Der hat Probleme

Fragen, die mir zur Zeit durch den Kopf flattern:

1. Können Bücher Eier legen und – falls ja – welchen Umfang hat ein Ei das von einem 3 x 4 Meter großen Buch gelegt wird? Nächstes Problem: Bücher haben keine Eigentemperatur. Spätestens nach dem Legen ist hier Schluß mit der Betreuung. Das Ausbrüten müssten also andere übernehmen. Aber, ehrlich gesagt, selbst dort, wo es Eigentemperatur gibt, bei Hühnern, Kühen, Pferden oder Menschen bspw. wird auch eingegriffen, zugepackt und unterstützt. Ich denke an ein Trocken-Aquarium, drinnen das Ei (auf Stroh) und darüber eine gewaltige, rote Wäremelampe. Wie lange würde sie dauern, die Sache mit dem Schlüpfen? Zwei bis drei Wochen? Noch ein Problem: Was käme raus?
2. Vor einigen Tagen hatte ich ein Gespräch über Diabetes in Wien. Der Statistik nach steigt diese Krankheit in den westlichen Ländern rapide an; der Grund dafür: Bewegungsmangel und falsche Ernährung. Angenommen, man könnte die deutschen Städte zu einer Art Wettbewerb verführen: erste nationale Meisterschaft in der Disziplin „Urbane Abmagerung“; kleinste Teilnehmereinheit: die Familie. Man steigt mit Kind und Kegel auf eine riesige im Zentrum der Stadt aufgestellte Apothekerwaage und los gehts. Drei Wochen pro Familie, drei Monate für die Stadt. Die Skala zeigt den aktuellen Stand: München/sechste Woche, 5723 Kilo leichter; achte Woche, 7645 Kilo… – Schwabing liegt vorne, knapp gefolgt von Haidhausen, Garching ist aktuelles Schlußlicht; erster Preis, eine Familienreise zum Zuckerhut. Klar, die Dicksten hätten die größten Chancen. Damit lägen die Oststädte vorne. Die haben es schon deshalb leichter, weil sie schwerer sind. Was nützt den Westlern die größere Einwohnerzahl – abgerechnet wird prozentual.
3. Seit zwei Monaten messen wir den aktuellen Stand der deutschen Depression (www.Depressionsbarometer.de). Irgendwie ist zur Zeit Abmessen angesagt. Dass Deutschland am Montag schwer depressiv ist, leuchtet ein, dass der Pegel am Wochenende sinkt, auch. Aber wieso steigt die Kurve hin und wieder am Mittwoch gegen 16.00 Uhr um bis zu 35 Prozent? Nächstes Problem: Wenn wir im November die nationale Depression in Berlin überfallen, was passiert dann mit ihr? Wird ein verlorenes Lachen in die Wirklichkeit einbrechen oder bleibt dort, wo sich vorher die Trausigkeitsepedemie breitmachte und wohlfühlte, nur ein Loch, ein Nichts? Noch ein Problem: Wie wird das Ausland reagieren? Schließlich sind wir berühmt und werden geliebt für unsere tolle Depression. Vermutlich reagieren die Franzosen sauer und die Italiener zumindest zutiefst irritiert. Letztes Problem: Wer übernimmt die Verantwortung? Also, gleich vorweg, ich auf alle Fälle nicht. Ich weigere mich, für alles auf dieser Welt den Kopf hinzuhalten.

5 Gedanken zu “Der hat Probleme”

  1. Was mich beschäftigt, ist die Frage, warum die Fragen, die Dich im Moment so beschäftigen so klein gedruckt sind. Ist das ein erster Versuch sich wegzuducken? Wäre ja plausibel, angesichts der Weigerung, die Verantwortung für was auch immer zu übernehmen.
    Beste Grüsse, FBS

  2. Ich habe mir den Text auf meinen Computer kopiert (WORD). Da erscheint er einheitlich von oben bis unten in meiner vorgegebenen Standardschrift. Bequem zu lesen. Ist er mir immer noch nicht groß genug, kann ich die Schrift auf 150 Prozent setzen. Niemand muss sich ducken, er wird auf diese Weise aufgerichtet. Aber da ist wieder dieses Problem von Wahrnehmung und Sinnestäuschung von neulich.

    Gruß Horst Kasper

    [War eine Frage der Formatierung. Ist jetzt OK. Gruß Carl]

  3. Lag wohl wirklich an meinem Computer, denn jetzt zeigt er wieder die normale Grösse. Was wieder einmal beweist, dass es immer die zentrale Frage ist, wo oder bei wem man die Ursache für irgendwelche Phänomene verorten soll/muss/kann/darf…
    Ich übernehme hiermit jedenfalls die volle Verantwortung für die Missetaten meines Computers… (aber nur in diesem Fall).
    Gruss, FBS

  4. short cut zu grossem und kleinem, für kurzsichtige und weitsichtige, für ducker und aufrichter, für jung und alt:

    Strg-Taste halten und am Mausrad kurbeln

  5. Danke, „short cut“! Was man doch alles beim Carl-Auer-Blog nebenbei lernen kann. Wunderbar!
    Gruß Horst Kasper

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