Deutsche Bank / Commerzbank

Fusionen wie Eheschließungen beruhen auf gegenseitiger Idealisierung, so lautet eine alte Bauernregel, die sich über die Jahrzehnte als passend erwiesen hat. Üblicherweise sind die fusionierten Unternehmen weit weniger weit als die beiden nicht-fusionierten Unternehmen in der Summe es vorher waren.

Ich habe damals – vom Rande schauend, beim Essen in der DB-Vorstandsetage – mitbekommen, wie versucht wurde, die Dresdner Bank und die Deutsche Bank zu fusionieren. Wie sie das versuchten, erschien mir aus einer systemtheoretischen Perspektive, schon damals vollkommen bekloppt. Man versuchte nämlich „die besten Leute“ aus beiden Unternehmen irgendwie zusammen zu spannen. Dabei wurde – ganz individuumzentriert – kein Gedanke auf die Tatsache verschwendet, dass es um die Verschmelzung zweier autopoietischer, sozialer Systeme ging (zweier Systeme mit ihren je eigenen, unverwechselbaren Kulturen). Sie zu verschmelzen – zwei autopoietische Systeme – ist so, als ob man aus zwei Sprachen eine einzige machen wollte oder aus zwei Organismen einen einzigen. Ich nenne diesen Ansatz der Fusion daher das „Frankenstein-Modell der Fusion“. Das Resultat ist nicht besonders lebensfähig oder gar ästhetisch befriedigend.

Jetzt haben Deutsche Bank und Commerzbank beschlossen, nicht zu fusionieren. Dadurch werden 30.000 bis 50.000 Arbeitsstellen erhalten. Wunderbar.

Das Argument für deren Fusion war, dass ein Land wie Deutschland eine international konkurrenzfähige Großbank braucht. Aber, ist das nicht ein wenig zu provinziell gedacht? Sollten wir nicht eher auf europäische Banken schauen, die eine Unterstützung für europäische Unternehmen liefen können?