in Pali).
    Oder lesen Sie das Buch „Der mittlere Weg der Erkenntnis“ von F. Varela et al.
    Dirk Baecker nennt es, und ich sehe das ebenso, „ein faszinierendes Buch“.

  39. Der Mittelweg ist doch nicht gut verständlich ohne gelebter Praxis … daher zur Abwechslung hier ein paar Ausschnitte aus dem besagten Buch „Der geheime Tempel von Tibet“. All diese Übungen sind abgebildet – das Buch macht wirklich Spaß.

    Die Yoga-Bewegungen
    S. 63 (Baker & Laird)
    (Um die Energie durch die inneren Kanäle und die Chakras zum Fließen zu bringen). Erstens…reibe die Handflächen aneinander und massiere ununterbrochen die rechte und die linke Seite des Körpers. Zweitens, umfasse die beiden Fusssohlen und lasse sie nach rechts und nach links rotieren. Drittens, reibe (den Körper) mit Öl ein und schüttele ihn. Viertens, lasse den Magen dreimal nach rechts und dreimal nach links rotieren. Fünftens, halte den Atem an, während du mit aller Kraft deine beiden Hände nach außen stößt, „wie beim Vajra-Stoßen“. Sechstens, „wie beim Steinwurf“: wirf die beiden Hände dreimal nach rechts und dann nach links. (usw usf)

    S. 63 links Die friedvollen und zornigen Gottheiten
    (…)
    (Die männlichen und weiblichen Bodhisattvas): Manjushri in Vereinigung mit Alokema, Avalokiteshvara vereint mit Gitima, Namnying mit Dhupema, Samantabhadra mit Malema, Maitreya mit Pushpema, Ksitgarbha mit Lasyama, Dribsel in Vereinigung mit Glenda, Vajrapani mit Nityama.
    (…)

  40. Ja, aber das versteht doch keiner bzw. das ist doch hier gar nicht anschlußfähig. Avalokiteshvara, wer war das nochmal? War das nicht der Typ aus dem letzten Film von dem Dingsda? Avalokiteshvara- oder, tib., „Chenrezig“-Praxis ist etwas das man tut (oder eben auch nicht), und zunächst einmal kein Aspekt einer irgendwie gearteten wissenschaftlichen (oder sonstwie gearteten) Beweisführung.

  41. „Die LoF erscheinen mir theoretisch ungenügend…“
    Mir scheint, Sie schätzen die LoF falsch ein, denn diese bewegen sich in einem prä-schriftlichen, prä-verbalen und prä-logischen Raum.

    Um erfolgreich mit Zeichen zu operieren, d. h. zu unterscheiden und zu bezeichnen, braucht es weder Sprache noch Schrift; das können auch Mikroben. Es braucht nur einen Beobachter, der das versteht und es (sich und Anderen) nachvollziehbar erklären kann.

    Im Übrigen haben Menschen Jahrmillionen auch ohne Sprache oder Schrift, einfach durch sinn-vollen (ritualisierten) Zeichengebrauch, ihre Sozialität bewahrt. Die Wurzeln der Sprache ebenso wie der Schrift sind leztlich im Rituellen zu suchen.

  42. … und wir können (bzw. müssen) schon auf einer vorschriftlichen Ebene bezeichnen, z.B. durch physiologische Reaktionen bzw. physiologische Muster die andere physilogische Muster bezeichnen … Also, das ist m.E. keine Einschränkung der Gültigkeit der LoF, ganz im Gegenteil.

  43. …und um zu fragen, was das Muster ist, das diese sich wechselseitig bezeichnenden Muster verbindet und was der Raum sein könnte, der seine Gültigkeit definiert / begrenzt – dazu braucht es wohl in-Sprache operierende Beobachter.
    Und damit landen wir wieder bei der Frage danach, was es heißt Mensch zu sein…

  44. We take as given the idea of distinction and the idea of indication, and that we cannot make an indication without drawing a distinction.

    Keine Mikrobe dieser Welt operiert mit Zeichen. Auch Amöben ziehen keine Linien.

    Es ist unmöglich, auf einer vorschriftlichen Ebene zu bezeichnen. Es ist auch unmöglich auf einer vorschriftlichen Ebene zu „drawn“.

    Aber vielleicht verstehe ich „draw“ falsch.

    Erklären Sie mir bitte das Vorschriftliche in den Laws of Form. Dafür wäre ich Ihnen in der Tat sehr dankbar!

    (vielleicht durch „in die Hände klatschen“)

  45. Da hab ich eine Verabredung mit Herrn Avalokita (nein, Carl Auer, das ist nicht die Kita in Avalo).

  46. Hände-klatschen reicht nicht hin. Ich würde Sie außerdem damit in diesem Medium auch gar nicht er-reichen.

    ich sehe (beobachte) „Zeichen“ als Zwei-Seiten-Form. Etwas wird unterschieden und gleichzeitig bezeichnet. Das Zeichen ist dann die (prozessierende) Einheit des Unterschieds von BEZEICHNENDEM und BEZEICHNETEM.

    Das Bezeichnende stellt die materielle, körperliche Seite zur Verfügung; z.B. die Kreide auf der Tafel; oder der Mikroben-Organismus als eine zusammengesetzte, physiologische Einheit.
    Der Knackpunkt dabei ist m. E., dass man es unter zwei unterschiedlichen Aspekten beobachten kann / muss:
    – einmal als ein fortlaufendes Bezeichnen, d.h. als die BEWEGUNG eines KÖRPERS in einem RAUM.
    – zugleich aber auch als eine – in Form eines wiederholbaren SCHEMAS festgehaltene – Bewegung, als „Eigenwert“, sodass (Wieder-)Erkennen möglich wird.

    Die andere Seite, das Bezeichnete (= die Beziehungsseite des Bezeichnenden), kann dann im Vagen bleiben, offen für sinn-volle Mustervariationen, die den Eigenwert kondensieren und konfirmieren.

    Aber es braucht, wie schon gesagt, immer einen Beobachter, der diesen – die Zeichen generierenden – Mechanismus sich selber und anderen Beobachtern nachvollziehbar erklärt. Dazu braucht es Sprache / Sprachspiele. Und damit eine den Beobachtern gemeinsame Praxis (Lebensweise). Händeklatschen alleine reicht nicht. Aber es hilft – gemeinsam ausgeübt – vielleicht, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden, eine gemeinsame Lebensweise, die Verständigung möglich macht.

  47. Lieber Herr FraFri … Hände klatschen wäre angesichts der schweren Grippe, mit der ich seit Tagen meine Umgebung infiziere, ohnehin im Augenblick nicht sehr förderlich. Aber zumindest öffnet sie mir Zeitfenster zum Bloggen im Bett.
    Wenn Sie Zeichen und Bezeichnetes als Einheit denken wollen, also weg von der abendländischen dualistischen Trennung zwischen Zeichen und Bezeichneten, so lassen Sie das Zeichen als „Zeichen“ doch einfach mal weg. Das ist gar nicht so schwierig wie es im ersten Moment aussieht. Sprechen wir von Sprachwellen, bewegen wir uns etwas über die Riesen hinaus, die die Sprachspiele entwickelt haben. Wir projizieren unsere schriftlichen Unterscheidungen so unreflektiert in das Lebendige hinein, als wäre die Zeichen dem Lebendigen inhärent. Darauf möchte ich nur hinweisen. Unreflektiert gebrauchte Zeichen erzeugt jenen Dualismus zwischen Zeichen und Bezeichnetem, mit dem schon Pierce sich herumgeschlagen hat. Aber es wäre doch einen Gedanken wert, das Papier/die Tafel/die Schreibunterlage und das Werkzeug der Beschreibung (ganz egal welches) einmal wegzulegen und zu sehen, was sodann mit der Wirklichkeit geschieht. Aber ich gebe zu, unser Denken ist infiltriert von Zeichen. Das fängt schon bei den ganz Kleinen an. Es ist doch eine ungeheure Abstraktionsleistung einen Apfel in einem Bilderbuch zu benennen. Kindern fällt das aber ganz leicht. Überall sind diese Linien und Striche aufgedruckt, zumindest in unserem Kulturkreis und schon Einjährige scheinen zu begreifen, dass es hier um etwas sehr Bedeutsames geht…und nicht nur aufgedruckt, auch geformt. Ich liebe Hundertwasser und seine der Natur nachempfundenen Bauformen…

  48. … Nur wenn wir darüber reden (wollen). Das wäre dann aber Beobachtung 2. Ordnung, während die skizzierten physiologischen Muster m. E. als Beobachtung 1. Ordnung zu betrachten sind.

  49. Ach Gott,
    wenn ich all das so lese, dann denk ich mir,
    ich sollte es doch lieber
    weiterhin mit Karl Kraus halten,
    wenn es sich darum dreht,
    den Unterschied denkend zu setzen
    und
    anschließend in Form zu bringen zu versuchen.

    „Wo nehm ich all die Zeit her, so viel nicht zu lesen?“

  50. „… Nur wenn wir darüber reden (wollen). Das wäre dann aber Beobachtung 2. Ordnung, während die skizzierten physiologischen Muster m. E. als Beobachtung 1. Ordnung zu betrachten sind.“

    Lieber Herr Simon, wie könnte es auch anders sein, ich sehe das anders: Der Frage nach dem Mensch-Sein auf den Grund zu gehen erfordert m. E. ein Beobachten 3. Ordnung.

    Dieser Begriff hat es immer noch schwer, obwohl er sich ja schon bei Luhmann findet. Es geht dabei m. E. um das, was bei G. Bateson Lernen III heißt, d. h. darum, etwas über die „transzendentalen“ Bedingungen seines Beobachtens und damit über sich selbst zu lernen – genauer: über den impliziten, unaussprechlichen KONTEXT (um mal den missverständlichen Begriff „Haltung“ zu vermeiden), der das eigene Beobachten notwendig begrenzt, damit zugleich aber auch erst möglich macht.

    Beobachten 1. Ordnung identifiziert „Objekte“.
    Beobachten 2. Ordnung beobachtet die dem zugrunde liegende Unterscheidung.
    Beobachten 3. Ordnung beobachtet die (prozessierende) Unterscheidung zwischen Beobachten 1. und 2. Ordnung.
    Es fragt nicht, WAS, sondern WIE beobachtet wird: wie kann / muss ein Beobachter eigene oder andere Beobachtungen so beobachten, dass etwas Lebensfähiges, Sinn-volles (z. B. Systeme oder aber auch: Mensch-Sein) denk-bar bzw. möglich wird?

    Beobachten 3. Ordnung beobachtet nicht ein Immer-schon-Bezeichnetes, sondern den VORGANG DES BEZEICHNENS SELBST.
    (Ich vermute übrigens, dass es das ist, was Sie, liebe Andrea Christoph meinen. Stimmt das?)
    Es ist offenes, d. h. bewusst in der Schwebe gehaltenes, nicht-fixierendes Beobachten; Aufmerksamkeit auf den oszillierenden Prozess des Bezeichnens, ein „ästhetisches“ Denken in Mustern, die sich auf Muster beziehen – sodass sich schließlich der implizite, imaginäre Kontext, der Beobachten begrenzt und zugleich möglich macht, „zeigen“ kann – in der Form von anschlussfähigen Bildern, Metaphern, Geschichten; die dann wiederum zum Medium für weitere Kommunikation werden können.

    Man kann das mit dem Fokus entweder auf Theorie oder auf Praxis tun.
    Fokus auf Praxis: z. B. wenn ein ICH in einer Dyade (Ich und Anderes-Ich; etwa beim Sich-gegenseitig-in-die-Augen-Blicken) das Oszillieren zwischen den beiden differierenden Kontexten „offen“ beobachtet, es also zulässt und nicht vorzeitig abbricht. Dann wird nach einer Weile (es braucht Zeit) „Ich“ plötzlich als aktive, konstruierende Tätigkeit erkennbar, als das „Aufrechterhalten einer deskriptiven Rekursion“ (Maturana), die implizit einen imaginären Ich-Du-Kontext aufspannt, der wiederum dieses Aufrechterhalten überhaupt erst möglich macht.

    Der Kontext selbst, ob in der Theorie oder in der Praxis, ist immer imaginär, unaussprechlich, er „zeigt sich“ und lässt sich nur ästhetisch sichtbar (oder hörbar) machen.
    Dieses kurze Video z. B. „zeigt“ das sehr schön, ganz ohne Sprache.
    https://www.youtube.com/watch?v=1EumnijQBhw
    (möglicherweise schaltet sich vorher ein kurzer Werbeclip vor, einfach überspringen).

    Natürlich interessiert mich wieder, ob Sie damit etwas anfangen können, Herr Simon.

  51. Ich glaube, wir Nummerieren das Beobachten in verschiedene Richtungen. Ich will ja schon die physiologischen Prozesse als Beobachten 1. Ordnung definieren, d.h. vor dem Bewußtsein verorten (= das Unbewußte ist physiologisch). Sie hingegen gehen auf die soziale Ebene über – was ja auch aus meiner Perspektive nicht falsch ist, nur würde ich dem dann halt einen Ordnungszahl geben, die noch höher als 3 ist.

    Übrigens ein sehr schönes Video. Dazu fällt mir ein, dass meine italienische Gewährsfrau mir erzählt hat, die Italiener (speziell die Sizilianer) würden so viel reden, weil es zu intim sei, miteinander zu schweigen…

  52. auch ich würde physiologische Prozesse als „Beobachten“ bezeichnen, aber nicht als Beobachten erster Ordnung. Ich würde vielmehr sagen: Es braucht einen Beobachter erster oder zweiter Ordnung, der das sagt, d.h. der das als einen generierenden Mechanismus – für andere Beobachter nachvollziehbar – vorschlägt (= „erklärt“).
    Ansonsten käme man doch in Konflikt mit dem gewohnten Sprachgebrauch.

  53. Den Gedanken, jeder ontologischen Ebene bzw. äh ja Dimension eine eigene Kybernetik zuzuordnen, finde ich konsequent. Ich bin davon abgekommen, weil wir dann an die 30 Formen von Kybernetik haben und das wohl in Ermangelung zeitgemäßer didaktischer Möglichkeiten für die Vermittlung von Psychologie in der praktischen Handhabung einige überfordern würde. In meiner privaten Lieblingsübersetzung des Terminus „Kybernetik“ gehe ich davon aus, dass dieser letztlich eine Art von Gewahrsamkeit bezeichnet. K3 ist für mich die Form von Selbst- bzw. Weltgewahrsamkeit aus der heraus sich das Medium formuliert. Das klingt für manchen womöglich ein wenig abenteuerlich und ist doch ebenso gewöhnlich wie die Autobahntrance des Kinderbusfahrers und all die uns alltäglich heimsuchenden Zwischenbereiche zwischen Schlaf und sozial abgewunkener Gewohnheitswirklichkeit. Soziale Konnotationen, welche auf eine gesteigerte Wahrscheinlichkeit des Aufkommens von K3 hinweisen, finden sich alltäglich und erst recht in den ein wenig verrückten Situationen die Therapeuten, Moderatoren, etc. mit ihren Klienten kokonstruieren. Bsp. der Stuhlkreis in der Aufstellung bezeichnet einen solchen besonderen sozial konnotierten Raum. Wer „in“ ist darf gemäß unausgesprochener sozialer Übereinkunft in wenig spinnen, ohne damit rechnen zu müssen, dass durch Zeugen beim Vormundschaftsgericht für ihn eine Betreuung angeregt wird. Wer zu einem Therapeuten geht, der lt. Etikett farallynesisch spricht, der ordnet sexuell anzügliche Beschimpfungen zur Begrüßung nicht etwa als Anlass zum Handgreiflichwerden ein sondern als elegant verkürzende Startbahn für die Therapiesession Richtung persönlicher Erleuchtung. Ein Therapeut der mit seinem Klienten irgendwelche monströsen Persönlichkeitsanteile in den Raum hineinhalluziniert, agiert aus der Gewahrsamkeit der Kybernetik 3. Ordnung heraus. Auch bspw. in der Mindell´schen Psychologie wird offenbar einigermaßen regelgeleitet (= nachvollziehbar) mit K3 gearbeitet. Der Tatbestand, dass auch systemisch ausgebildete Therapeuten und andere von Berufs wegen Verrückte noch nicht einmal zwischen K1 und K2 (Bspw. Clean Language, Ideolektik, Rosenberg etc.) zu differenzieren vermögen, ist m.E. Skandalon. Bringt man diese m.E. zu Unrecht mit einem Zertifikat bewaffneten Ausbildungsabsolventen in eine Machtposition, dann machen sie folge dieser Undifferenziert die gleichen Bugs, wie die Mainstream-Psychiatrie sie sich leistet und wie sie die Psychoanalyse mit ihren Übertragungs- und Gegenübertragungsanalysen zu vermeiden suchte. Der wesentliche Unterschied zwischen einem Esoteriker der bspw. seine eigene Verwirrung zu so etwas wie Chaosmagie hochstilisiert und einem Psychiater der K1 / K2 und womöglich gar K3 durcheinanderhaut, besteht dann im Wesentlichen darin, dass dem Psychiater im Hinblick auf dessen über Heilung hinausgehende Funktionen von seiner Community eine extrem überhöhte Deutungsmacht zugestanden wird – Ein Privileg, um das sich viele Esoteriker vergeblich bemühen.

    Um noch einmal an den Gedanken anzuknüpfen, dass wir theoretisch so viele Kybernetiken differenzieren müßten, als es Lernebenen bzw. Resonanzebenen bzw. ontologische äh ja Dimensionen gibt auf denen das Sein erfahren ja erfunden werden kann; Interessant ist im Zusammenhang mit diesen, schon von Bateson thematisierten Lernebenen der verblüffende Tatbestand, dass es bis zum heutigen Tage noch immer keine integrierte Lerntheorie gibt. Lerntheorien gibt es. Aber in welchem Zusammenhang diese bittschön stehe sollen, das ist bis dato trotz Aebli, Grawe, Kuhl etc. Spekulation bzw. Mysterium. Dementsprechend gibt es natürlich auch immer neue Definitionen dafür, was bitteschön wir uns unter „Intelligenz“ alles vorzustellen haben. Zeit also für eine systemisch-integrierte Psychologie, Zeit für semantisches Deklinieren (Differenzierung der situationsspezifisch relevanten Lern- bzw. Resonanzebenen), Zeit für semantisches konjugieren (die miteinander kokonstruierte Situation entwickelt sich regelhaft weiter) und semantisches Reinkorporieren (Grundformen der Empathie, wie sie insbes. In Aufstellungen erlernt werden können) aber ach sorry … das hab ich ja alles schon zig Mal geschrieben.

  54. „Der wesentliche Unterschied zwischen einem Esoteriker der bspw. seine eigene Verwirrung zu so etwas wie Chaosmagie hochstilisiert und einem Psychiater…“

    …besteht vielleicht auch einfach in charakterlicher Integrität, anstatt hinterrückser Verleumdung für Habitusgewinne, nachdem ich bereits alles verschenkt habe.

    Wahrlich ein Charakter von der Schönheit einer Pestwarze, Herr Liebscht.

    https://youtu.be/qyE9vFGKogs

  55. Was für ein schönes Video. Begegnungen. Leben. Berührt werden. Jetzt kommt schon der Begriff Bewusstsein vor. Ich ging gestern eine Stunde durch den Wald und beobachtete die Blätter. Keines gleicht dem nächsten. Unendliche herbstliche Farbenvielfalt. Und beobachtete heute eines meiner Kinder, das verdrossen von der Schule kam. Reduziert auf den Wert 34, von dem es nicht einmal wusste, wie er zustande kam. In den Arm nehmen und trösten!

  56. Den Geschmack des Honigs auf der Zunge, brauchst du ihn dir nicht erklären zu lassen.

  57. Wer schenkt, der schenkt. Wer beim Schenken noch was anderes versucht, findet für gewöhnlich Anlass, zu reklamieren.

    Das andere, nebenbei der Blätter und so weiter, ist eine taugliche Illustration für Wissenschaft/Esoterik. Der Esoteriker führt Effekte auf persönliche Qualitäten zurück; Bestimmung, Karma, Charakter. Der Wissenschaftler strebt an, sich möglichst austauschbar zu machen über das Vehikel der Methode, Systematik für deren Anwendung. (Über Honig freuen sich alle.)

    Leider sind das in Zeiten der kulturellen Regression in Verhältnisse wie vor der Säkularisation zunehmend proklamatorische Unterscheidungen. A) streben sie Konsens an, B) bedürfen sie, um geäußert zu werden, keines solchen, C) sind sie unscharf und D) in diesen Tagen leider idealer, in Verfall befindlicher Kulturstandard.

    Natürlich kommt auch Wissenschaft, bspw. Mathematik nicht ohne quasireligiöse Prämissensetzungen aus. „Know your prepositions!“. Natürlich gibt es bspw. buddhistische Psychologie, hochdifferenzierte Glaubenssysteme. In dem Maße sich deren Anwender um Nachvollziehbarkeit bemühen, verlassen sie den Bereich der Religion, der von persönlicher oder göttlicher Exklusivität, sich daher legitimierenden Privilegien ausgeht und betreiben Wissenschaft.

    Wer nun meint, damit sei gesagt, dass Esoterik per se etwas schlechteres sei als Wissenschaft, der reagiert mehr auf sein Gemeintes als auf das Gesagte. Einer der „Vorzüge“, der Esoterik gegenüber Wissenschaft bspw. auszeichnet, ist die Offenheit für Erfahrung. Grund für das in der Wissenschaftsgeschichte häufig anzutreffende Phänomen, dass Innovationen a] zuerst in der Esoterik vermerkt werden, b] dann auf das Funktionieren einer Methode hin in der Wirtschaft Beachtung und Nachahmer finden sowie c] schließlich von der Wissenschaft (vorläufig) als lt. empirischem Befund tatsächlich existierend Anerkennung finden.

    So wie es schlechte Esoterik gibt, gibt es natürlich auch schlechte Wissenschaft. Eine Wissenschaft, die so etwas wie Miracle Question, Dragon Dreaming, die Heidelberger Form von Konjunktivitis etc. nicht im Repertoire führt bzw. nicht zulässt, wird zum Dogma, das nur noch sich selbst kennt und in Tautologien kreiselt. Eine Esoterik, in der jederzeit alles Mögliche möglich ist, gefällt sich in Irrsinn – was auch immer sie für Etikettierungen als Schutzbehauptung in Anspruch nehmen mag. (Über Honig freuen sich wiederum alle.)

    Wer bspw. eine Hypnotherapie macht, wird absehbar mit allen 3 Formen von Gewahrsamkeit konfrontiert werden. Problematisch wird es, wenn jemand bspw. infolge sozialem Nachlernbedarf derart geringe soziale Kompetenzen bzgl. kulturell tradierter Komplexitätsreduktionen mobilisieren kann, dass er soziale Marker, welche einen Kontext als durch K1/K2/K3 bestimmt zu kennzeichnen suchen, nicht erkennt bzw. diese trotzdem missachtet, mit anderen Frames, Rollen, Skripten etc. verwechselt. Süßer gesagt: Jemand kann noch viel lernen. Immerhin könnte ein Klient eine Rechnung des Therapeuten, die gemäß Kybernetik 1. Ordnung gelesen werden will, mit dem Hinweis ablehnen, dass diese ja nur eine Realitätskonstruktion des Therapeuten darstelle, die darüber hinaus keinerlei Verbindlichkeit im Sinne Konsensrealität beanspruchen könne.

    Eine offenbar häufiger anzutreffende Variante von Verwechslung besteht darin, dass Therapeuten unablässig auf die Relativität ihrer Aussagen verweisen … „Also wenn ich Sie richtig verstehe“ … „Bei mir ist angekommen“ … Klienten angesichts dieses Anhaftens am Modus K2 daraufhin ungeduldig werden und erfahren wollen, was der Therapeut denn nun wirklich denke, glaube, meine etc. (K1). Angeblich soll aus derlei Verdruss ob der Klienten-zentrierten Therapie á la Carl Rogers das Farellynesisch entstanden sein. Im Grund ähnlich dem Prozess, über den sich eine soziale Übereinkunft herausbildet, dass jemand „verrückt“, „neunmalschlau“, „langweilig“, „schwierig“, „unprofessionell“, „mental zuckerkrank“ etc. sei. So oder so, glaubt man im Umfeld zu wissen, womit man zu rechnen hat. Dem bedarfsweise Verrückten wird nur eben unterstellt, dass er die Zustände im Griff hat und Zustandsveränderungen kalkuliert einsetzen kann. Dem Verrückten wird unterstellt, dass er sich zum Trottel der Zustände machen lässt, insofern diese mit ihm machen, was sie wollen und er bar jeden Zielhorizontes in den nächsten taumelt.

    Immerhin gibt es interessante Zwischenbereiche bspw. zwischen K2 und K3. Gunther Schmidt spricht auf einer seiner Aufnahmen – in Ermangelung der genauen Quelle hoffe ich, dass ich einigermaßen sinngemäß „zitiere“ – davon, wie er eine Art „Zeugen“ installiert, der ihn in seinen Träumen beisteht und bei Bedarf metakommunikativ unterstützt … Sprich, eine Variante der Persönlichkeitsorganisation von G.S., die eine andere, im Modus von K3 träumende Variante von G.S. daran erinnert, dass er nur träumt (Modus K2). Eine Technik, die vielleicht auch dann hilfreich sein könnte wenn Spazierengehen nicht mehr hilft …

    Mit anderen Worten: mir ist keine Methode bekannt, welche bar jedes Kalküls mit chaotischem Hin- und Herswitchen zwischen Kontextzuschreibungen, Gewahrsamkeiten, Kommunikationsstrategien etc. für jemand anderes irgendetwas an Klärung, Heilung zu erwirken sucht. Der Wechsel zwischen „Kommunikationskanälen“ kommt zwar bspw. in der Mindellarbeit vor, wird aber ausgesprochen zielbewusst eingesetzt.

    Böswilligen Gerüchten nach soll es nicht wenige Therapeuten geben, die Klienten ihre Projektionen – K3 – unter Verweis auf drohende Sanktionsmacht als Realität – K1 – verbindlich zu stellen suchen. Das ist m.E. nicht „nur“ grob unprofessionell, geltungssüchtig sondern im Grunde verrückt. Nur ist es eben leider wie in der Politik: wenn jemand ein Verbrechen verübt, dann kann das als „von Staats wegen“ ausgewiesen werden und derjenige geht straffrei aus. Im Falle von in übergriffiger Weise „träumenden“ Psychiatern macht das Label aus dem Wahnsinn (scheinbar) Methode. Wer bar solcher Label nur einfach infolge sozialer Unsicherheit, Geltungsbedürfnis, methodischer Inkompetenz …. Kontexte, Rollen, Skripte durcheinander mixt, der wird leicht als nicht für voll zu nehmender, stützender Kommunikation und gleichartiger Gesellschaft bedürftiger Freak einsortiert. (Sinnhaftigkeit, über die man sich wiederum 1a streiten kann, wenn man mag.) (Aber wie gesagt: über Honig freuen sich alle.)

    Eine der elegantesten, unscheinbarsten Methoden, wie jemand von K1 über K2 in K3 eingeladen wird, ist Ericksons berühmte Ansage „Das erinnert mich an eine Geschichte …“. Diesen Beitrag im Sinne seines ersten Satzes gelesen zu haben, ist eine Möglichkeit.

  58. …wenn man den Namen Max Liebscht googled. Dein debiles Gebrabbel wird ja leider auch noch von Herrn Simon finanziert. Symptomatisch.

  59. Soll das jetzt wieder Chaosmagie sein oder geht es eher darum, auch irgendwie was gesagt zu haben? Natürlich kann man bei Geschenken nicht erwarten, dass der andere sich darüber unbedingt oder auf Anhieb freuen müsste… aber vielleicht wär mal gut, ein bisschen Hausaufgaben zu machen, außer ziemlich schlechter Esoterik selbst noch was anderes zu liefern, anstatt sich möglichst effektvoll an anderen abzuarbeiten. Mal so als Idee. Sonsten könnte das Symptom als symptomatisch für fehlende Peilung angesehen werden. Schöner: Sind wir nicht alle Lernende? Freundliche Grüße – die charakterlose Pestwarze.

  60. Immerhin eine schöne Überleitung zu der gar nicht so banalen weil in der Beantwortung konsequenzenreichen Frage, inwieweit die sozial konstruierte Kategorie „verrückt“ etc. im Kontext systemtheoretisch inspirierter Betrachtungsweisen irgendeinen Sinn beanspruchen kann. Sind Phänomene vom Typus „Dirt is matter at the wrong place.“ nicht alles nur unentdeckte Potentiale? Kann, muss der systemisch inspirierte Berufs- oder Alltagspsychologe mit Kategorien wie „verrückt“ im Sinne eigener Zuschreibung arbeiten?

  61. Jodorowsky empfiehlt gegen schleichenden Wahnsinn eine lange Wanderung mit schwerem Rucksack. Erdung und so. Diese Wanderung sollte für deinen speziellen Fall vielleicht in ein sibirisches Arbeitslager führen, wäre meine Ergänzung.

  62. Wobei man als Entlastung ins Feld führen könnte, dass auch wesentlich anerkanntere Geister in selbstherrlicher Weise zwischen K1/K2/K3 wild hin- und hergewechselt sind. Herrn Hellinger bspw. würde ich dies negativ anrechnen. Was ich bei Hellinger positiv finde, ist seine Produktivität. Wie sieht es damit damit aus? Ist da noch was zu erwarten oder bleibt es bei Beleidigungen und Halbdurchdachtheiten?

  63. Karma ist eine gut durchdachte Beleidigungsmaschine, hat alle Zeit der Welt und viel schwarzen Humor.

  64. Liebe Andrea Christoph, ich wollte nur noch mal nachfragen, ob meine o.a. Vermutung stimmt, dass das, worum es Ihnen hier in Ihren Beiträgen geht, etwas zu tun haben könnte mit dem, was ich Beobachten dritter Ordnung nenne; also mit dem Beobachten des VORGANGS des Bezeichnens im Gegensatz zum Beobachten von bereits Bezeichnetem.

    Außerdem wollte ich noch darauf hinweisen, dass die LoF von GSB nicht im physischen Raum angesiedelt sind, während das Bezeichnen durch Beobachter immer auch eine körperliche Seite hat.

  65. Lieber frafri, Sie sind aber hartnäckig. Ich bin etwas außer Übung was das Philosophieren anbelangt, aber ich will versuchen Ihnen zu erklären, was ich meine: Es ging mir um eine grundsätzliche Feststellung, um eine Art theoretische Grundsatzfrage, worauf unser philosophisches Weltbild gründet, was sozusagen die Basis als dieser systemischen Diskussionen ist, nämlich die Setzung, dass Welt keine Bedeutungen, kein Entweder-Oder und eben auch keine Zeichen „von sich aus“ zur Verfügung stellt (bezugnehmend auf diesen speziellen Blog). Die Idee des „Bezeichnens“ von „etwas“ ist so alt, dass schon Augustinus das Verhalten eines Kindes, das Sprache erlernt, so beschrieb: Ein Kind bezeichnet einen Gegenstand mit einem Namen. Das was hierbei immer als Setzung vorausgesetzt wird, ist eben das „Zeichen“. Und was übersehen wird ist, dass (Klein)Kinder nicht bezeichnen. Sie denken nämlich noch nicht in Zeichen. Für sie ist Sprache noch etwas Gehörtes, eine Welle, etwas, das beim Mund herausgespült wird, aber nichts „Bezeichnendes“. Die Sprachwelle verschmilzt sozusagen mit dem Objekt. Das wirkt sich auch auf das kindliche Weltbild aus, das keineswegs „realistisch“ ist… Lesen Sie einmal in die entwicklungspsychologische Literatur hinein: auch dort wird davon gesprochen, dass Kinder ihre Welt bezeichnen. Und damit vorausgesetzt, dass bestimmte Aspekte sozusagen a-priori als diese Aspekte herausgehoben sind, ansonsten sie ja auch nicht „bezeichnet“ werden könnten. Ich denke, man könnten den Konstruktivismus (oder wie auch immer wir es nennen wollen) auch von einer anderen Seite aufzäumen (Maturana etc. etc. in Ehren – nur hier gibt es ja auch ganze Berge an Literatur, die das Setzen biologischer Strukturen als durchaus problematisch ansehen, um dadurch sozusagen eine Weltsicht zu untermauern), indem wir nämlich das Setzen von Zeichen de-konstruieren und somit vollkommen klar wird, dass „Welt“ nicht von „sich aus“ Bedeutung zur Verfügung stellt. Es geht mir also in der Tat um das Reflektieren über den Vorgang des Bezeichnens und die daraus entstehenden Konsequenzen. In welchem „Raum“ die LoF angesiedelt sind, wage ich nicht zu sagen. Die Frage ist für mich einfach, was man daraus ableitet.

  66. Mir fällt dazu noch ein, dass ich vor vielen Jahren im Carl Auer Verlag einen Text publiziert habe, da gab es eine download-bar, (re)sensing the observer – offering an open order cybernetics, ich glaube ja nicht, dass ihn irgendjemand gelesen hat, aber es ging darin um so eine Art Beobachten dritter Ordnung (nur ohne drei…). Ich schrieb diesen Text gemeinsam mit Bill Seaman.

  67. Gefällt mir!
    Auch wenn es den erwachsenen Philosophen üblicherweise verdammt schwer fällt, vom intellektuellen Sockel herunterzusteigen, um sich der Sicht eines Kleinkindes zu widmen, ist das aber exakt die Perspektive , worauf die Kerngedanken der großen Geister immer hinführen und sich so, bis auf ihre wesentliche Essenz reduziert, auch am besten vergleichen lassen.

    Lebenswerke der großen Geister sind auch nichts anderes als in Form und zum Ausdruck gebrachte Gedanken. Und diese finden sich verbal wie nonverbal in plastischer Darstellung.

    Die Entwicklungspsychologie findet sich zudem explizit bei Heinz von Foerster, was auch in seine massive Kritik am Nürnberger Trichter und den „Trivialisierungsanstalten“ mündet.
    Und selbstverständlich findet sich das Entwicklungsmotiv auch bei GSB, der sogar eine Stiftung zur Förderung begabter Kinder gegründet hat, angeregt durch den Austausch mit Kindern.

    „Eine Definition, wie ‚Unterscheidung ist perfekte Beinhaltung‘ sagt nicht, was sie ist, sondern weist den Leser nur an, wie er sie zu definieren hat. …Wenn Leute unverantwortliche Definitionen machen und tatsächlich glauben, uns etwas Wahres über das erzählt zu haben, was sie definiert haben und das auch von anderen erwarten, dann sind sie kindisch. Jedoch sind sie kindisch auf eine seltsame und unattraktive erwachsene Weise, welche nicht nur diese Fehler macht, sondern diesen eine ernsthafte, pompöse, rigide Art von Wichtigkeit beimißt. Wirkliche Kinder haben mehr Sinn dafür: Sie wissen, wenn sie eine Definition gemacht haben, alles was sie taten war, die Regeln für ein Spiel
    „Laßt uns so tun, als ob“ festzulegen.

    Nachvollziehbar ist u.a. auch daran, wie die LoF auch ganz bodenständig umsetzbar sind und im Grunde schon immer im Hier und Jetzt verankert. Den Unterschied kann man auch immer wieder sehen und lesen u.v.a.m.

    Nicht nur gelegentlich bezeichnen und tragen Fußnoten, Nebensätze und Subtext zwischen den Zeilen den Wesenskern von Aussagen in einem Werk. Wie auch das, was verschwiegen wird, allzuoft Sinn und Bedeutung trägt.

    Zudem, worum dreht es sich denn schon immer bei der gesamten Philosophiererei, wenn nicht um Sinnsuche und darum, verstehen zu wollen, was „die Welt im Innersten zusammenhält“. Gerade deshalb durchzieht das Philosophieren mit Kindern, mit Sokrates auf der Agora angefangen, die gesamte abendländische Kultur.

    „Kleine Tagträume.
    1. Wir fangen leer an“

    Und dann dreht es sich um Fragen
    in einem größer kaum denkbaren Spannungsbogen,
    mit denen Ernst Bloch
    in seiner unglaublich bilderreichen Sprache,
    sein „Prinzip Hoffnung“ beginnt und über 1600 Seiten fortführt,
    bis zum allerletzten Wort
    „Heimat“

    „Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wohin gehen wir? Was erwarten wir? Was erwartet uns?
    Viele fühlen sich nur als verwirrt. der Boden wankt, sie wissen nicht warum und von was. Dieser ihr Zustand ist Angst, wird er bestimmter, so ist er Furcht“

  68. „…somit vollkommen klar wird, dass „Welt“ nicht von „sich aus“ Bedeutung zur Verfügung stellt.“
    Ich denke, das ist das Grundverständnis allen systemischen Denkens, egal ob man das nun aus der Perspektive Maturanas oder Luhmanns sieht.
    Die Frage nach den Zeichen ist damit aber noch nicht geklärt; sie ist die vielleicht mysteriöseste überhaupt; nicht umsonst herrscht hier so viel Verwirrung.

    Mein gegenwärtiger Stand: Zeichen werden von Beobachtern in die Welt gesetzt, wenn man unter „Beobachtern“ Wesen versteht, die reflektieren und sich selbst ebenso wie Anderen Freiheit zuschreiben. Erst damit öffnet sich die Möglichkeit, sich im Anderen zu spiegeln, im Anderen (Du) sich selbst (Ich) zu erkennen. Das zeigt das Video, das ich oben verlinkte, sehr schön.

    Kleinkinder können das noch nicht; sie leben noch im ursprünglichen Paradies.

    „Adam erkannte Eva, sein Weib“ (dass Eva Adam erkannte, davon spricht die Bibel seltsamerweise nicht). Dafür war kein Platz im ursprünglichen Paradies. Zugleich aber öffnete sich nun ein anderes Paradies, das der Liebe – das aber unvermeidlich zugleich auch den Zugang zur Hölle in sich trägt.
    http://www.basteln-gestalten.de/files/bastelngestalten/Spielzeug/himmel-hoelle-9.jpg

  69. Ich halte diesen Beobachtungsbegriff für zu eng. Mir scheint am nützlichsten (und radikalsten – was in diesem Fallm.E. als Qualitätskriterim zu verstehen ist), wenn als Beobachten jede Kopplung von zwei Operationen des Unterscheidens definiert wird. Das erste Unterscheiden wird dann Unterscheiden (distinction), das zweit Bezeichnen (indication) genannt. Beides kann in unterschiedlichen, aber auch in demselben Phänomenbereich erfolgen. Reflexion ist auf jeden Fall nicht nötig, um einen Beobachter (= irgendeine Einheit, welcher Materialität auch immer, die solch ein doppeltes Unterscheiden vollzieht) zu kreieren…

  70. ja, o.k. das hatten wir hier ja schon öfter.
    Natürlich kann man jedem lebenden System, also auch einer Amöbe oder einem Löwen, eine Beobachter-Funktion (mithin: „Geist“ , denn Geist ist nach GB das Wahr-nehmen von Unterschieden) zuschreiben. Ich finde das genau wie Sie sogar sehr sinnvoll.
    Aber „wenn der Löwe sprechen könnte, wir würden ihn nicht verstehen“, weil er eine völlig andere Lebensweise ver-körpert.
    m.E. braucht es dafür immer einen reflektierenden Beobachter, der anderen reflektierenden Beobachtern erklärt (= überzeugend einen Mechanismus präsentiert), dass diese Funktionen „von einem System gestützt werden, das diese Art von Beobachtung reproduziert.“ (D. Baecker)

  71. „Kleinkinder können das noch nicht; sie leben noch im ursprünglichen Paradies.“
    Schwierige Aussage. M.E. aus verschiedenen Gründen:
    1. Man kann ein Kleinkind nicht zu seiner Wirklichkeitswahrnehmung befragen. Jede Entwicklungspsychologie bleibt immer draußen. Genausowenig kann ich meine Katze zu ihrer Wirklichkeitswahrnehmung befragen.
    2. Man kann das nicht kontextfrei so postulieren, da ich nicht glaube, dass z.B. Kleinkinder, die familiär von Gefährdungssituationen bedroht sind oder mittendrin stecken (von Krieg, Hunger, usw. will ich gar nicht sprechen), im ursprünglichen Paradies leben.

    Grundsätzlich halte ich die Vorstellung eines wie auch immer gearteten Urzustandes oder sonstige paradiesische Grunddispositionen für irreführend.

  72. Dem wäre kräftig zu widersprechen. Wer denkt, Auskünfte seien nur selbstreflexiv und sprachlich zu haben, läßt einen gehörigen Teil des Menschlichen aus (was Systemiker m.E. leider chronisch tun, obwohl es eigentlich ihr Fachgebiet wäre). Stichworte: Mentalisierung, Intention Reading usf. Literaturempfehlungen wären: Dornes, der kompetente Säugling oder Tomasello, von den Ursprüngen der menschlichen Kommunikation.

  73. Vielen Dank für die Faltanleitung.

    Und ich wünsche Ihnen viel Spaß, falls Sie einmal ein Schreibaby bekommen (…mehr etwas für einen Eltern Blog).

  74. Herr Gerstner, hatten wir auch das nicht schon mal? vor langer Zeit?
    Ihre Katze ist doch kein Kleinkind; Ihre Kinder sind glaube ich schon größer; also fragen sie mal Andrea Christoph. Mit ihrem Schreibaby.
    Dass das Paradies des Schreibabys nicht gestört werden kann, sagt ja keiner. Leiden bleibt keinem Lebewesen erspart. „Paradies“ heißt hier nur: noch nicht von immanenten Trennungen durchzogen. Im Unterschied zum Paradies von Erwachsenen, das die ausgeschlossene Hölle unvermeidlich als ihren Gegensatz immer schon mit einschließt, .

  75. …in anderen Worten: „Paradies“ meint: es kommt ohne Zeichen aus.
    „Sie denken nämlich noch nicht in Zeichen. Für sie ist Sprache noch etwas Gehörtes, eine Welle, etwas, das beim Mund herausgespült wird, aber nichts „Bezeichnendes“.

  76. Wer spricht denn von sprachlichen Auskünften? Was kann ich denn „wirklich“ sagen, wie sich ein Kleinkind, mein Nachbar die Welt sieht? Der Geschmack von Zucker wird als süß bezeichnet, doch leider werde ich nur bei meinem „süß“ bleiben – alle andern „süß“ im Universum bleiben mir in diesem Dasein verwehrt…
    Ich wehre mich hier nur gegen allzu schnell getroffene Aussagen über paradiesische Urzustände. Wer sich auf deren Basis eine Karotte zum hintereseln aufhängen möchte, darf dies gerne tun. Dies ist schließlich ein freies Land…

  77. Ja – das hatten wir schon mal… und ich bin (wieder mal) genervt davon. 😀
    Ich habe keine Ahnung, mit welchen Unterscheidungen und Bezeichnungen ein Baby arbeitet. Ich denke jedoch, dass da mehr im Paradies abgeht, als ein differenzloses Paradies – so kann ich doch mit etwas Phantasie begründen, dass es mit Sicherheit eine Unterscheidung und ein Zeichen für das, was Sprachmächtige – als Mutter bezeichnen, gibt (eine Auflistung möglicher Kriterien, ab wann ein Phänomen im Kategoriensystem „Mutter“ zugerechnet wird, erspare ich mir jetzt).

    Ich denke vielmehr, dass Existenz an sich Differenz ist und sich dieser Umstand in unterschiedlichen Symmetrien auf nahezu unendlichen Ebenen finden lässt (Herr Liebscht hat mal einen schönen Link gepostet, bei dem man von der Quantenebene bis zum bekannten Universum und darüber hinaus zoomen konnte). Und Sprache ist da ein herrlich kleiner Ausschnitt davon. Deswegen schüttelt´s mich immer etwas, wenn die Aussagequalität beim biblischen „Am Anfang war das Wort“ anknüpft, weil ich das etwas anders sehe…

  78. „Wer spricht denn von sprachlichen Auskünften?“
    Antwort: Sie. Zitat: „Man kann ein Kleinkind nicht zu seiner Wirklichkeitswahrnehmung befragen“. Befragen ist eine sprachliche Operation. Und genau das ist das Problem. Jede Mutter eines Kleinkindes weiß um die die aktuelle Wirklichkeit ihres Kindes ohne „Befragung“ und Auskünfte des Kindes hierzu.
    „Es gibt Reiche unterhalb von Vernunft und Sprache“ (Daniel Kehlmann)

  79. Es lässt sich übrigens empirisch nachweisen, dass Babys in ihrer Muttersprache schreien. Deutsche Babies schreien anders als französische – sie orientieren sich an der Sprachmelodie.

  80. Ach, Gott?
    Ach, das Erhabene?
    und das Ganze dann
    auch noch im Paradies?

    Erscheint diese -bunt aus Zitaten und Verweisen zusammengewürfelte-
    Debatte nicht reichlich unterkomplex?
    Was rotieren wir denn hier Alle mal wieder grandios
    (selbst- und fremd) – beobachtend (wenn nicht bespiegelnd) im Kreis?
    Um immer wieder nach dem 3. Beobachter Ausschau zu halten,
    der deshalb nicht zu definieren bleibt, da ihn kein Mensch jemals gesehen hat?
    Und dies noch nicht einmal in dieser erlauchten Runde, die schlußendlich
    das gesamte Spektrum systemischer Weisheiten darzustellen, zu vermitteln
    und zu verstehen pflegt?
    Den Dualismus, die Binärcodierung, die Linear-Kausalität auf
    Teufel komm raus zu vermeiden.

    Und dann so tiefsinnig,
    Was macht den Menschen zum Menschen?
    Und überhaupt, ab welchem Entwicklungsstadium?
    Ab dem Säuglings- und Kleinkindalter?
    Im Extremfall bereits ex ovo?
    Dann kommen wir aber relativ rasch in paradiesische
    Austreibungszustände.
    Es muss ja nicht gleich Abtreibung sein.
    Untertreibung mit Austreibung von Flausen im Kopf
    reicht fürs Erste ja auch schon mal.
    Als Zwischenergebnis.

    Ergo? Leute, Leute
    Können wir nicht mal beim Thema bleiben, um die ursprüngliche Debatte über
    „Ambiguitätstoleranz“ weiterzuführen?
    Und dabei einfach nur,
    wie es auch die „Laws of Form“ fordern
    -nur einmal- ganz eng am Thema bleiben?
    Um anschließend dort -vielleicht auch gemeinsam, muss aber nicht sein –
    ein einziges Zeichen zu setzen,
    was ein Ding/ein Begriff/ein Ausdruck/ ein Zeichen/ein Mensch/ ein Tier ist?
    Und was es -gleichzeitig- nicht ist?

    Zur Erinnerung:
    “ „Wir“ erzeugen eine Existenz, indem wir die Elemente einer dreifachen Identität auseinandernehmen. Die Existenz erlischt, wenn wir sie wieder zusammenfügen.
    Jede Kennzeichnung impliziert Dualität, wir können kein Ding produzieren, ohne
    Koproduktion dessen, was es nicht ist, und die Grenze dazwischen. Wie im Kapitel I der LAWS dargelegt können wir nicht etwas kennzeichnen, ohne zwei Zustände zu definieren,
    und wir können nicht zwei Zustände definieren, ohne drei Elemente zu erschaffen.
    Nichts davon existiert in der Realität oder getrennt von den anderen.“

    „Ein völlig unterschiedliches Wesen wird eine komplett unterschiedliche Existenz konstruieren.
    (Anmerkung Subtext: „Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen“-Ludwig Wittgenstein ‚Tractatus logico-philosophicus, London, 1922, Proposition 6.43)

    Beide Zitate Aus dem Vorwort zur Auflage von 1994
    George Spencer Brown, Laws of Form, Übersetzung Thomas Wolf 1997
    ISBN 3-89094-321-7

    Ergo? Back to the roots.
    Zurück zum Thema.
    Was war noch einmal das Thema?

  81. Zur Zeichensetzung gemäß den
    „Laws of Form“
    formuliert und definiert
    für die Sprache der Mathematik

    „Mathematics is the science of what we know of what we have
    defined. It has no place for opinions or beliefs of any kind“

    Laws of Form, ISBN 978-3-8904-580-4
    Cover design (C) by G Spencer-Brown an Thomas Wolf 2008
    Book design and computer layout (c) by Thomas Wolf 2008, 2009, 2010, 2011

    Kann es sein, dass so manche ihren „Content“ nicht so ganz „upgedatet“ haben?
    In der o.g. deutschen Übersetzung der „Laws“ steht o.g. Definition nämlich nicht.
    Allerdings findet sich auf der Cover-Rückseite der o.g. deutschen Übersetzung
    bereits Folgendes:

    „Schafft die Logik ab und macht Philosophie obsolet“
    Thomas Wolf, 27.03.1997

    Auf dem Back-Cover (Fourth printing)
    ISBN 978-3-89094-580-4
    ergänzend dazu

    „The world’s most difficult problem has been solved with the world’s most
    elegant solution by the world’s greatest arithmetician. What more ist there to say?“
    Thomas Wolf

    Dem kann ich nur restlos zustimmen,.

    Aber kann mir jemand sagen, wer um Himmels willen, ist eigentlich
    Thomas Wolf?

    Mir ist aus früheren Recherchen nur bekannt, dass Thomas Wolf bei
    diesem Familienunternehmen tätig war.

    http://www2.materna.de/newsletter/2014/08/MIS/mis.html

    Das müßte bei der Vernetzung schließlich rauszukriegen
    sein, auch um zu erfahren, wie man den
    Gemischtwarenladen des CA-Verlags endlich mal
    nicht nur im Design, sondern auch im Content endlich mal
    auf GSB-Th.W. – Vordermann bringen könnte.

    Offengestanden nervt mich die implementierte Ignoranz gegenüber
    eigenproduzierten Denkfehlern in diesem Zirkelschluss-Laden hier
    doch ganz gewaltig.

    Fast könnte man, z.B.
    von Seiten der Familien-Unternehmen,
    um einmal wirklich ein Zeichen zu setzen,
    das auch als Unterschied, den Unterschied macht,
    Dienstaufsichtsbeschwerde einlegen.

    Und dies gemäß den Laws of Form
    „Kanon Null. Koproduktion“
    Vorstellung der internationalen Ausgabe
    ISBN 3-89094-321-7

    Das ließe sich zumindest in Zusammenhang mit den
    MAC-MAK-Werten und den
    Quasi-Null-Schadstoff-Ausstoß-Forderung für
    Auto-Konstrukteure noch annähernd in Einklang bringen.
    Wer nichts produziert hat, in dem gesamten Zeitraum
    der eigenen Tätigkeit, hat als Dienstleister auch keine Fehler gemacht.
    Nur ob er/sie in Regress genommen wird, für augenscheinliche
    Vernachlässigung bis Verletzung der vertraglichen Pflichten
    aus einem gut dotierten Dienstleistungsvertrag in Festanstellung,
    das steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt.
    Aber das ist schließlich Sache der Arbeitsrichter,
    die in Gottes Namen navigieren.
    Damit sich auch Alle -auf hoher See und vor Gericht-
    in Gottes Hand -vermutlich der unsichtbaren des Marktes-
    fühlen können, dürfen, müssen, sollen….

    Aber zurück zum Thema
    Wo bleibt denn nur einmal in einem einzigen Blogthema
    die Ambiguitätstoleranz?
    Und zwar ohne, dass irgendwer der Kommentatoren sich mal
    wieder -auf Suche nach dem Beobachter 3. Ordnung – in der eigenen Logik verrennt?
    Wohlgemerkt ohne koproduzierend – ob als compositum substantiantiale oder als contradictio in adjectu, bleibt sich gleich- hinzuzufügen.
    „Ich stelle fest, ich bin einzig“.

    Es stimmt schon,
    „Die Welt funktioniert nun mal nicht nach den Regeln der Entweder-oder-Logik“

    Nur wie schaffen wir jetzt die Entweder-oder-Logik ab?
    Nur um den Unterschied zu setzen, der auch den Unterschied macht?

  82. ERGO?
    Aufsatzthema.
    Wie definiert man und/oder sich
    AMBIGUITÄTSINTOLERANZ

    Zuallererst doch wohl als das und durch das,
    was Ambiguitäts(IN)Toleranz nicht ist.
    Denn beide Begriffe unterscheiden sich schließlich einfach nur dadurch voneinander
    zu definieren, was sie nicht sind. Diese Abgrenzung ist schließlich wesentlich einfacher, obgleich als Lebensaufgabe auch wesentlich mühsamer, klar und deutlich zu äußern,
    das bin ich nicht, war’s auch nicht und werde es auch niemals sein.

    ERGO?
    Wie definiert sich
    AMBIGUITÄTSTOLERANZ?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ambiguitätstoleranz

    „Laut Budner sowie MacDonald[6] reagieren ambiguitätsintolerante Personen auf ambiguitive Reize mit psychischem Unwohlsein. Ambiguitätstolerante Personen hingegen tolerieren diese Reize nicht nur passiv, sondern haben sogar ein Bedürfnis danach.

    Das Inventar zur Messung der Ambiguitätstoleranz (IMA-40) unterscheidet faktorenanalytisch fünf Dimensionen der Ambiguitätstoleranz bzw. -intoleranz gegenüber unlösbar erscheinenden Problemen, sozialen Konflikten und Rollenstereotypien sowie des Elternbildes und der Offenheit für neue Erfahrungen (Erfahrungswissen). Ist bei einem Menschen die Ambiguitätstoleranz deutlich geschwächt bis nicht vorhanden, spricht man vom so genannten Ambiguitätstoleranz-Defizit-Syndrom (ATDS). Dies betrifft beispielsweise Menschen, die, wenn Reize (Sinne und Empfindungen) nicht richtig gedeutet und durch adäquate Reaktionen beantwortet werden können, unreflektierte Ideen ohne Umsicht und geordnete Planung vorschnell in die Tat umsetzen.“

    „vorschnell in die Tat umsetzen“ könnte man auch interpretieren als:
    Etwas vorschnell in die Tastatur eintippen und
    ohne Revision und Reflektion des geschriebenen Textes
    die Sendetaste drücken.
    selbstgeschriebenen Textes

Kommentare sind geschlossen.