Depressionsbarometer

Immer, wenn ich wissen will, wie es mir geht, das klicke ich das [Depressionsbarometer](http://www.depressionsbarometer.de/ „Depressionsbarometer“) an. Hier werden mir ein paar relevante Fragen gestellt, und dann wird mir mitgeteilt, wie es um meine Gemütslage bestellt ist. Werte zwischen 0 und 39 liegen im Bereich normaler Stimmungsschwankungen, zwischen 40 und 55 legen sie den Verdacht auf Depression nahe, zwischen 56 und 105 deuten sie auf eine schwere, behandlungsbedürftige Depression.

Für Leute wie mich, die ihrem Selbstgefühl nicht recht trauen mögen, ist dieses Instrument ideal. Es objektiviert die Selbstdiagnose. Schließlich ist Sebstbeobachtung nicht nur der erste Schritt zur Hypochondrie, sondern auch zur Besserung.

Ich habe die Installation dieses jedermann zugänglichen Diagnose- und Screeninginstruments unterstützt und gefördert, weil es nicht nur mir, sondern auch anderen ermöglicht, sich bzw. den eigenen Gemütszustand sowohl mit dem des Restes der Nation zu vergleichen, als auch mit dem anderer Vergleichsgruppen.

Mein heutige Wert liegt bei 5. Des ist ein geradezu behandlungsbedürftiger Mangel an Depression. Das ist sogar noch weniger als dies bei durchschnittlichen Medizinstudenten zu finden ist. Und die sind ja bekanntgermaßen ganz kompetente Selbstverleugner.

Was mich beruhigt, ist, dass solch ein Wert bei mir eine absolute Ausnahme darstellt. Denn ich stimme einer von mir sehr geschätzten Psychoanalytikerin zu, für die es keine schlimmeres und abwertenderes Urteil über andere Menschen gibt als: „Der (oder die) ist ja vollkommen depressionsunfähig!“

Dennoch stellt sich mir die Frage, wie das passieren konnte. Was habe ich falsch gemacht, dass ich bei solch einem Wert gelandet bin? Wie kann man das erklären?

Die nahe liegendste Antwort lautet für mich: Es lag am Wetter. Strahlender Sonnenschein, der Sommer scheint sich endlich auf seine Aufgabe zu besinnen und die bislang gepflegte Arbeitsverweigerung einzustellen. Wenn wir im Barometer zurück blicken, so gibt es einige Hinweise auf derartige Zusammenhänge (Kachelmann fragen). Doch das reicht als Erklärung nicht wirklich, da der Gesamtindex all derer, die das Barometer benutzt haben, heute nicht auf Depressionsfreiheit hinweist. Er liegt heute über 23. Das ist ein Wert, der dem von Leuten mit irgendwelchen Gesundheitsproblemen entspricht, die sich krank und unwohl fühlen, obwohl ihre Diagnose nicht wirklich klar ist. Überhaupt bewegt sich da im Durchschnitt bundesweit nicht so viel. Die Stimmung ist festgefahren, und mein Wert von 5 reicht offenbar nicht, um an der Gesamtsituation etwas zu ändern.

Warum sind die Leute so depressiv? Liegt es an der wirtschaflichen Situation? Oder umgekehrt, sorgt die depressive Stimmung für die depressive wirtschaftliche Lage? Oder beides? Oder hängt beides vom Wetter ab? Oder das Wetter von der wirtschaftlichen Lage (dass es jetzt erst Sommer wird, scheint dafür zu sprechen)?

Ich habe vor Beantworten der Barometerfragen zwei Glas Weißwein getrunken. Alkoholbedingter Realitätsverlust, das wäre eine andere Erklärung. Aber schon nach zwei Gläsern? Da bin ich eigentlich mehr gewöhnt – also auch keine angemessene biologische Erklärung.

Und sozial? So toll waren meine Erlebnisse und Erfahrungen heute eigentlich nicht… obwohl: so schlecht auch wieder nicht. Reicht das schon für solche Werte?

Fragen über Fragen. Auch ohne die Anwort auf sie alle zu wissen: Mir hilft das Barometer, mich auf meine Gemütslage einzustellen, um nicht aus Versehen Scherze über meine Situation zu machen oder gar mit Selbstironie auf mich zu schauen, wenn ich eigentlich Fürsorge, Verständnis und bedingungslose Selbst-Liebe brauche.

18 Gedanken zu “Depressionsbarometer”

  1. Hallo Her Simon,

    herzlichen Glückwunsch zu Ihrer gelungenen Präsentation in Berlin. Es ist Ihnen ja wieder mal gelungen, die Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen, wenn auch in deutlich kleinerem Kreis, als dies wahrscheinlich gedacht war…

    Was sagen Sie denn zu den Beobachtungen zum Thema Datenfälschung bei Ihrem „Depressionsbarometer“, die einige User unseres Forums (und wir auch) machen konnten?

    Es sieht schwer danach aus, daß bei den angezeigten Werten Einiges in die besser zu vermarktende Richtung gedrückt worden ist, finden Sie nicht auch?

    Z.B. hier:
    http://www.beehave.de/forum/viewtopic.php?t=471

  2. Sehr geehrter Herr Hendricks,

    was die Datenverarbeitung angeht, so bin ich sicher nicht der Fachmann. Aber ich kann Ihnen versichern, dass unsere einzige Manipulation der Daten darin bestand, die Manipulationen, die bei dem Angriff auf das Barometer gefaked worden sind, wieder rauszuschmeissen.

    Was die von Ihnen angesprochene Vermarktbarkeit angeht, so ist mir überhaupt nicht klar, welches Ergebnis denn besser oder schlechter vermarktbar sein sollte. Ich persönlich finde – und das ist ja der Charme des Barometers -, jedes Ergebnis interessant und (zumindest für mich) überraschend. Also, was immer dabei rauskommt, ist „vermarktbar“…

    Ausserdem würde Vermarktung ja wohl einen Markt voraussetzen, auf dem irgendwas verkauft wird. Wir verdienen mit dem Ding aber kein Geld. Da unser Ziel war, eine Diskussion über die Angemessenheit der Stimmung in Deutschland anzustossen (bzw. zu fördern), sind wir aber trotzdem zufrieden mit der Resonanz, d.h. wir kommen auf unsere Kosten…

    Ausserdem werden wir natürlich – bei aller Begrenztheit der eingesetzten Instrumentarien – einige wissenschaftliche Publikationen daraus machen, d.h. uns der harten Kritik des Peer-Review-Systems stellen, das dafür sorgt, dass nicht aller Quatsch als wissenschaftliche Wahrheit publiziert werden kann (nur zu Ihrer Beruhigung).

    Beste Grüsse, FBSimon

  3. Hallo Herr Simon,

    da Sie anscheinend nicht derjenige sind, der sich um die Daten zu kümmern hat, weise ich Sie jetzt explizit darauf hin, daß sich der per Print präsentierte Graph von dem online präsentierten unterscheidet, wie man in dem oben angegebenen Link auch deutlich erkennen kann.

    Die von uns vorgenommenen Manipulationen sollten gelöscht werden, das war auch unsere Absicht, obwohl wir uns immer noch wundern, wieso sich bei uns niemand über die genaue Anzahl der gefälschten Stimmen erkundigt hat. Diese (unsere) Manipulation fand aber am 20.7. statt. Die Unregelmäßigkeiten im Graphen sind aber erst ab etwa dem 9.8. zu erkennen. Selbst die auf der News-Seite des Barometers erwähnte „gute Stimmung im Land“ vom 13.8. ist verschwunden, ebenso wie die gute Laune während des Papstbesuches (Sie erinnern sich).

    Wenn Sie einen Blick auf die (vermutlich bei Ihnen oder beim MZ befindlichen) Schautafel werfen und den Graphen mit dem Online verfügbaren vergleichen, werden Sie mir sicherlich zustimmen.

    Die Vermarktbarkeit Ihrer Ergebnisse ist dann höher, wenn das Barometer schlechtere Werte anzeigt, schließlich lautet Ihre These, daß Deutschland an einer „kollektiven Depression“ leidet. Deswegen konnte man auch einen Tag vor Ihrer Live-Präsentation in Berlin einen recht seltsamen Umschwung der Stimmung beobachten, wie einer unserer User beobachtet hat:

    http://www.beehave.de/forum/viewtopic.php?t=447

    Sie müssen zugeben, daß eine große Plexiglassäule, die einen niedrigen „Depressionsindex“ anzeigt, einen eher langweiligen Eindruck bei der Presse hinterläßt, weswegen der Barometerstand auch dringend ein wenig angepaßt werden mußte. (Ich zähle selbst zu den Beobachtern, die dieses Spektakel live erleben durften.)

    Daß Sie mit dem Teil kein Geld verdienen, sei dahingestellt. Mir drängte sich von vornherein der Eindruck auf, daß es sich um nichts weiter als eine Werbeaktion für die von Ihnen geplante Biennale für Management etc. handelt. Der Teilnahmepreis für diese Veranstaltung unterscheidet sich meiner Meinung nach massiv von „kein Geld“, aber die Preisgestaltung überlasse ich selbstverständlich Ihnen.

    Nebenbei bemerkt hat sich tatsächlich eine Diskussion ergeben, wie man in unserem Forum deutlich erkennen kann. Sie sollten sich vielleicht in Ihrem eigenen Interesse ein wenig Zeit nehmen, und die Reaktionen, die sich nicht in Funk, Fernsehen und Presse abspielen, etwas genauer studieren. Als Startpunkt seien folgende Links genannt:

    Unser Forum:
    http://www.beehave.de/forum/viewforum.php?f=14

    Ein Blogger:
    http://tdsotm.blogspot.com/2005/08/das-mrchen-mit-dem-depressionsbaromete.html

    Ein weiterer Blogger:
    http://refuserefuse.blogspot.com/

    Sie sehen, es funktioniert!

    Zu Ihrem letzten Absatz kann ich nur einen Kollegen zitieren, dessen Kommentar ich nicht besser hätte formulieren können:

    „Spiel, Satz und Eigentor!“

    Kopfkratzende Grüße aus dem Netz,

    Christian Hendricks

  4. Hallo Herr Hendricks,

    für die Datenseite sind die Jungs von Idalab zuständig, und ich werde der Sache nachgehen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass die irgendein Interesse daran haben, diese Daten zu fälschen. Auch sonst sehe ich niemanden, dem das eine oder andere Ergebnis besser in den Kram passen sollte.

    Mir ist – nebenbei bemerkt – jedes Ergebnis recht, da ich zu allem einen mehr oder weniger fundierten Kommentar abgeben kann (falls ich denn gefragt werde). Und ich kann nur betonen, dass ich selbst von den Ergebnissen immer wieder überrascht bin. So habe ich nicht damit gerechnet, dass die Werte so hoch sein würden, wie sie zu Beginn (Juli) waren (ca. 34). Das war m.E. schon bedenklich, wenn man in Rechnung stelllt, dass die Durchschnittswerte für gesunde Probanden bei etwa 17 liegen, bei Krebskranken bei 27.

    Die täglichen Daten mit Einzelereignissen in Verbindung zu bringen, scheint mir auch fragwürdig, scheint aber doch nicht ganz ohne Berechtigung (z.B. U-Bahn-Anschläge in London).

    Wirklich relevant dürfte nur der längerfristige Verlauf der Durchschnittswerte sein, und der hat sich mit dem Näherkommen der Wahl sehr verbessert. Nach der Wahl haben die Tageswerte erst gezackelt, sie sind jetzt aber seit ein paar Tagen im Bereich dessen, was man bei Gesunden als Durchschnitt erwarten sollte. Auch das hätte ich nicht erwartet.

    Was die Vermarktung angeht, so sind wir für Ideen dankbar… Und natürlich wären wir nicht traurig, wenn auch ein paar Leute auf unsere Tagung aufmerksam würden. Allerdings, Sie sagen es, ist da der Eintritt so teuer, dass mit solchen auf Massenaufmerksamkeit gerichteten Aktionen wohl kaum irgendwer zur Teilnahme verführt werden könnte. Wer dahin kommt, kommt auch ohne Depressionsbarometer (meist, weil er die Referent schon kennt, sie interessant finden etc.) Es ist eher ein Szene-Ereignis, zu dem Insider kommen, Laufkundschaft dürfte wohl kaum zu erwarten sein.

    Und der Überfall auf die Depression, der im Rahmend der „X-Organisationen“ stattfinden wird, ist wieder – soweit ich informiert bin – öffentlich.

    Was Ihre Sorge vor Eigentoren (wenn ich recht verstanden habe: wissenschaftlicher Art) angeht, so bin ich natürlich gerührt. Andererseits scheint mir, Sie haben ein sehr enges Wissenschaftsverständnis. Jenseits repräsentativer Befragungen gibt es viele Themen, die hier von Interesse sind. Wenn die Schwächen der Methodik etc. dargelegt sind, können sogar lausige Daten spannend sein und in Top-Journals publiziert werden (vor allem in Bezug auf Themen, über die es keine besseren Daten gibt).

    Und, was Sie offenbar nicht realisiert haben, wir sind ja nicht nur an der Depression in Deutschland interessiert, sondern wir beforschen die Reaktion auf das Depressionsbarometer – und insofern haben Sie sich schon jetzt ein Kapitel darin verdient.

    Beste Grüsse, FBSimon

    p.s.: Wenn Sie bei der Pressekonferenz waren, warum haben Sie sich nicht gemeldet? Ich wäre durchaus an einer Diskussion mit Ihnen interessiert gewesen (und bin es noch). Aber vielleicht ist dieser öffentliche Weg eh der beste…

  5. Hallo Herr Hendricks,

    Sie gestatten, dass sich auch die auf Ihrer (bzw. Herrn Funkes) Webseite so genannten „Statistik-Stümper“ in die Diskussion einklinken.

    Wie Sie und Ihre Kollegen dort bemerkt haben gibt es Unterschiede zwischen dem online gezeigten Graphen und den bei der Pressekonferenz präsentierten Daten.

    Wie schon Herr Simon ausführte, sind diese Unterschiede darauf zurückzuführen, dass wir, d.h. die „Statistik-Stümper“, uns gestattet, haben die Daten nach wissenschaftlichen Standards aufzubereitet. Das beinhaltet sowohl eine Analyse und Bereinigung nach allg. bekannten Richtlinien (Abgleich mit repräsentativen Indizes), aber auch eine Bereinigung mit von anderen „Statistik-Stümpern“ entwickelten Methoden (siehe z.B. Schäfer, Schräpler, Müller, Wagner, „Automatic identification of faked and fraudulent interviews in the german soep“, Schmollers Jahrbuch, Duncker & Humblot, Berlin 125:183-193, 2005). Sofern Sie sich die Mühe machen wollen sich in die entsprechende Literatur zu vertiefen, werden Sie sicher sehen, dass es für die vermeintliche von Ihnen beobachtet „Fälschung“ eine ganz harmlose Erklärung gibt.

    Da Sie sich selber eine „kritische Berichterstattung“ auf die Fahnen schreiben darf ich deshalb die folgende Bitte an Sie richten: Bevor Sie falsche Anschuldigungen erheben fragen Sie doch zunächst bei den Beschuldigten nach.

    Darüber hinaus trete ich gerne mit Ihnen und den anderen Autoren des beehave Forums in einen sachlichen Diskurs bzgl. unserer Kompetenz im Bereich Statistik und den Herausforderungen denen man bei der Umsetzung eines Tools wie dem depressionsbarometer gegenübersteht.

    Viele Grüße,
    Sebastian Mika

  6. Hallo Herr Simon, Herr Mika,

    jetzt wissen wir immerhin gemeinsam, daß Sie mit verschiedenen Datensätzen arbeiten. Der genaue Grund, weshalb der Online-Graph sich von dem per Print präsentierten unterscheidet, ist allerdings immer noch nicht klar. Ebenso erscheint mir fraglich, wieso Sie, Herr Simon, nicht davon in Kenntnis gesetzt wurden. Schließlich präsentieren Sie die Werte unabläßlich.

    Wir wären sehr an einer genauen Betrachtung der per Print präsentierten Werte interessiert. Ich frage mich, wieso der unbereinigte Index online der Öffentlichkeit präsentiert wird, während der bereinigte Graph nur einer kleinen Besucherschar zugänglich gemacht wurde. Bereinigte Daten sollten doch für die Öffentlichkeit interessanter sein, weil relevanter. Oder sind sie es nicht?

    Die Arbeit mit zwei verschiedenen Datensätzen erinnert ein wenig an Churchills Ausspruch zum Thema Statistik, finden Sie nicht auch? Fragwürdig nur, daß die beiden Datensätze von den gleichen Leuten präsentiert werden.

    Vielleicht finden Sie einfach den Besitzer/die Besitzerin der Kodak DX4900, bei der Datum und Uhrzeit falsch eingestellt sind. Der/Diejenige kann dann bestimmt eine bessere Aufnahme von der Schautafel in unser Forum posten, damit wir gemeinsam etwas mehr erkennen können. Bei Bedarf helfen wir Ihnen gerne dabei.

    Was „gesunde“ Probanden angeht, so wüßte ich gerne, woher die von Ihnen genannten Werte stammen. Wo wurden bisher zu diesem Thema Studien durchgeführt? Wie wurden die Werte berechnet? Waren die Fragen die gleichen? Wieso wurde eigentlich die Skalierung geändert? (Ich kenne Ihr Barometer nur mit der neuen Skalierung, bin aber in einigen älteren Presseberichten auf völlig andere Werte gestoßen.)

    Nebenbei bemerkt wurden in einigen Presseberichten auch Werte aus dem Ausland erwähnt, z.B. in der Frankfurter Rundschau, online am 15./16.9. Woher stammen diese Werte? Mußten die Probanden im Ausland sich auch auf Fragen einlassen, die wie Ihre gar keine positive Wertung zuließen? Wieso darf man eigentlich bei der Beantwortung der Fragen keine bessere Stimmung haben als bisher?

    Ihre Fragen sind, so kann man auch der „Ziel“-Seite Ihres Barometers entnehmen, an „in der klinischen Forschung anerkannte Verfahren“ angelehnt. Ich nehme an, daß die anerkannten Verfahren langsam vom Anlehner abrücken. Insofern sind die Rückschlüsse auf irgendwelche Ereignisse wohl auch eher mit Vorsicht zu genießen.

    Was die Depression in Deutschland angeht: Haben Sie sich eigentlich mal gefragt, was passiert, wenn irgendjemand mit Entscheidungsgewalt tatsächlich auf die Idee kommt, sich auf diesen „Index“ zu verlassen? Auf der Hauptseite des Barometers kann man diesen (von uns bereits des öfteren kritisierten) frommen Wunsch schließlich immer noch ablesen. Da heißt es nach wie vor: „Als täglich aktualisierter Präsenzindikator der Stimmungslage Deutschlands sollte der Wert des Deutschen Depressionsbarometers in Zukunft neben dem Geschäftsklimaindex zu den wichtigsten Indikatoren der wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik zählen.“ Bitte nicht! Jeder auf diesem Planeten, der ein wenig der deutschen Sprache mächtig ist, kann sich auf diese Weise an diesem Land vergehen.

    Nebenbei: Wer sagt Ihnen eigentlich, daß Ihr Barometer die Stimmungslage Deutschlands präsentiert, und nicht die z.B. einer durchgeknallten Horde englischer Fußballfans, die zufällig der deutschen Sprache mächtig sind?

    Was Ideen zur Vermarktung der ganzen Aktion angeht: Das überlasse ich lieber Ihnen. Schließlich haben wir Ihnen bereits genug Informationen zum Thema Datensicherheit quasi kostenlos überlassen. Irgendwann müßten auch wir eine Rechnung schreiben… Mir persönlich wäre es allerdings peinlich, vor versammelter Presse nach reichlich Aufhebens um die schlechte Stimmung in diesem Land einen „Indikator“ zu präsentieren, der mir gute Laune dokumentiert. Insofern sind Ihre Chancen, von der Presse beachtet zu werden, natürlich bei höherem Pegel besser.

    Was die anstehenden Publikationen angeht: Wenn ich mein Wissenschaftsverständnis soweit dehne, daß es das Niveau der Zeitschrift Gala erreicht, könnten Ihre „lausigen Daten“, auch wenn sie noch so „bereinigt“ sind, tatsächlich spannend werden. Ich bleibe aber lieber Wissenschaftler und unterlasse die Dehnung, zumindest in diesem Maße. Ich hoffe, daß Redakteure der Top-Journale meine Meinung teilen.

    Die Reaktionen auf Ihr Barometer, zumindest die kritischen, finden übrigens überwiegend in unserem bereits erwähnten Forum statt, während die in der Presse befindlichen (den Polylux-Beitrag eingeschlossen) doch eher einer unreflektierten Wiedergabe der von Ihnen vorgegebenen Stichworte enstprechen. Als Quelle für Reaktionen und Plattform für Diskussionen lade ich Sie hiermit erneut in unser Forum auf http://forum.beehave.de ein.

    Übrigens: Ich war selbstverständlich _nicht_ auf der Pressekonferenz, denn ich wohne nicht in Berlin, der Weg war mir ein wenig zu weit, außerdem haben Herr Funke und ich, wie bereits erwähnt, tagsüber Besseres zu tun. Mit „Spektakel“ meinte ich die live zu verfolgende Datenverfälschung, die einer unserer User hier http://www.beehave.de/forum/viewtopic.php?t=447 dokumentiert hat. Mein Wohnort ist aber trotzdem leicht herauszufinden. Ein Dozent aus dem Fachbereich Mathematik würde dazu sagen: „Trivial, Übung für zu Hause!“

    Viel Spaß bei der Recherche wünscht

    Christian Hendricks

    P.S.: Für den Begriff „Statistik-Stümper“ können wir selbstverständlich nichts. Bei unserem Forum kann jeder mitmachen, und i.Allg. wird auch nichts zensiert. Betrachten Sie also diesen Begriff, so leid es mir tut, als Reaktion auf Ihr Barometer und die damit zusammenhängenden Aktionen.

    P.P.S: Hoffentlich, Herr Mika, übersteigt Ihre Kompetenz im Bereich Statistik den im Bereich Internetprogrammierung. Ihre ersten Versuche im letztgenannten Bereich ließen diesen Schluß leider nicht zu. Den Grund haben wir unter http://www.beehave.de/forum/viewtopic.php?t=393 vor etwa zwei Monaten ausführlich dokumentiert. Ich denke, Sie wissen, was ich meine.

  7. Hallo Herr Hendricks,

    der Ton wird offenbar aufgeregter. Ab jetzt sollte ich mich wohl besser heraushalten und die Datenfreaks unter sich lassen…

    Was Ihr Wissenschaftsverständnis angeht, so weiss ich ja nicht, wo Sie es herhaben, es scheint mir aber doch ein wenig eingeschränkt (aber das ist natürlich ein Vorwurf, der in der wissenschaftlichen Diskussion alltäglich und billig ist und nur von den inhaltlichen Konflikte ablenkt). So wie es Ihnen frei steht, meine bzw. unsere wissenschaftliche Qualifikation in Frage zu stellen, haben wir die Freiheit, Ihre Qualifikation in Frage zu stellen (was ich hiermit noch nicht einmal tun will). Ich habe aber wenig Lust, mich auf ein „Besserwisserspiel“ mit Ihnen einzulassen, denn – wie Sie und Ihr Kollege – habe ich Besseres zu tun.

    Aber – um des Sportsgeistes willen – lassen Sie uns doch wetten, dass es uns/mir gelingen wird, aus dem Projekt Depressionsbarometer (mindestens) einen wissenschaftlichen Artikel zu machen, der in einem Top-Journal (was darunter zu verstehen ist, sollten wir anhand des SSCI definieren)publiziert wird.

    Beste Grüsse, FBSimon

  8. Hallo Herr Simon,

    wir müssen leider feststellen, daß sich Ihre Auffassung unserer Qualifikation mit unserer Auffassung Ihres Sportsgeistes deckt. Wieso sollten wir auf eine Wette eingehen, die Ihr Vorhaben sowieso nur unterstreicht?

    Wir sollten die Wette lieber etwas umformulieren:

    Wir wetten, daß in Ihrem Artikel nicht dargestellt wird, wieso man bei Ihrer
    Umfrage keine bessere Laune als bisher haben darf.

    Weiterhin wetten wir, daß Sie es nicht schaffen, die vorgenommenen
    Datenmanipulationen zu erklären (das dürfen Sie auch gerne Herrn Mika
    überlassen).

    Übrigens: Wie erklären Sie (oder Herr Mika) sich die folgenden Beobachtungen zur Errechnung Ihres Index?

    http://beehave.de/forum/viewtopic.php?p=1291#1291

  9. Hallo Herr Hendicks,

    was die Unmöglichkeit der Angabe einer verbesserten Laune angeht, so haben Sie natürlich im Prinzip recht. Das hat aber etwas mit der Tradition psychologischer Diagnostik zu tun, die an Symptomen interessiert ist, nicht an Symptomfreiheit.

    Ich habe – nebenbei bemerkt – ein Buch zu dem Thema geschrieben („Die andere Seite der Gesundheit- Ansätze einer systemischen Krankheits- und Therapietheorie“), in dem diese Logik problematisiert ist. Abweichung von einem erwarteten „Normalzustand“ (wie z.B. schlechte statt guter Laune) ist eben einfacher zu diagnostizieren, als Vermehrung von guter Laune. Gesundheit läßt sich nicht positiv definieren, Krankheit schon. Verbesserung ist daher in den meisten psychologischen Tests nur als Verminderung von Symptombildung zu finden.

    Was Ihre Forumsteilnehmer angeht und deren Kritik bzw. Manipulationsvorwürfe, so bin ich doch ein wenig verwundert: Erst werfen sie unseren „Statistikstümpern“ vor, dass die Daten manipuliert werden können, und dann werfen sie ihnen vor, dass die Daten nicht manipuliert werden können… Ja, was denn nun? frag ich mich das als Statistiklaie…

    Beste Grüsse, FBSimon

  10. Hallo Herr Simon,

    anscheinend stellen Sie die diagnostischen Methoden selbst in Frage. Es wäre Ihnen mit Sicherheit ein Leichtes gewesen, den „psychologischen Test“, als den Sie Ihre Umfrage gerne bezeichnen, in einer Form zu realisieren, die weniger suggestiv auf das von Ihnen gewünschte Ziel hinarbeitet. Dies wäre durchaus wünschenswert bei einem Test gewesen, der sich derart hohe Ziele steckt, aber leider haben Sie sich dieser Möglichkeit nicht angenommen.

    Was die Manipulationen angeht, so möchte ich Sie bitten, unsere Kommentare beizeiten vielleicht noch einmal durchzulesen. Ihnen (bzw. Ihrem Team) wird vorgeworfen, die Daten selbst zu manipulieren (bzw. zu bestimmen), während normale User, die einfach nur einen besonders guten oder schlechten Tag haben, nicht mehr in die Gesamtwertung mit einbezogen werden. Damit weicht Ihre Umfrage vom selbst vorgenommenen Ziel, das da lautet:

    „Das Depressionsbarometer bildet die Gemütslage der Deutschen ab“

    leider deutlicher als je zuvor ab.

    Grüße vom anderen Ende der Leitung,

    Christian Hendricks

    P.S.: Was wird jetzt eigentlich aus der Wette?

  11. Hallo Herr Hendricks,
    ihre Wettmodifikation nehme ich gerne an. Und in die Auswertung und Verarbeitung der Daten durch Idalab mische ich mich nicht ein. Zu denen habe ich, ehrlich gesagt, weit mehr Vertrauen als zu Ihren Blogteilnehmern.
    Beste Grüsse, FBS

  12. Lieber Herr Hendricks,

    was soll man schon zu den Vorwürfen der Teilnehmer Ihres Forums sagen? Wenn dort von „nicht mehr zu leugnenden Beweisen“ für irgendwelche „offiziellen Fälschungen“ die Rede ist, klingt das für mich nicht so, als ob dort an einer anderen als der eigenen Meinung überhaupt Interesse besteht. Oder was denken Sie?

    Mir ist es im übrigen nach wie vor völlig schleierhaft, wieso uns ein Wert von z.B. 31 lieber sein soll als irgendein anderer? Wäre nicht ein Wert der auf eine dicke Depression verweißt viel besser? Weshalb sicher auch bald jemand bemerken wird, dass wir den Wert jetzt auf über 40 manipuliert haben. Ein weiterer, nicht zu leugnender Beweis für unsere Manipulationen.

    Ansonsten kann ich nur auf den Beitrag des Users „utepmit“ in Ihrem Forum verweisen. Möglicherweise ist ja an den Stimmen, von denen beklagt wird, dass sie nicht gezählt werden, etwas prinzipiell anders als an anderen Stimmen? Sie werden Verständnis dafür haben, dass ich hier nicht sagen werde was. Ich bin aber zuversichtlich, dass die User Ihres Forums bald heraushaben was das ist. Dann können wir unsere Ressourcen wieder in diesem völlig fruchtlosen Spielchen verbrennen.

    Natürlich stimmt es, dass das System, welches die Fake-Votes aus dem Index herausfiltert auch Fehler macht. Etwa 10% der nicht gewerteten Stimmen werden fälschlicher Weise aussortiert. Aber diesen Preis müssen wir wohl leider dafür zahlen, dass die große Zahl anderer Nutzer wie bisher ohne lästige Anmeldung o.ä. abstimmen kann.

    Viele Grüße, Ihr
    Sebastian Mika

    P.S.: Ich entschuldige mich für die Mühe die Sie damit haben, meine Beiträge hier in Ihr Forum zu transferieren. Leider lädt der dort vorherrschende Ton nicht dazu ein, sich direkt an der Diskussion zu beteiligen.

    P.P.S.: Noch ein paar Anregungen für Ihre Forums-Teilnehmer und für die Untermauerung der Beweise gegen uns:

    Frage 1: Wenn man bei sagen wir 1000 Votes eine weitere Stimme abgibt, wie groß kann deren Einfluß auf den Index maximal sein? Antwort: 1000/1001 * Mittelwert bisher + neuer Wert/1001.

    Frage 2: Wenn eine normalverteilte Zufallsvariable den Erwartungswert X hat, was ist der wahrscheinlichste Wert den man beobachten wird? Antwort: X.

    Frage 3: Wenn man zufällig Votes generiert und die sind mal sehr niedrig und mal sehr hoch, wie beeinflußt das den Index (wenn es nicht gelingt diese Votes heraus zu filtern)? Antwort: Nicht mehr als der Mittelwert der zufälligen Votes und das auch nur relativ zu dem Anteil der übrigen Votes.

  13. Hallo Herr Mika, Hallo Herr Simon,

    mit dem Wert 31 war wahrscheinlich lediglich ein vorgegebener Mittelwert
    gemeint, der in der Zeit, als die entsprechenden Beiträge geschrieben wurden, vorherrschte. Sie müssen zugeben, daß dieser Eindruck entsteht, wenn sich tagelang nichts ändert und diverse Benutzer diese Beobachtung machen.

    Zur Fruchtlosigkeit dieses Spielchens: Ich finde, daß unsere User (und wir)
    Ihnen mittlerweile zu einer halbwegs (naja) sicheren Website verholfen haben. (Über den Inhalt der Fragen schweigen wir hier diesmal vornehm.)

    Ohne unseren offenen Brief wäre Ihre Website stattdessen wahrscheinlich noch
    immer im sicherheitstechnisch desolaten Anfangszustand, und wir hätten
    einfach über Wochen hinweg in Deutschland beliebige „Stimmung“ erzeugen
    können, ohne daß auf Ihrer Seite jemand etwas davon gemerkt hätte. Wenn Sie
    Ihre nachträglich erledigten Hausaufgaben als Ressourcenverbrennung
    bezeichnen, bitteschön.

    Wem Sie, Herr Simon, nun mehr Vertrauen schenken, überlassen wir
    selbstverständlich Ihnen.

    Viele Grüße vom anderen Ende der Leitung,
    Christian Hendricks

    P.S.: Keine Sorge, Herr Mika, es ist schnell erledigt, Ihre Texte in unser
    Forum zu kopieren. Allerdings fragen wir uns, wieso Sie (bzw. die anderen
    Verantwortlichen) die Diskussion suchen, sich dann aber nicht daran
    beteiligen wollen?

    P.P.S.: Vielen Dank für diesen Ausflug zurück in die Schulbank. Ich finde
    diese Zeitreisen herrlich.

    Zu Frage 1:
    Gehen wir davon aus, daß Sie mittlerweile 100.000 Werte haben. Seit grob 100
    Tagen ist Ihr Barometer online, macht ca. 1.000 Werte pro Tag, Cluster (z.B.
    durch schlechtes Wetter am Wochenende, Pressemeldungen etc.) und Progression, z.B. durch erhöhte Bekanntheit mal nicht berücksichtigt. So drückt der zweihundertste Benutzer am Tag, wenn er denn richtig gute Laune (0 Punkte) hat, den Mittelwert um 1/199, bei den erwähnten 31 Punkten also um 0,155 Punkte nach unten. Ein halbwegs schlecht gelaunter Mensch (70 Punkte) schiebt den Wert hingegen um mindestens 0,3 Punkte nach oben.

    Morgens zu den ersten 200 Benutzern zu zählen, sollte nicht allzu schwer sein.

    Zu Frage 2:
    Der Erwartungswert entspricht leider nicht ganz dem Sinn Ihrer Studie.
    Abgesehen davon, daß wie schon des öfteren erwähnt durch die Fragestellungen
    in diese Richtung manipuliert wird.

    Zu Frage 3:
    Niemand hat zufällig Votes generiert, unser User „fluoxetin“ hatte lediglich
    festgestellt, daß beliebige Werte nicht mehr in die Gesamtwertung einbezogen
    werden.

  14. Hallo Herr Hendricks,

    dass ich durchaus die positiven Aspekte Ihrer Experimente mit unserem Barometer sehe, habe ich andernorts schon gesagt (Carl-Auer-Blog von B. Hildenbrand am 15.9.05).

    Wenn Sie denken, wir (ich) suchten die Diskussion mit Ihnen, so täuschen Sie sich – wir verweigern sie nur nicht. Wenn man öffentlich kegelt, muss man sich halt drauf einstellen, dass die umgefallenen oder stehen gebliebenen Kegel nachgezählt werden…

    Beste Grüsse, FBS

  15. Depressiv nach Ausfüllen des Depressionsbarometers: Nach dem Lesen mußt eich den schnellen Selbstversuch wagen: alle Werte im hellgrünen Bereich, keine Trübung, keine Wolken,… ein erwartet guter Wert. Bis dann im Teil der statistischen Angaben nach meinem Einkommen gefragt wird…
    Ergebnis nach Ausfüllen: sehr gut (absolut depressionsfrei)
    Befinden nach Ausfüllen: Depressiv.
    Wo hakt es???
    Grüßend
    R. Wagner

Kommentare sind geschlossen.