Der Merz-Irrtum

Um die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Vorsitzende bemühen sich drei Kandidaten: Annegret Kamp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz.

Da ich gewisse Freude am Prognostizieren gefunden habe, will ich auch in Bezug auf diesen Wahlausgang eine Vorhersage wagen: Merz wird gewinnen.

Ich will das hier nicht bewerten, sondern versuchen es zu begründen.

Frau Kramp-Karrenbauer, die von den drei die größte Regierungserfahrung hat, ist die Favoritin von Frau Merkel, und die Phantasie der Mitglieder der CDU ist, dass sie als Merkel 2.0 fungieren würde. Es gibt sicher etliche Leute in der Partei, die das gut fänden, aber die dürften angesichts der Lautstärke der Merkel-Gegner nicht Gehör findne. Also: Sie ist raus. Merkel muss wahrscheinlich ganz und gar weg.

Herr Spahn ist der jüngste der Kandidaten – dem Lebensalter nach. Das heißt aber nicht, dass er ein junges Programm repräsentieren würde. Ganz im Gegenteil: Indem er der AfD nachläuft, verläuft er sich im Labyrith einer rückwärts gerichteten Alte-Männer-Programmatik, wie sie für die AfD charakteristisch ist. Auch, wenn er das etwas sympathischer macht als die Leute vom ganz rechten Rand, ist das nicht mehrheitsfähig.

Herr Merz hat ein ähnliches Problem. Er steht für die Kohl-CDU und ist Hoffnungsträger derjenige Mitglieder, die denken, damals sei alles besser gewesen, und daher wieder zurück zu den „guten alten Zeiten“ streben. Nicht, dass man mit 62 keine neuen Ideen haben könnte – da traue ich Herrn Merz mehr zu als dem etwas hohl wirkenden Herrn Spahn -, aber er glaubt offenbar auch, dass die Zukunft der CDU weiter rechts zu finden sei. Aber das dürfte m.E. ein Irrtum sein, denn die alte Rechts-links-Unterscheidung ist nicht mehr angemessen, um die Konfiktlinien in der globalen und globalisierten Gegenwartsgesellschaft zu erfassen. (In der Hinsicht sind die Grünen offenbar die einzigen, die das geschnallt haben.)

Trotzdem dürfte Merz gewinnen, weil er die heimlichen und unheimlichen Machthaber der CDU auf seiner Seite hat und die gemeinen Mitglieder dazu neigen dürften, die Vergangenheit zu idealisieren. Merz hat sich in der großen Koalition in den letzten Jahren nicht beflecken müssen, das reicht als Qualitätsmerkmal für seine Wahl.

Dass die von ihm personifizierte Politik der CDU nachhaltig helfen wird, bezweifle ich, aber Merz ist nicht blöd, d.h. er könnte lernen, die Modernisierung der CDU – angesichts des Wegsterbens von jährlich 1 Million CDU-Wählern – voran zu treiben…